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Medien Mosaik

– Christian Weisenborn: „Die guten Feinde – Mein Vater, die Rote Kapelle und ich…“
– Martina Krüger: „Vineta Trugbilder“
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„Es gab Putzfrauen, es gab Aristokraten, Künstler, alte Leute, junge Leute, und es gab 40 Prozent Frauen.“ So charakterisiert Stefan Roloff, Sohn des Pianisten und Widerstandskämpfers Helmut Roloff das Zusammenspiel verschiedener antifaschistischer Gruppen, die so gut aufeinander abgestimmt arbeiteten, dass ihr die Nazis den Namen „Rote Kapelle“ gaben. Christian Weisenborns Eltern Joy und Günther Weisenborn gehörten dazu und überlebten das Kriegsende im Gegensatz zu vielen anderen.

Günther Weisenborn 1946

Seinem Film über die Gruppen gab der Sohn den Titel eines Theaterstücks des Vaters, „Die guten Feinde“. Der Film konzentriert sich auf die Ehepaare Weisenborn und Harro und Libertas Schulze-Boysen, wodurch andere kurz und zu kurz kommen – Hilde und Hans Coppi kommen beispielsweise nicht vor – vielleicht, weil sie Kommunisten waren?

Ab 27. Juli im Kino

Trotzdem ist der Film mit privatem Filmmaterial, zeitgenössischen Aufnahmen und vielen Zeitzeugen fast eine Innenansicht, die zeigt, dass diese Helden eigentlich lebenshungrige junge Leute waren. Nicht verschwiegen wird Günther Weisenborns teilweise vergeblicher Kampf um Rehabilitierung der Gruppen in der Bundesrepublik, die Bemühungen der Überlebenden, den NS-Chefankläger gegen die „Rote Kapelle“, Roeder, vor Gericht zu bringen. Der konnte wie so viele andere bis zum Lebensende in der BRD eine üppige Pension beziehen.

(Die guten Feinde – Mein Vater, die Rote Kapelle und ich, Regie Christian Weisenborn, Edition Salzgeber, seit 27.7. in ausgewählten Kinos)

 

In seinem Erinnerungsbuch „Als ich ein kleiner Junge war“ schildert Erich Kästner einen Besuch an der Ostsee. „Dabei dachte er auch an Vineta. Das Meer wähnte er voller Geheimnisse, mit versunkenen Schiffen und toten Matrosen. Und die versunkene Stadt stellte er sich so vor: Nixen schwimmen durch die Straßen, glotzen in Hutläden und Schuhgeschäfte, obwohl sie weder das eine noch das andere brauchen. Komische Stadt.“

Martina Krüger

Der geheimnisumwitterten versunkenen Stadt hat Martina Krüger ein Buch gewidmet, eine Suche in Chroniken und Sagen, mit Spaten und Pinsel, in der Literatur und auf dem Theater. Sie weiß natürlich, dass sie nicht die erste Vineta-Jüngerin ist und greift verschiedene Vineta-Theorien über den besonderen Namen und die noch immer nicht geklärte Lage auf, vergleicht klug und kommt zu eigenen Schlüssen. Da das Buch reich illustriert ist, kann man es in der nassen Jahreszeit gern zur Hand nehmen und findet dann den Regen vielleicht sogar schön. Dass die Kartenabbildungen im Buch recht klein geraten sind, macht die große Karte auf dem Vorsatzpapier wett.
(Martina Krüger, Vineta Trugbilder, Nordlicht Verlag, Karlshagen 2016, 130 S., 28 Abb., 19,90 €)

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Aus Das Blättchen, Nr. 16, vom 31.7.2017, mit freundlicher Genehmigung des Autors
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