Redaktion RoterMorgen – 29. Oktober 2025
Vor der Küste Venezuelas zieht der US-Imperialismus seine Truppen zusammen. Flugzeugträger, Bomber und Spione sollen angeblich den Drogenhandel bekämpfen – in Wahrheit aber Druck auf die Regierung Maduro ausüben. Hinter den „gutgemeinten Absichten“ steht einmal mehr das alte Ziel: Kontrolle über Öl, Einfluss und Macht in Lateinamerika.
Drohkulisse in der Karibik
Die Vereinigten Staaten haben ihre militärische Präsenz vor der Küste Venezuelas in den letzten Wochen massiv ausgebaut. Nach Luftschlägen auf angebliche Schmugglerboote kreuzen nun neun Kriegsschiffe, zwei B-52-Bomber, ein atomares U-Boot und mehrere Tarnkappenflugzeuge in der Region. Neu hinzugekommen ist der gigantische Flugzeugträger „Gerald R. Ford“, Symbol amerikanischer Kriegsindustrie und imperialer Macht. Rund 4.500 Soldaten und 90 Kampfjets stehen dort bereit – offiziell für den „Kampf gegen den Drogenhandel“.
Doch wer die Geschichte kennt, weiß: Wenn die USA von „Sicherheit“ sprechen, geht es selten um die Sicherheit anderer Völker.
Die Lüge vom Drogenkrieg
Die Regierung Trump versucht, ihre militärischen Manöver mit dem angeblichen Kampf gegen den Drogenhandel zu rechtfertigen. Laut Trump rette jedes zerstörte Boot „25.000 amerikanische Leben“.
Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Der größte Teil der in die USA geschmuggelten Drogen stammt nach Angaben der eigenen Behörden aus Mexiko, nicht aus Venezuela. Das südamerikanische Land spielt im internationalen Schmuggel nur eine untergeordnete Rolle.
Noch heuchlerischer wirkt die Behauptung, wenn man an die Vergangenheit denkt: In den 1980er und 1990er Jahren organisierten US-Geheimdienste selbst den Transport von Tonnen kolumbianischen Kokains über venezolanisches Territorium. Die Doppelmoral ist offensichtlich.
Der wahre Grund: Öl und Einfluss
Hinter der „Antidrogenpolitik“ steht in Wahrheit die alte Strategie des Imperialismus: Kontrolle über Rohstoffe, Einflusszonen und Regierungen. Venezuela besitzt eine der größten Ölreserven der Welt und unterhält enge Beziehungen zu Russland und China – ein Dorn im Auge Washingtons.
Der venezolanische Politologe William Serafino nennt die US-Behauptungen ein „lateinamerikanisches Äquivalent zu den imaginären Massenvernichtungswaffen“, mit denen der Irakkrieg begründet wurde.
Invasion oder Inszenierung?
Ob es tatsächlich zu einer militärischen Eskalation kommt, ist ungewiss. Trump deutete zwar an, dass Bodenoperationen möglich seien, genehmigte sie bisher aber nicht. Wahrscheinlicher ist, dass die USA versuchen, durch Druck, Geheimdienstoperationen und gezielte Destabilisierung einen „Regimewechsel“ herbeizuführen – wie so oft in Lateinamerika.
Die CIA soll bereits im Land aktiv sein. Ziel: Analyse der politischen Lage, Vorbereitung subversiver Maßnahmen, womöglich der Sturz von Präsident Maduro. Solche Methoden sind altbekannt – von Chile bis Nicaragua.
Skepsis bleibt angebracht
Auch wenn die Gefahr eines offenen Krieges besteht, ist der Widerstand gegen eine US-Intervention groß. Über 60 Prozent der US-Bevölkerung lehnen laut einer YouGov-Umfrage eine Invasion ab. Selbst Teile der Republikanischen Partei warnen vor neuen „endlosen Kriegen“.
Doch der Imperialismus handelt nicht nach dem Willen des Volkes, sondern nach dem der Konzerne und Militärs. Die Arbeiter in den USA wie in Venezuela zahlen am Ende denselben Preis.
Fazit
Die US-Aggression vor Venezuela ist kein Kampf gegen Drogen, sondern ein weiterer Akt imperialistischer Einschüchterung. Öl, Einfluss und geopolitische Macht bestimmen das Handeln der herrschenden Klasse in Washington.
Der Kampf gegen den Imperialismus bleibt eine internationale Aufgabe – nüchtern, entschlossen und ohne Illusionen.
Eine Weiterveröffentlichung des Textes ist gemäß einer Creative Commons 4.0 International Lizenz ausdrücklich erwünscht. (Unter gleichen Bedingungen: unkommerziell, Nennung der verlinkten Quelle (»RoterMorgen«) mit Erscheinungsdatum).
Antworten