Victor Grossman

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Victor Grossman, geb. 1928, war in den ersten Jahren, in denen Dean in Berlin wohnte, Deans Dolmetscher und wurde zu seinem Berater und Freund.

Victor Grossman, born in 1928, was Dean's interpreter in the first years, living in Berlin. He became his adviser and friend.

Dean Reed, Victor Grossman Leipzig 1971 Dean und Wiebke heiraten 1973
Victor Grossman und Jane Fonda 1974 in Leipzig Victor Grossman Victor Grossman
22. September 2007, Victor Grossman erzählt noch eine Anekdote 22. September 2007, Gruppenfoto 22. September 2007, Victor Grossman verabschiedet sich
Buchvorstellung in Berlin 27. September 2008 27. September 2008
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Beiträge auf der Dean-Reed-Website


Press review/Pressespiegel

Friedrichshainer Chronik

Besuch aus Hollywood
Der Journalist Victor Grossman

Tatra und Motokov - die alte Leuchtreklame auf dem Dach des Wohnblocks kündet noch immer von der Wirtschaftskraft der sozialistischen Bruderländer. Unten, vorm Hauseingang, die ernüchternde Gegenwart: Ein Schild warnt, dass der Privatweg nur "auf eigene Gefahr" zu begehen sei, und auf der Grünfläche klauben Ein-Euro-Jobber den Müll zusammen. Jahre zuvor konnte Victor Grossman aus seinem Wohnzimmerfenster im achten Stock die Werktätigen der Hauptstadt beobachten, wie sie an ihrem "Kampf- und Feiertag", dem 1. Mai, fröhlich winkend an der Partei- und Staatsführung vorbeidefilierten. Oder am 7. Oktober, zum Republikgeburtstag, hatte er hier, am Strausberger Platz, einen Logensitz bei der Militärparade der Nationalen Volksarmee. Von diesem Aussichtspunkt konnte er auch betrachten, wie die alten Straßenschilder ab- und die neuen angeschraubt wurden. An jenem Tag im November 1961 wohnte Victor Grossman mit seiner Frau und Sohn gerade fünf Monate in diesem Neubaublock. Aber noch zehn Jahre früher wäre es ihm völlig absurd erschienen, hätte ihm jemand prophezeit, dass er drei Viertel seines Lebens in einer Straße wohnen würde, die den Namen Stalins oder Karl Marx' trägt. Das hätte er sich in seinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können, damals in New York, als Victor Grossman noch Steve Wechsler hieß...

Boxweltmeister und Feuerbach-Thesen

Obzwar, ein tüchtiger Träumer war der Mann mit dem sympathischen Schnauzbart zeitlebens. Einer von der Sorte, die an das Gute im Menschen, an Vernunft und Gerechtigkeit glaubt, daran, dass es den Unterschied zwischen arm und reich sowie Kriege nicht geben muss.

Die Saat hatten schon die Großeltern gelegt, die Ende des 19. Jahrhunderts aus Russland ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten flüchten mussten, aus Angst vor den antijüdischen Progromen und weil der Großvater an einer Verschwörung gegen den Zaren beteiligt gewesen sein soll. Auch die Eltern waren politisch links, eben wie ein Großteil der jüdischen Bevölkerung im New York der 20er und 30er Jahre. Der Vater schlug sich als kleiner Kunsthändler durch, die Mutter arbeitete als Sozialfürsorgerin und Bibliothekarin. Trotzdem reichte das Geld hinten und vorne nicht, erinnert sich Victor Grossman, 1928 geboren. "Wir mussten zwar nicht hungern, aber ständig von einer Wohnung in die andere umziehen, weil die Miete nicht bezahlt werden konnte. In der Schule, einer hocheleganten Privatschule, schämte ich mich wegen unserer ärmlichen Wohnungen. Trotzdem schaffte ich es, die Kontakte zu meinen guten Freunden aufrechtzuerhalten, zu denen auch zeitweise der Sohn von Herbert Marcuse gehürte."

Es war also weniger politische Frühreife, die den Jungen trieb, mit 14 Jahren in die Jugendorganisation der Kommunistischen Partei einzutreten, als vielmehr anerzogene und im Leben erarbeitete Überzeugung. Nichts aufsehenerregendes seinerzeit, als die Linke in den USA ziemlich stark war, als die Kommunisten einen guten Ruf genossen, weil sie die spanische Republik gegen Franco und die Faschisten verteidigten, als sie in den Gewerkschaften und im Kampf gegen den Rassismus aktiv waren, als man in der Antihitlerkoalition gemeinsam mit der Sowjetunion gegen Nazideutschland kämpfte. In einem Krieg, in dem Vetter Jerry 1944 als US-Rekrut in der Ardennenschlacht von den Deutschen gefangen genommen und danach als Jude zu Tode geschunden wurde. Eine Zeit auch, in der es für die Amerikaner eine Genugtuung war, dass der "schwarze Untermensch" Joe Louis 1938 in einem zweiten Boxweltmeisterschaftskampf den deutschen "Herrenmenschen" Max Schmeling besiegte. Und wo Victor Grossman sich heute noch fragt, warum in den 90er Jahren eine Sporthalle in Berlin ausgerechnet nach diesem Mann, der sich von den Nazigrößen hofieren ließ, benannt und gleichzeitig eine andere abgerissen wurde, die den Namen des Antifaschisten Werner Seelenbinder trug.

Vor 60 Jahren jedenfalls war Steve für die Army noch zu jung. So konnte er 1945 sein Studium an der renommierten Harvard University beginnen, Schwerpunkt Ökonomie und Gewerkschaftsgeschichte. Aber fast mehr als die Wissenschaft und das akademische Leben interessierte ihn die politische Arbeit. Steve Wechsler wurde von einem Kommilitonen sofort als Roter erkannt, organisierte die ersten Versammlungen mit, zahlte seine 50 Cent Beitrittsgebühr und wurde Mitglied der KP-Gruppe. Doch inzwischen hatte der Kalte Krieg begonnen, Kommunisten und Sowjetfreunde wurden wieder verteufelt, und offen als einer der Reds aufzutreten, schien auch in Harvard nicht sehr klug. Zu Versammlungen musste man sich heimlich treffen, was aber dem geistigen Niveau und der Streitkultur nicht schadete. Steve war fasziniert: "Ich hatte natürlich schon von Marx, Engels und Lenin gehört, aber bislang nie eine Zeile von denen gelesen, weder die Feuerbach-Thesen noch den Anti-Dühring." Die kommunistische Studentengruppe agierte auch öffentlich, indem sie Organisationen gründete wie die Amerikanische Jugend für Demokratie oder die John Reed Society, in einer Kampagne sammelten sie in Buffalo Unterschriften für den Stockholmer Friedensappell, und man organisierte am College große Veranstaltungen, zu denen prominente Antifaschisten eingeladen wurden, beispielweise Gerhart Eisler, der dann Jahre später Grossmans oberster Chef beim Rundfunk in Berlin war.

Was Steve Wechsler seinerzeit ahnte, aber nicht beweisen konnte: Die US-Administration ließ ihre politischen Gegner systematisch bespitzeln. Erst ein halbes Jahrhundert später erhielt Victor Grossman 1.100 Seiten seiner FBI-Akte, natürlich mit vielen Schwärzungen. Denunzianten sind scheinbar auf der ganzen Welt zu Hause.

Deserteur im Trabi

1951 wurde der Wehrpflichtige Steve Wechsler zur Army eingezogen. Nach der Grundausbildung ging es über den großen Teich nach Bad Tölz, Bayern. Er wurde als Funker geschult, aber seltsamerweise in ein Autoersatzteillager abkommandiert. Im August 1952, nach 18 Monate Militärdienst, flatterte Post vom Pentagon in die Baracke: eine Liste mit allen linken Organisationen, in denen Steve jemals Mitglied war, dazu die Anschuldigung, Wechsler hätte damit gegen seinen Treueid verstoßen. Am Ende der Befehl, sich in einer Woche beim Militärgericht zu melden.

Der GI geriet in Panik. In Fernost tobte der Korea-Krieg, zu Hause in den USA stand nicht nur das Ehepaar Rosenberg wegen Atomspionage für die Sowjets vor Gericht, sondern unter der Ägide des Senators McCarthy und des Komitees für unamerikanische Aktivitäten kam es zu einer regelrechten Hexenjagd und Meinungsüberprüfung gegenüber Andersdenkenden. Klar, Steve hatte bei seiner Einberufung ängstlich gelogen, dass er niemals Mitglied in einer der etwa 120 namentlich aufgeführten linken Organisationen gewesen sei. Er kannte auch das neue Gesetz, wonach sich "alle Mitglieder kommunistischer Organisationen" umgehend bei der Polizei zu melden hätten, und die angedrohten drakonischen Strafen bei Nichtbefolgen waren ihm bewusst.

Der junge Kommunist sah nur einen Ausweg - Fahnenflucht gen Osten. Er organisierte sich einen gefälschten Urlaubsschein und fuhr mit dem Zug nach Österreich, das damals noch teilweise von der Roten Armee besetzt war. Nachts schwamm er bei Linz durch die Donau, gelangte zu den Sowjets, die ihn in ihr Hauptquartier bei Wien brachten. Nach zwei Wochen Verhör kam er über die Tschechoslowakei nach Potsdam, in die DDR. Erneute gründliche Befragung, bis er einem sowjetischer Offizier vorschlug, sich einen Tarnnamen zuzulegen, um die eigenen Spuren zu verwischen und die Verwandten in den USA nicht zu gefährden. - Victor Grossman war geboren.

Die nächste Station hieß Bautzen, allerdings nicht der berühmtberüchtigte Knast, sondern eine Auffangstelle für Deserteure aus dem Westen. Arbeit im Waggonbau, danach in einem Klubhaus. Er lernte Renate kennen, seine große Liebe, mit der er bis heute glücklich verheiratet ist. Gemeinsam gingen sie nach Leipzig, wo er Journalistik studierte. Vermutlich ist Grossman der einzige Mensch, der sowohl einen Abschluss von Harvard als auch ein Diplom der Karl-Marx-Universität vorweisen kann. Nach dem Studium Umzug nach Berlin, Arbeit im Verlag Volk und Welt an der Seite von Stefan Heyms Frau, beim Rundfunk und in der Akademie der Künste. Er spielte sogar in einem DEFA-Film eine Nebenrolle. Später arbeitete Victor Grossman als Freischaffender, schrieb Bücher und hielt Vorträge. Im bescheidenen Wohlstand ließ es sich gut leben, er war wohl der einzige Amerikaner, der Trabant fuhr.

Tom Hanks läßt bitten

Die übersichtliche Größe des kleinen Landes hatte auch zur Folge, dass Grossman oft gerufen wurde, Amerikaner zu dolmetschen oder zu betreuen, wenn diese in die DDR kamen. Etwa den kanadischen Musiker Perry Friedman, mit dem Victor dann in der Sporthalle in der Karl-Marx-Allee die Hootenanny-Veranstaltungen organisierte, woraus später die FDJ-Singebewegung wuchs. Vielleicht kam es ihm manchmal dann so vor, als ließe sich die Freiheitsliebe Heinrich Heines mit der Weltoffenheit Pete Seegers paaren. Oder die Bürgerrechtlerin Angela Davis, die durch eine internationale Solidaritätskampagne vor einem Justizmord gerettet werden konnte - ähnlich wie sich Grossman heute für den inhaftierten Ex-Black-Panther Mumia Abu Jamal einsetzt. Sie alle verkörperten "das andere Amerika", wie es in der SED-Propaganda so schön hieß. "Diesen abgedroschenen Begriff mochte ich nie", erklärt Grossman in seinem amerikanischen Akzent, lehnt sich im weinroten Liegesessel im Arbeitszimmer zurück und macht keinen Hehl daraus, dass sich sein moralisches und politisches Grundverständnis dramatisch von dem eines Nixon, Reagan oder Bush jun. unterscheidet.

1971, zur internationalen Kurz- und Dokumentarfilmwoche in Leipzig, flog sogar ein richtiger amerikanischer Rock'n'Roll- und Filmstar ein.

Mit Dean Reed, der sich für Allendes Unidad Popular und für Arafats PLO einsetzte, arbeitete Victor Grossman oft zusammen und lernte ihn gut kennen. Der Mann, den andere hinter vorgehaltener Hand als "roten Elvis" bezeichneten, hält er auch heute nicht für einen Scharlatan oder Naivling. "Dean war ein überzeugter, opferbereiter, echter Linker", meint Grossman, "einer, der zur Revolution am liebsten auf einem weißen Schimmel auf die Barrikade stürmt." Um so bestürzter war Grossman, als er 1986 von Dean Reeds Selbstmord erfuhr.

Ähnlich groß die Überraschung 18 Jahre später, als in der Karl-Marx-Allee das Telefon klingelte: Hollywoodstar Tom Hanks ließ grüßen. Er hätte die Rechte an der Verfilmung von Reeds Lebensgeschichte erworben, wolle auch Produktion und Hauptrolle übernehmen und möchte mit Victor Grossman über dessen Freund reden. Grossman hatte nichts gegen eine Audienz im Adlon. Doch es gab kein opulentes Arbeitsessen, und das Obst auf dem Tisch in der Suite sah mehr nach Dekoration aus. Dennoch kamen die beiden Männer gut miteinander aus. "Tom Hanks machte einen netten Eindruck, war aufgeschlossen und ohne Starallüren", erzählt Grossman. "Ich machte ihm aber klar, dass ich auch für viel Geld mit einem Film nichts zu tun haben möchte, der Dean lächerlich macht und die DDR verunglimpft." Nach ein paar Stunden Gespräch freundschaftliches Verabschieden, seit drei Jahren herrscht Funkstille.

Reger sind da schon die Kontakte zu den alten Studienfreunden aus Harvard. Vor allem, seitdem Grossman seine Geschichte im Frühjahr 1989 im Bulletin der Harvardabsolventen veröffentlicht hatte und seit 1994, als er es wagte, wieder in die USA zu reisen. Bereits auf dem Flughafen auf Long Island wurde er von Army-Offizieren in Zivil empfangen und auf einen Stützpunkt gefahren. Drei Stunden, dann waren alle Formalitäten erledigt, Grossman war aus der US-Army entlassen, 43 Jahre nach Dienstantritt.

Diese Story, wie auch alles übrige, hören auch die einstigen Kommilitonen gern bei ihren regelmäßigen Jahrgangstreffen in Harvard. Wenn Steve Wechsler dann erzählt - und erzählen kann er gut -, zollen ihm einige sogar Respekt. Auch dafür, dass er nicht akzeptieren mag, dass die Welt nur McDonalds, Marlboro und Mickey Mouse gehört. So verkörpert der einstige Jung- und heutige Altlinke die lebende Antithese zu Winston Churchill, der einmal gesagt haben soll: "Wer vor seinem 20. Lebensjahr niemals Sozialist war, hat kein Herz. Wer nach dem 30. Lebensjahr noch Sozialist ist, hat keinen Verstand."

Victor Grossman hat gerade ein Buch über den spanischen Bürgerkrieg geschrieben und will endlich sein Arbeitszimmer aufräumen. Geschickt schlängelt er sich an den aufgetürmten Papierstapeln auf dem Fußboden vorbei. Auf der einen Seite die Newsweek, links das Neue Deutschland. Was sonst.

Thomas Heubner

friedrichshainer-chronik.de

Der alte Ami aus der DDR

Es sollte ein Gespräch werden auf der kleinen, feinen Bühne der Peter-Hacks-Gesellschaft in der Mühlhauser Straße in Prenzlauer Berg. Ein Gespräch, bei dem zwei miteinander reden. Doch einmal am Wort, ist Victor Grossman nicht zu bremsen. Der alte Ami aus der DDR. Der einzige Amerikaner, der an der Harvard-University und an der Karl-Marx-Universität sein Diplom machte. Und er wird der einzige bleiben, da es eine Universität mit dem Namen Karl Marx nicht mehr gibt. Grossman, Jahrgang 1928, sprudelt über von Geschichte und Geschichten seiner drei Leben in den USA, der DDR und dem vereinigten Deutschland. Seine jüdischen Großeltern emigrierten aus Odessa und dem Baltikum nach Amerika, seine Eltern kamen als Amerikaner zur Welt.

Er war ein Linker, ein Roter, kam als Student mit der kommunistischen Bewegung in Kontakt - ein schweres Verbrechen im aufziehenden Kalten Krieg nach dem schrecklichen heißen. Als er 1950 zur US-Army einberufen wird und in Bayern stationiert ist, beginnt der Korea-Krieg. Weil ein Spitzel ihn verraten hat, dass er ein Roter ist, soll er sich vor einem Militärtribunal verantworten. Doch Grossman flieht, landet bei den Sowjets in Österreich, und die bringen ihn - mehr unfreiwillig - in die DDR. Er wird "richtiger" Arbeiter, studiert und ist fortan US-Publizist in Deutschland. Für alle USA-Fragen ist er der Mann in der DDR. Der wunderbare Paul Robeson, der schwarze Sänger und Bürgerrechtler mit seiner unvergleichlichen Stimme, der in der McCarthy-Ära unterdrückt und totgeschwiegen wurde, Pete Seeger, der weiße Folk-Sänger, Sympathisant der Arbeiterbewegung mit seinem Weltsong "We Shall Overcome" oder Dean Reed, der US-Schauspieler, der in der DDR lebte, sein tragischer Tod - immer war es Victor Grossman, der uns das andere Amerika nahebrachte.

Aber eigentlich wollte er ja an diesem Abend erzählen, warum die untergegangene DDR seine zweite Heimat wurde. Heimat im besten Sinne des Wortes. Sie war antifaschistisch, sozial gerecht und dem Frieden verpflichtet. Das hat ihn trotz allen Unrechts und aller Unvollkommenheit, die er sah, an der DDR festhalten lassen.

Dann war da noch die Angst, bei einer Reise in den Westen doch noch an die USA als Deserteur ausgeliefert zu werden. Erst 1996 bekam er vom US-Konsulat die Zusicherung, nicht mehr verfolgt zu werden. Seitdem reist der US-Bürger wieder in seine alte Heimat. Seine Geheimdienstakte hat er auch gelesen. 1.100 Seiten des FBI. Dummes Zeug, Privates und politisches Bekenntnis. Alles fein säuberlich gesammelt, auch als er in der DDR gelebt hat. Victor Grossman ist nicht Victor Grossman. Den Namen haben ihm nach seiner Flucht 1952 die Sowjets verpasst, um seine Familie zu schützen. Und so blieb es all die Jahre. Grossman hat sich nie um eine DDR-Staatsbürgerschaft bemüht. "Ich bin und bleibe ein Ami, auch wenn ich den größten Teil meines Lebens in der DDR zugebracht habe."

Gewählt hat er schon per Briefwahl. Aber nicht Obama, wie er freimütig erzählt. Es gibt da noch eine grüne Präsidentschaftskandidatin, die sei sehr gut. Würde es in seinem Bundesstaat New York auf der Kippe stehen, dann hätte er sich jedoch für Obama entschieden. Aber so gibt er die Stimme einer Chancenlosen.

Victor Grossman, "Ein Ami blickt auf die DDR zurück", 96 Seiten, Spotless-Verlag, 5,95 Euro

Von Peter Kirschey

Neues Deutschland, 26.10.2012, neues-deutschland.de

Der Dritte - Victor Grossman 85

Sein bürgerlicher Name lautet Stephen Wechsler. Doch Lesern dieser Zeitung und der "jungen Welt" ist er als Victor Grossman bekannt, ein Name, der sich mit seriösem, aufklärendem, parteilichem Journalismus verbindet. Ältere Leser werden ihn noch aus der Zeit vor der Wende kennen. Er war neben Dean Reed und Perry Friedman der dritte "Ami" im kleinen, sich als antifaschistisch und sozialistisch bezeichnenden ostdeutschen Staat. An diesen Staat glaubte auch Victor Grossman. Noch heute wird er nicht müde, das zu verteidigen, was die DDR für ihn interessant, attraktiv und liebenswert machte: soziale Sicherheit, Friedensgebot und Antifaschismus als Staatsdoktrin.

Als dem in Bayern stationierten GI 1952 wegen seiner linken Gesinnung und Ablehnung des Korea-Krieges das US-Militärgericht drohte, ist er über Österreich und die ČSSR in die DDR desertiert, war zunächst im VEB Waggonbau Bautzen und dann, nach dem Journalistikstudium in Leipzig, u.a. bei der englischsprachigen Zeitschrift "German Democratic Report" und Radio Berlin International beschäftigt.

Heute vor 85 Jahren ist Victor Grossman als Sohn eines Kunsthändlers und einer Bibliothekarin mit jüdischen Wurzeln im Baltikum geboren worden.

Von Karlen Vesper

Neues Deutschland, 11.03.2013, neues-deutschland.de





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Letzte Änderung: 2014-06-03