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"Buckaroo" wurde in der Zeit gedreht, als der Italo- (oder, etwas abfällig, auch Spaghetti-)
Western gerade seinen absoluten Höhepunkt erreichte, er kam etwa zur selben Zeit in die
deutschen Kinos wie "Spiel mir das Lied vom Tod" (genau genommen gut 6 Wochen später, am 03.10.1969),
dem absoluten Schwanengesang dieses Genres.
Etwas umstritten ist die Frage ob "Buckaroo" Deans erster Film in Italien war, oder ob diese "Ehre"
"Bleigericht" gebührt. Während letzterer oftmals als
erster Film bezeichnet wird (offizielles Erscheinungsjahr 1967), wie auch in Stefan Ernstings Biogaphie,
sprechen mindestens 2 mehr oder weniger schwere Indizien für "Buckaroo" (offizielles Erscheinungsjahr
1968). Italienische (und damit natürlich auch weltweite) Uraufführung dieses Films war
am 28.10.1967(!), die von "Bleigericht" am 29.04.1968, also fast auf den Tag genau ein halbes Jahr
später. Wenn man sich zudem die Pressemitteilung Argentinien 1967 (Stichwort
"Nuevo Cowboy") auf dieser Website einmal durchliest,
wird man feststellen, dass dort von "Bleigericht" als seinem 2. italienischen Western die Rede ist.
Wie auch immer, unzweifelhaft ist in jedem Fall, dass beide Filme unmittelbar nacheinander gedreht
wurden. Und doch unterscheiden sie sich qualitativ mehr als man meinen möchte...
Um "Buckaroo" richtig einordnen zu können, sollte man sich zunächst noch einmal die
Gründe für den unglaublichen Erfolg der Italo-Western im Zeitraum von 1964 bis in die
frühen siebziger Jahre hinein vor Augen führen. Während der amerikanische Western
zu jener Zeit vor sich dahinsiechte und längst seine Originalität eingebüßt
hatte (unterstützt auch durch eine wahre Flut an eindimensionalen TV-Western-Serien, in denen
es vor schablonenartigen Charakteren nur so wimmelte), begann mit dem 1964 gedrehten "Für eine
Handvoll Dollar" eine völlig eigenständige - europäische - Interpretation des wilden
Westens.
Ganz anders als in den Karl-May-Filmen, in denen die "Guten" von den "Bösen" klar zu
unterscheiden waren (deren kommerzieller Erfolg den italienischen Geldgebern andererseits auch erst
den Glauben gab), waren die Helden des Italo-Western nur schwer als solche zu identifizieren. Dreckig,
unrasiert und Zigarillos rauchend kam Clint Eastwood auf einem Maulesel(!) dahergeritten, und im
Weste(r)n war nichts mehr wie man es vorher kannte. Statt für Ehre, Moral oder Gerechtigkeit
interessierte sich dieser "Held" nur noch für eines: Geld, Gold, Reichtum in welcher Form auch immer.
Da man anfangs glaubte, das Publikum würde in einem solch uramerikanischen Genre eher Amerikaner
in den Hauptrollen sehen wollen, wurden solche, vornehmlich günstig zu habende, verpflichtet.
Serienstars wie Clint Eastwood ("Rawhide") oder Ed "Kookie" Byrnes ("77 Sunset Strip"), ausgediente
Altstars wie Gilbert Roland und Van Heflin, oder ewige Nebendarsteller wie Lee Van Cleef oder Eli Wallach,
die endlich in die 1. Reihe strebten.
Dies dürfte auch die Erklärung sein, warum der damals in Europa ja nahezu unbekannte Dean
vergleichsweise leicht an Rollen im italienischen Western kam. Er war nicht nur Amerikaner aus dem
Herzen des Westens, sondern auch noch auf einer Ranch aufgewachsen und ein ausgezeichneter Reiter,
für einen "Buckaroo" also die Idealbesetzung.
Selbst in Italien bereits bekannte Darsteller wie etwa Giuliano Gemma bekamen anfangs amerikanische
Pseudonyme verpasst (=Montgomery Wood), um das Publikum vermehrt ins Kino zu locken. Spätestens
nach dem selbst im Mutterland des Westerns äußerst erfolgreichen "Zwei glorreiche Halunken"
(1966) gelang es, sogar Hollywood-Ikonen wie Henry Fonda oder Yul Brynner zu verpflichten, und Giuliano
Gemma durfte endlich wieder er selbst sein.
Weitere wichtige Elemente, die den besseren Italo-Western zum Erfolg verhalfen, waren die passende,
innovative Musik (bei einer Umfrage nach den 20 besten Filmmusiken dieses Genres waren allein 9mal
der Name Ennio Morricone und 4mal der von Bruno Nicolai, Komponist des Scores von
"Adios Sabata", vertreten), revolutionäre Kameraeinstellungen
(wie etwa Leones extreme Nahaufnahmen von Gesichtern) und originelle Details, die vor allem die
Filme niederen Budgets oftmals besser aussehen ließen und würzten. Allein die "Mordinstrumente"...
Bumerangs ("Willkommen in der Hölle"), Messer ("Der Gehetzte der Sierra Madre"), per Fuß
geschossene Eisenkugeln ("Adios Sabata") etc.
Nur leider repräsentiert "Buckaroo" gar nichts von all dem, der Film plätschert recht
unoriginell und langweilend vor sich hin, selbst die von Lallo Gori komponierte Musik ist recht
einschläfernd geraten. Der Film erinnert in seiner Grundstimmung eher an eine schwächere
Karl-May-Verfilmung als an den innovativen italienischen Western. Einzig bekanntes Gesicht neben Dean
ist der hier zu Lande vor allem durch seine Rollen in zahlreichen Mantel-und-Degen-Filmen (oftmals
neben Lex Barker - z.B. in "Der schwarze Brigant" oder "Küste der Piraten") bekannt gewordene
glatzköpfige Schnauzbartträger Livio Lorenzon, der hier glaubhaft den Bösewicht
verkörpert. Seine wohl populärsten Filme waren "Zwei glorreiche Halunken" (wenn auch nur
in einer winzigen Nebenrolle) und neben Bud Spencer und Terence Hill in "Vier für ein Ave Maria".
Beim Endschnitt des Films dürfte wohl einer besonders geschlafen haben (wer auch immer
dafür verantwortlich war); da ist in einer Szene, in der Dean eine Ansprache an die Stadtbewohner
hält, in der Nahaufnahme jemand in seinem Rücken zu sehen, der Dean mit dem Colt bedroht.
Dann erfolgt ein Wechsel auf die Totale und es ist gut zu erkennen, dass beide Personen, die neben
ihm stehen, ihre Hände am Gurt oder in der Tasche haben, jedenfalls ohne Waffe dastehen.
Zurück auf die Nahaufnahme und es ist wieder der "Unbekannte" zu sehen, der ihn an dieser Stelle
auch ohne jeden Sinn bedroht.
Solche und ähnliche filmtechnische Unzulänglichkeiten dürften das "Lexikon des
Internationalen Films" zu seinem Kommentar bewogen haben: "Handwerklich stümperhafter
Italowestern mit lustlos vorgetäuschtem sozialen Anliegen", ist dort zu lesen.
Eine große Überraschung bietet der Film aber dann doch noch, eine Überraschung,
die sich bereits im Vorspann des Films abzeichnet. Während da der von Dean gesungene Titelsong
"Buckaroo" (lt. Vorspann bei der Plattenfirma RCA verlegt,
möglicherweise auch in Italien auf Single erschienen?!) läuft, ist da von einem 2. Song zu
lesen, "For Tomorrow I May Die". Und kurz vor dem finalen Showdown ist er dann auch zu hören,
von Dean sehr "romantisch" am Lagerfeuer vorgetragen, was den Film noch weiter von seinen Artgenossen
entfernt. Der Song selbst ist nichts anderes als "El Valle Del Arco Iris"
(spanischer Text) bzw. "La Valle Dell'Arcobaleno" (italienisch), diesmal mit einem englischen,
von Dean der Szene angepassten Text. Neben "God Creates Them, I Kill Them"
(="Wandering Girl") und "Zorro"
(="Dont Let Her Go") also der nächste recycelte Filmsong.
Aus musikalischer Sicht war seine Zeit in Italien wohl doch eine eher wenig kreative... vielleicht
auch Zeichen dafür, dass er sich mit anderen Gedanken trug.
Was seine Rolle des Rächers betrifft, ist Dean meines Erachtens fehlbesetzt, da fehlt ihm der
mimische Tiefgang. Die Rollen des Sonnyboy-Revolverhelden in "Bleigericht" und die des Schlitzohrs
in "Adios Sabata" haben ihm jedenfalls wesentlich besser zu Gesicht gestanden. Einzig bei den zu Hauf
vorhandenen Reitszenen ist Dean in seinem Element, da macht er wie auch in "Bleigericht" eine sehr gute Figur.
Fazit: Für Freunde von Dean Reed schon aufgrund der Seltenheit und vor allem wegen der
erwähnten 2 Songs zu empfehlen, alle anderen sollten jedoch die Finger davon lassen. Da ist
"Bleigericht" sicherlich der wesentlich bessere und empfehlenswertere dieser 2 sehr frühen Filme.
Am Rande: Mir lag hier die 89minütige italienische Originalversion vor, in einer auf DVD
aufgenommenen Fernsehausstrahlung. Meines Wissens ist der Film in Deutschland nach seinem Kinoeinsatz
1969 weder auf VHS erschienen, noch ist er jemals im Fernsehen ausgestrahlt worden. Sollte noch
irgendwo eine deutsche Fassung existieren wäre es natürlich wünschenswert, wenn
man irgendwann mal eine deutsche DVD bestaunen könnte. Bis dahin heißt es also Augen
offen halten und suchen, vielleicht findet sich ja eine Super-8-Version...
Sebastian Bierbach, 09.07.2005
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