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The rebel/Der Rebell/El rebelde/борец сопротивления

Lebanon/Líbano/Libanon/Ливан/Palestine/Palestina/Palästina/Палестина

"(...) ich war dort sehr oft, in Südlibanon. Das letzte Mal war im November letztes Jahr (1981 Anm. d. Red.) bei der PLO. Wir haben zusammen gelebt, jeden Tag, jede Nacht. Ich kenne die Familien. Inzwischen sind einige der Leute, die ich kannte, tot. Mein bester Freund ist ein Autor von Kinderbüchern. Seine Frau wurde umgebracht. Ich weiß nicht, was inzwischen mit ihm passiert ist. Viel mehr Leute werden sterben, Kinder und Frauen. Sie haben nichts getan. Ihr einziges Ziel ist, in ihrem Heimatland zu leben, in Frieden mit allen Leuten, mit Christen, mit jüdischen Leuten. Aber Zionismus ist genau wie Faschismus. Wie die UNO schon gesagt hat, Zionismus ist Rassismus, weil durch den Zionismus..., es ist eine aggressive Politik, eine expansionistische Politik gegen alle Nachbarländer dort in Nahost. Es ist eine richtige Gefahr, der Weltkrieg. Jeden Tag denke ich an meine Freunde in Beirut. Und ich hoffe, dass sie es irgendwie durchleben werden. (...)"

Aus einem Interview des Berliner Rundfunks vom 7. Oktober 1982

Über Yasser Arafat

Dean Reed und Yasser Arafat

"(...) Yasser ist ein Freund von mir seit '73. Ich habe ihn kennen gelernt hier in Berlin bei den Weltfestspielen der Jugend. Wir haben einen Termin gehabt. Und ich erinnere mich, er hat mich umarmt und ich habe gesagt: 'Aber sicher kennst du mich nicht. Ich war nie in einem arabischen Land.' Und er sagte: 'Ich kenne dich sehr gut, weil ich vor einigen Monaten in Kairo war in einem von deinen italienischen Western. Und davor war ich in Damaskus, und da war ein anderer italienischer Western von dir. Und wir kennen dich gut durch deine italienischen Cowboyfilme.'

Und danach haben wir uns sehr oft getroffen, überall in der Welt. Und ich habe diese Lieder für die PLO geschrieben. Und ich fühle mich sehr, sehr verbunden mit der PLO. (...)"

Aus einem Interview des Berliner Rundfunks vom 7. Oktober 1982

Libanon 1977 Libanon 1977 Libanon 1977
Dean Reed und Yasser Arafat Libanon 1977 Libanon 1977
Zu Gast bei Yasser Arafat PLO PLO
Yasser Arafat applaudiert Dean Reed Libanon 1981 Libanon 1981
Libanon 1981 Familie Reed mit Arafat

Palästina

Nichts verachte ich mehr, als feige zu sein. Angst hat jeder einmal. Doch in dem Moment, wo er sich diesem Gefühl stellt und es überwindet, wächst er über sich selbst hinaus. Eine meiner letzten Reisen führte mich in den Libanon. Hier ist ein Name um die ganze Welt gegangen - Tall Zaatar, jenes leidgeprüfte Dorf im Süden des Landes, das einem barbarischen Luftüberfall der Israelis zum Opfer fiel. Zwölfjährige Kämpfer der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO waren es, die unter Einsatz ihres Lebens dieses Dorf verteidigten. Diesen Kindern fühle ich mich wegen ihrer mutigen Haltung so verbunden, dass ich beschlossen habe, über sie einen Film zu machen.

Aus einem Interview mit der Jugendzeitschrift FRÖSI 1978

Dean Reed bei Filmaufnahmen im Libanon

Press review/Pressespiegel

Deans Lebenslauf

Externe Links

Der Feddajin mit der Gitarre

Es ist Abend geworden über dem Süden Libanons. In einem alten Steinhaus, das zu einem Bunker umgebaut worden ist, sitzt Dean inmitten einer Gruppe Feddajin. Der Unterstand ist das Hauptquartier der militärischen Einheiten der Palästinensischen Befreiungsorganisation in diesem Gebiet.

Es ist Zeit, Tee zu trinken, stark gesüßten Tee, den Deans arabischen Freunde "Palästina-Whisky" nennen. Immer wenn einer der Kämpfer eine der winzigen Tassen ausgetrunken hat, sagt er: "Benasser!" Das heißt: Auf den Sieg!

Kommandeur Bilal, ein in Algerien und Vietnam ausgebildeter Kämpfer, bittet Dean, etwas zu singen. Der überlegt nicht lange. Auch diejenigen Feddajin, die Englisch nicht verstehen, kennen die Bedeutung des Liedes. Dean singt: We shall overcome.

Während er noch singt, wird Artilleriefeuer laut. Die Grenze zu Israel ist nicht weit. Zuerst sind die Einschläge aus östlicher Richtung zu hören, von dort, wo die Berge beginnen, dann beginnt der Feind auch im Westen, an der Küste zum Mittelmeer, zu schießen. Das Funkgerät ertönt. Einer der Feddajin spricht in schnellem, gutturalem Arabisch irgendwelche Befehle. Dann ist wieder Stille. "Sing weiter, Bruder Dean", sagt Bilal.

In dieser ersten Nacht im Kampfgebiet schläft Dean nicht. Einmal glaubt er, Hundegebell zu hören, und denkt, eine israelische Patrouille sei aufgestöbert worden. Doch die Feddajin neben ihm schlafen ruhig weiter, und ihre Waffen bleiben unbenutzt. Die Posten draußen vor dem Bunker lassen nichts von sich hören.

Am Morgen fährt Dean zur Frontlinie. Von einem Hügel aus kann er auf die Stellungen der Phalangisten herabsehen. Diese Kampfgruppen reaktionärer Vertreter der libanesischen Großbourgeosie, die vor Jahren den blutigen Bürgerkrieg entfesselt haben, werden seit langem von den Israelis mit Waffen und Munition versorgt.

"Zieh den Kopf ein, Bruder Dean", sagt der Kommandeur Bilal und drückt den Gast hinter eine aus Feldsteinen aufgebaute Deckung. "Die Scharfschützen drüben schlafen nicht. Jeden Tag gibt es hier Feuerüberfälle. Sie schießen mit allem, was sie haben, mit MPis, Granatwerfern und Geschützen. Und wenn es knallt, weiß man nicht, ob ein arabischer Verräter den Finger am Abzug hatte oder ein Zionist."

Dean ist beeindruckt von der Disziplin der Feddajin. Den Reaktionären ist es nicht gelungen, Libanon zu einem imperialistischen Stützpunkt zu machen.

Am nächsten Tag erlebt er in Sidon eine Parade. Anlass für den von Tausenden von Menschen umjubelten Aufmarsch ist die Ernennung neuer Kommandeure der PLO. Als Yasser Arafat erscheint, kommt die Menge in Bewegung. Viele wollen ihm die Hand drücken.

Während der Rede Arafats erscheint am strahlendblauen Himmel ein Flugzeug. Als es immer tiefer und tiefer kurvt, wird der blaue Sechszackenstern der israelischen Luftwaffe sichtbar. Arafat weiß, was das bedeutet. Er beendet seine Rede, aber er bleibt ruhig und gelassen. Dean bewundert die Souveränität dieses Volksführers. Genauso gelassen, ohne jede Panik, beginnt die Menge den Platz zu räumen. Alle wissen, dass in diesem Augenblick die Visiere der PLO-Flak auf den Störenfried gerichtet sind. Die Maschine dreht ab. An diesem Tage fallen keine Bomben.

Bombenangriffe sind alltäglich in Südlibanon. Dean ist gerade zu Besuch in einem Waisenhaus der PLO, das in der Nähe von Beirut liegt, als er am aufgeregten Gespräch seiner Begleiter erkennt, dass etwas passiert sein muss. Auf seine Frage erhält er die kurze Antwort: "Die Zionisten haben vor Stunden wieder eines unserer Dörfer bombardiert."

In der Nähe der Stadt Tyros kann sich Dean mit eigenen Augen vom israelischen Bombenterror überzeugen. Wo einst das Dorf Ras el Ain gelegen hat, findet er fast nur noch Ruinen vor. Er geht schweigend über das Trümmerfeld. An manchen Stellen ist kaum ein Stein auf dem anderen geblieben. Hin und wieder steigt noch dünner Qualm empor.

Einer sagt ihm, bisher seien 52 Tote gezählt worden: Männer, Frauen und Kinder, Libanesen wie Palästinenser. Es waren Bauersleute, ältere zumeist, und ihre Enkel. In dem Dorf lebten keine Feddajin, höchstens dass die kämpfenden Söhne mal zu Besuch gekommen waren. Dean begreift: Die Imperialisten wollen Südlibanon zu einem Friedhof machen. Der palästinensische Widerstand soll im Blut erstickt werden.

Tags darauf ist Dean wieder im Kampfgebiet. Die Feddajin haben ihm eine Maschinenpistole gegeben, und am Gürtel hat er Eierhandgranaten hängen. Für alle Fälle, haben sie gesagt.

Sie nennen Dean "Aj Abu Shalom". Das heißt: unser Bruder, Vater des Friedens. Er ist stolz auf diesen Namen und denkt darüber nach, dass wohl in keiner anderen Sprache das Wort Frieden so oft benutzt wird wie im Arabischen. Friede sei mit dir, so lautet der alltägliche Gruß. Die Maschinenpistole gehört dazu. Der Friede muss bewaffnet sein.

Während Dean in einer Flakstellung zu Gast ist, hat er seine Gitarre fast vergessen. Er befindet sich in der vordersten Linie. Die Flak ist auf Erdkampf eingestellt. Das Dorf dahinter ist zerstört wie so viele andere in Südlibanon. Im Niemandsland sieht Dean die Wracks zerstörter Schützenpanzer. Auch als das Dorf schon zerstört war, hat es sich noch zu wehren gewusst. Die Bauern haben sich Bunker gegraben und selbst Bombenangriffen getrotzt.

Eines Abends trifft Dean zum zweiten Mal mit Yasser Arafat zusammen. Der PLO-Vorsitzende begrüßt ihn wie einen alten Freund. Es ist ein Uhr nachts, als sie sich verabschieden. Dean ist etwas beklommen zumute; er hat eine große Verantwortung übernommen. Arafat hat ihn gebeten, einen Film über den Kampf der Palästinenser zu machen.

Aus meinem Leben

Zurückgekehrt in die DDR, schreibt Dean ein Drehbuch.

Doch die komplizierte Situation im Libanon hat es unmöglich gemacht, dass der Film, wie vorgesehen, an den Originalschauplätzen gedreht werden konnte.

Zwei Lieder aber, die Dean über den Kampf der PLO geschrieben hat, sind bei den Palästinensern populär geworden: "He Biladi" und "O Jerusalem". Bei den XI. Weltfestspielen in Havanna verschenkte die PLO-Delegation eine Schallplatte mit diesen Liedern an ihre besten Freunde.

Dean Reed, Aus meinem Leben. Aufgeschrieben von Hans-Dieter Bräuer; 2. aktualisierte und erweiterte Auflage; Edition Peters, Leipzig/Dresden 1984; S. 120 ff

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Letzte Änderung: 2012-04-11