Chris Trubartic

Flüchtlingslager Idomeni

Trubartic – Lieder gegen 
Menschenverachtung

Chris Trubartic

Im August 2015 campierten zeitweise 5000 oder 6000 Menschen bei Idomeni. Das Auffanglager war direkt am Grenzübergang für 1500 Menschen ausgelegt. Am 2. März 2016 waren über 10.000 Flüchtlinge in Idomeni, am 9. März 2016 waren es etwa 14.000. Medien bezeichnen die Situation im Lager (langanhaltende Regenfälle, hygienische Zustände und anderes) als „unhaltbar“ oder „katastrophal“.

Trotz Überbelegung und schwieriger Lebensbedingungen weigern sich viele Flüchtlinge, das Lager zu verlassen und in angebotene Unterkünfte im griechischen Inland überzusiedeln, weil sie auf eine baldige Grenzöffnung durch Mazedonien spekulieren. Der deutsche Ex- Arbeitsminister Norbert Blüm übernachtete in der Nacht vom 12. auf den 13. März 2016 im Camp, um seine Solidarität mit den Flüchtlingen im Flüchtlingslager zu bekunden.

Die griechischen Behörden riefen die Migranten auf Flugblättern dazu auf, in andere Flüchtlingslager umzuziehen, wo Unterkunft, Versorgung mit Nahrungsmitteln und ärztliche Hilfe gewährleistet seien. Andere Flugblätter riefen die Menschen dazu auf, nicht in eine offizielle griechische Unterkunft zu gehen, sondern die Grenze nach Mazedonien illegal zu überqueren. Bei dem Versuch, diese Aufforderung zu realisieren, ertranken drei Menschen in einem Fluss.

Vier Wochen später tauchten erneut Flugblätter auf, welche die Bewohner*innen des improvisierten Lagers in Idomeni aufriefen, am 10. April die Grenze zu Mazedonien zu stürmen. In ihrer Verzweiflung bewarfen sie mazedonische Beamte mit Steinen und Metallgegenständen; diese reagierten mit Tränengas und Blendgranaten. Dabei wurden laut der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen 300 Menschen verletzt. Die griechische Polizei ließ die sieben Stunden dauernden Ausschreitungen entlang der Grenzanlage auf ihrem Staatsgebiet zu, ohne einzugreifen. Am 14. April 2016 führten griechische Armee und Luftwaffe in der Nähe des Lagers Manöver durch. Der Generalstab des griechischen Militärs schrieb in einer Pressemitteilung, es handle sich um eine „Demonstration der Einsatzbereitschaft“. Zuvor hatte Mazedonien seine Militärpräsenz in der Grenzregion verstärkt.

Chris Trubartic. Bild Archiv Trubartic.

Ein Versuch der griechischen Behörden, das Lager am 18. April zu räumen, scheiterte, weil die Bewohner nicht kooperativ waren, und die Polizei nicht ermächtigt war, Gewalt anzuwenden. Am 4. Mai beschlossen Polizei und lokale Behörden, das Lager bis zum 30. Mai zu räumen. Am Tag darauf begannen sie, seit Wochen besetzte Eisenbahngleise freizuräumen. Die Räumung des Lagers selbst begann erst drei Wochen später am 24. Mai 2016. Von den über 8.000 Menschen im Camp hat sich nur rund 3.500 in Militärlager bringen lassen. Die anderen verstecken sich in Wäldern und waren mittellos auf andere Wege gezwungen.

Trubartic, Lieder gegen Menschenverachtung

Für Hilfe, Nächstenliebe, Mitmenschlichkeit und Solidarität Gegen politische, populistische und religiöse Hetze. Für Demokratie, Auseinandersetzung und Kritik, gegen Gewalt und Brutalität in allen seinen tätlichen, verbalen und digitalen Formen. Aufgenommen im Sunstreet-Studio, Produziert und mitmusiziert von Jürgen Fastje.
Kontakt: Jürgen.Fastje1@ewetel.net
Trubartic@web.de
Video: Battlejuizzz@gmx.de
Refugees Welcome…

Idomeni

Idomeni Trubartic – Lieder gegen Menschenverachtung gegen

Liedtext »

Idomeni

… und der Regen fällt
starker Nordwind bläst über das Feld
das Dorf, in dem Du lebtest, gibt’s nicht mehr
Dein letztes Lachen schon Monate her

es ist kalt, Deine Kleider sind nass
es ist lange her, dass Du Wärme gespürt hast
Willst nach Haus, doch das geht nicht mehr
Deine Heimat, der Verlust unsagbar schwer

Lange hadertest Du mit der Flucht
Ist so viel, das Du aufgeben musst
Unerträglich, dieser riesige Schmerz
Deiner Kinder, es zerreißt Dir das Herz

Idomeni, so heißt dieser Ort
unbeschreiblich, ihr wollt hier nur noch fort
Verzweiflung und Not überall
zurückzugehen, das geht auf keinen Fall

Ihr lebt in diesem minikleinen Zelt
Die Wut wird größer, auf die ganze Welt
Euer Kleinstes, gestorben hier im Dreck
Die Flut der Tränen spült die Trauer nicht weg

Und Du schreist es in Dich hinein
so ein Verdammter, das wolltest Du nie sein
diese Angst, diese Panik und Furcht
dieser Krieg, die entsetzliche Flucht

Es stinkt und das Atmen fällt schwer
sauberes Wasser, schon 2 Tage her
geht barfuß, durch Kot und Urin
hoffnungslos, sie lassen Euch nicht zieh’n

Es regnet, es ist so furchtbar kalt
Unglaublich, diese Gnadenlosigkeit
Verschlossen, der Weg aus der Not
Keine Hilfe, weder Zuspruch noch Trost

Idomeni, bist selbst ohne Schuld
hast geholfen mit so viel Geduld
Europa, warum hast Du nichts getan
unfassbar, was hast Du bloß vertan ?

 

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