Gisela Steineckert

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Gisela Steineckert, geb. 13.05.1931, ist eine deutsche Lyrikerin und Schriftstellerin, die einige deutsche Songtexte für Dean Reed schrieb bzw. nachdichtete. Neben dieser Arbeitsfreundschaft gab es auch zahlreiche Begegnungen, die auf ihrer Funktion als Mitglied (seit 1979) bzw. Präsidentin (seit 1984) des Komitees für Unterhaltungskunst der DDR beruhten. In dieser Funktion nahm sie auch an der Trauerfeier 1986 sowie an der Namensgebung der Dean-Reed-Schule 1987 teil.

Gisela Steineckert 26. September 2009 26. September 2009
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Autogramm Autogramm 26. September 2009 26. September 2009

Gisela Steineckert kokettiert in der LVZ-Kuppelhalle mit ihrem Leben

"Jetzt stehen wir erstmal auf." Halb ist es Geste, halb scheint es Gisela Steineckerts Trick zu sein, den Raum zu erobern. So begrüßen sie und Moderator Thomas Tenzler also noch einmal, nun stehend, am Donnerstagabend in der ausverkauften Kuppelhalle der LVZ ihr überwiegend weibliches Publikum, das freilich nicht erobert werden muss. Schon vor Beginn der Lesung schreibt Steineckert Autogramm um Autogramm. Nach knapp zwei Stunden viele weitere.

Die Autorin ist mit vertrauten Büchern ("Alt genug, um jung zu bleiben", "Die blödesten Augenblicke meines Lebens"), Gedichten und frischen Manuskripten gekommen, sie hat die gelebten Jahre im Gepäck, 69 sind es im Mai, Jahre, mit deren Menge sie genauso kokettiert wie mit den Erfahrungen, die sie ihr bescherten. Da ist neben dem Glück(lichsein) und der Liebe das Alter ihr Thema.

45 Bücher und 3.600 Liedtexte habe sie geschrieben, ihr größter Stolz gilt Dirk Michaelis' Ballade "Als ich fortging", von der es 27 Cover-Versionen gebe, und Jürgen Walters "Clown sein". Ach ja, um Männer geht es natürlich auch. Um Harald Juhnke und Georg Preuße, die auch den "Clown" sangen, um Dean Reed, Mikis Theodorakis, Victor Jara Künstler, mit denen sie als Präsidentin des Komitees für Unterhaltungskunst arbeiten durfte. "Ich habe so kluge, tapfere Männer gekannt, und ich habe große, berühmte Arschlöcher getroffen." Und da ist der eine Mann, mit dem sie 1973 zusammenkam, in Leipzig ihrer "Schicksalsstadt", und nun seit 37 Jahren verheiratet ist.

"Ich bin jetzt alt genug, um jeden Menschen umarmen zu dürfen, wenn ich das möchte", sagt sie, alt genug, eine Party verlassen zu dürfen, wann sie will, nicht mehr verzeihen zu müssen.

"Ich habe immer gewusst, dass ich mindestens einen Himmel stürmen will." Das ist ihr gelungen, und davon erzählt sie in den Prosastücken und Versen, den Anekdoten darin und dazwischen. "Wir sind hier unter uns, da kann man auch frech werden", verbündet sie sich mit den Zuhörern im Gefühl gegenseitiger Zuneigung.

Das zementiert sie in poetischen Sequenzen "Eines Tages will ich eine Katze haben und die Zeit, ihr ähnlich zu sein." In Zuspitzungen "Alle Künstler sind unerträglich." In Relationen "Es gab im Trabant, vergessen wir das nicht, keine Gurte." Im Selbstbewusstsein "Ich war jung in der DDR, habe gelebt, geliebt, habe Erinnerungen, die sind voller Zorn und Erinnerungen an Lachen, an Normalität. Wir können vieles, aber wir können nicht alles falsch gemacht haben." Applaus. Ein Beifall übrigens, der sie "demütig" mache davor, dass sie "weiter leben und weiter arbeiten kann."

Das Stück, das Gisela Steineckert zeigt, heißt Gisela Steineckert. Sie beherrscht es virtuos, spielt die Texte aus dem Hut und mit den Erwartungen des Publikums zum gegenseitigen Vergnügen. "Ich denke, dass Leute auf die Welt kommen, um genau das zu tun, was in ihnen angelegt ist. Die einen wegen der Widerstände, die anderen trotz der Widerstände."

Doch es gibt keine Ostlaunigkeit ohne Schattenfragen. Nein, eine Staatsnähe lasse sie sich nicht vorwerfen, ihre Funktionen waren alle ehrenamtlich. Sie hatte "mit der Stasi nichts zu tun und von ihr keinen Kummer." Auch wenn es zum reinen Jubel selten Grund gebe, steht ihr Werk für sie ein. "Ich bin froh, wenn ich mit mir leben kann."

Leipziger Volkszeitung 09.04.2010

Jubel der Woche: Steineckert, Berger, Bulgakow

Vor 65 Jahren gab es bei Gisela Steineckert zwei freudige Ereignisse kurz hintereinander: Zunächst wurde ihre erste Tochter Kirsten geboren, und wenige Tage später beging sie ihren 20. Geburtstag. Am Freitag wird die Dichterin, in deren große Fußstapfen auch Kirsten Steineckert trat, 85 Jahre alt. Gefeiert wird aber nicht nur zu Haus bei Kaffee und Kuchen, sondern vor allem auf der Bühne des Capitol in Königs Wusterhausen. Hier tritt Gisela Steineckert mit Dirk Michaelis auf, der mehrere ihrer Lieder interpretierte. "Als ich fortging" mit Dirks Melodie und ihrem Text gehört zu den Lieblingen der Poetin - vielleicht auch, weil die vielen Coverversionen ihr einen finanziell angenehmen Lebensabend sichern? Sie hat es verdient. Wie vielen Hörern und Lesern hat sie aus dem Herzen gesprochen, wie vielen Mut gemacht, sie zum Weiterdenken animiert. Sie hat nicht nur viele Bücher geschrieben, vor allem solche, die sich sensibel mit dem Leben der Frauen in der neuen Gesellschaft beschäftigten, sondern war eine gefragte Texterin von Songs. Anfangs arbeitete sie mit dem Oktoberklub zusammen, wo sie Jürgen Walter kennenlernte. Bis zu seinem aktuellen Album schrieb sie immer wieder grandiose Texte für ihn. Auch Veronika Fischer, Frank Schöbel und Dean Reed interpretierten ihre Texte eindrucksvoll.

Die damalige Präsidentin des Komitees für Unterhaltungskunst der DDR war ein kleines, für viele sogar in ihrer metaphernreichen Sprache liebenswertes Stück der Macht und hatte Einblicke in die Befindlichkeiten der "Großen" der Staatsmacht. Als denkende Künstlerin konnte sie unterscheiden, sah die "Flügel" oder gar "Fraktionen", die es in der SED immer gab, von denen aber nicht gesprochen werden durfte. Nach 1990 gehörte sie nicht zu denen, die nur "Asche auf mein Haupt" riefen. Sie kritisierte, was kritikwürdig war, und hielt zu denen, die eine bessere, aber linke Republik wollten. Ob sie immer gerecht war? Wem gelingt das schon! Sie scheute und scheut nicht die Auseinandersetzung, und das ist das Beste, was man über eine Schriftstellerin sagen kann.

[...]

Junge Welt 11.05.2016

Songtexte


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Letzte Änderung: 2017-07-06