Fiete Jensen

Nachruf auf Ewald Arndt
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Ewald Arndt
2. September 1933 bis 4. Dezember 2017

Am 4. Dezember ist der Kieler Genosse Ewald Arndt nach einer langen,
schweren Krankheit, im Alter von 84 Jahren, in Hamburg verstorben.

Genosse Ewald stammt aus einer kämpferischen, kommunistischen Arbeiterfamilie deren männliche Mitglieder allesamt den schweren Beruf des Steinhauers ausübten. Er trat schon im Alter von 15 Jahren in die Freie Deutsche Jugend (FDJ) und in die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) ein. Nachdem er den Beruf des Kaufmanns erlernt hatte, fuhr Ewald als Heizer zur See. Er wollte lieber arbeiten und anpacken wie Arbeiter es müssen, statt sich am Schreibtisch mit Buchhaltung und Kalkulationen zu befassen. Dennoch wurde ihm nach 10 Jahren bei der christlichen Seefahrt das ewige von zu Hause fernbleiben zu beschwerlich und er fand Arbeit bei der Deutschen Bundesbahn, wo er ebenfalls als Heizer, diesmal auf Dampflokomotiven, arbeitete. 1972 endete die Ära der Dampflocks in Schleswig-Holstein und Ewald kümmerte sich fortan im Bahnbetriebswerk Kiel um die Fahrzeugreinigung. Als Gewerkschafter und revolutionärer Kommunist setze er sich unaufhörlich, in allen Betrieben in denen er arbeitete, für die Klasseninteressen seiner Kollegen/-innen ein. Bevor Ewald im fortgeschrittenen Alter einen Job als Hausmeister annahm, war er einige zeitlang arbeitslos. Der Sommer nahm seinen Abschied und der Heizöltank in Ewalds Haus musste gefüllt werden. Dafür beantragte er einen Zuschuss beim Arbeitsamt, weil das gezahlte Arbeitslosengeld nicht reichte. Der Antrag wurde abgelehnt, Ewald legte Widerspruch ein und kämpfte für sein Recht. Doch nur für sich und seine Familie zu kämpfen war nicht seine Art. Er gründete Kiels erste Arbeitsloseninitiative und kämpfte fortan zusammen mit vielen anderen Arbeitslosen für die Verbesserung ihrer Lage. Der Kampf war erfolgreich, doch das Einlenken des Arbeitsamtes hatte einen Hacken: Der beantragte Zuschuss wurde überwiesen, doch als Ewald hörte, dass es eine einmalige Zahlung an ihn sein sollte und alle anderen Bedürftigen keinen Anspruch haben sollten, überwies er die Summe zurück und verzichtete.

1956 verbot das Bundesverfassungsgericht der BRD die KPD. Viele Genossen und Genossinnen schreckte dies nicht ab und sie arbeiteten wie Ewald im Untergrund für ein vereintes, sozialistisches Deutschland und den Sturz des Kapitalismus. Als nach dem 20. Parteitag der KPdSU (1956), auch die KPD begann, ihre revolutionäre Linie zunehmend aufzugeben, unkritisch die Linie des Chruschtschow-Revisionismus übernahm und sich opportunistisch dem Druck des Kapitals anpasste, gehörte Ewald zu den Genossen, die in der KPD die revolutionären Positionen vertraten und verteidigten.

Er war aktiv dabei, als sich die Rote Garde Kiel/Marxisten-Leninisten mit hunderten von vorwiegend jungen Arbeiterinnen und Arbeitern organisierte. Sein Haus in der Kiel-Gaardener Eisenbahnersiedlung wurde zu einem Zentrum für zahllose junge Genossen/-innen, die von seinen Erfahrungen lernen wollten. Begierig griffen viele seine, oft und gern weitergegebenen Erfahrungen aus den militanten Kämpfen der KPD, besonders aber auch der FDJ, vom Weltjugendtreffen in Berlin, Hauptstadt der DDR, 1951, aus dem Kampf gegen die Wiederbewaffnung der BRD 1952, aus dem Kampf für die Befreiung Helgolands und dem Kampf gegen das Verbot der FDJ in der Bundesrepublik Deutschland (1953) auf. Ewald hielt beharrlich die Erinnerung an den 1952 in Essen von der Polizei erschossenen jungen Kommunisten Philipp Müller wach. Oft endeten die Treffen damit, dass gemeinsam revolutionäre Lieder der Arbeiterbewegung, begleitet von Ewald auf dem Schifferklavier, gesungen wurden.

Aus dieser Zeit stammt folgende kleine Anekdote: Die Eheschließung zweier junge Genossen/innen geriet in Gefahr. Die beiden waren stolz darauf das Ewald gerne ihr Trauzeuge sein wollte. Doch auf dem Standesamt wurde die Trauzeugen nach ihren Berufen gefragt. Ewald antworte stolz mit „Arbeiter“. Der Standesbeamte meinte das das kein Beruf sei und er das nicht schreiben könne. Ewald erklärte das Arbeiter sehr wohl ein Beruf ist und diskutierte so lange mit dem Standesbeamten, bis dieser, er meinte aus Zeitgründen, einlekte.

Nachdem sich die Rote Garde Kiel/ML der Kommunistischen Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten (KPD/ML) angeschlossen hatte, war Genosse Ewald auch dort aktiv und immer vorantreibend tätig. In Norddeutschland hat er vielen jungen Genossen/-innen Mut zum Kampf gemacht und fehlte auf keiner Demonstration, Veranstaltung und Kundgebung.

Neben der Jugendarbeit lag ihm die Arbeit in der 1974 wieder gegründeten Rote Hilfe Deutschlands (RHD) besonders am Herzen, deren Gründungsmitglied er war. Dort engagierte er sich und steuerte, insbesondere Ende der 70er Jahre viele Impulse aus dem Blickwinkel der marxistisch-lenininistischen Weltanschauung hinzu. Auch als Antifaschist war Ewald, u. a. durch seine Mitarbeit im Arbeitskreis Asche-Prozess, auch bei jungen Antifaschisten ein gern gesehener Diskussionspartner.

Als zu Beginn der 80er Jahre in der KPD (vormals KPD/ML) der Opportunismus und Trotzkismus ständig mehr Einfluss bekamen, gehörte Ewald zu denjenigen, die massiv diese Entwicklung, die vor allem vom entarteten ZK ausging, angriff. Er unterstützte die Marxisten-Leninisten in der KPD und nahm lebhaft Anteil an ihrem Kampf. Über all die Jahre begleitete er den Kampf um den Erhalt einer marxistisch-leninistischen Partei und um deren Wiederaufbau mit seinen Ratschlägen und Ideen. Auch als er gesundheitlich nicht mehr aktiv dabei sein konnte, war sein Herz und Verstand auf unserer Seite, bis zum Schluss sorgte er sich um den Kampf und die Zukunft der Jugend! Sein unaufhörliches Studium der Klassiker des Marxismus-Leninismus und die Werke anderer Genossen gab ihm bis ins hohe Alter immer wieder Kraft, auch seine Krankheiten zu ertragen. Selbst, wenn der Genosse Ewald derweil den ganzen Tag im Bett liegen musste, Marx, Engels, Lenin, Stalin und der Genosse Enver Hoxha waren immer dabei.

An dieser Stelle sei auch Dank an seine Ehefrau, der Genossin Inge ausgesprochen, die Ewald immer den Rücken frei gehalten und hinter den Kulissen vieles geregelt hat, von dem Ewald gar nicht so viel mit bekam. Dank für ihre unzerbrechliche Liebe, ihre Geduld, aber auch für ihre Konsequenz im Umgang mit Ewald, der aufgrund seiner chronischen Erkrankung nicht immer ein leichter Diskussionspartner war.

Lasst uns den Genossen Ewald nie vergessen und in seinem Geist für eine starke marxistisch-leninistische Arbeiterpartei kämpfen!

Ich erinnere mich an viele Treffen der Roten Garde (Jugendorganisation der KPD/ML) in zahlreichen Sälen Kieler Gaststätten, die in den 70er und 80er Jahren immer Freitags abends stattfanden. Wenn wir unsere Themen abgeschlossen hatten, es schon 22 Uhr war und eigentlich alle nach Hause gehen konnten, dann ging die Tür auf und der Genosse Ewald lachte uns, mit seinem Schifferklavier unter dem Arm, entgegen. Die Nächte wurden lang, wir sangen alle Lieder der Arbeiterbewegung hoch und runter und Ewald gab den Takt vor. Eines seiner Lieblingslieder das er nie versäumte zu singen was das Thälmannlied, das hier noch einmal zu Ewalds Ehren erklingen soll.

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Die Trauerfeier fand am 15. Januar 2017 in der Kapelle des Friedhofes Finkenriek in Hamburg-Wilhelmsburg statt. Ewalds Urne wurde auf einem anonymen Grabfeld beigesetzt.
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Fiete Jensen, 8. Januar 2018