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Discography/Diskografie/Discografia

Dean Reed

LP-Cover

Vokal-Quartett "Ulybka"

Orchester des Moskauer
Estraden-Theaters
Dirigent: Oleg Schimanowski

DDR Amiga 8 55 304/1973

Cover
Cover

Mit dieser "Melodia"-Aufnahme hat DEAN REED (USA) seine Amiga-Premiere!

Wer ist eigentlich Dean Reed, den wir mit 16 Titeln vorstellen? Er ist Sänger, Schauspieler und Vertreter des progressiven Amerika; außerdem eines der 25 Mitglieder der Kulturkommission des Weltfriedensrates. Also eine ausgeprägte Persönlichkeit, ein Mensch mit Herz, Geist, viel Charme, gesundem Optimismus und voller Überzeugungskraft. - Und natürlich mitreißend auf der Bühne oder im Gespräch.

Einst - in den 60er Jahren - war er der Rock'n'Roll-Star Nr. 1 in Südamerika. Heute, gereift, tritt er auf und nimmt Partei für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Fortschritt.

Seine Palette reicht von Schlagertiteln (Eloise, Maria, Yesterday) über lyrische Songs, Chansons, Folkloretitel bis zu Protestsongs (die klassischen Beispiele Guantanamera, We Shall Overcome) und zum ausdrucksvollen Lied (Things I Have Seen), in dem das harte Schicksal der Menschen in Ländern mit reaktionären Regimes ergreifend geschildert wird. Dieser Titel, wie auch das politische Lied "We Are The Revolutionaries", stammen in Text und Musik aus der Feder von Dean Reed. Das gleiche gilt für den einstigen Top-Hit "Our Summer Romance". Dean schrieb eine Fülle von Songs, unterschiedlich in Stil und Aussage, die er in seinen Konzerten teils zur Gitarre, teils mit Orchesterbegleitung singt.

Sein Lebensweg? Er hört sich fast an wie ein Roman.

Geboren wurde er am 22.9.1938 in Denver/Colorado als zweitältester von drei Brüdern. Sein Vater war Professor für Mathematik. Aufgewachsen ist er auf einer kleinen Ranch. Als Cowboy zähmt er wilde Pferde und gewinnt mehrmals Preise bei Cowboy-Spielen. Als Sportbegeisterter erzielt er - voll zäher Energie - mit erst 17 Jahren einen Marathonlaufrekord: 110 Meilen (175 km) in 22 Stunden in einer Höhe von 2400 Metern ü.M. Es folgt ein zweijähriges Studium für Meteorologie an der Universität von Colorado. Um seine Ausbildung zu finanzieren, singt er zur Gitarre in Lokalen...

Über einen Unbekannten, den Dean aus Gefälligkeit während einer Ferienreise in seinem Auto mit nach Hollywood nimmt, kann er Kontakte zur berühmten Schallplattenfirma "Capitol" knüpfen. Und das Naturtalent Dean Reed überzeugt! Der Student wird Sänger. Ein Siebenjahresvertrag wird abgeschlossen. Plötzlich entdeckt ihn auch die Filmgesellschaft "Warner Brothers". Er nimmt Unterricht bei dem Schauspieldozenten PATON PRICE. Der im Studentenmilieu spielende Film "Guadalajara" entsteht und erringt 1964 beim Festival in Acapulco zwei erste Preise.

1962-1965 Nach Schallplattenerfolgen - darunter der Top-Hit "Our Summer Romance" (Text/Musik: Dean Reed) geht er auf Konzerttournee. Vier Jahre singt und lebt er in Lateinamerika: in Argentinien, Mexiko, Peru, Venezuela, Brasilien und Chile. Die Schallplattenbilanz dieser Jahre: 9 Singles in den USA, 4 in Mexiko, 3 LP und 10 Singles in Argentinien, 1 LP und 11 Singles in Chile, 1 LP in Venezuela und 3 Singles in Spanien. Der Künstler - einst nur Pop-Sänger - geht mit seinen Freunden auf die Straße, macht sein Lied zur Waffe, protestiert gegen den Rassismus in den USA und gegen den ungerechten Krieg in Vietnam und startet eine Zeitungskampagne (1962) gegen die US-Atomtests. Er beweist seine Gesinnung durch die Tat. Wo immer er gastiert und lebt, singt er auch vor Kranken, vor alten Menschen, vor Kindern, vor Gefängnisinsassen, denn "das ist die moralische Pflicht eines Künstlers". Er stellt die Gagen seiner Konzerte und Schallplatten der Weltfriedensbewegung und anderen fortschrittlichen Vereinigungen zur Verfügung.

Dean Reed über diese Zeit: "Politisch aufgerüttelt durch meinen Lehrer Paton Price, der für seine fortschrittliche Gesinnung zwei Jahre im Gefängnis saß, erkannte ich die soziale Ungerechtigkeit, die Unfreiheit, die krassen Gegensätze zwischen Arm und Reich. Daraufhin lernte ich Spanisch, um so den Menschen in Südamerika näher zu kommen und ihr Verbündeter zu werden."

1965 Dean Reed ist einer von 2000 Delegierten, die aus 128 Ländern zum Weltfriedenskongress nach Helsinki kommen. Er vertritt die progessiven argentinischen Künstler. Entscheidend für ihn werden die ersten Kontakte mit sowjetischen Persönlichkeiten der Friedensbewegung. Für seinen politischen Reifungsprozess werden neue Akzente gesetzt. Dean Reed gelangt zu festen, progessiven weltanschaulichen Standpunkten. Nach einem Fernsehinterview, das Dean Reed mit Valentina Tereschkowa auf dem Weltfriedenskongress in Helsinki macht und das anschließend vom argentinischen Fernsehen ausgestrahlt wird, beschießt man seine Wohnung in Buenos Aires und schickt Drohbriefe and die Fernseh- und Funkdirektion. Er wird nicht mehr beschäftigt und muss Argentinien verlassen.

1966 Dean Reed übersiedelt nach Rom und widmet sich der Filmarbeit. Er übernimmt Hauptrollen in 12 Spielfilmen - hauptsächlich Western-Filme. Auch in Italien arbeitet er aktiv mit den progessiven Kräften zusammen.

1970 Dean ist in Moskau Gast des sowjetischen Friedenskomitees anlässlich des 100. Geburtstags Lenins. Der prominente Künstler ist ein enger Freund und Verbündeter des sowjetischen Volkes. Schon seit 1967 führten ihn Gastspiele in die größten Städte der SU, nach Moskau, Leningrad, Wolgograd, Tbilissi, Kiew und Nowosibirsk. Jedesmal folgen Funk- und Fernsehproduktionen. Seine bisherige "Melodia"-Bilanz: 3 LP und 10 Singles mit einer Auflage von rund 4 Millionen Platten.

Im gleichen Jahr beteiligte er sich aktiv am Wahlkampf in Chile und unterstützte den Kandidaten der Volksfront Dr. Allende. Er zog zur US-Botschaft in Santiago und wusch dort die US-amerikanische Flagge. Er wollte damit symbolisch auf das Blut des vietnamesischen Volkes, der Negerbevölkerung seines Landes und all der Völker, die unter von den US-Imperialisten unterstützten reaktonären Diktaturen zu leiden haben, aufmerksam machen. Für diese mutige Tat wurde er eingesperrt. Seine Arretierung zeigte dem ganzen chilenischen Volk, dass die damalige Regierung im Auftrage der US-amerikanischen Botschaft handelte.

1971 Nach vier vergeblichen Einflugversuchen nach Argentinien gelingt ihm nach einer gefahrvollen Reise durch den Dschungel von Uruguay aus der Grenzübertritt. Unmittelbar nach seiner Ankunft gibt er eine Pressekonferenz, auf der er die Militär-Diktatur in Argentinien aufs schärfste verurteilt. Er wird verhaftet. Das argentinische Volk fordert jedoch energisch seine sofortige Freilassung und entfaltet eine breite Protestbewegung. Nach 20 Tagen wird er aus der Haft entlassen und ausgewiesen.

Im November des gleichen Jahres kommt er als prominenter Delegierter des Weltfriedensrates zur 13. Internationalen Dokumentar- und Kurzfilmwoche nach Leipzig. Er, der charmante und parteiliche Künstler, tritt zum ersten Mal in der DDR auf. Wie bei all seinen Konzerten singt er nicht nur auf der Bühne, sondern auch im und mit dem Publikum. Er ist im Rundfunk zu hören und mach eine Fernsehsendung. "Red Dean" - der rote Dean - wie ihn die US-Presse charakterisiert, gewinnt neue Freunde in der DDR.

1972 Der Weltfriedensrat beruft den jungen Amerikaner, der seit 1967 Mitglied der Weltfriedensbewegung ist, in seine Kulturkommission. Bei der DEFA erfolgt die Verpflichtung als singender Schauspieler für die Hauptrolle in dem Film "Aus dem Leben eines Taugenichts" nach Eichendorff.

Ingeborg Stiehler (1973)

Dean Reed über sich und seine Kunst:
"Ich liebe ein Repertoire, das so breit, so reich und so farbig wie das Leben selbst ist."
"Die Kunst, das Lied - sie müssen stets Waffe sein."
"Es reicht nicht aus, nur Lieder zu singen, Gedichte zu schreiben oder Bilder zu malen; es ist darüber hinaus erforderlich, aktiv am Kampf für den Weltfrieden teilzunehmen und seine Kunst, sein Leben all denjenigen Menschen zu widmen, die für ihre nationale Befreiung und Unabhängigkeit eintreten."
"Meine Lieder sind Liebeslieder - Lieder, in denen die Liebe zur Natur, zu den Kindern und Frauen und zu allen wahren Menschen und die Sehnsucht nach Frieden besungen wird. Sie sind Lieder des Protests gegen alles Unmenschliche."

Lable 1
Lable 2

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Mich persönlich beeindruckt auf dieser Platte vor allem die Cover-Version des Chansons "Yesterday When I Was Young", in dem Dean Reed beweist, dass er wirklich singen konnte - auch in den höheren Tonlagen, wobei er gewiss nie die Ambition hatte, ein zweiter Caruso zu sein. Ich denke, dass vor allem solche gefühlvollen Balladen seiner Stimme sehr entgegen kamen, denn in schnellen Liedern wirkte sein Gesang auf mich immer sehr hart. So mochte ich mich z.B. mit dem Titel "Wounded Knee in 73" nie wirklich anfreunden, obgleich der Text sehr engagiert ist. Deshalb enthält das AMIGA-Debüt mit "I Did It My Way" eine (in meinen Ohren) weitere bemerkenswerte Ballade, die dem Sänger Dean Reed ungemein schmeichelt, ohne schnulzig zu wirken.

Erstaunlich ist allerdings, dass Dean diese Lieder, die über ein langes, erfülltes Leben reflektieren, interpretierte, als er selbst gerade mal Anfang 30 war. Nur zum Vergleich: Charles Aznavour war zum Zeitpunkt seiner Aufnahme 46 und Frank Sinatra bereits 54.

Harmonica, 2. September 2007

Als 1973 diese erste Porträt-LP von Dean Reed auf AMIGA erschien, hatte der "rote Elvis" schon einiges hinter sich. Angefangen hatte er als "normaler" Rock'n'Roll-Sänger mit bescheidenen Erfolgen in seinem Heimatland USA, später kam die Schauspielerei hinzu. Großen Zuspruch erhielt seine Musik vor allem in Südamerika, wo er als Pop-Star gefeiert wurde. Ausgedehnte Tourneen folgten, bei denen Reed vor immer größerem Publikum auftrat. Gleichzeitig schärfte sich sein Blick für Missstände und Ungerechtigkeiten in der Welt und er begann, seine Reputation und seine Kunst zunehmend für politische Zwecke einzusetzen.

Er demonstrierte für Menschenrechte, protestierte gegen den Vietnam-Krieg und gegen US-amerikanische Atomwaffen-Tests. All dies tat er mit Inbrunst und Überzeugung. Doch dies allein unterschied ihn noch nicht sonderlich von anderen Kollegen (wie z.B. Bob Dylan). Erst seine Kontakte zur und öffentliche Auftritte in der Sowjetunion ließen ihn für Geheimdienste und Polizei interessant werden. Er siedelte nach Italien über, spielte dort in vielen Filmen kleine und große Rollen, bevor er seine Karriere in der Sowjetunion fortsetzte, wo er Schallplatten besang und Konzerte gab. 1970 engagierte er sich in Chile aktiv im Wahlkampf der Volksfront Dr. Allende, wusch vor der US-Botschaft in Santiago de Chile symbolisch ein Sternenbanner, um auf all die unschuldigen Opfer der Militärpolitik seines Heimatlandes aufmerksam zu machen und verurteilte nach heimlichem Grenzübertritt auf einer Pressekonferenz in Argentinien die dortige Militärdiktatur.

Die daraus resultierenden Gefängnisaufenthalte machten Reed für die sozialistischen Machthaber zu einer Art Märtyrer und einer wichtigen Propagandafigur und so war es nur folgerichtig, dass der "abtrünnige US-Boy" schließlich auch in der DDR auftauchte, wo er zunächst auf der "13. Internationalen Dokumentar- und Kurzfilmwoche für Kino und Fernsehen" in Leipzig auftrat. Rundfunkproduktionen, eine Fernsehsendung und ein Spielfilm ("Aus dem Leben eines Taugenichts") folgten, bevor Dean Reed mit dieser Produktion von "Melodija" (UdSSR) auch auf AMIGA debütierte.

Die Platte beinhaltet einen durchaus repräsentativen Querschnitt aus Reeds damaligem Programm. Das reicht von bekannten Schlager- und Hit-Titeln wie "Eloise" und "I Did It My Way" über internationales Liedgut aus den Ländern, in denen er bisher gelebt hatte, Standards aus der Friedensbewegung ("Guantanamera", "We Shall Overcome") bis zu eigenen Kompositionen, die sich in Musik und Text in den vorgegebenen Rahmen einfügen. Dabei kommt es gelegentlich vor, dass Reeds Interpretation in Sachen Inbrunst und Pathos ein wenig über's Ziel hinausschießt und auf den unbedarften Zuhörer unfreiwillig komisch wirkt. Als Beispiel sei an dieser Stelle die reedsche Variation des sowjetischen Pionierliedes "Пусть всегда будет солнце (Immer lebe die Sonne)" genannt. Wer derartiges zu tolerieren gewillt ist, bekommt jedoch ein aussagekräftiges Stück Weltmusik eines wahrhaft authentischen Kosmopoliten auf Englisch, Spanisch, Italienisch und Russisch präsentiert, das in dieser Form einzigartig ist und endlich auch hierzulande auf CD wiederveröffentlicht gehört.

Wie die Geschichte Dean Reeds weiterging und schließlich durch Suizid endete, ist nicht zuletzt durch den sehr empfehlenswerten Film "Der Rote Elvis" zur Zeit wieder greifbares Thema. Vor diesem Hintergrund empfehlen wir, die bewegende letzte Strophe des Liedes "Things I Have Seen" (Komposition & Text: Dean Reed) einmal zu verinnerlichen und wirken zu lassen:
        "I hope before I leave this earth
        that I'll be able to find
        a land where the people love instead of hate
        a land that I can call mine"
Die Hoffnung nahm er mit ins Grab... (kf)

Redaktion "Deutsche-Mugge.de", 01.09.2007

LP-Cover gespiegelt

Anhand dieses Plattencovers lässt sich gut demonstrieren, woran man erkennen kann, ob ein Foto von Dean richtig oder seitenverkehrt gedruckt wurde. Dean trug den Scheitel stets auf der linken Seite. Wenn er also - wie auf dieser LP - rechtsgescheitelt abgebildet wurde, heißt das, dass das Foto - absichtlich aus gestalterischen Gründen oder versehentlich - spiegelbildlich zu sehen ist.

Ein anderes Beispiel ist diese Romanzeitung.

Auch in dem Buch Rock'n'Roll Radical sind etliche Fotos seitenverkehrt abgedruckt.

Andrea, webmaster@deanreed.de, 01.09.2007

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Letzte Änderung: 2011-05-30