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Medien Mosaik

– Erwin Johannes Bach: Das Wunder von Leningrad
– Peter Luisi (Regie), Flitzer

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Das Schriftsteller-Ehepaar Klaus und Aljonna Möckel war auf vielen Gebieten erfolgreich, etwa mit zwei Büchern über ihren Sohn Dan (vgl. Nr. 16/2016) oder die unter dem gemeinsamen Pseudonym Nikolai Bachnow geschriebenen acht Fortsetzungsbände zu Wolkows „Zauberer der Smaragdenstadt“. Der Name Bachnow verweist auf Aljonnas Mädchennamen Bach. Jetzt haben Möckels gemeinsam eine Broschüre über Aljonnas Vater Erwin Johannes Bach im Zeichen seines 120. Geburtstages im Oktober herausgegeben. Er starb 1961. Der Musiktheoretiker, Komponist und Schriftsteller Bach ist mit seiner einzig erhaltenen Sinfonie „Ruf an die Menschheit“, von ihm als „Sinfonisches Fresko“ bezeichnet, uraufgeführt vor einem Jahr in seiner Geburtsstadt Hildesheim, wieder in den Blickpunkt einer interessierten Öffentlichkeit gerückt. Die Erlebnisse im Ersten Weltkrieg ließen den Juden zum Kommunisten werden. Als junger Mann verfasste er sein theoretisches Hauptwerk „Die vollendete Klaviertechnik“, das in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Vor den Nazis floh er 1933 in das „Heimatland der Werktätigen“, die Sowjetunion, die neben Ehre für seine Arbeit als Musikprofessor auch viele Enttäuschungen im Zeichen der stalinschen Säuberungen bereithielt. Die schwersten Monate verlebte er mit seiner Familie nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im belagerten Leningrad, wo 1941 auch seine Tochter Aljonna zur Welt kam. Als er nach dem Krieg in der DDR lebte, schrieb er darüber den einerseits erschütternden, im Grundton aber optimistischen Text „Das Wunder von Leningrad“. Er ist das Zentrum des schmalen Bandes, der im Vorwort von Bachs verschlungenem Schicksalsweg von Deutschland in die Sowjetunion und wieder zurück erzählt, und im Anhang anhand von Briefen und anderen Dokumenten von seiner Arbeit und der kollegialen Freundschaft mit dem Komponisten Dmitri Schostakowitsch und dem Dirigenten Zoltan Fekete. Auch jüngere Forschungsarbeiten zu Bachs musikalischem Werk werden hier kurz angerissen. Doch sowohl Bachs Lebensweg als auch seine Arbeit als Autor und Übersetzer sind so spannend, dass der Wunsch offen bleibt, die Möckels würden die Kraft und wohl auch einen interessierten Verlag finden, ein Erwin Johannes Bach-Lesebuch zu veröffentlichen, das Aufschluss über das ruhelose Künstlerleben eines Linken im 20. Jahrhundert geben würde.

Erwin Johannes Bach: Das Wunder von Leningrad, Edition digital Pekrul & Sohn, Pinnow 2017, 60 Seiten, 9,80 Euro, als EBook 6,99 Euro

 

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Endlich wieder mal eine satirisch angehauchte Klamotte aus der Schweiz! Der Titel „Flitzer“ führt keineswegs zum Autorennen, sondern zu den berüchtigten Nackten, die Sportveranstaltungen stören – oder ihnen erst den richtigen Pep geben. Einem Lehrer kommen die anvertrauten Gelder für einen Sportplatz abhanden, und er kommt auf eine neue Wett-Idee: Wie lange kann sich ein Flitzer auf dem Rasen halten, bevor er vom Ordnungspersonal überwältigt wird? Die Spekulanten fahren auf diese Idee ab. Der Lehrer organisiert alles professionell, bis er fast an einer von einer Frau geführten Sonderkommission scheitert. Der Komiker Beat Schlatter hatte die umwerfende Idee und spielt selbst die Hauptrolle unter der Regie von Peter Luisi. Zusammen schufen sie einen amüsanten Familienfilm – ja, Familienfilm, denn Genitalien sind immer nur kurz zu sehen, und Kinder lernen ganz leicht, dass Nackte nicht peinlich sein müssen.

Flitzer, Regie: Peter Luisi, Schweizerdeutsch mit dt. UT, X-Verleih, seit 16.11. in ausgewählten Kinos.

Trailer

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Aus Das Blättchen, Nr. 25, vom 4. Dezember 2017, mit freundlicher Genehmigung des Autors
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Medien-Mosaik früherer Monate
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