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Dez.22
on 22. Dezember 2019
Veröffentlicht in: F. - B. Habel

F.-B. Habel

Die Nummer Zwei nach Juri Gagarin
oder Abendbrot aus der Gulaschkanone

Das Filmmuseum Potsdam präsentiert unser Sandmännchen zum 60.
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F.-B. Habel

Wer als Berliner/in oder aus dem Umland für sich und seine Familie noch ein weihnachtliches Ausflugsziel sucht, sei auf eine interessante Ausstellung hingewiesen, die für jung und alt gleichermaßen besuchenswert ist.

„Den Abendgruß vom Fernsehfunk schaut jeden Abend Alt und Jung!“ Die zweite Strophe des Sandmann-Liedes wurde nach 1991 nicht mehr gespielt, denn der Deutsche Fernsehfunk, dessen beliebtester Star das Sandmännchen war, war schnöde abgewickelt worden. Fast hätte es auch den Fernsehliebling getroffen, aber als der Plan ruchbar wurde, gab es einen Entrüstungssturm in der halben neuen Republik, bei dem sogar Westzuschauer mittaten.

Bild aus „Unser Sandmännchen“ wird 60 Jubiläumsmotiv, Bild: rbb Presse & Information, Quelle: YouTube sreentshot

Dass der erste Film, der die Rahmenhandlung für die seit 1958 ausgestrahlten Abendgrüße, ein Schnellschuss war, merkte ihm niemand an. In den oberen Etagen des Fernsehfunks wurden auch West-Zeitungen gelesen, und da fand man Ende Oktober 1959 die Ankündigung, dass am 1. Dezember im SFB ein Sandmann auf Sendung gehen sollte – gerade zur Sendezeit des DFF-Abendgrußes. Dem wollte Adlershof zuvorkommen. Der damals 30jährige Puppengestalter und Regisseur Gerhard Behrendt erhielt den Auftrag, schnellstens einen Sandmann und eine Rahmenhandlung als Puppentrickfilm zu entwickeln, und tatsächlich schaffte es sein kleines Kollektiv, den ersten Sandmann-Film am 22. November 1959, eine gute Woche vor dem SFB, auf den Sender zu bringen. Zwar wurde an der Puppe noch einmal etwas geändert, denn da er Müdigkeit symbolisieren sollte, trat er mit halb geschlossenen Lidern auf („Schlafzimmerblick“ nannte das die ältere Generation spöttisch), aber mit seinen Knopfaugen im zweiten Film war er fertig und es begann seine Erfolgsgeschichte. Puppenvater Behrendt erklärte die Wirkung auf alle Generationen so: „Seine Physiognomie hat etwas Kindliches und trägt zugleich das Merkmal der Weisheit und Würde des Alters.“

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Im Laufe der Jahrzehnte entstanden Hunderte von Filmen, die vor allem die kleinen Zuschauer begeisterten. Faszinierend war die Vielzahl von Verkehrsmitteln, die das Sandmännchen benutzte (obwohl es auch ganz gern mal zu Fuß ging). Da waren zum Beispiel Straßenbahn, Bus, Spreewaldkahn, Segelboot, Kutter, Schlitten oder Sattelschlepper. Als an den BER noch nicht zu denken war, landete der Sandmann auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld mit einer Sondermaschine der Interflug. Er flog im Hubschrauber über den Neptunbrunnen in Berlin ein, wie es überhaupt mehr als ein Dutzend Sujets aus Berlin gab, wo er beispielsweise die Weltfestspiele im Sonderbus erreichte. Auf die Leipziger Messe kam er in einem grünen Robur-Bus (weil der blaue des RBB noch nicht in Sicht war) und wurde vom Messemännchen begrüßt – auch eine Schöpfung von Gerhard Behrendt. Es gab Reisen im Eselskarren nach Bulgarien und mit dem fliegenden Teppich in den Irak. Er bereiste die Sowjetunion, Ungarn, Indien, Ägypten Kuba und den Nordpol. Sogar Westdeutschland besuchte er mindestens zwei Mal, um sich mit den Bremer Stadtmusikanten zu treffen.

Gut, Juri Gagarin musste er 1961 den Vortritt lassen – aber dann reiste auch der Sandmann ins All, und nicht nur einmal. Selbst auf einer Raumstation sorgte er für gesunden Schlaf.

Vieles davon kann man in der neuesten Ausstellung (der siebenten seit 1987) im Filmmuseum Potsdam nachvollziehen, wobei den Weltraumreisen ein ganzer Raum gewidmet ist. In einem weiteren Raum kann man ins Märchenland eintauchen, denn das Sandmännchen besuchte u.a. Frau Holle, Schneewittchen und die sieben Zwerge, Rotkäppchen, Burattino und viele weitere Märchenfiguren.

Kuratorin Ugla Gräf und Ausstatter Wilko Drews haben die Ausstellung „Mit dem Sandmann auf Zeitreise“ für die ganze Familie konzipiert. Für die Kleineren gibt es unten viel zu entdecken, auch Bildschirme, auf denen man die Filme sehen kann, die zu den Figuren in den Vitrinen gehören. Die Großen erfahren Wissenswertes zu den Hintergründen, etwa zur Geschichte der Sandmann-Figur seit E.T.A. Hoffmann und Hans Christian Andersen, oder zeitgeschichtliche Hintergründe aus 60 Jahren Sandmännchen. Denn die Identifikationsfigur unterstützte auch immer mal ganz subtil politische Kampagnen. Trotz aller Reisen zog es das Sandmännchen in die „Heimat DDR“, es half gelegentlich auch guten Freunden der NVA beim Brückenlegen oder fuhr im Schützenpanzerwagen. Das Abendbrot gab es dann aus der Gulaschkanone.

Im Filmmuseum kann man basteln, und eine Ecke fürs Körpertraining gehört auch dazu. Und wenn man davon müde ist, ist der Sandmann ja schon da!

Mit dem Sandmann auf Zeitreise, Filmmuseum Potsdam, bis 30. Dezember 2020 Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, mit vielen Workshops und Begleitprogrammen.

Der Artikel erschien leicht gekürzt am 22.11. in junge Welt. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Bilder, Videos und Bildunterschriften wurden von der Redaktion AmericanRebel hinzugefügt.
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Für den Inhalt dieses Artikels ist der Autor bzw. die Autorin verantwortlich.
Dabei muss es sich nicht grundsätzlich um die Meinung der Redaktion handeln.

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└ Schlagwörter: Abendgruß, Adlershof, AmericanRebel, Arbeit Zukunft, Ausflugsziel, Ausstellung, BER, Berlin, Berliner, Burattino, Bus, DDR, Deutscher Fernsehfunk, DFF, E.T.A. Hoffmann, Fernsehliebling, Filmmuseum Potsdam, Frau Holle, Hans Christian Andersen, Interflug, Karl Marx, Kutter, Märchenfiguren, ntrüstungssturm, Rotkäppchen, Sandmann-Film, Sandmann-Lied, Sattelschlepper, Schlafzimmerblick, Schlitten, Schneewittchen und die sieben Zwerge, Schnellschuss, Segelboot, Spreewaldkahn, Straßenbahn, Weihnachtsfest, Weisheit
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Dez.22
on 22. Dezember 2019
Veröffentlicht in: Harry Popow

Harry Popow

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Harry Popow

Alarm im Weih-Rauch-Zelt

Weihnachten 2019

 

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Getreu dem warnenden Aufruf aus der Clique der Rüstungsgesellen, man möge an einem Strang ziehen und einer solle für alle da sein und alle für einen.

Doch der Militärische Abschirmdienst und der Schutz der Verfassung vor Unheil steckten beizeiten ihre nach sogenannten Auswegen, sprich Lügen, glühenden Köpfe zusammen und fummelten Einsatzpläne für den Fall der Fälle: Könne es doch sein, dass eine Gruppe von Ungehorsamen und EWIG-GESTRIGEN urplötzlich die Strophe „Brüder zur Sonne zur Freiheit…“ in die Welt hinausposaunen. Deshalb wurden im WEIH-NACHTS-ZELT digitale Überwachungsapparaturen angebracht, die jeden unerwünschten Laut umgehend und unverzüglich melden sollten.

Gut gebrüllt Löwe, dachten selbstzufrieden die Aufpasser vom Dienst. Doch es kam noch schlimmer als vermutet, denn die Überwachungskameras konnten auch sogenannte gefährliche Träume an eines zwar eingezäunten aber gerade deshalb friedlichen Landes digital registrieren.

Plötzlich schrillten tatsächlich im Überwachungszentrum die Alarmglocken. Was tun? Denn im Dunst des Weihrauches schieden sich die Geister. Die einen beschimpften den Träumer mit seinen Erinnerungen, die anderen warfen ihm absolute Dummheit vor. Zur Beruhigung der anscheinend eskalierenden Lage wurden die Medien unverzüglich angewiesen, den Lämmern zum x-ten Male einen Beitrag über einen sogenannten Schießbefehl vor die Fernsehglotzen zu schmettern, und das am 21.12.2019 am Abend, so ganz aus heiterem Himmel, was nicht seine Wirkung verfehlte. Denn nun war kein Träumen mehr nötig, dafür aber breitete sich Angst aus vor neuen an die Wand gemalten Feinden. Dem EWIG-GESTRIGEN wurde ein Küchenmesser an die Kehle gelegt und man stimmte erneut das Lied an, dass alle Menschen Brüder seien.

Einige der getreuen und staatsnahen Michels konnten nicht ahnen, dass die ideologische Vermassungsbehörde insgeheim auch diesen Moment der Angsterzeugung im Publikum für sich auszuschlachten wusste. Am nächsten Morgen fanden alle Teilnehmer der Festlichkeit im staatlichen Zirkuszelt unter ihrem Fußabtreter vor der häuslichen Türe einen freiwilligen Einberufungsbefehl. Denn das neue angemahnte Großmanöver von US-Truppen auf deutschem Boden im Jahre 2020, dass sich wiederholt gegen den Osten richten sollte, bräuchte Männer und Frauen, die an einem Strang ziehen für „Volk und Vaterland“. Für alle Fälle! Wie gehabt…

Harry Popow, Dezember 2019 (Bild: Gerd Thürk, Kiel, 21. Dezember 2019)

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Frühere Artikel von Harry Popow

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Dez.21
on 21. Dezember 2019
Veröffentlicht in: Allgemein

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Zentralorgan der Kommunistischen
Arbeiterpartei Frankreichs (PCOF)
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Kolumbien: Größte Massenmobilisierung seit 1977!

Die größte Mobilisierung seit 1977 – so bewerten zahlreiche Kommentare die fünftägige Massenmobilisierung Ende November 2019 im ganzen Land.

Am 21. November brachte der Bürgerstreik etwa 250.000 Menschen auf die Straßen Bogotas und der großen Städte im ganzen Land. Er war initiiert worden von den Organisationen der Einheitsgewerkschaft der Arbeiter (CUT) sowie denen der Bauern, der indigenen Bevölkerung, der Frauen, von LGBT-Gruppen, von Umweltorganisationen*. Ihr Forderungskatalog enthält wichtigsten sozialen Forderungen: gegen eine

Bogota November 2019! Quelle: colombiainforma.info

erneute reaktionäre Reform des Arbeitsrechts, Ablehnung einer Rentenreform, die Forderung nach mehr Geld für die öffentliche Bildung, besonders im Universitätsbereich. Dazu kamen Forderungen zu den sozialen und politischen Maßnahmen, welche die Regierung Uribe anlässlich der „Friedensverhandlungen“ 2016 ergriff. Diese Maßnahmen Duques, seit 16 Monaten Nachfolger Uribes, sind ein totgeborenes Kind. Vor allem aber hat die Verfolgung und Ermordung von Menschenrechts-Aktivisten, von Führern der Massenorganisationen durch Armee und mit ihr zusammenarbeitende paramilitärische Gruppen zugenommen. Rund 155 Morde gab es seit Unterzeichnung der „Vereinbarungen“ mit der FARC, der ältesten und wichtigsten Guerilla-Organisation Kolumbiens. Übrigens haben mehrere ehemalige „Fronten“ der FARC wieder zu den Waffen gegriffen, infolge der Nichterfüllung der Verpflichtungen durch Regierung und Armee und der Zunahme von Morden an Aktivisten.

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Die Demonstranten haben ihre Angst überwunden

Trotz massiver Drohungen und Einschüchterungen, trotz des massiven Einsatzes von Polizei und „Antiaufstands-Brigaden“ waren die Demonstrationen riesig, kämpferisch und festlich – mit Topfdeckel-Schlagen, Gesängen, Sprechchören… Aber als es zu ersten Plünderungen von Geschäften am Rande der Demonstration kam, nahm die Polizei dies sofort zum Anlass, die Demonstranten mit Unmengen von Granaten aller Art zu attackieren, den Demonstrationszug mit aller Gewalt anzugreifen.

Lage Kolumbien. Bild fred-br., free-pic

Am Abend dieser Machtdemonstration durch die Demonstrierenden und die Organisationen des Volkes begann Duque einzugestehen: „Die Kolumbianer/innen sich heute klar ausgedrückt haben, und wir haben verstanden“. Gleichzeitig aber verfügte er den Ausnahmezustand über Bogota und mehrere andere Städte. Als die Nachrichten über die Tötung eines jungen Demonstranten in Bogota, Dilan Cruz, durch eine Blendgranate und die von drei Jugendlichen in Valle da Cauca bekannt wurden, wurde die Demonstration am Abend des 24-Stunden-Streiks wieder aufgenommen, weit entfernt davon aufzuhören. Lautstarke Sprechchöre forderten die Verurteilung der Polizeigewalt und besonders die Auflösung der Antiaufstands-Brigaden. Die Demonstrationen dauerten 5 Tage an.

Am 22. November rief Duque zum Dialog, zu einer „nationalen Debatte“ auf – zu verschiedenen Themen wie „Gleichmäßige wirtschaftliche Entwicklung, Kampf gegen die Korruption, Frieden, Umwelt…“ Die Debatte solle bis zum März dauern. Er versuchte, die in den Regionalwahlen vom 20. Oktober 2019 (bei denen Duques Partei schwer geschlagen wurde) soeben gewählten Bürgermeister und Gouverneure einzubeziehen, aber seine Unbeliebtheit bricht Rekorde.

Kolumbien ist ein Land, wo sehr große Ungleichheit herrscht, ein an Ressourcen aller Art reiches Land, die sich aber eine Oligarchie aneignet, die mit dem US-Imperialismus eng verbunden ist. Dieser verstärkt gerade seine militärische Präsenz in dem Land, das an Venezuela angrenzt.

Die mächtige Bewegung der letzten Tage, die eine Wende im politischen und sozialen Leben markiert, muss ihre Einheit festigen und sich für die nächsten Kämpfe organisieren.

* Die Umweltschutz-Organisationen haben sich ein gewisses Gehör verschafft, insbesondere durch ihren Widerstand gegen das umfangreiche landesweite Fracking-Projekt der Regierung.
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Aus „La Forge„, Dezember 2019. Veröffentlichung mit freindlicher Genehmigung der PCOF. Übersetzung: Siegfried None. Karrikaturen und Bilder wurden von der Redaktion „AmericanRebel“ teilweise oder ganz hinzu gefügt. Erstveröffentlichung in deutscher Sprache: www.Arbeit-Zukunft.de

 

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Dez.20
on 20. Dezember 2019
Veröffentlicht in: Allgemein

Harry Popow

Soldaten für den Frieden (Teil neunundzwanzig)

Leseprobe aus „Ausbruch aus der Stille…“ von Harry Popow
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Harry Popow

Hier nun die neunundzwanzigste Leseprobe aus meinem neuen Buch »Ausbruch Aus Der Stille – Persönliche Lebensbilder in Umbruchzeiten«, das im Februar dieses Jahres auf den Markt gekommen ist. Bitte benutzt auch die Kommentarfunktion für Eure Kritiken und Einschätzungen.
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Der Anfang vom Ende?

Berühmt-berüchtigter 9. November 1989. Abends im Wohnzimmer. Henry sitzt mit Lutz, seinem Halbbruder, auf dem Sofa. Sie reden über Gott und die Welt, vor allem über das gegenwärtige Durcheinander in der Politik, über Reformbemühungen. Dann die abendlichen Meldungen. Die wollen sie nicht versäumen. Mal sehen, was es Neues gibt. Plötzlich Politbüromitglied Schabowski über die Möglichkeit, ab sofort die Grenze passieren zu können. Ohne besondere Genehmigung. Was? Haben wir das Gestammel richtig verstanden? Den beiden und Cleo, die in der Küche mitgehört hat, bleibt die Luft weg. So schnell und mit einem Mal? Ist das noch kluge und weitsichtige Politik? Ist das nicht ein Beschluß aus Notwehr? Zeigt der nicht die innere Zerrissenheit der Führung? Ganz im Inneren sagt sich Henry, tatsächlich, Krenz macht eine neue Politik fürs Volk. Positives und irrational es Denken im Sekundentakt. Aber er tröstet sich nur damit. Er ahnt nicht, was daraus folgen wird. Gemischte Gefühle – Freude und Schreck zugleich!

Der vierundfünfzigste Geburtstag von Henry. Cleo muss zur Arbeit ins Fernsehen. Hat ihm einen lieben Brief geschrieben: „Bitte nicht traurig sein, dass Fraule nicht da ist. Dieses Jahr ist eben wirklich alles verratzt. Nichts desto trotz drück ich Dich ganz lieb, wünsche Dir zum Geburtstag viele liebe gute Dinge: etwas Gesundheit, weiterhin Standhaftigkeit (überall!!!), Ellenbogen, wo Du sie brauchst, eine hoffentlich bald wieder malende Hand, viel, viel Liebe für uns! Wir zwei werden das Geburtstagsessen nachholen jetzt im Dezemberurlaub. Ich lade Dich ein!!! Die ganze blöde Scheiße, die in letzter Zeit über uns hereingebrochen ist – mit Karacho – wird Dich hoffentlich im neuen Lebensjahr nicht wieder anfechten. Es kann nur wieder vorwärts gehen! In diesem Sinne – auf ein Neues! Kussel, Kussel, Kussel! In Liebe, Dein Fraule.“

Henry kann wieder einigermaßen laufen. Hatte Ischias. Und nun – am 12. Dezember – macht er ihn doch, den Schritt über die bislang gefährlichste Grenze in Europa nach Westberlin. Aber er geht mit Cleo, selbstbewußt, vornehm, kultiviert. Sie fahren mit der U-Bahn nach Kreuzberg, da wohnt Tochter Patricia. Nein, den wilden, ungezügelten Ansturm vom November – obwohl er auch zu verstehen war nach so vielen Jahren – hat er nicht mitgemacht, war ihm zu schreierisch. Und wieder: Gemischte Gefühle beim Anblick der vollen Schaufenster. „Nicht wir haben dies erarbeitet“, denkt er. Schön, schön … Und dann? Der Preis wird hoch sein.

Henry ist in der Beratergruppe wegen der ausgesprochenen Parteistrafe nicht mehr „tragbar“. Er wird in die „Programmabteilung“ verfrachtet. Hier wird brisantes Material für den „Schwarzen Kanal“ mit Karl-Eduard von Schnitzler aufbereitet. Mühevolles Registrieren der Westsendungen, scharfe Trennung von Wesentlichem und Unwesentlichem, Tag und Nacht im Schichtsystem, reinste Knüppelarbeit. Seit Anfang Dezember macht Henry das. Er hat es satt bis obenhin. Da erfährt er, eine Videotextredaktion soll installiert werden. Das interessiert ihn. Es könnte eine Chance sein, aus dieser Hölle herauszukommen…

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Zum Inhalt

Ausgangssituation ist Schweden und in Erinnerung das Haus in Berlin Schöneberg, in dem die Ziebells 1945 noch wohnen. Der Leser erfährt zunächst, wer die Eltern waren (seine Mutter stammt aus Moskau), berichtet kurz vom Evakuierungsort 1943/44 in Pommern, von der Rückkehr in das noch unter Bombenhagel liegende Berlin (Schöneberg), von den Eindrücken nach Kriegsende und vom Einleben in der neuen Gesellschaft, dabei auch von einer Begegnung der Jungen Pioniere mit Wilhelm Pieck.

Buch-Cover Ausbruch aus der Stille von Harry Popow – Mit freundlicher Genehmigung des Autors

Die Lehrzeit wird skizziert mit der Arbeit im Zwickauer Steinkohlenrevier, mit Tätigkeiten in der Geologischen Kommission der DDR und mit dem Besuch der Offiziersschule der KVP/NVA in Erfurt und in Plauen, wo er seine spätere Frau kennenlernte.
Wie lebt ein junger Offizier in der Einöde im Nordosten der DDR, welche Gedanken und Gefühle bewegen ihn? Darum geht es in den nächsten Aufzeichnungen seiner Impressionen. Seine Träume führen ihn mitunter weg vom Kasernenalltag und so nimmt er die Gelegenheit wahr, für fünf Monate im Walz- und Stahlwerk Eisenhüttenstadt als einfacher Arbeiter tätig zu sein.
Durch Versetzungen gelangt er nach Potsdam. Dabei kommen Querelen des Alltags als Ausbilder und später als Politoffizier nicht zu kurz. Ein Glücksfall für ihn, als er nach Neubrandenburg in einen höheren Stab als Redakteur berufen wird. Er beginnt ein Fernstudium als Diplomjournalist an der Karl-Marx-Universität in Leipzig. Inzwischen ist er längst glücklich verheiratet. Die Höhen und Tiefen eines Militärjournalisten – die zwingen ihn, vieles neu zu überdenken. Vor allem als einstiger Ausbilder gelingt es ihm, die Probleme der Soldaten immer besser zu verstehen und sie bildhaft zu schildern.

Die spätere Arbeit als Abteilungsleiter in der Wochenzeitung „Volksarmee“ macht ihm nicht nur Spaß, er nimmt auch Stellung gegen Ungereimtheiten, was ihm nach der Entlassung aus dem aktiven Armeedienst und der Tätigkeit als Journalist im Fernsehen der DDR nicht nur böse Blicke einbringt. So fährt er im September 1989 seiner Tochter nach Ungarn hinterher, um herauszukriegen, weshalb sie mit ihrem Partner abgehauen ist; er gibt ihr dabei das Versprechen, sie in keiner Weise als Tochter zu verurteilen. Nach seiner Rückkehr wird er mit einer Parteistrafe gerügt, die Wochen später angesichts der vermeintlichen Verstöße und Fehler durch die Politik nicht mehr relevant scheinen und wieder gestrichen wird. Auf Unverständnis stößt er auch bei seinen Mitarbeitern, als er nach der Teilnahme an der Dokumentarfilmwoche1988/89 in Leipzig angeblich nicht die erwarteten Schlussfolgerungen zieht.

Nach der Wende: Versuche, arbeitsmäßig Fuß zu fassen, u.a in Gran Canaria und in einer Steuerfirma. Die Suche nach Alternativen, günstiger zu wohnen, sowie die Sehnsucht nach Ruhe führt das Ehepaar nach Schweden.

Episoden aus dem Dorfleben und von vielen Begegnungen, so z.B. bei der Geburtstagsfeier einer siebzigjährigen Schwedin, machen den Alltag und die feierlichen Momente in der „Stille“ nacherlebbar. Keine der in der DDR erlebten Widersprüche und politischen Unterlassungssünden wirft den überzeugten Humanisten aus der Bahn, wogegen die Kapitaldiktatur mit ihren hörigen Medien, politische Manipulationen und Lügen im angeblich so demokratischen Deutschland ihn aufbringen – er bleibt ein Suchender, auch nach der Rückkehr im Jahre 2005 nach Deutschland. Als Rentner, Blogger, Rezensent und Autor!

zum 1. Teil zum 6. Teil zum 11. Teil zum 16. Teil zum 21. Teil zum 26. Teil zum 31. Teil
zum 2. Teil zum 7. Teil zum 12. Teil zum 17. Teil zum 22. Teil zum 27. Teil
zum 3. Teil zum 8. Teil zum 13. Teil zum 18. Teil zum 23. Teil zum 28. Teil
zum 4. Teil zum 9. Teil zum 14. Teil zum 19. Teil zum 24. Teil zum 29. Teil
zum 5. Teil zum 10. Teil zum 15. Teil zum 20. Teil zum 25. Teil zum 30. Teil

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Harry Popow: AUSBRUCH AUS DER STILLE. Persönliche Lebensbilder in Umbruchzeiten. © Copyright by Harry Popow, Verlag: epubli, Druck: epubli – ein Service der neopubli GmbH, Berlin, Erscheinungsdatum 18.02.2019, ISBN: 9783748512981, Seiten: 500, Preis: 26,99 Euro.

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Über den Autor: Geboren 1936 in Berlin Tegel, erlebte Harry Popow (alias Henry) in seinem Buch „Ausbruch aus der Stille“) noch die letzten Kriegsjahre und Tage. Ab 1953 war er Berglehrling im Zwickauer Steinkohlenrevier. Eigentlich wollte er Geologe werden, und so begann Harry Popow ab September 1954 eine Arbeit als Kollektor in der Außenstelle der Staatlichen Geologischen Kommission der DDR in Schwerin. Unter dem Versprechen, Militärgeologie studieren zu können, warb man ihn für eine Offizierslaufbahn in der KVP/NVA. Doch mit Geologie hatte das alles nur bedingt zu tun… In den bewaffneten Kräften diente er zunächst als Ausbilder und danach 22 Jahre als Reporter und Redakteur in der Wochenzeitung „Volksarmee“. Den Titel Diplomjournalist erwarb der junge Offizier im fünfjährigen Fernstudium an der Karl-Marx-Universität Leipzig. Nach Beendigung der fast 32-jährigen Dienstzeit arbeitete er bis Ende 1991 als Journalist und Berater im Fernsehen der DDR. Von 1996 bis 2005 lebte der Autor mit seiner Frau in Schweden. Beide kehrten 2005 nach Deutschland zurück. Sie sind seit 1961 sehr glücklich verheiratet und haben drei Kinder, zwei Enkel und zwei Enkelinnen.

Frühere Artikel von Harry Popow
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Dez.20
on 20. Dezember 2019
Veröffentlicht in: Allgemein

Rui Filipe Gutschmidt

Nach kurzer Pause schlägt Sturmtief Elsa heute wieder zu –
Warnstufe ROT nach großen Schäden letzer Nacht

Rui Filipe Gutschmidt

In der Nacht von Mittwoch auf Donnertag wurde der Norden Portugals schwer vom Sturmtief Elsa erwischt. Der heftige Regen und der Sturm haben große Schäden verursacht und, nach einer kurzen Pause, wird ein weiterer Ausläufer des Tiefdruckgebiets Portugal und Spanien noch härter Treffen. Am Samstag kommt schon das nächste Tief und vielleicht sollte man langsam an den Bau einer Arche denken…

Laut IPMA wird die Nordhälfte der Iberischen Halbinsel diesen Nachmittag (19.12.2019) wieder hart von Sturmtief Elsa getroffen. Nachdem vergangene Nacht schon große Schäden verursacht wurden, steht den Portugiesen das schlimmste noch bevor. Vergangene Nacht wurden Dächer abgedeckt, Bäume entwurzelt und Tiefgaragen überschwemmt.

Überschwemmung Stadtpark in Chaves, Portugal – Screenshot YouTube

In Santo Tirso, im Distrikt Porto stürzten Bäume auf das Haus und die Autos einer siebenköpfigen Familie. Sie mussten vorübergehend in einer Pension untergebracht werden. Der Kuhstall eines Milchbauern verlor ebenso Teile des Dachs und die Photovoltaikanlage, mit der die Produktion betrieben wurde. Im Distrikt Coimbra wurden zwei Brüder bei Waldarbeiten von der Maschine erschlagen, mit der sie umgestürzte Bäumen aus dem Weg räumen wollten.

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Die gestrige Vorhersage: „Morgen (19.12.2019) zwischen 15 und 21 Uhr werden die Distrikte Viana do Castelo, Braga, Porto, Vila Real, Aveiro, Bragança, Viseu, Guarda, Castelo Branco und Coimbra wegen starker Windböen von bis zu 85 Stundenkilometer, vor allem an der Küste, und bis zu 110 Kmh im Hochland, auf Warnstufe Gelb gesetzt.“ wurde also für den heutigen Tag noch einmal verschärft. Die Warnstufe wurde auf Rot erhöht und die erwarteten Windgeschwindigkeiten wurden auf 100 bis 120 Stundenkilometer nach oben korrigiert.

Viele Menschen werden diese stürmischen Stunden in Häusern ohne Strom, Gas und mit bereits schwer beschädigten Dächern, Fenster und Türen verleben. Mehrere Flüsse können über die Ufer treten: Lima, Tamega, Douro, Vouga und Mondego sind Flüsse, die den Dauerregen auffangen und nicht schnell genug in Richtung Meer bringen.

Inzwischen wird der Autor dieses Beitrags ebenfalls einpacken, bevor der Elsa wieder voll zuschlägt! Erneut meine Warnung. Bleiben Sie in zuhause, wenn Sie raus müssen, dann seien Sie besonders im Straßenverkehr vorsichtig und bleiben sie fern von den Wellen am Ufer des Atlantiks. Unter Bäumen oder in Garagen zu Parken ist auch keine gute Idee. Wenn ihre Garage / Keller vollläuft, dann versuchen sie nicht ihr Auto „zu retten“. Viele die dies versucht haben, sind dabei ertrunken. Luken dicht, Tauchstation!

Erstveröffentlichung heute in unserer Partnerzeitung INFO-WELT.
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Lest dazu auch:

Sturmtief Elsa zieht über Portugals Norden – nach wochenlangem Regen drohen lokale Überschwemmungen

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Weitere Artikel von Rui Filipe Gutschmidt
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Dez.19
on 19. Dezember 2019
Veröffentlicht in: Allgemein, Jakob Reimann

Jakob Reimann

Trump verhängt neue Sanktionen
gegen die iranische Bevölkerung

Jacob Reimann

Die Trump-Administration verhängt neue Sanktionen gegen den Iran. Targets sind unter anderem die staatliche Reederei IRISL und die größte private Airline Mahan Air. Der Vorwurf lautet: „Proliferation von Massenvernichtungswaffen“ und deren „direkter Beitrag zur verheerenden humanitären Krise … im Jemen“. Donald Trump spielt eine weitere Seite aus dem Irak-Playbook und beweist einmal mehr, dass er alles andere als die „Taube“ ist, als die ihn auch viele Apologeten im Westen so gerne sehen wollen.

Am Mittwoch verhängte die Trump-Regierung neue unilaterale Sanktionen gegen den Iran; gegen Firmen, Personen und immaterielle Güter. Im Fokus der Sanktionen steht IRISL, die iranische Staatsreederei und deren chinesische Tochter E-Sail Shipping, doch allen voran die größte private Fluggesellschaft im Iran, Mahan Air.

By Michael Vadon, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (Trump); mashup by Jakob Reimann, JusticeNow!, licensed under CC BY-SA 4.0.

Drei Funktionäre der Airline wurden sanktioniert genau wie Dutzende Flugzeuge. Mahan Air wird seit längerem von den USA sanktioniert, 2011 im Zuge von „Anti-Terror-Sanktionen“ gegen den Iran. Dieses Mal beschworen das US-Außen- und das -Finanzministerium die Executive Order 13382 aus 2005 herauf, den „War on Terror“-Jahren der Bush-Ära, die die „Proliferation von Massenvernichtungswaffen“ unter Strafe stellt.

Irans Präsident Hassan Rouhani erklärte, seine „Regierung ist entschlossen, [den Feind] zu besiegen, indem sie die amerikanischen Sanktionen umgeht“.
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Ökonomischer Terrorismus aus dem White House

„Das iranische Regime nutzt seine Luftfahrt- und Schifffahrtsindustrie, um seine regionalen terroristischen und militanten Gruppen mit Waffen zu versorgen“, begründet US-Finanzminister Steven T. Mnuchin die Sanktionen, doch bemüht sich die Trump-Administration mit keiner Silbe, uns zu erklären, wie genau sich die zivile Mahan Air der „Proliferation von Massenvernichtungswaffen“ schuldig gemacht habe.

Die Sanktionen richten sich nur sekundär gegen Mahan Air selbst, und keineswegs gegen die Führung des Iran. Vielmehr sollen andere Länder aus Angst davor, mit einem vermeintlichen „Proliferator von Massenvernichtungswaffen“ zu kooperieren, dazu gedrängt werden, Lande- oder auch nur Überflugrechte für Mahan-Flieger zu canceln oder Ersatzteile für die Airline zu liefern – Sekundärsanktionen gegen alles und jeden also, der es wagt, mit dem Iran Geschäfte zu machen, wie US-Außenminister Mike Pompeo auch unverblümt einräumt.

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Zwar versichert Pompeo, die Sanktionen würden aus Solidarität mit dem „unterdrückten iranischen Volk“ verhängt, doch richten sie sich natürlich exakt gegen dieses „unterdrückte iranische Volk“. „Die Amerikaner haben die iranischen Fluggesellschaften seit Jahrzehnten sanktioniert“, kommentiert Mohammad Marandi, Professor von der University of Tehran, „und sie wollen, dass das Fliegen für die Menschen gefährlicher wird“. Durch die neuen Sanktionen wird buchstäblich das Leben von Iranerinnen und Iranern aufs Spiel gesetzt – eine Form von ökonomischem Staatsterrorismus, wie ihn die USA auch im Jahrzehnt vor der illegalen Irak-Invasion eingesetzt hatte, als unter Bill Clintons genozidalem Sanktionsregime im Irak 1,7 Millionen Menschen im US-Wirtschaftskrieg getötet wurden, 500-600 Tausend Kinder darunter.

Die Flieger der zivilen Mahan Air, der größten privaten iranischen Airline, sind das Haupttarget der jüngsten US-Sanktionen gegen den Iran. By Nabil Molinari, Flickr, licensed under CC BY-NC-SA 2.0.

Der Kommentator Nebojsa Malic findet zur absurden Begründung für die jüngsten Iran-Sanktionen in seiner Headline auf RT English die passende Analogie: „Eine Seite aus dem Irak-Playbook: USA beschwören Massenvernichtungswaffen herauf, um ‚maximum pressure‘-Sanktionen gegen den Iran zu verhängen“.

Jener US-Präsident Trump, der sich – fälschlicherweise – stets als großer Gegner des Irak-Kriegs 2003 gebärdet hat, insbesondere aufgrund der Jahrhundertlüge „Massenvernichtungswaffen“, spiegelt nun das Verhalten der Neocons und Kriegstreiber in der Bush-Administration im Vorfeld der Irak-Invasion: Lügen über „Massenvernichtungswaffen“, Lügen über die Staatsführung, Lügen über nichtvorhandene Connections zu Terroristen und ökonomischer Terrorismus gegen die Bevölkerung des Landes.
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Donald – die „Taube“

Viele Hoffnungen lagen zu Beginn auf der Trump-Administration, gebärdete er sich doch stets als Non-Interventionist, als jemand, der sich aus all den US-Kriegen zurückziehen wolle – ich habe diesen Schwachsinn nicht eine Sekunde lang geglaubt. Ja, richtig, anders als seine Vorgänger hat Trump noch keinen neuen Krieg begonnen (zumindest keinen mit Bomben und Raketen, in Venezuela begann er einen blutigen Wirtschaftskrieg), doch ist auch er eine schlichte Weiterführung des US-Imperialismus, der sich einbildet, die Welt mit den blutigsten Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen, nach seinem Bilde formen zu dürfen.

Er schlachtet auf Rekordniveau Zivilisten im Jemen, im Irak und in Syrien, fährt Lutschläge in Somalia exzessiv hoch, sandte allein seit Mai 2019 14.000 neue Truppen in den Nahen Osten (nach 2003 auch wieder die ersten US-Soldaten nach Saudi-Arabien), beorderte in seinen ersten drei Monaten im Jemen mehr Drohnenschläge als „Drohnenkönig“ Obama in den drei Jahren zuvor, wirft die „Mutter aller Bomben“ auf Afghanistan ab, wirft weißen Phosphor auf Syrien ab und pulverisiert mit Raqqa eine ganze Stadt, tötet in Venezuela mit Knebelsanktionen allein im ersten Jahr 40.000 Menschen und warf mehrfach völkerrechtswidrig Bomben auf Assad ab – ist das die „Taube“, als die ihn auch seine blinden Apologeten im Westen weiterhin gerne porträtieren?
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Beleidigung unserer Intelligenz

Einen Teil der Begründung für die neuen Iran-Sanktionen ließ ich bislang außen vor und möchte ihm zum Ende dieses Texts besondere Aufmerksamkeit zukommen lassen.

Die Sanktionen gegen die iranische Schifffahrts- und Flugindustrie dienten der Unterbindung des „Schmuggels tödlicher Hilfe vom Iran in den Jemen“, so das US-Finanzministerium, gemeint sind „Waffenlieferungen an die Houthi-Rebellen“. Das „iranische Regime“, so US-Finanzminister Mnuchin weiter, leiste „einen direkten Beitrag zur verheerenden humanitären Krise … im Jemen“.

Die Heuchelei und die moralische Verrohung in dieser Begründung sind nur schwer zu beschreiben. Es gibt halbwegs glaubhafte Berichte, dass der Iran in der Vergangenheit im kleinen Maße die Houthis mit Waffen beliefert hat, was ich an dieser Stelle keineswegs leugnen will – aber: Der Jemen ist historisch derart überschwemmt mit Waffen aller Art, dass die Houthis schlicht keinen Bedarf an einer massiven Aufrüstung aus dem Ausland haben (wie ich hier dargelegt habe). Doch nehmen wir des Argumentes willen eine Sekunde an, die US-Regierung hätte Recht und der Iran würde die Houthi-Rebellen massiv hochrüsten.

Können wir den Jemenkrieg kurz vom Kopf auf die Füße stellen? Die „verheerende humanitäre Krise“ im Jemen, die Trump mit seinen Sanktionen beenden will, gibt es natürlich, es ist laut UN die „größte humanitäre Katastrophe der Welt“ – doch wurde sie nicht von den Houthis hervorgerufen, sondern von der aus dem Westen unterhaltenen Saudi-Emirate-Koalition!

Seit bald fünf Jahren vernichtet eine Koalition ultrareicher Staaten das ärmste Land der arabischen Welt. Bombardiert Hochzeiten, Flüchtlingsboote, Moscheen, Beerdigungen, Krankenhäuser, Farmen, Lebensmittelfabriken und jede nur denkbare zivile Infrastruktur, setzt Hunger genau wie die größte jemals registrierte Choleraepidemie als Kriegswaffen ein.
Und der größte Unterstützer dieser genozidalen Koalition sitzt im Weißen Haus – heißt Donald J. Trump.

In den Jahren des Jemenkriegs (2015-2018) stammten 56,8 Prozent aller Waffenlieferungen an die acht Koalitionäre aus den USA; der Anteil erhöht sich gar auf 70 Prozent, wenn lediglich Lieferungen an die beiden treibenden Kräfte der Koalition – Saudi-Arabien und die VAE – berücksichtigt werden.

Herkunftsländer der Waffenexporte an die acht Länder der Saudi-Emirate-Koalition in den Jahren des Jemenkriegs (2015-2018). Data source: SIPRI Arms Transfers Database. Compiled and created by Jakob Reimann, JusticeNow!, licensed under CC BY-ND 4.0.

Wenn Trump, die „verheerende humanitäre Krise“ im Jemen beenden will, kann er einfach aufhören, Waffen an die Koalition zu liefern. Das Narrativ, die jüngsten Iran-Sanktionen hätten irgendetwas mit dem „unterdrückten iranischen Volk“ oder den armen Menschen im Jemen zu tun, ist eine Beleidigung unser aller Intelligenz.

Erst kürzlich berichtete die Süddeutsche Zeitung exklusiv, sechs Menschenrechts- und Juristen-NGOs hätten gegen den deutschen Rüstungskonzern Rheinmetall sowie die deutsche Bundesregierung beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag Strafanzeige wegen ihrer Komplizenschaft an Kriegsverbrechen im Jemen gestellt.

So, Mr. Trump, unterstützt man „unterdrückte Völker“ und bekämpft „verheerende humanitäre Krisen“.

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Erstveröffentlichung auf JusticeNow. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers

Über den Autor: Als studierter Biochemiker hat Jakob Reimann ich ein Jahr in Nablus, Palästina gelebt und dort an der Uni die Auswirkungen israelischer Industrieanlagen auf die Umwelt und die Gesundheit der Menschen in der Westbank erforscht. Nach einiger Zeit in Tel Aviv, Haifa, Prag und Sunny Beach (Bulgarien) lebt er jetzt wieder in Israel und kennt daher „beide Seiten“ des Konflikts und die jeweiligen Mentalitäten recht gut. Soweit er zurückblicken kann ist er ein politisch denkender Mensch und verabscheut Ungerechtigkeiten jeglicher Art. Aus bedingungslos pazifistischer Sicht schreibt er gegen den Krieg an und versuche so, meinen keinen Beitrag zu leisten. Seine Themenschwerpunkte sind Terrorismus, das US Empire, Krieg (Frieden?) und speziell der Nahe Osten.

Weitere Artikel von Jakob Reimann

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Dez.16
on 16. Dezember 2019
Veröffentlicht in: Allgemein, Rui Filipe Gutschmidt

Rui Filipe Gutschmidt

Wozu braucht man die „Freie Presse“?

Der Assange-Effekt und der vergessene Sinn für Meinungsfreiheit
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Rui Filipe Gutschmidt

Meinungsfreiheit und Pressefreiheit sind mehr als nur leere Worte. Es ist die Basis auf der eine freie Gesellschaft aufgebaut ist. Medienmanipulation andererseits, ist ein altbekanntes Übel und die Medien selbst sind ja sogenannte „Meinungsmacher“, die bei einer Diktatur „gleichgeschaltet“ werden. Aber wir leben doch in einer Demokratie, einem Rechtsstaat, einer freien Gesellschaft, oder?

Die deutschen Medien haben den Ruf, politisch manipuliert und manipulativ zu sein. Die privaten Medienorgane vertreten die Interessen ihrer Aktionäre, die „öffentlich-rechtlichen“ TV- und Rundfunksender sind der Regierung und den Hintermännern des Staatsapparates hörig. Kritik am alles beherrschenden System aus Geld und der damit erkauften Macht, findet man eher selten in den „etablierten“ Medienorganen.

Fake-News von Twitter Trends 2019 – Flickr.com CC BY 2.0

Doch im digitalen Zeitalter, gibt es Möglichkeiten für einen neuen Journalismus. Denn jeder, der so einigermaßen schreiben kann und möchte, kann jetzt seinen Senf dazu geben. Dabei gibt es Blogger, die über ganz spezifische Themen, wie Kochen, Stricken, Nähen, Mode oder Gaming schreiben, die ihre Hobbys online stellen und so Gemeinden und Foren bilden in denen man sich über gemeinsame Interessen austauschen kann. Doch es gibt auch Menschen, die aus Enttäuschung über die einseitige Berichterstattung – in vielen, ja fast allen Ländern der Welt – ihre eigene Zeitung, Magazin, Nachrichtenagentur gründeten.

Ein Journalist, der unser Weltbild mit einer dieser Onlineplattformen verändern konnte, ist Julian Assange. Mit WikiLeaks wurde eine Plattform geschaffen auf der jeder, der illegale oder unmoralische Machenschaften von staatlichen Organisationen oder Konzernen in der privaten Wirtschaft, im Sport oder irgendeinem anderen Bereich der Gesellschaft aufdeckt, seine Erkenntnisse, Dokumente, Beweise usw einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen kann. Damit wurde der investigative Journalismus, der schon halb im Koma lag, wiederbelebt und der Journalist an sich wurde wieder an seine Aufgabe erinnert.

Mein Freund und ebenfalls freier Journalist, Jairo Gomez, hat jetzt daran erinnert, dass Julian Assange Journalist ist und nicht „nur“ Whistleblower. Hier sein Statement, mit der Bitte es weiterzuleiten und zu verteilen. Dem schließe ich mich an.

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IN SACHEN JULIAN ASSANGE

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Es mag zugegebenermaßen nach „Erbsen zählen oder Haare spalten“ klingen, aber will man Julian Assange unterstützen, sollte man ihn als das bezeichnen was er ist!

Er ist Journalist und kein Whistleblower! Er schuf seinerzeit wohl eine Plattform, auf der Whistleblower ihre Informationen deponieren konnten, er aber ist und bleibt Journalist. Einer der seinen Beruf ernst genommen hat und Fakten ans Tageslicht gezerrt hat, die anderen äußerst unbequem sind und die sie gerne weiter im dunkeln wüssten.

Der Begriff „Whistleblower“ wird wie selbstverständlich vom Mainstream, der ihn bis jetzt in beschämender Weise im Stich lässt, benutzt. Dadurch wird ihm sein Status als Journalist, der er nun mal ist, nahezu unbemerkt aberkannt!

Würde er korrekterweise als Journalist bezeichnet, hätte sein Fall in der Öffentlichkeit mehr Gewicht und vor allem mehr Aufmerksamkeit. Ein Umstand, der den Verantwortlichen dieses beschämenden Falles mit Sicherheit nicht passen würde. Es würde nämlich nur allzu deutlich machen, dass es ein Angriff auf ein Fundament der Demokratie ist, ein Angriff auf die Pressefreiheit und auf die Menschenrechte!

BITTE TEILT ES SO OFT WIE MÖGLICH !!!!

So gibt es also zwei verschiedene Formen von Presse? Naja, so ungefähr. Mainstream ist der Teil, bei dem große Verlage und Medienkonzerne, sowie staatlich finanzierte Sendeanstalten, die „redaktionellen Richtlinien“ von wirtschaftspolitischen Interessen vorgegeben bekommen. Diese sind aber ganz unterschiedlich und man darf diese Medien nicht pauschal als „Lügenpresse“ bezeichnen. Denn es gibt jede Menge Journalisten, besonders im öffentlich-rechtlichen Bereich, die ihre Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen machen können. Doch es existiert eine Zensur, auch in den Köpfen der Journalisten.

Diese Zensur ist aber auch in der „Freien Presse“ zu finden. Es gibt viele Blogger, Onlinezeitungen oder -magazine und Plattformen aller Art, die sich auf ein bestimmtes Publikum spezialisiert haben und eigentlich ist auch nichts dagegen einzuwenden. Ein Problem wird es allerdings, wenn extremistische und mit Hass gespickte Botschaften mit einer Chaos stiftenden Agenda publiziert werden. Oft stecken Geldgeber dahinter, die makroökonomische und geopolitische Ziele verfolgen.

Auch auf Verschwörungstheorien spezialisierte Seiten haben oft Hintermänner, die in all dem Durcheinander zwischen Lüge und Wahrheit, Information und Disinformation, Gerüchten und Verschwörungen ihre Agenda verstecken. Eine Tatsache, dass die „Schwarzen Schafe“ unter den Onlinejournalisten in großer Zahl nicht nur den allgemeinen Ruf des Onlinejournalismus schädigen, sondern sogar dafür sorgen, dass die Arbeit all derer behindert wird, die sich das Informieren der Öffentlichkeit zur Aufgabe gemacht haben.

Unter dem Vorwand, die Verbreitung von „Fake-News“, also falschen Informationen, Disinformation und Lügen als Propagandamittel, zu unterbinden, werden Seiten blockiert, zensiert, gelöscht und diffamiert. Auch die Preise, die Werbeagenturen wie Adsense von Google für Seiten mit relativ wenig Traffic bezahlen, sind in den Keller gesunken. Wer vor sechs Jahren noch einigermaßen vom Onlinejournalismus leben konnte, kann das heute nicht mehr ohne die Spenden zufriedener Leser.

Wer dann auch noch für die Rechte von Arbeitslosen, unterbezahlter Arbeiter mit prekären Anstellungsverhältnissen und Rentner, die sich fragen müssen für was (oder WEN) sie ein Leben lang eingezahlt haben, schreibt, der hat es besonders schwer. Doch der Spagat zwischen Gewissen und Geld ist nicht einfach.
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Der Assange-Effekt

Die Arbeit von Julian Assange hat also auch eine Schattenseite, wenn man es aus einem bestimmten Blickwinkel betrachtet. Aber die Pressefreiheit und Meinungsfreiheit, wie jede Form der Freiheit, beinhaltet auch diese eine Verantwortung als Gegenleistung. Aber in einer abgestumpften Welt der zunehmenden Ignoranz, in der Wissen und Glauben sich vermischen, kann die Meinungs- und Pressefreiheit leicht missbraucht werden. Mit Wikileaks gab es also einen Boom, von dem der Leser profitierte und bei dem sich einige Seiten inmitten der übermächtigen Konkurrenz noch behaupten konnten. Als es den Mächtigen aber zu viel wurde, ergriffen sie Maßnahmen.

Da kamen die Damen und Herrn der aus Wirtschaft und Politik zusammen und beschlossen den „Fake-News“ den Kampf anzusagen. Ist doch ein guter Vorsatz, wenn es tatsächlich darum gehen würde mehr Wahrheit und weniger Lügen in die Medien zu bringen. Doch dem Bürger soll eine bestimmte Version der Realität als einzig wahres Weltbild vermittelt werden. Dabei ist die Welt nicht schwarz-weiß und es gibt verschiedene Blickwinkel und daher auch mehr wie eine Wahrheit. Schlimmer noch, wenn von gewissen Medienvertretern gezielt Lügen verbreitet werden, die aber nicht genannter Kontrolle unterliegen, da sie von den „Guten“ gebracht werden. Wenn ARD, ZDF, PRO-7, SAT-1 oder RTL, BBC, SKY, CNN, oder CBS etwas bringen, dann wird gar nicht erst hinterfragt. Der Springer-Verlag, bekannt für seine Tendenz die Wahrheit so zu verbiegen, das sich die Balken biegen, wird aber auch nicht der neuen Zensurwelle erfasst.

Dafür aber gibt es umso mehr Seiten, Online-Zeitungen, Online-Magazine und Newsportale die gesperrt werden, blockiert werden, denen keine Werbeagentur mehr Aufträge erteilt oder denen gerichtlich das Veröffentlichen bestimmter Artikel/Beiträge verboten wird. Das mag oft auch seine Gründe haben, die selbst ein Verfechter der Meinungsfreiheit wie versteht – denn Aufrufe zur Gewalt und Hetze gegen andere wegen ihrer Herkunft, Religion, sexueller Ausrichtung oder ihrer …. Meinung! – doch es trifft viel zu oft kleine Zeitungen, Radio oder TV-Sender, die den Regierungen und Machthabern ihrer Region, ihres Landes, zu kritisch wurden. Ob Ungarn, Polen oder der Türkei, Länder die sich als Demokratie bezeichnen treten immer mehr diktatorisch auf.

Dazu kommt noch die „Selbstzensur“, die von Online-Riesen wie Google, Facebook oder Twitter sich „selbst auferlegte Kontrolle“ der bei ihnen veröffentlichen Daten. Dabei ist Facebook besonders nervig, mit ihrem „sie wurden bis zum 32.13. 25:61 Uhr vom posten und kommentieren in Gruppen bei denen sie nicht Administrator sind gesperrt…“. Aber das schlimmste ist die Reichweitenbegrenzung. Während die Beiträge von Nachrichtenportalen früher tausenden Facebook-Nutzern gezeigt wurden erscheint ein neuer Post jetzt nur noch auf dem News-Feed einer begrenzten Auswahl der Leser. Genauso ist es auch bei Google, die ihre Kriterien für die Suchmaschinen mainstreamfreundlich gestallten. Dabei kann man sich Reichweite erkaufen. Facebook macht den Seitenbetreibern ständig Angebote und „verschenkt“ sogar Gutscheine. Doch 10 € zu zahlen um mit den erreichten Seitenaufrufen ein oder zwei Cent zu verdienen…

So hat Assange also einen Kampf für einen besseren Journalismus in Gang gesetzt, der aber auch von Populisten und der Propagandamaschinerie verschiedenster Gruppierungen genutzt wurde. Mit Verschwörungstheorien wird von der Wirklichkeit abgelenkt, mit Trollen werden Kritiker provoziert und generell wird „die öffentliche Meinung“ manipuliert was das Zeug hält. Aber in dieser Welt gibt es immer mehr, die sich nicht maipulieren lassen. Sie hören – besser noch LESEN – die Argumente verschiedener Seiten und bilden sich dann ihre eigene Meinung. Dazu gehören Journalisten, die sagen was sie denken und die kein Problem damit haben wenn man sie als „Träumer“ oder „Weltverbesserer“ bezeichet.

Auch hier bei Info-Welt, wie auch bei unseren Partnerseiten (unter anderem American Rebel und Arbeit-Zukunft schreiben solche Autoren, die wie ich selbst, an eine bessere Welt glauben und auch mit ihrer Arbeit dazu beitragen wollen. Ein Journalismus, der Informiert und dabei so gut wie möglich die Quellen der Informationen überprüft, sich mit der Sichtweise der Betroffenen auseinandersetzt und bemüht ist dem Leser Nachrichten zu bringen, die nicht im deutschsprachigem Mainstream zu finden sind, da sie für „uninteressant“ befunden werden. „Wir“ bezeichnen uns als „Freie Journalisten“, da wir uns von keinem Geldgeber vorschreiben lassen was wir zu schreiben haben. Aber dennoch brauchen auch wir Geld. Nicht jeder kann es sich leisten, unentgeltlich zu schreiben. Auch wenn dies wünschenswert wäre. In einer Welt, wie sie sich viele wünschen, gäbe es ein BGE – Bedingungsloses Grundeinkommen – womit man ein Minimaleinkommen bekommt, mit dem Miete, Strom, Wasser und Internetzugang bezahlen kann. Dann könnte man FREI von den finanziellen Zwängen unserer Gesellschaftsordnung einen Beitrag für eine bessere Welt leisten.


Erstveröffentlichung heute oder vor ein paar Tagen in unserer Partnerzeitung INFO-WELT.

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Weitere Artikel von Rui Filipe Gutschmidt
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Dez.12
on 12. Dezember 2019
Veröffentlicht in: Allgemein, Kim Rebell
Volkskorrespondentin

Kili Rebel
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Brutale Räumung von Häusern auch in Indonesien

Kiki Rebell

Heute, am 12. Dezember 2019, fand in „Tamansari“, Bandung (Indonesien) eine sehr brutale Räumung statt.

Seit etwa den 80er Jahren leben in diesem Stadtteil von Bandung Menschen. Im Jahr 2017 lebten dort rund 97 Familien. Die Regierung beschloss daraufhin, die Menschen aus ihren Häusern zu vertreiben, um das Gebiet wiederzuverwenden, obwohl der Konflikt noch vor Gericht geführt wird und die Schlagen, Werfen mit Steine das gesetzliche Recht haben, dort zu leben, wird vertrieben und abgerissen.
Dies ist ein klares Beispiel für eine Gesetzesverletzung und systematische Unterdrückung, die durch Tränengas, übermäßiges Schlagen, Werfen mit Steinen und Gummigeschosse erzwungen wird. Der heutige Abriss ist einer von mehreren ähnlichen Fällen von brutaler Gentrifizierung in Indonesien.

Bandung (Indonesien: Brutale Räumung und Abriss von Häusern. Bild: LBH, Bandung

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Quelle:
http://www.lbhbandung.or.id/rilis-lbh-bandung/

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Veröffentlichungen sind nur angeschlossenen Medien der Gruppe-Volkskorrespondenz gestattet.

 

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Dez.12
on 12. Dezember 2019
Veröffentlicht in: Allgemein, Rui Filipe Gutschmidt

Rui Filipe Gutschmidt

Die Ureinwohner des Amazonasgebiets
sind unerlässlich für den Schutz der Regenwaldes

Rui Filipe Gutschmidt

In einem Interview mit Luis Leiria von Esquerda.net erklärt der Anthropologe und Verfechter der Ureinwohnerrechte Sydney Possuelo, dass sich die Indios in Brasilien in einer sehr schwierigen Situation befinden, da die Politik von Präsident Jair Bolsonaro, die Funai entkräftete, um so die Möglichkeit zu eliminieren, dass diese Maßnahmen gegen die Invasion indigener Gebiete ergreifen. Doch Possuelo sieht die Lösung auch in einer inneren Bewusstseinsänderung.

Der Anthropologe Sydney Possuelo ist einer der wichtigsten Verfechter der Ureinwohnerrechte in der brasilianischen Geschichte. Von seinen 79 Lebensjahren verbrachte er 42 im Regenwald. Er hat als Präsident der Nationalen Ureinwohner Stiftung – Funai – eine riesige Fläche zum Ureinwohnerland gemacht. Es ist dennoch nur ein kleiner Teil von dem, was diesen Völkern und Stämmen gehörte bevor „der weiße Mann“ seinen Fuß auf den Boden Brasiliens setzte. Das Land in dem das „Pau Brasil“ – eine Holzart – wächst, wurde offiziell von dem Portugiesen Pedro Alvares Cabral um 1500 für die portugiesische Krone in Besitz genommen. Bis 1511 hieß es erst Ilha de Vera Cruz und dann Terra de Vera Cruz. Erst ab 1530 wurde das Gebiet, das bereits 6 Jahre vor seiner „Entdeckung“ durch den Vertrag von Tordesilhas den Portugiesen zugesprochen wurde, stärker besiedelt und erkundet. Besagter Vertrag von 1494 sprach den Portugiesen alles Land zu, dass sich östlich einer imaginären Nord-Südachse 200 Seemeilen westlich der Kapverden befand.

Wo ist dein Lächeln geblieben? – Ein junges Ashaninka Mädchen in einem Apiwtxa Dorf in Acre Brasilien – CC 0 Lizenz

Die Ureinwohner – auch „Indios“ genannt, um sie von den „Indianern“ Nordamerikas und den „Indern“, die wirklich aus Indien sind, zu unterscheiden – wurden anfänglich als Sklaven benutzt oder man tauschte billige Glaswaren und andere Gegenstände mit ihnen. Als Sklaven waren diese Menschen oft völlig ungeeignet. Sie verstanden das ganze Konzept von „Besitz“ nicht und „Menschen zu besitzen“ schon gar nicht. Neben Sklavenhändlern die Jagd auf Menschen machten, kamen auch Missionare, die Jagd auf Seelen machten. Die Konvertirten hatten einen gewissen Schutz, wobei dieser aber auch zu einem gewissen Preis kam und letztlich auch keine Garantie war. Schon damals waren die wirtschaftlichen Interessen stärker als moralische Bedenken.

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So wurde gleich von Anfang an die einheimische Bevölkerung dezimiert und zurückgedrängt. Neben Kämpfen und Versklavung hatten vor allem auch die von den Europäern eingeschleppten Krankheiten verheerende Folgen. Im Laufe der Zeit, besonders mit den Bündnissen gegen die Holländer, die im 17. Jahrhundert Teile Nord-Brasiliens besetzten, erkämpften sich einige indigene Völker Rechte, die bis heute zumindest auf dem Papier bestehen. Dazu gehören auch Schutzgebiete, die allerdings immer wieder verteidigt werden mussten. Mit Gründung der FUNAI stellten Brasiliens Machthaber unter dem Druck einer moralisch geprägten Weltöffentlichkeit weite Gebiete unter die Aufsicht einer unabhängigen, nicht staatlichen Organisation.

So ist das Gebiet der Yanomamis beispielsweise grösser als Portugal und in den tiefen des Waldes leben vereinzelt Stämme, die noch nie Kontakt mit der „Zivilisation“ hatten. Diese stehen unter besonderem Schutz, zumindest in der Theorie. Aber in dem riesigem Gebiet ist „Schutz“ ein äußerst relatives Wort. Vor der FUNAI nahm sich jeder was er wollte. Indios wurden von Fazendeiros (Großgrundbesitzer) vertrieben, Holzfäller drangen schwer bewaffnet immer tiefer in den Wald vor und auch die Suche nach Gold, Edelsteinen und Öl (unter anderem) bedrohten den Wald, seine Fauna und natürlich auch die Bewohner dieser Gebiete. Die FUNAI änderte dies teilweise.

Es war Sydney Possuelo, der die Philosophie Brasiliens in Bezug auf die sogenannten „isolierten Völker“, die indigenen Völker ohne Kontakt zur Zivilisation, veränderte. Die Politik des brasilianischen Staates hörte auf sich von der Kontaktaufnahme auf die spätere Integration der Indianer in die „Zivilisation“ zu konzentrieren. „Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass der brasilianische Staat sehen sollte, wo sich diese Gruppen befinden, ihr Land abgrenzen und ein Team bilden sollte, das nicht Kontakt mit diesen Menschen aufnimmt, sondern dieses Gebiet schützt und sie gemäß ihrer Tradition, ihren Interessen, Gewohnheiten und Bräuchen leben lässt“, erklärte Possuelo gegenüber Esquerda.net in einem kurzen Interview in Portugal.

Aber jetzt sind diese Gebiete genauso bedroht wie die Territorien, in denen der Großteil der Ureinwohner lebt. Es ist die Politik des aktuellen Präsidenten Brasiliens, Jair Bolsonaro, der die Finanzierung für die FUNAI unter fadenscheinigen Gründen ersatzlos gestrichen hat, die jetzt die indigenen Völker verängstigt. Denn die Stiftung ist seither faktisch handlungsunfähig. Laut Possuelo ist dies ein klares Signal, dass diese Gebiete der Agrarwirtschaft und den Glücksrittern auf der Suche nach Bodenschätzen geöffnet werden soll. Das verstärkt die Zerstörung der Region noch weiter, die von den Indios geschützt wird, da diese schließlich von ihrer Umwelt abhängig sind und diese zum Überleben brauchen.

Chief Raoni, ein Führer der Kayapó, hat kürzlich einen Text veröffentlicht, in dem er sagt, dass die Völker des Amazonas Angst haben und dass wir alle, die nicht im Amazonas leben, bald auch Angst vor den dort stattfindenden Verwüstungen haben werden. Damit meint er unter anderem die Waldbrände in der Region. In dem Interview erklärt der erfahrene Anthropologe, wie das Feuer, einst von den Indios selbst genutzt, in den Händen unerfahrener Fazendeiros außer Kontrolle geraten konnte. „Wenn ein Stamm, eine Gemeinde, eine neue Anbaufläche brauchte, dann wurde das Stück Land erst gerodet, dann das Gestrüpp getrocknet und im Anschluss kontrolliert abgebrannt. Dies ist seit Jahrhunderten Tradition, wobei die Ureinwohner des Amazonas aber auch genau wissen, was sie da tun.“

Die Fazendeiros aber, bekamen den Hals nicht voll und die von ihnen gelegten Feuer vereinten sich und gerieten außer Kontrolle, so Sydney Possuelo. Der Druck, immer mehr Land zu brauchen, um immer mehr anzupflanzen und immer mehr zu produzieren, sei der Grund für die Großbrände im Amazonasgebiet. So wäre es Zeit, dass wir über die Umwelt reflektieren, da diese nicht unendlich vorhanden sei, physische Grenzen habe.

So müssten wir uns nicht nackt ausziehen und mit Pfeil und Bogen alle zurück in den Wald gehen. Aber wenn wir uns unserer limitierten Existenz – diesen 70, 80, 90 Jahren – bewusst werden und unsere Verantwortung gegenüber der Natur wahrnehmen, dann könnten wir sicher ein lockereres Leben führen. Dazu müssen wir aber unseren Konsumwahn einschränken und uns an den Indios, insbesondere an den „isolierten Völkern“, ein Beispiel nehmen. Diese halten keinerlei Kontakt, nicht einmal zu anderen Indios in relativer Nähe. Sie wollen mit unserer Lebensweise nichts zu tun haben. Wenn das Lächeln ein Zeichen für das glücklich sein ist, dann sind die Menschen dieser Völker mit Sicherheit die glücklichsten der Welt, denn sie Lächeln ständig. Doch könnten sie es jetzt auch verlernen…

Mein persönliches Fazit: Tatsächlich muss ich Sydney Possuelo Recht geben. Lächeln ist ein Anzeichen für Glück und Geld kann dieses Glück nicht kaufen! Weitere Aussagen aus dem Interview werde ich später gerne übersetzen, wenn dies ausdrücklich gewünscht wird. Doch die Essenz habe ich hier zusammengetragen. Das Paradies ist bedroht!.
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Wer portugiesisch kann, kann hier das ganze Interview sehen und nachlesen:

Os povos indígenas são fundamentais na defesa da Amazónia.
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Erstveröffentlichung heute oder vor ein paar Tagen in unserer Partnerzeitung INFO-WELT.
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Dez.11
on 11. Dezember 2019
Veröffentlicht in: Allgemein

Harry Popow

DER-NEUE-MAUER-FALL

Buchtipp: „Operation Affen-Drohne“ von Harry Popow
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Harry Popow

„Operation Affen-Drohne“ Unter diesem Titel habe ich vor ein paar Tagen ein Satire-Buch im epubli-Verlag veröffentlicht. Aus aktuellen Erwägungen habe ich den Untertitel „DER-NEUE -MAUER-FALL“ hinzufügt.

Den Inhalt skizziere ich wie folgt: Es ist wieder soweit nach dem im Abfall gelandeten „NIE WIEDER“: Ein neuer Weltenkrieg zwischen den Kapitalmächtigen und dem weltweiten Volk ist am Laufen. Wer fragt da nach Ursachen, wer nach Lösungen? Fakt: Ein NEUER MAUER-FALL muss her. Was also tun? Ein bisher in menschlichen Kinderhänden verbrachtes „Leben“ eineskleinen Affen mit Namen DIDA, angeblich geboren im fernen ALTAI-Gebirge, haucht der Mensch BENNO Leben ein und verbindet es mit ihrem Freund DADA und dem noch im Gebirge lebenden Urgroßvater SCHIMPF-PANSE, dem politisch Erfahrenen und Gebildeten.

Die Höhlenbewohner müssen mit Bitterkeit erfahren, dass der Klimawandel sowie viel Kriegsgeschrei auch sie erwischt hat. Eine eilig zusammengerufene Vollversammlung beschließt: Wir müssen erkunden, ob es Schuldige gibt an der Erderwärmung. Ob Überirdisches im Spiel ist oder gar die Menschen, unter denen der SCHIMPF-PANSE einst gelebt hatte? DIDA soll sich mit ihrem Freund DADA auf die mit Drohnen angetriebene Lanze setzen. Sie mögen Ursachenforschung betreiben, besonders wegen der zunehmenden Kriegsgefahr – gemeinsam mit ihrem Bekannten, dem Menschen BENNO.

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Satire, Sarkasmus und Humor, gemixt mit treffenden Zitaten aus Wissenschaft und Literatur, ergibt ein spannendes Kaleidoskop von Eindrücken und Nachdenkenswertem, das hinführt zur Einsicht: Es gilt, den Planeten und die Menschen zu retten vor dem unglaublichen Raubzug der Profitgier der „Kraken“. Jeder tue, was erkann. Doch letztendlich gibt es eine Überraschung…
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LESE-SPLITTER

Seiten 176/177: Über Megaphon heißt es: „Kommt morgen hierher zur Demo vor den Toren der Eliten-Festung und stimmt mit uns ein in das neue Lied: Alles muss raus!!! Das schuftende Volk bietet den Schuldigen für Armut und Krieg Migrantenplätze im Altaigebirge an, wo sie ohne Privateigentum, aber mit eigener Muskelkraft auf dem Feld oder in der Höhle bei Handarbeiten ein bekömmliches Auskommen haben!! Macht mit bei diesem Volksentscheid!“DIDA, die Pfiffige, bekommt große Ohren. Das ist es doch. Sie wird sich diesen Aufruf merken. Inzwischen lenkt BENNO die fragenden Blicke seiner beiden Zöglinge auf eine hoch herausgeputzte und einigermaßen schöne Dame. Sie wässert mit einer Gießkanne den Vorgarten der Festung. Warum? BENNO legt den Zeigefinger an seine Lippen, denn neuerdings haben selbst so manche Straßenbäume kleine winzige Ohren, die jeden verdächtigen Laut an die unterirdische Geheimzentrale weiterleiten. BENNO hatte davon gehört: Das seien jene, die ganz offensichtlich etwas am Auge haben. Sie sehen geflissentlich nach rechts gar nichts und tolerieren rechtes Geschehen, während sie nach links so scharf gesehen werden muss, dass selbst ein in der Abendsonne rot gefärbtes Sandkorn verteufelt und bekämpft werden muss. So seien die Mächtigen in die Lage gekommen, sogenannte Gefährder bald zu entlarven und, falls die Sicherheit des Geldeintreibens gefährdet ist, diese hinter Schloss und Riegel zu bringen. Sie konnten noch nicht ahnen, dass die Dame mit der Gießkanne eine Kriegskönigin allererster Güte ist und bei weitem die Erfolgsleiter noch viel höher klettern sollte. Sie wird über kurz oder lang – so war zu vermuten – Arm in Arm mit einem gewissen Generalsekretär zu sehen sein, wobei sie darauf während der Übergabe des Bambi 2019 an die EU den Volksmassen betörend flötete: Im Interesse der EU müssten alle an einem Strang ziehen. Der hochgestellte Mann der NATO wird ergänzend prompt mit dem inhaltsschweren Satz hinzufügen: „Einer für alle und alle für einen“.
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Seiten 147/148

Auch will man Hilfskräfte anfordern, um die unter Brücken Pennenden endlich mal zu zählen in dieser auch von Flüchtlingen überschwemmenden Stadt. Dem Vernehmen nach sollen überall, woes möglich ist, Kunstrasen ausgelegt werden, um stürzenden Leutenund Parteien auf diese Art den seelischen und körperlichen Schmerzzu lindern. Mit großem Medienrummel wird auch dies angekündigt:

Ein neues Ministerium soll sich um all die kleinen Unwägbarkeiten, um all diese Symptome von Freiheit in dieser so gut funktionierenden Demokratie demnächst kümmern. Es soll sich „Das Pflaster-Ministerium“ nennen. Deren erste Aufgabe: Die Tafeln besser unterstützen, statt sie abschaffen zu wollen. „Siehste“, ruft ein etwas angetrunkenes Männlein, „man kümmert sich…“ Vereinzelt fröhlicher Beifall ringsumher.

Harry Popow: „OPERATION AFFEN-DROHNE“, epubli-Verlag, Erscheinungsdatum: 09.12.2019, ISBN: 9783750261105, Bindungsart: Softcover, Format: DIN A 5 hoch, 288 Seiten, Einzelpreis: 18,99 €

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└ Schlagwörter: Bambi 2019, Benno, Drohnen, Erfolgsleiter, Generalsekretär, Harry Popow, Höhlenbewohner, Kapitalmächtige, Klimawandel, Kraken, Kriegsgeschrei, Profitgie, Volk
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