Nein zu Olympia – Ja zu sozialer Gerechtigkeit und echtem Breitensport

Gastbeitrag von Zeki Gökhan – 17. April 2026

Zeki Gökhan
Ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestages für die Fraktion DIE LINKE

Die Debatte um eine mögliche Olympiabewerbung im Ruhrgebiet zeigt vor allem eines: Große Prestigeprojekte werden weiterhin als Allheilmittel verkauft – während die alltäglichen Probleme vieler Menschen ungelöst bleiben.

Olympische Spiele werden von politischen Entscheidungsträgern gern als Motor für Entwicklung, Investitionen und internationale Sichtbarkeit dargestellt. Doch ein genauer Blick auf vergangene Austragungsorte – von Olympische Spiele 2004 in Athen bis Olympische Spiele 2016 in Rio de Janeiro – zeigt ein anderes Bild: explodierende Kosten, öffentliche Verschuldung, Verdrängung sozial Schwächerer und Infrastruktur, die oft nur kurzfristig genutzt wird.

Auch im Ruhrgebiet stellt sich die zentrale Frage: Wem nützen diese Spiele wirklich?

Während Milliarden in Stadien, Sicherheitskonzepte und Eventlogistik fließen, kämpfen viele Kommunen weiterhin mit unterfinanzierten Schulen, maroden Sporthallen und einem öffentlichen Nahverkehr, der längst an seine Grenzen stößt. Gerade der Breitensport – also das, was den Alltag von Kindern, Jugendlichen und Vereinen prägt – profitiert erfahrungsgemäß kaum von solchen Großereignissen. Was fehlt, sind dauerhaft nutzbare Investitionen: in Schwimmbäder, Trainingsplätze, Jugendangebote und barrierefreie Sportstätten.

Hinzu kommt die strukturelle Rolle des Internationales Olympisches Komitee: Eine Organisation, die hohe Anforderungen stellt, aber kaum finanzielle Risiken trägt. Die Kosten hingegen bleiben bei der öffentlichen Hand – also letztlich bei der Bevölkerung. Gewinne werden privatisiert, Risiken sozialisiert.

Die aktuelle Protestbewegung gegen Olympia im Ruhrgebiet ist deshalb kein Ausdruck von Fortschrittsfeindlichkeit, sondern von wachsendem Bewusstsein. Viele Menschen stellen berechtigt infrage, warum öffentliche Gelder in kurzfristige Mega-Events fließen sollen, während soziale Infrastruktur vernachlässigt wird. Es geht um Prioritäten: bezahlbarer Wohnraum statt Luxushotels, funktionierende Krankenhäuser statt temporärer Prestigeprojekte, nachhaltiger Nahverkehr statt einmaliger Eventlogistik.

Ein weiterer kritischer Punkt ist die ökologische Dimension. Großveranstaltungen dieser Größenordnung bedeuten massive Eingriffe in bestehende Strukturen, hohen Ressourcenverbrauch und zusätzlichen CO₂-Ausstoß – selbst dann, wenn sie als „nachhaltig“ vermarktet werden. Der Begriff Nachhaltigkeit wird hier oft politisch instrumentalisiert, ohne den realen ökologischen Fußabdruck ehrlich zu bilanzieren.

Eine sozial gerechte Perspektive auf Sportpolitik würde anders aussehen: Sie würde Sport als öffentliches Gut begreifen – zugänglich für alle, unabhängig von Einkommen, Herkunft oder Wohnort. Sie würde langfristig investieren, statt kurzfristig zu inszenieren. Und sie würde demokratisch entscheiden, statt milliardenschwere Projekte von oben durchzusetzen.

Deshalb gilt: Ja zum Sport. Ja zum Breitensport. Ja zu Investitionen in die Menschen vor Ort.
Aber: Nein zu Olympia – wenn es auf Kosten der Vielen geht und dem Nutzen der Wenigen dient.
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