Über den Satz: Die Welt ist aus den Fugen geraten

Heinz Ahlreip – 9. Januar 2023

Heinz Ahlreip

Wenn man sich heute durch die Fernsehkanäle zappt, egal ob durch deutsch – französisch – oder englischsprachige, immer wieder und immer häufiger hören wir den Satz: ‘Die Welt ist aus den Fugen geraten‘ – ‘The world has fallen apart‘ – ‘Le Monde s‘ est effondré‘. Diese von Shakespeare Hamlet in den Mund gelegten Worte zitierte Angela Merkel am 6. Dezember 2016 auf einem CDU-Parteitag in Essen und unterschlug, dass sie selbst an dem Desaster mitgewirkt hatte. Suggeriert wird heute das Ideal einer heilen Welt, die es niemals gegeben hat.  

Die kommunistische Urgesellschaft war klassenkampffrei, technisch auf einem sehr niedrigen Niveau, sie war primitiv und konnte zunächst noch keinen Überschuss über das zum Leben Allernotwendigste erwirtschaften, der ausschließlich kopfarbeitende Regierungsspezialisten von Nahrungsbeschaffungsarbeit freistellen konnte. Aber eines Tages war es so weit. Die Trennung von Hand- und Kopfarbeit war der erste Ausdruck davon, dass die Welt aus den Fugen geraten war. Es begann die Fortbewegung der Geschichte in Klassenkämpfen, die sogenannte Zivilisation mit Kriegen mit einer sich entwickelnden Technik, nicht frei von Unterbrechungen und der antike Dialektiker Heraklit hatte so Unrecht nicht, als er den Krieg als den Vater aller Dinge bezeichnete.

Man kann es nicht durchweg als negativ bezeichnen, dass die Welt aus den Fugen geraten ist. Ab 1770 geriet die Welt durch eine Dampfmaschinenrevolution aus den Fugen. “Die Bourgeoisie kann nicht existieren, ohne die Produktionsinstrumente, also die Produktionsverhältnisse, also sämtliche gesellschaftlichen Verhältnisse fortwährend zu revolutionieren. Unveränderte Beibehaltung der alten Produktionsweise war dagegen die erste Existenzbedingung aller früheren industriellen Klassen. Die fortwährende Umwälzung der Produktion, die ununterbrochene Erschütterung aller gesellschaftlichen Zustände, die ewige Unsicherheit und Bewegung zeichnet die Bourgeoise Epoche vor allen anderen aus. Alle festen eingerosteten Verhältnisse mit ihrem Gefolge von altehrwürdigen Vorstellungen und Anschauungen werden aufgelöst, alle Neugebildeten veralten, ehe sie verknöchern können. Alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht, und die Menschen sind endlich gezwungen, ihre Lebensstellung, ihre gegenseitigen Beziehungen mit nüchternen Augen anzusehen“1.

Mit nüchternen Augen müssen wir aber auch sehen, dass der Kapitalismus sich etwa ab 1900 in den Imperialismus steigerte, in sein natürliches imperialistisches Fäulnisstadium. Mit seiner höchsten Entwicklungsphase trat der Sieg des Finanzkapitals und der politischen Reaktion auf der ganzen Linie ein, der erste und der zweite Weltkrieg ergaben sich so zwangsläufig aus der Eroberungskonkurrenz. Mit den Städtenamen Hiroshima und Nagasaki ist der bisher grellste Ausdruck verbunden, dass die Welt aus den Fugen geraten war.   Heute nimmt die Gefahr eines dritten Weltkrieges nicht ab, sondern zu.

DIE KAPITALISTISCHEN ÜBELTÄTER LASSEN ES HEUTE DAHER DURCH SOZIALDEMOKRATISCH-OPPORTUNISTISCHE MÜNDER VERKÜNDEN: WIR KÖNNEN DURCH DIE WEITERENTWICKLUNG DES KAPITALISMUS WIEDER ZU EINER WELT KOMMEN, IN DER SICH DIE DINGE POSITIV ERGÄNZEN, FUGE AN FUGE.

Das ist derzeit die größte Lüge in der deutschen und internationalen Politik. Immer wieder werden Jahreszahlangaben in die Welt gesetzt: Ab 2026, ab 2030, ab 2035 …  werden diese oder jene Probleme gelöst sein. Und zwar durch die selben asozialen Elemente, die zur Profitmaximierung uns objektiv immer tiefer in den Kriegsschlamassel, in den Finanzschlamassel, in den Umweltschlamassel, in den Gesundheitsschlamassel.… hineinziehen müssen.  So können nur politische Rosstäuscher, besonders sozialdemokratischer Zunge, Scholz, Klingbeil, Heil… – es wimmelt nur so von linken und sozialdemokratischen Märchenerzählern, daherredenden Intellektuelle, denen das Wesen des Imperialismus nicht bekannt ist, und oberflächliche bürgerliche Menschen, gänzlich unfähig, die Welt mit nüchternen Augen zu betrachten.

Zugleich werden die Massen wacher. Die Zahl der Kirchenaustritte hat stark zugenommen und dem wird von marxistisch-leninistischer Seite nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt. “Der künftige Geschichtsschreiber der deutschen Sozialdemokratie wird beim Aufspüren der Wurzeln ihres schmachvollen Zusammenbruchs im Jahre 1914 nicht wenig interessantes Material zu dieser Frage vorfinden.… bis zu dem Verhalten der Partei zu der „Los-von-der-Kirche-Bewegung“ im Jahre 1913“2.

Der Sozialdemokrat Hubertus Heil fungiert als Minister für Arbeit und Soziales und plant beim Bürgergeld bei angeblicher Arbeitsverweigerung, die Arbeitslosen sind oft psychisch kaputt und motivationsgestört, eine Sperre von zwei Monaten. Ja, ja – es ist schon richtig, wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen, aber diesen Satz der Arbeiterbewegung darf man nicht gegen die vom System kaputtgemachten Ärmsten der Armen richten, sondern gegen die prassenden und sich vollfressenden Schmarotzertiere des Kapitals, das das Kommando über unbezahlte Mehrarbeit führt. Wir haben es also bei Heil mit einem asozialen Knecht des Kapitals, nicht mit einem sozialen Demokraten zu tun. Ein asozialer Volksfeind als Minister für Arbeit und Soziales. Eine der Bestimmungen der Dialektik bei Hegel lautet, dass sie das Studium des Gegensatzes zwischen Wesen und Erscheinung sei, hier ist der Minister die Erscheinung, der Volksfeind das Wesen.

Traditionell galt die Erscheinung als das sich bewegende Moment, das Wesen als stabil. Die Dialektik als Methode der Erforschung des Widerspruchs im Wesen der Dinge selbst lehrt die Bewegung auch des Wesens als seine Selbstbewegung. Das Wesen muss erscheinen, es wäre und bliebe sonst unwesentlich. Immer wieder zeigt sich, dass kleinbürgerliche Sozialdemokraten ihre perfiden Aggressionen gegen die da unten richten und u. a. deshalb hatte Stalin recht, sie als gemäßigte Faschisten zu denunzieren.

Wir haben oben von Marx und Engels vernommen, dass nur das Proletariat die Welt mit nüchternen Augen betrachtet. Die aus der Kirche ausgetreten Massen nähern sich dem aber an. Die im Bundestag vertretenen Parteien spiegeln die Wirklichkeit falsch wider, weil sie auf Klassenkooperation untereinander und auf Bürgerkrieg gegen das eigene Volk setzen, statt auf Klassenkampf von unten.  Heute kann man es an fünf Fingern abzählen, dass die Welt immer mehr aus den Fugen nach bürgerlichem Maßstab gerät.

Zwar hat der Imperialismus auf gewissen Gebieten (Digitalisierung, Künstliche Intelligen.…) noch Potential, das aber von dekadenten Elementen (Massenverelendung, finanziell und psychisch so gut wie im Gleichklang, brutalsten Egoismen, Analphabetismus, kleinbürgerlicher Verzweiflung, Inflation, Rowdytum, das in letzter Zeit enorm zugelegt hat, desgleichen die Kriminalstatistik, ruppiger gereizter Umgang untereinander, Messerstechereien um die besten Bettelplätze, Drogenkonsum, politische Verdummung in Schulen und Universitäte.…) überlagert wird. Wir steuern auf eine Mord- und Totschlaggesellschaft zu, die heute im imperialistischen Fernsehen schon vorgezeichnet ist und auf die vorbereitet wird. Zu jeder Tages- und Nachtzeit gibt es Leichen am laufenden Band und die Lehrkräfte in den Schulen erklären, Staat, Krieg und das gegenseitige Totschießen auf dem Schlachtfeld gehören zu den Selbstverständlichkeiten unseres Daseins. Es sei immer so gewesen, Amen. Die Kinder wachsen in einem Milieu der faschistischen Perversion auf. Verrohung der Sitten, Kinder töten Kinder, ich schreibe doch bereits über die Gegenwart und nicht über die Zukunft. So ist Pornografie bereits jedem Kind zugänglich, das mit 13 Jahren vor dem Computermonitor durch Anklicken von ‘Yes‘ statt ‘No‘ bestätigt, dass es 19 Jahre alt ist.

Millionen und Abermillionen Menschen werden obdachlos, hungernd, frierend und bettelnd auf dem Land und in den großen Städten in Deutschland ziellos umherirrend, die Töpfe der Suppenküchen werden nur zu einem Viertel gefüllt sein, in jeder großen Stadt wird jeder Papierkorb ununterbrochen durchwühlt werden, Hungertote in  den Gefängnissen, Szenen wie nach dem zweiten Weltkrieg werden sich schon vor dem dritten abspielen, Kliniken werden Seltenheitswert bekommen, Gesundheit wird ein Luxus der Reichen sein, afrikanische Hungerregionen werden gleich um die Ecke liegen, ein großes Rentnersterben wird einsetzen, Kinder aus finanziellen Gründen nicht mehr gezeugt werden, Arten und Vegetationen werden aussterben. Dagegen werden Millionen Euros ausgegeben für ein ganzes Heer von Schönschreibern und Schönrednern, für sittlich total verwahrloste Intellektuelle.  

Dass aber der Imperialismus als eine Dekadenzphase immer barbarischer wird, zwei Weltkriege haben es bereits aufgezeigt, liegt in der Natur der Sache. Es ist ein objektiver Vollzug und keine Politiker, seien sie auch noch so genial, keine Generäle können gegen diese naturgeschichtliche Tsunamiabwärtsbewegung an.  Der Kapitalismus unterliegt wie jede ökonomische Formation in der Geschichte dem Vorübergehen als Gesetzmäßigkeit von Entstehung, Entwicklung, Existenz und Untergang. Die Bundeswehr wird technisch exzellent waffenstrotzend dastehen und glänzen und die Parlamentarier werden vollgefressen verdauend in ihre Sitze furzen. Aber man darf nicht auf der politischen Ebene stehenbleiben. Wir brauchen nur noch diesen politischen Vorhang wegziehen, und was müssen wir erblicken? Eine gigantische Bereicherungsorgie von einigen wenigen Kapitalmagnaten, deren Anzahl nach Marx ständig abnimmt, die wahren Volksfeinde. Es gilt also, den ökonomischen Kern herauszuschälen, der hinter den politischen Fassaden, hinter dem Wortgeprassel der bürgerlichen Politiker versteckt liegt, das ist eben der Auftrag einer marxistisch-leninistischen Aufklärung im Sinne einer Analyse. 

Diese Polarisierung wird zwangsläufig auf einen Bürgerkrieg der schrecklichsten Art hinauslaufen, mit Dutzenden von Millionen Toten, in dem ein Teil der Bourgeoisie zum Proletariat überlaufen wird. Das Kleinbürgertum wird schwanken wie eh und je. Der Sieg des Proletariats im Bündnis mit den kleinen Bauern entscheidet nicht nur über das Wohl und Wehe des deutschen Volkes, sondern über seine existentielle Zukunft.  Das westeuropäische Proletariat wird einsehen, dass seine privilegierte Stellung im Weltproletariat dahinschmilzt und es sich ummodeln muss, vom Reformismus und der Inflation nachhinkenden Tarifabschlüssen zur Gretchenfrage: Wer wen?  Wir gehen stürmischen Zeiten entgegen, die den großen Vorteil mit sich bringen, die national-konservative Ideologie des In-einem-Boot-Sitzens, die natürlich immer mehr beschworen werden wird, ein Kitt, der nicht halten wird, endgültig zu zertrümmern.  Das ist die Vorbedingung in den Köpfen, um mit einem gesellschaftlichen System abzurechnen, das kein anderes Schicksal verdient hat, als auf Massenbasis, durch systematischen kollektiven Terror von unten mit Feuer und Schwert ausgerottet und niedergebrannt zu werden.  Lenin übergab uns das Vermächtnis eine Partei zu sein, die trotz aller Schwankungen um sie herum ihren Weg genau kennt. Die Bewaffnung des Proletariats – das ist unser Hauptaugenmerk.

Anmerkungen:

  1. Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Werke, Band 4, Dietz Verlag Berlin, 1960, Seite 465
  2. Lenin, Staat und Revolution, Werke, Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1960, Seite 464

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1 Kommentar

  1. An die Redaktion Arbeit-Zukunft:
    Nochmals sei erwähnt das in eurem AZ-Beitrag zum 100. Todestag Lenins am 21.1. 2024, bei der Darstellung des Imperialismus nicht der Kern der Sache herausgearbeitet worden ist. Imperialismus bedeutet ökonomisch primär den Umschlag der freien Konkurrenz ins Gegenteil, in das Monopol. Das ist das Wesen des Imperialismus in allererster Linie. Unglaublich – aber es bleibt unerwähnt.
    Im Übrigen ein Text von weniger als eine halbe Seite und das auf Seite 12, der letzten!. Der Text ist sogar kleiner geraten als das schwwarz/weis Großbild auf der 1. Seite. Man sollte Euch das Blatt um die Ohren hauen.

    rG Heinz

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