Redaktion RoterMorgen – 21. Oktober 2025
Die Proteste in Berlin und anderen Städten zeigen breite Empörung über die rassistischen Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz. Doch Kritik an einzelnen Aussagen reicht nicht aus. Wer den Rassismus eines Kanzlers thematisiert, muss zugleich die Klasseninteressen benennen, die solche Hetze antreiben. Hoffnungen auf Selbstläuterung der Herrschenden sind trügerisch. Der Antirassismus der Arbeiterklasse muss organisiert und mit dem Kampf gegen Kapital und Patriarchat verbunden werden.
Proteste gegen Hetze und Spaltung

Am Wochenende riefen antirassistische Initiativen in mehreren Städten zu Demonstrationen auf. In Kiel protestierten schon aufgerufen von Fridays for Future (FFF) am vergangenen Mittwoch Schüler und Studenten. In Berlin versammelten am Dienstag sich rund 7.500 Menschen am Brandenburger Tor. Auf Schildern waren Sprüche zu lesen wie „Rassismus ist ein Problem im Stadtbild“, „Töchter für ein buntes Stadtbild“ oder „Wir haben kein Stadtbild-Problem, sondern ein Rassismus-Problem“. Zudem ertönten Rufe wie „Wir, wir, wir sind das Stadtbild“ und „Wir, wir, wir sind die Töchter“. Auf der Bühne kritisierten Redner Merz’ Aussagen und forderten Entschuldigungen. Auch Parteien wie die SPD beteiligten sich. Viele forderten, der Kanzler solle „verbindender“ auftreten. Doch die Frage bleibt: Kann ein Kanzler, der den Staat im Interesse des Kapitals führt, überhaupt anders handeln?
Merz und der Rassismus des Systems
Merz erklärte jüngst, Migranten prägten das Stadtbild zu stark, und verband dies mit Kriminalität, Drogen und Obdachlosigkeit. Diese Aussagen sind kein Zufall. Sie dienen der Spaltung und lenken von den wahren Ursachen sozialer Probleme ab – der kapitalistischen Ordnung. Wenn Armut, Unsicherheit und Verdrängung zunehmen, braucht die Regierung Sündenböcke, um den Unmut von den Profiteuren des Systems abzulenken.
Warum Aufklärung nichts ändert
Viele hoffen, Merz könne sich „bessern“, wenn er sich mehr „informiere“. Doch Rassismus ist keine Frage der Bildung, sondern ein Werkzeug der Macht. Er stabilisiert die Herrschaft der Wenigen über die Vielen, indem er die Arbeiterklasse spaltet. Wer die Macht des Kapitals sichern will, braucht Spaltung – nicht Verständigung.

CDU, AfD und der wahre Gegensatz
Wenn Merz die AfD als „Hauptgegner“ bezeichnet, bedeutet das nicht, dass er Antifaschist wäre. Sein Gegensatz zur AfD beruht nicht auf Werten, sondern auf Interessen. Die CDU vertritt jenen Teil der Bourgeoisie, der auf NATO, EU und transatlantische Bindungen setzt. Die AfD sucht teilweise andere Bündnisse, etwa mit Russland. Es geht also nicht um Rassismus oder Humanismus – es geht um geopolitische Ausrichtung im Dienste des Profits.
Antifaschismus von unten
Wer gegen Rassismus, Patriarchat und Faschismus kämpft, darf nicht auf moralische Einsicht der Regierung hoffen. Diese Kämpfe müssen von unten geführt werden – in Betrieben, Schulen und Stadtteilen. Der Schutz vor rechter Gewalt und die Verteidigung der Würde der Menschen dürfen nicht von denselben Institutionen abhängen, die täglich soziale Ungleichheit verwalten.
Klare Schlussfolgerung: Klassenkampf statt Vertrauen
Merz steht auf der Seite der Ausbeuter. Seine Hetze spaltet die Arbeiterklasse und sichert die Macht des Kapitals. Wer Veränderung will, muss organisieren und handeln – nicht appellieren. Der Kampf gegen Rassismus ist Teil des Kampfes gegen das System, das ihn hervorbringt.
Geduld und Organisation statt Illusionen
Falsche Hoffnungen lähmen. Der notwendige Kampf gegen Unterdrückung erfordert Ausdauer und Bewusstsein für die eigenen Kräfte. Nur die organisierte Arbeiterklasse kann Rassismus, Ausbeutung und Krieg überwinden. Es gibt keinen „besseren“ Kanzler innerhalb dieses Systems – nur den entschlossenen Widerstand dagegen.
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