Julius Jamal

Gefangenenstaat USA – Einer von 99 sitzt im Gefängnis!

Julius Jamal

Man wirft Russland, China und dem Iran vor, dass sie Staaten sind, die die Menschen viel zu schnell inhaftieren und extrem hart gegen Regimegegner vorgehen und es stimmt auch. Doch es ist keiner dieser Staat in dem am meisten Menschen pro 100 Einwohner inhaftiert sind und es ist auch nicht China, dass die meisten inhaftierten Bürger hat, an erster Stelle in diesem trauriger Ranking liegen die USA.

Die USA mit ihrer Strafpolitik, die auf angebliche “Sicherheit”, statt auf Rehabilitierung der Gefangenen setzt. Führen diese traurige Statistik an, mit einem ungewöhnlich hohen Wert, so sitzt einer von 99 erwachsenen Amerikanern im Gefängnis. In keinem anderem Land auf dieser Welt ist dieser Wert so hoch. Die Kriminalitätsrate ist höher als die in Deutschland, allerdings bei weitem nicht so viel höher, wie die Statistik vermuten lässt. In Deutschland sitzen von 100.000 Bürgern (unabhängig vom Alter) 93 im Gefängnis, in den USA sind es mehr als 750. In Deutschland sind etwas weniger als 75.000 Menschen inhaftiert. In den USA waren im Jahre 2008 schon über 2,2 Millionen Menschen inhaftiert und das ohne die Jugendbessereungsanstalten sitzenden Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
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Schwarze sind häufiger im Gefängnis

Auffallend sind die starken Unterschiede zwischen schwarzen und weißen Amerikanern, sowie Latinos. So sitzt einer von 106 männlichen weißen Erwachsenen in einem Gefängnis, dies ein sehr sehr hoher Wert, wenn man ihn mit anderen Nationen vergleicht. Vergleicht man diesen Wert jedoch mit den Werten von erwachsenen Latinos und dunkelhäutigen Amerikanern erscheint dieser Wert noch sehr niedrig, so sitzt einer von 36 erwachsenen und männlichen Latinos in einem Gefängnis, dies ist ein unglaublich hoher Wert und zeigt die unterschiedlichen sozialen Probleme, die die Amerikaner verschiedener Herkunft haben. Allerdings sitzen im Verhältnis noch deutlich weniger Latinos in einem Gefängnis in den Vereinigten Staaten von Amerika, als dunkelhäutige Amerikaner einer von 15 männlichen dunkelhäutigen Bürgern der USA sitzt in einem Gefängnis. In der Altersgruppe von 20 bis 34 sitzt sogar jeder neunte dunkelhäutige Bürger der USA in einem Gefängnis. Die Unterschiede zwischen Latinos, weißen und dunkelhäutigen Amerikanern können nicht nur mit der meist schlechteren sozialen Situation der verschiedenen Gruppen begründet werden, sie sind in Teilen auch ein Ergebnis, dass der Diskriminierung von dunkelhäutigen Amerikanern geschuldet ist.
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Null-Toleranz-Doktrin


Foto: Pixabay

Schuld an diesen unglaublichen hohen Wert ist vor allem die sogenannte Null-Toleranz-Doktrin, diese besagt, dass sogar kleinere Strafen sehr sehr hart bestraft werden sollen, damit andere Menschen von möglichen Verbrechen abgeschreckt werden. So sind die Strafen in den USA teilweise viermal so hoch wie in Deutschland. So wird in den USA jemand, der ein zweites Mal vor Gericht steht, fast doppelt so hart verurteilt, wie ein Ersttäters. Eine Besonderheit des amerikanischen Strafsystem ist ebenfalls die Politik der “three Strikes”, diese besagt, dass ein Täter der zum dritten Mal verurteilt wird, lebenslänglich erhalten kann, auch wenn es das Verbrechen eigentlich nicht zuletzt. Dieses System führt zu einer dauerhaften Inhaftierung von Menschen, obwohl diese sich nur kleinere Verbrechen schuldig gemacht haben. Das amerikanische Rechtssystem setzt auf Abschreckung nicht auf Rehabilitierung. Dies zahlt sich allerdings nicht aus, denn die Zahl der Gefangenen hat sich in den USA seit dem 50er Jahren mehr als verzehnfacht, während die Bevölkerung um nur das 2 und halbfache gewachsen ist.Die Zahl der Gefangenen ist auch in den letzten Jahren noch gestiegen, wenn auch “nur” um durchschnittlich 2% im Verhältnis zum Vorjahr!
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Justizsystem reformieren, Kosten senken!

Eine Modernisierung des amerikanischen Rechtssystem ist unumgänglich, denn das aktuelle Rechtssystem lässt nicht nur immer größere Teile der Bevölkerung hinter schwedischen Gardinen verschwinden, es kostet die Bundesstaaten auch mehr als 50 Milliarden Dollar jährlich und dies bei steigender Tendez.

Die 50 Milliarden Dollar würden es den Bundesstaaten ermöglichen einen Schrittweisen Umbau ihrer Rechts- sowie Sozialsysteme durchzuführen, denn ein großer Teil der amerikanischen Gefangenen entstammt den weniger privilegierten, die allerdings nicht durch ein soziales Sicherungssystem abgesichert sind, wie dies in den meisten europäischen Ländern der Fall ist.

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Erstveröffentlichung in „Die Freiheitsliebe“ vom 11.02.2018.  Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers
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Über den Autor: Über den Autor: Als studierter Biochemiker hat Jacob Reimann ich ein Jahr in Nablus, Palästina gelebt und dort an der Uni die Auswirkungen israelischer Industrieanlagen auf die Umwelt und die Gesundheit der Menschen in der Westbank erforscht. Nach einiger Zeit in Tel Aviv, Haifa, Prag und Sunny Beach (Bulgarien) lebt er jetzt wieder in Israel und kennt daher „beide Seiten“ des Konflikts und die jeweiligen Mentalitäten recht gut. Soweit er zurückblicken kann ist er ein politisch denkender Mensch und verabscheut Ungerechtigkeiten jeglicher Art. Aus bedingungslos pazifistischer Sicht schreibt er gegen den Krieg an und versuche so, meinen kseinen Beitrag zu leisten. Seine Themenschwerpunkte sind Terrorismus, das US Empire, Krieg (Frieden?) und speziell der Nahe Osten.

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