Super Illu 31/1993

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Damals berühmt. Der Tod des Show-Idols, Teil 2

Dean Reed. Sein Tod. Was Honecker & Co verschwiegen

Es gibt einen Abschiedsbrief, 15 Seiten lang. Fast jede zweite Seite dreht sich um Ehefrau Renate Blume. SUPER ILLU las auch den Obduktionsbericht. Was bedeuten die Schnittwunden am linken Unterarm?

Es ist ein Tag, an dem man normalerweise mit Champagner anstößt. Dean Reed (47) erhält nach langem Hin und Her das endgültige Okay für einen Film, zu dem er selbst das Drehbuch geschrieben hat. "Bloody Heart" ("Blutiges Herz"), ein Indianerfilm. Es ist Dienstag, der 10. Juni 1986. Zwei Tage späer ist Dean Reed tot. Warum? Privat geht es nicht glänzend, aber es läuft. Zusammen mit Renate Blume (und Alexander, ihrem Sohn aus 1. Ehe) lebt er in Rauchfangswerder bei Berlin. Villa, großer Garten, fein am See. Beruflich könnte es besser gehen. Der letzte wirklich große Erfolg liegt fünf Jahre zurück. Der Film: "Sing, Cowboy, sing".

Was war geschehen, dass Dean Reed zum Zeuthener See fuhr und sich (offensichtlich) selbst ertränkte? Dass das Zentralorgan "Neues Deutschland" keine Motivforschung betrieb und die Todesnachricht irgendwo im Blatt versteckte ("...ein tragischer Unglücksfall") ist klar. Denn es hätten ja unangenehme Dinge herauskommen können, die am Heldenmythos des DDR-Amerikaners kratzen. Nach den Recherchen des Krimi-Autors Peter Schrenk (50), die SUPER ILLU zur Verfügung stehen, war Reed ein zerbrochener Mann.

Spurensuche 1. Er spürte, daß die Fans ihn nicht mehr so liebten wie früher. Der Exot aus Denver hatte nach 14 Jahren DDR an Anziehungskraft verloren. Inzwischen tourten auch andere US-Größen durch den Osten (z.B. Harry Belafonte, Leonard Bernstein). Nach außen ließ er sich nichts anmerken. Noch 1 Monat vor seinem Tod überreichte ihm Fan Georg Burmeister (41) eine Torte für Renate (sie hatte Geburtstag): "Dean freute sich sehr." Doch im Radio wurde er kaum noch gespielt. Eine damalige Redakteurin: "Die Jugendlichen wollten ihn einfach nicht mehr hören."

2. Sein Glaube an den realen Sozialismus bröckelte. Zitat aus seinem 15 Seiten langen Abschiedsbrief: "Socialismus ist noch nicht erwachsen." Und: "Lass alle vorschrittliche Menschen ein besseres gerechtiges und friedliches Welt schaffen", schreibt er in holprigem Deutsch. Diese Abschiedszeilen kritzelt er in das Manuskript seines Drehbuchs "Bloody Heart". Die Polizisten, die ihn aus dem Wasser zogen, fanden es auf dem Armaturenbrett seines Lada. Ein Sachverständiger aus dem Präsidium der Volkspolizei in Berlin stellte die Echtheit fest.

3. Er hatte wohl auch Heimweh. Reed erzählte um 1985 herum Freunden, er würde sehr gern wieder in die Staaten zurückkehren. Und ganz sicher hing es mit den großen Erfolgen zusammen, die er einst dort gefeiert hatte ("Our Summer Romance" 1959 ein Nr. 2-Hit). Einige Monate vor seinem Tod gab Reed ein sehr sonderbares Interview. Obwohl er, wie wir wissen, dem Sozialismus nicht mehr unkritisch gegenüber stand, pries er den Mauerbau und verteidigte das System. Die Tür zurück in die Staaten hatte er sich damit natürlich zugeschlagen. Schrenk: "Reed wußte, was er sich damit verbaut hatte." Sein Land wollte ihn nicht mehr haben.

Es ist absolut verrückt. Da ist dieser Sunnyboy. Wir sehen ihn lustig, im Fernsehen, er singt fröhliche Lieder. Und in Wahrheit nagen tiefe Selbstzweifel in ihm. Er ist längst tablettensüchtig. Um nachts Ruhe zu finden, schluckt er Schlaftabletten, "Radedorm". Schrenk: "Ein Wunder, dass dieser Mann es so lange geschafft hat. Er muss eine Konstitution wie ein Pferd gehabt haben."

Auszüge aus dem Obduktionsbericht. "Die Befunde erklären hinreichend einen Todeseintritt auf nicht-natürliche Art." Tod durch Ertrinken, sagen die Mediziner: "Mitursächlich hierfür könnte die nachgewiesene Medikamenten-Einnahme des Betroffenen sein." Radedorm, siehe oben. Eine Überdosis. "Nach Einnahme solcher Dosen dürften in der Regel stark sedative (=dämpfende) bis hypnotische Wirkungen auftreten, die ein Ertrinken fördern und beschleunigen können. Es fanden sich keine Anhaltspunkte für eine Gewalteinwirkung von fremder Hand." Schrenk: "Reed konnte aus seiner Sicht nur noch verlieren - egal was er tat. Er wollte sein Leben lang im Mittelpunkt des Interesses stehen. Und er hatte Entzugserscheinungen." Schon ein paar Tage vor seinem Tod hatte sich Reed rund 50 feine Schnittwunden am linken Unterarm beigebracht. Ein erster, halbherziger Selbstmordversuch?

Renate Blume, seine Ehefrau. Sie spielt eine wichtige Rolle in dem Abschiedsbrief, den Reed geschrieben hat. Es wäre zu privat, die Details zu zitieren. Nur soviel: Er erwähnt sie wieder und wieder, und irgendwie versucht er, ihr eine moralische Schuld zuzuschieben. Renate Blume lebt immer noch in der Villa in Rauchfangswerder, zusammen mit Alexander (23), ihrem Sohn. Sie arbeitet als Schauspielerin, oft am Theater. Zum Tod ihres Mannes hat sie noch nie etwas gesagt. Sie schweigt. Schrenk: "In jedem Fall ist es unfair, dass Reed sie so sehr belastet durch den Brief."

Die Beerdigung. Sie findet auf dem Waldfriedhof in Rauchfangswerder statt. Reeds drei Ehefrauen sind da, auch seine Mutter aus den Staaten (auch Abgesandte des DDR-Kulturministeriums, und, natürlich, die Stasi). Renate Blume muß von Patricia, Deans erster Frau, gestützt werden. Will Roberts, Regisseur und Reed-Freund, steht auf und sagt: "Er hat den Applaus so geliebt. Drum lasst uns alle ein letztes Mal für ihn applaudieren." Und alle klatschen.

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Letzte Änderung: 2007-02-27