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Apr.30
on 30. April 2017
Veröffentlicht in: Fiete Jensen

Fiete Jensen

Heraus zum Roten 1. Mai!

Wir wollen keine Brötchen – wir wollen die ganze Bäckerei!

Fiete Jensen

Ja, der 1. Mai – der internationale Kampftag der Arbeiterklasse, ist rot! Nicht gelb, nicht grün und nicht rosa! Er ist rot wie das vergossene Blut der Proletarier die seit 1890 für ihre Rechte, für bessere Arbeitsbedingungen, für Freiheit und Sozialismus gekämpft haben.
Zur Latscherdemo und einem Tag an dem man nicht zur Arbeit muss. Zum Familienausflug und „Ringelpitz mit anfassen“, ist unser Kampftag durch die Organisation der 1. Mai-Aktivitäten durch den arbeitgeberfreundlichen DGB und dem Verrtrat der SPD an den Interessen der Werktätigen, verkommen.
Doch das Maß ist voll: „Wir wollen keine Brötchen – wir wollen die ganze Bäckerei!“. Deshalb tragt am Montag nicht nur unsere Forderung für bessere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße, sondern fordert auch entschlossen die Kollegen/innen auf diesen korrupten Ausbeuterstaat zu stürzen und auf den Trümmern der alten Gesellschaft eine neue, sozialistische Weltordnung zu errichten. Ein Ende des Kapitalismus und eine freie, friedliche, sozialistische Welt ohne Ausbeutung und Klassenherrschaft.

Der 1. Mai ist seit mehr als 125 Jahren der internationale Kampftag der Arbeiterklasse, an dem weltweit Millionen von Menschen auf die Straße gehen und wie Bertolt Brecht in seinem »Mailied« haben die Dichter der Arbeiterklasse den 1. Mai, den Kampf- und Feiertag der Werktätigen, in vielen Liedern besungen. – Im Jahre 1890 begingen die Arbeiter der Welt ihren Kampftag zum ersten mal. Seitdem demonstrieren sie an diesem Tag gegen Ausbeutung und Kriegspolitik, für Frieden, Demokratie und Sozialismus.
Vor 100 Jahren bewies die russische Arbeiterklasse erstmals, dass es möglich ist, einen scheinbar übermächtigen Gegner zu stürzen und die Volksherrschaft mit ungekannter Demokratie für die breiten Massen zu errichten. Lasst uns im Jahr des Roten Oktober neuen Mut fassen und konsequent und revolutionär unseren Forderungen zum Sieg verhelfen. Rein in die Betriebe und die Gewerkschaften! Für Vertrauensleute und Betriebsräte auf die sich die Kollegen verlassen können und niemals das Endziel aus den Augen verlieren, deshalb

Heraus zum Roten 1. Mai  –  Für Arbeit, Frieden und Sozialismus!
.

Bert Brecht: Mailied
Quelle: Von Anton bis Zylinder – Ein Lexikon für Kinder, Kinderbuchverlag Berlin (DDR), 1968, S.108f. (Text leicht korrigiert.)

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└ Schlagwörter: Betrieb & Gewerkschaft, Demos & Aktionen
 Comment 
Apr.29
on 29. April 2017
Veröffentlicht in: Allgemein

Werner Hüper

Der Iran und die Bombe

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Werner Hüper

Um atomare Energie,
wurde gestritten wie noch nie.
Lange Jahre zähes Ringen,
endlich konnte es gelingen.
Der Iran wird überwacht,
damit er keine Bombe macht.
.
Netanjahu sieht Gefahren,
die beschwört er schon seit Jahren:
Man kann Iranern niemals trauen,
denn wenn sie eine Bombe bauen,
bedrohen sie besonders schnell
die ganze Welt und Israel.
.
Es gab bisher doch nur ein Land,
das den Einsatz richtig fand.
Man hat genug davon berichtet,
was man in Japan angerichtet
Wer die USA für friedlich hält,
soll sich umsehen in der Welt.
.
Putin besetzte einst die Krim,
das fand man besonders schlimm.
Doch Israel hat’s vorgemacht
und annektierte über Nacht
Gebiete aus dem Nachbarland,
wo man Platz für Siedler fand.
.
Und die Welt ließ es geschehen.
Daran kann man wieder sehen,
wenn zwei das gleiche angestellt,
man es nicht für gleiches hält.
.
Von den USA wird unterstützt,
wer ihnen irgendwie auch nützt.
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Die andern sind nicht interessant,
nicht alle haben das erkannt.
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Mehr: www.wernerhueper.de

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└ Schlagwörter: Lyrik
 Comment 
Apr.28
on 28. April 2017
Veröffentlicht in: Allgemein

Dr. Gerhard Feldbauer

Zum Endes des Faschismus in Italien

Mussolinis Ende 
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Dr. Gerhard Feldbauer

Am 27. April 1945 vollstreckte ein Kommando der Partisanenarmee unter Oberst Walter Audisio das vom Befreiungskomitee Norditaliens über ihn verhängte Todesurteil.

Im April 1945 ging der nationale Befreiungskrieg, den Italien an der Seite der Antihitlerkoalition gegen die Besatzung seitens Hitlerdeutschlands und das Marionettenregime von dessen Vasallen Mussolini führte, seinem Sieg entgegen. Am 10. des Monats erließ das Nationale Befreiungskomitee für Norditalien (Comitato di Liberazione Nazionale per Alta Italia – CLNAI) die Direktive Nr. 16 für den allgemeinen bewaffneten Aufstand. Die unter Leitung von Luigi Longo, stellvertretender Generalsekretär der IKP und einer der beiden Befehlshaber der Partisanenarmee (der andere war der Sozialist Sandro Pertini) ausgearbeitete Instruktion verfolgte mit der Erhebung nicht nur das Ziel, die breiten Volksmassen zu mobilisieren, sondern auch die von der Wehrmacht betriebene Strategie der Zerstörung aller Betriebe und der Infrastruktur zu verhindern. Weiter sollte im Ergebnis des Aufstandes ganz Norditalien „mit einem Netz von Tausenden nationalen Befreiungskomitees überzogen werden, auf die sich die demokratische Regierung in Italien stützen müsse.“

Angloamerikaner wollten Vormarsch der Partisanen verhindern

Der Befehlshaber der angloamerikanischen Alliierten in Italien, US-General Mark Clark, forderte am 13. April das Partisanenkommando jedoch auf, „alle Aufstandsinitiativen zu verschieben“.(1) Zu diesem Zeitpunkt befanden sich die alliierten Truppen noch auf der Linie der deutschen Verteidigung, der sogenannten Gotenlinie zwischen Pisa und Rimini. Ziel war, zu verhindern, dass die mehrheitlich aus Kommunisten und Sozialisten bestehenden Partisanen-Einheiten(2) vor dem Einrücken ihrer Truppen Norditalien befreien, örtliche Befreiungskomitees die Macht übernehmen und eine revolutionär-demokratische antifaschistische Umgestaltung einleiten könnten.

Allen Dulles Verhandelte mit SS über separate Kapitulation

Außerdem sollten die im März in Bern begonnenen Gespräche des Chefs des CIA-Vorläufers Office of strategic Service (OSS), Allen Dulles, mit dem SS-Polizeichef in Norditalien, Obergruppenführer Karl Wolff, über eine separate Kapitulation der Wehrmacht in Norditalien nicht gestört werden. Das Oberkommando der Wehrmacht beabsichtigte, in diesem Fall die in Italien stehenden Verbände gegen die in Österreich vorrückende Rote Armee einzusetzen.(3)

Ihre Kampfhandlungen hatten die Alliierten schon seit dem Sommer 1944 verzögert, nachdem die Partisanenarmee am 11. August 1944, bereits vier Wochen vor ihrem Eintreffen, Florenz befreit und den Sozialisten Gaetano Pieraccini als Bürgermeister eingesetzt hatten. Als ihn die Amerikaner absetzen wollten entgegnete er ihnen: „In diesen Palast bin ich eingezogen, als die Deutschen vor der Tür standen; aus diesem Palast werdet ihr mich nur mit Bajonetten verjagen.“ Die Alliierten mussten nachgeben, versuchten danach jedoch mit allen Mitteln den Vormarsch der Partisanen aufzuhalten. Dazu verzögerten sie im Herbst 1944 ihre Kampfhandlungen, was die Partisanen in verstärktem Maße dem Terror der Deutschen aussetzte. Im November 1944 forderte General Alexander die Partisanenverbände in einer Rundfunkbotschaft auf, in den Wintermonaten keine offensiven Kampfhandlungen zu führen, da Nachschub und Unterstützung nicht mehr gesichert werden könnten. Die Partisanen sollten ihre festen Verbände und Standorte auflösen. Diese Rundfunkbotschaft, die von den Deutschen abgehört werden konnte, stellte eine tödliche Gefahr für die Widerstandsbewegung dar. Das lag, wie die Historikerin Sophie G. Alf in ihrem „Leitfaden Italien“ (Westberlin 1977) schrieb, durchaus in der Absicht der Alliierten“, die gemäß der Logik: „in that way let them kill them as many as possible“, die „Dezimierung der fortschrittlichen Antifaschisten in ihre Rechnung einbezogen.“ Die Partisanen wiesen die Forderung Alexanders zurück und Luigi Longo stellte in einer Antwort an das alliierte Kommando bereits zu dieser Zeit klar, „der italienische Befreiungskampf verfolge eigne Ziele und könne dem angloamerikanischen und russischen Krieg nicht restlos untergeordnet werden.“

Generalstreik und bewaffneter Aufstand

Nachdem am 18. April in Turin (Sitz des Rüstungskonzerns FIAT) der Generalstreik ausgerufen wurde, dem nahezu alle noch von den deutschen Truppen besetzten Städte Norditaliens folgten, begann am 25. April der allgemeine bewaffnete Aufstand. In Mailand, Turin, Genua, Bologna, Brescia, Padua, Udine, Venedig und weiteren Städten erhoben sich die örtlichen Partisanen-Einheiten, unterstützt von der Bevölkerung, und befreiten über 200 Städte noch vor dem Eintreffen der alliierten Truppen. Die örtlichen Komitees des CLNAI nahmen sofort als revolutionäre Machtorgane ihre Arbeit auf. In den Fabriken, die von den Unternehmensleitungen verlassen worden waren, bildeten Kommunisten und Sozialisten Fabrikräte, die die Leitung der Produktion übernahmen.

200.000 Wehrmachtssoldaten ergaben sich den Partisanen

Gruppe unbekannter italienischer Partisanen

Die Partisanenarmee griff zwischen Piemont und Venetien auf einer Breite von 400 km die Stellungen der Wehrmacht an, die zwischen Friuli und Carnia noch 19 Divisionen konzentriert hatte. In Genua ging der Ortskommandant der Wehrmacht, General Meinhold, mit 9.000 Mann in Gefangenschaft. Die Kapitulationsurkunde unterzeichnete als Vertreter des CLNAI der Arbeiter und Kommunist Remo Scappini. Am Fluss Piave legte am 27. April das X. Panzerkorps die Waffen nieder. Am 30. April nahmen Garibaldi-Brigaden am Monte Grappa 33.000 Soldaten gefangen. Insgesamt ergaben sich zwischen dem 25. April und dem 2. Mai(4) über 200.000 deutsche Soldaten den Partisanen. Die Gefangenen wurden nach dem Eintreffen der alliierten Truppen diesen übergeben. In allen Fällen hatten die Partisanenkommandeure auch hier eine Forderung General Clarks zurückgewiesen, Wehrmachtsangehörige nicht gefangen zu nehmen, sondern in den Stellungen zu verharren und das Eintreffen der alliierten Truppen abzuwarten. Dabei sollten die deutschen Soldaten sogar ihre Waffen behalten dürfen.

Befreiungskomitee verhängte Ausnahmezustand

Mit Beginn des Aufstands begann am 25. April die Befreiung Mailands. Für den Angriff auf die Stadt, in der sich starke Kräfte der Wehrmacht, SS-Truppenteile und italienische Schwarzhemden mit dem „Duce“ verschanzt hatten, waren von Luigi Longo und Sandro Pertini über 30.000 Mann zusammen gezogen worden. Mussolini, der am 18. April in Mailand eingetroffen war, hatte erklärt, die Stadt „zum Stalingrad Italiens“ zu machen. Während noch schwere Kämpfe tobten, tagte in der Stadt die Vollversammlung des CLNAI und erließ folgende „Proklamation des Ausnahmezustandes“:
„Im Namen des italienischen Volkes übernimmt das Nationale Befreiungskomitee für Norditalien, beauftragt von der italienischen Regierung, um die Fortsetzung des Befreiungskriegs an der Seite der Alliierten zu garantieren und die Freiheit, die Gerechtigkeit und die öffentliche Sicherheit gegen alle Gegner zu verteidigen, alle zivile und militärische Macht. Diese Macht wird ausgeübt durch die die nationalen Befreiungskomitees der Regionen und Provinzen.“

Todesurteile gegen 1732 Faschisten

Auf der Grundlage dieser Proklamation erklärte das CLNAI den Ausnahmezustand, richtete Kriegsgerichte ein und erließ dazu Dekrete über die Organisation der Justiz und der Verwaltung. In einem Ultimatum forderte es alle italienischen Faschisten auf, bedingungslos zu kapitulieren. Die Grundlage für die nunmehrigen Erlasse bildeten die bereits im August 1944 ergangenen Dekrete für die Regierungstätigkeit des CLNAI, darunter über die Bildung von Justizkommissionen und Gerichtshöfen.

Artikel 1 des Justizdekrets vom 25. April 1945 lautete: „Die Mitglieder der faschistischen Regierung und die Inhaber höchster Parteiämter des Faschismus, schuldig befunden, zur Unterdrückung der verfassungsmäßigen Garantien das faschistische Regime geschaffen, das Land in Schande gebracht, seine Geschicke verraten und es in die gegenwärtige Katastrophe geführt zu haben, werden mit dem Tode, und in weniger schweren Fällen mit Zuchthaus bestraft.“

Artikel 7 legte fest, dass für die nach dem 8. September 1943(5) in Kollaboration mit den hitlerfaschistischen Okkupanten gegen den italienischen Staat und die Sache der nationalen Befreiung begangenen Verbrechen die danach gültigen Militärgesetze anzuwenden sind. Das Dekret hielt fest: „Aus einsichtigen Gründen der Würde muss es das italienische Volk selbst sein, das gegenüber den Verantwortlichen des faschistischen Regimes und des imperialistischen Abenteuers die erforderlichen Strafen anwendet.“(6) Die Dekrete bildeten die gesetzliche Grundlage für die Urteile zur Erschießung von insgesamt 1.732 Faschisten, die der Aufforderung, die Waffen niederzulegen und sich zu ergeben, nicht nachkamen. Darunter fiel auch die Hinrichtung Mussolinis. Das widerlegt eindeutig die von bestimmten Historikern verbreiteten Geschichtsfälschungen, welche die Vollstreckung der Urteile als Morde zu diskriminieren suchen.(7)

Angesichts seiner aussichtslosen Lage wollte Mussolini mit Vertretern des CLNAI über die Kapitulation seiner Regierung verhandeln. Der Mailänder Kardinal Ildefonso Schuster arrangierte dazu ein Treffen in seinem Amtssitz, zu dem sich Vertreter des Befreiungskomitees mit Sandro Pertini an der Spitze bereiterklärten. Vertreter der IKP nahmen nicht teil. Mussolini wurde seine aussichtslose Lage geschildert und er erneut aufgefordert, sich bedingungslos zu ergeben. In dem Gespräch erfuhr er auch, dass Wehrmachts- und SS-Führer in Italien hinter seinem Rücken Kontakte zu den Amerikanern aufgenommen hatten, um einen separaten Waffenstillstand zu erreichen. Am Ende des Gesprächs bat Mussolini um eine Frist von einigen Stunden, um, wie er erklärte, die deutschen Verbündeten zu informieren, dass er sich von allen Verpflichtungen entbunden betrachte. Die Vertreter des Befreiungskomitees hielten sich korrekt an die mit Kardinal Schuster getroffene Vereinbarung und ließen Mussolini gehen.

Mussolini floh mit dem staatlichen Goldschatz

Dieser nutzte jedoch die Frist, um sich des staatlichen Goldschatzes(8) zu bemächtigen und unter dem Schutz einer SS-Einheit in Richtung Schweizer Grenze zu flüchten. In seiner Begleitung befanden sich mehrere Minister seiner Saló-Republik, darunter Kriegsminister Marschall Rodolfo Graziani. Auch seine Geliebte Clara Petacci schloss sich ihm an. Graziani verließ ihn bei Como und stellte sich in der Schweiz den Amerikanern.

In der Frühe des 27. April wurde die Autokolonne hinter Como bei der Ortschaft Dongo von einer Partisanen-Abteilung gestoppt. Gegen die Gewährung der Weiterfahrt übergab die SS-Einheit Mussolini, der sich einen deutschen Militärmantel übergezogen und einen Stahlhelm aufgesetzt hatte, mit seiner Begleitung den Partisanen.

Das CLNAI entsandte aus Mailand ein Exekutionskommando unter Oberst Walter Audisio (Kampfname Valerio), Kommandant der Garibaldi-Brigaden der IKP und Mitglied des Generalkommandos der Partisanenarmee, das am 28. April an Mussolini und seiner Begleitung in Giulino di Mezzagra bei Dongo an der Mauer der Villa Belmonte die Todesurteile vollstreckte. Mit ihrem „Duce“ wurden u. a. hingerichtet: Der Sekretär der faschistischen Partei Alessandro Pavolini, Kulturminister Fernando Mezzasoma, der Innenminister Paolo Zerbino. Clara Petacci, gegen die kein Todesurteil vorlag, wurde, nachdem sie sich geweigert hatte, Mussolini zu verlassen und sich bei der Exekution vor ihn stellte, ebenfalls erschossen. Am selben Tag wurden in Mailand die Todesurteile an dem früheren Parteichef Achille Starace und an dem Mitbegründer der faschistischen Bewegung und Organisator des „Marsch auf Rom“, des Putsches zur Machtergreifung Mussolinis im Oktober 1922, Roberto Farinacci, vollstreckt.

Nachdem jahrelang Spekulationen über das Ende Mussolinis kursierten, legte Oberst Audisio in seiner Autobiographie „In nome del popolo italiano“(9) dar, wie die Exekution vor sich ging. Nachdem Mussolini und die Petacci vor die Mauer der Villa Belmonte gebracht worden waren, nahm das aus ihm, dem Politischen Kommissar der 52. Garibaldi-Brigade (der den Namen Pietro führte), und zwei weiteren Partisanen bestehende Exekutionskommando vor ihnen Aufstellung. Audisio verlas das Todesurteil des CLNAI und erklärte anschließend: „Auf Befehl des Generalkommandos des Korps der Freiwilligen der Freiheit bin ich beauftragt, dem italienischen Volk Gerechtigkeit widerfahren zu lassen“. Dann wollte Audisio das Urteil persönlich vollstrecken, aber seine MPi hatte eine Ladehemmung. Er nahm die Waffe von Pietro, eine MPi „LMAS, Modell 1938, Nr. F. 20830, Kaliber 7,65“ und erschoss Mussolini mit fünf Patronen. Dabei wurde auch Clara Petacci erschossen.(10) Es war 16.10 Uhr des 28. April 1945 (S. 381).

Ein erbärmliches Bild des „Duce“

Der „Duce del fascismo“, der Hunderttausende Italiener in den Tod getrieben hatte, unter dessen Marionettenregime der Saló-Republik von SS, Gestapo, Wehrmacht und Sicherheitspolizei der Besatzungsmacht und seiner Erfüllungsgehilfen im statistischen Mittel – ohne die gefallenen Partisanen und regulären Soldaten einzubeziehen – täglich 165 Kinder, Frauen und Männer jeden Alters umgebracht wurden,(11) reagierte, wie Audisio darlegt, angstvoll zitternd und stotternd und bot im Angesicht des eigenen Todes ein erbärmliches Bild. Er hatte gegen seine Festnahme keinerlei Widerstand geleistet und auch vorhandene Möglichkeiten zu einer Flucht nicht genutzt.

Alliierte erhoben keine Einwände

Die Leichen Mussolinis und seiner Komplizen wurden nach Mailand gebracht und auf der Piazzale Loreto mit den Köpfen nach unten aufgehängt. Am selben Ort hatten Schwarzhemden am 12. August 1944 fünfzehn ermordete Geiseln genauso zur Schau gestellt.
Auch mit der Vollstreckung des Todesurteils an Mussolini hatte das Kommando der Partisanenarmee eine Forderung des alliierten Kommandos ignoriert, das verlangt hatte, ihn zu übergeben. Die Exekution war im Gegenteil, wie Audisio schilderte, rasch durchgeführt worden, um zu verhindern, dass die Anglo-Amerikaner sich seiner bemächtigen konnten. Diese Missachtung, wie zahlreiche weitere auch, wollte das alliierte Kommando jedoch nicht eingestehen. Oberst Charles Poletti von der Alliierten Militärregierung, erklärte auf einem Empfang, den er am 30. April in der Präfektur von Mailand für das CLNAI und eine Partisanenabordnung gab: „Wir haben in Mailand alles in ausgezeichneter Disziplin vorgefunden. Wir sind auch auf der Piazzale Loreto gewesen und haben dem CLN und den Partisanen unsere vollste Anerkennung für ihre bewundernswerte Operation ausgedrückt.“(12)
.

Anmerkungen
(1)
Der General ging von dem zwischen dem angloamerikanischen Kommando und dem Generalkommando der Partisanen am 5. Dezember 1944 geschlossenen „Römischen Protokoll“ aus, in dem sich die Partisanen verpflichtet hatten, dessen Weisungen auszuführen. Gleichzeitig war das CLNAI jedoch von den Alliierten als Organ der Italienischen Einheitsregierung mit allen Vollmachten anerkannt worden.
(2) Von den 256.000 Kämpferinnen und Kämpfern, die die Partisanenarmee Ende des Krieges zählte, stellten die Garibaldi-Brigaden der IKP 155.000. Von dem zweiten Partisanenverband, den örtlichen Gruppi di Azione Patriottica (GAP), dem 206.000 Mitglieder angehörten, waren die meisten ebenfalls Kommunisten. Den GAP strömten während des bewaffneten Aufstandes Zehntausende weitere Männer und Frauen zu. Alle Partisanen-Einheiten bestanden zu 85 bis 90 Prozent aus Arbeitern und Bauern.
(3) Bradley Smith, Elena Aragossi: Unternehmen Sonnenaufgang, Köln 1981.
(4) Am 2. Mai trat die am 29. April vom Kommando der Wehrmacht in Italien gegenüber dem Alliierten Kommando unterzeichnete bedingungslose Kapitulation in Kraft.
(5) Tag der Bekanntgabe des Waffenstillstands und des Austritts aus der faschistischen Achse.
(6) Atti e Documenti del CLNAI 1943/1946. Mailand 1977.
(7) Diese Geschichtsfälschung vertritt auch der langjährige Chefredakteur der Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte Hans Woller u. a. in seinem Buch „Die Abrechnung mit dem Faschismus in Italien“, München 1996.
(8) Laut Le Monde diplomatique (vom 10. März 2006) bestand der Staatsschatz aus Goldbarren, Juwelen, Schweizer Franken, britischen Pfund und US-Dollar, dessen gegenwärtiger Wert auf umgerechnet etwa zwei Milliarden Dollar beziffert wurde. Über seinen Verbleib wurde im Nachkriegsitalien nichts bekannt.
(9) Sie erschien 1975, zwei Jahre nach seinem Tod, bei Teti editore in Mailand.
(10) Da gegen die Petacci kein Todesurteil vorlag, versuchten faschistische Kräfte nach 1945 Audisio deswegen vor Gericht zu stellen. Die Verteidigung machte geltend, dass das in der Situation des Ausnahmezustandes geschah, die Petacci eine aktive Politik betrieb, eng mit der Gestapo u. a. Organen des Besatzungsregimes kollaborierte und sich geweigert hatte, den Verurteilten zu verlassen. Schließlich kam ein Prozess auch nicht zustande, weil Audisio Abgeordneter war und das Parlament seine Immunität nicht aufhob.
(11) Gerhard Schreiber: Deutsche Kriegsverbrechen in Italien, München 1996.
(12) Zit. In: Pietro Secchia/Filippo Frassati: Storia della Resistenza, 2 Bände, Rom 1965, S. 1016.
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Quelle: © 2015 by Gerhard Feldbauer. Mit freundlicher Genehmigung des Autors.
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Über den Autor: Gerhard Feldbauer, marxistischer Historiker und Publizist, Jahrgang 1933, arbeitete viele Jahre für das Neue Deutschland in Italien und Indochina als Auslandskorrespondent. Er hat mehrere Bücher zur Geschichte Italiens verfasst und schreibt derzeit für verschiedene deutsche und europäische Zeitschriften. Aktuell seine letzte Buchveröffentlichung: »Die Resistenza«: Italien im Zweiten Weltkrieg, Papyrossa, Köln, 2014

 

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└ Schlagwörter: Partisanen
 Comment 
Apr.27
on 27. April 2017
Veröffentlicht in: Allgemein, Günter Ackermann †

Anmerkung der Redaktion: Günter Ackermann war ein Deutscher Politiker, der im April 2017 in Duisburg verstorben ist. Als revolutionärer Kommunist hat er sich stets gegen die revisionistische Entartung der KPdSU und die unter ihren Einfluss stehenden Bruderparteien gewandt. Dies geschah derweilen auch etwas holperig und krass, doch immer geprägt von einem hohen Marxistisch/Leninistischem Sachverstand. Günter hat sein Lebenswerk, „Das Portal „Kommunisten Online“ der kämpfenden Nachwelt hinterlassen und u. a. der Redaktion AmericanRebel die Rechte auf erneute Veröffentlichung übergeben.

└ Schlagwörter: Allgemein
 Comment 
Apr.27
on 27. April 2017
Veröffentlicht in: Allgemein

Fiete Jensen

Anquatschversuche durch den Verfassungsschutz

Neugierig

Fiete Jensen

Vielen ist unbekannt das das Bundesamt für Verfassungsschutz laufend neuen Spitzel sucht und die Suche auch mit der plumpen Art des Anquatschens in der linken Szene praktiziert. Die Ortsgruppe Hamburg der Roten Hilfe e.V berichtete am 28. Januar 2017:

„Am Mittwoch, den 18.01.2017, kam es in Hamburg wieder zu einem Anquatschversuch in linken Zusammenhängen. Die betroffene Person wurde hierbei auf dem Weg zur Arbeitsstelle in der Harkortstraße auf offener, wenig belebter Straße von zwei Frauen mit Namen angesprochen. Diese gaben auf Nachfrage an, auf dem Weg zu der betroffenen Person gewesen und vom Verfassungsschutz zu sein. Des Weiteren wollten sie mit der betroffenen Person über ihre politische Einstellungen, den G 20-Gipfel und ihre Einschätzung dazu sprechen. Sie gaben an, Hilfe zu benötigen und sich irgendwo in Ruhe unterhalten zu wollen.

Dies lehnte die betroffene Person ab, worauf die beiden Verfassungschützerinnen nach einer Handynummer fragten. Während des Gespräches versperrten die beiden Frauen der betroffenen Person den Weg. Allerdings mussten sie ohne ein nennenswertes Gespräch ihren plumpen Anquatschversuch beenden, da die betroffene Person die Kooperation verweigerte. Beide Frauen waren ca. 30-35 Jahre alt. Die eine ungefähr 1,60 m groß mit brustlangen braunen Haaren, einem länglichen Gesicht mit unreiner Haut und einem Kratzer unter dem rechten Auge. Die andere ca. 1,80 m groß, hat blonde bis hellbraune Haare und ein auffälliges rechtes Auge. Das Augenlid hängt und scheinbar schielt sie mit dem Auge nach innen.

Dieser Anquatschversuch ist kein Einzelfall und mit Sicherheit auch nicht der letzte. Sie finden jederzeit statt und vor allem im Vorfeld zum G 20-Gipfel, der dieses Jahr im Juli in Hamburg stattfindet, ist mit weiteren Anquatschversuchen in Hamburg und anderswo zu rechnen. Hierbei geht es sowohl darum, Informationen über politische Zusammenhänge und Einzelpersonen zu beschaffen, aber auch betroffene Personen unter Druck zu setzen, einzuschüchtern oder als Informant_innen anzuwerben.

Lasst diese Versuche in Leere laufen, indem ihr jedes Gespräch verweigert! Ihr seid auch hier zu keinen Aussagen verpflichtet. Solltet ihr von einem Anquatschversuch betroffen sein, verfasst ein Gedächtnisprotokoll mit Personenbeschreibung, sprecht es in eurem Umfeld an und mit Antirepressionsgruppen vor Ort (wie der Roten Hilfe und/oder dem Ermittlungsausschuss) und veröffentlicht den konkreten Versuch.

Nur so könnt ihr euch selber und andere schützen!“

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linksunten.indymedia.org berichtet laufend über Anquatschversuche, hier die erste Seite einer achtseitigen Aufstellung der letzten Jahre:

Anquatschversuch in Darmstadt
Anquatschversuch seitens des … *innen-Ansprachen, Hausdurchsuchungen, Anquatschversuche und die Verschärfung des §113 StGB #bullenschubsen sind Teil der … Anquatschversuche öffentlich zu machen und uns gemeinsam gegen staatliche Repressionen zu organisieren …

Artikel – anonym – 31.03.2017 – 07:06 – 5 Kommentare

Nazishop druck18.de offline
Anquatschversuche … bodenlos Angst machen.   die Festnahme des Silk Road-Betreibers, Anquatschversuche der … Durchblick über alle Dienste haben. Wie du aber auch selbst sagst, es finden Anquatschversuche bei Tor …

Artikel – anonym – 19.04.2017 – 11:06 – 5 Kommentare

Kein Rabatz ohne KaTS – Autonomes Zentrum KTS macht dicht und fährt zum G20
Anquatschversuche und …

Artikel – KTS Freiburg – 11.04.2017 – 02:09 – 1 Kommentar

Anquatschversuch durch Verfassungsschutz (VS) in Hamburg
Anquatschversuch in linken Zusammenhängen. Die betroffene Person wurde hierbei auf dem … Anquatschversuch beenden, da die betroffene Person die Kooperation verweigerte. Beide Frauen waren ca. 30 … nach innen. Dieser Anquatschversuch ist kein Einzelfall und mit Sicherheit auch nicht der letzte …

Artikel – anonym – 27.01.2017 – 10:25 – 5 Kommentare

Belästigung durch den Verfassungsschutz
Anquatschversuch betroffen sein, verfasst ein … ://www.rote-hilfe.de/downloads/file/22-anquatschversuch-was-tun-inf… Antifaschismus …

Artikel – anonym – 09.03.2017 – 19:48 – 3 Kommentare

Anquatschversuch durch Verfassungsschutz in Kiel
Anquatschversuche dienen oftmals dem Ziel, Informationen über politische Zusammenhänge, Personen und Aktionen durch …

Artikel – anonym – 20.01.2017 – 13:49 – 1 Kommentar

Anquatschversuch in Berlin
Anquatschversuch durch den Verfassungsschutz. Der betroffene Genosse befand sich zu diesem Zeitpunkt auf dem Weg … . Solche Anquatschversuche dienen neben dem Versuch tatsächlich Einblicke und Informationen in und über … Umfeldes. Falls noch weitere Menschen in den letzten Tagen ähnliche Anquatschversuche erlebt haben – oder …

Artikel – anonym – 06.01.2017 – 15:15 – 5 Kommentare

[NMS] AfD-Kundgebung in Neumünster abgeschirmt
Anquatschversuch in Kiel zeigt. Auch wenn die Einsatzkräfte im Vergleich zu #NMS2210 in der …

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Anquatschversuche in Heidelberg/Wiesloch   Anquatschversuch bei Genosse A und B: angefangen haben die … und jegliche Mitarbeit verweigerten.   Anquatschversuch bei Genosse C: angefangen haben die …

Artikel – anonym – 01.10.2016 – 14:39 – 8 Kommentare

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Anquatschversuche“ können alle treffen und nur wenn wir sie öffentlich …

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[HH]: Ehemalige verdeckte Ermittlerin Maria „Block“ / Böhmichen in Wilhelmsburg
Anquatschversuch durch den VS bei einer Person, die gemeinsam mit Maria im Infoladen aktiv war. Eine …

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Anquatschversuch. Was tun? Information der Roten Hilfe zu Kontaktaufnahme …

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[HB] À Gauche im Visier des Verfassungsschutzes
Anquatschversuche. Die …

Artikel – anonym – 10.11.2016 – 21:36 – 8 Kommentare

Anquatschversuch des VS

Artikel – anonym – 17.08.2016 – 17:16 – 1 Kommentar

MUC_221016: Massive Polizeigewalt und -repression
Anquatschversuche des Verfassungsschutzes. Die Bullen wollten definitiv eskalieren und suchten jeden noch so kleinen …

Artikel – anonym – 22.10.2016 – 22:34 – 22 Kommentare

Wichtige Mitteilung der Roten Hilfe München
Anquatschversuche gestalten sich immer unterschiedlich, seid also wachsam … .   Was tun bei einem Anquatschversuch? 1. Macht keine Aussagen! Der Verfassungsschutz … öfter anquatschen. 4. Die Anquatschversuche finden oft in unerwarteten Momenten statt – in der …

Artikel – anonym – 18.07.2016 – 23:59 – 13 Kommentare

Vollversammlung in der Roten Flora zum OSZE und G 20 Gipfel 2016 / 2017 in Hamburg
Anquatschversuche der Repressionsorgane und bereits …

Artikel – anonym – 30.10.2016 – 20:13 – 12 Kommentare

[B] Anquatschversuch durch Verfassungsschutz
Anquatschversuch durch das Berliner Landesamt für Verfassungsschutz … . Beendet konsequent das Gespräch. Macht Anquatschversuche öffentlich. Berichtet dem EA …

Artikel – anonym – 16.06.2016 – 23:31 – 2 Kommentare

Achtung! Schon wieder Anquatschversuch durch den Verfassungsschutz in München!
Anquatschversuch? 1. Macht keine Aussagen! Der … sie euch öfter anquatschen.   4. Die Anquatschversuche finden oft in unerwarteten Momenten … nach einem Anquatschversuch? Es gibt keinen Grund sich zu schämen – wir alle können potentiell …

Artikel – anonym – 16.05.2016 – 21:43 – 1 Kommentar

Spitzel in Braunschweig enttarnt – Demo in Hannover
Anquatschversuch durch den Staatsschutz. Hierbei …

Artikel – anonym – 26.01.2014 – 20:44 – 50 Kommentare

Schleswig: Anquatschversuch Gedächtnisprotokoll

Artikel – anonym – 20.04.2016 – 00:17 – 2 Kommentare

[B] Anquatschversuch in Berlin
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 Comment 
Apr.25
on 25. April 2017
Veröffentlicht in: Julius Jamal

Julius Jamal

1. Mai Berlin – Ein gespaltener Protest

Redaktion Freiheitsliebe im Gespräch mit Christian Gebhardt
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Julius Jamal

Der 1.Mai ist der Tag der Arbeiterinnen und Arbeiter, der mit großen Demonstrationen und Kundgebungen begangen wird, die größte fand die letzten Jahre immer in Berlin statt. In diesem Jahr allerdigns ist sich das Bündnis uneinig ob des weiteren Vorgehens, im Zentrum steht dabei die Debatte über die Anmeldung der Demonstration. Wir haben mit Christian Gebhardt, Mitglied der Gruppe ArbeiterInnenmacht, der für den Internationalistischen Block über die mögliche Spaltung und die Relevanz des 1.Mai gesprochen.

Die Freiheitsliebe: In Berlin finden traditionell revolutionäre 1. Mai-Demos statt, von wem werden die ausgerichtet und wer beteiligt sich?

Christian Gebhardt: 

Dieses Jahr findet das 30-jährige Jubiläum der revolutionären 1.-Mai-Demonstration statt. Ausgerichtet wurden diese Demonstrationen immer von unterschiedlichen Teilen der radikalen Linken in Berlin. Seit mehreren Jahren gibt es auch einen „Internationalistischen Block“. Unser Ziel war und ist es, politische Themen des Klassenkampfes erneut ins Zentrum der Mobilisierung zu rücken. Einerseits geht es darum, die soziale Frage anzusprechen und über die „Szene“ hinaus populär zu machen – also den Ersten Mai zu nutzen, um das Bewusstsein unserer Klasse zu heben. Es geht ebenfalls darum, diese Fragen nicht nur auf den Kiez oder Kreuzberg zu beziehen. Der Kampf gegen die Troika in Griechenland, gegen die Besatzung Palästinas, deutsche Waffenlieferungen an den Diktator Erdogan, ganz allgemein die Weltmachtpolitik des deutschen Imperialismus sollten doch gerade in der Hauptstadt Berlin im Zentrum der Auseinandersetzung stehen. Man könnte auch etwas populär in Richtung der GenossInnen der RLB sagen, dass es uns darum geht, einen Zusammenhang in den Köpfen der BerlinerInnen zwischen ihrer eigenen Wohnungsnot und der Wohnungsnot von beispielsweise AfghanInnen herzustellen, die in Zeltstädten leben, weil ihre Heimat unter Hilfestellung der Bundeswehr zerbombt wird.

Wir denken, dass es diese Politik war, die einen enormen Zuwachs an DemonstrantInnen in den vergangenen Jahren brachte. Auch, dass die Demonstration drei Jahre in Folge ihre Route zu Ende führen konnte – von einigen Gruppen ironischerweise als Misserfolg verstanden – war ein wichtiger Faktor, eine Demo-Teilnahme unter breiteren Schichten zu popularisieren. Ein besonderer Erfolg war in diesem Zusammenhang der Revolutionäre Erste Mai 2013. Damals zogen rund 20.000 TeilnehmerInnen unter dem Motto „Einzige Lösung: Revolution; Tek Yol Devrim; One solution – Revolution!“ vom Lausitzer Platz bis vor das Brandenburger Tor zur EU-Vertretung – an der Spitze GenossInnen aus unterschiedlichen Ländern und Krisengebieten. UkrainerInnen, SpanierInnen, GriechInnen, KurdInnen, TürkInnen, PalästinenserInnen und Geflüchtete aus weiteren Ländern standen ganz vorne Seite an Seite des Internationalistischen Blocks. Wir brachten also den Kampf vom Berliner Kiez bis ins Machtzentrum der deutschen Politik.

Tatsächlich glauben wir, dass es im Kern um diese Verbindung und Ausweitung des politischen Schwerpunktes über den Kiez hinausgeht. Ein Teil der radikalen Linken ist in den „guten alten Tagen“ und der Nostalgie der Hausbesetzerszene gefangen. Natürlich bilden diese Erfahrungen einen Teil unserer Bewegung. Natürlich geht es auch darum, Errungenschaften zu verteidigen. Aber ein US-Präsident der Amok läuft, oder der Ausbau der Diktatur in der Türkei spielen im Bewusstsein der breiten Bevölkerung eine größere Rolle als eine verbleibende handvoll besetzter Häuser in Friedrichshain-Kreuzberg – und das zu Recht. Wir sollten es so sehen: Wir können diese besetzten Häuser nur halten, wenn wir eine Bewegung aufbauen, die die Talismane der radikalen Linken nicht ins Zentrum des gesamten Klassenkampfes stellt. Das ist unser Ansatz, das ist letztlich der Knackpunkt des Disputs. Es hat nicht in erster Linie etwas mit „Sektierertum“, sondern mit einer sich unterscheidenden politischen Linie zu tun. Gerade deshalb würden wir es bevorzugen, diese Debatte auch wieder auf den Boden der strategischen Fragen zurückzubringen, anstatt eine emotionalisierte Auseinandersetzung anhand von gerade opportunen Bündnislinien zu führen.

Die Freiheitsliebe: In diesem Jahr gibt es Konflikt bezüglich der Demonstration, wo genau liegen die Differenzen?

Christian Gebhardt: Richtig, genauer kann das in unserer Stellungnahme gelesen werden. Die zentrale Frage war, wen man ansprechen will. Damit verbunden war, welche Themen man ins Zentrum der Mobilisierung rückt und ob man die Demonstration polizeilich anmeldet oder nicht.

Wir brachten hier eine Reihe von politischen Argumenten vor. Unser Vorschlag war, wie gesagt, den inhaltlichen Fokus auf die aktuellen internationalen Konflikte, insbesondere jene an denen der deutsche Imperialismus direkt oder indirekt beteiligt ist, in den Vordergrund zu rücken. Das sollte mit der inneren Situation, dem Kampf gegen Rassismus und gegen das soziale Elend der ArbeiterInnenklasse in Deutschland verbunden werden.

In diesem Sinne wollen wir den „30 Jahre Revolutionären Ersten Mai“ zum Mobilisierungsauftakt für den Kampf gegen die G20 im Juli in Hamburg machen. Wir glauben, dass gerade bei einer gemeinsamen Demonstration aller Spektren dieses Konzept zu einer sehr erfolgreichen Massenmobilisierung hätte werden können. Wir finden es in diesem Zusammenhang politisch unklug, wie sich der G20-Block, an dem sich Teile der IL maßgeblich beteiligt, derart verhalten hat. Es scheint hier weniger entlang politischer Argumente, aber vielmehr anhand traditioneller Sympathien gedacht zu werden.

Ganz praktisch ist es natürlich so, dass es bedeutend schwerer ist, insbesondere Geflüchtete oder AktivistInnen von politisch kriminalisierten Organisationen anti-kolonialen Widerstands für eine unangemeldete Demonstration zu gewinnen. Um es etwas bitter auszudrücken: Die RLB und leider auch ein Teil der IL stellen die Symbolpolitik einer unangemeldeten Demonstration über die realen Gegebenheiten im aktuellen Klassenkampf. Das mag für die privilegierteren Schichten der deutschen Linken nach Empowerment klingen. Es fragt sich nun aber, welche objektiven Möglichkeiten eine afghanische Frau mit unsicherem Aufenthaltsstatus für politische Partizipation und Protest bei einer unangemeldeten Demo hat. Es ist doch wirklich bedenklich, dass die GenossInnen, die für eine unangemeldete Demonstration eintreten, in einem ihrer Aufrufe wortwörtlich den Slogan „Legal, illegal, scheißegal“ ausgeben. Was mögen denn nun die GenossInnen in der Türkei und den vielen anderen Ländern denken, in denen der Kampf um demokratische Rechte aktuell ganz oben auf der Tagesordnung steht? Eine solche Politik kann doch mittelfristig nur zur Selbstisolation einer kleinen radikalen Linken führen.

Die Freiheitsliebe: Der Konflikt verläuft somit maßgeblich über die Frage der Anmeldung, welche Gruppen stehen sich in dieser Frage gegenüber?

Christian Gebhardt: Die Anmeldung ist eine organisatorische Frage, die eher der Anlass als die Ursache des Konflikts war. Man könnte aber durchaus die Frage stellen, ob die GenossInnen der RLB die Frage der Anmeldung derart stilisieren, um dem politischem Argument aus dem Weg zu gehen und gleichzeitig der Tatsache geschuldet ist, dass sie durch ihren Kurs zu dieser organisatorischen Frage an einer Spaltung des Ersten Mais maßgeblich beigetragen haben.  Der Stadtpolitische Block setzte die Frage der Anmeldung in den Fokus und sprach sich für eine Nicht-Anmeldung aus. Dem hat sich die IL in Vertretung des G20-Blocks leider angeschlossen. Wir und die GenossInnen des Jugendblocks waren hingegen für eine Anmeldung der Demonstration. Es entstand schnell der Eindruck, es ginge den GenossInnen des Stadtpolitischen Blocks nicht um eine gemeinsame Demonstration oder eine politische Debatte. Vielmehr wurden alle anderen vor vollendete Tatsachen gestellt: Plakate waren bereits gedruckt, das Konzept stand und sollte mit allen Mitteln durchgedrückt werden. Es ging nicht um eine gemeinsame Aktion und demokratische Spielregeln, sondern primär um die Durchsetzung ihrer eigenen Linie – unabhängig von Mehrheiten im Bündnis. Der Internationalistische Block und der Jugendblock hielten jedoch trotz unterschiedlicher Auffassungen an dem Ziel einer gemeinsamen Demonstration fest und schlugen verschiedene Kompromisslösungen vor. Alle Vorschläge wurden vom Stadtpolitischen Block kategorisch abgelehnt. Der Stadtpolitische Block hielt dogmatisch an ihrer Position fest und forderte, dass sich alle anderen TeilnehmerInnen unterordnen beziehungsweise sich ihrer Demonstration anschließen sollten, obwohl ihre Position keine Mehrheit hatte. Es ist schon zynisch, dass uns das 18h-Bündnis nun als „Spalter“ und „Sektierer“ darzustellen versucht, obwohl wir uns mehr als andere um eine gemeinsame Aktion einsetzten.

Dabei haben wir eine Nicht-Anmeldung nie kategorisch abgelehnt. Letztes Jahr führten wir einen Teil der Demonstration nicht genehmigt durch das MyFest durch. Der größere Teil der Route verlief dann ab dem Moritzplatz angemeldet. Letztes Jahr ging es eben darum, dass die Polizei unseren bereits beworbenen Auftaktort verweigern wollte. Es gab also einen praktischen Grund, nämlich das Demonstrationsrecht zu verteidigen!

2005 und 2006 liefen wir an der Spitze der unangemeldeten Demonstrationen durch Kreuzberg und durch das MyFest, nachdem die Polizei weitgehende Demonstrationsverbote verhängt hatte. Wir sagen das, um eines klar zu machen – die Anmeldung oder Nicht-Anmeldung ist eine taktische Frage. Es ist nicht eine strategische Frage für sich, die einen zum militanten Revolutionär macht. Es ist gerade nicht revolutionär, wenn radikale Praxis zur Phrase, zur reinen Symbolpolitik wird.

Die Freiheitsliebe: Was waren die Argumente des Stadtpolitischen Blocks zur Nichtanmeldung?

Christian Gebhardt:  Der Stadtpolitische Block sieht in der Nicht-Anmeldung einen revolutionären Akt. Sie stellt die Aktionsform und eine symbolische Zurschaustellung der Gesinnung über den Inhalt. Nach dem Motto: „Wir lassen uns vom Staat nichts geben, wir erkämpfen alles.“ Tatsächlich ist aber es so, dass die Versammlungsfreiheit auch etwas ist, das von der Linken, von unserer Klasse bereits erkämpft wurde. Dass wir in begrenztem Rahmen eine doch verhältnismäßig große Versammlungsfreiheit haben, lässt sich auch auf ein noch günstiges Kräfteverhältnis zwischen den Klassen zurückführen. Anstatt sich nun aber auf die politische Radikalisierung unserer Klasse zu konzentrieren, unorganisierte ArbeiterInnen und andere Unterdrückte wie MigrantInnen zu mobilisieren, integrieren und organisieren und damit eine gewisse politische Stärke zu erarbeiten, konzentrieren sich die GenossInnen des Stadtpolitischen Blocks auf die Symbolik der Aktion, der Wiederholung alter Glaubenssätze der Szene und auf die Selbstinszenierung der radikalen Linken als relevante und militante, politische Kraft.

Als ich aktiv wurde, gab es oft im Abendgespräch mit Autonomen das Argument, dass man die ArbeiterInnen radikalisiere, wenn man sich der Bullerei entgegenstellen würde. Das ist natürlich falsch. Es ist nicht der Kampf selbst, der radikalisiert, sondern der Kampf ist ein Mittel etwas zu erreichen. Wir müssen uns darauf konzentrieren, unsere Ziele zu artikulieren. Dann gewinnt man breitere Schichten zum Kampf. Ein Beispiel: In Gorleben haben ja nicht deswegen Zehntausende angefangen, mit den Bullen die Auseinandersetzung zu führen, weil die radikale Linke regelmäßig unangemeldete Demonstrationen in der Region organisierte, sondern weil die Leute gesehen haben „Wenn wir hier was erreichen wollen, müssen wir mehr machen als erlaubt ist.“ In diesen Situationen muss die radikale Linke ganz vorne stehen und ihre Erfahrung einbringen. Was jetzt passiert, ist lediglich Show.

Die Freiheitsliebe: Ihr argumentiert das Jugendliche und Migrantinnen und Migranten sicher eher einer angemeldeten Demonstration beteiligen, warum?

Christian Gebhardt: In der Debatte ging es uns nicht darum, dass wir glauben, dass sich diese Teile der Menschen eher an einer angemeldeten Demonstration beteiligen. Die meisten wissen oft nicht einmal, ob eine Demonstration angemeldet ist – zumindest solange nicht bis die bürgerliche Presse sich darüber das Maul zerreißt.

Es ist aber so, dass MigrantInnen und Geflüchtete mit unsicherem Aufenthaltsstatus einer real größeren Gefahr ausgesetzt sind. Was ist, wenn ein Geflüchteter abgeschoben wird, weil er auf der unangemeldeten Mai-Demonstration festgenommen wird? Das wird sich natürlich herumsprechen. Das heißt nicht, dass wir eine Demo total sicher machen können. Es ist ja der Staat, der uns angreift. Aber müssen wir es ihm auch noch legal erleichtern, das zu tun? Der Logik nach, so hat es jemand in der Debatte ganz passend gesagt, wäre es auch radikal vor Gericht nach der Festnahme auf einen Anwalt zu verzichten. Immerhin ist es ja der Staat, der einem das Recht auf einen Anwalt zugesteht.

Logischerweise haben sich daher viele migrantische Gruppierungen oder Refugeestrukturen gegen die Nicht-Anmeldung ausgesprochen. Meist aufgrund des Arguments der Sicherheit und weil sie ihre Mitglieder einer solchen Gefahr nicht aussetzen wollen. Gruppen aus dem türkischen und kurdischen Milieu haben sogar ihren Willen geäußert, notfalls eine eigene, angemeldete Demonstration zu machen. Wir als Internationalistischer Block wurden also vor die Wahl gestellt, uns einer autonom-dominierten Demo anzuschließen oder mit Jugendgruppen, anderen linken und migrantischen Gruppen auf gleicher Augenhöhe und auf demokratischer Grundlage zusammenzuarbeiten, um eine Alternative aufzubauen. Wir haben uns für letzteres entschieden. Das war der Grund, warum Gruppen aus dem Bündnis den Revolutionären Ersten Mai an anderer Stelle fortsetzten und diesen 16 Uhr am Lausitzer Platz anmeldeten.

Bündnisse und Veranstalter einer Demo haben eine gewisse Verantwortung, für eine Demo und ihre TeilnehmerInnen die besten Kampfbedingungen zu gewährleisten und taktisch günstige Entscheidungen zu treffen. Obwohl der Stadtpolitische Block unstrittig die Führung im Bündnis beanspruchte, fehlte jedes Gefühl der Verantwortung oder Sensibilität in Sicherheitsfragen für jugendliche und unerfahrene TeilnehmerInnen, für politisch Verfolgte und vor allem für Menschen ohne deutschen Pass. Daher droht die andere Seite auch die Spaltungslinie zwischen deutscher und migrantischer Linker, die wir in den letzten Jahren zunehmend am Ersten Mai überwinden konnten, wieder aufzureißen. Einige GenossInnen des Stadtpolitischen Blocks meinten gar, dass eine Anmeldung für die Refugees doch keinen Unterschied mache. Wenn ich an meine Erfahrung und die Arbeit mit afghanischen Geflüchteten denke, muss ich mich schon wundern. Und ich meine hier nicht die kleine Anzahl an Geflüchteten, welche in der radikalen Linken aktiv sind. In den Heimen und Lagern herrscht doch eine unglaubliche Angst, und um diese Angst zu überwinden, sollten wir es Bullen, Staat und Heimleitern nicht auch noch leicht machen, unsere eigene Mobilisierung zu untergraben.

Auch ganz praktisch hat die Rote Hilfe darauf hingewiesen, dass eine Nichtanmeldung die Mobilisierung mittels Plakaten sehr erschwert. Es können erhebliche Bußgelder gegen Menschen ausgesprochen werden, die aktiv für die unangemeldete Demonstration mobilisieren. Noch einmal: Manchmal muss man all das in Kauf nehmen, wenn man muss. Dies ist hier jedoch nicht der Fall!

Die Freiheitsliebe: Ist die Selbstermächtigung, die mit einer Nicht-Anmeldung einhergeht nicht ein gewichtigeres Argument?

Christian Gebhardt: Es ist korrekt, eine Demonstration nicht anzumelden, wenn dieses Recht noch erkämpft werden muss. Wenn wir gewisse Rechte wie das Versammlungsrecht, welche die ArbeiterInnenbewegung und die Linke erkämpft haben, nutzen können, tun wir das. Existiert dieses Recht, muss darum gekämpft werden, dieses gegen Übergriffe der Polizei, repressiver Polizeibehörden oder Gerichte zu verteidigen. Dass wir dazu bereit sind, hat der Internationalistische Block in den letzten Jahren von Genua bis Gorleben, von Heiligendamm bis Elmau, von Pakistan bis Palästina, von Istanbul bis Washington schon längst bewiesen.

Diejenigen, die sich über eine offene Diskussion in der Linken zu diesen wichtigen politischen Frage beschweren, scheuen sich nicht davor, absurde Geschichten und Unwahrheiten über die Vorgänge im Bündnis zu erzählen oder uns mit plumpen Verunglimpfung und Beleidigungen zu begegnen. Wir sind für einen sachlichen und öffentlichen Diskurs, damit jede Einzelperson und jede Gruppe für sich entscheidet, wessen Argumente überzeugender sind und wessen Politik zweckmäßiger ist. Hinterzimmerdebatten, intransparente Absprachen oder Konflikte in sozialen Medien sind kaum geeignet, einen sinnvollen Beitrag für die Linke zu leisten.

Die Freiheitsliebe: Was geschieht, wenn es bei den Aufeinanderprallenden Positionen bleibt?

Christian Gebhardt: Die aufeinander prall enden Positionen haben sich leider nicht auflösen lassen – trotz mehrmaligem Kompromissvorschlag und das Angebot an Zugeständnissen. Auch wenn es unwahrscheinlich und sehr spät für eine Einigung ist, würden wir es natürlich begrüßen, wenn sich der Stadtpolitische Block und der G20 Block doch noch einmal an den Tisch setzen würden. Wir setzten uns in der Vergangenheit für eine gemeinsame Demonstration ein und tun dies immer noch. Eine Lösung findet sich immer, wenn man will.

Als Zeichen dessen, dass wir unseren Kampf als gemeinsamen Kampf mit dem Stadtpolitischen Block und G20 Block begreifen, haben wir unsere Demonstration auf 16 Uhr angesetzt und führen diese zum Startpunkt der unangemeldeten Demonstration, ohne natürlich hierbei unsere politische Kritik vorzuenthalten. Wir wollen damit ein Zeichen dafür setzen, nächstes Jahr für eine gemeinsame Mai-Demonstration einzutreten. Wir glauben, dass bei allen politischen Differenzen eine Aktionseinheit möglich und sogar bitter nötig ist. Daher schlagen wir vor, allen Teilen der außerparlamentarischen, antikapitalistischen und radikalen Linken, allen Gruppen der 18-Uhr-Demo und auch den Gruppen der 13-Uhr-Demo, 2018 die Spaltung der Maibündnisse zu überwinden und gemeinsam einen großen und klassenkämpferischen Revolutionären Ersten Mai zu organisieren.

Die Freiheitsliebe: Danke dir für das Gespräch
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Erstveröffentlichung in Freiheitsliebe vom 24. April 2017, mit freundlicher Genehmigung der Redaktion
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Über den Autor: Ich habe 2009 die Freiheitsliebe gegründet aus dem Wunsch, einen Ort zu schaffen, wo es keine Grenzen gibt zwischen Menschen. Einen Ort an dem man sich mitteilen kann, unabhängig von Religion, Herkunft, sexuelle Orientierung und Geschlecht. Freiheit bedeutet immer die Freiheit von Ausbeutung. Als Autor dieser Webseite streite ich für eine Gesellschaft, in der nicht mehr die Mehrheit der Menschen das Umsetzen muss, was nur dem Wohlstand einiger Weniger dient.
Ihr findet mich auf: Facebook.
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└ Schlagwörter: Betrieb & Gewerkschaft
 Comment 
Apr.22
on 22. April 2017
Veröffentlicht in: Allgemein

Werner Hüper

USA in Deutschland

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Werner Hüper

Wenn Amis ziehen in den Krieg,
verpassen sie sehr oft den Sieg.
Zurück bleibt ein zerbombtes Land,
wie man es allzu häufig fand.
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Zur Aufbauhilfe jederzeit,
ist Deutschland immer gern bereit.
Mit Steuergeldern baut man auf,
Amerika verlässt sich drauf.
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Neuerdings bombt man mit Drohnen
durch Amis, die in Ramstein wohnen.
Missachtet auch das Völkerrecht,
den Zivilisten geht es schlecht.
.
Auch Bad Aibling ist zu nennen,
mit den vielen Funkantennen.
Müssen wir das unterstützen,
um den Militärs zu nützen?
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Was Amis tun in unserem Land,
ein gutes Ende selten fand.
Wir sind zu blöd daraus zu lernen
und sie einfach zu entfernen.
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Mehr: www.wernerhueper.de

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└ Schlagwörter: Lyrik
 Comment 
Apr.21
on 21. April 2017
Veröffentlicht in: Allgemein

Ingo Niebel

80 Jahre nach Gernika

Redaktion KFSR , 19. April 2017, No Pasaran 1-2017
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Ingo Niebel

1997 schrieb Bundespräsident Roman Herzog den Überlebenden der Bombardierung von Gernika einen Brief, in dem er ihnen die Hand zur Versöhnung reichte. Die Adressaten und ihre Nachkommen erinnern sich respektvoll dieser Geste, da von spanischer Seite nichts dergleichen geschehen ist. So bleibt die 1977 in Gernika erhobene Forderung, Madrid möge Pablo Picassos Monumentalgemälde „Guernica“ aushändigen, auch am 80. Jahrestag der Zerstörung durch die deutsche Legion Condor aktuell. Im Rückblick kann sich der deutsche Staat glücklich schätzen, dass sein Staatsoberhaupt seinerzeit zur Feder griff und so die für die (bundes)deutsche Politik beschämende Debatte um eine Versöhnungsgeste für das Verbrechen vom 26. April 1937 beendete.

Heute denken Menschen in Gernika und dem Baskenland darüber nach, wie das zukünftige Gedenken aussehen könnte. In den Jahrzehnten nach dem Tod des faschistischen Diktators Francisco Franco ging es zunächst darum, die franquistische Lüge zu widerlegen, wonach „rot-separatistische“ Basken das Symbol ihrer Freiheit selbst  angezündet hätten. Gleichzeitig konnten Überlebende sich nach Dekaden des aufgezwungenen Schweigens Gehör verschaffen. Seitdem steht Gernika für viele Verbrechen, die der faschistische Putsch vom 17./18. Juli 1936 und die deutsch-italienische Intervention erst ermöglichten. Viele Städte und Orte inner- und außerhalb des Baskenlandes erlitten ein vergleichbares Schicksal, das aber nicht so bekannt wurde.
Ebenso symbolisiert Gernika die Vernichtung der baskischen Selbstregierung. Hieraus erklärt sich der Fortbestand des politischen Konflikts des Baskenlandes mit Madrid, der zusammen mit dem Streben nach Unabhängigkeit sein Pendant in Katalonien gefunden hat.

Seit dem Ende der Franco-Diktatur verlangt die Stadt Gernika als spanische Wiedergutmachungsgeste, dass Pablo Picassos „Guernica“ seinen Platz hier finden soll.
Foto: Ingo Niebel

Die Verweigerungshaltung, die der postfranquistische Premier Mariano Rajoy (PP) gegenüber den beiden Regionen an den Tag legt, erklärt sich auch daher, dass Staat und Gesellschaft die Franco-Diktatur nur beschränkt aufgearbeitet haben. Ehrungen des Regimes gehören ebenso zur Tagesordnung wie die Tatsache, dass die Urteile der Unrechtsjustiz fortbestehen. Hinzu kommt, dass es kein „Dokumenta tionszentrum des Franquismus“ gibt, das mit der Berliner „Topographie des Terrors“ oder dem NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln vergleichbar wäre. In beiden Fällen waren es engagierte Bürger/-innen, die verhinderten, dass jene Orte nazistischer Repression und Vernichtungspolitik in Vergessenheit gerieten. Dass sich die Bundesrepublik nicht mit Ruhm bekleckerte, als es hieß, die NS-Vergangenheit aufzuarbeiten, zeigt auch die offizielle Missachtung der Spanienkämpfer/-innen und Angehörigen der Internationalen Brigaden. Diese entspricht dem „ehrenden Gedenken“ und den Renten, die die Bonner Republik Mitgliedern der Legion Condor und Francos Blauer Division zuteil werden ließ.
Da dem Franquismus sein Stalingrad und Nürnberg erspart blieben, wirken die Folgen der deutschen Intervention von 1936/1939 bis heute nach und bestimmen die Beziehungen beider Staaten. Diese Erkenntnis verpflichtet zur Hilfe bei der „zweiten Demokratisierung“ des spanischen Staates, wie sie progressive Kräfte anstreben. Bilaterales Gedenken in Kooperation mit wissenschaftlicher Forschung und politischer Arbeit können diese Entwicklung begleiten.
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Quelle:¡NOPASARAN! 1-2017

Seite 1 der ¡NOPASARAN! 1-2017: No Pasaran 1-2017_WEB Seite 1

Englisch: Leitartikel_No Pasaran 1-2017_Niebel_engl.

Spanisch: Leitartikel_No Pasaran 1-2017_Niebel_span.

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└ Schlagwörter: Allgemein
 Comment 
Apr.20
on 20. April 2017
Veröffentlicht in: Allgemein

Fiete Jensen

Danke Ernst

Neugierig

Fiete Jensen

Danke, Ernst
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„Heute verbrennt ihr meine Papierkörbe, morgen meine Hobelbänke und übermorgen steckt ihr mir das Dach überm Haus an“, schrie mich mein Lehrherr, Ernst Zwintscher, an. Und dann war da noch etwas, eine anschließende Hinzufügung, die voller Wut aus seinem Halse grölte: „Ihr Kommunisten!“
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Das machte mich, den 17-jährigen Tischlerlehrling, neugierig.
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Ich, der schon vier Tage lang an der Hobelbank stand, nicht wusste, was er machen sollte, weil wieder einmal niemand Zeit für den Azubi hatte, ergriff die Initiative und baute mit den Jungs aus dem ersten Lehrjahr neue Papierkörbe. Gebaut nach allen Regeln der Tischlerkunst, mit Zinken, Schwalbenschwanz und Politur, verteilten wir sie an die Gesellen, die uns dafür ihre alten Kisten gaben. Brennend im Späneofen erspähte der Alte die alten, er der Sozialdemokrat, selber einmal Prolet gewesen, fasste sich nach seinem cholerischen Anfall an sein Herz, bereit zu schreien: „Du schickst mir morgen deinen Vater zu mir“, und wiederholte noch einmal lautstark: „Du Kommunist!“
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Kommunisten sind also Menschen die nicht herumstehen, die die Initiative ergreifen und Jüngeren etwas beibringen?! Im Herbst des gleichen Jahres wurde ich Kandidat der Roten Garde, der Jugendorganisation der KPD/ML.

Danke, Ernst!

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Über den Autor: Fiete Jensen, Tischler, Kommunist, Mitglied in der Roten Garde und der KPD/ML (KPD), Jugendvertreter, Betriebsrat, Werftarbeiter, Berufs-Verbotener, Zwangsselbständiger, leitender Mitarbeiter in der linken außerschulische Jugendbildung, Redakteur und Webdesigner ist heute im Vorruhestand und fordert Andere mit seinen Texten und Aktionen immer wieder aus der Reserve.
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└ Schlagwörter: Lyrik
 Comment 
Apr.19
on 19. April 2017
Veröffentlicht in: Allgemein

Hüper/Wolf

Das Referendum

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Werner Hüper

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

René Wolf

Türken in Deutschland

Türken die in Deutschland leben,
sollten einfach danach streben,
Werte, die uns allen wichtig,
die auch demokratisch richtig,
als gegeben hinzunehmen
und nicht ständig abzulehnen.

Wer stimmt für Recep Erdogan
und dessen schlimmen Größenwahn,
der hat noch immer nicht gespürt,
wohin der dieses Land noch führt.
Mit der ihm gegebenen Macht
wird noch mancher umgebracht.

Das Referendum hat gezeigt,
dass hier die Mehrheit dazu neigt,
diese Macht zu akzeptieren,
doch das Volk kann nur verlieren.
Bis auf Erdogans Vasallen
schadet Diktatur doch allen.

Warum wird ein System gewählt,
in dem die Kritiker gequält,
sie rechtlos einfach inhaftiert,
die Justiz sich nicht lang ziert.
In Deutschland gibt es sowas nicht,
denn da entscheidet das Gericht.

Wer hier für Erdogan gestimmt
und deutsches Recht in Anspruch nimmt,
sollte einen Rückflug buchen
und die Diktatur versuchen!

…………………………………………..Werner Hüper, 18. April 2017

 

Der Demokrat

Gern fragt sich der Demokrat,
was er NICHT zu leiden hat.
Die Angst vor einer Diktatur
bewegt ihn zu dem heilg`en Schwur:
„Ich bleibe stets ein Demokrat.“
Selbst, wenn er nichts zu beißen hat.

Wer stets nur klein´re Übel wählt,
der hat dem Übel sich vermählt.

Die Werte bleiben wertlos, weil:
Armut ist das Gegenteil.
Wobei ja noch fast jeder unkt:
Der Mensch ist nur ein Mittel. Punkt.

………………………………………………………René Wolf, 18. April 2017.
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Mehr: www.wernerhueper.de

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└ Schlagwörter: Lyrik
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