Neue Angriffe auf die Renten!

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Redaktion RoterMorgen – 30. September 2025

Die Regierung kürzt bei den Ärmsten, zwingt Millionen Rentner in Armut und will sie bis ins Grab schuften lassen – ein Generalangriff auf die Rente zugunsten des Kapitals.

Während der Kanzler vom „Herbst der Reformen“ spricht, dürften sich zahlreiche Menschen in Deutschland bereits Gedanken darüber machen, wie sie im Herbst und Winter ihre Heizkosten stemmen werden. Dies gilt vor allem für diejenigen Teile der Bevölkerung, die Merz mit seinem „Reformeifer“ ins Visier genommen hat. Zu ihnen gehören insbesondere die etwa 22 Millionen Rentner.

Mehr als 1,26 Millionen von ihnen, die Grundsicherung beziehen, um ihren Lebensunterhalt zu decken, sind im kommenden Jahr von einer Nullrunde beim Bürgergeld betroffen. Dies hat Sozialverbände wie den Paritätischen Wohlfahrtsverband auf den Plan gerufen, der das zuständige Arbeitsministerium im August aufforderte, den Regelsatz von derzeit 563 Euro im Monat an die steigenden Lebenshaltungskosten anzupassen. Doch ohne Erfolg. Das Ministerium, das von der SPD-Vorsitzenden Bärbel Bas geführt wird, blieb hart und zog seinen Plan durch, gerade auf Kosten der ärmsten Rentner zu sparen.
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„Aktivrente“ als Aufschlag zu längerer Lebensarbeitszeit?

Die Nullrunde beim Bürgergeld dürfte nur ein Vorgeschmack auf weitere Angriffe auf die Renten sein. Zunächst haben sich Union und SPD auf die Einführung der sogenannten „Aktivrente“ ab 2026 geeinigt. Arbeiter sollen ab dem gesetzlichen Rentenalter die Möglichkeit erhalten, monatlich bis zu 2000 Euro steuerfrei hinzuzuverdienen. Laut Aussagen der Koalition solle dies das Arbeiten im Alter attraktiver machen und dem Fachkräftemangel entgegenwirken.

Die Mobilisierung zusätzlicher Arbeitskräfte für das Kapital ist derzeit eines der Hauptmotive bei der Rentenpolitik der Regierung. Schon jetzt herrscht in zahlreichen Branchen trotz Wirtschaftskrise ein Mangel an Arbeitskräften. In den kommenden zehn Jahren könnten dem Arbeitsmarkt noch einmal 3,5 Millionen weniger Erwerbstätige zur Verfügung stehen. Die Lösung sehen Kapital und Regierung in der Mobilisierung Millionen älterer Menschen.

Das Motiv dafür, Rentner in großer Zahl wieder in die Erwerbstätigkeit zu bringen, ist vor allem die um sich greifende Altersarmut in Deutschland. Denn die gesetzliche Rente reicht immer weniger zum Bestreiten des Lebensunterhalts. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung lag die durchschnittliche gesetzliche Rente im Jahr 2023 bei gerade einmal 1102 Euro. Gut 80 Prozent der Rentner erhielten demnach im Monat 1800 Euro netto oder weniger.

Besonders Frauen sind im Alter von Armut bedroht. Sie erhalten im Durchschnitt nur 930 Euro Rente, Männer dagegen 1431 Euro. Davon lassen sich häufig weder Wohnungsmieten in den Städten bezahlen, noch die gestiegenen Kosten für Energie und Lebensmittel. Also sollen Rentner noch so lange arbeiten gehen, bis es gesundheitlich nicht mehr geht. Das ist die zynische Logik hinter dem Konzept „Aktivrente“.

CDU-Wirtschaftsministerin Katharina Reiche möchte darüber hinaus, dass die Deutschen insgesamt mehr und länger arbeiten. Es könne „auf Dauer nicht gut gehen, dass wir nur zwei Drittel unseres Erwachsenenlebens arbeiten und ein Drittel in Rente verbringen“, erklärte die frühere Lobbyistin und brachte im gleichen Zug eine Rente mit 70 ins Spiel. Aktuell steigt das Rentenalter noch bis 2031 schrittweise auf 67 Jahre. Da Arbeiter in vielen Berufsgruppen, zum Beispiel mit erhöhter körperlicher Belastung, nicht so lange durchhalten, wirkt sich die Steigerung des Rentenalters in der Realität häufig als Rentenkürzung aus.
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Rente nur auf Bürgergeld-Niveau?

Das hauseigene Forschungsinstitut der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch will sogar noch weiter gehen als Reiche und hat im August eine Studie vorgelegt, in der neben der Rente mit 70 eine radikale Umstrukturierung der gesetzlichen Altersvorsorge gefordert wird. Statt der bisherigen gesetzlichen Rente solle es im Alter nur noch eine Basisrente geben, die für alle Rentner gleich sein und knapp oberhalb des Bürgergeldniveaus liegen solle. Daneben sollen alle „Geschenke“ wie die Rente mit 63 und andere Vorruhestandsprivilegien gestrichen werden.

Die so entstehende Lücke bei den Rentenbezügen solle durch einen massiven Ausbau der betrieblichen Altersvorsorge und Steuererleichterungen für Kapitalerträge gefüllt werden. Zudem sieht das Rentenkonzept der Vermögensverwalter es als „Lösung für Deutschland“, wenn die Basisrente perspektivisch vollständig aus Steuern bezahlt werden würde.

Denkt man diesen Vorschlag zu Ende, würde das bedeuten, dass Unternehmen keine Rentenabgaben mehr für ihre Beschäftigten zahlen müssten, obwohl die Versorgung im Alter eigentlich ein klassischer Lohnbestandteil ist. Die Renten würden stattdessen vollständig aus Steuermitteln bezahlt werden, was einer Lohnsenkung gleichkäme. Zudem würden die finanziellen Mittel, die bisher in die Rentenversicherung geflossen sind, über die betrieblichen Rentenprogramme an Versicherungen, Banken, Wertpapiermärkte und damit privates Kapital umgeleitet werden.

Dass solche Vorschläge von Vermögensverwaltungen kommen, ist nicht weiter verwunderlich. Das Privileg, das in der Studie nicht näher thematisiert wird, ist ansonsten die Tatsache, dass Unternehmer, Selbständige, Beamte und zahlreiche andere gut situierte Gruppen bisher nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen mussten.
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Kampf um die Rente

Zu niedrige Renten und Altersarmut von Arbeitern sind nichts anderes als eine indirekte Erscheinungsform von Lohnsenkungen. Alle genannten Rentenpläne sind nichts anderes als Versuche, Geld von den Arbeitern zu nehmen und an das Kapital zu verschenken.

Europaweit kommt es im Zuge geplanter Rentenreformen immer wieder zu heftigen Klassenkämpfen, so in diesem Jahr bereits in Belgien und Frankreich. Auch in Deutschland wäre es nur konsequent und wirksam, der Regierung den „Herbst der Reformen“ durch einen „Herbst der Streiks“ zu verhageln.

 

Grundlage dieses Artikel ist die Ausarbeitung von Thomas Stark, die heute auf PERSPEKTIVE online erschien. Wir danken dem Genossen für seine Gute Arbeit. Eine Weiterveröffentlichung des Textes ist gemäß einer Creative Commons 4.0 International Lizenz ausdrücklich erwünscht. (Unter gleichen Bedingungen: unkommerziell, Nennung der verlinkten Quelle (»RoterMorgen«) mit Erscheinungsdatum).

 

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