NBI 52/1980, Dezember 1980

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Flieg, mein "Kau-Boy", flieg...

NBI 21/1972

Der "Horse-Billard-Saloon" von Rosecity ist so voll, wie die meisten seiner Gäste. Dennoch schleppen Barkeeper und Servier-Girl jede Menge Whisky heran, ein paar schräge Damen ihre Freier ab. Ein Verrückter bearbeitet auf der Bühne ein Schlagzeug und die Ohren der Saufgesellschaft.

Da reitet der Sheriff mit seinem Gaul plötzlich mitten in die Spelunke. Es folgt ein deftiger Wortwechsel mit zwei Fremden. Ergebnis, eine gehörige Klopperei. Die Fetzen und mehrere Beteiligte fliegen durch die Luft. Minuten später sind zwei Dutzend Cowboys keine "Kau-Boys" mehr, und auch das Inventar der Branntwein-Destille ist nicht mehr, was es vorher war.

Das Ganze ist eine Szene aus dem ersten DEFA-Western mit dem ursächsisch klingenden Arbeitstitel "Sing, mein Cowboy, sing!", dessen Hauptdarsteller und Regisseur Dean Reed ist. Fünf Tage, zum Teil mit zwei, drei Kameras (Leitung: Hans Heinrich) ist das Tohuwabohu gleichzeitig gedreht worden, das im Kino letztlich ein Vorgang von Minuten ist. Allerdings, diese Filmmeter haben es in sich. An die dreißig "Prügelknaben" - Akrobatengruppen aus verschiedenen Orten der DDR - waren dafür verpflichtet worden.

Was für mutige Mimen sind das, die da mit flinken Fäusten vor der Kamera agieren? Supermänner? Gewiss nicht, eher spezialisierte Fachleute. Man hat ihrer Tätigkeit in der Kino-Branche manchen Namen gegeben - Stuntman, Double, Filmartist, Kaskadeur. Wie man sie auch nennen mag, ist schließlich egal. Wichtig allein ist ihre Arbeit. Wenn Drehbuch und Regie es verlangen, wagen sie Sprünge von Dächern und Brücken, hüpfen sie auf fahrende Züge und Autos, springen durch Fenster und Feuer und machen all das Gefährliche, das man dem darin ungeschulten Schauspieler nicht abverlangen kann. Obgleich dieser dann die Lorbeeren seines Doppelgängers erntet. Die Kaskadeure scheinen Brustkorb, Bizeps, Bandscheiben und Bauchdecken aus Titanlegierungen zu haben. Trotz Tricks und Effekten gibt's natürlich auch mal blaue Flecken. Allerdings, das Risiko ist auf ein Minimum reduziert. Sturzsprünge enden meist in einem Riesenberg von Pappkartons oder einer Fuhre Schaumstoffschnipsel. Kinnhaken kann man markieren, Muskeln abpolstern. Dagegen vom Kronleuchter oder der Dachrinne zu hopsen, verlangt schon ein gewisse Portion Realität. Leichtsinnigkeit oder "Hoppla-jetzt-komme-ich"-Attitüde sind deshalb in diesem Nebenberuf nicht gefragt. Statt dessen ist Köpfchen, Körpertraining, Kondition Voraussetzung für diese Arbeit, die ganz gefährlich auszusehen hat und nur dann schlecht wäre, wenn sie mit einem Unfall endete.

Text und Fotos: Helmut Raddatz

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Letzte Änderung: 2014-10-29