Jens Lustig

Wölfe im Schafspelz

Die alte Rechte in „neuen Kleidern“

Jens Lustig

Natürlich treten schlaue Rechte heute nicht offen auf, weil sie, wenn sie ihr wirkliches Programm offen vertreten, keinen hinter dem Ofen vorlocken würden. Sie verstecken sich hinter den Begriffen Bürgerbewegung, mündige Bürger und Volk, welches bei ihnen eine Masse darstellt und sich nicht in antagonistische Klassen spaltet. Sie wissen genau, dass zwischen Proletariat und Großkapital, eine schrumpfende, aber dennoch, vom Großkapital künstlich am Leben gehaltene, Mittelklasse steht. Solange die Linken Kräfte nicht ihrer Aufgabe gerecht wird, werden die Rechten versuchen, das diffuse Kleinbürgertum, welches zerrissen zwischen den beiden Hauptklassen schwankt als Prellbock gegen die ArbeiterInnenklasse zu wenden. Diese Zerrissenheit ergibt sich dadurch, dass sie von den Brotkrummen des großen Kapitals leben und immer wieder durch dieses ruiniert werden (daher die Radikalität, ihr nationaler Sozialismus) und anderseits, aus ihrer Rolle als Kleinbesitzer von Produktionsmitteln, als Kleinunternehmer und Profitteur von Lohnarbeit, mit ihrer Angst ins Proletariat abzugleiten, welches ja selbst schon mit einer großen „ArbeiterInnenreservearmee“ (chronischer Arbeitslosigkeit) belastet ist.

Fertig, von meinen Jungs und mir, eingerüsteter Neubau

Ich möchte einmal anhand eines Beispieles aufzeigen, worin ich eine große Gefahr für die ArbeiterInnenklasse sehe. Ich habe mit meinen bosnischen Kollegen ein Haus, in einer bayrischen Kleinstadt eingerüstet und einen 17 jährigen Jungen kennengelernt. Er ist so wie einer von vielen. Dieser hat nur mit mir gesprochen, weil er ganz spontan der Meinung war, nicht der Kapitalismus, sondern meine Kollegen seine Schuld an seiner Arbeitslosigkeit. Darum aber geht es mir in diesem Artikel nicht hauptsächlich. Der Junge hatte 130 Bewerbungen für eine Lehrstelle oder einen Job geschrieben – alle ohne Erfolg, hat null Selbstbewusstsein, nie die Chance gehabt das Arbeiten zu lernen, ist sozial total isoliert, hat nie einen Streik mit allen Kollegen durchgefochten, keine Anbindung an seine Klasse gespührt, ist nie Mitglied in einer Gewerkschaft gewesen, und, und, und. Dieser Junge fühlte sich von allen alleine gelassen und war nicht nur verbittert, sondern auch wütend. Jetzt meine Frage, wenn sich die linken Kräfte nicht gemeinsamm mit der ArbeiterInnenklasse um diesen Jungen bemüht, wer wird es dann tun? Kann die „RECHTE NICHT MIT IHREN PSEUDORADIKALEN UND ARBEITERFEINDLICHEN PROGRAMM, AUCH VON DIESER SEITE EINGANG IN DIE ARBEITERINNENKLASSE BEKOMMEN?“. Eine linke Bewegung muss immer erklären, das der Kampf gegen die Symptome zwar zeitweilig ihre Lage bessern kann aber die Lösung kann doch nur in die Überwindung des Kapitalismus sein. Diese Erkenntnis kann man nicht spontan und ausschließlich von außen vermitteln. Wir müssen heute und hier, die Sorgen und Nöte unserer Klasse ernst nehmen. Das funktioniert nicht mit Rotz-Rotz-Grütz, also nicht gemeinsam mit den Hartz-4-Parteien. Wir müssen alles dafür tun, dass es der Rechten nicht gelingt, uns zu spalten, indem sie einen Teil der ArbeiterInnenklasse gegen den anderen stellt und uns an nationalen, religiösen und sexuellen Linien spaltet. Als „Übergangsforderungen“ schlage ich vor, neben der Forderung von einer Milliardärssteuer von 25 %, einer Millionärssteuer von 10 %, einen Mindestlohn von 12 EURO, eine Mindestsicherung ohne Sanktionen von 750 Euro plus Warmmiete für alle aufzustellen. Es reicht nicht zu fordern, sondern wir müssen anfangen die Klasse um diese Forderungen zu organisieren. Ich denke das funktioniert nur, wenn wir uns unabhängig vom „Kleinbürgertum“ organisieren. Wir dürfen mit diesem nicht verschmelzen und würden uns nur als Führer des Kleinbürgertums beweisen. Wir müssen es verstehen die Gesellschaft radikal zu verändern in die Richtung der „Vereinten sozialistischen Staaten von Europa und der Welt“
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