Fiete Jensen

Der Tag, an dem der Hafen Trauer trug

9. Januar 1976 – 27 Werftarbeiter starben für die Bosse von Blohm und Voss
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Fiete Jensen

»Erzählst Du von der Anders Mærsk dann nenne sie nie Unglückschiff, weil der Tod von 28 Kollegen kein unglücklicher Zufall ist«. Mit diesen Zeilen beginn ein Lied der Hamburger Songgruppe »ELBE 1«. Was war geschehen?

Heute vor 42 Jahren war es – innerhalb von Sekunden wurde der 9. Januar 1976 zu einem der schwärzesten Tage in der Geschichte des Hamburger Hafens. Um 18.14 Uhr war im Maschinenraum des 209 Meter lamgen Containerschiff-Neubaus „Anders Mærsk“, das sich in der Endausrüstung befand, ein Dampfkessel explodiert. Die Folgen waren furchtbar: Der mit dem 30fachen Explosionsdruck eines Autoreifens austretende, über 300 Grad heiße Dampf tötete 14 Arbeiter auf der Stelle, neun weitere starben innerhalb der nächsten 48 Stunden, vier erlagen Tage später ihren schweren Verbrennungen.

Der völlig zerstörte Maschinenraum nach der Explosion

Auf der Pier, Am Ausrüstungskai spielten sich im Scheinwerferlicht grausige Szenen ab. Mit Sauerstoffduschen versuchten die Notärzte das Los der Opfer zu lindern, während im Schiffsrumpf mühselig die Toten geborgen und in Holzkisten von Bord gebracht wurden. Die Schwerverletzten wurden, in Aluminiumfolien gehüllt, in das 500 Meter Luftlinie entfernte Hafenkrankenhaus und in die Krankenhäuser Altona und St. Georg gebracht.

Das Unglück auf der „Anders Maersk“ war nicht nur eine menschliche Tragödie, sondern es wurde sofort zu einem Politikum. Die IG Metall verwies sogleich auf „unfaßbare Lücken in Gesetzen und Sicherheitsvorschriften“, und die Staatsanwalt- schaft Hamburg leitete ein Ermittlungsverfahren gegen die Werftleitung wegen fahrlässiger Tötung ein, das jedoch Ende Februar 1978 eingestellt wurde, da ein Verschulden der Werft angeblich nicht festgestellt werden konnte. dennoch führte Werft führte jedoch weitere Sicherheitsmaßnahmen für die Inbetriebnahme von Hauptkesselanlagen auf Seeschiffen ein.

Die Anders Mærsk nach der Fertigstellung

Einer der Überlebenden Kollegen, Hans Dieter Marggraf, schilderte der MOPO was er erlebte: „Als das Unglück geschieht, verteilt der Fußbodenverleger gerade Klebemasse auf dem eisernen Boden des Gangs zum Maschinenraum. Es gab einen dröhnenden Knall. Die Maschinenraumtür wurde von einer gewaltigen Druckwelle aus den Angeln gerissen. Große Eisenstücke wirbelten wie Geschosse durch den Gang. Ich wurde wie durch eine riesige Faust weggerissen. Dann kam brennend heiße Luft. Ich konnte nicht mehr atmen. Mit schweren Prellungen rettet ich mich aus dem Unglücksschiff ins Freie. Es war stockdunkel. Überall schrien Kollegen…“.
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„Roter Morgen“, Zentralorgan der KPD/ML schrieb dazu am 17. Januar 1976:

Exposion bei Blohm und Voss

„Über 20 Kollegen getötet

Die Explosion des Dampfturbinenkessels im Containerschiff ,,Anders Maersk“ am Ausrüstungskai von Blohm und Voss in Hamburg hat inzwischen 23 Todesopfer gefordert. Zahlreiche weitere Kollegen schweben noch immer in Lebensgefahr. Es war das schwerste Unglück auf einer westdeutschen Werft seit dem Ende des Krieges. Und eines der grauenvollsten.

Die Explosion zerfetzte den Stahlkessel, wirbelte Stahlplatten durch das Schiff und zerriss alle seine inneren Wände. In Minutenschnelle schoß der 500 Grad heiße Wasserdampf, der unter dem gewaltigen Druck von 65 Atmosphären Überdruck stand (zum Vergleich: ein Autoreifen steht unter einem Druck von ca. 1,5 bis 2 atü) durch alle Räume des 194 langen Schiffes. Zwölf Kollegen waren sofort tot, verbrüht. Die anderen erlitten schwerste Verbrennungen. Augenzeugen berichten, dass in den Minuten nach der Explosion die Schreie der Verletzten jedes andere Geräusch übertönten. Ein 45 jähriger Schiffbauer sagte, als er seine toten Kollegen sah: ,,So eine Katastrophe habe ich noch nie erlebt.“ Ein anderer: ,,Es war wie im Krieg. Wir wussten sofort: Da ist etwas Schreckliches passiert.“ Ein dritter: ,,Es war furchtbar. Ich werde diesen Anblick nie vergessen.“

Wie konnte es zu einem Unglück kommen? Wer ist Schuld daran? Noch am selben Abend erklärte der Leiter des Konstruktionsbüros von Blohm und Voss W. Brockmann zynisch im Fernsehen, Kessel hätten nun einmal die Angewohnheit, zu explodieren. Ob ein Bedienungsfehler vorliege, könne man nicht sagen, da man mit den Betreffenden nicht mehr sprechen könne. Und das Vorstandsmitglied Bartel von Blohm und Voss einen Tag später im Radio: alle Sicherheitsvorschriften seien eingehalten worden. Die Arbeiter hätten auch nicht unter irgendeinem Druck gestanden, mit Höchsttempo zu arbeiten und das Schiff so schnell wie möglich fertigzustellen.

Das sind zynische Lügen, die die Blohm und Voss-Kapitalisten reinwaschen sollen, deren Profitgier, deren Sterben nach immer höheren Profiten die Ursache dieses schrecklichen Unglücks ist. Jeder, der auf einer Werft arbeitet, weiß, dass in den Tagen vor der Probefahrt Tag und Nacht gearbeitet wird, damit, ohne Rücksicht auf die Gesundheit und die Sicherheit der Kollegen, der Termin eingehalten wird. Die Arbeit auf den Werften, die auch sonst schon eine der härtesten und gefährlichsten ist, wird dann noch gefährlicher. In den letzten Tagen vor der Probefahrt kommen sogar die Meister aufs Schiff, um die Kollegen anzutreiben. Selbst die ,,Hamburger Morgenpost“ musste nach dem Unglück zugeben: ,,Die Männer arbeiten auch unter Druck.“ Und wie es mit dem Einhalten der Sicherheitsvorschriften ausgesehen hat, geht aus den Berichten der bürgerlichen Presse auch klipp und klar hervor. Während der Erprobung des Kessel, bei dem er unter überhöhtem Betriebsdruck gefahren wird, war der Kessel- und Turbinenraum nicht für andere Arbeiten gesperrt. Die Morgenpost enthüllt, dass sogar gleichzeitig am Kessel geschweißt wurde! Das ist umso schwerwiegender, als schon bei den ersten Schiffen dieser Serie Schwierigkeiten an der Kesselanlage aufgetreten waren, die die Auslieferung der Schiffe um bis zu 3 Monate verzögert hatten. Angesichts dieser Tatsache kann man das Unglück in Hamburg nicht anders als Mord nennen.

Die Werften sind ein besonderes klares Beispiel für die kapitalistische Produktionsweise. Gerade jetzt in der Krise, in der sich die Konkurrenz unter den paar Trusts und Konzernen, die den Weltmarkt beherrschen, bis aufs Messer verschärft, verschärfen die Werftkapitalisten die Ausbeutung, steigern sie die Arbeitshetze und treiben die Rationalisierung auf dem Rücken der Arbeiter voran.

Pure Heuchelei ist es auch, wenn der Hamburger Oberbürgermeister Klose den Angehörigen der Opfer sein ,,tiefempfundenes Beileid“ ausspricht. Wie sieht es denn mit den Einrichtungen für die Behandlung der verletzten Arbeiter aus? In Hamburg gibt es keine Spezialeinrichtungen für schwere Brandverletzungen, ein Hohn, da im Hafen und auf den Werften häufig Brandverletzungen vorkommen. Die verletzten Kollegen sind auf mehrere Krankenhäuser verteilt worden. Das Hafenkrankenhaus, das direkt gegenüber von Blohm und Voss liegt, ist für den Hafen sehr wichtig, da es am schnellsten zu erreichen ist. Es soll aber geschlossen werden. Schon jetzt sind mehrere Abteilungen stillgelegt. So mussten neun verletzte Kollegen in eine schon seit anderthalb Jahren stillgelegte Abteilung, die in aller Hast notdürftig eingerichtet wurde, gebracht werden. Auf den Bildern kann man deutlichen sehen, dass dabei die Bedingungen für die bei Brandverletzungen notwendige äußerste Sterilität, für die Einhaltung bestimmter Klimabedingungen, nicht vorhanden waren. Die Behandlung der Kollegen unter diesen Bedingungen hat bestimmt einigen das Leben gekostet, die sonst hätten gerettet werden können. So sieht die ,,Fürsorge“ des bürgerlichen Staates für die Werktätigen aus.

Die Kapitalisten gehen für ihren Profit über Leichen. Erst wenn ihre Herrschaft in der proletarischen Revulotion gestürzt ist, ist auch Schluss mit dem menschenfeindlichen System der Ausbeutung, ist Schluss mit den Opfern, die dieses System der Arbeiterklasse auferlegt.

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Die Hamburger Songgruppe ”ELBE 1« schrieb ein Jahr später diese Lied:

Liedtext »

Anders Mærsk

Erzählst du von der Anders Mærsk
Dann nenne sie nie Unglückschiff
Weil der Tod von 28 Kollegen
Kein unglücklicher Zufall ist.

Es ist der 13. Januar,
Zu Beginn der zweiten Schicht
Die Turbine dröhnt beim Probelauf
70 Mann sind auf dem Schiff.

Erst volle Kraft dann Überdruck
Keiner weiß ob der Kessel hält
Doch alle Arbeit an Bord muss weiter gehn
Denn Zeit ist ja bekanntlich Geld.

Dann platzt ein Rohr, 2000 Grad
Der Überdruck wird frei
Ich spüre die Glut, wer nicht fliehen kann
Wird gekocht beim lebendigen Leib.

Glaub mir mein Freund, dir kann das Gleiche passiern
Auch du kannst so verkochen, du kannst ebenso krepiern
Sie reden stets von Sicherheit und meinen nur ihr Geld
Weil ein Arbeiterleben für sie gar nicht zählt.

Gesicht und Hände nur rohes Fleisch
So trägt man mich auf den Kai
Es liegen schon zwanzig andere dort
Bei Stöhnen und Schmerzensgeschrei.

Nach der Blaulichtjagd durch die kalte Nacht
Wird uns die letzte Chance verwehrt
Kein Platz auf der Intensivstation
Ein alter Saal wird nur aufgesperrt.

Die Schwestern und Ärzte kämpfen noch
Doch Hoffnung ist gering
Einer nach dem anderen stirbt im Saal
Bis auch ich an der Reihe bin.

Glaub mir mein Freund, dir kann das Gleiche passiern
Auch dich lässt man so sterben, es wird sie nicht interessiern
Sie reden stets von deinem Wohl und meinen nur ihr Geld
Weil ein Arbeiterleben für sie gar nicht zählt.

Meine Frau will mich noch einmal sehn
Ein Gesicht habe ich nicht mehr
Sie kann nicht fassen, dass ich hier lieg
Ihre Augen sind tränenleer.

Die Kollegen stehn an meinem Grab
Sie bringen kein Wort heraus
Nur die hohen Herrn können das Maul aufsperrn
Das macht ihnen selbst hier nichts aus.

Meine Frau bekommt für meinen Tod
Vom Werk ein paar tausend Mark
So wird das Verbrechen von Bloom und Voss
Mit einem Kopfgeld abbezahlt.

Glaub mir mein Freund, dir kann das Gleiche passiern.
Auch an deinem Grabe werden sie sich nicht genieren
Sie halten Trauerreden und denken nur ans Geld
Weil ein Arbeiterleben für sie gar nicht zählt.

Erzählst du von der Anders Maersk
Dann nenne sie nie Unglückschiff
Weil der Tod von 28 Kollegen
Kein unglücklicher Zufall ist.

Glaub mir mein Freund, dir kann das Gleiche passiern
Auch du kannst so verkochen, du kannst ebenso krepiern
Sie reden stets von Sicherheit und meinen nur ihr Geld
Weil ein Arbeiterleben für sie gar nicht zählt.

 


Über den Autor: Fiete Jensen, Tischler, Kommunist in der Roten Garde und der KPD/ML (KPD), Jugendvertreter, Betriebsrat, Werftarbeiter, Berufs-Verbotener, Zwangsselbständiger, leitender Mitarbeiter in der linken außerschulische Jugendbildung, Redakteur und Webdesigner ist heute im Vorruhestand und fordert Andere mit seinen Texten und Aktionen immer wieder aus der Reserve.

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Anhang:
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Laudation auf ein Lied: Elbe 1, „Anders Mersk“

von Jürgen Eger

Jürgen Eger

Erzählst Du von der Anders Mærsk
Dann nenne sie nie Unglückschiff
Weil der Tod von 28 Kollegen
Kein unglücklicher Zufall ist…

Wer erzählt heute noch von dieser „Anders Mærsk“? Wer erzählt, ja denkt überhaupt noch etwas anderes, als die Herrschaftsmedien vorgeben? Gut, wer sich für einen Us-Rebellen der 1960er, 70er und 80er Jahre interessiert, interessiert sich damit durchaus schon für sehr Herrschaftsabseitiges. Heutzutage. Und ist sicher zumindest eher offen für Erzählungen der Art, um die es hier geht. Und wie Dean Reed, nachdem er die Weichenstellung weg vom Ami-Kommerz für sein Leben und sein Künstlertum vorgenommen hatte, sehr andere Menschen kennenlernte, als es zu Beginn seiner Schauspieler-Laufbahn ihm wie zig Tausenden anderen auch mit Zutritt zum Hollywood-Universum vorbestimmt schien, sehr andere Erlebnisse hatte und Erfahrungen machte und – nicht zuletzt – auch für sehr andere Menschen Künstler wurde und für ein sehr anderes Prinzip und sich mit diesen anderen Millionen in immer wichtigerer Übereinstimmung erlebte, so erkannten sich in früheren Jahrzehnten auch immer mehr Deutsche als Mit- und Selbstgestalter ihres Lebens und ihrer gesellschaftlichen Umstände. Und begriffen, daß die Selbst- und also demokratische Gestaltung der Gesellschaft nicht nur die schaffenden Hände braucht, sondern auch die Köpfe. Und zwar vereint in den selben Körpern. Nicht irgendwo da oben wenige Köpfe und unten die Millionen und aber Millionen fleißige Hände, als hätten die keine eigenen Köpfe. Und daß ein solches anderes Gesellschaftsmodell auch den künstlerischen Ausdruck des eigenen Erlebens und Arbeitens braucht…

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Es ist der 13. Januar,
zu Beginn der zweiten Schicht
Die Turbine dröhnt beim Probelauf
70 Mann sind auf dem Schiff.

Erst volle Kraft dann Überdruck
Keiner weiß ob der Kessel hält
Doch alle Arbeit an Bord muss weiter gehn
Denn Zeit ist ja bekanntlich Geld.

Dann platzt ein Rohr, 2000° Grad
Der Überdruck wird frei
Ich spüre die Glut,
wer nicht fliehen kann
Wird gekocht beim lebendigen Leib.

Im 18. Jahrhundert sammelten Vertreter des fortschrittlichen Bürgertums Volkslieder und -märchen. In denen waren Leben und Erleben des Volkes aufgehoben, auch der Untersten der Unteren, der Einfachsten der Einfachen, und das war für das aufstrebende Bürgertum des 18. und 19. Jahrhunderts interessant in Verfolgung seiner eigenen Interessen. Nämlich der Emanzipation vom kleinstaatelnden Feudalabsolutismus und zum Zweck der Erreichung eines einheitlichen Staatsverbands deutscher Nation. Nicht zuletzt um konkurrenzfähig zu sein gegen die französischen und britischen Produzenten. Denen der mächtige Staatsverband riesige Möglichkeiten in einem schier unendlichen Markt ohne Zollgrenzen ermöglichte. Analog zur Attraktivität des Us-Marktes für die westeuropäischen Groß-Produzenten des 20. und 21. Jahrhunderts. Der nicht die unwichtigste Basis ökonomischer Dominanz war und ist. Und diese Emanzipation bedurfte auch der Hinwendung zur eigenen Sprache und Kultur. Daß das Volk zum Ausdruck seiner und die Nation ihrer selbst komme. Der heute so andere Umgang des Staats und der Gesellschaft mit dem kulturellen Erbe ist ein Verrat mehr, der aber für die anderen unverzichtbar ist: Man kann keine vorbildliche Amikolonie sein mit einer humanistischen, freiheitlichen, deutschen, nationalen Kultur. Deswegen wurden in der DDR das Volkslied, die Schöpferkraft der Arbeitenden und des Geistesadels so hoch geschätzt. Und galten Arbeiter und ihr Tun als kunstwürdig.

Über die Jahrhunderte war das Volkslied Aufbewahrungsort und Tradierungsmedium des Unerhörten, der Sehnsuchts-Träume eines besseren Lebens, der Volkshelden, der Nachrichten von weither wie auch der puren Unterhaltung. Aber auch des Aufbegehrens. Was alles in allem in den pfäffischen Predigten nicht vorkam, und also in Opposition standen zum herrschaftlich Diktierten. Und also von der pfäffische Obrigkeit verachtet und unterdrückt war. Hier Scencia, dort Usus. Die quasi magische Verbindung einer Geschichte, die die Vortragenden wie die Hörer gleichermaßen verstehen, aber auch empfinden konnten, da sie in deren Muttersprache erzählt wurde, mit den sphärischen Elementen Rhythmus, Melodie, Harmonie sollte dem „höheren“ Zweck der Preisung Jesus‘ und der Befestigung der Macht der Kirche über die Menschen vorbehalten bleiben. Also lange Zeit auch möglichst nicht einmal in der Muttersprache der Menschen stattfinden, sondern in Latein. Ab 1945, also ab der kolonialen Landnahme der Amis in Europa trat das Englische an die Stelle des Lateinischen, um dieses pfäffische Herrschafts-Prinzip mit dem commerzielle zu verschmelzen.

Aber: Fahrende Sänger trugen zu fast allen Zeiten in ihren Versen herum, was sie gesehen hatten, was sie für berichtenswert hielten. Nicht zuletzt aber auch getragen davon, was beim Publikum ankam. Fast immer zunächst weitab von obrigkeitlichen Vorgaben und Kontrollen. Der berühmteste europäische Vorläufer dieser Erzählungen war und ist die Odyssee des Homer. Und zuweilen fuhren sie dann auch nicht mehr.

Im 19. Jahrhundert gab es dann das Liedgenre Moritat. Das lateinische Verb ‚mori‘, zum Substantiv ‚mors‘ – Tod heißt sterben. Also ist es die gereimte, strophige Erzählung einer Mords- bzw. Tötungs-Tat. Allerdings wesentlich kürzer als das Helden- und Schicksalslied des alten Griechen. Der vortragende Sänger lebte von den Münzen, die die städtischen Hörer bereit waren zu geben für den Vortrag. Oder er profitierte auch vom Verkauf der Lied- und Bilderbogenblätter, auf die die grausigen Geschichten gedruckt und auf denen sie bebildert waren. Und gruselige und criminale Geschichten stellten sich dabei als für dieses Publikum besonders attraktiv und wirksam heraus, weshalb diese Art Lieder den eigenen Namen erhielten. Als Ankündigung wie als sonstige Denk-Schublade. Nämlich um das Volk vor oder um den Sänger zu versammeln und es für ein paar Minuten zu binden.

Das Zwangsgebühren-Fernsehen ist bekanntlich auf freiwillige Zahlungen nicht angewiesen, aber die Kulturtechnik Fernsehen ist doch auf die – scheinbare – Freiwilligkeit des Massenmenschen angewiesen, sich seine Lebenszeit durch es verkürzen zu lassen. Sei es, um ihm die Botschaften der Reklame-Industrie oder die Polithirnwäsche der Pfaffenherrschaft unterschieben zu können: Die Krimi-Toten haben auch heute die Aufgabe, das Volk vor den Geräten zu versammeln, daß die Polit- und Commerzpfaffen davor, dazwischen oder danach ihre Kauf- und Denkbefehle ausgeben können. Die aber nicht Befehle heißen wie auch die Zwangsgebühren nicht Zwangsgebühren heißen. Und doch welche sind. Und also erleben wir seit Jahren eine stetige Zunahme von Toten im TV. Denn der einzelne Tod ist heute, nicht anders als damals, das Erschütterndste, was wir denken können. Und also als Erzählgegenstand und Maßstab für Moral und Handeln, für richtig und falsch unübertroffen. Ab 10, 100 oder 1.000 Tote heißt es dann in der westdeutschen Fascho-Herrschaftssprache aber nicht mehr Mord, sondern Befehlsnotstand, dessen höchste Steigerungsstufe heißt: Holocaust. Und also kommen die Todesgründe und Umstände, die uns dieses Lied berichtet, weder im Zwangs-Gebühren-TV, noch im Commerz-Fernsehen vor:

Glaub mir mein Freund dir kann das gleiche passiern
Auch Du kannst so verkochen,
Du kannst ebenso krepiern
Sie reden stets von Sicherheit und meinen nur ihr Geld
Weil ein Arbeiterleben für sie gar nicht zählt.

Gesicht und Hände nur rohes Fleisch
So trägt man mich auf dem Kai
Es liegen schon zwanzig andere dort
Bei stöhnen und Schmerzensgeschrei.

Nach der Blaulichtjagd durch die kalte Nacht
Wird uns die letzte Chance verwehrt
Kein Platz auf der Intensivstation
Ein alter Saal wird nur aufgesperrt.

Die Schwestern und Ärzte kämpfen noch
Doch Hoffnung ist gering
Einer nach dem anderen stirbt im Saal
Bis auch ich an der Reihe bin.

Ein Toter erzählt in unserem Lied also seine gewesene Lebenssituation. Eine nicht allzu häufige Erzähltechnik. Es ist das Leben und Sterben eines Brd-Proleten und seiner Kollegen unter den Bedingungen verschärfter kapitalistischer Konkurrenz und Ausbeutung. Und die Sänger geben zu erkennen, daß sie damals noch um Marxens Welt-Formel wissen: 300% und es gibt kein Risko auf Kosten anderer und kein Verbrechen, das die Bosse nicht anzuordnen bereit wären.

Die Moritaten-Sänger definieren die Interessen, das Kollektiv, für das sie sprechen, und auch gegen wen sie es tun. Sie formulieren das Oben und Unten, das Pro und Contra. Das Ideensystem, dem diese Darstellung zugrunde liegt, heißt Marxismus oder auch Materialismus oder auch wissenschaftliche Weltanschauung. Wörter, die seit 1990 weitestgehend aus dem öffentlichen Sprachgebrauch verschwunden wurden. Wo sie in der DDR erstrangig benutzt worden waren, während sie in der Brd großöffentlich nur in Reaktion auf den DDR-Sprachgebrauch und also untergeordnete Verwendung fanden. Mit der Abschaffung der DDR verschwand auch deren Sprachgebrauch wie auch das schwache Echo auf diesen weitestgehend.

Den meisten Deutschmuttersprachlern sind diese Wörter und Argumentationslinien mittlerweile weitestgehend unbekannt, weil das damit bezeichnete Denk-System seit 1990 weitestgehend aus öffentlicher Reflektion verbannt, entfernt, gelöscht wurde: Daß Kapitaleigner und andere Obrigkeiten – und zwar prinzipiell (!) – etwas anderes im Schilde führen, als sie öffentlich sagen. Eine solche Darstellung würde heute als Verschwörungstheorie qualifiziert. Und wer diesen Vorwurf an den Kopf geknallt bekommt, hat zu schweigen, wie man die Untertanen vor allem mittels der ferngesehenen Laberrunden lehrt. Der Marxismus ist der Prototyp aller sogenannten Verschwörungstheorien und dafür, was man nicht zuletzt daran sieht, daß er von den System-Propaganda-Heinis, auch nicht von denen mit Menstruationshintergrund als Verschwörungstheorie erzählt wird. Ansonsten läßt das Regime, das andere Regimes Regimes nennen läßt, Unliebsames gern und oft mittels einer solchen Benennung wie ‚Verschwörungstheorie‘ aus die Köpfe prügeln. Wer das erst einmal begriffen hat, der weiß, daß das Wort ‚Verschwörungstheorie‘ keine Qualifizierung für Falschheit ist, sondern nur für Unerwünschtheit.

Meine Frau will mich noch einmal sehn
Ein Gesicht habe ich nicht mehr
Sie kann nicht fassen, daß ich hier lieg
Ihre Augen sind tränenleer.

Millionenfaches Proletenschicksal. Ob in Bergwerken, in den Schützengräben zweier Weltkriege, in den Stahlwerken oder eben auf den Werften draufgegangen und im Profit der Arbeitskraftkäufer und -verwerter, die aber nicht marxistisch Käufer von Arbeit heißen, sondern dementgegengesetzt Geber, verrechnet und von vornherein einkalkuliert und auch eingepreist. Und auch dieser Profit darf öffentlich längst nicht mehr Profit heißen. So wird der namenlose Prolet in unserem Lied das, was er für die Rentabilität des eingesetzten Kapitals von vornherein und immer war: gesichtslos, entindividualisiert. Eine Erkenntnis, die bis in die Popmusik der kapitalistischen Westwelt und bis Ende der 1970er noch erlaubt und gang und gäbe war. Erst recht in den Liedern des Agitprop der Brd wie der DDR, in den es den Sängern nicht einmal ums Geldverdienen ging.

Diese Lieder und Sänger wiederum hatten in den Formen der kulturellen Selbstverständigung der Kommunisten um 1930 ihre Vorläufer. Als in der Reichshauptstadt das „Rote Sprachrohr“ im roten Wedding noch über die Klassensituation aufklärte und in dem legendären Film „Kuhle Wampe“ am anderen Ende der Stadt Arbeitersportler und Arbeiterschauspieler als geschichtsgestaltende Massen noch für sich selbst sprachen und sich selbst darstellten und ihren Favoriten Ernst Busch, den berühmten „Barrikaden-Tauber“, weitab von allem Kommerz auf den Schultern ihrer Erwerbslosigkeit und ihres Klassenbewußtseins zur Erstklassigkeit trugen. Die Arbeiterschaft entwickelte im Bündnis mit einigen der besten Talente und Künstler des deutschen Volkes damals Einfluß und Klassizität weit über den Bereich ihrer Mitgliedschaft; die Mächtigen und Reichen des Reiches wußten sich schließlich keinen anderen Ausweg aus dieser friedfertigen, geist- und kulturvollen Offensive der arbeitenden Menschen, als das kulturloseste Pack, als die miesesten Auftragskiller, die sie jemals in Marsch gesetzt und finanziert haben, auf die gegen sie Aufbegehrenden zu hetzen. Nach dem damaligen deutschen Strafgesetzen wie auch international stand darauf die Todesstrafe. Die sie dann 1949 nur aus dem einen Grund abschafften, um weder die Nazimassenmörder, noch deren Finanziers für den Auftragsmassenmord und also ihr Regime zum Tode verurteilen zu können. Und erklärten diese Feigheit vor Recht und Gerechtigkeit zu Humanität und Fortschritt.

Zurück in die Entstehungszeit des Liedes. Mit der westweltlich-offiziellen Wende zum Disko Ende der 1970er und zur sogenannten Neuen Deutschen Welle Anfang der 1980er in der Brd verschwanden die sozialen Inhalte und Friedens-Töne völlig. Rasch aber unmerklich. Nirgends darf öffentlich – schon gar nicht gez-öffentlich oder auf Wissenschaftsticket gefragt werden, welche scheinbar unsichtbaren Hände das gesteuert haben und warum bestimmte, nämlich die heute propagierte Liedformen, die natürlich nicht als propagiert erscheinen sollen und auch nicht so genannt werden dürfen, für so viele, also überhaupt für Inhalte scheinbar nicht geeignet scheinen. Sondern nur für die Nichtinhalte, mit denen sie professionell gefüllt werden. Und zwar in schier unendlichen Variationen, mit denen wir tagtäglich für die Zwangsgebühren abgespeist werden. Während in den 1960ern und 1970ern im internationalen Beat, Rock und Pop noch das Thema Revolution, Befreiung, Frieden, Krieg, Unterdrückung, Trauer um die Atombombentoten von Hiroshima wie auch die soziale Frage nicht selten in den Liedern vorkamen, die auch im Rundfunk und TV aufgeführt wurden und gelegentlich sogar in den Hitparaden landeten wie die Beatles mit „Revolution“, the Kinks mit Liedern wie „Deadend Street“ und später John Lennon mit „Give Peace A Chance“ und „Woman Is The Nigger Of The World“. Aber auch national und regional wirkende und erfolgreiche Künstler noch die Klassenfrage stellten und davon leben konnten wie in der DDR die Renft-Combo mit „Ketten werden knapper“, die Puhdys hatten 1973 ein Chile-Lied, „Ton Steine Scherben“ streuten allerhand Aufmüpfiges und Rebellisches ins Volk, und bis in die 1980er hinein gab es in der DDR Rockmusik für „Rock für den Frieden“ und in der Singebewegung, die ja nicht so modeanfällig war, sowieso jede Menge Friedenslieder aus aller Herren Länder. Auf Ausländisch wie auf Deutsch.

Dementgegen scheinen die Moderichtungen und Stile, die ab den 70ern aufkamen, wie Punk und Skin dafür ganz und gar nicht geeignet. Jedenfalls wollen mir keine Liedbeispiele einfallen. Wie es auch eine Korrelation zu geben scheint zwischen vernünftigen, humanistischen Inhalten von Liedern und ihrer Singbarkeit zur Gitarre am Lagerfeuer.

Auch die Rockmusik entledigte sich bestimmter, also der meisten Themen, und niemand merkt es öffentlich an. Und wurde zunehmen unsinkbar zur Gitarre am Lagerfeuer; die jungen Menschen, die in den letzten beiden Jahrzehnten an Lagerfeuern Lieder singen wollten, mußte schon zurückgreifen auf den Pop der 1960er und 1970er. Falls sie nicht noch das eine oder andere deutsche Volkslied wußten.

Wie die Verbannung der Inhalte geschah, sieht man nicht zuletzt am Tod John Lennons wie auch an seiner FBI-Akte, die öffentlich selbstverständlich als etwas sehr anderes als jede des MfS erzählt zu werden hat. Sein Tod und dessen öffentliche Verhandlung signalisierte der Branche und ihren Akteuren: So was kommt davon… Wer weiß schon noch, daß “Lindi“mal ein Lied aufführte und aufnahm mit dem Titel „Wozu sind Kriege da?“ Das prompt auf einer Amiga-LP veröffentlicht wurde. „Lindi“ ist der, der via Westmedien von der Westherrschaft die Lizenz zum Flachlegen von FDJ-Blusigen in der DDR hatte, von wegen „Mädchen aus Ostberlin“, dem nie ein Mädchen aus Westberlin oder ein Junge aus Berlin, Hauptstadt der DDR, hitparadig oder sonst gegenüberstand. Der sich 1983 friedensbewegt gab und auch als eine Art Arbeitersänger. Ich kann mich nicht erinnern, daß beim propagandistischen Weihrauchschwänken um dieses commerzielle Großmaul und bei den vielen, vielen Abrechnungen mit der DDR diese Amiga-LP, das Lied und der Umgang der DDR mit diesem Lied, das auf DT64 gesendet wurde, auch nur einmal erwähnt worden ist. Warum hat er es wohl damals aufgenommen, da er dieses oder ähnliche schon seit Jahrzehnten nicht mehr singt? Wo doch seit 1990 die Kriege mehr und mehr wurden und näher kamen? Und Lieder wie dieses nicht weniger nötig, wichtig, aktuell wurden und sind? Wo ging die 1983 beschworene Verantwortung der commerziellen Künstler hin? Damals friedensbewegt und nun: Ich mach mein Ding! Und: Du mußt ein Schwein sein. In dieser Welt. In der Egosuppe des commerziellen Erfolgsdrangs sitzend in der perfekte Symbiose mit Medien, die den Personenkult um die Stars bedienen, die dafür 100%ig sicher nichts TV-öffentlich sagen, was irgend einem Sendepfaffen mißfallen könnte. Und selbstverständlich darf auch der Personenkult um die Eitlen und Raffgierigen des Pop nie so genannt werden. Wie ja auch nicht der um die Könige, Prinzessinnen, Thronfolger und sonstigen superdemokratischen Staatsoberhäupter per Geburt.

Ganz abgesehen davon, daß ein Volk, das weit überwiegend die eigene Muttersprache nicht für kunst- und popwürdig, sondern nur noch für egosprechblasen- und konsumanpreisungswürdig hält und dessen Rundfunkredakteure dies offenbar zu über 100% erfüllen, und anstatt das Leben der Menschen für poesiewürdig zu halten nur noch Hollywood Glamour zu imitieren sucht, sowieso längst in einer auch selbst verschuldeten geistigen Amikolonie verharrt.

Und so erzählt uns die Songgruppe „Elbe1“ mit dem Lied „Anders Mersk“ aus einer längst vergangenen Zeit und also zutiefst unmodern – wenn modern das Jetzige ist – etwas sehr anderes als heute üblich: eine Geschichte aus dem Leben der Leute. Dem Heutigen wie dem Damaligen. Eine Moritat. Und die Besungenen sind Leute, die mit ihrer Hände Arbeit Wohlstand und Reichtum schaffen, schon weil sie anders ihren Lebensunterhalt und den der Familien nicht erwerben können. Und weil es keinen Wohlstand und Reichtum und es bald gar keinen Lebensunterhalt mehr gäbe, wenn alle ihre Lebensunterhalt anders erwerben wollten als durch ihrer Hände Arbeit.

Und auch wenn sich das Arbeits-Leben in Sichtweite der mittel-westeuropäisch privilegierten, verschwindend geringen Minderheit der Menschheit scheinbar sehr vereinfacht und gebessert hat in den letzten 40 Jahren, wenigstens was die Arbeitsrisiken in der Schwerindustrie angeht, schon weil es die größten Teile davon hier gar nicht mehr gibt, so sieht es doch anderswo umso schlimmer aus. Wo an den Küsten irgend welcher fernen Länder die Schiffe, die vor vielleicht 40 Jahren in der Brd oder in Großbritannien oder in den Niederlanden gebaut worden waren, heute abgewrackt werden. Mit bloßen Händen, ohne Arbeitsschutz, ohne Kranken-, Unfall-, Rentenversicherung. Also weit hinter die bis um 1976 in der Brd erkämpften Arbeiterrechte zurückgeworfen. Und also ist das Lied aktueller als damals, zum Zeitpunkt seiner Entstehung, wenn man über den Eu-Tellerrand schaut. Und sowieso, wenn man das im Fernsehen nicht mehr und noch nie Erzählte extrapoliert. Von wegen globalisierte Welt.

Die damalige Arbeitsunfallkatastrophe bei Blohm & Voss und mit ihr die Lebenskatastrophen der betroffenen Kollegen und ihrer Familien sind längst weitestgehend aus dem kollektiven Gedächtnis gestrichen. Sie, die Betroffenen, sind damit aus der Liste der Menschen gestrichen, wie die ermordeten DDR-Grenzer und ihre Angehörigen aus den Erzählungen der sogenannten Mauertoten gestrichen sind; ich kann mich nicht an ein einziges Beispiel erinnern, daß die Mutter eines ermordeten DDR-Grenzers im Brd-TV geweint hätte. Da heulsusen sich dafür umso öfter und penetranter die Flucht-und-Vertreibungs-Deutsch-Tussen aus, wenn sie den bösen Russen erzählen. Am liebsten blond und mit dem Namen Furtwängler ausgestattet und also umso glaubwürdiger gemacht. Wie Joseph Goebbels es schon liebte und den deutschen Weibern beigebracht hat. Warum 28 Tote aus dem Jahr 1976 vergessen und seit Jahrzehnten nicht erzählwürdig sind, während ein Kölner Konzert eines Keifbarden mit Wohnsitz in der DDR im selben Jahr alle paar Jahre in die Erinnerung zurückgeholt wird, hat auch noch nie jemand staatsoffiziell und -öffentlich der deutschen Untertanerei erklärt. Wie war das doch gleich mit den Verschwörungstheorien?

Neuere Grusel- und Katastrophen-Geschichten lassen die Kolonialherrscher allerdings oft und gern über, also gegen die DDR erzählen. Vorzugsweise ausgesendet vom Ghettosender mdr. Der ausgesprochen ‚Mitteldeutscher Rundfunk‘ heißt. In dessen Sendegebiet die DDR-Stadt Görlitz liegt. Und wenn man sich die geographischen Verhältnisse auf der Karte anschaut, müßte man sich eigentlich willkürlich fragen, wovon Görlitz eigentlich die Mitte ist und ob also die Deutsch-Brd bis nach Gleichwitz reicht oder gleich bis nach Auschwitz. Aber „man“ fragt sich das selbstverständlich normalerweise nicht, weil man gar nicht merkt, wie man mit dergleichen FALSCH- und BLÖDwörtern hinters Licht geführt und verarscht, gelenkt, beherrscht und regiert wird. Mit anderen Worten: Man müßte sich fragen, warum das „ehemalig“ im öffentlichen Sprachgebrauch fehlt, wo es hingehört und zwanghaft dauerwiederholt werden muß, wo es falsch ist. Also warum die DDR dauernd „ehemalig“ geheißen werden muß, wo es doch eine Tautologie ist und Tautologien falsch sind, während dieser Sender ausdrücklich nicht der des ehemaligen Mitteldeutschland heißen darf.

Also: Dieser Katastrophen-Erzähl-Sender ist darauf spezialisiert, die DDR falsch, böse, katastrophisch zu erzählen. Man kann auch mit Fakten und Fast-Fakten lügen, daß sich die braunen Sender-Balken nur so biegen, mindestens bis ins „Führerhauptquartier“. Nämlich wenn man nur eine Sorte Fakten erzählt und aus 1% oder 2% oder 0,1% oder 0,00001% fernsehoptisch und -dramaturgisch 150% macht. Und wieder ist es die Moritat, die das Publikum gegen die DDR überzeugen soll. Wieder mit anderen Worten, klingt es wie eine rechnerische Paradoxie: Die halbe Wahrheit ist fast immer eine ganze Lüge.

In der Wirklichkeit war dieses TV-Katastrophen-Land die selbe DDR, in der Dean Reed seine Heimat gefunden hat. In den Erzählungen der Brd-Propaganda, die öffentlich nicht Propaganda heißen darf, war und ist es eine entgegengesetzte DDR. Und während die einen DDR-Bürger der Bösigkeits-Erzählungen gegen die DDR unterworfen werden und also immer ihr Fett abbekommen und selbst schuld zu sein haben, insbesondere für das, was ihnen die Brd-Staatsnazis seit 1990 antaten, und das vermeintlich Böse der DDR zu einem Gutteil eben auch zu dem Zweck erzählt wird, um deren Architekten, Bauarbeiter und Verteidiger vorzuführen und anzuklagen, haben sich die Jesus-Propaganda-Apostel schon vor Jahrzehnten entschieden, Dean Reed nicht all das Böse der DDR anzulasten und gönnen ihm sein gehabtes persönliches Glück in der DDR, schon weil es kurz genug und sein tragisches Ende ja auch als ein Negativ-Urteil über die DDR zu sein hat: Das kommt davon! Also wird Dean Reed auch als jemand erzählt, der zum einen politisch naiv war, zum anderen aber außer- und oberhalb der DDR-Wirklichkeit geschwebt sei.

Also da werden wider die DDR mal Bergwerks-, mal Eisenbahn-Unglücks-, mal Raffinerie-Todesfälle erzählt. Nicht erzählt werden dürfen: Einweihungen von Betrieben und Kulturhäusern, glücklich erlebter Kindergarten- und -heimalltag, Einschulngen, Ferienlager ohne Krittelbeilage, Betriebsfeiern- und Wohngebiets-Gaststätten-Normalität, Subbotniks, Sportfeste, Spartakiaden, Matheolympiaden, Lehre oder Studium für alle unmittelbar im Anschluß an die Schule oder Armeezeit, Haushaltstag und Rente mit 60 für die Frauen und so vieles andere mehr. Jeder schätze selbst ab, wieviel Prozent der DDR-Lebenswirklichkeit die Entgleisungen und Explosionen ausmachten, mit denen die Zwangs-Gebühren-Propaganda-Sender die DDRler seit 1992 quälen, und wieviel Prozent die DDR-Lebensnormalität. Und dann vergleiche man das mit der inländerfeindlichen Ghetto-Pfaffen-Sender-Hetz-Propaganda und was dort wie und wie oft und wie lange erzählt wird. Denn wie schon ab 1933 so war auch ab 1990 erst der Inländerhaß, um dann auch ausländerhassende Weltherrschafts-Kriege führen zu können. Und auch hier kommen die erhellenden Wörter in den Großmedien gar nicht erst vor. Weder der InländerhaSS, noch die Volksverhetzung, die in der Brd angeblich eine Straftat ist. Aber wie schon ab 1933 die Schwarzkuttenkriminellen, die angeblich damit befaßt waren, das Recht zu hüten, die schlimmsten Verbrecher waren, so werden seit 1990 die schlimmsten Straftaten – sowohl nach Definition des StGB der Brd, der DDR wie auch nach der UN Menschenrechtsdeklaration – prinzipiell nicht strafverfolgt. Und die Diätenheinis aller Diäten Profit Center machen sich zu Mitgliedern dieser kriminellen und terroristischen Vereinigung, indem sie sowohl über die Verbrechen schweigen, als auch über die totale Rechtlosigkeit des Volks. Heute nicht von einem Brd-Staats-Polizisten erschossen zu werden, ist für den Zwangsangeschlossenen DDR-Bürger wie auch für den Westdeeutschen kein Recht, sondern ein Zufall, solange solche Mordskerle immer freigesprochen werden.

So erscheinen die Katastrophe, das Düstere, das Graue, das Häßliche als das Normale der DDR, während das Normale der Brd in den selben Jahrzehnten der zufriedene Konsum, die Disconächte, die angebliche sexuelle Revolution sein sollen. Wie die Discogänger ihre Nächte finanzierten, wo sie sich das Geld erschwitzten oder in einer Art russischem Roulette erspielten bei Blohm & Voss, interessiert nicht weiter. Es wird nicht gezeigt, und also wird es nicht gedacht. Daß diese Diskovergnügten auch auf den Leichen der Anders Mersk tanzten, darf nicht gesagt werden:

Die Kollegen stehn an meinem Grab
Sie bringen kein Wort heraus
Nur die hohen Herrn können das Maul aufsperrn
Das macht ihnen selbst hier nichts aus.

Meine Frau bekommt für meinen Tod
Vom Werk ein paar tausend Mark
So wird das Verbrechen von Bloom und Voss
Mit einem Kopfgeld abbezahlt.

Daß die DDR-Gesellschaft einen anderen, nämlich sozialistischen Begriff von Arbeit hatte, verschwindet quasi automatisch hinter der Erzählung der DDR als DIE Diktatur und des sogenannten freien Westens als DIE Demokratie, ohne daß die Begriffe näher, also überhaupt bestimmt würden. Sie haben längst aufgehört, als Begriffe verwendet zu werden. Und daß mit diesem anderen DDR-Begriff von Arbeit auch ARBEITSSCHUTZ sehr anders buchstabiert wurde, muß der Untertan schon gar nicht wissen. Wie er auch nicht wissen muß, daß und warum einer ihrer Regime-Cheflügner, Brandt, ab 1990 vom Kolonialregime eingesetzt wurde, den DDR-Bürgern einzureden, das provunG = das provisorische ungültige Grundgesetz sei die beste Verfassung, die die Deutschen je hatten. Es war nie eine Verfassung, wie man sich bei Carlo Schmid, einem der sogenannten Väter des Grundgesetzes, erkundigen kann, sollte keine sein und wird nie eine werden. Das „vergessen“ sie immer zu sagen, wenn sie sogenannte Reichsdeutsche und andere unzufriedene Rebellen in ihre Propaganda-Suppe hacken. Also auch das sollen die deutschen Untertanen nicht wissen und auch Gysi kriegt seine Diäten dafür, daß er es weggrinst und weglügt: Die beste deutsche Verfassung war die der DDR von 1968/1974 und die zweitbeste die der DDR von 1949. Und zwar u.a. weil diese weiterführten, was die Weimarer Verfassung von 1919 vorgab, die die drittbester Verfassung war; allein was in der 1919er Verfassung zum Schutz der Arbeitskraft zu lesen steht, hätte die Brd-Proleten in ein Arbeiterparadies versetzt, hätten die Amiquislinge wenigstens einen Bruchteil davon ins Grundgesetz geschrieben, anstatt miese Amisprüche schlecht in ein Pseudodeutsch zu quälen. Von wegen die Würde des Menschen sei unverletzlich! Und: „So wahr mir Gott helfe!“

Unser Lied straft auch diese Sätze lügen. Es erzählt, wie die Würde der Arbeitenden nicht einfach nur verletzt wird: Diese Würde ist für die Kapital-Bosse gar nicht vorhanden und war es nie; und daß diese vom Staat Brd und seinen Funktionären, die ja angeblich dem Grundgesetz verpflichtet sind, nicht zu Verantwortung gezogen wurden, zeigt, daß auch für die Staatsbüttel der Mensch nichts ist und keine Würde hat, und die Kapitaleigner alles sind, weil das Goldene Kalb der Kapitalakkumulation ihr Co-Gott ist, dem alle Staatsgebete gelten.

Wie verlogen dieser Arbeiterverräter Brandt war, und natürlich auch sein persönlicher Wadenbeißer Bahr, sieht man übrigens schon daran – wenn man es denn sehen und sehen lernen will -, daß der Superlativ „beste“ immer das Ergebnis eines Vergleichs von mindestens drei Vergleichsgegenständen ist. Also Brandt mindetens drei deutsche Verfassungen hätte vergleichen müssen, um zu dem Ergebnis zu gelangen, daß das provunG die beste Verfassung sei. Dieser Satz wurde den DDR-Bürger in den 1990ern unendlich oft an die Köpfe geknallt, auch und besonders gern via Ghetto-Sender mdr. Einen Vergleich deutscher Verfassungen haben sie nicht ein einziges Mal auch nur ansatzweise angeboten. Weder in den Pfaffensendern, noch in den sogenannt parteinahen Stiftungen, noch von den Weihrauchkanzeln des korrupten Bumstags. Den Gysi haben sie ein paarmal grinsen und feixen und witzig tun lassen, wie schlecht die DDR-Verfassung von 1968 gewesen sei. In der steht immerhin, wem die DDR und also auch das Volkseigentum, die Regierungsgebäude, die Kundenlisten der VEB, die Patente, die Grenzanlagen usw. gehören und daß jeder Eingabe zu beantworten ist. Mit Frist. Die wurde freileich zwischenzeitlich von 14 Tage auf 4 Wochen verlängert. Von solchen Titeln und Rechten kann der Grundgesetz-Bürger-Idiot nicht einmal träumen. Weder als Versprechen noch als Realität.

Der selbe Arbeiter- und Volksverräter und Journalistinnenflachleger Brandt alias Frahm, der den DDR-Bürgern und also auch den Westdeutschen in den 1990ern die Verfassungslüge auf Zwangs-Gez-und Sozenverblödungs-Ticket eintrichterte, war bis 1974 als Kanzler und zum Todes-Zeitpunkt der 28 Arbeiter führend mitverantwortlich als Chef der Regierungspartei Spd für die profitoptimierten Zustände, denen bei die Blohm & Voss die 28 Arbeiter dem Profit geopfert wurden. Und während gegen die DDR die Honeckers und Mielkes und Wolfs und Mittags usw. für alles und jedes immer und überall verantwortlich erzählt werden, waren und sind die Adenauers, Brandts, die Schmidt-Schnauzen, Kohls, Schröders, Lafontaines und Merkels für nichts verantwortlich außer für Rentenerhöhungen, Befreiungen aller Art, Freiheit und Wohlstand, Luxus. Wenn man den Medien glaubt. Dann aber ist man bekanntlich selbst schuld. Denen, die keinen realen Zugang zu all den verdienstvoll erscheinen sollenden Segnungen haben, zeigt man sie dann wenigstens im TV wie dem Esel die Morrübe.

Mit den seriellen Erzählungen der Bösesten des Bösestens, nämlich Regimes, also mit der Erzählung der „Stasis“ ist die Rolle des falschbenannten Ministeriums und der falschbenannten Mitarbeiter für Staatssicherheit auch schon weggelogen. Katastrophen vom Ausmaß derjenigen der Anders Mersk in der DDR wären Untersuchungsgegenstand dieses Ministeriums gewesen. Das kam zum einen daher, daß in den Frühzeiten der DDR dergleichen Katastrophen vor allem durch aus Westrichtung in Marsch gesetzte und finanzierte Diversanten verursacht waren wie auch andere große und größte volkswirtschaftliche Schäden vor allem anderen dem Sog dieser korrumpierenden und Verbrecher machenden Brd-Währung geschuldet war. Aber auch ein wesentlicher Vorteil einer Zentralstaats sollte zum Zuge kommen: Nicht der letzte Zweck der Untersuchungen dieses Organs war es, nach Arbeitsunfällen mit Todesfolgen und sonstigen großen Schäden gesamtgesellschaftliche Lehren zu ziehen. Da in der DDR nichts höher stand als jedes einzelne Menschenleben. Im Unterschied zur Brd, wo Eigentum weit höher steht; 1990 hat Gregor Gysi dieses Wissen noch öffentlich kundgetan. Wer weiß sowas heute schon noch? Also was Gysi mal wußte? Und da war ein zentrales Untersuchungsorgan, das auch für eine Auswertung und Formulierung veränderter Arbeitsschutznormen zuständig war, sehr nützlich. Und dieser Nutzen war sein Zweck. Und auch Informelle Mitarbeiter waren diesem Nutzen unterworfen, sogenannte IMs, die ohne Wenn und Aber über Mängel, Schlampereien, Versäumnisse und auch Vertuschungsversuche informierten. Allerdings, auch das war Bestandteil der nicht oder ewigfalsch erzählten Ideologie der DDR und also auch des Untersuchungsorgans, sollte das MfS und sollten auch die IMs möglichst präventiv wirken, also bevor irgend etwas passiert, bevor jemand zu Tode gekommen war. Und genau das darf der deutsche Untertan nicht denken. Den Mangel, also daß das Adenauer-Erhardt-Kiesinger-Brandt-Schmidt-Kohl-Schröder-Merkel-Regime über ein solches zentrales Organ nie verfügte und nie verfügen wollte, das die Verhinderung und Auswertung solcher Katastrophen betrieb wie das Ministerium für Staatssicherheit dies in der DDR tat, macht die staatspfäffische Propaganda mehr als wett, indem zig Tausende virtuelle Joseph Goebbelse mit der Falscherzählung dieses Ministeriums den gemeinen Saujuden wieder auferstehen ließen und tagtäglich lassen. Man muß nur das Kürzel ‚IM‘ oder ‚Stasi‘ durch das Wort ‚Jude‘ ersetzen, und schon erkennt man in den seriellen Hetzmedien die völkischen Beobachter von Adolfs Befehls-Gnaden wieder. Was keine Wunder oder Zufall ist, da ja auch Helmuts Endsieg von 1989/1990 der seines großen Vorgängers „in Rechtsnachfolge in Identität“ Adolf ist. Und der Sohn der Adolf Tusse Gauck und des Adolf-Kriegers Gauck, der vor einigen Jahren von keinem dringender als Bumspräser gewünscht und gefordert wurde als von dem Sohn des SS-Manns Trittin, daß sie gemeinsam weitere Rache nehmen konnten an den Kindern und Enkeln der Kommunisten, Sozen, Gewerkschafter, Deserteure, weil die es gewagt hatten, den Befehlen Adolf Hitlers nicht folgen zu wollen, war der beste Garant für die Kontinuität faschistischer Geschichtslügen. Ob es nun um eine zwanghaft von Brandt, Lafontaine, dem Kriegsverbrecher Schröder und all ihren Arbeiter- und Volksverräter-Kumpane herbeigelogene angebliche Zwangsvereinigung, um Katyn, den Warschauer Aufstand, die 1939er und 1941er Kriegsgründe oder die DDR-Realitäten einschließlich Katastrophenverhinderungsarbeitschutzvorschriften ging.

Also wurden und werden Lieder wie dieses der nach dem an der Wasserkante einst berühmten Feuerschiff „Elbe1“ benannten Liedgruppe vergessen gemacht wie auch Lennons „Give Peace A Chance“ und „Woman Is The Nigger Of The World“. Und keiner weiß öffentlich, wie und durch wen. Und die DDR wurde etabliert als der Ort der Katastrophen und Explosionen, Entgleisungen, von Pleiten, Pech und Pannen, der „Stasi“-Spitzel, dessen vernünftige Gesetze fast nie mit erzählt werden, und vor allem als Ort der Dauerfluchtgedanken aller ihrer Bürger. Weil nichts die DDR besser als eine staatliche Hölle denunziert, als wenn man die Deutschen denken macht, daß alle DDR-Bürger tagtäglich wie allnächtens immer nur an eines dachten: sie zu verlassen. Ich nenne das den indirekten Beweis: Gegen diese Propaganda-Methode hat der deutsche Untertan nicht einmal ein Sensorium, geschweige denn Abwehrkräfte. Anstatt zu denken und anzusagen, welche Gründe Dean Reed gehabt haben mag, die DDR als das richtige Land für seinen Lebensmittelpunkt anzusehen. Und wenn es „nur“ die Erklärung gewesen wäre, daß er die Blume seines Herzens und Lebens nur hier finden konnte. Solche Blumen wuchsen in den Städten und Dörfern der DDR heran wie nirgends sonst. Seit 1990 wachsen Frustrationen, Depressionen und blühen die menschlichen Neu-Rosen in allen Farben.

Ihre ranghöchsten und überzeugendsten Zeugen in Sachen der ghettosenderbehaupteten Dauerzwangsfluchtgedanken und des Fluchtgedankendauerzwangs, Merkel und Gauck, sind die besten Parade- und Vorzeige-Beispiele für ihre Verlogenheit, da von den beiden keinerlei Aktivitäten jemals bekannt geworden sind, diesen schlimmsten aller Orte verlassen zu wollen, die Mauerketten – sozusagen – zu sprengen. Kein Ausreiseantrag, keine Nix. Sie blieben in dem Land, wo Menschenleben mehr galten als Kapital und sonstiges Groß-Eigentum, weil Jesus nicht Staatsreligion war und Commerz nicht jeglichen künstlerischen Ausdruck der Arbeitenden erstickte. Sogar Volkswitz gab es noch. Damals. Als Gauck und Merkel noch bekennende DDR-Bürger waren und noch – immerhin waren sie zum Zeitpunkt des Anschlusses längst erwachsene Leute – nicht gemerkt hatten, wie böse man ihnen mitspielte. Was ihnen dann 1990 plötzlich auf- und einfiel. Wie „Lindi“ plötzlich öffentlich bemerkte, daß die DDR von der Brd eine Mauer trennte, um mit diesem Einfalls-Blitz zu begründen, warum er seinem Freund Erich nicht zu Hilfe kam, da der nun so dringend Hilfe brauchte. Da Michael und Boris ihn verraten und verschenkt hatten. Wie das ganze Volk der DDR.

Warum hat „Lindi“ den Erich nicht mit in sein Hotel genommen? In Berlin oder Hamburg? Wo er doch so viele Jahre um dessen Freundschaft gebuhlt hatte? Da hätten Erich und Margot nicht zum Pfaffen gehen müssen. Mit was für einer Moral sind solche Popsäufer und Westgroßfressen ausgestattet? Ist das Wort Moral für solchen Abschaum überhaupt noch brauchbar? Oder sollte man jede und jeden, der mehr als 2…3 mal im Brd-Staats-Commerz-Fernsehen gesehen wurde und auf irgend einer Wahlliste einer Bumstagspartei auftauchte, sowieso aus der Liste der Anständigen streichen?

Also rückwirkend haben sie es ja dann schon bemerkt und erklärt, die Großfressen des Regimes, wie böse die DDR war. Und wie der Zufall es wollte, gab es solches Bemerken öffentlich nie, ohne daß sie in sogenannt harter Demark bezahlt wurden: Bei Gauck war es erst den Chefposten einer Bundesbehörde mit entsprechendem Salär, dann Ruhegehalt und dann noch das für den Bumspräser. Wer redet über die Millionen die ihm seine Lügen eingebracht haben? Bei Merkel reichte die in den 1990ern dauer-TV-kampagnengesendete und geradezu sprichwörtliche DDR-Christenverfolgung bis in die Zwangspromotion mit Zwangsauslandsstudium und Zwangsstipendium und Zwangsfrauenförderung. Wie viele Brd-Proleten und -innen sich die Finger geleckt hätten nach solchen Zwängen – und dann auch noch so viel davon! – und wie viele sich den DDR-Arbeitsbedingungen gern unterworfen hätten, darf auch nirgendwo sendend gefragt werden. Normalerweise. Eine der wenigen Ausnahmen war Inge Viett, die RAF-Aussteigerin, von der sie einmal berichteten, wie gern sie sich, inzwischen DDR-Bürgerin, diesen Zwängen unterwarf. Mit der unüberhörbaren Tendenz, sie dafür für plemmplemm zu erzählen.

Um diese Liedlaudatio ein wenig aus dem Abstrakten ins für mich Persönliche zu holen: Ich hatte einen Westberliner Großvater. Den ich auch nie verleugnet habe. Auch wenn ich in jungen Jahren wenigstens ahnen mußte, es könne nachteilig sein, da uns DDR-Bürgern allgemein bekannt war, daß aus Sicherheits- und Geheimhaltungsgründen solche Familienbande dazu führen konnten, daß man für diese oder jene Aufgabe oder Anstellung nicht infrage kam. Ich mußte diesen Opa also nicht wie so viele andere aus dem sprichwörtlichen Hut ziehen, als man dann ab Anfang der 1980er zu hohen runden Geburtstagen naher Verwandter auch als jüngerer DDR-Bürger in die Brd und nach West-Berlin reisen durfte. Nicht immer, aber immer mehr und öfter. Und dazu waren diese Verwandten nun plötzlich von Vorteil. Und viele erinnerten sich ihrer, da sie sie bis dahin so erfolgreich „vergessen“ hatten.

So kam es, daß mein Vater in Westberlin nicht nur seinen Vater hatte, sondern auch einen Halbbruder. Der hieß Wolfgang; in den Geburtsjahrgängen meines Vaters und seines Halbbruders waren ja noch deutsche Namen üblich, und auch als ich geboren wurde, waren noch nicht Fernsehfiguren oder Schlagerfuzzis für die Namensgebung der Neugeborenen durch die jungen Mütter zuständig. Jedenfalls lernte ich meinen Onkel in den 1980ern kennen. Ein normales Proletenleben in der Westberliner Platte, von der wir DDR-Bürger auch nichts wissen sollten, weitab von politischem Wissen und politischem Engagement. Ein untersetzter, kräftiger Mann mit Tochter und Hausfrau. Die nicht offiziell arbeitete und nicht offiziell versichert war. Der in jungen Jahren nur ans Geld gedacht hatte, und niemand und nichts waren da gewesen, ihm andere Gedanken zu machen. Im einstmals roten Wedding.

Mit 50 war sein Rücken vom Akkordschleppen hinüber, mit Mitte 50 war er tot. Das war nicht lange nach dem Endsieg Adolfs und Helmuts über die DDR. Mein Vater, der den allergrößten Teil seines Arbeitslebens als Maurer in sozialistischen Betrieben zugebracht hat, wo man ordentliche Pausen gemacht hat und ordentlich den 1. Mai gefeiert hat und den Frauentag sowieso und auch den 7. Oktober, erfreut sich heute bester Gesundheit im 87. Lebensjahr und ist, wie man so sagt: Fit wie ein Turnschuh. Und ich teile seinen Stolz auf sein gelebtes Arbeiterleben in der DDR. Und auch deshalb ist die DDR eben unser Glück gewesen, jedenfalls das der meisten ihrer Bewohner. Wie auch Deans. Und ist es DER Unterschied, ob Arbeitsunfälle geschehen, OBWOHL alles getan wird, sie zu vermeiden, oder WEIL NICHTS dergleichen getan wird. Und genau deshalb kommen diese Realitäten weder im Programm des mdr noch irgend eines anderen Rechtsextremistensenders vor. Und wie die Anschlußsieger nicht nur in Sachen Sero, Kindergärten, Polikliniken, Hausgemeinschaften, Genossenschaften, Volksbildung, Diabetis-Prävention und -Betreuung, EOS, Sozialversicherung, Plastictütenverzicht von der DDR lernen wollten, so wollten sie es vom zentralen Untersuchungsorgan MfS schon gar nicht. Und geben wir es zu: Sie konnten und können es auch nicht. Jesus oder Vernunft? Beides zusammen geht eben nicht. Und was für Arbeitsschutz und -unfälle zutrifft, gilt erst recht und noch dringender für Kriege, Autobahnraserei, sonstigen Mord und Totschlag, Puffsklavinnen, Aufklärung, Bildung, Kultur, Ehrlichkeit. Also dafür, wie ein Staat konstruiert ist und wozu. Kapitalismus und seine höchste Stufe, der Imperialismus sind eben kein Unfall. Sondern ein tagtägliches Verbrechen an der Menschheit. Davon, daß dieses Verbrechen schon so lange währt, wird es nicht besser, die Abschaffung des Verbrechens wird nur Tag für Tag dringlicher, auch wenn sie uns womöglich immer unmöglicher erscheint. Und genau das erzählt dieses Lied. Denn die Wahrheit ist konkret wie auch die Poesie. Auch wenn sie traurige Geschichten erzählt. Und sowieso wenn die traurigen Geschichten nicht um des Erzählens willen erzählt werden, sondern um die Welt erkennen zu machen und zu ändern…

Glaub mir mein Freund dir kann das gleiche passiern.
Auch an deinem Grabe, werden sie sich nicht genieren
Sie halten Trauerreden und denken nur ans Geld
Weil ein Arbeiterleben für sie gar nicht zählt.

Erzählst Du von der Anders Mærsk
Dann nenne sie nie Unglückschiff
Weil der Tod von 28 Kollegen
Kein unglücklicher Zufall ist.

Die Kollegen stehn an meinem Grab
Sie bringen kein Wort heraus
Nur die hohen Herrn können das Maul aufsperrn
Das macht ihnen selbst hier nichts aus.

Meine Frau bekommt für meinen Tod
Vom Werk ein paar tausend Mark
So wird das Verbrechen von Bloom und Voss
Mit einem Kopfgeld abbezahlt.
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Jürgen Eger, geboren 1954 in Berlin, Hauptstadt der DDR. Von der Einschulung bis zum Abschluss des Diplomstudiengangs Elektronik/Technologie an der TU Dresden durchlief er einen normalen DDR-Lebensbeschreitungsweg. Er nahm Gesangsunterricht, war Nachhilfelehrer, erhielt 1981 einen Sängerpreis bei den DDR-nationalen Chansontagen in Frankfurt/ Oder. Berufsausweis als staatlich anerkannter DDR-Chansonsänger, arbeitete als Publizist und Regisseur, bezeichnete sich selbst gern als einziger „staatlich-anerkannt freischaffender Agitator“ der DDR. Studierte 7 Jahre lang selbstbestimmt und privat an der Berliner Musikhochschule und an der Humboldt Universität Berlin, textete auch für andere, machte Theater, hatte in DDR-Endzeiten eine Band, mit der er DDR-Rock- und Pop-Lieder präsentierte, die nicht über den Rundfunk gesendet wurden.
Im Herbst 1989 war er an diversen Kollektivunternehmungen zur Verteidigung und Verbesserung der DDR aktiv, bekam als FDJ-Kunstpreisträger auch (noch) den DDR-Kunstpreis. Anfang Dezember 1989 wurde er nach eigenen Worten „von Biermann & Co. abgestraft und in die Volksverhetzungssuppe gehackt… Der Biermann war sozusagen vorgeschickt, die kohlsche Neuauflage des hitlerschen Kommissarbefehls durch- und auszugeben.“ Es folgten mehrere Berufsverbote, Degradierungen, Plattmachen, Strafverfolgungen usw. So verliert sich, nach seinen Angaben, seine künstlerische Spur in der Totalzensur der Anschlussdiktatoren.
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Erstveröffentlichung: 09.01.2018, AmericanRebel