{"id":313,"date":"2002-04-01T06:00:09","date_gmt":"2002-04-01T04:00:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/ml\/?p=313"},"modified":"2017-03-12T14:46:56","modified_gmt":"2017-03-12T13:46:56","slug":"313","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/ml\/313\/","title":{"rendered":"&#8211; Bemerkungen zum Anteil des Revisionismus an der Niederlage des Sozialismus in Europa"},"content":{"rendered":"<h4 style=\"text-align: left;\"><strong>Kurt Gossweiler<br \/>\n<\/strong><\/h4>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><strong>Bemerkungen zum Anteil des Revisionismus an der Niederlage des Sozialismus in Europa<\/strong><\/h2>\n<h4 style=\"text-align: left;\"><strong> <span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><br \/>\n<\/strong><\/h4>\n<div id=\"attachment_287\" style=\"width: 110px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-287\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-287\" src=\"http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/ml\/wp-content\/uploads\/2002\/08\/Kurt_Gossweiler.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"150\" \/><p id=\"caption-attachment-287\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #808080;\">Kurt Gossweiler<\/span><\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Freunde,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">in der Ank\u00fcndigung der heutigen Veranstaltung wurde als mein Forschungsgebiet genannt: Faschismus. Das war es bis zur Konterrevolution, also bis 1989. Seit dieser schlimmsten Ka-tastrophe des katastrophenreichen 20. Jahrhunderts ist es der Revisionismus und dessen Anteil an ihr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass ich diese beiden Forschungsgebiete w\u00e4hlte, h\u00e4ngt mit den beiden schlimmsten Ereignissen meines Lebens zusammen, mit der Errichtung der faschistischen Diktatur in Deutschland 1933 und mit dem Sieg der Konterrevolution \u00fcber den Sozialismus in Europa im Jahre 1989.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cWie konnte das geschehen?\u201d \u2013 das war in beiden F\u00e4llen die Frage, die mich bewegte und die mich im ersten Fall zum Faschismusforscher werden lie\u00df, im zweiten Fall mich zur anhaltenden Besch\u00e4ftigung mit der Rolle des Revisionismus veranlasste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb habe ich 1955, als ich meine Aspirantur an der Berliner Humboldt-Universit\u00e4t begann, als Gegenstand meiner Dissertation ein Thema gew\u00e4hlt, das den Faschismus und die Ursachen seines Machtantritts in Deutschland behandelte. Die Ergebnisse meiner Faschismusforschungen sind in einigen B\u00fcchern und vielen Aufs\u00e4tzen nachzulesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Revisionismus wurde ab 1989 mein Hauptforschungsgebiet, besch\u00e4ftigt hat er mich aber schon seit l\u00e4ngerem, genauer gesagt, seit 1956. Warum seit diesem Zeitpunkt? Weil mich schon seit 1953 in immer st\u00e4rkerem Ma\u00dfe Ereignisse in der Sowjetunion beunruhigten, f\u00fcr die ich keine Erkl\u00e4rung fand und die mit meinem Bild von der Sowjetunion nicht in \u00dcbereinstimmung zu bringen waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit ich politisch zu denken angefangen hatte \u2013 dank meiner Mutter und ihres zweiten Mannes, beide waren Mitglied der KPD seit 1927 \u2013 , also seit meinem zehnten Lebensjahr, war die Sowjetunion f\u00fcr mich das Land meiner Bewunderung und das Heimatland aller Kommunisten. Aber es war keineswegs so, dass im Laufe der Zeit das Vertrauen in die Sowjetunion und ihre F\u00fchrung nicht auch Belastungsproben unterworfen gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die erste waren f\u00fcr mich wie f\u00fcr meine Genossen aus dem illegalen KJVD die Moskauer Prozesse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir hatten damals auch eine Diskussion mit einem Jugendgenossen, der zu den Trotzkisten abgedriftet war und \u00fcber die Prozesse schon damals alles das von sich gab, was seit den Chruschtschowschen und Gorbatschowschen Rehabilitierungen der damals Verurteilten nun auch zum Standardrepertoire aller \u201cErneuerer\u201d und \u201cReformer\u201d in verschiedenen kommunis-tischen und ehemals kommunistischen, inzwischen umbenannten Parteien geh\u00f6rt: dass alle Verurteilten nat\u00fcrlich unschuldig seien und nur sterben mussten, weil sie Stalins Allmachts-treben im Wege standen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch das heute immer wieder ins Feld gef\u00fchrte angebliche \u201cTestament\u201d Lenins, in dem er vor Stalin gewarnt habe, brachte dieser junge Trotzkist schon damals vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich hatten wir damals keine M\u00f6glichkeit, all dies zu \u00fcberpr\u00fcfen. Aber daf\u00fcr, zu \u00fcber-pr\u00fcfen, ob unser Vertrauen zur Sowjetunion und zu Stalin gerechtfertigt war, gab es ein sehr einfaches und zugleich \u00fcberzeugendes Mittel: die Pr\u00fcfung der Taten der Sowjetunion und Stalins in der Auseinandersetzung mit dem Faschismus!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Sommer 1936 hatte Franco seinen Putsch gegen die Spanische Volksfrontregierung un-ternommen und damit das Startzeichen f\u00fcr die Intervention des faschistischen Deutschland und Mussolini-Italiens zugunsten der Errichtung eines faschistischen Regimes in Spanien gegeben, als Vorspiel zum geplanten gro\u00dfen Krieg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit wurde die Stellung zum Krieg in Spanien zum Pr\u00fcfstein f\u00fcr die Stellung aller Staaten, Parteien und Einzelpers\u00f6nlichkeiten zum Faschismus. Wie allen bekannt, gab es nur einen Staat in der ganzen Welt, der die Spanische Republik verteidigen half gegen die Hitler- und Musso-lini- Aggressoren, und dieser Staat war nicht etwa das benachbarte Frankreich mit seiner Volksfrontregierung, es war auch nicht England und es waren auch nicht die USA \u2013 sie alle halfen vielmehr durch ihre heuchlerische Nichteinmischungspolitik Franco, Hitler und Mussolini bei der Erw\u00fcrgung der Spanischen Republik. Allein die Sowjetunion kam dem spanischen Volk und den Freiwilligen in den Interbrigaden mit Waffen und Soldaten zu Hilfe. Sie tat also genau das, was wir von ihr erwarteten. Sie hat unser Vertrauen nicht entt\u00e4uscht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine zweite Belastungsprobe stellte im August 1939 der Abschluss des Nichtangriffsvertrages der Sowjetunion mit Hitlerdeutschland dar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich war damals zum Arbeitsdienst eingezogen und in ein RAD-Lager in Pommern verbracht worden. Die meisten der anderen \u201cArbeitsm\u00e4nner\u201d stammten aus Pommern und waren, wenn nicht Nazis, so doch auf keinen Fall bewusste Nazigegner. Aber mit mir war noch einer aus Berlin in meinem \u201cTrupp\u201d, und nicht nur das \u2013 auch er kam aus einem kommunistischen El-ternhaus, und wir fanden schnell heraus, dass wir beide von der gleichen Farbe waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eines Tages im August erz\u00e4hlte er mir, sein Vater sei am Wochenende zu Besuch hier gewesen und habe ihm eine ganz unwahrscheinliche Ank\u00fcndigung gemacht. Es werde \u2013 so habe er gesagt \u2013 in n\u00e4chster Zeit zwischen Deutschland und der Sowjetunion ein Vertrag geschlossen werden, er solle sich schon darauf einstellen. Woher sein Vater das hatte, habe er ihm nicht gesagt. Ich hielt das dennoch f\u00fcr eine ausgesprochene Latrinenparole und sagte das meinem Kumpel auch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber dann kam der 23. August, und da gab es keinen Zweifel mehr: Die Sowjetunion hatte mit Hitlerdeutschland einen Nichtangriffs-Vertrag geschlossen! Und die Nazipresse berichtete so dar\u00fcber, als handelte es sich dabei um ein gegen die Westm\u00e4chte gerichtetes B\u00fcndnis. Was sollten wir davon halten? Das Wichtigste f\u00fcr uns beide war, den ver\u00f6ffentlichten Wortlaut des Vertrages daraufhin zu untersuchen, ob in ihm irgend eine Passage enthalten war, die \u00fcber ein Abkommen zum gegenseitigen Nichtangriff hinausging und dem Ganzen B\u00fcndnischarakter verliehen h\u00e4tte. Es gab zu unserer gro\u00dfen Beruhigung keine einzige solche Passage. Bei der Suche nach Gr\u00fcnden, welche die Sowjetunion zu diesem Schritt veranlasst haben k\u00f6nnten, waren wir uns einig, dass die Sowjetunion damit sicher der ja offenkundigen Gefahr vorbeugen wollte, dass die Westm\u00e4chte etwa mit Hitlerdeutschland ein neues M\u00fcnchener Abkommen, diesmal aber auf Kosten der Sowjetunion, schlie\u00dfen w\u00fcrden; wir wussten beide sehr gut, dass sie die Aufr\u00fcstung Nazideutschlands nicht nur geduldet, sondern gef\u00f6rdert hatten in der Hoffnung, die deutsche Aggression gegen die Sowjetunion lenken zu k\u00f6nnen. Wenn es der Sowjetunion mit diesem Abkommen gelang, Zeit zu gewinnen, dann konnte uns das nur recht sein. Dass es nur um Zeitgewinn gehen konnte, dessen waren wir uns gewiss; denn soviel wussten wir: das wichtigste Kriegsziel Hitlers und seiner finanzkapitalistischen Hinterm\u00e4nner war die Vernichtung der \u201cbolschewistischen Gefahr\u201d, der Sowjetunion. Wenn sich Deutschland zun\u00e4chst gegen den Westen wenden w\u00fcrde, dann auch mit der Absicht, sich den R\u00fccken frei zu machen f\u00fcr einen sp\u00e4teren Krieg gegen die SU.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die Besetzung der ostpolnischen Gebiete durch die Rote Armee am 17.September, die noch heutzutage von so genannten \u201cdemokratischen Sozialisten\u201d in h\u00f6chsten T\u00f6nen moralischer Entr\u00fcstung als grobe Verletzung des V\u00f6lkerrechts verurteilt wird , \u2013 von den gleichen Leuten also, die heute, sobald sie in die so hei\u00df begehrten Regierungs\u00e4mter gelangt sind, sich zu B\u00fctteln der Durchsetzung der Programme des Kapitals zur Auspl\u00fcnderung der W\u00e4hler hergeben, denen sie vorher die Vertretung ihrer Interessen versprachen, \u2013 diese Besetzung zu bejahen und zu begr\u00fc\u00dfen machte uns \u00fcberhaupt keine Schwierigkeiten. Zum einen deshalb, weil, wo die Rote Armee Wache hielt, die Wehrmacht nicht weiter vorr\u00fccken konnte, die Bev\u00f6lkerung also davor bewahrt blieb, unter den Stiefel der Faschisten getreten zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber noch viel wichtiger: wir wussten doch, dass dies Gebiete waren, die zu Wei\u00dfrussland und zur Ukraine geh\u00f6rt hatten und 1920 vom Pilsudski-Regime gewaltsam und v\u00f6lkerrechtswidrig annektiert worden waren. Wir empfanden es als einen Geniestreich Stalins, die gegenw\u00e4rtigen Verstrickungen der imperialistischen M\u00e4chte dazu auszunutzen, friedlich das zur\u00fcckzuholen, was Sowjetrussland seinerzeit gewaltsam entrissen worden war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich im Oktober 1940 \u2013 jetzt schon als Angeh\u00f6riger der Wehrmacht \u2013 f\u00fcr drei Monate Stu-dienurlaub erhielt, nahm ich nat\u00fcrlich wieder die Verbindung zu den Genossen unserer KJVD-Gruppe auf. Auch sie hatten die genannten Ereignisse genau so beurteilt wie ich und mein Genosse im RAD-Trupp.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im \u00fcbrigen war unsere Haltung zur Sowjetunion in dieser komplizierten Zeit, und so abgesperrt, wie wir seit 1933 von Informationen waren, bestimmt von einem durch lange Jahre nie entt\u00e4uschten Vertrauen zur sowjetischen F\u00fchrung. Wir waren auch ganz sicher, dass fr\u00fcher oder sp\u00e4ter die Wehrmacht den Befehl zum \u00dcberfall auf die Sowjetunion erhalten w\u00fcrde, und genau so sicher waren wir auch, dass dies dann der Anfang vom Ende des Hitlerregimes in Deutschland sein w\u00fcrde. Auch darin sollte unser Vertrauen in die Sowjetunion und ihre F\u00fch-rung nicht entt\u00e4uscht werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 21. Juni 1941 war es dann so weit, dass Hitler den Befehl zur Verwirklichung des \u201cPlanes Barbarossa\u201d , zum Beginn des \u00dcberfalles auf die Sowjetunion gab. Vom ersten Tage an bis zum 14. M\u00e4rz 1943, dem Tag meines \u00dcbertritts auf die Seite der Roten Armee, war ich gezwun-generma\u00dfen Teilnehmer des \u201cOstfeldzuges\u201d.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich war ich nach meinem \u00dcbertritt f\u00fcr die sowjetische Seite ein Kriegsgefangener und kam in ein Arbeitslager. Das Leben dort war hart, Arbeit im Torfmoor zur Torfgewinnung als Brennmaterial f\u00fcr ein nahe gelegenes Kraftwerk, mit nur zu oft kaputten Schuhen im Wasser der Entw\u00e4sserungsgr\u00e4ben. Aber ich wusste, wie sowjetische Kriegsgefangene durch die Deutschen behandelt wurden, hatte selbst erlebt, wie Verwundete einfach abgeknallt wurden, wusste, dass in den \u201cStalags\u201d in Deutschland sowjetische Kriegsgefangene in Massen durch Arbeit, Hunger und Krankheit vors\u00e4tzlich umgebracht wurden. Wir dagegen erlebten, wie sich sowjetische \u00c4rzte bem\u00fchten, das Leben verwundeter deutscher Kriegsgefangener zu retten. Die Verpflegung bei uns im Lager war so, dass der Hunger zwar nie v\u00f6llig gestillt wurde, aber wir wussten auch: der Bev\u00f6lkerung im n\u00e4chsten Dorf ging es nicht besser. Wir haben erlebt, dass in einem besonders strengen Winter \u2013 ich glaube, das war 1945 auf 1946 \u2013 die Leute im Dorf ihren Mahlzeiten Baumrinde beigaben, w\u00e4hrend wir selbst in den schlechtesten Zeiten in unserem Essen B\u00fcchsenfleisch aus den US-Lieferungen fanden. Kurzum, ich erlebte auch als Kriegs-gefangener, dass man sich auf Stalins Wort verlassen konnte: \u201cWenn sich der deutsche Soldat ergibt, wird er entsprechend den internationalen Abmachungen behandelt!\u201d Das ging \u2013 zum gro\u00dfen \u00c4rger vieler \u201cLandser\u201d \u2013 so weit, dass auch die Vorschriften eingehalten wurden, die den Offizieren eine Vorzugsbehandlung einr\u00e4umten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach einigen Monaten wurde ich zusammen mit anderen Kameraden als Kursant auf die zentrale Antifa-Schule in Taliza geschickt, auf der wir \u2013 insgesamt zehn Kursanten \u2013 nach Absolvierung des Lehrgangs als Assistenten der dort als Lehrer wirkenden Emigran-ten-Genossen arbeiteten. Ich blieb dort bis zu meiner Entlassung nach Deutschland im Sommer 1947. Das waren Jahre angespanntesten Studiums, denn wir mussten uns die Kenntnisse an-eignen, die n\u00f6tig waren, um Vorlesungen zu halten und Seminare durchzuf\u00fchren auf den Ge-bieten: Deutsche Geschichte, Geschichte Russlands und der Sowjetunion, Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Politische \u00d6konomie und marxistisch-leninistische Philosophie. Diese Jahre an der Antifa-Schule \u2013 sie waren meine eigentliche Universit\u00e4t; und ich \u00fcbertreibe nicht, wenn ich sage: von dem dort Gelernten zehre ich noch heute, denn ohnedem w\u00e4re es mir nicht m\u00f6glich gewesen, die Chruschtschowerei als Verrat am Marxismus-Leninismus und als feindliche Diversion zu erkennen. Das, was uns dort der st\u00e4rkste Ansporn war und auch die gr\u00f6\u00dfte Befriedigung gew\u00e4hrte, war das Bewusstsein, dazu beizutragen, dass Landser, die Hitler dazu missbraucht hatte, die Sowjetunion zu zerst\u00f6ren, als Antifaschisten in die Heimat zu-r\u00fcckkehrten um zu helfen, das schwere geistige und materielle Erbe des Faschismus zu \u00fcber-winden und eine neue, antifaschistische Ordnung in ganz Deutschland zu errichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach meiner R\u00fcckkehr in die Heimat im Sommer 1947 arbeitete ich bis zum Jahre 1955 in der Bezirksleitung der SED, um dann 1955 eine Doktor-Aspirantur an der Humboldt-Universit\u00e4t zu beginnen. Am 5. M\u00e4rz 1953, also noch in der Zeit meiner Arbeit im Parteiapparat, starb Stalin. W\u00e4hrend der gewaltigen Trauerdemonstration, die in Berlin wie in der ganzen Welt stattfand, h\u00f6rte ich nicht nur einmal die fast verzweifelte Frage: \u201cWas soll denn nun werden? Wie wird es weitergehen?\u201d Ich habe damals gedacht und wohl auch diesem und jenem gesagt: \u201cWie kann ein Marxist nur so fragen? Es werden andere an seine Stelle treten und seine Sache, die Sache Lenins, weiterf\u00fchren!\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur zu bald sollte ich feststellen, dass ich unrecht, dass ich die Rolle der Pers\u00f6nlichkeit doch untersch\u00e4tzt hatte. Woher kam das? Mir war noch nicht klar, was ich erst langsam hinzulernte: dass n\u00e4mlich die Rolle der Pers\u00f6nlichkeit in der sozialistischen Gesellschaft um vieles be-deutsamer ist, als im Kapitalismus. Im Kapitalismus w\u00e4re ganz unm\u00f6glich, dass ein Partei- oder Staatsf\u00fchrer durch eine Politik des Verrates an seiner Klasse die kapitalistische Ordnung un-terminieren und Schritt f\u00fcr Schritt und St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck in eine nicht mehr kapitalistische, in eine sozialistische \u00fcberf\u00fchren k\u00f6nnte. Im Sozialismus aber ist ein solcher Weg der Unterminierung der sozialistischen Ordnung und ihre Perestroika in eine kapitalistische mittels einer Politik des Klassenverrates durch die Partei- und Staatsf\u00fchrung nicht nur m\u00f6glich, sondern von Chruschtschow begonnen und von Gorbatschow zum Erfolg gef\u00fchrt worden. Woran liegt das?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Erkl\u00e4rung kennen wir eigentlich alle, aber wir machen sie uns nicht bewusst: Der Kapita-lismus ist ein sich selbst regulierendes System, dessen Gesetzen die Menschen unterworfen sind. Der Sozialismus ist in Theorie und Praxis eine Wissenschaft. Der sozialistische Aufbau muss also auch wissenschaftlich betrieben werden, d.h., der sozialistische Politiker und \u00d6konom muss die Gesetze der Entwicklung der Gesellschaft und die \u00f6konomischen Gesetze des Sozialismus kennen und darauf seine Politik aufbauen. Oder anders gesagt: W\u00e4hrend der Prozess der Entstehung und Entwicklung des Kapitalismus ein spontaner Prozess ist, ist der Prozess der Errichtung und Entwicklung des Sozialismus ein bewusster, organisierter Prozess. Das aber bedeutet, dass die F\u00fchrungsqualit\u00e4ten der f\u00fchrenden Pers\u00f6nlichkeiten im Sozialismus eine f\u00fcr das Schicksal des Sozialismus, f\u00fcr das Gelingen oder das Scheitern des sozialistischen Aufbaus, entscheidende Rolle spielen. Das bedeutet aber auch, dass die imperialistischen Politiker \u00fcber ganz andere und wirkungsvollere Mittel der Einflussnahme auf die politische Entwicklung in den L\u00e4ndern des Sozialismus verf\u00fcgen, als umgekehrt. Das sozialistische System kann durch Einschleusung von Agenten des Imperialismus in seinen Herrschaftsapparat oder durch Korrumpierung von F\u00fchrungskr\u00e4ften paralysiert und sogar zerst\u00f6rt werden, das kapitalistische System nur durch den Kampf der Massen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bourgeoisie wei\u00df um diese besonders gro\u00dfe Bedeutung revolution\u00e4rer Pers\u00f6nlichkeiten f\u00fcr den Sieg des Sozialismus offenkundig besser Bescheid, als wir. Daher geh\u00f6rt die Planung von Morden an besonders f\u00e4higen, popul\u00e4ren und unbestechlichen F\u00fchrern der kommunistischen Parteien und der antiimperialistischen Bewegungen ebenso zum Alltagsgesch\u00e4ft der imperia-listischen Geheimdienste wie die Zersetzung revolution\u00e4rer Bewegungen und der kommunis-tischen Parteien von innen. Und daher auch ihre besonders gro\u00dfen Hoffnungen auf das Ableben von besonders popul\u00e4ren und hervorragenden revolution\u00e4ren F\u00fchrern, und die besonders in-tensiven Bem\u00fchungen, nach deren Tod auf die Wahl des Nachfolgers Einfluss zu nehmen. Dazu gab es die Einteilung der F\u00fchrer der kommunistischen Parteien in die \u201cTauben\u201d die zu f\u00f6rdern und die \u201cFalken\u201d, die zu bek\u00e4mpfen waren; sp\u00e4ter taufte man dann die zu F\u00f6rdernden in die \u201cAntistalinisten\u201d und \u201cReformer\u201d um, und die zu Bek\u00e4mpfenden und zu Eliminierenden in \u201cStalinisten\u201d und \u201cBetonk\u00f6pfe.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon in den letzten Wochen und Tagen Lenins hoffte man im Westen auf die Schw\u00e4chung und Zersetzung der Sowjetmacht durch Machtk\u00e4mpfe um die Nachfolge Lenins nach dessen Tod. Und sie hatten Grund zu solchen Hoffnungen, denn der jahrzehntelange Gegner Lenins, der erst in den letzten Monaten vor der Oktoberrevolution, auf dem VI. Parteitag der Bolschewiki im August 1917, durch Eintritt in die Partei Lenins auf den Zug der von den Bolschewiki vorbe-reiteten und gef\u00fchrten Revolution aufgesprungen war, Trotzki, setzte alles daran, sich als Nachfolger Lenins an die Spitze der Partei zu setzen. W\u00e4re ihm das gelungen, w\u00e4re das gleichbedeutend gewesen mit dem Ende der Partei als marxistisch-leninistischer Partei, und damit gleichbedeutend mit dem Ende der Sowjetmacht. Denn im Gegensatz zu Lenin und der Mehrheit der f\u00fchrenden Genossen vertrat Trotzki vehement die These, dass der Sieg und der Aufbau des Sozialismus in einem Lande unm\u00f6glich sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lenin hatte 1915 in einem Aufsatz in der Schweizer Zeitung \u201cSozialdemokrat\u201d erstmals davon gesprochen, dass der Sieg des Sozialismus in einem einzeln genommenen Lande m\u00f6glich sei. Er schrieb in dem Artikel \u201cDie Vereinigten Staaten von Europa\u201d:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als selbst\u00e4ndige Losung w\u00e4re \u2026 die Losung Vereinigte Staaten der Welt wohl kaum richtig, denn erstens f\u00e4llt sie mit dem Sozialismus zusammen, und zweitens k\u00f6nnte sie die falsche Auffassung von der Unm\u00f6glichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande und eine falsche Auffassung von den Beziehungen eines solchen Landes zu den \u00fcbrigen entstehen lassen. Die Ungleichm\u00e4\u00dfigkeit der \u00f6konomischen und politischen Entwicklung ist ein unbedingtes Gesetz des Kapitalismus. Hieraus folgt, dass der Sieg des Sozialismus zun\u00e4chst in wenigen kapitalistischen L\u00e4ndern oder sogar in einem einzeln genommenen Lande m\u00f6glich ist.\u201d (Nachzulesen ist das in Bd.21, S.345 der Werke Lenins, Berlin 1960).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sofort meldete sich Trotzki mit einem Gegenartikel zu Wort, in dem er schrieb:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201c Das einzige einigerma\u00dfen konkrete historische Argument gegen die Losung der Vereinigten Staaten wurde im schweizerischen \u201aSozialdemokrat\u2019 in folgendem Satz formuliert: \u201aDie Un-gleichm\u00e4\u00dfigkeit der \u00f6konomischen und politischen Entwicklung ist ein unbedingtes Gesetz des Kapitalismus.\u2019 Daraus zog der \u201aSozialdemokrat\u2019 den Schluss, dass der Sieg des Sozialismus in einem Lande m\u00f6glich sei.\u201d Dem widersprach Trotzki mit der Feststellung, es w\u00e4re aussichtslos, zu glauben, \u201cdass zum Beispiel ein revolution\u00e4res Russland einem konservativen Europa ge-gen\u00fcber sich behaupten \u2026 k\u00f6nnte.\u201d (In: Trotzki, Schriften, Bd. III, Teil I, S.89).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem Sieg der Oktoberrevolution hofften nat\u00fcrlich alle Revolution\u00e4re in Russland, dass ihrem Beispiel die Arbeiter in anderen L\u00e4ndern, vor allem in Deutschland folgen w\u00fcrden. Als sich dann nach dem Abklingen der revolution\u00e4ren Welle herausstellte, dass Sowjetrussland zun\u00e4chst allein in einer kapitalistischen Umkreisung leben m\u00fcsse, waren Lenins Worte von 1915 von der M\u00f6glichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande, noch dazu einem Lande wie Russland, das gewisserma\u00dfen einen eigenen Kontinent darstellte, der Leitfaden f\u00fcr das Handeln der wirklichen Bolschewiki.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotzki dagegen hielt an seiner These von der Unm\u00f6glichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande fest und verk\u00fcndete, ohne den Sieg der Weltrevolution sei die Sowjetunion zum Untergang verurteilt. Die Revolution m\u00fcsse deshalb \u201cpermanent\u201d gemacht werden und n\u00f6ti-genfalls mit den Bajonetten der Roten Armee nach Westen getragen werden \u2013 oder sie werde \u201cauf dem Halm verfaulen\u201d. Trotzkis \u201cTheorie der permanenten Revolution\u201d verbarg in Wahrheit unter \u201crevolution\u00e4rem\u201d Etikett eine Theorie der Kapitulation f\u00fcr den Fall, dass die \u201cWeltrevolution\u201d nicht baldigst die russische Revolution aus der Isolierung befreien w\u00fcrde. Diese Theorie war zugleich abenteuerlich und def\u00e4tistisch, und auf jeden Fall konterrevoluti-on\u00e4r. Der Kampf gegen sie war deshalb ein Kampf, von dessen Ausgang die Existenz der Sowjetmacht abhing.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weil Stalin am entschiedensten gegen Trotzkis Untergangsthese von der \u201cUnm\u00f6glichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande\u201d Lenins These von der M\u00f6glichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande, in der Sowjetunion, verteidigte, konzentrierten Trotzki und die Seinen das Hauptfeuer auf Stalin. Sie haben immerhin erreicht, dass die meisten Leute heute glauben, Stalin sei der \u201cErfinder der Theorie von der M\u00f6glichkeit des Sozialismus in einem Lande\u201d gewesen und keine Ahnung davon haben, dass diese Theorie von Lenin stammt, noch davon, mit welchen Argumenten Stalin diese Leninsche Theorie verteidigte und begr\u00fcndete. Deshalb sei hier vorgetragen, was Stalin dazu in seiner Arbeit \u201cZu den Fragen des Leninismus\u201d 1926 geschrieben hat:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cWas bedeutet die M\u00f6glichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande?<br \/>\nDas bedeutet die M\u00f6glichkeit, die Gegens\u00e4tze zwischen Proletariat und Bauernschaft mit den inneren Kr\u00e4ften unseres Landes zu \u00fcberwinden, die M\u00f6glichkeit, dass das Proletariat die Macht ergreifen und diese Macht zur Errichtung der vollendeten sozialistischen Gesellschaft in unserem Lande ausnutzen kann, gest\u00fctzt auf die Sympathien und die Unterst\u00fctzung der Proletarier der anderen L\u00e4nder, aber ohne vorherigen Sieg der proletarischen Revolution in anderen L\u00e4ndern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was bedeutet die Unm\u00f6glichkeit des vollen, endg\u00fcltigen Sieges des Sozialismus in einem Lande ohne den Sieg der Revolution in anderen L\u00e4ndern? Das bedeutet die Unm\u00f6glichkeit einer vollst\u00e4ndigen Garantie gegen die Intervention und folglich gegen die Restauration der b\u00fcr-gerlichen Ordnung, wenn die Revolution nicht wenigstens in einer Reihe von L\u00e4ndern gesiegt hat.\u201d (Nachzulesen in Band 8, S.58 der Stalin-Werke.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht wenige Leute meinen heute, der Untergang der Sowjetunion beweise, dass Trotzki mit seiner These von der Unm\u00f6glichkeit des Sozialismus in einem Lande doch gegen Stalin recht behalten habe. Sie \u00fcbersehen dabei jedoch erstens, dass die Sowjetunion nicht unterging, als sie noch der einzige sozialistische Staat der Erde war, sondern nachdem es sozialistische Staaten und Staaten sozialistischer Orientierung schon in allen Erdteilen au\u00dfer Australien gab, die in den Jahren von 1948\/49 an bis 1960, bis zum von Chruschtschow bewerkstelligten Bruch mit der Volksrepublik China und Albanien, eine sozialistische Staatengemeinschaft gebildet hatten, die bereits ein Drittel des Erdballs ausmachte. Das Problem des Sozialismus in einem Lande war damit gegen Trotzki im Sinne Lenins und Stalins gel\u00f6st. Und diese Leute vergessen nun ganz und gar, dass allein das bisherige \u00dcberleben des sozialistischen Winzlings Kuba im W\u00fcrgegriff seines \u00fcberm\u00e4chtigen Nachbarn USA nach dem Untergang seiner wichtigsten Unterst\u00fctzer die Trotzki-Theorie von der Unm\u00f6glichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande der L\u00e4cherlichkeit preisgibt und beweist, dass Trotzki nie begriffen hat, wo die Wurzeln der \u00dcberlebenskraft der proletarischen Revolution liegen. Noch vor Lenins Tod begann er den Kampf um die Macht. Selbst in der nach dem XX. Parteitag \u201centstalinisierten\u201d \u201c Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion\u201d aus dem Jahre 1970 (erschienen in Berlin 1971), wurde dies noch wahrheitsgem\u00e4\u00df berichtet:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cTrotzki machte sich den Umstand zunutze, dass der F\u00fchrer der Partei, W.I. Lenin, infolge seiner schweren Erkrankung aus der Arbeit ausgeschieden war, und nahm den Kampf gegen die Partei erneut auf. Er hoffte, dass die Schwierigkeiten im Lande seine Pl\u00e4ne beg\u00fcnstigen w\u00fcrden, die F\u00fchrung der Partei an sich zu rei\u00dfen und eine Linie durchzusetzen, die letztlich zur Restauration des Kapitalismus gef\u00fchrt h\u00e4tte.\u201d (S.423).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei setzte er vor allem auf Lenins Aufzeichnungen vom 23.\/24.\/25. Dezember 1922 und 4. Januar 1923, die als Brief an den bevorstehenden XIII Parteitag gedacht waren. Aus diesen Aufzeichnungen spricht die gro\u00dfe Sorge Lenins, die Auseinandersetzungen in der Partei, vor allem zwischen Trotzki und Stalin, k\u00f6nnten zur Spaltung der Partei f\u00fchren. Er gab in diesen Aufzeichnungen auch eine kurze Charakteristik der wichtigsten Genossen der F\u00fchrung der Partei, \u2013 Trotzki, Stalin, Sinowjew, Kamenjew, Bucharin und Pjatakow, wobei er deren Vorz\u00fcge und M\u00e4ngel benannte. Dabei war Stalin der einzige, bei dem er an seiner politischen Haltung nichts auszusetzen hatte, wohl aber an, wie er sie nannte, Stalins Grobheit in den in-nerparteilichen Auseinandersetzungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cStalin ist zu grob\u201d, schrieb er am 4. Januar 1924, \u201cund dieser Mangel, der in unserer Mitte und im Verkehr zwischen Kommunisten durchaus ertr\u00e4glich ist, kann in der Funktion des Gene-ralsekret\u00e4rs nicht geduldet werden. Deshalb schlage ich den Genossen vor, sich zu \u00fcberlegen, wie man Stalin abl\u00f6sen k\u00f6nnte, und jemand anderen an diese Stelle zu setzen, der sich in jeder Hinsicht von Gen. Stalin nur durch einen Vorzug unterscheidet, n\u00e4mlich dadurch, dass er toleranter, loyaler, h\u00f6flicher und den Genossen gegen\u00fcber aufmerksamer, weniger launenhaft usw. ist. Es k\u00f6nnte so scheinen, als sei dieser Umstand eine winzige Kleinigkeit. Ich glaube jedoch, unter dem Gesichtspunkt der Vermeidung einer Spaltung und unter dem Gesichtspunkt der von mir oben geschilderten Beziehungen zwischen Stalin und Trotzki ist das keine Kleinigkeit, oder eine solche Kleinigkeit, die entscheidende Bedeutung erlangen kann.\u201d (Die genannten Aufzeichnungen vom 22. 12. 1923 bis zum 4. 1. 1924 sind nachzulesen in Band 36, S.577-580, Berlin 1964 der Lenin-Werke).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die trotzkistische Propaganda behauptet bis zum heutigen Tage, Stalin habe diese Kritik Lenins vor der Partei verheimlicht. Wie es sich wirklich verhielt, das wird in einem 1995 in Moskau erschienenen und nat\u00fcrlich antikommunistischen Buch mit dem Titel: Stalin. Briefe an Molotow 1925-1936, in Deutschland 1996 im Siedler Verlag herausgebracht, von einem der Herausgeber wie folgt beschrieben:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201c Nur Nadeschda Krupskaja, Lenins Frau, kannte den vollen Inhalt des Dokuments, das sie nach Lenins Tod Anfang 1924 zusammen mit anderen Papieren dem Zentralkomitee \u00fcbergab. Die Parteif\u00fchrung entschied, Lenins Brief nicht in das offizielle Protokoll des bevorstehenden XIII. Parteitages aufzunehmen, sondern es den einzelnen Delegationen vertraulich zu verlesen. Stalin bot seinen R\u00fccktritt als Generalsekret\u00e4r an, dies wurde aber nicht akzeptiert. Der Brief selbst wurde nicht ver\u00f6ffentlicht.\u201d (S.33 des angegebenen Buches).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ver\u00f6ffentlicht wurde jedoch Stalins Rede \u00fcber \u201cDie trotzkistische Opposition fr\u00fcher und jetzt\u201d vom 23. Oktober 1927, in der Stalin auf die so genannte \u201cEastman-Aff\u00e4re\u201d einging und dann ausf\u00fchrte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cMan sagt, Genosse Lenin habe in diesem \u201cTestament\u201d dem Parteitag vorgeschlagen, man solle sich im Hinblick auf Stalins \u201aGrobheit\u2019 \u00fcberlegen, ob man nicht Stalin als Generalsekret\u00e4r durch einen anderen Genossen ersetzen solle. Das stimmt durchaus. Ja, Genossen, ich bin grob gegen diejenigen, die grob und verr\u00e4terisch die Partei zersetzen und spalten. Ich habe das nicht verheimlicht und verheimliche es nicht. M\u00f6glich, dass hier eine gewisse Milde gegen\u00fcber den Spaltern erforderlich ist. Aber das bringe ich nicht fertig. Gleich in der ersten Sitzung des ZK-Plenums nach dem XIII. Parteitag ersuchte ich das Plenum des ZK, mich von der Funktion des Generalsekret\u00e4rs zu entbinden. Der Parteitag selbst behandelte diese Frage. Jede Delegation behandelte diese Frage, und alle Delegationen, unter ihnen auch Trotzki, Kamenew, Sinowew, verpflichteten Stalin einstimmig, auf seinem Posten zu bleiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was konnte ich tun? Von meinem Posten davonlaufen? Das ist nicht meine Art, ich bin niemals von irgendeinem Posten davongelaufen, und ich habe kein Recht, davonzulaufen, denn das w\u00e4re Desertion\u2026 Ein Jahr danach richtete ich erneut einen Antrag an das Plenum, mich von meiner Funktion zu entbinden, aber man verpflichtete mich erneut, auf meinem Posten zu bleiben. Was konnte ich weiter tun?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was die Ver\u00f6ffentlichung des \u201aTestaments\u2019 angeht, so beschloss der Parteitag, es nicht zu ver\u00f6ffentlichen, da es an den Parteitag gerichtet und nicht f\u00fcr die Presse bestimmt war.\u201d<br \/>\n(Zu finden in: Stalin, Werke, Bd. 10, S.153, Berlin 1953).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Tat hatte nicht Stalin, sondern hatten andere eine Ver\u00f6ffentlichung zu f\u00fcrchten, hatte Lenin doch Trotzki \u201cNichtbolschewismus\u201d bescheinigt, von Kamenew und Sinowjew gesagt, \u201cdass die Episode im Oktober nat\u00fcrlich kein Zufall war\u201d \u2013 (im Oktober 1917 hatten die beiden der b\u00fcrgerlichen Presse den in der Parteif\u00fchrung beschlossenen Termin f\u00fcr den Beginn des bewaffneten Aufstandes zugespielt, weshalb Lenin damals f\u00fcr diesen Verrat ihren Ausschluss aus der Partei verlangt hatte); und hatte Lenin doch von Bucharin gesagt, \u201c er gilt mit Recht als Liebling der ganzen Partei, aber seine theoretischen Anschauungen k\u00f6nnen nur mit sehr gro\u00dfen Bedenken zu den v\u00f6llig marxistischen gerechnet werden\u201d.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotzki aber benutzte das \u201cTestament\u201d mit der Empfehlung , Stalin als Generalsekret\u00e4r durch einen anderen zu ersetzen, dazu, der Partei\u00f6ffentlichkeit zu suggerieren, Lenin habe als seinen Nachfolger an der Spitze der Partei ihn, Trotzki, im Auge gehabt. Dabei gab ihm das 1925 herausgebrachte Buch eines amerikanischen Journalisten und Trotzki-Sympathisanten, Max Eastman, mit dem Titel: \u201cSince Lenin Died\u201d, kr\u00e4ftige Hilfestellung. Zu diesem Eastman und seinem Buch hatte Stalin in der erw\u00e4hnten Rede ausgef\u00fchrt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201dEs gibt da einen gewissen Eastman, einen ehemaligen amerikanischen Kommunisten, der dann aus der Partei hinausgeworfen wurde. Nachdem sich dieser Herr eine Zeitlang in Moskau unter Trotzkisten herumgetrieben und verschiedene Ger\u00fcchte und Verleumdungen in Bezug auf Lenins \u201aTestament\u2019 gesammelt hatte, fuhr er ins Ausland und gab unter dem Titel \u201aNach Lenins Tod\u2019 ein Buch heraus, in dem er nicht an Farben spart, um die Partei, das Zentralkomitee und die Sowjetmacht zu verleumden, und in dem alles darauf aufgebaut ist, dass das ZK unserer Partei angeblich das \u201aTestament\u2019 Lenins \u201averheimlicht\u2019. Da dieser Eastman eine Zeitlang mit Trotzki in Verbindung stand, forderten wir, die Mitglieder des Politb\u00fcros, Trotzki auf, sich von Eastman abzugrenzen, der dadurch, dass er sich an Trotzki klammert und sich auf die Opposition beruft, Trotzki f\u00fcr die Verleumdungen unserer Partei hinsichtlich des \u201aTestaments\u2019 verantwortlich macht. Da die Frage so offenkundig war, grenzte sich Trotzki wirklich von Eastman ab und gab eine entsprechende Erkl\u00e4rung an die Presse. Sie wurde im September 1925 in Nummer 16 des \u201aBolschewik\u2019 ver\u00f6ffentlicht..\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Buch war eine unverhohlene Hilfestellung f\u00fcr Trotzki in dessen Kampf um die Nach-folge Lenins. Was von Eastmans \u201cEnth\u00fcllungen\u201d zu halten ist, schildert der Mitherausgeber der oben erw\u00e4hnten Dokumentation der Stalin-Briefe an Molotow aus dem Jahre 1995 wie folgt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cFr\u00fchere westliche Interpretationen sind stets davon ausgegangen, dass Eastmans Buch \u00bblange Ausz\u00fcge\u00ab\u201a des Testaments \u00bbkorrekt wiedergibt\u00ab. Als ich Testaments \u00bbSince Lenin Died\u00ab las, stellte ich zu meiner \u00dcberraschung fest, dass dies weit von der Wahrheit entfernt ist. Eastman gibt das Testament nicht nur stark entstellt wieder. Vielmehr dienen seine Entstellungen alle ganz offensichtlich einem politischen Zweck, der im Schlusssatz des Buches unzweideutig formuliert ist: Die Revolution\u00e4re anderer L\u00e4nder sollten sich daran erinnern, dass \u00bbsie nicht gelobt haben, im Namen des \u201aLeninismus\u2019 die internationale Autorit\u00e4t einer Gruppe zu akzeptieren, vor der Lenin in seinen letzten Worten warnt und die wesentlichen Texte Lenins unterschlagen hat, um diese Autorit\u00e4t aufrechtzuerhalten\u00ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eastman interpretiert das Testament als eine \u00bbdirekte Best\u00e4tigung von Trotzkis Ansehen\u00ab. Um zu dieser Schlussfolgerung zu kommen, musste er die positiven \u00c4u\u00dferungen \u00fcber andere F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten und die negativen Bemerkungen \u00fcber Trotzki weglassen. Die Schuld f\u00fcr diese Fehler ist nicht in erster Linie Eastman anzulasten, der sich auf \u00bbdrei verantwortliche hochgestellte Kommunisten in Russland\u00ab berief, die das Testament gelesen und \u00bbsich seine wichtigsten S\u00e4tze eingepr\u00e4gt\u00ab hatten. In seinen Memoiren, die 1964 erschienen, erinnert sich Eastman, dass Trotzki auf dem XIII. Parteitag im Jahre 1924 \u00bbmich in eine verborgene Ecke des Palastes zog und mir dort die wichtigsten S\u00e4tze aus Lenins \u201aTestament\u2019 mitteilte\u00ab. (In einem Memorandum an Stalin,\u2026 deutet Trotzki an, er habe Eastman w\u00e4hrend dieser Zeit nicht ge-troffen.) Vor der Ver\u00f6ffentlichung zeigte Eastman sein Manuskript Christian Rakowski, einem Gefolgsmann Trotzkis, der damals in Frankreich t\u00e4tig war. Rakowski stimmte der Ver\u00f6ffent-lichung zu. Die Verantwortung f\u00fcr die Entstellungen scheint deshalb bei der Trotzki-Gruppe selbst zu liegen.\u201d (S.34\/35)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit aber hatte die Trotzki eine Grube gegraben, in die Stalin st\u00fcrzen sollte, in die er aber nun selber fiel. Er konnte nicht anders, als der Forderung des Politb\u00fcros nachzukommen und sich von den L\u00fcgen und Verleumdungen Eastmans in dem von Stalin erw\u00e4hnten Artikel zu distan-zieren. In seiner Rede \u00fcber die trotzkistische Opposition zitierte Stalin eine lange Passage aus diesem Artikel Trotzkis. Trotzki hatte darin festgestellt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cEs versteht sich von selbst, dass alle diese Briefe und Vorschl\u00e4ge (Lenins) stets bestim-mungsgem\u00e4\u00df weitergeleitet, den Delegierten des XII. und XIII. Parteitags zur Kenntnis gebracht wurden und selbstverst\u00e4ndlich immer entsprechenden Einfluss auf die Beschl\u00fcsse der Partei aus\u00fcbten, und wenn nicht alle diese Briefe ver\u00f6ffentlicht wurden, so deshalb, weil sie von ihrem Verfasser nicht f\u00fcr die Presse bestimmt waren\u2026. Alle Redereien \u00fcber ein verheimlichtes oder verletztes \u201aTestament\u2019 sind b\u00f6swillige Erfindungen und sind ganz und gar gegen den faktischen Willen Wladimir Jljitschs sowie gegen die Interessen der von ihm geschaffenen Partei gerichtet.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das kam einer Selbstentlarvung gleich, denn jedem musste klar sein, dass die Quelle f\u00fcr Eastmans \u201cEnth\u00fcllungen\u201d nur Trotzki selbst und seine Gruppe sein konnte. Die \u201cEast-man-Aff\u00e4re\u201d d\u00fcrfte daher mit dazu beigetragen haben, dass der Versuch, Lenins Tod dazu auszunutzen, durch Entfesselung eines Machtkampfes die KPdSU zu schw\u00e4chen und f\u00fch-rungsunf\u00e4hig und dadurch den Weg f\u00fcr eine kapitalistische Restauration frei zu machen, kl\u00e4g-lich scheiterte. Das Hauptverdienst daf\u00fcr kam Stalin zu. Es war ein Gl\u00fccksfall f\u00fcr die KPdSU und f\u00fcr die Sowjetunion, dass nach Lenins Tod ein Mann wie Stalin bereitstand, der Lenins Ideen wie kein zweiter sich zu eigen gemacht hatte und die notwendige Elastizit\u00e4t und H\u00e4rte besa\u00df, die notwendig war im \u00dcberlebenskampf der Sowjetunion gegen die feindlichen Um-kreisung, besonders, nachdem der Imperialismus die Sowjetunion mit dem \u00dcberfall des fa-schistischen Deutschland bedrohte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe diese weit zur\u00fcckliegende Geschichte so ausf\u00fchrlich erz\u00e4hlt, weil sie nach Stalins Tod \u2013 5.M\u00e4rz 1953 \u2013 wieder hervorgeholt wurde, um zu dem gleichen Zweck eingesetzt zu werden, zu dem sie damals von Trotzki und den Seinen eingesetzt worden war. Wieder erhofften sich die Imperialisten vom Tode des verhassten und gef\u00fcrchteten Bolschewikenf\u00fchrers eine Chance, in die unvermeidliche Situation der Unsicherheit w\u00e4hrend der Herausbildung der neuen F\u00fchrung zu ihren Gunsten eingreifen und Leute ihrer Wahl an die Spitze bringen zu k\u00f6nnen. H\u00e4tte ich damals, 1953, schon das westdeutsche \u201cKeesings Archiv der Gegenwart\u201d gekannt und dessen Ver\u00f6ffentlichungen verfolgt, es w\u00e4re mir schneller gelungen, dahinter zu kommen, dass man in London und Washington mit der neuen Moskauer F\u00fchrung sehr zufrieden war und gro\u00dfe Hoffnungen auf sie setzte. Ich h\u00e4tte dann n\u00e4mlich folgende Berichte lesen k\u00f6nnen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der neue USA-Pr\u00e4sident Eisenhower hielt am 16.April 1953 eine Rede, in der er sagte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cDie Welt wei\u00df, dass mit dem Tode Stalins eine Epoche zu Ende ging\u2026 Jetzt ist eine neue F\u00fchrergeneration in der Sowjetunion an die Macht gekommen. Die sie mit der Vergangenheit verkn\u00fcpfenden Bande m\u00f6gen auch noch so stark sein, sie bedeuten jedoch keine feste Bindung f\u00fcr sie.\u201d (Zwischenfrage: Woher wussten die das?) Eisenhower fuhr fort: \u201cDie Gestaltung der Zukunft h\u00e4ngt weitgehend von ihrem Willen ab\u2026 Die neuen sowjetischen F\u00fchrer haben somit eine einmalige Gelegenheit, sich \u2026 dar\u00fcber klar zu werden, welchen Grad der allgemeinen Gef\u00e4hrdung wir erreicht haben, und dass sie das ihre tun m\u00fcssen, den Lauf der Geschichte zu wenden.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Churchill am 11. Mai 1953 im Unterhaus:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cDas wichtigste Ereignis ist nat\u00fcrlich die \u00c4nderung der Haltung und, wie wir alle hoffen, des Geistes, die im Sowjetbereich und insbesondere im Kreml seit dem Tode Stalins stattgefunden hat\u2026. Es ist die Politik der (britischen) Regierung, es durch jedes Mittel in ihrer Macht zu vermeiden, etwas zu tun oder zu sagen, das irgendeine g\u00fcnstige Reaktion hemmen k\u00f6nnte, die sich ergeben k\u00f6nnte, sowie jedes Zeichen einer Verbesserung in unseren Beziehungen zu Russland zu begr\u00fc\u00dfen.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H\u00e4tte ich das damals schon zu lesen bekommen, ich h\u00e4tte mich bestimmt gefragt: Was ist denn da los? Woher auf einmal soviel Hoffnung auf und Wohlwollen gegen\u00fcber dieser neuen Kreml-F\u00fchrung? Haben die da etwa einen Vertrauensmann drin? Ich hatte es aber nicht gelesen und brauchte deshalb viel l\u00e4nger, bis ich wegen einer Abfolge von Ereignissen zwischen 1953 und 1956 schlie\u00dflich doch auch auf die gleiche Frage gesto\u00dfen wurde. Die Ereignisse, die das waren, kann ich aus Zeitmangel hier nur benennen. Was es war, das mich stutzig und miss-trauisch machte, habe ich in der Einleitung meines Buches (Die Taubenfu\u00df-Chronik oder Die Chruschtschowiade 1953 bis 1964, Bd. I 1953 bis 1957, S. 9-26) einigerma\u00dfen ausf\u00fchrlich genannt, und vielleicht haben wir in der Diskussion noch Zeit, darauf zur\u00fcckzukommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der erste Anlass daf\u00fcr, dass ich mich fragte, warum die Freunde in Karlshorst so etwas zulie\u00dfen oder vielleicht sogar die Anweisung daf\u00fcr gegeben haben, war das Kommuniqu\u00e9 der SED-Parteif\u00fchrung \u00fcber den \u201cNeuen Kurs\u201d , das am 11. Juni 1953 ver\u00f6ffentlicht wurde. (Ausf\u00fchrliches kann man dazu in meinem Buch \u201cWider den Revisionismus\u201d in dem Artikel \u00fcber den 17. Juni 1953 nachlesen.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das zweite Ereignis, das mich \u00fcberraschte und mir den Eindruck vermittelte, dass da dr\u00fcben in der SU etwas nicht mehr ganz rund lief, war die Mitteilung im Dezember 1953 \u00fcber die Er-schie\u00dfung Berijas, \u2013 nach Stalins Tod zusammen mit Malenkow, Molotow und Chruschtschow prominentes Mitglied der neuen \u201ckollektiven F\u00fchrung\u201d der KPdSU, nun zum Tode verurteilt mit der Beschuldigung, seit dem B\u00fcrgerkrieg schon ein imperialistischer Agent gewesen zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Drittes dann im Mai 1955 Chruschtschows Totalrehabilitierung Titos mit der Erkl\u00e4rung, alle 1948 und danach gegen ihn erhobenen Vorw\u00fcrfe seien Erfindungen von Staatsfeinden und imperialistischen Agenten gewesen, \u2013 eine Behauptung, die ganz offenkundig falsch war und die Frage aufwarf, was eigentlich mit dieser Geschichtsl\u00fcge bezweckt wurde. Schlie\u00dflich wusste ja alle Welt, dass Tito Jugoslawien in den Balkanpakt gef\u00fchrt hatte, dessen weitere Mitglieder die NATO-Staaten T\u00fcrkei und Griechenland waren und der zum USA-gef\u00fchrten, gegen die Sowjetunion gerichteten B\u00fcndnissystem geh\u00f6rte. Nicht weniger bekannt war, dass die USA, die ein striktes Waffenausfuhrverbot in die sozialistischen Staaten erlassen hatten, keinerlei Bedenken trugen, Tito-Jugoslawiens Armee mit Waffen auszur\u00fcsten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Viertes und bislang Verwirrendstes \u2013 Chruschtschows Stalin-Verdammungsrede auf dem XX. Parteitag im Februar 1956. Sie schlug nicht nur allem ins Gesicht, was wir bisher aus der Sowjetunion \u00fcber Stalin geh\u00f6rt, gelesen und in Filmen gesehen hatten, und es war das auch so sehr das Gegenteil dessen, was bisher Chruschtschow selbst \u00fcber Stalin gesagt hatte, vor allem aber enthielt diese Rede nicht wenige ganz offenkundige Unwahrheiten, dass ich mich nunmehr ernsthaft fragte: Wer ist denn dieser Chruschtschow wirklich? Kann man ihm tats\u00e4chlich wei-terhin voll vertrauen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dann geschah schlie\u00dflich im Herbst des Jahres 1956, in den Tagen der Konterrevolution in Ungarn, das absolut Unbegreifliche und Unverzeihliche: Die Rote Armee stand mit ihren Panzern im Lande und griff tagelang nicht ein, als das ungarische Faschistengesindel wie in den Tagen der Liquidierung der R\u00e4terepublik in Ungarn im Jahre 1919 die Kommunisten jagte und an den B\u00e4umen aufkn\u00fcpfte. Die Verantwortung daf\u00fcr konnte nur bei der Spitze, bei Chruschtschow liegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was aber sollte man von einem Manne halten, der einen Liebling des Imperialismus, wie Tito, trotz erwiesener Feindschaft gegen die Sowjetunion und ebenso erwiesener Mitgliedschaft im USA-gef\u00fchrten Paktsystem rehabilitierte und einen \u201cTeuren Genossen\u201d nannte \u2013 gleichzeitig aber den Rotarmisten in Ungarn den Befehl gab, tagelang tatenlos zuzusehen, wie die ungari-schen Genossen ermordet wurden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In meinem Buche (ebenda, S. 20) schildere ich, wie ich schlie\u00dflich zu der Gewissheit gelangte, dass mit Chruschtschow als Generalsekret\u00e4r der KPdSU das Undenkbare Wirklichkeit ge-worden war \u2013 dass n\u00e4mlich ein als Marxist-Leninist getarnter Feind an die Spitze der Partei Lenins gelangt war. Diese Feststellung klingt manchem noch heute ungeheuerlich, aber nach den Erfahrungen mit einem Gorbatschow als KPdSU-Chef wohl nicht mehr so ganz unwahr-scheinlich und abenteuerlich, weil sich das Undenkbare nun doch vor aller Augen als nicht nur denkbar, sondern als traurige Wirklichkeit erwiesen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Umso dringlicher aber stellt sich die Frage: Wie war das m\u00f6glich? Bis wir imstande sein werden, darauf eine umfasssende Antwort zu geben, wird noch viel Zeit vergehen, weil es noch lange dauern wird, bis wir Zugang auch zu den Archiven bekommen, in denen ein Teil der Antwort verborgen ist. Aber Wesentliches zum Aufkommen und Wuchern des Revisionismus k\u00f6nnen wir doch schon heute sagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">I. Gemeinsamkeiten und Unterschiede des \u201calten\u201d und des \u201cmodernen\u201d Revisionismus in den sozialistischen L\u00e4ndern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Zielsetzung:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als \u201calten Revisionismus\u201d bezeichne ich den Revisionismus , der Ende des 19. Jahrhunderts in den Parteien der Sozialdemokratie aufkam, als , \u201cmoderner Revisionismus\u201d wurde der seit Ende der vierziger Jahre in der kommunistischen Bewegung aufkommende Revisionismus in den Dokumenten der internationalen Beratungen der kommunistischen und Arbeiterparteien bezeichnet. Beide sind Agenturen der Bourgeoisie in der Arbeiterbewegung. Aber der alte wirkt im Kapitalismus, der moderne vor allem im Sozialismus, aber auch in den kommunistischen Parteien der kapitalistischen L\u00e4nder. Wir besch\u00e4ftigen uns hier mit der Rolle des Revisionismus im Sozialismus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der alte Revisionismus will die Revolution verhindern, um den Kapitalismus zu erhalten. Der moderne will die Revolution r\u00fcckg\u00e4ngig machen, um den Kapitalismus zu restaurieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der Entstehung:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der alte Revisionismus ist das Ergebnis der Entwicklung des Kapitalismus zum Monopolka-pitalismus, zum Imperialismus und des Entstehens der Arbeiteraristokratie, der vom Imperia-lismus korrumpierten Arbeiterschichten. Er ist der theoretische Ausdruck der Haltung der mit Brosamen der Extraprofite des Monopolkapitals korrumpierten Arbeiterschichten, die ihren Frieden mit einem \u201creformierten\u201d Kapitalismus gemacht haben. Zu Beginn des Imperialismus war das auch in den Hauptl\u00e4ndern des Kapitals eine mehr oder weniger d\u00fcnne Oberschicht, heute stellt sie in diesen L\u00e4ndern eine sehr breite Schicht dar, deren Ideologie gegenw\u00e4rtig zur Ideologie der gro\u00dfen Mehrheit der Arbeiterklasse geworden ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der moderne Revisionismus entstand auf andere Weise, ist nicht \u201cvon unten gewachsen\u201d. Den Begriff des \u201cmodernen Revisionismus\u201d gab es in der Sowjetunion der Vorkriegszeit nicht, weil es das, was ihn ausmacht, noch nicht gab. Es gab den Trotzkismus als \u201clinke\u201d Abweichung, und es gab rechte, opportunistische Abweichungen von der marxistisch-leninistischen Generallinie der Partei, aber sie besa\u00dfen noch keine durch bestimmte Inhalte gekennzeichnetes program-matische Auspr\u00e4gung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das treffen wir erst nach dem Zweiten Weltkrieg an, aber nicht zuerst in der Sowjetunion, sondern in Titos Jugoslawien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eines der Merkmale des modernen Revisionismus ist die Geringsch\u00e4tzung der Rolle der Partei, das Bestreben, sie in einer klassen\u00fcbergreifenden nationalen oder Volksfront aufgehen zu lassen. Genau diese Linie verfolgte Tito in Jugoslawien. In einer Rede, die er 1947 auf dem II. Kongress der Volksfront Jugoslawiens hielt und die 1947 von einem westberliner Verlag in gro\u00dfer Auflage unter dem Titel \u201c Marschall Tito: Wie wir es machen\u201d verbreitet wurde, sagte er:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cBesitzt die Kommunistische Partei au\u00dferhalb der Volksfront irgendein anderes Programm? Nein! Die Kommunistische Partei hat kein anderes Programm. Das Programm der Volksfront ist auch ihr Programm.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiteres Merkmal des Tito-Revisionismus war die Leugnung der Einteilung der Welt in ein Lager des Imperialismus und ein Lager des Sozialismus. Die Dokumente der Tito-Partei kennen eine solche Teilung nicht, sondern sprechen stets von der Einteilung der Welt in \u201centge-genstehende milit\u00e4rische Bl\u00f6cke.\u201d Trotz ihrer Zugeh\u00f6rigkeit zum imperialistischen B\u00fcndnis-system behaupteten sie von sich, \u201cblockfrei\u201d zu sein und traten als Organisatoren eines Blocks der \u201cBlockfreien\u201d auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Propagierung der \u201cBlockfreiheit\u201d \u2013 bedeutete jedoch und hatte zum Ziel und Ergebnis die L\u00e4nder der nationalen Befreiungsbewegungen von einem B\u00fcndnis mit ihren nat\u00fcrlichen Ver-b\u00fcndeten im Kampf um nationale Unabh\u00e4ngigkeit, mit den sozialistischen L\u00e4ndern fernzu-halten. W\u00e4hrend Fidel Castro innerhalb der Bewegung der \u201cBlockfreien\u201d immer wieder f\u00fcr ein solches B\u00fcndnis eintrat, stellte sich ihm Tito stets mit der Forderung entgegen, die \u201cBlock-freien\u201d m\u00fcssten \u201dgleichen Abstand zu beiden Bl\u00f6cken\u201d halten. Das war eine raffiniert ver-schleierte Hilfestellung f\u00fcr den USA-Imperialismus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was wir in Jugoslawien als Tito-Revisionismus vorfinden, war aber nicht dort entstanden, sondern hatte seinen Ursprung in den USA, genauer: der Sch\u00f6pfer der Urform des modernen Revisionismus war Earl Browder, langj\u00e4hriger Generalsekret\u00e4r der KP der USA. Ab 1942, nach seiner Entlassung aus dem Gef\u00e4ngnis, schlug er einen opportunistischen Kurs ein, l\u00f6ste die Partei auf und verwandelte sie in eine Art Propaganda-Verein, bef\u00fcrwortete das Aufgehen der Partei in einer breiten, alle Klassen umfassenden antifaschistischen Front, die Preisgabe des Kampfes der Kommunisten um den Sozialismus in den USA, und verk\u00fcndete, die USA h\u00e4tten ihre Absicht, den Sozialismus in der Sowjetunion zu beseitigen, aufgegeben, k\u00fcnftig werde ein dauerhafter Frieden durch die Zusammenarbeit der USA mit der UdSSR gesichert und die Sowjetunion solle ihre zerst\u00f6rten Gebiete mit USA-Krediten wieder aufbauen. Diese revisio-nistischen Ideen fasste er in einer Schrift zusammen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Schrift wurde w\u00e4hrend des Krieges in deutscher und franz\u00f6sischer Sprache in der Schweiz unter den kommunistischen Emigranten verschiedener L\u00e4nder \u2013 vor allem deutscher, ungarischer und jugoslawischer \u2013 verbreitet und in Schulungen breit popularisiert. Der Mann, der die \u00dcbersetzung, den Druck und die Verbreitung dieser Urschrift des modernen Revisio-nismus betrieb, war Noel Field. Er war mit Browder befreundet .Als Beamter des US-Au\u00dfenministeriums war er im V\u00f6lkerbund t\u00e4tig gewesen, war w\u00e4hrend des Verteidi-gungskrieges der spanischen Republik gegen die faschistische Intervention in Spanien, geh\u00f6rte nach dem Abzug der Interbrigadisten und deren Einweisung in Lager in Frankreich der Kommission an, die alle Freiwilligen der Internationalen Brigaden namentlich registrierte. In Frankreich und der Schweiz \u00fcbernahm er die Leitung einer Hilfsorganisation und kn\u00fcpfte dadurch Beziehungen zu den kommunistischen Emigranten vieler L\u00e4nder an. Gleichzeitig arbeitete er mit dem in Bern residierenden Chef des US-Geheimdienstes OSS, Allan Dulles zusammen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Bezug auf die Entstehung des alten und des neuen Revisionismus k\u00f6nnen wir also kurz zuammenfassend sagen: Der sozialdemokratische Revisionismus ist gewisserma\u00dfen aus den Oberschichten der Arbeiterklasse herausgewachsen. Der \u201cmoderne\u201d Revisionismus ist als imperialistische Zersetzungsideologie von au\u00dfen in die kommunistische Bewegung einge-schleust worden .<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie und warum aber konnte er dort Wurzeln schlagen und schlie\u00dflich \u00fcber den Marxis-mus-Leninismus in der Sowjetunion und ihren europ\u00e4ischen Verb\u00fcndeten den Sieg davontragen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf den Beratungen der Kommunistischen und Arbeiterparteien Parteien 1957 und 1960 wurde der moderne Revisionismus zur Hauptgefahr erkl\u00e4rt und werden seine Hauptbestandteile auf-gez\u00e4hlt. So lesen wir in der Erkl\u00e4rung der Beratung von 1957:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cDer moderne Revisionismus ist bem\u00fcht, die gro\u00dfe Lehre des Marxismus-Leninismus in Verruf zu bringen, er erkl\u00e4rt sie f\u00fcr \u201averaltet\u2019, behauptet, sie habe heute ihre Bedeutung f\u00fcr die ge-sellschaftliche Entwicklung verloren. Die Revisionisten sind bestrebt, die revolution\u00e4re Seele des Marxismus auszumerzen und den Glauben der Arbeiterklasse und des schaffenden Volkes an den Sozialismus zu ersch\u00fcttern. Sie wenden sich gegen die historische Notwendigkeit der proletarischen Revolution und der Diktatur des Proletariats beim \u00dcbergang vom Kapitalismus zum Sozialismus, sie leugnen die f\u00fchrende Rolle der marxistisch-leninistischen Partei, sie lehnen die Prinzipien des proletarischen Internationalismus ab, sie fordern Verzicht auf die grundlegenden Leninschen Prinzipien des Parteiaufbaus und vor allem auf den demokratischen Zentralismus, sie fordern, dass die kommunistische Partei aus einer revolution\u00e4ren Kampforganisation in eine Art Diskutierklub verwandelt wird.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist ein sehr hilfreicher, aber nicht einmal vollst\u00e4ndiger Katalog der Kennzeichen des mo-dernen Revisionismus. Es fehlt ein ganz wichtiges Merkmal:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Verschleierung des unheilbar friedensfeindlichen Charakters des Imperialismus und seiner unvers\u00f6hnlichen Feindschaft gegen\u00fcber dem Sozialismus, die Verbreitung der Illusion, der Imperialismus k\u00f6nne dazu gebracht werden, auf Dauer mit dem Sozialismus friedlich zusam-menzuleben und zusammenzuarbeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Aufz\u00e4hlung ist sehr n\u00fctzlich, hat aber auch einen gro\u00dfen Mangel: Es fehlt die klare Aussage dar\u00fcber, wer ist Tr\u00e4ger dieser Auffassungen. Es werden zwar die inhaltlichen Merkmale des Revisionismus beim Namen genannt, aber \u00fcber Namen und Adressen der f\u00fch-renden Revisionisten wurde geschwiegen. H\u00e4tte man diese benannt, h\u00e4tte zusammen mit Tito Chruschtschows Name genannt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er hat auf dem XX. Parteitag den Marxismus-Leninismus f\u00fcr veraltet erkl\u00e4rt, indem er ver-k\u00fcndete, jetzt sei auch der parlamentarische Weg zum Sozialismus m\u00f6glich!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er hat den Glauben an die Gerechtigkeit des Sozialismus, des eigenen Werkes ersch\u00fcttert, indem er auf dem XX. Parteitag der KPdSU die Geschichte der Sowjetunion als die Geschichte eines Landes darstellte, das seit 1924 von einem Verbrecher und Massenm\u00f6rder geleitet wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er hat f\u00fcr die Gegenwart die proletarische Revolution und in der Sowjetunion die Diktatur des Proletariats f\u00fcr entbehrlich erkl\u00e4rt, als er verk\u00fcndete, sie sei in der Sowjetunion von der \u201cHerrschaft des Volkes\u201d abgel\u00f6st worden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er erkl\u00e4rte solche Revisionisten, wie Tito und Gomulka, die die Notwendigkeit der f\u00fchrenden Rolle der Kommunistischen Partei beim Aufbau des Sozialismus leugneten, zu zuverl\u00e4ssigen Marxisten-Leninisten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er erkl\u00e4rte den Verzicht auf die Prinzipien des proletarischen Internationalismus, als er 1955 zusammen mit Tito die jugoslawisch-sowjetische Belgrader Deklaration unterzeichnete, in der es u.a. heisst: \u201cdie Fragen der inneren Ordnung, des Unterschieds zwischen den konkreten Formen der Entwicklung des Sozialismus sind ausschlie\u00dflich Sache der einzelnen L\u00e4nder\u201d. Das war Chruschtschows Segen zum Tito-revisionistischen sog. \u201cNationalkommunismus!\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber er blieb ungenannt, konnte sich vielmehr auf beiden Tagungen als Vork\u00e4mpfer gegen den Revisionismus aufspielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der Tagung von 1960 wurde die Anonymit\u00e4t des Revisionismusvorwurfes durchbrochen, indem eine scharfe Kennzeichnung und Verurteilung des Tito-Revisionismus in die Ab-schlusserkl\u00e4rung aufgenommen wurde:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cDie kommunistischen Parteien haben die jugoslawische Spielart des internationalen Op-portunismus, die einen konzentrierten Ausdruck der \u201aTheorien\u2019 der modernen Revisionisten darstellt, einm\u00fctig verurteilt. Die F\u00fchrer des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens, die den Marxismus-Leninismus verrieten, indem sie ihn f\u00fcr veraltet erkl\u00e4rten, haben der Erkl\u00e4rung von 1957 ihr antileninistisches revisionistisches Programm \u2013 (das \u201cLaibacher Programm\u201d von 1958,K.G.) \u2013 entgegengestellt. Sie haben den BdKJ der gesamten kommunistischen Weltbe-wegung entgegengestellt, ihr Land vom sozialistischen Lager losgerissen, es von der so ge-nannten Hilfe der amerikanischen und anderen Imperialisten abh\u00e4ngig gemacht und damit die Gefahr heraufbeschworen, dass das jugoslawische Volk seiner im heroischen Kampf erzielten revolution\u00e4ren Errungenschaften verlustig geht. Die jugoslawischen Revisionisten betreiben eine W\u00fchlarbeit gegen das sozialistische Lager und die kommunistische Weltbewegung. Unter dem Vorwand einer blockfreien Politik entfalten sie eine T\u00e4tigkeit, die der Einheit aller friedliebenden Kr\u00e4fte und Staaten Abbruch tut. Die weitere Entlarvung der F\u00fchrer der jugoslawischen Revisionisten und der aktive Kampf daf\u00fcr, die kommunistische Bewegung wie auch die Arbeiterbewegung gegen die antileninistischen Ideen der jugoslawischen Revisionisten abzu-schirmen, ist nach wie vor eine unerl\u00e4ssliche Aufgabe der marxistisch-leninistischen Parteien.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Forderung war nur zu sehr berechtigt, aber sie kam viel zu sp\u00e4t. Was hier verlangt wurde \u2013 Entlarvung Titos als Revisionist, und Abschirmung der kommunistischen Bewegung gegen die antileninistischen Ideen der jugoslawischen Revisionisten \u2013 das hatten die Parteien des Kommunistischen Informationsb\u00fcros \u2013 KPdSU, Polnische Arbeiterpartei, Ungarische Partei der Werkt\u00e4tigen, KP der CSR, Bulgarische Arbeiterpartei, KP Frankreichs und KP Italiens \u2013 schon 12 Jahre vorher mit ihrer Resolution vom Juni 1948 \u201c\u00dcber die Lage in der kommunistischen Partei Jugoslawiens\u201d getan. Aber wir hatten ja schon gesehen, dass Chruschtschow 1955 mit seiner Totalrehabilitierung Titos diese \u2013 wie von der Beratung 1960 so nachdr\u00fccklich best\u00e4tigt \u2013 notwendige Schutzimpfung der ganzen kommunistischen Bewegung unwirksam gemacht hatte. Tito wurde von Chruschtschow zum Opfer von Verleumdungen von Parteifeinden und imperialistischen Agenten, fast zu einem unschuldig verfolgten Heiligen erkl\u00e4rt. Stalin aber, der genau das getan hatte, was in der Erkl\u00e4rung von 1960 verlangt wurde, \u2013 Stalin wurde auch daf\u00fcr von Chruschtschow auf dem XX. Parteitag als Verfolger des unschuldigen Tito verdammt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Chruschtschow hatte \u2013 nach dem Zeugnis von Enver Hoxha in seinem Buch \u201dDie Chruscht-schowianer\u201d (S.502) \u2013 erkl\u00e4rt: \u201cDas Dokument war ein Kompromiss, und Kompromisse haben ein kurzes Leben.\u201d Er hat damit zum Ausdruck gebracht, dass er nicht im mindesten daran dachte, sich an das zu halten, was ihm an diesem Dokument nicht passte. Wiederum blieb der gef\u00e4hrlichste aller Revisionisten, Chruschtschow, ungenannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wie erf\u00fcllte Chruschtschow nun, 1960, die Forderung der Beratung der kommunistischen und Arbeiterparteien? \u00dcberhaupt nicht! Er tat das genaue Gegenteil! Er f\u00fchrte den Bruch mit den konsequentesten K\u00e4mpfern gegen den Tito-Revisinismus, mit China und Albanien, herbei und entfesselte ein beispiellose Hetzkampagne gegen diese beiden sozialistischen Bruderl\u00e4nder! Bereits auf dem Kongress von 1960 griff er Albanien und China massiv an. Von ihm war der Verlauf des Kongresses ganz anders geplant: Er hatte eine Anklageschrift gegen die KP Chinas verfasst, die vor Beginn der Konferenz an alle Delegationen verteilt wurde. Er wollte einen Kongress, der Jugoslawien erneut volle Rehabilitation gew\u00e4hrt und daf\u00fcr Volkschina auf die Anklagebank setzt. Das ist ihm gr\u00fcndlich misslungen! Statt dessen wurde daraus ein Kongress, der seinen Sch\u00fctzling Tito verurteilte. Das war f\u00fcr ihn ein Betriebsunfall, der schnellstens korrigiert werden musste: Keine weiteren Entlarvungen der Tito-Revisionisten, sondern volles Feuer gegen Mao und Enver Hodscha, gegen Volks-China und Albanien!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum kam er damit durch?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein wesentlicher Grund war: Chruschtschow gelang es, wie schon auf der Beratung von 1957, durchzusetzen, dass in dem Dokument der Beratung der XX. Parteitag und seine Festlegungen als richtig best\u00e4tigt wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu schrieb die KP Chinas in ihrem Dokument vom 14. Juni 1963 :\u201dEin Vorschlag zur Ge-nerallinie der internationalen kommunistischen Bewegung\u201d : \u201cViele der falschen Ansichten im Erkl\u00e4rungsentwurf der F\u00fchrung der KPdSU wurden abgelehnt\u2026 Auch die Delegation der KP Chinas und die Delegationen einiger anderer Parteien machten gewisse Zugest\u00e4ndnisse, nachdem die F\u00fchrer der KPdSU damit einverstanden waren, ihre falschen Ansichten fallen zu lassen und die richtigen Ansichten der Bruderparteien anzunehmen. So zum Beispiel gingen unsere Meinungen \u00fcber die Frage des XX. Parteitages der KPdSU\u2026 auseinander, aber mit R\u00fccksicht auf die Bed\u00fcrfnisse der KPdSU und einiger anderer Bruderparteien gaben wir unsere Zustimmung, in diesen \u2026Fragen die gleiche Formulierung wie in der Deklaration von 1957 zu gebrauchen.\u201d (In: Die Polemik \u00fcber die Generallinie der internationalen kommunistischen Bewegung, hgg. von der KAZ 1993, Nachdruck der Ausgabe des Oberbaumverlages, Berlin 1971). Diese Formulierung lautete:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cDie historischen Beschl\u00fcsse des XX. Parteitages der KPdSU haben nicht nur f\u00fcr die KPdSU und den kommunistischen Aufbau in der UdSSR gro\u00dfe Bedeutung, sondern leiteten auch in der internationalen kommunistischen Bewegung eine neue Etappe ein und trugen zu deren weiterer Entwicklung auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus bei.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um der Erhaltung der Einheit willen gingen damals die Parteien, die auf unterschiedlichen, ja gegens\u00e4tzlichen Standpunkten standen, eine Art Handel ein: L\u00e4sst Du meine Formulierung an dieser Stelle zu, dann lasse ich auch Deine an jener Stelle zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Wahrheit wurde damit aber nicht die Einheit erhalten, sondern eine nicht vorhandene Einheit nach au\u00dfen hin vorgezeigt \u2013 ein Vorgehen, dass der Forderung Lenins nicht gerecht wurde, sondern sie missachtete: vorhandene Gegens\u00e4tze in grunds\u00e4tzlichen Fragen m\u00fcssen ausgetragen und d\u00fcrfen nicht verkleistert werden!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Illusion ist lebensgef\u00e4hrlich f\u00fcr den Sozialismus, weil sie zur duldenden Hinnahme einer Politik der freiwilligen Entwaffnung und schlie\u00dflichen Selbstauslieferung an den Todfeind f\u00fchren kann und tats\u00e4chlich ja auch gef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Verbreitung einer solchen Illusion auch in der kommunistischen Bewegung und in der Sowjetunion fand nach dem Ende des zweiten Weltkrieges einige g\u00fcnstige Bedingungen vor:<br \/>\nSolche waren z.B.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1. Die Anti-Hitler-Koalition erleichterte Illusionen \u00fcber eine Wandlung des Imperialismus und \u00fcber das Verschwinden des antagonistischen Gegensatzes zwischen Imperialismus und Sozialismus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2. Kriegsm\u00fcdigkeit, Friedenssehnsucht der Menschen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3. Die Existenz der Atomwaffen: das revisionistische Argument erschien jetzt besonders einleuchtend: der Frieden kann nicht gegen, sondern nur zusammen mit dem Imperia-lismus gesichert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vortrag, gehalten auf Einladung von Mitgliedern der KP\u00d6 in Wien und Linz am 19. und 20 April 2002,<br \/>\nbisher nicht gedruckt ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurt Gossweiler Bemerkungen zum Anteil des Revisionismus an der Niederlage des Sozialismus in Europa . 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