Volkskorrespondent

Dagmar Henn
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Die Östereicher haben „Glück“

Dagmar Henn

Der angehängte Artikel benennt eine einfache Wahrheit, die in Deutschland immer verdrängt wird, wenn von Renten die Rede ist: Die Armen zahlen die Renten der Reichen….

Nun aber die für Deutschland nötigen Ergänzungen: Im Artikel wird die österreichische Armutsgrenze mit 1.238 Euro für eine einzelne Person benannt. Nach dieser Definition dürften 70% der deutschen Rentner arm sein. Wie günstig, dass die Armutsgrenze im Nachbarland BRD nur bei 781 Euro liegt. Also nicht, dass das Leben hier so viel günstiger wäre als in Österreich. Im Gegenteil, dank des dort völlig anderen Mietrechts und eines (insbesondere in der Stadt Wien) hohen Anteils gemeinnützigen Wohnungsbaus zahlen die Österreicher im Schnitt deutlich weniger Miete als die Deutschen.

Nein, die Armutsgrenze in der BRD liegt so viel niedriger, weil die Bevölkerung insgesamt deutlich ärmer ist!
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Wie das?

Die Armutsgrenze liegt, laut EU-Regeln, bei 60% des Medianeinkommens. Das Medianeinkommen ist der geometrische Durchschnitt, also jener Wert, unter dem die Hälfte der Einkommen liegt. Wenn man die Armutsgrenze auf das Medianeinkommen umrechnet, liegt dieses in Österreich bei 2063 Euro, in der BRD aber bei kläglichen 1301 Euro; das ist noch knapp über der österreichischen Armutsgrenze….

Dieses Zahlenverhältnis zeigt zwei Dinge auf einmal: Zum einen, dass eine am Median (nicht am Durchschnitt) bemessene Armutsgrenze bei fallenden unteren Einkommen dazu führt, dass die Armut sich selbst verschwinden lässt, weil der Maßstab nicht der Reichtum der Gesellschaft insgesamt ist, sondern nur die Lebensverhältnisse der unteren Hälfte. Zum anderen, dass wir endlich das Ausmaß des Elends in dieser Republik ernst nehmen sollten.

Die Hälfte der Bevölkerung hat ein Einkommen von maximal 1.301 Euro? Siebenhundert Euro weniger als unsere österreichischen Nachbarn?
Wie lange dulden wir diese Räuber noch über uns?

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