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Juni15
on 15. Juni 2019
Veröffentlicht in: Allgemein, Harry Popow

Harry Popow

Soldaten für den Frieden (Teil elf)

Leseprobe aus „Ausbruch aus der Stille…“ von Harry Popow
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Harry Popow

Hier nun die elfte Leseprobe aus meinem neuen Buch »Ausbruch Aus Der Stille – Persönliche Lebensbilder in Umbruchzeiten«, das im Februar dieses Jahres auf den Markt gekommen ist. Bitte benutzt auch die Kommentarfunktion für Eure Kritiken und Einschätzungen.
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Die Heiligabend-Dropsrollen

Pinnow. 18.45 Uhr. Dem Kalender nach weiß Henry, dass heute Heiligabend ist. Bis 18 Uhr hatte er Dienst. Die Stube im Ledigenheim ist kalt, er ist als Lediger alleine auf der Bude, die anderen haben Urlaub. Henry heizt den Kachelofen. Auf dem Tisch wiedermal ein Weihnachtsteller, den er von der Regimentsküche mitgebracht hat: Brot, Butter, Wurst, u.a. zwei Dropsrollen, das sind runde Bonbon, sie sehen aus wie große Tabletten und schmecken sehr süß. Wie gerne hätte er seine Mutter, seine Geschwister beschenkt … Nur nicht rührselig werden. Kopfarbeit gegen Herzschmerz – wieder einmal siegt die reine Vernunft. Nein, er ist nicht unglücklich. Wie viele mussten früher den Heiligabend im Schützengraben verbringen … Und jetzt? Also, was will man noch mehr! Er zieht die Uniform aus und schlüpft in den Trainingsanzug. Er hat Hunger, hat den ganzen Tag noch nichts gegessen. Zwei Briefe kamen heute, von zu Hause und von Marlis. Der Kachelofen wird langsam warm. Den mit einer sauberen geblümten Tischdecke verzierten Tisch rückt Henry ganz nahe an den Ofen heran, um essen und dann schreiben zu können. Seine zehn Nüsse knackt er alle hintereinander. 21.35 Uhr. Klaviermusik von F. Schubert. Wunderbar, er würde auch gerne spielen können, hat aber – das spürt man eben – absolut kein Talent.

Musik hören und lesen – das sind seine wichtigsten Freizeitbeschäftigungen. So zum Beispiel „Das Chagrinleder“ von Honore de Balzac. Von Seite 133 schreibt er sich dieses Zitat heraus: „In diesem luftigen Grabe lebte ich etwa drei Jahre und arbeitete rastlos Tag und Nacht mit soviel Freude, dass mir das Studium die schönste Aufgabe, die glücklichste Lösung des menschlichen Lebens zu sein schien.“ Der junge Mann will seine Gedanken dazu festhalten. Er schreibt: Große Geister leben, um arbeiten zu können. Es bereitet ihnen Genuss, etwas nützliches für die Gesellschaft zu leisten. Sehr glücklich müssen Menschen sein, die mit Wenigem zufrieden sein können. Das Glück: Es ist bekannt, dass sich gefühlskalte Menschen gegenüber Gefühlsausbrüchen und Schwärmereien oft überlegen fühlen. Können jene aber noch tiefes Glück empfinden? Henry überkommt es: Er will sich an einem Drama versuchen. „Roberto oder die Rebellion des Geistes“ oder so ähnlich. Aber er hat keine Ahnung, wie man so etwas anstellt. Eines aber ist klar: Die Gefühle, die müssen raus, Hauptsache, man nimmt sich etwas vor, lässt es nicht zur geistigen Verödung kommen.

hier geht es weiter »

Jahresende 1957. Am Abend notiert Henry: Ausnahmsweise mal wieder nette Leute gesehen. Beim Konzert im Klub. Ein Orchester brachte uns die 9. Sinfonie von Beethoven in die Wildnis. Augenblicke des Vergessens und der Hoffnung. Und jetzt will ich essen. Neulich sagte mein Zimmerkumpel, Leutnant Ko., zu mir: „Wenn es so einfach wäre, dass Frieden überall auf der Welt allein von mir abhinge, dann würde ich dafür mein Leben geben.“ Seine Worte sind ganz ehrlich gemeint, gehen mir zu Herzen. Und was brachte das Jahr mir? Dazu blättere ich in meinem Taschenkalender der NVA und schaue mir die Notizen an: Meine Bücher: sechs Bände Heine, drei Bände Goethe, 1. Band „Zur deutschen Geschichte“ von Engels, „Der Finanzier“ von Th. Dreiser, „Junggesellenwirtschaft“ (Balzac), „Ein Held unserer Zeit“ (Lermontow), „Stärker wie der Tod“ (Maupassant), „Rot und Schwarz“ und „Über die Liebe“ (Stendhal), „Lehrjahre des Gefühls“ (Flaubert), „Shakespeare Gestalten“ und andere. 15. Februar: Faschingsabend mit der DAKO. Cleo kennengelernt. Vom 16. bis 30. September Prüfungen an der Offiziersschule. 18. Oktober: Mit Marlis und Ute in „Hoffmanns Erzählungen“. 19. Oktober: Film „La Strada“ gesehen. Ende des Urlaubs in Leipzig. Auf Seite 91 des ersten Kalenders der NVA ein Foto mit folgender Unterschrift: „Garmisch-Partenkirchen; heute noch Tummelplatz amerikanischer Besatzer. In einem wiedervereinigten Deutschland Erholungszentrum der Werktätigen.“ Diesen Kalender werde ich mir aufheben.

Im Kinosaal des Regimentes. Alle Offiziere sind versammelt. Vor sich die VS-Bücher (Geheime Verschlusssachen), die nur für dienstliche Aufgaben vorgesehen sind. Aber so toll ist das Gesagte dann doch nicht. Informiert werden die Vorgesetzten nämlich über einen Beschluss des Politbüros vom 14.1.1958. Es geht darum, eigene Vorstellungen über die Einheit von politischer und militärischer Führung, sprich Einzelleitung, zu entwickeln. (Der Hintergrund, den aber kaum jemand kennt: Man will nicht den Praktiken in der Sowjetarmee folgen; Offiziere sind schließlich keine gesonderte „Klasse“, die wie Alleinherrscher schalten und walten können, die DDR ist gegen die Anmaßungen der vielen „kleinen Shukows“, gegen Überheblichkeit und Selbstherrlichkeit, gegen zunehmenden „Bonapartismus“, wie Jahrzehnte später nach 1989 in dem Buch „Rührt euch! Zur Geschichte der NVA“, Seite 421, nachzulesen sein wird.) Also haben sich die Kommandeure mehr auf das Kollektiv zu orientieren, heißt es, auch sollen sie die Meinung des jeweiligen Politstellvertreters einholen, wenn es die Umstände erlauben. Henry und die anderen Offiziere nehmen das mit Verständnis zur Kenntnis, sie sind schließlich eine sozialistische Armee – aber was das für jeden Vorgesetzten bedeuten würde, für sein menschliches und politisches Urteilsvermögen, für seine Charakterbildung, das sollte sich als große Herausforderung erweisen. dass das der springende Punkt war, der sehr wunde, der immer wieder zu Auseinandersetzungen führte mit arroganten Leuten, mit Nichtkönnern – das hat Henry in den folgenden über dreißig Jahren in der Armee immer wieder persönlich erlebt.

Henry freut sich immer über Post, sind Briefe doch Lebenszeichen von außen nach innen und hellen den Alltag gehörig auf. Diesmal bekommt er einen Brief von Heinz St., einem prima Kerl und Zughelfer von der Offiziersschule: „Wie ich Dir auf der Karte andeutete, habe ich in der Ausbildung Pech gehabt. Aus meinem Zug ist mir einer angeschossen worden, war ja allerhand los, und wie es so ist, hat der jeweilige Offizier die Verantwortung. Ich bin ganz schön fertig, seelisch und moralisch. (…) Ansonsten habe ich dienstlich gesehen keine Schwierigkeiten, ich komme mit allen Kommandeuren gut aus. Habe auch ausgezeichnete Beurteilungen bekommen zu dem Fall. Bin jetzt nur noch gespannt, was für eine Bestrafung ich mir einhandeln werde. Mit der Freizeit sieht es äußerst flau aus. (…) Meine Funktionen sind bis jetzt Zugführer, FDJ-Sekretär, Zirkelleiter, Besprechungsleiter und verantwortlich für unsere Musikgruppe.“

Doch was ist ein Brief eines Freundes gegen den von Cleo? Ihre Schrift erkennt er von weitem, wenn der Hauptfeldwebel der Kompanie die Post geholt hat. Dann fängt Henry innerlich an zu zittern, so spannend ist es für ihn. Aber die Briefe sofort zu öffnen, das fällt ihm nicht ein. Nein, er wartet bis zum Abend. Legt sich nach dem Abendessen aufs Bett, schaltet leise Musik ein und das Nachttischlämpchen, schaut, dass ihn niemand stört und liest ganz langsam, jedes Wort abtastend, ja, genießend: „Gestern kam Dein Glückwunsch. Du kannst mir glauben, dass Du mir eine große Freude damit gemacht hast, erstens weil es unerwartet kam und zweitens etwas besonderes war. Du bist eben ein sehr aufmerksamer und vornehmer Mann, das hast Du Deinen gleichaltrigen Genossen voraus. Ansonsten bist Du also noch in Pinnow und nicht vor Langeweile gestorben? Wie Du weißt, war ich zur Prüfung in Berlin. Ich kann nur sagen, dass es einfach toll war. 1. habe ich 3 Tage lang 150,-Mark gebraucht, jetzt bin ich vollkommen blank. Berlin ist eben furchtbar teuer, aber herrlich. Dort müsste man wohnen. Du kennst ja Berlin, Henry? 2. An der Schule dort sind den früh 67 Personen geprüft worden, davon sind 10 in die engere Auswahl gekommen. Unter den zehn war ich auch. Von den zehn haben sie dann drei Jungen und zwei Mädchen genommen. Leider war ich nicht dabei. Man muss eben direkt an der Quelle sitzen und Beziehungen haben. Die zwei, die sie genommen haben, waren nämlich Schülerinnen der Helene Weigel. Aber ich war trotzdem gut, wie die Kommission sagte. Nun ja, geht eben wieder von vorne los, mal wird es schon klappen.“

In einem weiteren Brief heißt es: „Ich will mich unbedingt bedanken für das wunderbare Geburtstagsgeschenk. Henry, stell Dir vor, ich hatte nämlich noch gar keinen Geburtstag. Du hast Dich um einen ganzen Monat versehen, ich habe nicht am 14. März, sondern am 14. April Geburtstag. Ich muss Dir schildern, wie Dein Fleurop-Geschenk kam. Ich wollte eben mit Jutta ins Theater gehen, stand im Unterrock im Flur, plötzlich klingelt es. Ich rufe ‚Moment, ich muss erstmal ein Kleid anziehen‘, natürlich hat man vor der Tür gelacht. Weißt Du, was ich bekommen habe? 6 große Stengel weißen Flieder von Dir. Henry, ich habe mich wirklich so gefreut, dass ich kurz vor halb acht erst fortgekommen bin und gerade so im Dunkeln noch durch die Reihe schleichen konnte. Henry, ich kenne mich nicht aus, aber der Flieder muss Dich doch sehr viel gekostet haben. Bin ich denn das Dir wert?“ Und ein anderes Mal meint Cleo: „Du beschäftigst Dich viel mit Büchern, das ist gut. Ich habe mir jetzt eine Kleist-Kassette bestellt, muss 4x monatlich 10 DM abbezahlen. Wenn ich das abbezahlt habe, lege ich mir noch die Klassikerkassette mit Goethe-Schiller-Lessing und Herder zu. Ich kann das gut für meine Weiterarbeit verwenden. Das Ihr nach Leipzig zieht, ist toll, es war ja schon immer Deine Wunschstadt, mir persönlich auch am sympathischsten von allen DDR-Städten.“

Früh 3.40 Uhr. Nachtwache. Blick aus dem Fenster in die dunkle Ebene. Stumm und dunkel heben sich die langen Kiefernstämme gegen den sich erhellenden Horizont ab. Erste Vogellaute. Die Luft ist frisch und rein. Vor Tagen hatte der junge Zugführer die Paradetage in Berlin noch einmal Revue passieren lassen. Diesmal war er nicht zu Fuß auf dem Marx-Engels-Platz, sondern per Schützenpanzerwagen. Erneut hatte ihn die Parade stark innerlich bewegt. Und so schrieb er denn ein „Gedicht“, eine „Ballade“, wie er sein vermeintliches Kunstwerk nannte und sandte es an die Wochenzeitung „Volksarmee“. Mal sehen, was die antwortet …

Die ließ nicht lange auf sich warten und holte ihn vom hohen Pferd wieder auf den Boden zurück: „Werter Genosse Popow! Wir erhielten Ihren Brief mit dem Gedicht ‚Parade‘, worin Sie uns um ein Urteil über Ihre Arbeit baten. Zunächst einmal verrät jede Zeile, dass ihr Verfasser mit dem Herzen bei der Sache war und das ist gut. Weniger gut ist es natürlich, eine ‚Schnelldichtung‘ – Sie schrieben diese Zeilen in zehn Minuten – nicht mehr zu überarbeiten. (…) Unser unvergessener Peter Nell sagte einmal: ‚Warum denn gleich Gedichte, sag’s lieber mit einer Geschichte!‘ Mit sozialistischem Gruß! …“

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Zum Inhalt

Ausgangssituation ist Schweden und das Haus, in dem die Popows wohnen. Der Leser erfährt zunächst, wer die Eltern waren (seine Mutter stammt aus Moskau), berichtet kurz vom Evakuierungsort 1943/44 in Pommern, von der Rückkehr in das noch unter Bombenhagel liegende Berlin (Schöneberg), von den Eindrücken nach Kriegsende und vom Einleben in der neuen Gesellschaft, dabei auch von einer Begegnung der Jungen Pioniere mit Wilhelm Pieck.

Die Lehrzeit wird skizziert mit der Arbeit im Zwickauer Steinkohlenrevier, mit Tätigkeiten in der Geologischen Kommission der DDR und mit dem Besuch der Offiziersschule der KVP/NVA in Erfurt und in Plauen, wo er seine spätere Frau kennenlernte.

Wie lebt ein junger Offizier in der Einöde im Nordosten der DDR, welche Gedanken und Gefühle bewegen ihn? Darum geht es in den nächsten Aufzeichnungen seiner Impressionen. Seine Träume führen ihn mitunter weg vom Kasernenalltag und so nimmt er die Gelegenheit wahr, für fünf Monate im Walz- und Stahlwerk Eisenhüttenstadt als einfacher Arbeiter tätig zu sein.

Durch Versetzungen gelangt er nach Potsdam. Dabei kommen Querelen des Alltags als Ausbilder und später als Politoffizier nicht zu kurz. Ein Glücksfall für ihn, als er nach Neubrandenburg in einen höheren Stab als Redakteur berufen wird. Er beginnt ein Fernstudium als Diplomjournalist an der Karl-Marx-Universität in Leipzig. Inzwischen ist er längst glücklich verheiratet. Die Höhen und Tiefen eines Militärjournalisten – die zwingen ihn, vieles neu zu überdenken. Vor allem als einstiger Ausbilder gelingt es ihm, die Probleme der Soldaten immer besser zu verstehen und sie bildhaft zu schildern.

Die spätere Arbeit als Abteilungsleiter in der Wochenzeitung „Volksarmee“ macht ihm nicht nur Spaß, er nimmt auch Stellung gegen Ungereimtheiten, was ihm nach der Entlassung aus dem aktiven Armeedienst und der Tätigkeit als Journalist im Fernsehen der DDR nicht nur böse Blicke einbringt. So fährt er im September 1989 seiner Tochter nach Ungarn hinterher, um herauszukriegen, weshalb sie mit ihrem Partner abgehauen ist; er gibt ihr dabei das Versprechen, sie in keiner Weise als Tochter zu verurteilen. Nach seiner Rückkehr wird er mit einer Parteistrafe gerügt, die Wochen später angesichts der vermeintlichen Verstöße und Fehler durch die Politik nicht mehr relevant scheinen und wieder gestrichen wird. Auf Unverständnis stößt er auch bei seinen Mitarbeitern, als er nach der Teilnahme an der Dokumentarfilmwoche1988/89 in Leipzig angeblich nicht die erwarteten Schlussfolgerungen zieht.

Nach der Wende: Versuche, arbeitsmäßig Fuß zu fassen, u.a in Gran Canaria und in einer Steuerfirma. Die Suche nach Alternativen, günstiger zu wohnen, sowie die Sehnsucht nach Ruhe führt das Ehepaar nach Schweden.

Episoden aus dem Dorfleben und von vielen Begegnungen, so z.B. bei der Geburtstagsfeier einer siebzigjährigen Schwedin, machen den Alltag und die feierlichen Momente in der „Stille“ nacherlebbar. Keine der in der DDR erlebten Widersprüche und politischen Unterlassungssünden wirft den überzeugten Humanisten aus der Bahn, wogegen die Kapitaldiktatur mit ihren hörigen Medien, politische Manipulationen und Lügen im angeblich so demokratischen Deutschland ihn aufbringen – er bleibt ein Suchender!

Henry ist seit der Scheidung der Eltern mit seinen Geschwistern oft alleine. Mama arbeitet im Erzgebirge, zum Vater gibt es keine Kontakte und die Haushälterin Tante Lotte hat andere Sorgen, als die vielen Fragen zu beantworten, besonders die von Henry. Es interessiert ihn, warum wird denn soviel aufgebaut, wenn doch wieder Krieg kommen könnte, wie man im Radio immer hört … Aber er bleibt alleine mit seinen Fragen … Viel später wird er erkennen, mit den Fragen fängt das Denken an.


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Harry Popow: AUSBRUCH AUS DER STILLE. Persönliche Lebensbilder in Umbruchzeiten. © Copyright by Harry Popow, Verlag: epubli, Druck: epubli – ein Service der neopubli GmbH, Berlin, Erscheinungsdatum 18.02.2019, ISBN: 9783748512981, Seiten: 500, Preis: 26,99 Euro.
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Über den Autor: Geboren 1936 in Berlin Tegel, erlebte Harry Popow (alias Henry) in seinem Buch „Ausbruch aus der Stille“) noch die letzten Kriegsjahre und Tage. Ab 1953 war er Berglehrling im Zwickauer Steinkohlenrevier. Eigentlich wollte er Geologe werden, und so begann Harry Popow ab September 1954 eine Arbeit als Kollektor in der Außenstelle der Staatlichen Geologischen Kommission der DDR in Schwerin. Unter dem Versprechen, Militärgeologie studieren zu können, warb man ihn für eine Offizierslaufbahn in der KVP/NVA. Doch mit Geologie hatte das alles nur bedingt zu tun… In den bewaffneten Kräften diente er zunächst als Ausbilder und danach 22 Jahre als Reporter und Redakteur in der Wochenzeitung „Volksarmee“. Den Titel Diplomjournalist erwarb der junge Offizier im fünfjährigen Fernstudium an der Karl-Marx-Universität Leipzig. Nach Beendigung der fast 32-jährigen Dienstzeit arbeitete er bis Ende 1991 als Journalist und Berater im Fernsehen der DDR. Von 1996 bis 2005 lebte der Autor mit seiner Frau in Schweden. Beide kehrten 2005 nach Deutschland zurück. Sie sind seit 1961 sehr glücklich verheiratet und haben drei Kinder, zwei Enkel und zwei Enkelinnen.

Frühere Artikel von Harry Popow

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Juni14
on 14. Juni 2019
Veröffentlicht in: Allgemein, Fiete Jensen

Fiete Jensen

Yusef Salaam saß zu Unrecht in Haft

Trump hat damals ein Kopfgeld auf uns ausgesetzt

Autor Fiete Jensen

Fiete Jensen

Als Minderjähriger wurde er unschuldig für eine Vergewaltigung verurteilt. Der heutige Präsident der USA forderte 1989 für ihn und vier andere farbige Teenager die Hinrichtung.

Einer von fünf in New York unschuldig verurteilten damals Minderjährigen hat den heutigen US-Präsidenten der USA Donald Trump scharf angegriffen. „Als Trump in ganzseitigen Anzeigen in New Yorker Zeitungen unsere Hinrichtung forderte, hat er ein Kopfgeld auf uns ausgesetzt“, sagte Yusef Salaam am 7. Juni bei einem Empfang der Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union (ACLU), zu Ehren der fünf Männer, in Los Angeles.

Der damalige Immobilienmogul Donald Trump hatte 1989 Anzeigen geschaltet, in denen er wegen einer mutmaßlich von den Teenagern begangenen Vergewaltigung einer 28-Jährigen eine Wiedereinführung der Todesstrafe im US-Bundesstaat New York forderte. Damals seien auch ihre Namen, Telefonnummern und Adressen veröffentlicht worden, sagte Salaam. „Wir waren noch Babys. Das System hat uns überrannt.“

Yusef Salaam im Centrak Park im Juni 2019. Foto: YouTube

Die vier Afroamerikaner und ein hispanischstämmiger Jugendlicher aus Harlem waren irrtümlicherweise wegen der Vergewaltigung einer weißen Investmentbankerin im New Yorker Central Park verurteilt worden und saßen dafür teilweise bis zu 13 Jahre in Haft, bis der wahre Täter gestand.
Von dem Schicksal der damals 14- bis 16-Jährigen erzählt eine jetzt im Streamingdienst angelaufene Mini-Serie unter dem Titel „When They See Us“ von Regisseurin Ava DuVernay, die bereits das Bürgerrechtsdrama „Selma“ über den schwarzen Bürgerrechtsaktivisten Martin Luther King verfilmt hat.

Die fünf Tatverdächtigen waren damals teilweise ohne Anwalt oder die Gegenwart eines Elternteils verhört worden und wurden schließlich trotz zahlreicher offener Fragen wegen Vergewaltigung und versuchten Mordes verurteilt. 2014 einigten sich die Männer mit der Stadt New York auf eine Entschädigungssumme von insgesamt 41 Millionen Dollar.

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weitere Beiträge von Fiete Jensen

 

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Juni14
on 14. Juni 2019
Veröffentlicht in: Allgemein, Jakob Reimann

Jakob Reimann

Trump auf Konfrontationskurs mit Erdogan
wegen russischer S-400-Lieferungen

Jacob Reimann

Seit dem Putschversuch in der Türkei 2016 verschlechtern sich die USA-Türkei-Beziehungen zusehends. Unterwarf sich Ankara Mitte Mai Washingtons Forderungen, kein iranisches Öl mehr zu importieren, hält es bislang an der Entscheidung fest, das russische S-400-Raketenabwehrsystem zu erwerben. Die Trump-Regierung implementiert nun erste Sanktionen.

Die Beziehungen zwischen den USA und der Türkei sind derart schlecht wie seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr. Die Krise nahm ihren Anfang mit dem vereitelten Putschversuch in der Türkei im Juli 2016, nach dem Washington nicht die Solidarität demonstrierte, die sich Ankara gern gewünscht hätte. Die Erdoğan-Regierung sah den im Exil in Pennsylvania, USA lebenden Geistlichen Fethullah Gülen als Drahtzieher hinter den Putschisten und forderte dessen Auslieferung – Washington lehnte ab. (Es ist, nebenbei bemerkt, hochgradig illegal, Personen aufgrund politischer Verfolgung auszuliefern.)
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Erdoğan knickt ein

Mit Trump im Weißen Haus spitzte sich die Lage dramatisch zu. Um den in der Türkei im Gefängnis sitzenden US-Geistlichen Andrew Brunson freizupressen, verhängte er Sanktionen gegen türkische Minister und erhob massive Strafzölle auf Aluminium und Stahl aus der Türkei, gegen die Ankara erfolgreich bei der Welthandelsorganisation klagte.

Auch in Syrien verfolgen beide Länder im Grunde unvereinbare Strategien und Ziele. Die Türkei nähert sich mehr und mehr dem Block Moskau-Teheran-Damaskus an und entfremdet sich zusehends dem NATO-Bündnis und dem Westen im Allgemeinen.

Darüber hinaus weigerte sich Ankara lange Zeit, der US-Forderung nachzukommen, Ölimporte aus dem Iran auf Zero herunterzufahren, was meiner Ansicht nach der Hauptgrund war, weshalb die extrem iranophobe Trump-Administration die Krise mit der Türkei überhaupt erst zum Showdown brachte (diesen Themenkomplex analysierte ich im vergangenen September ausführlich auf den NachDenkSeiten).

Doch entgegen seiner in der Regel vor Selbstbewusstsein strotzenden Rhetorik unterwarf sich auch Erdoğan in einem Akt regelrechter Demütigung letztendlich Washingtons Forderung und fuhr die Ölimporte aus Teheran Mitte Mai auf Zero herunter. Die Türkei gibt klein bei und ist auf US-amerikanischer Linie.
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Washington vs. Moskau

Doch auf einem anderen Terrain hat sich Ankara dem Diktat aus Washington noch nicht unterworfen: Lieferungen des S-400-Raketenabwehrsystems aus Russland. Die ersten Einheiten der Raketenabwehr sollen bereits im Juli in der Türkei eintreffen, türkische Militärs befinden sich seit geraumer Zeit zur Ausbildung in Russland.

Das russische S-400-Raketenabwehrsystem gilt als eines der besten der Welt, wenn nicht gar das beste. Hier auf einer Militärparade in Moskau 2009. By Vitaly V. Kuzmin, Wikimedia Commons, licensed under CC BY-SA 4.0.

Das S-400 gilt als eines der besten Raketenabwehrsysteme der Welt, einige Analysten bezeichnen es als das beste. Neben der Türkei sind auch Indien, Saudi-Arabien und Katar am S-400 interessiert. China hat bereits ein System in Betrieb, ein zweites folgt geplant im Juli.

Das Interesse des NATO-Mitglieds Türkei am russischen S-400 versetzte die NATO-Führung in Aufruhr, allen voran die USA. Da Raketenabwehrsysteme immer auch Radar- und weitreichende Überwachungssysteme beinhalten, steht die Befürchtung im Raum, Moskau könne über ein in der Türkei installiertes S-400 geheime NATO-Informationen abschöpfen.

Ankara ist auch im Programm US-amerikanischer F-35-Stealth-Kampfjets der Rüstungsschmiede Lockheed Martin eingebunden, von denen einige Teile gar in der Türkei hergestellt werden. 100 F-35-Jets im Wert von rund 9 Milliarden US-Dollar hat Ankara für die türkische Luftwaffe bestellt und mehrere türkische Piloten sind seit Monaten zur Ausbildung an den F-35 in Arizona, USA stationiert.

Bereits im März drohte die Trump-Regierung mit Sanktionen gegen die Türkei, sollte Erdoğan weiter am Rüstungsdeal mit Russland festhalten. Vier US-Senatoren reichten einen Gesetzesentwurf ein, der die F-35-Lieferungen aussetzen soll, solange der S-400-Deal Ankaras mit Moskau nicht vom Tisch ist.

Zwar wird stets behauptet, der Grund für Washingtons Unmut sei, dass das S-400-System inkompatibel mit NATO-Systemen und der allgemeinen Architektur des Angriffsbündnisses ist, doch wollen die USA in erster Linie, dass die Türkei auf das US-amerikanische Patriot-Abwehrsystem umsteigt und die Milliarden Dollar lieber nach Washington überweist statt nach Moskau.
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Knickt Erdoğan erneut ein?

Doch Ankara zeigte sich bislang unnachgiebig. Erst am Dienstag bekräftigte Erdoğan seine Position und erklärte, es sei „indiskutabel“, dass er den Deal mit Russland beerdige: „Es gibt einen Vertrag. Wir sind fest entschlossen.“

Die geplanten S-400-Lieferungen sind nur der jüngste Schritt in der Annäherung zwischen Moskau und Ankara. By kremlin.ru, Wikimedia Commons, licensed under CC BY 4.0.

In der Nacht zum Freitag berichtete Reuters unter Berufung auf zwei anonyme US-Offizielle, Washington mache seine Sanktionsdrohungen nun offensichtlich wahr. In einem ersten zaghaften Schritt sollen weiteren türkischen Piloten das Training an den F-35 in den USA untersagt werden. Momentan befinden sich sechs türkische Piloten und 20 Maintainer auf der Luke Air Force Base in Arizona. Deren Schicksal ist nun ungewiss; ob sie möglicherweise gar des Landes verwiesen werden, ist bislang unklar.

Dieser Schritt Washingtons ist die erste Stufe einer Eskalation, an dessen Ende möglicherweise der vollständige Ausschluss der Türkei aus dem F-35-Programm steht – was einer ausgemachten Krise beider NATO-Partner nun auch auf militärischem Terrain gleichkäme.

Es bleibt abzuwarten, ob Erdoğan wie in der Iran-Frage Trumps Tyrannei kleinbeigibt und die Unabhängigkeit seines Landes den Interessen der Trump-Regierung unterwirft – oder ob er den historischen Schritt der Annäherung der Türkei an Russland weitergeht.
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Erstveröffentlichung auf JusticeNow. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers

 

Über den Autor: Als studierter Biochemiker hat Jakob Reimann ich ein Jahr in Nablus, Palästina gelebt und dort an der Uni die Auswirkungen israelischer Industrieanlagen auf die Umwelt und die Gesundheit der Menschen in der Westbank erforscht. Nach einiger Zeit in Tel Aviv, Haifa, Prag und Sunny Beach (Bulgarien) lebt er jetzt wieder in Israel und kennt daher „beide Seiten“ des Konflikts und die jeweiligen Mentalitäten recht gut. Soweit er zurückblicken kann ist er ein politisch denkender Mensch und verabscheut Ungerechtigkeiten jeglicher Art. Aus bedingungslos pazifistischer Sicht schreibt er gegen den Krieg an und versuche so, meinen keinen Beitrag zu leisten. Seine Themenschwerpunkte sind Terrorismus, das US Empire, Krieg (Frieden?) und speziell der Nahe Osten.

Weitere Artikel von Jakob Reimann

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Juni13
on 13. Juni 2019
Veröffentlicht in: Allgemein, F. - B. Habel

F.-B. Habel

Sämtliche Filmplakate aus SBZ und DDR in einem opulenten Bildband

Ein Wälzer der Entdeckungen

F.-B. Habel

Immer wieder wird die DDR in neuen Zusammenhängen als „abgeschlossenes Sammelgebiet“ umgewälzt. Knapp dreißig Jahre nach ihrem Ende betrachtet man sie gelegentlich auch unvoreingenommener als zuvor. Ehre kann beispielsweise die DDR-Plakatkunst wegen ihrer vielgestaltigen Formensprache einlegen, von der man heute im öffentlichen Raum nur noch träumen kann. Auf dem Gebiet des Filmplakats beweist es ein umfangreicher Wälzer, in dem nach Angaben der Herausgeber alle rund 6400 zwischen 1945 (noch in der SBZ) und 1990 (noch vor dem „Beitritt“) erschienenen Poster abgebildet sind.

Ist das möglich? Tatsächlich! Die Büchermacher vertrauen allerdings zu Recht darauf, dass der Leser über eine Lupe verfügt, denn etliche Abbildungen sind kaum größer als eine Sonderbriefmarke. Viele, viele andere jedoch sind in angemessener Größe wiedergegeben und lassen bei Älteren Erinnerungen wach werden und Staunen bei Jüngeren aufkommen über die Qualität der Grafik, deren Stil sich im Laufe der Jahrzehnte wandelte.

Meine Entdeckung waren die Plakate zu zwei Filmen, die ich bei meinem allerersten Kinobesuch als Kleinkind sah: „Till Eulenspiegel und der Bäcker von Braunschweig“ und „Till Eulenspiegel als Türmer“, zwei DEFA-Puppentrickfilme von DEFA-Puppentrickfilme mit Plakaten der fünfziger Jahre von Karl Schrader und Werner Klemke. Die beiden Namen stehen beispielhaft für die Tendenz, heitere Stoffe von Karikaturisten illustrieren zu lassen, wobei gerade Klemke nicht auf die Karikatur festgelegt war. Diese Linie wurde beibehalten – seit den frühen Fünfzigern beispielsweise durch Plakate von Paul Rosié („Der Bäcker von Valorgue“, aber auch „Sie nannten ihn Amigo“), seit den Sechziger und Siebzigern solche von Thomas Schleusing („Spiel mir das Lied vom Tod“) oder Manfred Bofinger („Sing, Cowboy, sing!“).

Filmplakat zu Konrad Wolfs Film STERNE. Bild: Archiv Gundlach

Besonders viele Plakate, nämlich bis 1964 304, gestaltete Kurt Geffers, der schon vor 1945 als Plakatgestalter gearbeitet hatte. Dass darunter auch Nazi-Filme, wie „Kampfgeschwader Lützow“ zu finden waren, nahm man ihm nicht mehr übel. Autor Detlef Helmbold schreibt: „Geffers´ Plakatsprache konnte fließend von der Ufa-Zeit über die von Sovexport geprägte Phase zu den Anfängen von Progress übergehen, da der Anspruch und die künstlerische Sprache weiterhin sehr von der naturalistisch-szenischen Darstellung bestimmt waren.“

Unter den besonders produktiven Plakatkünstlern ist der Hallenser Helmut Brade zu finden (der 2015 sein 700. Plakat veröffentlichte), der für den Progress-Filmverleih verhältnismäßig selten arbeitete, aber u.a. mit „Die Legende von Paul und Paula“ legendäre Motive schuf. Ein Grafiker (und Lehrer) wie Klaus Wittkugel („Das kalte Herz“) ist mit zahlreichen Beispielen seiner Arbeit vertreten.

Nicht selten arbeiteten bildende Künstler für das Plakat. Die Spanierin mit Exil in der DDR, Nuria Quevedo, konnte auch zwei Filmplakate gestalten, allerdings ging es ihr wie vielen Grafikerinnen, etwa Roswitha Grüttner („Der vergessene Freund“), Erika Klein („Der Hirsch mit dem goldenen Geweih“) oder Gisela Röder („Silberne Stiefel“) . Ihnen wurden Kinderfilme zugewiesen – „harte“ Themen blieben Männern vorbehalten.

Interessant ist auch der Vergleich von unterschiedlichen Motiven zu Filmen, die im Laufe der 45 Jahre mehrfach gestartet wurden, etwa Werner Klemkes Plakat von 1954 und Albrecht v. Bodeckers von 1978 zum Tati-Film „Die Ferien des Monsieur Hulot“. Staudtes „Untertan“-Adaption hatte zwischen 1951 und 1981 sogar fünf verschiedene Entwürfe in verschiedenen Handschriften, wobei mir die Variante, die Erhard Grüttner 1978 vorlegte, und auf der Diederich Heßling eine schwarzweißrote Augenbinde trägt, als die gelungenste erscheint.

Der Mühlhäuser Detlef Helmbold hat ein Kompendium über Filmplakate geschaffen. Foto: Dank an Arnd Kihr

Viele Grafiker hatten Zugang zu ausländischen Publikationen und es gelang ihnen, an interessante Gestaltungen anzuknüpfen. Erhard Grüttner beispielsweise orientierte sich zum Teil an polnischen Plakaten, die damals die internationale Grafik beeinflussten. „Die von ihm verwendeten Zeichen und Symbole waren von hoher grafischer Dichte und Schlichtheit“, schreibt Helmbold, „und hatten dadurch eine starke plakative Wirkung, womit er dem Plakat besonders beim dramatischen Genre eine besondere Tiefe, aber gleichzeitig auch eine gewisse Leichtigkeit gab.“
Natürlich kann man bei einem so umfassenden Werk mitunter auch mäkeln.

Regisseure sind zweifellos kunstsinnige Menschen, aber haben sie wirklich auch als Plakatgestalter gewirkt? Ist es z.B. vorstellbar, dass der nicht als Grafiker hervorgetretene westdeutsche Regisseur Ulrich Erfurth sein einziges Plakat „Keine Angst vor wilden Tieren“ 1954 für den Progress-Verleih in der DDR schuf? War Horst E. Brandt 1968 tatsächlich Bildautor des „Heroin“-Plakats? Zweifel sind erlaubt.

Gelegentlich werden Künstler penibel unter dem Namen aus dem Personenstandsregister genannt, und nicht unter dem, den die Öffentlichkeit kennt, etwa Hans Baltzer („Rom, 11 Uhr“), der hier immer Hans Adolf Baltzer heißt, oder Jo Fritsche („Einer trage des anderen Last“), der als zwar als Joachim getauft wurde, davon aber keinen Gebrauch machte.

Viele andere Künstler verdienten es, hier genannt zu werden, aber dafür gibt es ja diesen Wälzer der Entdeckungen.

Detlef Helmbold: »Mehr Kunst als Werbung« herausgegeben von der DEFA-Stiftung,
672 S., 6385 Abb.,vollfarbig, Bertz + Fischer, Berlin 2018, 96,- €

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(Dieser Artikel erschien in leicht geänderter Form in der Literaturbeilage der jungen Welt am 12.6.19)

Bilder, Videos und Bildunterschriften wurden von der Redaktion AmericanRebel hinzugefügt.
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Juni11
on 11. Juni 2019
Veröffentlicht in: Rui Filipe Gutschmidt

Rui Filipe Gutschmidt

Die Sonne scheint umsonst – Innovatives Kraftwerk in Portugal mit schwimmenden Solarpanels

Rui Filipe Gutschmidt

In Portugals sonnigem Süden entsteht bald eine schwimmende Photovoltaikanlage auf dem Alqueva-Stausee. Nachdem das Pilotprojekt weiter nördlich erfolgreich getestet wurde, wird die EDP – mit ihrem chinesischem Großaktionär CTG – jetzt 3,5 Millionen Euro in eine große PV-Anlage investieren. Nach der Investition fallen kaum Kosten an, denn die Sonne scheint umsonst!

Portugals teilprivatisierter Energieversorger EDP plant, 3,5 Millionen Euro in eine schwimmende Photovoltaikanlage auf dem Alqueva-Stausee zu investieren. Das Projekt umfasst die Installation von 10.750 Solarpanels (das entspricht etwa vier Fußballfeldern) und eine geschätzte Jahresproduktion von durchschnittlich 6 GW/Std. Damit wird das Pilotprojekt aus Montalegre im industriellen Maßstab umgesetzt.

Das Pilotprojekt vom Alto Rabagão, Montalegre, dass seit November 2016 getestet wird, habe laut EDP „die Erwartungen übertroffen, mit einer Produktion insgesamt um 6% höher als erwartet seit seiner Inbetriebnahme, eine höhere Effizienz als die Lösungen auf dem Land und klare Vorteile für die Umwelt bietet“. In einer Erklärung teilte das Unternehmen mit, dass diese schwimmende Photovoltaikanlage, bestehend aus 840 Sonnenkollektoren, eine geschätzte Jahresproduktion von etwa. 300 MW/Std habe.

Schwimmende Solaranlage – Screenshot YouTube

Unter der „Führung“ der China Three Gorges, kehrte die EDP zu einem Kurs der Investitionen in erneuerbare Energien zurück. Unter der Troika (2011-2015) hatte die neoliberal-konservative Regierung Portugals (PM Passos Coelho/PSD und Vize PM Paulo Portas/CDS) der boomenden Solarsparte im sonnigen Portugal einen herben Dämpfer verpasst. Subventionen, besonders für Privatpersonen, wurden gestrichen und so wurden Anreize für die Privatisierung der EDP geschaffen. Dabei haben die Chinesen das beste Angebot gemacht und erhielten den Zuschlag.

Die Chinesen haben jetzt die Investitionen in emissionsfreie Energieproduktion wieder aufgenommen. Im Gegensatz zu den USA, dessen Regierung sich der Öl-Lobby verschrieben hat, wissen die Chinesen, dass sie schnellstens von Kohle und Öl wegkommen müssen, wenn ihre Kinder noch atembare Luft haben sollen. Kaum eine Stadt versank in den letzten Jahren so häufig und so heftig im Smog wie Chinas Hauptstadt Peking. Im Rahmen ihrer Strategie zur größten Weltmacht aufzusteigen, investiert die KPCh Billionen Yüan in aller Welt und achtet auch dort auf Nachhaltigkeit.

Das hat auch Portugals neue Regierung im Sinn. Die von Kommunisten (PCP), Grünen (PEV), Linksprogressiven (BE) und in diesem Fall auch von der Tier- und Naturschutzpartei (PAN) gestützte Minderheitsregierung der Sozialisten (PS) kann die Teilprivatisierung zwar nicht rückgängig machen, aber die Art der Investitionen der EDP wird zu einem beachtlichen Teil mitbestimmt.

Das innovative an diesem Projekt ist aber nicht nur bei den schwimmenden Solarpanels zu suchen, sondern hat mit dem Stausee selbst zu tun. Denn ein Teil des tagsüber produzierten Stroms wird zum betreiben von Pumpen genutzt, die Wasser in den Stausee pumpen, das dann in der Nacht wieder nach unten durch die Turbinen geleitet wird und wieder Strom erzeugt. Diese Pumpkraftwerke sind riesige Energiespeicher für Solar- und Windenergie und die Kombination der Solarenergie mit dem Wasserkraftwerk ist eine hervorragende Lösung.

Das Projekt wartet nur noch auf den Abschluss der Genehmigung durch die DGEG, „das Verfahren der Umweltverträglichkeitsprüfung wird von CCDR Alentejo durchgeführt“. Die EDP schätzt, dass die Lizenzierung bis Ende September abgeschlossen sein wird und die Installationsarbeiten etwa ein Jahr dauern werden. Die Inbetriebnahme wird für 2020 erwartet. Damit macht Portugal einen weiteren Schritt in Richtung Energieunabhängigkeit und auch hin zu einer sauberen Energieerzeugung. Ob die Aktionäre aber die Preise senken, wenn die Investition wieder eingefahren wurde ist eher fraglich. Dazu muss die Energiebranche, wie auch andere Schlüsselsektoren, wieder voll verstaatlicht werden.

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Erstveröffentlichung am 1. Juni in unserer Partnerzeitung INFO-WELT.

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Juni11
on 11. Juni 2019
Veröffentlicht in: Allgemein, Arbeit Zukunft, Diethard Möller

Diethard Möller

Mit Kalaschnikow, Pumpgun
und Pistole straffrei durch Deutschland

Diethard Möller

Berlin. Ein Reisebus, der aus Novi Pazar an der Grenze zum Kosovo kam, wurde am 18.Mai 19 vom Berliner Zoll durchsucht. Dabei fanden die Zöllner bei einem Schweden zwei Sturmgewehre vom Typ Kalaschnikow, eine Pumpgun und eine Pistole. Der Verdacht auf entweder Kriminalität oder Vorbereitung eines terroristischen Anschlages lag nahe. Immerhin gibt es ja das „Vorbild“ aus Norwegen, das Attentat des Faschisten Anders Behring Breivik, der am 22. Juli 2011 77 Menschen ermordete und noch mehr verletzte.

Der Zoll alarmierte die Berliner Staatsanwaltschaft und forderte einen Haftbefehl. Doch diese lehnte ab! Zwar wurden die Waffen beschlagnahmt, der kriminelle Schwede, der illegal Waffen mitführte, durfte aber nach Schweden weiterreisen! Und die Staatsanwaltschaft hielt es nicht für nötig, die schwedische Polizei über Interpol zu informieren.

Foto: Armémuseum (The Swedish Army Museum),Ausschnitt, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30847997

Hinzu kommt ja noch, dass der kriminelle Schwede über Tschechien nach Sachsen mit den Waffen, die er offenbar in Novi Pazar, einem Schmuggelzentrum, gekauft hat, eingereist ist, ohne dass dies dort auffiel. Bei Flüchtlingen verfolgt die sächsische Regierung eine harte Linie und ist für scharfe Grenzkontrollen. Ein Schwede hingegen kann schwer bewaffnet einreisen. Er war offensichtlich weiß und damit „unverdächtig“. Das ist institutionalisierter Rassismus!

Auch die Hintergründe wurden, dank der Berliner Staatsanwaltschaft, nicht aufgeklärt. Handelte es sich um einen Faschisten, der einen Anschlag plante? Oder war es ein Krimineller, der sich für seine „Arbeit“ mit neuen Waffen versorgte? Oder war es ein kleiner Waffenhändler, der für Auftraggeber unterwegs war?

Ähnlich handelte die Berliner Polizei bei dem Attentäter vom Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin, Anis Amri. Obwohl man von seinen Anschlagsplänen wusste, einen Spitzel in seinem Umfeld hatte und ihn observierte, wurde diese Observation einige Zeit vor dem Anschlag abgezogen. Die betreffenden Beamten wurden „dringend“ für die Überwachung der „Rigaer Straße“ gebraucht, wo Linke ein Haus besetzt hatten. Staatsfeind Nr. 1 sind Linke und Hausbesetzer, Kriminelle und Terroristen lässt man laufen.

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Erstveröffentlichung heute oder vor wenigen Tagen in Arbeit Zukunft online. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers.
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Juni08
on 8. Juni 2019
Veröffentlicht in: Allgemein

Julius Jamal

Dänemark: Antirassisten gewinnen, Rechte verlieren!

Julius Jamal

Die Wahlen in Dänemark haben einen eindeutigen Verlierer die rechtspopulistische Dänische Volkspartei und zwei große Gewinner, die linksliberale „Radikal Venstre“ und die linksgrüne „sozialistische Volkspartei“, beide konnten ihre Sitze verdoppeln.

Stärkste Kraft ist die dänische Sozialdemokratie, die allerdings leichte Verluste hinnehmen musste, während die rechtsliberale Venestre fast 4 Prozentpunkte hinzugewinnen konnte. leichte Verluste musste auch die linke „rot-grüne Einheitsliste“ einstecken, die bei der Wahl nahezu ausschließlich auf Sozialpolitik gesetzt hatte und kaum Antworten zur Diskussion um Klima und Migration gegeben hatte. Die Dänische Volkspartei, die lange die anderen Parteien im Diskurs um Migration und Flüchtlinge vor sich hertreiben konnte, verlor dagegen fast 13 Prozentpunkte und stürzte von 21.1% auf 8,7% ab. In den deutschen Medien heißt es nun, dass die dänischen Sozialdemokraten die Wahlen gewonnen haben, möglicherweise sogar wegen ihrer immer weiter nach rechts gerückten Migrationspolitik.

Kopenhaben. Bild: YouTube

Allerdings ist das Gegenteil der Fall, gewonnen haben im roten Block, sozialdemokratisch bis links, jene Parteien, die sich im klarsten für eine humane Flüchtlingspolitik und ein Ende der Umweltzerstörung eingesetzt haben. Die Sozialdemokratie verlor dagegen, trotz der starken Verluste im blauen Block, rechtsliberal bis rechts, leicht an Prozenten. Sie bleibt zwar stärkste Kraft, was sie auch schon bei der vergangenen Wahl war, doch hat sich ihr Kurs in der Flüchtlings- und Migrationspolitik nicht ausgezahlt. Die Radikal Venstre hatte im Wahlkampf sogar vor einer rotbraunen Koalition aus Sozialdemokratie und Dänischer Volkspartei gewarnt. Ihr Spitzenkandidat Morten Østergaard hat deutlich gemacht, dass er eine sozialdemokratische Regierung nur unterstützen würde, wenn diese keine rechtspopulistische Migrationspolitik durchsetzen würde. Ähnliches hatte auch die sozialistische Volkspartei erklärt, beide Parteien wurde für ihre klar humanistische und antirassistische Migrationspolitik vom Wähler belohnt, der Rechtsschwenk der dänischen Sozialdemokraten hat sich dagegen nicht ausgezahlt..

Erstveröffentlichung in „Die Freiheitsliebe“ am 6. Juni 2019. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers und des Autors. Bilder und Bildunterschriften wurden teilweise von der Redaktion American Rebel hinzugefügt.
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Alle Artikel von Julius Jamal

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– Dänemark: Die Radikalisierung der Rechten!

Lest mehr darüber in dänisch:

https://kpnet.dk/emner/dansk-folkeparti/

 

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Juni08
on 8. Juni 2019
Veröffentlicht in: Allgemein

Harry Popow

Soldaten für den Frieden (Teil zehn)

Leseprobe aus „Ausbruch aus der Stille…“ von Harry Popow
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Harry Popow

Hier nun die zehnte Leseprobe aus meinem neuen Buch »Ausbruch Aus Der Stille – Persönliche Lebensbilder in Umbruchzeiten«, das im Februar dieses Jahres auf den Markt gekommen ist. Bitte benutzt auch die Kommentarfunktion für Eure Kritiken und Einschätzungen.
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»Ab in die „Taiga“

Pinnow bei Angermünde. Dorthin ist Henry mit noch anderen jungen Offizieren verfrachtet worden. Die Enttäuschung sitzt tief in ihm. Wer zuviel träumt, kommt ins Stolpern. Henry notiert in seinem Büchlein: Ha, ha! Eine wunderbare Sache – Pinnow!! Pinnow? Kenne ich nicht. Ein Name wie Schall und Rauch für mich. Gestern schon in Angermünde gewesen. Nachts Heimweg – neun Kilometer Alleingang auf einsamer Straße, keine Zugverbindung mehr zu nächtlicher Stunde zwischen Angermünde und Schwedt/Oder. Die Kaserne am Ortsrand von Pinnow: Niedrige grau-grüne Steinbaracken ducken sich unter hohen Kiefern, Stabsgebäude und Ledigenheim zweistöckig. „Taiga!“ Wo bin ich gelandet? Alles hin – verlorene Illusionen! Man geht doch erst richtig mit einer der eigenen Person entsprechenden Tätigkeit auf. Dann erst kann man doch zeigen, was in einem steckt, wozu man fähig ist – ich bleibe wohl der „ewige Träumer“?!Die Kreisstadt Angermünde. Auch für diesen Ort hat der junge und leicht verwöhnte und anspruchsvolle Henry nichts als Sarkasmus übrig. Er schreibt: Eine Stadt, die sich hier im Norden inmitten der kleinen „niedlichen“ Ortschaften nicht sehr wesentlich heraushebt. Es fällt ohnehin nicht weiter auf, dass hier ein Theater fehlt. Umsonst, hier nach einem Kaufhaus zu suchen, umsonst, eventuell einen schwarzen einreihigen Anzug zu bekommen, umsonst, hier versuchen zu wollen, ungesehen ausgehen zu dürfen. In unmittelbarer Nähe des Bahnhofs befindet sich der „Berliner Hof“, Hotel und Tanzrestaurant zugleich. Will man die „Hauptstraße“ überqueren, so benötigt man dazu einige Zeit, denn der nicht abreißende Strom der vielen chromblitzenden Autos lässt das einfach nicht zu. Das ist noch nicht alles. Hohe Straßenlaternen erleuchten die wichtigsten Verkehrsknotenpunkte dieses großartigen Angermünde. Und erst die vielen Menschen. Dabei ist es durchaus möglich, dass einem die gleiche Person fünfmal in einer knappen Stunde begegnet. „Guten Tag“, „guten Tag“, dazu ein freundliches Lächeln, jenes sofort bei einem der Begrüßten auf den Lippen erstirbt, sobald diese Person etwas über jene andere „sehr Interessantes“ zu tratschen weiß. Mit durchaus guter Laune und Gesinnung öffnet man die dunkle Tür zum „Berliner Hof“. Auf dich treffen augenblicklich mit aller unangenehmen Wucht die mit frecher Neugier gespeisten kleinstädtischen Blicke. Ein Neuer, was will der denn hier? Falls die Tanzkapelle in diesem Moment nicht ihren pflichtvollen Beitrag zu so einem netten Abend leistet, ist das doppelt schlimm. Ein befreiendes Aufatmen, wenn man noch einen Platz erwischt. Möchte man dagegen lieber einen anderen „Pressluftschuppen“ kennenlernen, wo Höflichkeit und Anstand noch hoch im Kurs stehen, dann sollte man die Gaststätte „Ueckermark“ aufsuchen. Dort kann man sich ein Andenken holen – garantiert ein blaues Auge. Was ist Glück? Lebensfreude? Ausdruck der eigenen Kraft, Selbstbewusstsein, Erfolge, Bezwingen der Natur, der Lüfte, des Kosmos, Moral? Ungläubigkeit und Gleichgültigkeit der Mitmenschen zwingen zu noch größerer Deutlichkeit, zu noch größeren Anstrengungen, sein eigenes Profil auszuarbeiten, der Mittelmäßigkeit Paroli zu bieten! Große Worte um ein Nichts?

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Buch-Cover Ausbruch aus der Stille von Harry Popow – Mit freundlicher Genehmigung des Autors

In einem der ersten Briefe an Cleo verschafft sich Henry ein wenig Luft: „Pinnow ist ein kleines, langweiliges Dorf. Eine Kirche, ein Konsum und ne Kneipe. Kein Theater, kein Niveau. Banales und langweiliges Geschwätz. Fünfzehn Minuten Bahnfahrt von Pinnow nach Angermünde. Eine Kleinstadt. Kleine, bald zusammenfallende Häuser, gepflasterte Straßen. Meine Gefühle sind wie abgestorben. Wie ich beurteilen kann, habe ich mich bisher gegenüber den Soldaten nicht überworfen und nicht ‚vergessen‘. Hier muss man viel Verständnis aufbringen. Viele Soldaten haben nur sechs bis sieben Klassen Grundschule besucht und sind tatsächlich sehr unwissend. Aber man darf den Mut nicht sinken lassen. Man muss immer das Gute und Schöne im Auge behalten. Im Moment sitze ich in der Wohnstube eines Stellmachers im Dorf Schönermark in der Nähe von Angermünde. Hier bin ich mit noch einem Genossen. Wir bleiben zwei bis drei Wochen, also alleine auf einem Dorf auf Dienstreise. Das macht Spaß, wir gehen nach Belieben schlafen, stehen auf wie es uns gefällt. Allerdings müssen wir uns selbst verpflegen. Die Dörfer, die wir aufsuchen müssen, sind sozusagen ganz schöne ‚Kack-Nester‘. Olle Katen, bloß die Schilfdächer fehlen – das sind die Behausungen der ‚Ureinwohner‘. Von Straßen kann man überhaupt nicht sprechen – es sind in den feuchten Jahreszeiten wahre Schlammwege, dreckig und verkommen. Natürlich fehlt auch eine Wegebeleuchtung. Geht man abends die stockfinstere ‚Dorfstraße‘ entlang, dann sieht man hin und wieder ein auf- und ab tanzendes Lichtlein, wie Glühwürmchen. Man ist mit Taschenlampen unterwegs, sich vorsichtig zur einzigen Kneipe vortastend. Sogar auch die Mädchen stehen den Männern im Saufen nicht nach. Kino ist auf dem Dorfe nur zweimal im Monat. Traurig aber wahr.“

Cleo antwortet: „Wie ich aus Deinen Zeilen ersehen kann, scheinst Du es nicht sonderlich gut getroffen zu haben. Vielleicht hast Du nächstes Jahr oder schon eher Gelegenheit, wieder versetzt zu werden. Es ist natürlich insofern schlecht für Dich, da Du doch ein anderes Milieu gewöhnt bist. Was machst Du denn da in Deiner Freizeit außer Kino? Ich persönlich würde viel schlafen. Vorhin war ich bei Helga zur Stunde, jetzt schreib ich noch einen Brief, dann mache ich die Küche noch wie üblich. Wie ist es eigentlich mit Deinen Soldaten, bzw. wo bist Du eingesetzt? Wie kommst Du überhaupt mit ihnen aus? Und dann noch was. Mutti hat auf einmal Anschauungen, dauernd Grund zum Streiten, weißt Du. Theater bleibt eben Theater, leichtsinnig und liederlich usw., ich würde genauso werden. Es ist vielleicht dumm, dass ich Dir all das schreibe, aber schließlich bist Du ja praktisch ein guter Bekannter und Freund.“

Es ist Mitte November. Hat sich Henry eingewöhnt? Vielleicht, keinesfalls aber angepasst. Er sucht weiter im Himmel nach einer Wolke für sich und hält fest: Es ist 18 Uhr. Wie schnell doch die Zeit vergeht. Ich sitze in einem kalten Hotelzimmer in Angermünde. Draußen ist es dunkel. Die Glocken der Kirchturmuhr schlagen. Was hat mich hier nicht schon alles angeekelt. Ich muss mich aber zusammennehmen, alles ist vergänglich. Wie eine kleine wunderbare Blume inmitten eines trostlosen Gartens kam mir heute eine nette junge Dame vor, die ich in einem Laden sah. Montag will ich zur Modenschau in den „Berliner Hof“, einem Hotel und Restaurant. Carlo Rausch aus Leipzig führt sie vor. Mittwoch bekam ich einen netten Brief von Cleo. Interessiert sie sich noch ein wenig für mich? Ein Jahr will ich es hier durchhalten – und dann Versetzungsgesuch nach Rostock oder Schwerin schreiben, (oder Leipzig?).

Der Soldatenalltag hat seine Tücken. Eine straffe Ausbildung hätte sich Henry ja noch gefallen lassen, so aber vergeht einem alles. Immer wieder fragen er und die anderen Zugführer sich, was denn das nur für eine Ausbildung ist? Manchmal hat Henry nur an die zehn Soldaten (immer noch alles Freiwillige) im Zug, und wenn die noch zum Wirtschaftsdienst in die Küche müssen, dann schreibt er neue Konspekte für eine Ausbildung, die noch in den Sternen steht. Des Abend’s wissen die jungen Offiziere mitunter noch nicht einmal, welches Thema am nächsten Tag dran ist. Henry erinnert sich: Es gibt zwar einen Plan, aber es kommt eben oft anders, auch plötzliches „Wache stehen“ mit dem Zug. Mal im eigenen Objekt, mal in Prenzlau, wo unser Stab des Schützenregiments liegt. Auch der Feierabend ist überhaupt nicht planbar. Da hocken wir Zugführer in der Baracke, im eisernen Öfchen glimmen die Briketts, und wir warten wie „auf Kohlen“ auf den Kompaniechef, der jetzt, um 21 Uhr, noch einmal zur Besprechung in den Stab musste.
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Zum Inhalt

Ausgangssituation ist Schweden und das Haus, in dem die Ziebells wohnen. Der Leser erfährt zunächst, wer die Eltern waren (seine Mutter stammt aus Moskau), berichtet kurz vom Evakuierungsort 1943/44 in Pommern, von der Rückkehr in das noch unter Bombenhagel liegende Berlin (Schöneberg), von den Eindrücken nach Kriegsende und vom Einleben in der neuen Gesellschaft, dabei auch von einer Begegnung der Jungen Pioniere mit Wilhelm Pieck.

Die Lehrzeit wird skizziert mit der Arbeit im Zwickauer Steinkohlenrevier, mit Tätigkeiten in der Geologischen Kommission der DDR und mit dem Besuch der Offiziersschule der KVP/NVA in Erfurt und in Plauen, wo er seine spätere Frau kennenlernte.

Wie lebt ein junger Offizier in der Einöde im Nordosten der DDR, welche Gedanken und Gefühle bewegen ihn? Darum geht es in den nächsten Aufzeichnungen seiner Impressionen. Seine Träume führen ihn mitunter weg vom Kasernenalltag und so nimmt er die Gelegenheit wahr, für fünf Monate im Walz- und Stahlwerk Eisenhüttenstadt als einfacher Arbeiter tätig zu sein.

Durch Versetzungen gelangt er nach Potsdam. Dabei kommen Querelen des Alltags als Ausbilder und später als Politoffizier nicht zu kurz. Ein Glücksfall für ihn, als er nach Neubrandenburg in einen höheren Stab als Redakteur berufen wird. Er beginnt ein Fernstudium als Diplomjournalist an der Karl-Marx-Universität in Leipzig. Inzwischen ist er längst glücklich verheiratet. Die Höhen und Tiefen eines Militärjournalisten – die zwingen ihn, vieles neu zu überdenken. Vor allem als einstiger Ausbilder gelingt es ihm, die Probleme der Soldaten immer besser zu verstehen und sie bildhaft zu schildern.

Die spätere Arbeit als Abteilungsleiter in der Wochenzeitung „Volksarmee“ macht ihm nicht nur Spaß, er nimmt auch Stellung gegen Ungereimtheiten, was ihm nach der Entlassung aus dem aktiven Armeedienst und der Tätigkeit als Journalist im Fernsehen der DDR nicht nur böse Blicke einbringt. So fährt er im September 1989 seiner Tochter nach Ungarn hinterher, um herauszukriegen, weshalb sie mit ihrem Partner abgehauen ist; er gibt ihr dabei das Versprechen, sie in keiner Weise als Tochter zu verurteilen. Nach seiner Rückkehr wird er mit einer Parteistrafe gerügt, die Wochen später angesichts der vermeintlichen Verstöße und Fehler durch die Politik nicht mehr relevant scheinen und wieder gestrichen wird. Auf Unverständnis stößt er auch bei seinen Mitarbeitern, als er nach der Teilnahme an der Dokumentarfilmwoche1988/89 in Leipzig angeblich nicht die erwarteten   Schlussfolgerungen zieht.

Nach der Wende: Versuche, arbeitsmäßig Fuß zu fassen, u.a in Gran Canaria und in einer Steuerfirma. Die Suche nach Alternativen, günstiger zu wohnen, sowie die Sehnsucht nach Ruhe führt das Ehepaar nach Schweden.

Episoden aus dem Dorfleben und von vielen Begegnungen, so z.B. bei der Geburtstagsfeier einer siebzigjährigen Schwedin, machen den Alltag und die feierlichen Momente in der „Stille“ nacherlebbar. Keine der in der DDR erlebten Widersprüche und politischen Unterlassungssünden wirft den überzeugten Humanisten aus der Bahn, wogegen die Kapitaldiktatur mit ihren hörigen Medien, politische Manipulationen und Lügen im angeblich so demokratischen Deutschland ihn aufbringen –  er bleibt ein Suchender!«


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Harry Popow: AUSBRUCH AUS DER STILLE. Persönliche Lebensbilder in Umbruchzeiten. © Copyright by Harry Popow, Verlag: epubli, Druck: epubli – ein Service der neopubli GmbH, Berlin, Erscheinungsdatum 18.02.2019, ISBN: 9783748512981, Seiten: 500, Preis: 26,99 Euro.
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Über den Autor: Geboren 1936 in Berlin Tegel, erlebte Harry Popow (alias Henry) in seinem Buch „Ausbruch aus der Stille“) noch die letzten Kriegsjahre und Tage. Ab 1953 war er Berglehrling im Zwickauer Steinkohlenrevier. Eigentlich wollte er Geologe werden, und so begann Harry Popow ab September 1954 eine Arbeit als Kollektor in der Außenstelle der Staatlichen Geologischen Kommission der DDR in Schwerin. Unter dem Versprechen, Militärgeologie studieren zu können, warb man ihn für eine Offizierslaufbahn in der KVP/NVA. Doch mit Geologie hatte das alles nur bedingt zu tun… In den bewaffneten Kräften diente er zunächst als Ausbilder und danach 22 Jahre als Reporter und Redakteur in der Wochenzeitung „Volksarmee“. Den Titel Diplomjournalist erwarb der junge Offizier im fünfjährigen Fernstudium an der Karl-Marx-Universität Leipzig. Nach Beendigung der fast 32-jährigen Dienstzeit arbeitete er bis Ende 1991 als Journalist und Berater im Fernsehen der DDR. Von 1996 bis 2005 lebte der Autor mit seiner Frau in Schweden. Beide kehrten 2005 nach Deutschland zurück. Sie sind seit 1961 sehr glücklich verheiratet und haben drei Kinder, zwei Enkel und zwei Enkelinnen.

Frühere Artikel von Harry Popow

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Juni07
on 7. Juni 2019
Veröffentlicht in: Allgemein, Diethard Möller, Kim Rebell, Thälmann

Kiki Rebell

Historischer „Roter Morgen“
als neu formatierter Nachdruck erhältlich

Zur Gründung der KPD/ML als Antwort auf den Verrat der SED und der KPD
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Kiki Rebell

Vor 50 Jahren, im Januar 1969, wurde die Kommunistische Partei Deutschlands/ Marxisten-Leninisten gegründet. Der Chefredakteur der seit 1967 erschienenen kommunistischen Zeitung, Ernst Aust, war dabei die treibende Kraft. Im Januar 1969 erschien eine Ausgabe des Roten Morgen, in der die wichtigsten Dokumente zur Gründung enthalten waren. Diese Ausgabe ist ein historisches Dokument, das nach der revisionistischen Entartung der SED und der KPD die Notwendigkeit der Gründung einer neuen revolutionären kommunistischen Partei für Deutschland widerspiegelt.

Die historische Ausgabe zeigt, auf welchen Grundlagen die KPD/ML gegründet wurde, in welcher Situation sich die deutschen Kommunisten zu der Zeit befanden und wie der Staat agierte. Wenn man den Roten Morgen von vor 50 Jahren heute liest, so sieht man, dass die Gründung der KPD/ML ein mutiger und angesichts des revisionistischen Verrats, notwendiger Schritt war.


sie ist auch ein Teil der Geschichte der KPD/ML die uns heute helfen kann aus Erfolgen und Fehlern zu lernen. Denn auch für den Aufbau einer neuen kommunistischen Arbeiterpartei, die wir alle so nötig brauchen, brauchen wir Mut um die nötigen Schritte zu erkennen und zu gehen. Dabei können die Erfahrungen bei der Gründung, dem Aufbau und der Zerstörung der KPD/ML durch die trotzkistische Ideologie helfen.

Deshalb empfehle jedem diesen Nachdruck und die nachfolgenden Ausgaben des Roten Morgen zu lesen. Wie schon berichtet, hat sich ein Team von ehemaligen RM-Redakteuren und jungen Genossen gefunden, die Monat für Monat, unter dem Titel »Die Welt vor 50 Jahren«, Artikel aus dem Roten Morgen in Blogform wiederveröffentlichen.
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Roter Morgen Januar 69, 16 Seiten, neu formatierter Nachdruck, 2,50 Euro zuzüglich 1,20 Porto und Verpackung.

Bestellungen an: Verlag AZ, Postfach 401051, 70410 Stuttgart oder info@arbeit-zukunft.de

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Zum Blog>>>

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Weitere Beiträge von Kiki Rebell

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Lest dazu auch:

– Die Welt vor 50 Jahren

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Juni06
on 6. Juni 2019
Veröffentlicht in: Rui Filipe Gutschmidt

Rui Filipe Gutschmidt

Portugiesische Abgeordnete:
„Die Rechten ins Loch der Geschichte verbannen,
in das sie gehören“

Rui Filipe Gutschmidt

Mariana Mortagua ist Abgeordnete für den Linken Block (Bloco Esquerda – BE) in Portugals Parlament. Bisher galt ihr Kampf eher den schamlosen „Bankstern“, doch die Wahlen für das EU-Parlament haben die Portugiesen daran erinnert, dass in anderen EU-Staaten der Extremismus an Boden gewinnt. Dabei sind die Rechtspopulisten mit ihren Hasstiraden und ihrer spaltenden Ideologie, mehr oder weniger unfreiwillige Helfer des Systems.

Wer Mariana Mortágua vom Linken Block kennt, der weiß genau wie enthusiastisch die Politikerin gegen die Ungerechtigkeiten dieser Welt kämpft. Dabei geht ihre Partei den Weg des Friedens, der Solidarität, der Aufklärung und der Bildung. In einem Meinungsartikel zeigt die Powerfrau, dass die EU nicht obsolet ist, sondern ein gutes Projekt von schlechten Politikern ans Großkapital verkauft wurde. Der Weg, den die Nationalisten anbieten, ist laut Mariana, der Weg in den Untergang:

„Die extreme Rechte gewinnt in einer außer Kontrolle geratenen Europäischen Union an Boden, und es bleibt keine Zeit mehr für Experimente. Die Interpretation, die wir jetzt machen, wird diktieren, ob wir eine Strategie und daraus entstehende Bündnisse entwickeln können, die die Rechten in das Loch der Geschichte verbannen, in das sie gehören.“

Mariana Mortágua – BE, Bild mit freundlicher Genehmigung von Esquerda.net

Mit diesen harschen Worten beginnt Mariana „Der Bankerschreck“ ihren Artikel und erläutert zugleich:

„Es ist daher nützlich, sich an diese Geschichte zu erinnern. Die Friedenszeit, die Europa erlebt hat, beruht nicht auf der Tatsache, dass die Länder an eine Art Slogan namens Europäische Union gebunden sind. Was den Frieden bewahrte, war der Gesellschaftsvertrag, der aus den verheerenden Erfahrungen der Weltwirtschaftskrise und des Zweiten Weltkriegs hervorging. Dieser Vertrag hatte konkrete Klauseln: den Aufbau eines universellen Sozialstaates; Schutz der Arbeitnehmerrechte, wobei die Gewerkschaften eine enorme Rolle spielen; Kontrolle der Banken- und internationalen Spekulationsbewegungen mit dem Bretton Woods-Abkommen; öffentliche Investitionen, mit dem New Deal. Der Gesellschaftsvertrag, der im letzten Jahrhundert den Rechtsextremismus auslöschte, war ein fortschreitendes Bündnis unter Demokraten, die verstanden, dass Hass durch Armut, Unsicherheit und Demütigung angeheizt wird. Und deshalb kann Frieden nur mit Stabilität, Rechten und Würde garantiert werden.“

Mit dem Zusammenbruch der totalitären kommunistischen Regime, deren Führung Wasser predigte und Wein trank, hatten die Kapitalisten keinen Grund mehr sich an den erwähnten Gesellschaftsvertrag zu halten, was man vor allem in Europa zu spüren bekam.

„In den achtziger und neunziger Jahren wurde dieser fortschrittliche europäische Vertrag geschwächt. Privatisierungen, finanzielle Deregulierung und die Erosion der gewonnenen Rechte haben seine Grundlagen zerstört, da einige seiner Gründer – die Sozialdemokratie – mit den Neoliberalen verbündet waren. In den 2000er Jahren erreichten finanzielle Gewinne Rekordhöhen, hinterließen jedoch einen bitteren Beigeschmack bei denen, die sahen, dass das Leben prekärer wurde und der Abstand zur Spitze zunahm.“

„Die Krise von 2007 war die Folge dieses Prozesses. Der eigentliche Schwung des sozialen Nachkriegsvertrags war jedoch die Sparpolitik und das damit einhergehende liberale Programm. Die Armut, die Ungleichheit und die Demütigung, die sie verursacht hat, sind heute, wie im Nachkriegszeitalter, Spuren der extremen Rechten.“

Abschließend macht die progressiv-linke Politikerin Angaben zum Rezept, welches die Viren des Extremismus am besten im Zaum hält:

„Um auf die extreme Rechte zu reagieren, muss ein Sozialvertrag mit einem öffentlichen Investitionsplan gegen den Klimawandel, mit einem starken Sozialstaat, mit Arbeitsrechten und dem Schutz der Menschenrechte überarbeitet und geschlossen werden.“ (…)

Die Mitterechtsparteien und ihre Austeritätspolitik im Bündnis mit der Hochfinanzmafia ist für den Aufstieg Neonationalistischer Parteien und ihrer Rassenideologie verantwortlich…

„Die gleiche Rechte, die demütigende Sanktionen verteidigte und verhängte. Die gleiche Rechte, die das Mittelmeer in ein Massengrab verwandelt hat. Diese bizarre Allianz hat nichts Fortschrittliches. Diese Allianz ist ein Fehler von der Größe unserer Geschichte.“

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Mariana Mortagua, Mitglied des Linken Blocks (BE):

Zu den Konsequenzen eines nationalistischen „Europa der Nationen“, wollte ich aber auch noch etwas hinzufügen.

Ich kann – als jemand, der zwischen zwei Kulturen lebt und Familie sowie auch Freunde in Portugal und Deutschland hat – vieles nachvollziehen was sich in Deutschland und anderen Industriestaaten der EU abspielt. Aber „das System“ trampelt auf Deutsche genauso rum wie auf nicht aus Deutschland stammende „Arbeiter“ – vor allem auf denen die ohne Arbeit sind. Ärzte und Ingenieure aus Osteuropa gehen in Deutschland putzen. Wenn Deutsche in Billiglohnländern produzieren lassen und die Menschen dort ausbeuten dann denkt man dort nicht dass alle Deutschen so sind. Warum unterstellen so viele Deutsche dann jedem Flüchtling unlautere Absichten? Weil Parteien wie die AfD genauso von Angst und dem daraus resultierenden Hass leben, wie die Islamisten oder eben die Nationalsozialisten in den 20er bis Mitte 40er Jahre. Teil des Systems ist es ja schließlich, uns gegenseitig aufzustacheln, zu hetzen und ein „WIR oder DIE“-Gefühl zu erschaffen.
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Wir sind Menschen (!) – DIE sind irgendwas anderes!

Homo Kapitalista oder so? Selbst eingebunden in ihrem System, leben die oberen 0,1 Prozent in einem Paralleluniversum. Sie interessiert nur, ob sie in der nächsten Ausgabe der „Forbs“ wieder ein paar Plätze gestiegen, ein paar Millionen reicher sind. Schon die Römer wussten wie man sich an den Zitzen der Wölfin (die römische Republik) ein schönes Leben macht.

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Erstveröffentlichung heute in unserer Partnerzeitung INFO-WELT.

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