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Juli20
on 20. Juli 2017
Veröffentlicht in: Allgemein

Elisabeth Monsig

Die Rote Oma stellt sich vor

Verträglicher Kapitalismus?
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Elisabeth Monsig

Ich bin »Die Rote Oma«, Elisabeth Monsig aus Gartz in Brandenburg und wurde am 1. Januar 1924 
in Köln als Tochter eines Schreiners und einer Hausfrau geboren. Ich hatte noch vier Geschwister und meine Eltern waren beide Mitglieder in der KPD. Mein Vater wurde am 2. Januar 1933 von den Faschisten ermordet.
1930 wurde ich eingeschult und beendete, als Atheistin, die
 8. Klasse an der katholischen Volksschule. Danach arbeitete ich in einer Tischlerei und später auch als Haushaltshilfe in der Eifel. 1942 begann mein Lehre als Industriekauffrau im rheinischen Braunkohlen-Syndikat und ich wurde 1945 Mitglied der KPD. Ich habe zwei Kinder geboren und wurde dadurch arbeitslos, so dass ich auf Wohlfahrtshilfe angewiesen war. Durch die KPD und die Gewerkschaft hatte ich Kontakt zur DDR und verließ 1954 die BRD um mit meinen beiden Kindern in die DDR zu ziehen, die zu meiner zweiten Heimat wurde.
Ich bekam sofort Arbeit und meine Kinder einen Krippenplatz in Krumpa, Kreis Merseburg im volkseigenen Betrieb Mineralölwerk Lützkendorf. 1970 zog ich mit meinem zweiten Mann nach Schwedt an der Oder und arbeitete dort 12 Jahre im Petrolchemischenk Kombinat als Materialplanerin. Die letzten zwei Jahre vor der Rente arbeitete ich im Schulwesen in der Lehrmittelausgabe.
Seit 2011 wohne ich allein in Gartz. Ich bin Mitglied der DKP und nach wie vor politisch aktiv. 2016 nahm ich am Ostermarsch für Frieden und Abrüstung in Potsdam teil und im August 2017 werde ich Teilnehmerin des Antifaschistischen Riesengebirgstreffen in Mala Upa in Tschechien sein.
Ich habe in den letzten Jahren unendlich viel Gedichte und Texte verfasst, die zum Denken anregen sollen und den Menschen Mut machen sollen „Trotz alledem“!

Viele Menschen kämpfen für einen vernünftigen, verträglichen Kapitalismus. Aber den Kapitalismus gibt es nicht! Das wäre das gleiche wie, wenn man an das Märchen mit den herab fallenden Goldtalern glauben würde. Der Kapitalismus hat sich mehrere Standbeine geschaffen. Davon das wichtigste, die Millionen Arbeitslosen. Sie sind seine besten Helfer, mit denen er seine Arbeiter unter Druck ausbeuten kann. Dabei geht er bis an seine Grenzen. Die große Angst vor Arbeitslosigkeit, nutzt er voll aus. Die Arbeiter, die glauben ihr Arbeitsplatz sei sicher, können von heute auf morgen ihre Sicherheit verlieren. Falls die Bosse höhre Gewinne in Billiglohnländern wittern. Das Schicksal der treuen heimischen Arbeiter, geht ihnen, den Managern und Aktionären, vollkommen am Arsch vorbei. Ein wichtiger Helfer ist die Politik. Politiker die mit Hilfe finanzieller Unterstützung, der Wirtschaft, an die Macht kommen. Und dementsprechende Gesetzte beschließen, die den Wirtschaftsbossen und ihren Aktionären die höhstmöglichen Profite garantieren. Die kleinen Leute werden mit Hilfe der Medien brutal gegeneinander ausgespielt. Womit ihre Solidarität weitgehend zerstört wird. Wenn alles nicht reicht, ist ein Krieg für größere Absatzgebiete oder besondere „Schürfrechte“ immer noch willkommen. Und genügend. Söldner sind bei einem Millionenherr von Arbeitslosen gewiss kein Problem.

 

 ……………………

Der Markt                        

Ja es gibt einen Viehmarkt und einen Arbeitsmarkt.
Beim Viehmarkt, wenn viel Vieh vorhanden ist,
wird das Vieh wirklich billig.
Beim Arbeitsmarkt, wenn viele Arbeitslose vorhanden sind,
denn wird erst Mal ausgesucht: jung, gesund, Fachkraft, flexibel,
unabhängig. Und der Rest Millionen sind Ladenhüter.

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Ich möchte nicht mehr zwanzig sein

Ich möchte nicht mehr zwanzig sein,
da tobte noch der Krieg.
Doch wenn ich jetzt erst 70 sei,
das wäre mir schon lieb.
Hat Autofahren Spaß gemacht
und auch das Demonstrieren
gegen Krieg und Armut überall
gemeinsam protestieren.
Wenn ich auch nur schlecht laufen kann
und nicht mehr Auto fahren …
mit meinem Kopf bin ich dabei
so wie seit vielen Jahren.

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Schlachthof

Also der Unterschied zwischen Schlachthof und Schlachtfeld.
Der Schlachthof, dort wird viel geschlachtet für die menschliche Ernährung.
Und das Schlachtfeld, da schlachten sich Menschen gegenseitig ab,
die sich nie gesehen haben, die sich nie etwas getan haben.

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Karl Marx

Hinz und Kunz sind längst vergessen.
Doch Karl Marx lebt unterdessen,
wieder mitten unter uns.
Und wer sagt ,,Karl Marx ist tot“,
hat nur Angst vor zu viel rot!
Denkt Gespenster werden kommen
und ihm wird dann abgenommen.
All sein Reichtum, sein Besitz,
könnte sein, es ist kein Witz!

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Vorankündigung der Redaktion: Die CD »Gereimtes und Ungereimtes von der Roten Oma« erscheint am 16. September 2017 anlässlich des Dean-Reed-Festivals 2017 im Kino BABYLON in Berlin. Mit etwas Glück und Gesundheit wird Elisabeth Monsig (93) dabei sein. Jetzt Festival-Tickes sichern!

 

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└ Schlagwörter: Lyrik
 Comment 
Juli19
on 19. Juli 2017
Veröffentlicht in: Allgemein

Klaus Meier

Armut das System

Armut ist einer der wichtigsten Ketten der Lohnsklaverei
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Klaus Meier

Wenn Politik was ändern sollte müsste sie Armut bekämpfen. Armut ist aber Systemrelevant im Kapitalismus und muss nicht nur erhalten, sondern ausgebaut und im System gefestigt werden. Denn Armut ist einer der wichtigsten Ketten der Lohnsklaverei. Was also tun damit Armut sich auf die Mehrheit der Menschen ausbreitet ohne den Reichtum der wenigen zu gefährden?

Unter den Produktionsmittel-Inhaber/innen hieß es schon immer „wenn der Erwerbstätige Montags nicht erscheint, bezahlt man ihn zu viel“. Ergo mit weniger Lohn kann man den Erwerbstätigen dazu nötigen immer wieder und immer mehr von seiner Arbeitskraft einzusetzen. Wie aber kann man Lohn senken in einer Solidargemeinschaft in der es so keinen Zwang zur Erwerbstätigkeit gibt. Es sogar im Grundgesetz verboten ist.

Zwei Dinge braucht es um den Preis einer Ware zu minimieren. Erstens das Überangebot der Ware und zweitens die Akzeptanz. Um diese zwei Ziele umzusetzen kommt ein altes aber bewertest Mittel ins Spiel, Teile und Herrsche.

Mit der Aussage das Erwerbslose etwas erhalten ohne dafür was zu geben, macht man Menschen ohne Einkommen zum Feindbild der Solidargemeinschaft. So einfach teilten man Menschen in Erwerbstätige und Erwerbslose. Die einen sind dann die vermeintliche Stütze der Gesellschaft und die anderen die Schmarotzer. Damit erreicht man das erste Ziel – Akzeptanz.

Durch Art. 2 Abs. 1 im SGB II machte man aus Erwerbstätigkeit einen Zwang.  „(1) [..]Personen müssen alle Möglichkeiten zur Beendigung oder Verringerung ihrer Hilfebedürftigkeit ausschöpfen.“ Nun musste man seine Arbeitskraft hergeben, Zuwiderhandlung hatte den Entzug des Existenzminimums durch Sanktionen zu folge. Damit setzte man dann das zweite Ziel um – ein Überangebot von Arbeitskraft.

Heute ist Armut gefestigt und etwas alltägliches. Alle paar Monate kommt wer daher und zeigt auf das die Armut voranschreitet. Man spricht darüber, aber keiner wird ernsthaft aktiv es zu ändern. Erst recht nicht da durch Armut auch Gewinne erzeugt werden. Stichwort: Tafel, 1€ Job, usw. Erwerbslosigkeit wurde zum gesellschaftlichen Sündenbock gemacht und ALG II-Abhängigkeit zum persönlichen versagen. Was einst zur Sicherung der Existenz des Individiums nutzte, wurde durch den Neokapitalismus pervertiert. Aus fördern wurde nötigen und aus fordern wurde Zwang. Das System „Kapitalismus“ das Armut braucht wird nicht mehr in Frage gestellt, denn lieber schlägt man auf den vermeintlichen Schmarotzer „Erwerbsloser“ ein, als die Systemfrage zu stellen.
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Erstveröffentlichung auf Hartz-IV-Nachrichten am 19.7.2017.
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Über den Autor: Klaus Meier, 1965 in Berlin geboren ist aufgewachsen in einer politisch desinteressierten Arbeiterfamilie. Lange glaubte er an die Leistungsgesellschaft und das jeder die gleichen Möglichkeiten hätte. Das Leben lehrte ihn, dass es nicht so war. Dadurch politisch aktiviert schreibt er humanistische linke Texte und wurde ein Verfechter des bedingungslosen Grundeinkommens sowie kommunal politisch aktiv. Klaus Meier schreibt auf Facebook unter #Dissident

 

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└ Schlagwörter: Hartz IV
 Comment 
Juli17
on 17. Juli 2017
Veröffentlicht in: Allgemein

Riot Medics Berlin

Statement der Riot Medics Berlin, zur Nacht vom
07. – 08.07.2017 im Hamburger Schanzenviertel

Presseerklärung, Riot Medics Berlin vom 16. Juli 2017
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Riot Medics Berlin

„Das Spiel ist jetzt vorbei!“ – Statement der Riot Medics Berlin zur Nacht vom 07. – 08.07.2017 im Hamburger Schanzenviertel

Als Gruppe Riot Medics waren wir während des G20-Gipfels in Hamburg seit Donnerstag, 6. Juli auf den Straßen unterwegs. Mit signalfarbenen Uniformen waren wir als Sanitäter_innen zu erkennen und jederzeit ansprechbar. Wir standen verletzten Menschen bei und übernahmen die medizinische Erstversorgung in Situationen, in denen offizielle Rettungsdienste keine Versorgung gewährleisten konnten.

Wir verstehen uns nicht als politischer Akteur, die Einschätzung dieses Wochenendes überlassen wir anderen. Nach einigen Tagen irritierender Presseberichterstattung sehen wir allerdings die Veröffentlichung eines Gedächtnisprotokolls aus der Freitagnacht zum Polizeieinsatz im Hamburger Schanzenviertel dringend geboten.

Riot Medi Sanitäter vor der Roten Flora im Hamburger Schanzenviertel

Als sich am Freitagabend die Situation auf der Schanze zuspitzte und auch für uns unübersichtlicher wurde, richteten wir mit Hilfe der Berliner Left-Demo-Medics und der Bewohner_innen eines Hauses auf dem Schulterblatt eine Versorgungsstation in einem Hausflur gegenüber der Lerchenstraße ein. Dorthin konnten wir verletzte Personen aus akuten Gefahrenzonen bringen, untersuchen, behandeln, gegebenenfalls Kontakt mit Rettungsdiensten aufnehmen und ihren Abtransport organisieren. Letzteres wurde aufgrund von Polizeisperren und Barrikaden im Laufe des Abends zunehmend schwieriger.

Als kurz nach Mitternacht das Gebiet von Polizei-Einheiten gestürmt wurde, beschlossen wir, im Haus zu bleiben. Mit uns im Haus befanden sich zahlreiche Patient_innen, die weiterführende medizinische Versorgung in einem Krankenhaus benötigten, sowie deren Angehörige. Insgesamt waren es etwa 18 Personen. Darunter war ein Patient, dessen Zustand es erforderte, ihn liegend ins Krankenhaus zu transportieren. Versuche, einen Krankenwagen auch nur in die Nähe der Schanze zu bekommen, waren erfolglos gescheitert und so warteten wir im Hausflur, bis sich die Situation auf den Straßen wieder beruhigen würde.

Etwa um 00:50 Uhr, nachdem offenbar einige Straßen von Barrikaden geräumt wurden, verließen drei der Sanitäter_innen das Haus, um ihren Heimweg anzutreten. Vor der Haustür trafen sie auf eine Gruppe von Beamten einer nicht näher erkennbaren Spezialeinheit der Polizei, die sich dem Hauseingang näherte. Sie wiesen die Beamten darauf hin, dass sich in diesem Hausflur Sanitäter_innen und Verletzte befänden.

Im Hausflur selbst kam kurz darauf ein Bewohner die Treppe hinunter und sagte, er sei von der Polizei angewiesen worden, die Haustür von innen zu öffnen. Nachdem er die Tür öffnete, betraten mehrere mit Maschinengewehren bewaffnete Spezialkräfte den Flur, befahlen uns die Hände zu heben, einer von ihnen rief: “Das Spiel ist jetzt vorbei”. Direkt hinter der Eingangstür lag der schwerverletzte Patient eingewickelt in Rettungsdecken mit laufender Infusion. Im Erdgeschoss sowie auf den Treppenstufen saßen ausschließlich markierte Sanitäter_innen, in den oberen Stockwerken warteten weitere Patient_innen.

Mit Sturmhauben und ballistischen Westen ausgerüstet zielten die Spezialkräfte auf Köpfe und Oberkörper mehrere Sanitäter_innen im Treppenhaus. Sie forderten uns auf, uns nicht zu bewegen und die Arme oben zu halten, sonst würden sie von ihren Schusswaffen Gebrauch machen. Die grünen Laser-Zielhilfen aus den Gewehrläufen blieben über die gesamte Zeit auf die Oberkörper derjenigen gerichtet, die im Erdgeschoss und im Treppenhaus für die Polizisten sichtbar waren.

Ein Riot Medi Sanitäter begleitet eine Demo (Archivbild RM)

Zwei Sanitäter und eine Ärztin, die bei dem schwerverletzten Patienten am Hauseingang geblieben waren, wurden aufgefordert, den Patienten aus dem Haus zu tragen. Er sollte hinter einem gepanzerten Polizeifahrzeug abgelegt werden. Die zwei Sanitäter sollten sich mit den Händen an eine Hauswand und auseinander gespreizten Beinen aufstellen. Währenddessen waren aus einem anderen Haus mehrere Detonationen und Ramm-Geräusche zu hören. Einem der Sanitäter wurde der Lauf einer Waffe in den Rücken gedrückt mit den Worten „Augen nach links, oder es knallt“. Die Ärztin blieb bei dem Patienten, bis wir aufgefordert wurden ihn zu einem RTW außerhalb der Polizeiabsperrung zu bringen.

Wir übrigen im Hausflur verbliebenen Menschen wurden aufgefordert, langsam und mit erhobenen Händen nach unten zu gehen. Während die Zielfernrohre auf uns gerichtet blieben, mussten wir einzeln das Haus verlassen. Einige wurden abgetastet, durchsucht und bei erneuter Androhung des Schusswaffengebrauchs zur absoluten Kooperation genötigt.

Nach Verlassen des Hauses wurden wir nicht weiter beachtet. Wir blieben auf der gegenüberliegenden Straßenseite stehen und warteten das Ende des Einsatzes ab. Was sich währenddessen und anschließend im Haus abspielte, entzieht sich unserer Kenntnis. Nach etwa 30 Minuten, als die die Spezialkräfte das betreffende Haus verlassen hatten, durften wir zurück in den Hausflur gehen um unserer Ausrüstung zu holen. In Begleitung von Polizeibeamten wurden wir schließlich in Richtung Neuer Pferdemarkt bis vor die Polizeikette geführt.

Die Situation ging für uns am Ende glimpflich aus. Dennoch standen die meisten der im Haus befindlichen Sanitäter_innen unter Schock und mussten ihre freiwillige Arbeit für den Rest des Wochenendes beenden. Mindestens drei Personen nahmen daraufhin psychologische Nothilfe in Anspruch.

Bereits rund um die zerschlagene Demonstration am Donnerstag bekamen wir Helfende ein hohes Maß an Gewalt und Brutalität zu sehen. Gegen Mauern gedrückte Menschen, panisch fliehende Männer und Frauen. Das Erlebnis auf uns gerichteter Maschinengewehre wird darüber hinaus ein einschneidendes bleiben. Und es wirft für uns die Frage auf, ob bei der bisherigen medialen und politischen Aufarbeitung der Geschehnisse eine ausreichende Auseinandersetzung mit der Verhältnismäßigkeit des Einsatzes bewaffneter Polizeikräfte stattfindet.

Riot Medics Berlin

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Weitere Artikel zu diesem Thema:

  • 18. März: Friedensdemo gegen den G20 Gipfel in Hamburg
  • 5. Juli: Frau Merkel bekommt Besuch
  • 7. Juli: Big shots in Hamburg
  • 7. Juli: Hamburg: Polizei prügelt die Proteste klein
  • 10. Juli: G-20 2017 und seine Folgen
  • 10. Juli: Festival der Grundrechtsverletzungen
  • 10. Juli: Unsere Heldin
  • 12. Juli: Fire and Riddles at Hamburg
  • 14. Juli: GeSa: Rechte von in Gefangenen und Rechtsanwälten/-innen systematisch verletzt
  • 16. Juli: Deutschlands größte antikapitalistische Protestaktion im Rückblick
  • 16. Juli: Hamburger Polizei: Sind das unsere Helden?
  • 28. Juli: Antiimperialistischer Kampf gegen G-20
  • 30. Juli: G20-Krawalle: Umfassende Analyse wirft neue Fragen auf

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Ana Di Lupis

Liebe Companeras und Companeros,

die Riot Medics haben mir eine Liste gegeben von Materialien, die sie dringend brauchen. Adresse reiche ich nach. Hier die Liste:

>>>> Hallo, also wir haben mal kurz zusammengetragen, was wir am meisten brauchen:
– Rettungsdecken (viele)
– Mullbinden (steril)
– Kompressen (steril)
– elastische Stützbinden
– Handdesinfektion
– Octenisept
– Pflaster (alle Größen)
– Leukoplast/Pflasterrolle
– Dreieckstücher
– Nitril Handschuhe (alle Größen, v. A. M, L, XL) <<<<<

Solidarische Grüße an Alle und bitte verbreitet diese Liste (am besten copypasten)
Danke im Namen der Riot Medics Berlin.

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└ Schlagwörter: Allgemein, Proteste
 Comment 
Juli16
on 16. Juli 2017
Veröffentlicht in: Max Bryan

Max Bryan

Hamburger Polizei: Sind das unsere Helden?

44 Ermittlungsverfahren auch gegen Polizisten nach G-20-Einsatz
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Max Bryan

„Die Hamburger Polizei hat heldenhafte Arbeit geleistet“, erklärte Olaf Scholz gegenüber dem NDR am 8. Juli und an zahlreichen Terminen danach. Viele der Anwohner im Schanzenviertel sehen das allerdings anders. „Wir fühlten uns allein und im Stich gelassen“, berichten Augenzeugen. Stundenlang wütet der Mob in den Straßen am Abend des 7. Juli´s und niemand griff ein. Angeblich weil es „Hinweise auf einen Hinterhalt“ gab.

Foto: Max Bryan

Gemeint waren die Personen auf dem Gerüst am Schulterblatt 1 und die Straftäter auf dem Dach am Schulterblatt 11 / 13 in der Nacht zum 8. Juli. Dort hatten sich jeweils eine Hand voll Gewalttäter Zugang verschafft und bewarfen die Polizisten vom Dach und Gerüst aus. Die Polizei argumentiert, dass es zu gefährlich sei, über diese Route in die Schanze hin einzudringen und das Areal zu sichern.

Kritiker jedoch bemängeln, dass der Zugang auch über andere Straßen, wie die Susannenstraße und die Juliusstraße oder die Altonaer Straße hätte erfolgen können. Warum das nicht geschehen sei, konnte die Polizeiführung in ihrer Pressekonferenz am 9. Juli nicht hinreichend erklären. Gesagt wurde lediglich, man habe befürchtet, dass es weitere Hinterhalte auch anderen Ortes in der Schanze gäbe, einen Beweis hierfür blieb die Einsatzleitung aber schuldig.

Zwar befanden sich auch in Höhe der HASPA am Schulterblatt Menschen auf dem Dach, allerdings und augenscheinlich nur Schaulustige und Fotografen und über die Wärmebildkameras des Hubschraubers hätte die Polizei bequem auch erkennen können, ob von diesem Personenkreis eine Gefahr ausgeht oder nicht, respektive Dinge vom Dach fliegen oder nicht. Dem war offensichtlich nicht so. Andernfalls hätte die Polizei in ihren zahlreichen Erklärungen das längst angeführt.
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Fadenscheinige Begründung

Schlussendlich argumentierte die Polizeiführung dann damit, dass ein Zwillenbeschuss auch aus Fenstern der umliegenden Gebäude hätte erfolgen können und man sich deshalb nicht ins Viertel traute. Das aber kann bestenfalls nur eine schlechte Ausrede sein, denn diese Möglichkeit des Zwillenbeschusses bestand auch am Tag darauf und schon am Samstag, den 8.7. – nur einen Tag nach den Krawallen, agierte die Polizei sehr wohl auch im Viertel rund um die Susannen- und Juliusstraße und am Schulterblatt Höhe Rote Flora.

Da schien die Angst plötzlich verflogen zu sein. Wohl auch deshalb, weil dort zumeist nur harmlose Partygänger unterwegs waren und diese offenbar leichter anzugreifen waren, als schwarz vermummte Autonome am Abend davor. Dieser Eindruck entstand bei vielen Beobachtern, die fassungslos zusahen, wie rigoros die Polizei am Samstag Abend gegen Personen und Gruppen dort vorging.

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Hochgerüstete Feiglinge?

Schaut man sich die Ausrüstung allein der BFE-Beamten so an, gelangt man schnell zum Schluss, dass keine reale Gefahr für Leib und Leben der Beamten bestand. Und das auch trotz möglichen Beschusses aus der Luft.

Zitat aus Wukipedia:
„Die Ausrüstung der Beamten bei den BFE ist für ein hohes Gewaltpotential und Störeraufkommen ausgelegt und unterscheidet sich daher von der Ausrüstung der Beamten im Streifendienst oder der Einsatzhundertschaft teilweise erheblich.“

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Darin aufgeführt: „Besondere Einsatzmittel“ sind u.a.

Schwere Körperschutzausstattung
Unterziehschutzwesten
Ballistische Schutzwesten Schutzklasse II und III
Flammschutz oder -hemmende Kleidung (Overall, Flammschutzhaube)
Oberschenkelholster (für normale Dienstwaffe)
Einsatzmehrzweckstock (EMS) (Tonfa)/Mehrzweckeinsatzstock (MES)/Einsatzstock-Kurz-Ausziehbar (EKA) (nur bestimmte Bundesländer)
Eindringwerkzeuge wie Ramme, Brechstange, Kuhfuß, Dietrich und anderes Kleinwerkzeug
Abschussgeräte/Pistolen für Tränengas oder Blendgranaten (je nach Bundesland)
Tragbare Feuerlöscher
Maschinenpistolen
Pistolen (als Dienstwaffe)
Reizstoffsprühgerät (Pfefferspray 20 ml sowie 400 ml)
Konspirative Hör-/Sprechgarnitur

Selbst einen Beschuss durch Handfeuerwaffen halten diese Schutzwesten stand und Dudde & Co. wollen uns weiß machen, dass die Beamten in Lebensgefahr waren? Wegen ein paar Störern auf dem Dach des Schulterblatt 11/13? Entschuldigung, aber das ist lächerlich und im Übrigen auch inakzeptabel! Die Beamten – insbesondere die der BFE-Einheiten wurden für Fälle wie diese ausgebildet.

Zitat aus Wikipedia: „Typische Einsatzbereiche der BFE sind Großveranstaltungen, bei denen gewalttätige Auseinandersetzungen zu erwarten sind (Fußballspiele, Demonstrationen, Unruhen), oder auch Observationen im Rahmen der Drogenkriminalität oder sonstiger Straftaten von öffentlichem Interesse. Ein weiterer Einsatzbereich ist das Vorbereiten und Durchführen von Razzien.“

Und zu Razzien gehört in der Regel auch das Eindringen in Gebäude – wie es pflichtbewusst am Abend des 7.7. hätte geschehen müssen, doch ein solches Vorgehen blieb aus. „Zu gefährlich“ argumentiert die Polizei. Man bräuchte dafür ein Spezialkommando – wertvolle Zeit verstrich. Indes konnten die Straftäter in aller Ruhe das Viertel in Trümmer legen. Im Grunde ist das ein Riesen-Skandal – diese unterlassene Hilfeleistung durch die Beamten.
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Keine Helden?

Helden sind Menschen, die in brennende Häuser laufen und kleine Baby´s vor den Flammen retten, wie jeder Feuerwehrmann das pflichtbewusst tun würde, wenn es die Notwendigkeit erfordert. In diesem Fall brannten ein paar Straßen, ein paar Autos und das halbe Schanzenviertel ging zu Bruch, kein Grund also den Helden zu spielen und sich da einzumischen?

Foto: Max Bryan

Hätte die Polizei ihr MÖGLICHSTES getan, wie das von Scholz stets behauptet wird, sähe die Schanze nicht so aus wie in der Nacht nach dem 8.7. Entweder waren die Prioritäten falsch gesetzt oder es gab andere Gründe den Zugriff zu verweigern. Vielleicht war es tatsächlich wichtiger, Politiker beim Musikhören zu beschützen, als sich schützend vor die eigene Bevölkerung zu stellen. Schon das hätte trotz Gefahrenlage geschehen müssen.
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Andere Zuwegung ignoriert

Und selbst wenn dem so wäre, dass ein Betreten des Hauses am Schulterblatt 1 und 11/13 zu gefährlich war, hätte man die Örtlichkeiten dort auch großräumig absperren können, so dass etwaige Geschosse vom Dach niemanden am Boden hätten mehr verletzen können. Der Zugang dafür hätte über den neuen Pferdemarkt von der einen Seite und über die Susannen – und Juliusstraße von der anderen Seite her erfolgen können. So wären die Anwohner und Geschäfte am Schulterblatt geschützt und möglicherweise unversehrt geblieben. War das keine Option?

„Wir hatten genügend Einsatzkräfte vor Ort“, erklärte Olaf Scholz gegenüber dem NDR am 8.7. und angeblich habe man schweren Herzens zuschauen müssen, wie die Krawallos das Viertel auseinander nehmen. Dabei hätte die Polizeiführung genau das verhindern können, wenn man nur mal ein bisschen mehr Mut gezeigt hätte, da auch reinzugehen und dem Spuk ein Ende zu setzen.

Viele Polizisten fragten sich, warum man nicht eingreife, warum es keinen Befehl für den Zugriff gab. Eine gute Frage, wie ich finde.

Eine dermaßen hochgerüstete BFE, mit Schutzkleidung, die so ziemlich jeden Angriff standhält war nicht in der Lage mit der Situation vor Ort fertig zu werden? Wie kann das sein?
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Parallelen zum 21.12.2013

So ziemlich jeden 1. Mai geht es ähnlich heiß her wie am 7. und 8. Juli diesen Jahres und im Dezember 2013 waren sogar mehr Autonome von der Polizei am Schulterblatt eingekesselt als dieser Tage und damals ist die Polizei mit der Situation auch fertig geworden, warum ist sie dieses mal gescheitert?

Lag es vielleicht doch daran, dass anders als angegeben, eben nicht genügend erfahrene Einsatzkräfte vor Ort waren? Möglicherweise ja Einheiten aus anderen Bundesländern, die das Areal rund um die Schanze gar nicht kennen und sich schon deshalb fürchteten, da reinzugehen?
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Vizepräsidentin fordert Untersuchungsausschuss

War es wichtiger die Politiker und Staatsgäste an der Elbphilharmonie zu schützen? Allein 6000 Kräfte sollen dort im Einsatz gewesen sein. Bleiben noch rund 14.000 Kräfte über, die angeblich überall anderswo in der Stadt zu tun hatten – überall – nur nicht dort, wo die Straßen brannten und sie am Nötigsten gebraucht wurden.

Nicht wenige glauben daher auch an Taktik – dass dies genau so gewollt war – man hab das Viertel der Politik geopfert, wolle zeigen, wie gefährlich die Autonomen im Umfeld der Roten Flora agieren um anschließend härtere Gesetze und den Abriss der Roten Flora zu fordern. Genau das ist dieser Tage geschehen (Medien berichteten).

„All diese Vorgänge müssen aufgearbeitet werden“, fordert die Vizepräsidentin der Hamburger Bürgerschaft Christiane Schneider. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss sei „notwendig“, so die Fachsprecherin für Verfassungspolitik in der Hamburger Bürgerschaft.
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Polizisten im Stich gelassen

Bei aller Schelte dieser Tage gegen die Einsatzkräfte der Polizei muss man zu Gute halten, dass ein Großteil der Beamten selbst auch zum Spielball der Politik wurde. Man denke da besonders an die vielen Polizisten und Polizistinnen, die mehr als 48 Stunden Dienst schoben und während dessen nicht mal angemessen untergebracht waren.

Wie Obdachlosen mussten sie zum Teil auf dem blanken Boden schlafen. Der Hamburg Senat hatte nicht hinreichend Sorge dafür getragen, alle Beamten entsprechend auch unterbringen zu können. Ein Chaos sondergleichen, wie es wohl beispiellos in der Geschichte dieser Stadt bleiben wird.
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Harmut Dudde hat uns „verheizt“

„Manchmal hatten wir das Gefühl, die einzigen Kräfte zu sein, die in Hamburg unterwegs waren“, kritisiert ein Polizei-Hauptkommissar. „Wir sind nur eine Nummer für Dudde“, sagt ein anderer. Gemeint ist Einsatzleiter Hartmut Dudde. Vorherrschende Meinung in der Hundertschaft: „Es ist schwer zu verstehen, warum nicht ausreichend Kollegen verfügbar waren.“ … und weiter:

„Aus meiner Sicht sind wir in der Tat von der Politik verheizt worden“, meint der Polizei-Hauptkommissar. „Offensichtlich wurde die Situation vor dem Gipfel komplett falsch eingeschätzt.“ Anders sei es nicht zu erklären, warum er am Morgen des Freitags mit seinem Zug in Altona auf verlorenem Posten stand. Verstärkung kam erst, als es zu spät war. (Quelle: Abendblatt)

Um so versöhnlicher die Bilder vom Abend des 8.7. auf St. Pauli, als regelrechte Verbrüderungs-Szenen zwischen Polizei und Demonstranten beobachtet wurden. Ein Demonstrant umarmte einen Polizisten und bekam zum Dank Zwiebelwurst in der Dose – mit waschechtem Polizei-Logo darauf.

„Wir sind alles nur Menschen“, hieß es zur Begründung.
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Rechte Gesinnung?

Der ehemalige Ausbilder von Hartmut Dudde – der die Gesamteinsatzleitung zum G20 in Hamburg hatte, schreibt über seinen ehemaligen Schützling folgendes – Zitat:

„Ich habe die gesamte Führung, auch Hartmut Dudde, im Verfassungsrecht, auch dem Versammlungsgrundrecht, ausgebildet. Natürlich bin ich nicht so naiv zu glauben, dass das, was sie von der Rechtsseite mitbekommen haben, in der Praxis eine Rolle spielt.

Überrascht bin ich deswegen, weil ich feststelle, wie sehr das Amt doch die Menschen verändert. Ich kann mich noch sehr gut an die relativ jungen Hauptkommissare erinnern, die auf dem Weg in den höheren Dienst waren. Dass aus ihnen solche Hardliner werden könnten, hätte ich nicht prognostiziert.

(…)

„Neben diesen unprofessionellen Umgang mit dem Versammlungsrecht wäre es eine eigene Untersuchung wert, ob die Amtsperiode von Ronald Schill in der Polizei personelle Spuren hinterlassen hat.“ – Zitat Ende.

Und das schreibt immerhin ein ehemaliger Ausbilder von Dudde – Prof. Hans Alberts, Klein Jasedow – in einem Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung und bestätigt nur das, was was viele schon wissen. Nämlich dass die Hamburger Polizeiführung die Linken Aktivisten nicht besonders gerne mag und deshalb mit einer NULL TOLERANZ LINIE gegen Demos dieser Gruppen vorgeht.

Auch gegen Friedliche, wie die am Morgen des 7. Juli´s an den Hamburger Landungsbrücken, wo zahlreiche friedliche Demonstranten „zusammen geknüppelt und mit Pfefferspray malträtiert wurden“ (Zeugin Christiane Schneider), die an dem Morgen als parlamentarische Beobachterin mit dabei war.

Das alles gehört rückhaltlos aufgeklärt.

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Über den Autor: Der Hanburger Max Bryan ist Blogger & Bürgerreporter im Ressort Gesellschaft & Soziales bei der Huffington Post

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Erstveröffentlichung: HUFFPOST vom 14. Juli 2017. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

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  • 12. Juli: Fire and Riddles at Hamburg
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  • 30. Juli: G20-Krawalle: Umfassende Analyse wirft neue Fragen auf

 

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└ Schlagwörter: G-20
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Juli15
on 15. Juli 2017
Veröffentlicht in: Allgemein

Redaktion

Deutschlands größte antikapitalistische Protestaktion im Rückblick

Foto- und Videoreportage über die friedlichen Proteste gegen den G-20-Gipfel
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Redaktion

Redaktion

Wie viele Zehntausende Menschen in den letzten Tagen in Hamburg gegen den G-20 protestiert haben ist letztlich noch nicht bekannt. Sicher ist aber schon heute das es nie zuvor eine größere Protestaktion gab. Das kann uns sehr stolz machen! So eine klare Aussage im Lande von AfD, Pegida und NSU, gegen die Pläne des internationalen Kapitals ist einfach nur überwältigend! Mit diesem gewaltigen Protest und den Blockaden haben wir ein ganz deutliches Zeichen gegen die Kriegspolitik der Industriestaaten, gegen den Militarismus der NATO und für eine bessere und vor allem gerechtere Welt mit Zehntausenden von Teilnehmenden gesetzt.

Doch dieser gewaltige Erfolg wird in den bürgerlichen Medien bewusst verschwiegen und sogar in den sozialen Medien überwiegen die Meldungen und Diskussionen über angebliche und reale Gewalttaten die die Proteste überschatteten. Sicher ist das Gewalt vom Staat ausging, was wir mit dem Artikel »Hamburg: Polizei prügelt die Proteste klein« bewiesen haben. Mit dem Thema individuelle Gewalt werden wir uns in einem weiteren Artikel befassen.

In Hamburg ist viel Unrecht seitens der Polizei und den übergeordneten Behörden verübt worden und es wird viele Prozesse geben. Das Unrecht muss aufgeklärt werden, deshalb fordern wir:

– Die sofortige Freilassung aller politisch Gefangenen!
– Rücktritt aller politisch – und polizeilich Verantwortlichen!
– Bestrafungen der Verantwortlichen!

Aufklärung kann auf vielerlei Wege geschehen. Eine davon ist die Erhaltung und Förderung von linker Gegenöffentlichkeit wie American Rebel es seit vielen Jahren schon macht. Die vergangen Proteste sind ein großer Sieg der fortschrittlichen, antikapitalistischen Bewegung. Lasst uns diesen Sieg zusammen feiern – dazu stellen wir die nachfolgende Fotodokumentation ins Netz.
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Fotodokumentation

2. Juli, Foto: Uwe Hiksch

2. Juli, Foto: Uwe Hiksch

2. Juli, Foto: Uwe Hiksch

2. Juli, Foto: Uwe Hiksch

2. Juli, Foto: Uwe Hiksch

2. Juli, Foto: Uwe Hiksch

2. Juli, Foto: Uwe Hiksch

2. Juli, Foto: Uwe Hiksch

2. Juli, Foto: Uwe Hiksch

2. Juli, Foto: Uwe Hiksch

2. Juli, Auch Landwirte waren dabei, Foto: Uwe Hiksch

2. Juli, Proteste auf der Außenalster, Foto: Uwe Hiksch

7. April, Studentenproteste

7. April, Studentenproteste

8. Juli

8. Juli

Mit der Kunstaktion „1000 Gestalten“ demonstrierten am Donnerstag Hunderte von Teilnehmern in der Hamburger Innenstadt zwei Tage vor Beginn des G-20-Gipfels …

Eindrucksvolle Manifestation gegen die herrschende Weltordnung
Foto: Bjoern Kietzmann

Ankunft von Demonstranten am 6. Juli auf dem Hamburger Hauptbahnhof. „Der Krieg beginnt hier“ heißt, er beginnt hier wo die Waffen hergestellt werden und wo die Gelder bereit stehen!

Proteste an den Landungsbrücken.
Foto: Christof Stache

Ein Pärchen liegt am 08.07.2017 in Hamburg nach der Demonstration „Grenzenlose Solidarität statt G20“ mit einem Schild, auf dem „Liebe, Liebe“ steht auf der Straße. Foto: Christina Sabrowsky

Anwohnerprotest

Mit der Kunstaktion „1000 Gestalten“ demonstrierten am 6. Juli
Hunderte von Teilnehmer/innen in der Hamburger Innenstadt

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Kommentare und Berichte

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Andreas Grünwald

75.000 Menschen waren heute in Hamburg bei der Großdemonstration auf der Straße. Damit war diese friedliche Demo der größte Gipfel-Protest, der je in Deutschland stattgefunden hat.

Meine Eindrücke begrenzen sich im Detail dabei vor allem auf den Demo-Block der Friedensbewegung, deren Verantwortlicher ich gewesen bin. Zeitweilig zählte aber allein dieser viele Tausend Teilnehmende.

Unser Block war ungeheuer bunt – und wie mir Besucher berichteten, einer der lebendigsten auf der ganzen Demo. Das schmeichelt natürlich, ist aber auch nicht ganz ohne: Vier Live-Musikgruppen waren auf unserem Lautsprecherwagen permanent im Einsatz. Dazu kamen Redebeiträge des Schauspielers Rolf Becker, von Reiner Braun, Martin Dolzer, Ann Wright (USA), Corazon Fabros (Philippinen), Arielle Denis (Frankreich), aber auch von Angehörigen aus der DFG VK, Bildung ohne Bundeswehr, der DIDF, des Hamburger Forums, des Bremer Friedensforums, der IPPNW und von vielen, vielen anderen. Und wir hatten mit Christin Bernhold eine der besten Moderatorinnen , die ich mir vorstellen kann: Feurig, politisch klar und die Masse immer wieder zum mitsingen oder Losungen rufend mobilisierend. Und auch das ist eine neue Erfahrung: alles war perfekt organisiert, was man ja bei der Friedensbewegung nun wirklich nicht immer vermuten kann … So schlossen sich denn im Laufe der Demo immer wieder auch Menschen aus anderen Gruppen unserem Demo-Block an. Und ich dachte heute durchaus häufiger: Mensch so schwach sind wir gar nicht. Wir haben in dieser Friedensbewegung ungeheuer große und kreative Potentiale.

Es war anstrengend, aber es hat gleichzeitig sehr viel Spaß gemacht! Und genauso war es auch ein gutes Erlebnis mitzubekommen, wie es trotz politischer Unterschiede am Ende gelang doch alle Partner nicht nur an Bord zu halten, sondern auch in einer „grenzenlosen Solidarität“ zueinander und untereinander. Ich muss mich hier in meinen Schilderungen auf den Friedensblock beschränken. Aber den politischen Erfolg, den haben wir alle gemeinsam zustande gebracht! Und das ist ein gutes Ergebnis!

Die Demo heute ist auch politisch ein großer Erfolg. Meinen Eindruck, dass die ganz große Masse der Teilnehmenden aus Hamburg und Umgebung kam bzw. aus dem Norddeutschen Raum, will ich hier trotzdem wiedergeben. Denn das ist einerseits wirklich sehr bemerkenswert, wie viele Hamburgerinnen und Hamburger damit zum Beispiel auch deutlich zu verstehen gaben, was sie selbst von der Einschränkung unserer demokratischen Grundrechte und von brutalen Polizeieinsätzen halten, wie aber auch von den Bildern der vergangenen Nacht. Gleichzeitig verdeutlicht dies aber auch Schwächen in der bundesweiten Mobilisierung, die bei vielen der Bündnispartner, auch bei uns, nur eingeschränkt gelang. Das gilt es in den nächsten Wochen noch genauer auszuwerten.

Zunächst aber obsiegt die Freude über diesen gewaltigen Protest, mit dem wir heute ein ganz deutliches Zeichen gegen die Kriegspolitik, gegen den Militarismus der NATO und für eine bessere und vor allem gerechtere Welt mit Zehntausenden von Teilnehmenden gesetzt haben. Und ebenfalls dafür, dass wir nicht dazu bereit sind, uns unsere demokratischen Grundrechte nehmen zu lassen.
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Martin Emko

Wir gehen nicht weg, IHR geht!

Trotz aller Versuche, die Proteste gegen den G20-Gipfel in Hamburg zu kriminalisieren, haben am Samstag (08.07.2017) nach Angaben der JW 76.000 Menschen gegen dieses Treffen, gegen Kapitalismus, Krieg und Unterdrückung demonstriert: https://youtu.be/ZC09M0fuGCA
Sie haben deutlich gemacht, dass wir, die Gegenkräfte, die für eine andere Gesellschaft, für Frieden, Gerechtigkeit, internationale Solidarität stehen, uns durch den Polizei-Terror nicht einschüchtern lassen.
Wir kämpfen weiterhin für eine friedliche Welt ohne Ausbeutung – Wir gehen nicht weg, IHR geht!
Das G20-Treffen in Hamburg hat vor allem gezeigt: Wir müssen einig, entschlossen und mutig handeln! Denn wir sind auf der Seite der vielen und stehen gegen die Absichten von dem höchstens einen Prozent der Weltbevölkerung, nämlich der Herrschenden, die uns entzweien und mundtot machen wollen. Schauen wir daher genauer hin: Was ist in Hamburg eigentlich passiert?
Es waren „die da oben“, die am 06.07.2017 durch vermummte polizeiliche Gewalttäter eine friedliche Auftakt-Demo mit Tränengas, Schlagstöcken und Wasserwerfern unter nicht nachvollziehbarem Vorwand angreifen und keine Fluchtmöglichkeiten ließen und so Angst und Panik unter vielen verbreiteten, die dann z.T. auf lebensgefährliche Weise zu entkommen versuchten. Eine in den Folgetagen eskalierende Gewalt geht auf das Konto derartiger Einsätze, bei denen der Staat kriegerisch gegen seine Bürger und Gäste – auch aus anderen Ländern – vorging.
Der Staat wollte die Eskalation, und er wollte die Entsolidarisierung: Kaum verhüllt terrorisierten in den „Schwarzen Block“ eingeschleuste Agenten die Bewohner der Viertel mit dem Abfackeln von Kleinwagen, mit Zerstörung von Straßenzügen und allgemeinem Vandalismus, wobei nicht ein einziger von über 20.000 eingesetzten Polizisten sie auch nur dabei störte.
Der Staat wollte die Eskalation, und er wollte Angst und Schmerz verbreiten: „Wenn ein Soldat Pfefferspray einsetzt, verstößt er gegen das Genfer Biowaffenabkommen. Ein deutscher Polizeivollzugsbeamter darf Pfefferspray als Hilfsmittel der körperlichen Gewalt gegen Menschen einsetzen.“ – so die Berliner Zeitung bereits im Dezember 2011.
Wer so eine Packung abkriegt, kann nicht mehr richtig sehen und bekommt kaum noch Luft. Panik, keine Orientierung und ein Schock können die Folge sein.
Dass mit solchen Angriffen ohne Notwendigkeit Menschen schwer getroffen oder verletzt werden, das ist den Machtjunkies der herrschenden „Ordnung“ nicht einfach nur egal. Vielmehr brauchen sie solche Bilder wie das von der Frau auf dem Räumpanzer, um a) Angst vor Widerstand zu schüren, um b) die trotzdem weiterhin Widerstehenden in die Ecke der Gegengewalt zu treiben und um c) somit Demonstrations- und weitere Rechte verschärfen zu können.
Liberalere Zeiten sind längst vorbei, denn Systemalternativen existieren nicht mehr, und wir Gegenkräfte sind schwach. Zugunsten der ungezügelten kapitalistischen Herrschaft und ihrer brachialen Durchsetzung werden auch (durch die Agents Provocateurs angeheizte) vermeintliche Bürgerkriegsszenen wie in Hamburg bewusst in Kauf genommen. Es geht darum, den Widerstand gegen die natur- und menschenfeindliche Profitmaximierung, gegen die Kriege des Systems zu kriminalisieren und zu marginalisieren.
Viele Menschen hier im Land haben gar nicht mitbekommen, was in Hamburg tatsächlich geschehen ist, denn die Medien stehen wie immer aufseiten des Systems. Nur selten hebt sich der Schleier, z.B. dann, wenn selbst Reporter der großen Medienkonzerne fassungslos feststellen müssen: „Mein Arm wurde weggestoßen mit dem Presseausweis. Mit Schlägen und Tritten wurden wir quasi eingekesselt. Ich hab mehrfach gerufen, ich bin von der Presse, ich will raus. Und dann habe ich nur noch Pfefferspray in meinem Gesicht gespürt, das aus maximal einem halben Meter Entfernung auf uns gesprüht wurde.“ (Martin Eimermacher, Journalist, laut „Monitor“ vom 06.07.2017; http://www1.wdr.de/…/mo…/sendungen/g-zwanzig-gipfel-100.html)
Noch ist ein solcher Monitor-Bericht möglich – und ist als demokratisches Feigenblatt vielleicht sogar gewollt. Denn er geht ja sowieso unter in einer Masse verlogener Hetzkommentare und dient so der Verschleierung des Grades der schon existenten Faschisierung des Landes.
Aldous Huxleys düstere Vision aus „Schöne neue Welt“ scheint wie eine Blaupause den Umgang des bürgerlichen Staates vorwegzunehmen. Er schrieb 1931: „Die perfekte Diktatur wird den Anschein einer Demokratie machen, einem Gefängis ohne Mauern, in dem die Gefangenen nicht einmal davon träumen auszubrechen. Es ist ein System der Sklaverei, bei dem die Sklaven dank Konsum und Unterhaltung ihre Liebe zur Sklaverei entwickeln.“
Noch ist Zeit, erfolgreich dagegen zu handeln, wenn sich die Gegenkräfte einig, entschlossen und mutig in den Weg stellen. Sagen wir laut, was ist, brüllen wir die Wahrheit heraus und treffen wir uns auf der nächsten Demo wieder!
No pasarán – Sie werden nicht durchkommen!
Wir gehen nicht weg, IHR geht!
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Andreas Grünwaldt

Es waren aufregende Wochen. Es hat auch Spaß gemacht. Es waren mühsame Monate in der Vorbereitung. Manchmal quälend mühsam. Es gibt jetzt noch ganz viel aufzuarbeiten, denn trotz einer riesigen Demo, trotz zahlreicher sehr gelungener Aktionen, haben wir auch erhebliche Fehler in der Vorbereitung gemacht. Und damit meine ich vor allem politische Fehler. Die damit zusammenhängenden strategische Fragen, ja natürlich auch unser Verhältnis zu militanten Aktionen, aber auch die Frage wie wir mit einem repressiver werdenden Staat umgehen, müssen geklärt werden. Wir werden sie gemeinsam diskutieren. Gemeinsam unter jenen, die selbst aktiv sind, weniger indes mit jenen, die nur Schreibtisch-Täter sind. Doch mental ist es jetzt erst mal vorbei. Und ich muss sagen: ich begrüße den Wechsel in den Alltags-Modus auch deshalb mit sehr großer Freude!

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└ Schlagwörter: G-20, Proteste
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Juli14
on 14. Juli 2017
Veröffentlicht in: Allgemein

Pressemitteilung des Anwältlichen Notdienstes Hamburg vom 14. Juli

Hamburger Gefangenensammelstelle: Rechte von in Gewahrsam Genommenen und Rechtsanwälten systematisch verletzt

Hamburg im Zustand polizeilicher Belagerung
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Hamburger Justiz und Polizei haben in der Gefangenensammelstelle (GeSa) in Hamburg-Harburg systematisch die Rechte von in Gewahrsam Genommenen und Rechtsanwälten verletzt

Republikanischer Anwältinnen- und Anwälteverein fordert umfassende Untersuchung der Grundrechtsverletzungen in der Gefangenensammelstelle und Konsequenzen bei Polizei, Justiz und politisch Verantwortlichen

Während der Proteste gegen den G20-Gipfel in Hamburg hat der Republikanische Anwältinnen- und Anwälteverein (RAV) das Legal Team und den Anwaltlichen Notdienst (AND) unterstützt, mit dem in Gewahrsam genommenen Personen anwaltlicher Beistand zur Verfügung gestellt wurde.

Die Gefangenensammelstelle an der Schlachthofstraße. Foto: André Zand-Vakili

Konkret bedeutete dies, dass mehr als 100 Anwältinnen und Anwälte in 24-Stunden-Schichten in der Gefangenensammelstelle (GeSa) in Hamburg-Harburg präsent waren. Insgesamt wurden mehr als 250 Personen betreut. »Wir sind bei dem Versuch, von der Polizei in Gewahrsam genommene Personen rechtlichen Beistand zu leisten, blockiert, beschimpft und physisch attackiert worden«, kritisiert Rechtsanwalt Lino Peters vom AND. »Dass hier rechtsstaatliche Prinzipien über vier Tage willkürlich außer Kraft gesetzt werden konnten, muss personelle und politische Konsequenzen bei den Verantwortlichen nach sich ziehen«, so Rechtsanwältin Daniela Hödl.

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Die nachfolgenden Vorfälle zeigen einige der Rechtsverstöße exemplarisch auf:

In der Nacht vom 6. auf den 7. Juli wurde jeglicher Kontakt zu den in Gewahrsam genommenen Personen durch die Polizeibeamten vereitelt. Die Anwälte, die zu ihren Mandanten wollten, wurden immer wieder unter fadenscheinigen Gründen abgewiesen (›Mandant will keinen Anwalt‹; ›Mandant möchte einen Anwalt, aber nicht die Zelle verlassen‹ etc.). Dieser nicht hinnehmbare Zustand hat sich erst im Laufe des 7. Juli geändert.

Viele unserer Mandanten wurden (vor und) nach dem Anwaltsgespräch von den Beamten unter vollständiger Entkleidung durchsucht. Begründet wurde dies mit der Behauptung, dass durch die Anwälte verbotene Gegenstände an die Mandanten übergeben worden sein könnten. Dies ist nicht nur eine erniedrigende Schikane gegenüber den Mandantinnen und Mandanten, sondern auch ein diffamierender Generalverdacht gegen die gesamte Anwaltschaft und vermittelt den Eindruck, dass die Inanspruchnahme anwaltlichen Beistands gemaßregelt werden sollte.

Gegen 1:30 Uhr morgens am Samstag (8. Juli) legte ein Rechtsanwalt des anwaltlichen Notdienstes Widerspruch bei einem der am Gesprächscontainer eingesetzten Polizeibeamten ein, der sowohl mit Ausweis wie auch durch die Aufschrift ›RA Kontakt‹ ausgewiesen war. Er widersprach sowohl seiner Durchsuchung als auch der seines Mandanten unter vollständiger Entkleidung vor und nach dem Anwaltsgespräch. Daraufhin wurde das Anwaltsgespräch zwischen Mandant und Anwalt durch die Beamten beendet, der Anwalt wurde erst angebrüllt und dann mithilfe von körperlicher Gewalt von den Beamten aus dem Gesprächscontainer und dem Gelände der GeSa entfernt. Die persönlichen Gegenstände des Anwalts – Handy, Aufzeichnungen etc. – verblieben in der GeSa.

In einem weiteren Fall wurde am 9. Juli gegen 3:00 Uhr morgens ein Anwalt, der seinen Mandanten bei der Vorführung vor einer Haftrichterin in der GeSa vertreten wollte und von seinem Mandanten darum ausdrücklich gebeten worden war, zunächst durch die Richterin und den Staatsanwalt angeschrieen, er solle den Gerichtssaal verlassen und dann mit körperlicher Gewalt aus dem Saal gedrängt. Der betroffene Anwalt hat mittlerweile Dienstaufsichtsbeschwerde eingelegt.

Eine der 50 2,23 qm großen Einzelzellen

Eine verletzte junge Frau, die am Freitag (7. Juli) um 12 Uhr mittags mit Verdacht auf Nasenbeinbruch in die GeSa eingeliefert wurde, erhielt 15 Stunden lang keine Nahrung. Ihre Verletzung wurde nicht geröntgt. Sie wurde erst 40 Stunden nach ihrer Festnahme einem Richter vorgeführt, der sie mangels Tatverdacht um 23 Uhr desselben Tages aus dem Polizeigewahrsam entließ. Das Gesetz schreibt eine unverzügliche Anhörung vor dem Richter vor.

Mehrere Mandantinnen berichteten, dass ihnen keine Hygieneartikel zur Verfügung gestellt wurden, obwohl sie diese benötigten. Bei einer jungen Frau wurde die Verweigerung mit dem Kommentar begleitet »Demonstrantinnen bekommen nicht ihre Tage«. In einem weiteren Fall berichtete eine junge Frau, sie habe sich vor den Augen der Beamtinnen einen Tampon einführen müssen.

Auch bei anderen, zum Teil schwer verletzt in Gewahrsam genommenen Personen wurde das Recht auf unverzügliche, angemessene medizinische Behandlung außer Kraft gesetzt. Dies galt auch für u.a. an Epilepsie erkrankte Personen, die trotz Verweises auf ihre Erkrankungen keinen Zugang zu dringend benötigten Medikamenten erhielten. Hier wurden durch die Verantwortlichen lebensbedrohliche Folgen bewusst in Kauf genommen.

Dass die in Gewahrsam genommenen Personen nur nach langen Wartezeiten und oft auch nur auf Druck seitens der Anwälte Nahrung bekommen haben (teilweise nur eine Scheibe Knäckebrot und ein Stück Schmelzkäse), stellt eine weitere unzumutbare Form der Misshandlung dar.

Der RAV und die betroffenen Anwältinnen und Anwälte werden rechtliche Schritte gegen die für die Misshandlungen und Schikanen verantwortlichen Beamten einleiten und fordern eine unabhängige Untersuchung der Grundrechtsverletzungen in der Gefangenensammelstelle.

Für Rückfragen zu den Beispielfällen und für weitere Stellungnahmen steht Ihnen die Presseabteilung des Anwaltlichen Notdienstes vom RAV unter 0174/466 96 31 und unter presse@anwaltlicher-notdienst-rav.org zur Verfügung.

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Pressegruppe des Anwaltlichen Notdienst beim RAV e.V.
Hamburg, den 14.07.2017

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Anhang der Redaktion: Blick in die 3 Millionen Euro teure Gefangenensammelstelle in Hamburg-Harburg
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└ Schlagwörter: G-20
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Juli14
on 14. Juli 2017
Veröffentlicht in: Allgemein

Dunja Hayali

Die Türkei: Ein Freiluft-Gefängnis

Vor zwei Jahren war die Türkei noch ein anderes Land
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Dunja Hayali

Wenn heute Abend der türkische Staatspräsident Erdogan vor die Nationalversammlung tritt und an die Opfer des Putsches von vor genau einem Jahr erinnert, dann ist es zementiert: güle güle, Demokrasi. Die Opposition darf nicht teilnehmen. Die Vertreter der Parteien CHP und HDP sind ausgeschlossen. In nur einem Jahr hat Präsident Erdogan aus der Türkei ein „Freiluft-Gefängnis“ gemacht, wie Sirin Manolya Sak in meiner Sendung am Mittwoch sagte. Das ist kein „Türkei-Bashing“, wie einige von bei Facebook geschrieben haben, nein, es ist Fakt und kein Fake: Präsident Erdogan wahrt nicht mal mehr den Anschein und behauptet doch immer noch, in der Türkei herrsche Demokratie.

Man kann sicher prima leben in der Türkei, wenn man mit der Politik nichts am Hut hat. Ich war gerade da. Die Sonne scheint, die Leute sind freundlich wie immer, das Essen ist fantastisch. Es gibt Touristen (zwar nur noch wenige deutsche, dafür mehr russische und arabische), aber sobald man versucht, mit Einheimischen über Politik ins Gespräch zu kommen, rasselt der Rolladen runter. Die Leute haben Angst, offen zu reden. So stelle ich mir die DDR vor. Aber immerhin kommt man noch raus aus dem „Freiluft-Gefängnis“ Türkei.

In den ersten sechs Monaten des Jahres haben mehr als 3000 Türken in Deutschland Asyl beantragt. Das berichtet die Funke Mediengruppe unter Berufung auf das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Darunter sollen auch 209 Diplomaten und 205 Staatsbedienstete sein.

Es entwickelt sich hierzulande eine spannende Literatur- und Kunstszene, gespeist aus türkischen Intellektuellen und Freiheitsliebenden, die in Deutschland eine Zuflucht sehen. Je mehr kommen, desto mehr verhärten sich jedoch die Fronten zwischen Deutschland und der Türkei. Es gibt leider nicht viel Gutes an dieser Situation außer vielleicht die Tatsache, dass Deutsche, Türken, Deutschtürken und Türkendeutsche endlich mal gezwungen sind, über ihr Miteinander zu diskutieren. Das wurde jahrzehntelang nicht gemacht und hilft, einander besser zu verstehen. Vor zwei Jahren war die Türkei noch ein anderes Land. Da musste kein Oppositionsführer zu Fuß von Ankara nach Istanbul laufen, um überhaupt öffentlich wahrgenommen zu werden. Zehntausende liefen beim „Marsch für Gerechtigkeit“ mit. In der Folge kamen Hunderttausende vergangenen Sonntag zur Großkundgebung. Wenn man seine Fesseln spürt, dann läuft man los. Merhaba, Demokrasi!

Schönes Wochenende
dh

Meine Gesprächspartnerin am Mittwoch in „dunja hayali“
Sirin Manolya Sak. Moderatorin / Journalistin / Autorin.
Sie ist nach zwei Jahren in der Türkei zurück nach Deutschland gezogen.

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Juli12
on 12. Juli 2017
Veröffentlicht in: Allgemein

Victor Grossman

Fire and Riddles at Hamburg

Berlin Bulletin No. 130
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Victor Grossman

 The concert hall in Hamburg’s wonderful new Elbphilharmonie edifice resounded with Schiller’s thrilling Ode to Joy and world brotherhood in Beethoven’s 9th Symphony. Nineteen heads of state were there for a G-20 conference; only Erdogan from Turkey was missing; he may not appreciate Beethoven or was too busy worrying about the huge peaceful march to Istanbul, a first major response to his repression. All other leaders and their spouses heard the music; even Donald Trump was seen for a TV moment with half-closed eyes, in euphoric enjoyment of Beethoven, we assume. Or why else?
For the outside world it was not Schiller’s sparks of joyful brotherhood which marked that evening – and two more evenings – but those from the torches of  black-masked figures setting fire to cars and dumpsters, throwing fireworks, breaking shop windows and shop interiors.  
What lay behind the destruction and all the water cannon and pepper gas used in response? Did it overshadow the meetings? Was anything accomplished in polished conference rooms and luxurious hotel suites carefully protected from the wild, fiery street scenes? Was it worth hundreds of injured police officers and arrests and millions in damage?

Confrontation

The event was rife with contradictions and haziness, not only from smoke and tear gas. The groups opposing the conference ranged in tactics from mild disapproval to violent disruption, some condemned climate warming, others condemned capitalism. One group denounced Erdogan, others opposed Merkel, muslimophobe racists, or Putin. For the first two hours, it seems, the police did nothing to control the masked men with torches and hammers but then moved in hard with a water barrage against a large group which was defiantly blocking the street but was non-violent, with no connection to the masked “black bloc”. One police spokesperson explained their long wait to fears of Molotov cocktails, cement blocks or stones thrown from rooftops in Hamburg’s famous leftwing-anarchist Schanzenviertel neighborhood, not wanting to risk lives of police and civilians. But well before any Bush, Obama or other controversial dignitary visits in Germany every sewer is examined and sealed off, divers check river bottoms, windows along the route are ordered shut; even a hostile mouse could hardly get through and do any damage. Here 20 top world leaders were expected, for months, but no-one seemed to think of the rooftops until the flames spread.  

Some things are still hard to explain. By skipping musically from Beethoven to Gilbert and Sullivan’s very British operetta HMS Pinafore, we find a song famously casting doubt on appearances:
“Things are seldom what they seem, Skim milk masquerades as cream…” Etc.

„Rote Flora“ (Red Flora)

At heated events in the past, some masked men were rather “skim milk” than cream. When the G-8 met at Heiligendamm in 2007, a leading stone-thrower lost his mask and was recognized as a police employee. The far left-anarchist center in Hamburg (a building known as “Red Flora”), a main organizing center of the current protests, has been infiltrated more than once by very “leftist”, inquisitive, even libidinously active police spies. Some truths may never come out; who is masquerading here and why. New, angry demands from the CDU and the SPD that “leftist-terrorists” from all of Europe should be listed in a register make me wonder; isn’t someone who reads Karl Marx or calls for socialism a “leftist-terrorist” for some dignitaries making these demands? And isn’t this ”down with leftists” campaign one more reason to suspect black-masked provocateurs? 

The city-state Hamburg is now ruled by a coalition of Social Democrats and Greens. The Social Democratic mayor has sometimes been considered as a popular new national head of his slumping party. Only until this weekend, that is! Now he is being pressed by indignant Christian Democrats (Angela Merkel’s CDU) to step down. Germany’s second city is at stake and so are crucial German elections, due in eleven weeks. The calls for even more authoritarian measures than recently approved have grown to a louder crescendo than any joyous chorus in the 9th Symphony.

The CDU is well ahead in the national polls, at about 38%. Its desired partner, the right-wing big-biz Free Democrats, are moving upward with 8% and could supply the desired majority. But polls often change, and Merkel and her band would gladly squelch any remaining chance that potential rivals might somehow present a challenge. After a brief surge with their new leader Martin Schulz the Social Democrats slumped back downward and now trail by 13 points. But who knows? Some still hope they can overcome repugnance toward the LINKE and join them and the Greens, who will team up with almost anyone to win a few cabinet seats, and squeeze out a ruling coalition trio. For the CDU, angry new demands for more “law and order” from countless frightened citizens might have been seemed just the needed guarantee for rescuing Germany from an imagined “leftist threat”.
Did such tactics play a secret role last weekend? We can only hum again: “Things are seldom what they seem, Skim milk masquerades as cream…”

Chancellor Merkel and her Cronies

It would seem, however, that Angela Merkel did hope to improve her world standing, already so strong, with herself as courteous hostess of a great conference, heading toward the top of the world pile, despite differences with the transatlantic ally, indeed, replacing that unruly clown in some areas without quite breaking with big brother’s trade and ebbing yet still powerful political and military muscle. Did she navigate the tight rope? This scene, too, is murky, with deceptive lights and shadows.

The decision on saving the Paris Agreement, without Trump, is rated as a limited success, since no one expected him to back down. Was nearly everyone else’s yes-vote a triumph for our sea and air? Paris had been a step forward, if a limited one. But the Christian Democrats (and Greens) have ties to Daimler and Porsche; official Social Democrats enjoy financial ties to Volkswagen (sharing with Qatar) and Bavarian Christian politicians are close to BMW. None fought passionately for better air conditions, their electronically deceptive exhaust pipes aimed in false directions. German “Marshall Plan assistance” to sub-Saharan Africa is to be mostly private, hence profit-oriented, fond of wide, monstrous monoculture with few workers, ruined landscapes and countless shaky boats risking Mediterranean waves and winds. That does not bode well for big advances, nor did the lack of any African leader except Jacob Zuma, more an expert on private swimming pools than cleaner oceans.
The trade agreement has been billed as the one really big success. But trade agreements now on the drawing boards seem likely to be rehashes of the dumped TTIP Trade Treaty between Europe and the USA, beneficial if you’re a big import-export trader but not otherwise. And Washington may come around, anyway. Trump pledges to ditch NAFTA no longer seem so very definite, any more than making Mexico build that wall. Promises can sour, too, like skim milk.
Two happenings during the conference, though pushed to the media sidelines by the torches or the wardrobes of the Trump ladies and Ms. Merkel, were potentially far more crucial. Merkel, Putin and Macron met to try defusing the Ukraine conflict. We do not know what was accomplished, if anything, but it was good that they talked. Almost immediately NATO boss Jens Stoltenberg raced off to Kiev to undo possible de-escalation by opening an exhibition called “Ukraine-NATO. A  Formula for Security”. His obvious aim (for years now): to fully close the nearly total, heavily-armed NATO ring around Russia. We shall see how many warning statements, euros, battalions and weapons Merkel and Macron will commit to that ring – or will they surprise everyone by working towards peace?
Far more important was Friday’s meeting between Putin and Trump, when they agreed on a cease-fire in southwest Syria. Secretary of State Rex Tillerson said: “This is our first indication of the US and Russia being able to work together in Syria… The two leaders had a lengthy discussion of other areas in Syria where we can work together“. Both the US and Russia „promised to ensure that all groups there comply with the ceasefire“ and „provide humanitarian access“. Thus far the cease fire has held.
Of course, no-one knows what Donald Trump will say or do tomorrow, perhaps not even Donald Trump. He has ordered more and bigger maneuvers in South Korea, against South Korean wishes, for they would be worst hit if sparks lead to explosions. He backed off from cyberwar agreements. But volatile and untrustworthy as he is, and a growing danger in domestic policy, the fact that the head of the most powerful military force in the world took one hesitant step toward reducing tension with a country pictured as “the enemy” was a second Hamburg event offering any hope.
Why do so many US politicians and journalists attack such hopes? Do they want more bloodshed in Syria? Or some bloodthirsty idiot stationed in Estonia or Poland to light that fuse; we have many bloodthirsty idiots around, some with hand weapons in schools and dancehalls, some commanding drones, aircraft carriers and atomic warheads. Should we let them escalate confrontation?
One such liberal was full of hatred toward Putin for “helping to orchestrate an attack on the sovereignty of the United States during the last U.S. election”. His evidence? “According to all indications”. No more. Yet when Trump shook hands with Putin and patted him on the back he found that “a disturbing if not sickening display….No one is arguing that seeking peace and lowering tensions with Russia isn’t necessary. But demonstrating strength and resolve, in ways small and large, is an imperative in trying to reach those ends. That and making it abundantly clear that mucking around in American elections will not be tolerated.” Such language brings back terrible memories!
Perhaps, after quoting Dan Rather, I should recall Washington’s total involvement (with Pres. William Clinton) in having Russia “increasingly passing into de facto western receivership”, with American advisors and funds openly backing Yeltsin, leading to the near total collapse of the county. A huge US-backed IMF loan at the time was, according to the New York Times “expected to be helpful to President Boris N. Yeltsin in the presidential election”. As TIME noted, “Yanks to the rescue: The secret story of how American advisers helped Yeltsin win”.

I also think of the Ukraine in February 2014 when Deputy Secretary of State Victoria Nuland, after “contributing” $5 billion, said over the phone “I think Yats is the guy.” And indeed, Arseniy Yatseniuk was then “the guy”. There have been so many such stories from Chile to Myanmar; I wonder whether those so horrified today were sickened then at US attacks on others’ sovereignty. There has been lots of masquerading, I think, by disguised provocateurs or indignant sovereignty defenders. Their threats against even hesitant moves toward dialogue, disarmament, de-escalation in the world’s charged atmosphere are what truly sicken me – and frighten me!
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└ Schlagwörter: G-20
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Juli10
on 10. Juli 2017
Veröffentlicht in: Kim Rebell

Kiki Rebell

Unsere Heldin

Die Frau auf dem Räumpanzer

 

Kiki Rebell

Hamburgs Polizei setzte, um den G-20-Protest zu ersticken, nicht nur Wasserwerfer sondern auch sogenannte Räumpanzer ein.

Diese junge Frau, nennen wir sie Sina, protestierte gegen die polizeiliche Präsenz auf ganz besondere Weise und verdient für ihren Mut unseren Lob. Denn für eine solche Aktion braucht es mehr Mut, als im Halbdunkeln Scheiben ein zuschmeißen. Autos abzufackeln und zu plündern.

 

Räumpanzer – Die Polizei nennt sie „Sonderwagen“

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Sina ist am Freitag in Hamburg am Gorch-Fock-Wall auf einen solchen Räumpanzer geklettert.

 

Sie huschte schnell an den behelmten Polizisten vorbei und stieg noch höher hinauf.

 

Als die Polizisten Sina bemerkten, zogen sie sofort ihre Pfefferspray-Waffen und zielten auf sie.

 

Dieses Pfefferspay ist so gefährlich, dass ihn Soldaten nicht benutzen dürfen. Auch Tests an Tieren sind damit verboten. Gegen Demonstranten setzt die Polizei das Reizmittel regelmäßig ein.

 

Wer so eine Packung, wie hier Sina, ab bekommt, kann nicht mehr richtig sehen und bekommt kaum noch Luft. Panik, keine Orientierung und ein heftiger Schock können die Folge sein.

 

Anscheinend erging es auch Sina so. Nach kurzer Zeit saß sie mit zu geschwollenem, roten Gesicht auf der Motorhaube.

 

Danach holten Polizisten Sina vom Wagen herunter. Ihr Aufgabe war erreicht ihr Ziel nicht, denn Tausende haben es gesehen und ihr Gehirn fing an zu arbeiten ☭

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Fotos: dpa Reinhard, Roesler
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Anhang der Redaktion:

Deutsche Logik

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└ Schlagwörter: G-20
 Comment 
Juli10
on 10. Juli 2017
Veröffentlicht in: Allgemein, Max Bryan, Susanne Fiebig

Klaus Meier

G-20 2017 und seine Folgen

Wie baut man ein Feindbild auf? Für Anfänger und Fortgeschrittene
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Klaus Meier

Wie zu erwarten war kam es auf dem G-20 wie immer nur zu rechtlich unverbindliche Lippenbekenntnisse, die dann Medial zu einen Erfolg hoch gejubelt werden. Das einzige was alle diese Lippenbekenntnisse eint und in dem sich sicher auch alle einig waren, ist letztlich nur die Gewinnmaximierung. Wenn man die Kosten die natürlich voll durch die Bewohner des Gastgeberlandes getragen werden müssen dagegen hält, bleibt nicht viel übrig von dieser Veranstaltung für Oligarchen und ihren Lakaien, außer ein überteuertes Familientreffen. Ja der G-20 ist wie der Besuch der Oma bei einem Familienfest. Denn alle anderen Verwandten tauchen auch auf und bewerten dann wie du dein Haus im Griff hast. Wenn wieder alle weg sind will man das Geschehene eigentlich nur noch vergessen.

FamilienfestDie Hamburger werden das Familienfest sich nicht so schnell vergessen. Schon Tage vorher beherrschte das öffentliche Leben nur eins, Polizei. Über 20.000 Polizisten waren im Einsatz. Auf Ruhezeiten oder andere Vorschriften die die Diensttauglichkeit der Beamten eigentlich gewährleisten sollen wurde keine Rücksicht genommen.  19 Polizeihubschrauber und ca. 3000 Fahrzeuge, darunter Wasserwerfer und Räumfahrzeuge waren im Einsatz. Dazu noch mehrere Reiterstaffeln und über 200 Sprengstoffspürhunde. Hamburg wurde fürs Familienfest zu einem Polizeistadt gemacht. Ja selbst wenn man einen Passanten auf der Straße nach dem Weg fragte, hatte es nichts mehr mit Glück zu tun wenn man über einen Beamten in Zivil stolperte. Der Hausherr des Familienfests wollte von Anfang an Stärke zeigen und machte daraus kein Geheimnis. Auch die Wahl von Hartmut Dudde als Einsatzleiter war hierfür ein klares Zeichen. Macht sollte Demonstriert werden und man war sich als Gastgeber auch nicht zu fein die Polizei als Waffe gegen die eigenen Bewohner zu richten.

Es kam wie es kommen musste. Angemeldet von der Politik und allen anderen Verantwortlich eskalierte es. Den Anfang wie schon zu erwarten war machte die Polizei. Erst waren es nur Sticheleien in dem man anreisenden Demonstrationsteilnehmern die Anreise erschwerte oder gar verhinderte. Dann ging man über zu Missachtung von Entscheidungen. Zum Beispiel in dem man den Versammlungsteilnehmern des Antikapitalistischen Camps den Zugang zu dem angemeldeten und genehmigten Gelände Entenwerder verweigerte. Der Höhepunkt war dann sicher das Stoppen einer der Hauptdemos nach nicht mal 50 Metern mit dem Argument das da ja ein paar Vermute bei waren. Das ganze hatte was von einem alten Western und war sicher nicht Zufall. Wie Wildpferde die den Fehler gemacht hatten in eine Schlucht zu rennen und die Cowboy nun sie von vorne und hinten einkesselten. Waren auch die Demoteilnehmer gefangen. Mit massiver Gewalt, Pfefferspray und Wasserwerfern ging man auf die Demonstrationsteilnehmer los. Diese konnten sich zum Teil nur noch über eine ca. 2,50m hohe Kaimauer retten. Hierbei kam es zu vielen verletzen Teilnehmern. Die Polizei nahm dieses offensichtlich billigend in Kauf.

Das erste Pulverfass war gezündet und noch viele sollten folgen. Die Rechte auf Meinungsfreiheit und Versammlungsrecht wichen nun der Gewaltspirale die angestoßen wurde. Wer oder warum gegen wen, war nicht mehr von Interesse. Jeder fühlte sich im Recht sich zu wehren. Der eine mit Pfefferspray und Wasserwerfern und der andere mit Feuer und Vandalismus. Auf beiden Seiten scherte man sich nicht mehr um Recht und Gesetz. Die meisten Medien stürzten sich nun auf die lang ersehnten und sicher auch provozierten Ausschreitungen. Das Thema G-20 und seine Gegner rückten in den Hintergrund. Jeder machte wo anders den aus, der damit Angefangen hat. Nur bei einem waren sich die Leitmedien einig und zwar dass das doch nur Linke sein können, die da Hamburg in Schutt und Asche legen. Das auch Rechte Gruppierungen aufgerufen hatten gegen den G-20 vorzugehen Ignorierten die Leitmedien. Auch das nicht jeder der auf einer Demo schwarz trägt gleich Links ist. Und warum sollte man dann auch noch darüber Berichten das es durch aus üblich ist, Zivilpolizisten in den schwarzen Bock zu postieren. ProtestUnd auf Hinweise auf sogenannte Agent Provocateur geht man am besten erst gar nicht ein.

Nun war der Feind ausgemacht und alles Andere rückte immer mehr ins mediale Desinteresse. Die politischen Gegner egal welcher Couleur stürzten sich auf den Feind von Links. Der laut medialer Hetze nun Gewaltsam durch Hamburg marodierte. Alles was Links war wurde an den medialen Pranger gestellt. Und jeder der in Frage stellt das es sich um Linke handelt wurde als Verteidiger von Gewalt diskreditiert. Ein sachlicher Diskurs wurde so unmöglich gemacht und was auf der Straße angefangen hat wurde in den Leitmedien weiter geführt.

Hamburg wird sich sicher eines Tages von G-20 im Jahre 2017 erholen. Erst recht da die ersten vermeintlichen Retter schon politischen Profit ausgemacht haben. Die Frontfrau der CDU, Frau Merkel hat schon zugesichert das man der vom vermeintlichen „Linksterrorismus“ geplagten Stadt helfen wird. Am Ende werden sich nicht nur die Hamburger von den schrecklichen Bildern erholen, nur vergessen wird es keiner. Erst recht nicht wenn wieder Wahlen anstehen. Und die Leitmedien werden ihnen dabei sicher gerne behilflich sein. Keiner wird mehr nach dem Leitsatz Fragen „wer hat oder hatte was davon“ wenn das Leben mit einem Feindbild doch so viel einfacher ist. Ja die echten Opfer dieses G-20 sind wieder mal die Menschen die den Kapitalismus aufhalten wollten. Die die Hoffnung hatten auf eine bessere und gerechtere Welt. Die gehofft haben das sich mal was ändert.

Über den Autor: Klaus Meier, 1965 in Berlin geboren ist aufgewachsen in einer politisch desinteressierten Arbeiterfamilie. Lange glaubte er an die Leistungsgesellschaft und das jeder die gleichen Möglichkeiten hätte. Das Leben lehrte ihn, dass es nicht so war. Dadurch politisch aktiviert schreibt er humanistische linke Texte und wurde ein Verfechter des bedingungslosen Grundeinkommens sowie kommunal politisch aktiv. Klaus Meier schreibt auf Facebook unter #Dissident

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Kommentare und Berichte
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Autor Fiete Jensen

Fiete Jensen

Individueller Terror hat nichts mit links zu tun!
Was friedlich anfing, endete mit Verletzten, Plünderungen und Brandstiftung. Doch die Verantwortung für die Eskalationen beim G20-Protest trägt allein die Polizei und ihre übergeordneten offiziellen und inoffiziellen Instrukteure.
Während die erste, gewerkschaftlich organisierte Demo, die schon am 2. Juli stattfand noch „friedlich“ verlief, provozierte am Vorabend des G20-Gipfels, die Polizei die Demonstranten so sehr das es zu Ausschreitungen kommen musste. Wie es weiter ging, bis hin zu den Plünderungen und Brandanschlägen einiger Wenige, ist ausreichend bekannt.
Doch so ein individueller Terror hat nichts aber auch gar nichts mit links zu tun. Im Gegenteil, solche Leute, egal ob sie schwarz, bunt oder braun gekleidet sind, sind Provokateure die uns, die wir mit all unseren Kräften für eine Veränderung der herrschen kapitalistischen Gesellschaftsordnung eintreten, in den Rücken fallen. Da hilft auch nicht der Hinweis das wir ja die gleichen Zielen hätten und angeblich nur der Weg ein anderer sei. Und, weil sie unsere Arbeit, unsere umfassenden Protestaktionen entgegenstehen, weil sie den Medien und Hetzern die Gelegenheit geben, jeglichen Protest zu kriminalisieren, sind sie auch so beliebt bei den Herrschenden und ihren Lakaien in den Parlamenten. Genau deshalb findet man dort auch so viele Mitrandalierer die auf der Gehaltsliste der Polizei stehen, deshalb findet man darunter auch so viele brauen Elemente, die sich einen roten Schein geben und genau deshalb hat die Hamburger Polizei diese Elemente auch drei Stunden lang an der Elbchausse wüten lassen.
Es wird auch wieder unsere Aufgabe sein diese Konteraktivisten zu enttarnen, und damit die schmähliche Rolle des Staates zu beweisen.
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Harald W. Jürgensonn

Es ist ja ein vielschichtiges, gesellschaftliches Problem. Was da alles in einen Topf geworfen wird (Linke, LINKE, Autonome, Antifa) ist zu komplex für einen kleinen Kommentar. Zumal da ja auch berücksichtigt werden muss, dass es mal wieder agents provovateurs gab, dazu eine irrwitzige Polizei-Strategie – und Gewalttäter von rechts.

Alexander Sukov

Was viele, auch die Autonomen aus dem Umland und aus Deutschland nicht begriffen haben, ist, dass Hamburg Hamburg ist. Viele Hamburger, auch ich, werten die Vorfälle in der Osterstraße, in der Schanze und in der Neuen Großen Bergstraße als Angriff auf sich selbst. Diese Leute haben meine Stadt angegriffen, sie haben das Café Stenzel angegriffen und Budnikowski, eine kleine Drogerie-Kette, die immer solidarisch war. Das trifft uns alle. Und wir alle sind solidarisch mit den Opfern dieser Gewalt. Mit dem kleinen Teeladen in der Osterstraße, mit dem Lotto-Geschäft in der der Bergstraße, mit dem Café Stenzel und mit Budni. Da gibt es kein „Wenn und Aber“. Diese randalierenden, kriminellen Vollidioten haben unsere Stadt, unsere Freunde, unsere Punkte angegriffen.
Und natürlich fühlt man sich total verarscht, wenn sich dann jemand von der Flora hinstellt und davon labert, man hätte doch lieber außerhalb der Schanze randalieren sollen. Man hat ja außerhalb der Schanze randaliert. Diese Spinner haben überall randaliert, wo man schnell hinkommen konnte. In Eimsbüttel, in Altona. Das wird die Solidarität mit der Flora gegen Null sinken lassen. Ich würde den Leute in der Flora empfehlen, schnellstens Beuth und Co. die Tür zu weisen. Sonst wird die Flora nicht zu halten sein, denn sie braucht die Solidarität aus dem Stadtteil.
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Merle Lindemann

Ich hab‘ da eine Bitte:
Bitte lasst doch dieses sozialpädagogische Gequatsche in Richtung derjenigen, die da in Hamburg randaliert haben. Ihr müsst diesen Leuten nicht klar machen, dass ihr Handeln nicht im Sinne des Protests ist – sie dürften das wissen.
Jedem halbwegs vernunftbegabten Menschen, der nicht gerade Jens Spahn heißt und den Abwärtstrend der AfD zum Fischen am rechten Rand nutzen will, fällt sofort auf, dass hier etwas nicht stimmt.
Da wird eine ordnungsgemäß angemeldete Demo nach wenigen Metern brutalst gekesselt, geknüppelt, gepfeffert und gewässert wegen einzelner Verstöße gegen das Vermummungsverbot, aber randalierende Horden, teilweise englisch sprechend und Hooligan-Schlachtrufe brüllend, können den ganzen Tag munter und unbehelligt durch die Stadt marodieren… ja nee, is‘ klar.
Und nachts wird dann der Showdown im Schanzenviertel abgehalten, damit sich auch bloß die Assoziation „Randale = Links“ verfestigt. Könnte ich die Nummer bitte nochmal in etwas eleganter haben?
Friede den Hütten – Krieg den Palästen!
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Marcus Hesse

Wie staatliche Gewalt die Eskalation herbeiführte und offenbar Faschisten unter falscher Flagge unter den Augen der Polizei randalieren konnten.
Eine erschütternde Darstellung der repressiven Abgründe dieses bürgerlichen Staatsapparates und seiner bewaffneten Organe.
Gut 50 Jahre nach dem Mord an Benno Ohnesorg.
Es zeigt sich: Unter der dünnen Schminke von bürgerlicher Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ist die Exekutive im Kern dieselbe, die auch unter dem Kaiser und dem Nationalsozialismus „nur ihre Pflicht tat“ und zu jeder Schandtat bereit war.
Ich bleibe dabei: Was hier gegen eine Minderheit von politischen AktivistInnen und Szene-Linken geübt wurde, war eine Bürgerkriegsübung für kommende Zeiten, in denen es gegen Millionen gehen wird.
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Ana Di Lupis

Da wir davon ausgehen müssen, dass die Krawallos entweder Provos oder dämliche Arschlöcher ohne politisches Bewusstsein waren, sollten wir der Bestrafung zustimmen. Wer dann „Verräter!“ schreit, hat Humanismus und linke Prinzipien nicht verstanden. Diejenigen, die zwar aus der linken Szene sind, aber trotzdem mitgemacht haben, sind wohl zu unerfahren, dann wird eine Strafe für Dummheit ihnen das Nachdenken erleichtern. Und sie müssen ihre politische Gesinnung überprüfen.
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Karl Heinz Schulze

Stellen wir doch einfach mal die Frage wem das genutzt hat und wer im Lichte das Wahlkampfes klein gehalten werden soll. Trotz modernster polizeilicher Einsatzmittel wird eine weitere innere Aufrüstung gefordert und die Hetze gegen links als Ausdruck der weiteren Faschisierung des Staatsaperates voran getrieben.
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Jürgen Meyer

Individueller Terror: Terror ist doch ein problematischer Begriff. Vorsicht Falle!  Brzezinsky also der Chefideologe der Demokraten in den USA,  sagte mal, dass Terror der Krieg des kleinen Mannes im asynchronen Krieg gegen eine Übermacht ist, ähnlich der Guerilla Technik der Rebellen. Dann gibt es ja auch das Interview mit Rudi Dutschke, wo er erklärt, dass die kapitalistische Gesellschaft voller struktureller Gewalt ist wie Arbeitszwang, Eingliederung in die herrschen Strukturen usw. Also ist das mit de individuellen Terror ein weites Feld . Es geht den Mainstreammedien vorrangig darum, die Linke zu spalten während sie die Rassisten der AfD gleichzeitig zu einer weiteren Bundestagspartei der Rechten puschen. Es geht um einen Rechtsruck. Der Individualterror in Hamburg könnte zudem von VS Spitzeln innerhalb der Szene ausgeführt worden sein. Als nächstes sollen Linken dann Anarchisten, Hausbesetzer, Trotzkisten angebliche „Stalinisten“, Antifaschisten u. a. ausgrenzen. wenn sie damit durchkommen, Innenminister Maaß fordert schon ein Konzert “ Rock gegen links“. Das muss man dabei im Hinterkopf haben.
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Peter Porsch

Wir müssen die Frage der Gewalt diskutieren. Ich bin prinzipiell für Gewaltlosigkeit und bleibe dabei. Aber in Hamburg haben sich mit G 20 jene versammelt, die für sehr viel mehr Gewalt, als ein schwarzer Block je anrichten kann, verantwortlich sind. Sie sind für den Hungertod in der Welt verantwortlich, sie sind für Millionen Kriegstote verantwortlich, sie sind für Tausende Ertrunkene im Mittelmeer verantwortlich, sind für Armut vieler und grenzenlosen Reichtum ganz weniger verantwortlich … Miteinander und gegeneinander. Das dürfen wir nicht vergessen und können es nicht verzeihen. Wenn wir sie aber einfach kopieren würden, Unschuldige zu Opfern von Gewalt machen würden, wären wir wie sie selbst. Ziviler Ungehorsam aber zum Beispiel ist freilich etwas anderes und legitim.
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Max Wolf

Relevant ist ja, dass der Fokus nur verrückt wird. Also ohne Krachbumms läuft sowas ja nicht, aber die Polizei hat ja (wie gehabt) über Provokateure gearbeitet um die Proteste einzuustampfen usw. ? .. Wichtig zu sehen ist dabei also, dass man lediglich Gewalt/Links zu vermengen versucht. Selbst der schwarze Block baaut zumindest auf Anti-Kapitalismus und internationale Solidarität usw. .. Ding ist nur, dass jetzt so oder so nur Stimmung gegen Links macht, um künftig jegweden Protest im Keim zu ersticken. Also mittels rechter Kräfte. Speziell der Unterschied zwischen Links/Pseudo-Links in der Politik ist tragend, da sonst betrug mit Sozialismus gleich gestellt wird usw. ..

Den Terror gibts ja >von Oben< ? Nebelkerzen, Falschberichterstattung, Feindbilder, um von sich selbst und der imperialistischen und kolonialiistischen Politik neben Austerität abzulenken. man wettert von selbenm kreisen aus (Politik, Medien, „Alternative“) die auch vorher die Flüchtlinge so einseitig dargestellt haben. .. Darauf gilt es allgemein zu achten.
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Susanne Fiebig

Mein persönlicher G20

G20 steht für mich für Chaos. Für Zweifel, Angst und Wut. Für eine Achterbahn der Gefühle. Für den freier Fall….

Chaos. Nicht nur auf den Straßen Hamburgs.

Mein persönliches Chaos entstand, in dem Moment, wo ich verzweifelt versuchte mich und meine Gedanken zu erklären. Wollte ich doch unbedingt all jene, die um ihr Hab und Gut mehr Angst hatten, als vor dem, was der G20 für mehr als 150 andere Länder bedeutet würde, dazu bewegen ….
Ich wollte, dass sie verstehen, das ein G20 in Hamburg und überall auf der Welt falsch und ungerecht ist.

Zweifel. Nicht nur in den Medien.

Ich fing in dem Moment an zu zweifeln, als die Straßen brannten wie im Krieg und meine „Leute“ mich als Linksradikal betitelten. Mir ganz deutlich zu verstehen gaben, dass sie sehr wohl all die Beiträge der letzten Monate gelesen hatten, zwar unkommentiert aber im Hintergrund lauernd und dann den G20 für eine gute Gelegenheit sahen, um mir mal so richtig ein rein zu drücken. Nein, es ging ihnen nicht um G20! Es ging darum, das ich politisch anders ticke als sie. Und jetzt war endlich der Tag gekommen, wo sie los legen konnten.

Angst. Nicht nur bei den Demonstranten und der Polizei.

Meine Angst entfachte, als einer meiner liebsten Freundinnen „einfach so“ nicht mehr mit mir reden wollte. Nein, ich habe keine Angst vor der Einsamkeit. Ich liebe sie.
Aber ich fühlte mich, als hätte ich die letzten Jahre ein Leben gelebt, das nicht real war. Alles was für mich wichtig ist, mich dazu motivierte hat nicht am Leben zu verzweifeln, wurde auf einmal zu etwas …
…. wie kriminell… (?)
… ich kann es nicht im Worte fassen.

Ich musste an Mutter Teresa denken…

Und dann kam die Wut. Nicht nur bei den Angehörigen von Polizei und den friedlichen Demonstranten.

Wut flackerte in meinem Herz auf, als ich brennende Autos sah, meine Grundschüler kein Essen bekamen und meine Partei, statt die Autonomen zu kritisieren und sich vor allem klar und deutlich von ihnen zu distanzieren, immer nur die Polizei in den Fokus nahmen. Das was ich mit meinen Augen sah und mit meinem Herz fühlte, passte nicht mehr zusammen. War wie Tag und Nacht, Himmel und Hölle…

Dann kam die Achterbahn der Gefühle. Die Linke, das war für mich mehr als eine Partei. Das war das zu Hause meines Herzens. Das Gefühl:“ Die sind wie ich, und ich wie sie. Ich bin doch normal…!“ Nach 37 Jahren existieren auf dieser Welt, eine Wohltat für meine Seele von nicht zu erklärendem Ausmaß.

Doch nun saß ich vor dem Fernseher, N24 non stop. Facebook auf dem Handy… hier bin ich linksradikal, einen Beitrag weiter sind Polizei die Verursacher. Caos, Zweifel, Wut und der freie Fall.

Ich bin also linksradikal in den Augen meiner Freunde, meine Partei distanziert sich nicht während Autos brennen und meine Freunde verstehen mich total falsch oder gar nicht. Dazu die Sorge um Tessi, die Frau mit dem ewigen Lächeln und dem Polizisten als Mann. Sie kennt bestimmt viele, die gerade im Einsatz sind, ohne gefragt worden zu sein, wie sie G20 finden. Stefie sorgt sich um ihren Schwager… oh man, alles Menschen, die ich sehr mag.

Und trotzdem, G20 ist falsch.

Dann kam der freie Fall…. Beiträge löschen, Feundschaftsliste bearbeiten, und die Zweifel…. Seh ich die Welt mit nem falschen Blick? Erwarte ich zu viel?

Fast eine Woche hab ich gebraucht …. Im freien Fall, um endlich wieder auf dem Boden aufzuschlagen. Und krawum, da bin ich wieder.

Um ein Pflegekind reicher, weil eben diese Bundesregierung nicht in der Lage ist, Menschen ein Leben zu ermöglichen, in dem sie das tun können, was sie tun sollten. Lieben, leben, frei und glücklich sein. Weil durch Einsparungen von qualifizierten Mitarbeitern auch im Jahr 2017 noch Kinder übersehen werden, die gar nicht zu übersehen sind, würde man nur richtig gucken…

Um eine Fahrradtour reicher, morgens um kurz nach 4 Uhr. Um meine besten Freundin im Jahr 2017 zu unterstützen, damit sie arbeiten kann und weiterhin krankenversichert ist.

Und krawum, genau in diesem Moment sagt meine Partei genau das, was mein Herz hören will und mein Kopf glauben kann. Was die Puzzle Teile in meine Seele wieder zusammen setzt und zu einem Gefühl formt, mit dem ich atmen kann.

Krawum, ich bin weder linksradikal noch ist mein Leben unreal.
Und ich glaube wieder an ein Leben, dass gerecht, solidarisch und gut für alle sein kann. Unzwar für alle 194 Ländern dieser Erde! … wenn wir es nur wollten…

Ich bin wieder Susi

 .

Ana Di Lupis

Mehrere Texte über eine nötige Nachlese, unter Anderen aus der Sicht eines Polizisten, der erfrischend kritisch das Handeln eines Dudde und eines Hamburger Senats betrachtet. Viel Lesestoff, der sich wirklich lohnt.
Zitat aus dem Text:

„Welche Rolle spielt ein Einsatzleiter Hartmut Dudde?

Als Gesamtpolizeiführer des Einsatzes spielt Herr Dudde natürlich eine herausragende Rolle. Er verantwortet die Taktik der Polizei meines Erachtens nicht minder als sein Präsident oder auch der Innensenator Andy Grote.

(Dudde: „Unmögliches möglich machen“ – Ein Mann, ein Wort.
Quelle: Hamburger Polizeijournal)

Als ausgemachter Hardliner ist er nun natürlich in besonderer Erklärungspflicht nach dem Scheitern einiger Grundzüge seiner Taktik. Dass er bei der ersten Pressekonferenz nach dem Einsatz von einem Erfolg sprach und mit der herangetragenen Kritik nichts anfangen konnte, indiziert vielleicht auch, dass er hierzu nicht in der Lage ist. Die bekannte polizeiliche Sozialisation unter einem Innensenator Ronald Schill, dem Gottvater aller Hardliner, und die darauffolgende steile Karriere nährt natürlich Annahmen, dass eben diese persönliche Geschichte ausschlaggebend für die letztendlich falsche, weil nicht mehr zeitgemäße Taktik war.“ …

Zum Artikel: http://vionville.blogspot.de/2017/07/G20-Polizistensicht.html?spref=fb

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Max Bryan

Neue Beweise: Falsche Prioritäten und Polizeigewalt beim G20
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Es wird eng für Scholz.
 Der Spiegel hat diese Woche einen Bericht veröffentlicht, die den Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) nun doch noch in Bedrängnis bringt. Scholz hatte stets abgestritten, dass der Schutz der Staatsgäste Vorrang hatte gegenüber dem Schutz der eigenen Bevölkerung. Vertrauliche Einsatzbefehle und Protokolle belegen aber, dass Bürgermeister Olaf Scholz und die Hamburger Polizei falsche Prioritäten setzten und der Situation vor Ort nicht mehr gewachsen waren. Die Verantwortung dafür übernehmen Beide dennoch nicht.
(…)
Schanze im Stich gelassen. Die Polizeiführung argumentiert, dass Gefahr für Leib und Leben bestand und die Beamten deshalb nicht ins Viertel vorrückten. Das mag so sein, weil Gehwegplatten vom Dach geworfen sind nun wirklich brandgefährlich, aber warum hat man das betreffende Haus dann nicht einfach weiträumig abgesperrt und sich dem Schutz der Läden gewidmet? Die lagen weiter hinten am Schulterblatt und eine Absperrung wäre von Altonaer Straße kommend sicher machbar gewesen.
„Die hauen eh alle ab, wenn die Polizei hier durchräumt“ – berichtet ein Anwohner und ein möglicher Beschuss von Dächern ist für SEK Beamte genauso gefährlich wie für BFE-Beamte, das macht im Grunde kein Unterschied. Es sei denn, man hat Angst da reinzugehen und/oder weigert sich, wie das nun offenbar scheibchenweise so auch durchsickert.
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Zu meinem kompleten Beitrag in HUFFPOST vom 18.07.2017
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