{"id":23988,"date":"2020-02-10T08:16:50","date_gmt":"2020-02-10T07:16:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/?p=23988"},"modified":"2020-02-10T08:18:16","modified_gmt":"2020-02-10T07:18:16","slug":"fuer-eine-klassenpolitik-in-der-umweltbewegung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/2020\/02\/10\/fuer-eine-klassenpolitik-in-der-umweltbewegung\/","title":{"rendered":"&#8211; F\u00fcr eine Klassenpolitik in der Umweltbewegung!"},"content":{"rendered":"<div class=\"entry\">\n<h4><span class=\"autor-artikel\">Hans Neumann<br \/>\n<\/span><\/h4>\n<h2>F\u00fcr eine Klassenpolitik in der Umweltbewegung!<\/h2>\n<h4>Warum eine Klassenanalyse von Bedeutung f\u00fcr die Linke ist<br \/>\n<span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><\/h4>\n<div id=\"attachment_23989\" style=\"width: 110px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-23989\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-23989\" src=\"http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/frei.png\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"150\" \/><p id=\"caption-attachment-23989\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #808080;\">Hans Neumann<\/span><\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Die Massenproteste gegen den Klimawandel bringen Sch\u00fcler*innen, Studierende, abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigte, Erwerbslose, Rentner*innen, aber auch Selbst\u00e4ndige und Unternehmer*innen auf die Stra\u00dfe. Au\u00dfer der AfD spricht sich niemand dagegen aus, dass der Kampf gegen den Klimawandel ganz oben auf der Priorit\u00e4tenliste stehen muss. So viel Einigkeit \u00fcber politische und soziale Grenzen hinweg, freut viele, die in der Bewegung aktiv sind. Sozialist*innen sollten verstehen, dass diese scheinbare St\u00e4rke der Bewegung zum Verh\u00e4ngnis werden kann. Eine genauere Analyse \u00fcber die Rolle von Klassen in Gesellschaft und sozialen Bewegungen ist angebracht.<\/strong><\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_23991\" style=\"width: 544px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-23991\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-23991\" src=\"http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/33370938tzu458_ea97553b8f_cft-678x452-1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"534\" height=\"356\" srcset=\"https:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/33370938tzu458_ea97553b8f_cft-678x452-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/33370938tzu458_ea97553b8f_cft-678x452-1.jpg 678w\" sizes=\"(max-width: 534px) 100vw, 534px\" \/><p id=\"caption-attachment-23991\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #808080;\">Foto: CC BY-NC 2.0 , https:\/\/www.flickr.com\/photos\/campact\/33370938458<\/span><\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Sozialist*innen die Gesellschaft erkl\u00e4ren wollen, kommen sie nicht daran vorbei, sie mit Blick auf ihre materielle Grundlage zu verstehen. Im Gegensatz zum Idealismus ist es f\u00fcr den Marxismus zweitrangig, welchen Gruppen sich Menschen gedanklich zuordnen und welche Vorstellungen voneinander unterscheidbar sind. Wenn vegane Katholik*innen nichts mit anarchistischen Tierbefreiungsaktivist*innen zu tun haben wollen, mag das im Einzelfall wichtig sein. F\u00fcr das Verst\u00e4ndnis unseres Zusammenlebens in einer Klassengesellschaft ist es aber weniger interessant. Hier ist es vor allem von Relevanz, welche Rolle Menschen im Produktionsprozess spielen und ob sie sich dessen bewusst sind. Mit Marx gesehen ist hierbei entscheidend, wer die Mittel zur Produktion besitzt und wer nicht \u2013 also ob einem die Maschinen, Rohstoffe, Geb\u00e4ude oder \u00c4hnliches geh\u00f6ren, die zur Herstellung von verkaufbaren Produkten ben\u00f6tigt werden oder ob man in dieser Wirtschaft im Grunde nichts anderes als seine Arbeitskraft verkaufen kann. Alle, die in letztere Kategorie fallen, bilden f\u00fcr Marx die Arbeiter*innenklasse, die rein zahlenm\u00e4\u00dfig den \u00fcberwiegenden Teil der Gesellschaft ausmacht und von der Konjunktur der Wirtschaft und der Willk\u00fcr der Eigent\u00fcmer an den Produktionsmitteln, den Kapitalisten, abh\u00e4ngig ist. Werden Jobs schlecht bezahlt, bleibt weniger zum Leben. Gibt es nicht genug Jobs, bleibt in der Regel nur das bisschen Brotkrumen an Arbeitslosengeld oder anderen staatlichen Leistungen, um zu \u00fcberleben. Ganz anders ergeht es ihrem Gegenpart, der Kapitalist*innenklasse (oder \u201eB\u00fcrgertum\u201c). Deren Mitglieder k\u00f6nnen sich ein sch\u00f6nes Leben machen, weil sie weder von ihrer Arbeitskraft abh\u00e4ngig sind, noch genau genommen selbst arbeiten: im Produktionsprozess schaffen n\u00e4mlich nur die besch\u00e4ftigten Arbeiter*innen neuen Wert \u2013 den Mehrwert \u2013, der zum Teil wieder in das Unternehmen investiert wird, zum Teil ausgezahlt, zum anderen Teil von den Kapitalist*innen in die eigene Tasche gesteckt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb ist z.B. Aloys Wobben nicht wegen seines gro\u00dfartigen Umweltbewusstseins oder Flei\u00dfes unter den 20 reichsten Deutschen. Sein Verm\u00f6gen von mehr als sieben Milliarden Euro ergibt sich einzig und allein aufgrund seines Eigentums an der Firma Enercon GmbH (Windanlangenproduktion), d.h. seiner Stellung im Produktionsprozess und damit vor allem durch die Ausbeutung seiner Besch\u00e4ftigten. <div class=\"hide-this-part-wrap\"><div class=\"hide-this-part-more\" id=\"hide-this-part-0\" morelink-text=\"hier geht es weiter\">hier geht es weiter \u00bb<\/div><div class=\"hide-this-part\" status=\"invisible\"><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn es um Arbeitsk\u00e4mpfe geht, forderten die Arbeiter*innen bei Enercon in der Vergangenheit einen h\u00f6heren Lohn, k\u00fcrzere Arbeitszeiten oder Verzicht auf Stellenstreichungen \u2013 was insgesamt hie\u00df, einen gr\u00f6\u00dferen Teil des von ihnen produzierten Werts an die Besch\u00e4ftigten abzugeben. Das Unternehmen setzte in diesen F\u00e4llen aber alles daran, ein m\u00f6glichst kleines \u201eSt\u00fcck vom Kuchen\u201c abgeben zu m\u00fcssen. Das Interesse der vielen Arbeiter*innen und der wenigen Kapitalist*innen steht einander direkt gegens\u00e4tzlich, unvers\u00f6hnlich diametral gegen\u00fcber.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dferhalb solcher Lohn- oder Arbeitsk\u00e4mpfe ist das Klassenverh\u00e4ltnis vielen Besch\u00e4ftigten oft nicht bewusst und dennoch \u2013 unabh\u00e4ngig wie die einzelnen Menschen dazu stehen, wie sie es wahrnehmen oder was sie empfinden \u2013 gibt es diese Klassen an sich und auch diese Klassengesellschaft. Dass sich Arbeiter*innen bewusst als Klasse f\u00fcr sich zusammenschlie\u00dfen und organisiert Gegenmacht aufbauen, ist allerdings ein Prozess, der durch Erfahrungen mit Ausbeutung und vor allem mit Klassenk\u00e4mpfen voran getrieben wird. Es ist die Aufgabe von Sozialist*innen, diesen Prozess durch Propaganda und Organisierung voran zu treiben und Ihre Stellung im Produktionsprozess aufzuzeigen \u2013 gerade weil die Kapitalist*innenklasse als Klasse f\u00fcr sich schon organisiert ist: Mit ihren prokapitalistischen Parteien, ihren Gesetzen und vor allem mit ihrem Staat.<br \/>\n<span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><br \/>\n<strong>Klassen und ihre Schichten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Marxist*innen also zwischen dem grundlegenden Klassenunterschied (Eigentum an Produktionsmitteln: ja\/nein) und der bewussten Zuordnung zu einer Klasse unterscheiden, vergessen sie dabei aber auch nicht die jeweiligen Spezifika unterschiedlicher Schichten in den Klassen: In der Arbeiter*innenklasse ist es z.B. beachtenswert, ob man sich in der Ausbildung befindet oder bereits lange Jahre arbeitete; ob man in einer Zeitarbeitsfirma knechtet, oder einen unbefristeten Vertrag hat; ob man aufgrund seines Geschlechts zus\u00e4tzliche Unterdr\u00fcckung erf\u00e4hrt oder nicht; ob man in einer Fabrik f\u00fcr Solaranlagen arbeitet oder in der Pflege usw. All diese Unterschiede sind wichtig. Sie pr\u00e4gen die Bed\u00fcrfnisse der Menschen und beeinflussen ihr Denken von sich und der Welt. Innerhalb der gesamten Arbeiter*innenklasse haben diese Schichten aber auch gemeinsame Interessen \u2013 Klasseninteressen. Je bewusster sich die aktiven Teile der Arbeiter*innenklasse \u00fcber ihre Klasseninteressen sind, desto mehr werden sie danach streben K\u00e4mpfe und Bewegungen zu einzelnen Fragen (Lohnh\u00f6he, Umweltschutz etc.) zu politischen Bewegungen\/K\u00e4mpfen zu machen, die die Klassenherrschaft des B\u00fcrgertums und die im Kapitalismus bestehenden Eigentumsverh\u00e4ltnisse in Frage stellen.<br \/>\n<span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><br \/>\n<strong>Die Rolle des Kleinb\u00fcrgertums<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das alles mag als theoretisches Gefasel wahrgenommen werden. Mit Blick auf die gegenw\u00e4rtigen K\u00e4mpfe zum Thema Umwelt sind diese Ausf\u00fchrungen aber nicht unwichtig: Denn oft vergessen linksdenkende Menschen, dass auch auf einer Demonstration zum Thema Umwelt eine Zusammensetzung von Akteur*innen unterschiedlicher Klassen und Klassenschichten gegeben ist und oft sogar eine bestimmte in Forderungen und Ideen dominieren kann. Im Falle der gegenw\u00e4rtigen Umweltbewegung sind es vor allem kleinb\u00fcrgerliche Schichten, die den politischen Charakter der Proteste bestimmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als unterster Teil der besitzenden Klasse teilt sie mit dem Gro\u00dfb\u00fcrgertum die wesentlichen Gesamtinteressen der Kapitalist*innenklasse, droht aber durch starke Konkurrenz des gro\u00dfen Kapitals immer wieder, in die Arbeiter*innenklasse abzusteigen. Die ihr Angeh\u00f6rigen besitzen Produktionsmittel und k\u00f6nnen im kleinen Rahmen ihre Existenz auch auf die Ausbeutung anderer Arbeitskr\u00e4fte st\u00fctzen, bleiben aber selbst darauf angewiesen, von ihrer eigenen Arbeit zu leben. Mit kleinem Kapital ist ihr Wettbewerb in der Regel auf lokaler Ebene begrenzt, w\u00e4hrend das Gro\u00dfkapital in viel breiteren Kontexten agieren kann. Das Gro\u00dfkapital ben\u00f6tigt Einfluss auf die Gesetzgebung des Staates und seiner Au\u00dfenpolitik, w\u00e4hrend das Kleinb\u00fcrgertum sich auf individuellen Einfluss begrenzt und oft in eher lokaler Politik mitmischt. Es ist insofern privilegiert, als dass es sich die Fr\u00fcchte seiner Arbeit direkt auszahlen kann, w\u00e4hrend Arbeiter*innen ausgebeutet werden und nur einen Teil des von ihnen produzierten Werts als Arbeitslohn erhalten. Durch den Konkurrenzdruck der gro\u00dfen Kapitale ist das Hinabsteigen in die Arbeiter*innenklasse jedoch immerzu eine reelle Gefahr. Insofern wird es ideologisch zwischen die St\u00fchle gesetzt: Der Sozialismus wird als Bedrohung betrachtet, weil er das Privateigentum an Produktionsmitteln in Frage stellt, der Kapitalismus wird als Bedrohung betrachtet, weil er durch den Konzentrationsprozess des Kapitals das Kleineigentum an Produktionsmitteln tendenziell zerst\u00f6rt. Es ist kein Zufall, dass Teile des Kleinb\u00fcrgertums in der Geschichte f\u00fcr reaktion\u00e4re Ideen, einschlie\u00dflich dem Faschismus, besonders anf\u00e4llig waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Gro\u00dfb\u00fcrgertum kann immerhin potentiell aufgestiegen werden, was durchaus mit einer positiven Bezugnahme auf das privilegierte Leben der Eliten einhergehen kann. Gleichzeitig kann dieses Verh\u00e4ltnis aber auch Neid und Missgunst hervorrufen, da die Klasse des Kleinb\u00fcrgertums im Vergleich zum Gro\u00dfb\u00fcrgertum in ihrer Masse eine benachteiligte Klasse bleibt. Wer zugleich aber immer der Gefahr ausgesetzt ist, ins \u201eeinfache Volk\u201c (Arbeiter*innenklasse) hinabzust\u00fcrzen, kann Ihnen gegen\u00fcber ebenfalls ambivalent sein: Etwa mitempfindend, wenn das Leid unverbl\u00fchmt wahrgeommen wird, aber distanziert und chauvinistisch, wenn man sich abgrenzt und als besser wahrnimmt. Nicht imstande, zur herrschenden Klasse aufzusteigen, ordnete sich das Kleinb\u00fcrgertum au\u00dferhalb von Krisenzeiten historisch immer dem Gro\u00dfb\u00fcrgertum unter. Teile des Kleinb\u00fcrgertums schlossen sich jedoch auch der Arbeiter*innenklasse an, wenn diese selbstbewusst K\u00e4mpfe f\u00fchrte und als f\u00e4hig angesehen wurde, eine bessere Gesellschaft zu erstreiten.<br \/>\n<span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><br \/>\n<strong>Was hat das mit dem Thema Umwelt zu tun?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer soziale Bewegungen in einer Klassengesellschaft verstehen will, darf sich nicht damit begn\u00fcgen, wie sich Akteure selbst zuordnen. Ob man sich als \u00d6ko, Autonome*r, Vegane*r oder Kiffer*in definiert, ist f\u00fcr Marxist*innen zweitrangig. Wichtig ist in erster Linie die Stellung im Produktionsprozess und ob sich diese im Bewusstsein der Akteur*innen niederschl\u00e4gt. Hieraus ergibt sich das revolution\u00e4re Potential der arbeitenden Bev\u00f6lkerung, wenn sie damit beginnt, sich als gemeinsame Klasse wahrzunehmen und den Kampf f\u00fcr eine sozialistische Ver\u00e4nderung der Gesellschaft aufnimmt. Dann kann sie auch Teile des Kleinb\u00fcrgertums hinter sich sammeln, die erkennen, dass eine sozialistische Gesellschaft ihnen eine bessere Zukunftsperspektive bieten kann als der Kapitalismus. Vollkommen diametral dazu stehen auch in diesem Beispiel die Interessen des Gro\u00dfb\u00fcrgertums, das auch hier die Aufrechterhaltung der Produktions- und Eigentumsverh\u00e4ltnisse vor Naturschutz, Menschenleben und Rationalit\u00e4t gestellt wird. Und auch die Sonderrolle des Kleinb\u00fcrgertums wird relevant: Denn gerade an der Umweltfrage ist das Konfliktpotential zwischen Gro\u00df- und Kleinkapital hoch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend das gro\u00dfe Kapital f\u00fcr seinen Profit zum Beispiel ganze Landstriche niederrei\u00dft, wird damit die Existenzgrundlage lokaler Handwerker, H\u00e4ndler*innen, B\u00e4uer*innen und des kleinen Gast- und Tourismusgewerbe zerst\u00f6rt. Ein Programm, das das verhindert, kann auch ein Ankn\u00fcpfungspunkt f\u00fcr das Kleinb\u00fcrgertum sein, um seine Unterst\u00fctzung f\u00fcr ein sozialistisches Programm zu gewinnen. Geschieht das nicht, k\u00f6nnen sich eine politische F\u00fchrung des Kleinb\u00fcrgertums oder von ihren Ideen gepr\u00e4gte Akteur*innen zu einer m\u00e4\u00dfigenden, abwartenden, bremsenden Rolle entwickeln bzw. der Bewegung eine falsche Richtung geben und sich schlie\u00dflich auch den prokapitalistischen Forderungen des Gro\u00dfb\u00fcrgertums anschlie\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Fridays for Future hei\u00dft diese Klassenzusammensetzung z.B., dass sich auch Unternehmer*innen mit \u201eEntrepreneurs for Future\u201c an den Klimaprotesten beteiligt haben und das Verkehrsunternehmen Flixmobility GmbH kostenlose Busfahrten zu den Demos anbietet. Es bedeutet auch, dass sich viele kleinb\u00fcrgerliche Kr\u00e4fte v.a. aus dem Dienstleistungssektor bei \u201eUnternehmen f\u00fcr Fridays for Future\u201c sammeln. Obwohl das Klein- oder Gro\u00dfb\u00fcrgertum rein quantitativ oft nur schwach in der Bewegung vertreten sein mag, kann sich ihre Ideologie in F\u00fchrung und Ideen der Bewegung niederschlagen. Oft sind es z.B. Kinder dieser Klassenangeh\u00f6rigen, die stellvertretend f\u00fcr diese Klasse individualistische und idealistische L\u00f6sungsangebote vertreten. Auch wenn in der Bewegung die Arbeiter*innenklasse in der \u00dcberzahl ist, besteht in F\u00fchrung und Ideen gegenw\u00e4rtig eine Dominanz des Gro\u00df- und v.a. des Kleinb\u00fcrgertums \u2013 nicht zuletzt weil die Arbeiter*innen als Individuen an den Protesten teilnehmen und nicht kollektiv, was die Gewerkschaften erreichen k\u00f6nnten, deren F\u00fchrungen aber auch in dieser Frage versagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Einfluss sollte nicht untersch\u00e4tzt werden: Viele Fridays for Future-Aktivist*innen \u00fcbernehmen unkritisch die Forderung nach einer noch viel h\u00f6heren CO2-Steuer, die v.a. die Arbeiter*innenklasse zur Kasse bittet. Arbeiter*innen w\u00fcrden nach Meinung vieler Aktivist*innen selbst eine wesentliche Schuld an der Misere tragen, weil sie als Konsument*innen die gleiche Rolle im zerst\u00f6rerischen System spielen w\u00fcrden wie Kapitalist*innen. Appeliert wird so etwa ans Bewusstsein der Konsument*innen, z.B. durch die Propagierung von Fleischverzicht und dem Verbot von Fl\u00fcgen unter tausend Kilometer L\u00e4nge. Sorgen vor Arbeitsplatzabbau in umweltsch\u00e4dlichem Gewerbe werden in der Regel ignoriert, statt Forderungen nach Lohn- und Besch\u00e4ftigungsgarantie ggf. in alternativen Branchen aufzustellen. Statt dadurch Besch\u00e4ftigte in umweltsch\u00e4dlichen Industrien f\u00fcr die Umweltproteste zu gewinnen, werden Arbeiter*innen direkt oder indirekt aufgefordert, ihre unmittelbaren \u00f6konomischen Interessen doch bitte zur\u00fcckzustellen. Das wird f\u00fcr die Umweltbewegung ein noch viel gr\u00f6\u00dferes Problem werden, wenn die wirtschaftlichen Probleme und Zukunfts\u00e4ngste gr\u00f6\u00dferer Teile der Arbeiter*innenklasse im Zuge der drohenden Wirtschaftskrise zunehmen. Dann wird die heute in Teilen bestehende Akzeptanz einer \u201eKostenbeteiligung\u201c am Kampf gegen den Klimawandel, zum Beispiel durch CO2-Steuer, wieder abnehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Folge dieser Konstellation ist zwar eine positive Resonanz bei b\u00fcrgerlichen Medien, aber eine Spaltung, statt breite Mobilisierung der (gesamten!) Arbeiter*innenklasse. Klar wird auch, dass viele kleinb\u00fcrgerliche Kr\u00e4fte mit \u201eSystem Change\u201c nicht einen wirklichen Systemwechsel, hin zu einer demokratisch geplanten Wirtschaft, meinen.<br \/>\n<span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><br \/>\n<strong>Die klassenbewusste Alternative<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer lieber davon redet, individuelles Verhalten zu s\u00fchnen, statt gro\u00dfe Unternehmen, ihre Lobbygruppen und den Kapitalismus als \u00f6konomisches System zu verurteilen, nimmt die Hauptschuldigen aus dem Visier. 71% der globalen Treibhausgasemission stammt von nur 100 Unternehmen. Seit dem Jahr 1751 lassen sich 63% der globalen Emission auf nur 90 Unternehmen herleiten und alleine 30% der gesamten Emission auf lediglich 20 Unternehmen!\u2028Konkrete Ma\u00dfnahmen gegen konkrete Unternehmen sind notwendig und nur eine demokratisch geplante Wirtschaft kann diese Aufgaben angehen. Das geht nicht ohne eine revolution\u00e4re Ver\u00e4nderung der Gesellschaft und einer globalen Bewegung f\u00fcr Klima, Arbeit und Wohlfahrt auf Basis einer sozialistischen Programmatik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sozialist*innen sollten deshalb auch in der Umweltbewegung einen Klassenstandpunkt einnehmen. Das bedeutet unter anderem: die Verantwortlichen am Klimawandel klar benennen, keine Forderungen unterst\u00fctzen, die die Arbeiter*innenklasse f\u00fcr den Kampf gegen den Klimawandel bezahlen lassen w\u00fcrden, sondern \u00dcbergangsforderungen aufstellen, die deutlich machen, dass die Kapitalist*innenklasse nicht nur f\u00fcr die notwendigen Ma\u00dfnahmen zahlen soll, sondern auch, dass es n\u00f6tig ist Privateigentum an Produktionsmitteln und kapitalistische Profitwirtschaft zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Linke kann ein solches notwendiges Programm nur aufstellen, wenn sie selbst eine Klassenpolitik betreibt, also die Arbeiter*innenklasse als die entscheidende, potenziell revolution\u00e4re Kraft wahrnimmt wird und nach einer m\u00f6glichst breiten Vereinigung zur Klasse f\u00fcr sich strebt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">K\u00e4mpfende Arbeiter*innen und Menschen, die ideologisch auf der Seite der Arbeiter*innenklasse stehen, finden sich zu Hauf bei den gegenw\u00e4rtigen Umweltprotesten. Es w\u00e4re Aufgabe von Sozialist*innen, diese Menschen anzusprechen und die Klassendifferenzen in der Bewegung aufzuzeigen. Erst aus einer klassenbezogenen Selbstverortung entsteht die M\u00f6glichkeit, sich Klasseninteressen bewusst zu machen und daraus schlie\u00dflich auch politische Schlussfolgerungen zu ziehen. Statt die Klassenunterschiede in der Umweltbewegung ignorierend Umweltharmonie zu predigen und \u201edie\u201c Umweltbewegung als Ganze unkritisch abzufeiern, gilt es f\u00fcr Sozialist*innen aufzuzeigen, dass es im unmittelbaren Interesse der Arbeiter*innen liegt, mit der Profitgier dieses Systems, mit dem Raubbau an der Natur, mit diesem Staat als Institution der herrschenden Klassen und damit auch mit den prokapitalistischen Kr\u00e4ften in der Bewegung ein f\u00fcr alle mal zu brechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sollte die Arbeiter*innenklasse als eigenst\u00e4ndige Kraft auftreten, k\u00f6nnte ihre rein quantitative \u00dcberlegenheit in der Bewegung auch eine neue politische F\u00fchrung entstehen lassen, die der Umweltbewegung einen proletarischen, statt kleinb\u00fcrgerlichen Charakter verleiht und die kleinb\u00fcrgerlichen Schichten in ihren Sog mitzieht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daf\u00fcr reicht es aber nicht, sich allein am Thema Umwelt abzuarbeiten, sondern auch die anderen Hauptanliegen von Arbeiter*innen, z.B. das Thema Wohnen oder konkrete Lohnk\u00e4mpfe in den Blick zu nehmen und vor allem verschiedene K\u00e4mpfe der Arbeiter*innenklasse zu vereinigen, um wirklich schlagkr\u00e4ftig zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu geh\u00f6rt eine Orientierung darauf, die Gewerkschaften auch in soziale Bewegungen wie die Umweltproteste einzubeziehen und Agitation auch in den Betrieben zu leisten. Vor allem sollten solche k\u00e4mpferischen und antikapitalistische Kr\u00e4fte in den Gewerkschaften unterst\u00fctzt werden, die sich dem systemtragenden Kurs der Gewerkschaftsspitzen in den Weg stellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Und es hei\u00dft f\u00fcr die Partei DIE LINKE, hier mutig voranzuschreiten, Vorschl\u00e4ge zu entwickeln und an die Umweltk\u00e4mpfe mit einem klaren sozialistischen Programm heranzutreten!<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><br \/>\nErstver\u00f6ffentlichung am 6. Februar in <a href=\"https:\/\/solidaritaet.info\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00bbsolidarit\u00e4t-info\u00ab<\/a> mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers und des Autors. Bilder und Bildunterschriften wurden zum Teil von der Redaktion American Rebel hinzugef\u00fcgt.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt; color: #000000;\"><span style=\"color: #ffffff;\"> .<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #ffffff; font-size: 10pt;\">.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-size: 10pt; color: #000000;\">F\u00fcr den Inhalt dieses Artikels ist der Autor bzw. die Autorin verantwortlich.<br \/>\nDabei muss es sich nicht grunds\u00e4tzlich um die Meinung der Redaktion handeln.<\/span><\/p>\n<table width=\"100%\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-7516 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/88x31.png\" alt=\"\" width=\"88\" height=\"31\" \/><\/td>\n<td style=\"text-align: justify; font-size: 10pt;\"><a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nc-nd\/4.0\/\" target=\"_blank\" rel=\"license noopener noreferrer\">Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung &#8211;<br \/>\nNicht kommerziell &#8211; Keine Bearbeitungen 3.0 International Lizenz.<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<form action=\"https:\/\/www.paypal.com\/cgi-bin\/webscr\" method=\"post\" target=\"_top\"><input alt=\"Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen \u2013 mit PayPal.\" name=\"submit\" src=\"https:\/\/www.paypalobjects.com\/de_DE\/DE\/i\/btn\/btn_donateCC_LG.gif\" type=\"image\" \/><\/form>\n<\/td>\n<td><span style=\"color: #993300;\"><strong>Auch linker Journalismus ist nicht kostenlos<br \/>\nund auch kleine Spenden k\u00f6nnen helfen Gro\u00dfes zu ver\u00f6ffentlichen!<\/strong><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<div style=\"margin-left: 10px;\"><a title=\"zur Startseite\" href=\"http:\/\/www.americanrebel.de\/\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft\" src=\"http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/back_ar.png\" alt=\"zur\u00fcck zur Startseite\" width=\"156\" height=\"15\" \/><\/a><\/div>\n<div style=\"margin-right: 10px;\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/groups\/1683837971860223\/permalink\/1987214344855916\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright\" src=\"http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/ar_zu_fb.png\" alt=\"hier geht es zur Facebook Diskussionsgruppe\" width=\"353\" height=\"15\" \/><\/a><\/div>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"#respond\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/ar_kommentar-1.png\" alt=\"Sag uns deine Meinung zum Artikel mit einem Kommentar\/Leserbrief\" width=\"627\" height=\"20\" \/><\/a><span class=\"_4n-j _fbReactionComponent__eventDetailsContentTags fsl\" data-testid=\"event-permalink-details\"><\/div><!-- .hide-this-part --><\/div><!-- hide-this-part-wrap --><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hans Neumann F\u00fcr eine Klassenpolitik in der Umweltbewegung! Warum eine Klassenanalyse von Bedeutung f\u00fcr die Linke ist . Die Massenproteste gegen den Klimawandel bringen Sch\u00fcler*innen, Studierende, abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigte, Erwerbslose, Rentner*innen, aber auch Selbst\u00e4ndige und Unternehmer*innen auf die Stra\u00dfe. 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