Potsdamer Neueste Nachrichten 31.07.2007

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"Lieber Träumer als Krieger"

Die ehemalige Fernsehansagerin Maria Moese über Dean Reed/Heute hat "Der Rote Elvis" Premiere

Von Heidi Jäger

Wenn Moeses feierten, gaben sich auch die Großen des Films und der Literatur die Klinke in die Hand. Da saßen die Krugs neben den Mueller-Stahls, Annekathrin Bürger neben Stephan Heym, Rolf Römer neben Jurek Becker. Und auch Dean Reed feierte mit. "Der wieder mit seiner Gitarre", rümpften indes einige pikiert die Nase. Denn der aus Colorado 1972 in die DDR umgesiedelte Sänger und Schauspieler genoss nicht immer die Sympathien der Kollegen. Zu sehr ließ er sich vom Staat vereinnahmen und protegieren, sich als politisches Feigenblatt missbrauchen.

Dennoch hielten Willy und Maria Moese zu ihm, auch als sie selbst gegen die Biermann-Ausbürgerung mit ihrer Unterschrift protestierten was der Fernsehansagerin Maria Moese vier Jahre Berufsverbot kostete und sich Dean Reed nicht dazu überreden ließ. "Warum denn mit den Feinden gehen?", hielt der überzeugte Sozialist entgegen.

In dem heute im Filmmuseum seine Potsdam-Premiere feiernden Dokumentarfilm "Der Rote Elvis" kommt Maria Moese neben anderen Freunden und Bekannten zu Worte, um den widersprüchlichen Lebensweg des Agitprop-Sängers und Freundes von Allende und Arafat nachzuzeichnen.

Als dieser Film von Leopold Grün im Februar zur Berlinale uraufgeführt wurde, konnte Maria Moese nicht dabei sein. Sie musste ihren Mann, den bekannten Karikaturisten und Comiczeichner, zu Grabe tragen. "Willy Moese war wie ein väterlicher Freund zu Dean. Vielleicht fühlten sie sich nahe, weil beide in anderen Ländern ihre Wurzeln hatten. Mein Mann ist in Barcelona aufgewachsen, und wenn sich beide politisch stritten, taten sie das immer auf Spanisch." Kennengelernt haben sich Moeses und Reed über eine Freundin. "Damals war Dean noch mit seiner zweiten Frau Wiebke verheiratet und sie hatten, wie wir, gerade ein Baby." Dean kam öfter, meist sporadisch, wenn die Sehnsucht ihn gerade trieb. Genau eine Woche, bevor er im Juni 1986 im Zeuthener See ums Leben kam, stand er wieder einmal in Moeses Küche. "Er sagte zu mir: 'Maria, Du bist glücklich, das sieht man dir an.' Und ich erwiderte: 'Du bist doch auch glücklich'." Nichts von seinem bevorstehenden Tod ahnend: "Obwohl den gleichen Satz schon mal ein Freund zu mir sagte, kurz bevor er sich umgebracht hat. Ich werde jetzt viel aufmerksamer zuhören."

Wie Maria Moese in einem PNN-Gespräch sagte, erlebte sie Dean Reed als einen charmanten, auch hypochondrischen, vor allem sehr gut aussehenden Mann. "Und er war auch ein kleiner Narziss. Ich sehe ihn noch auf unserem Sofa sitzen, die Haare immer wieder aus der Stirn werfend, und dieses wunderbare Lächeln dabei. Aber gerade daran ist er auch zerbrochen. Er konnte nicht akzeptieren, dass Schönheit und Jugend vergänglich sind." Genauso wie Ruhm. "Renate Blume, seine dritte Frau, mit der wir auch befreundet sind, sagte einmal, dass Dean oft sehnsüchtig am Gartentor stand. Dort gingen in seinen ersten DDR-Jahren die Kinder vorbei und sagten anerkennend: 'Hier wohnt Dean Reed' und ließen sich Autogramme geben. Doch die Jugend ist dann an seiner Kunst und seinem Gesang vorbei geflogen. Das hat er nie richtig verwunden."

Oft habe ihr Mann versucht, dem politisch Naiven reinen Wein einzuschenken. "Er sagte des öfteren: 'Du bist hier nicht wie in Amerika der Superstar. Du wirst nur ausgenutzt als Friedenssänger.' Doch er selbst hat das erst sehr spät erkannt." Auch das habe ihn sicher zerbrochen. Mit Kritik konnte Reed indes durchaus umgehen. "Es hat ihm aber kaum jemand gesagt, dass seine Filme nicht gut waren. Er akzeptierte das Urteil meines Manns und entgegnete ihm, dass er an seine Ratschläge denken werde."

Besonders habe ihm die Sehnsucht nach seiner Heimat zugesetzt. "Täglich telefonierte er nach Denver. Aber er hatte einen schlimmen Fehler gemacht, in dem er sich mit Arafat fotografieren ließ. Und das kurz bevor die amerikanische Botschaft im Nahen Osten besetzt wurde. Damit war er bei den Amis 'durch'. Aber Renate Blume wäre auch nicht mit ihm mitgegangen. Schließlich war sie als Schauspielerin auf die deutsche Sprache angewiesen." Zum ersten Hochzeitstag habe Dean ihr eine Grabstelle geschenkt, mit den Worten: "Ich will, dass wir bis zum Tod zusammen sind." Er ist allein auf dieser Grabstelle in Rauchfangwerder bestattet worden, bevor er später nach Amerika umgebettet wurde.

"Dean war ein Träumer. Ich würde mich aber freuen, wenn mehr Menschen daran glauben würden, dass sie durch eine Umarmung, durch ein Lächeln die Welt ein wenig wärmer machen. Träumer sind mir lieber als Krieger."

Heute, 20 Uhr, Der Rote Elvis, Filmmuseum, anschließend Gespräch mit dem Regisseur Leopold Grün

Der geheim gehaltene Abschiedsbrief

Um den Tod Dean Reeds rankten sich in der DDR und nach der Wende zahlreiche Legenden. Zunächst wurde in der DDR verbreitet, er sei bei einem Stuntunfall gestorben. Andere vermuteten, er se vom DDR-Geheimdienst umgebracht worden, weil er das Land verlassen, zurück in die USA wollte - was er wohl auch immer wieder plante. Tatsache ist, dass sich Reed selbst das Leben nahm. Er hinterließ einen Abschiedsbrief, den die Ermittlungsbehörden an DDR-Staatschef Honecker weiterleiteten. Der ließ ihn von der Bildfläche verschwinden. Ende der 90er Jahre wurde er in einem von drei Koffern mit Privatunterlagen der Familie Honecker gefunden. Honeckers haben ihn bei ihrer Flucht nach Chile in Ost-Berlin bei einem KPD-Funktionär zurückgelassen. In dem teils wirren bis manischen Schreiben machte Reed, der zunehmend unter Depressionen litt, in dem Brief private Probleme und besonders seine Ehefrau für seinen angekündigten Freitod verantwortlich.
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