{"id":282,"date":"2002-08-01T06:00:44","date_gmt":"2002-08-01T04:00:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/ml\/?p=282"},"modified":"2017-03-12T14:46:09","modified_gmt":"2017-03-12T13:46:09","slug":"kurt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/ml\/kurt\/","title":{"rendered":"&#8211; Revisionismus \u2013 Totengr\u00e4ber des Sozialismus"},"content":{"rendered":"<h4 style=\"text-align: justify;\"><strong>Kurt Gossweiler<br \/>\n<\/strong><\/h4>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Revisionismus \u2013 Totengr\u00e4ber des Sozialismus<\/h2>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><strong>Zur Entstehung des modernen Revisionismus und zu seiner Etablierung in der Sowjetunion unter Chruschtschow 1953-1964<br \/>\n<span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><br \/>\n<\/strong><\/h4>\n<div id=\"attachment_287\" style=\"width: 110px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-287\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-287\" src=\"http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/ml\/wp-content\/uploads\/2002\/08\/Kurt_Gossweiler.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"150\" \/><p id=\"caption-attachment-287\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #808080;\">Kurt Gossweiler<\/span><\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Entstehung des modernen Revisionismus und zu seiner Etablierung in der Sowjetunion unter Chruschtschow 1953-1964<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inhalt:<br \/>\n1. Einige Bemerkungen zum Ursprung und zur Charakteristik des \u201cmodernen Revisionismus\u201d<br \/>\n2. Wie Chruschtschow die Zerst\u00f6rung der Sowjetmacht einleitete<br \/>\n3. Ziele und Wirkungen des XX. Parteitages der KPdSU<br \/>\n4. Zwei Schwerpunkte, mit denen sich die Revisionisten ihre Massenbasis verschafften und die Geschichtsl\u00fcge, mit der sie die kommunistische Bewegung paralysierten.<br \/>\n5. Einige Schlussbemerkungen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist f\u00fcr mich eine gro\u00dfe Freude, diese Veranstaltung gemeinsam mit dem Genossen Harpal Brar bestreiten zu d\u00fcrfen, den ich vor neun Jahren in Br\u00fcssel beim allj\u00e4hrlichen Mai-Seminar der Partei der Arbeit Belgiens zum ersten Mal erleben durfte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass wir heute gemeinsam hier auftreten k\u00f6nnen, daf\u00fcr sind wir alle hier der Zeitschrift \u201cOffensiv\u201d und ihren unerm\u00fcdlichen Herausgebern, Frank und Anna, Dank schuldig.<br \/>\nDanken m\u00f6chte ich aber auch den Zeitschriften, die ebenfalls bereit waren, Einladungs-Anzeigen zu dieser Veranstaltung abzudrucken, also der \u201cJungen Welt\u201d, der \u201cRoten Fahne\u201d der KPD und der \u201cUZ\u201d der DKP.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das gemeinsame Thema beider heutiger Referenten lautet: Der Revisionismus \u2013 Totengr\u00e4ber des Sozialismus. Diese Feststellung wird durch jedes der beiden heute vorzustellenden, aber vollst\u00e4ndig unabh\u00e4ngig voneinander entstandenen B\u00fccher belegt. Dass sie dennoch zu genau den gleichen Ergebnissen gelangt sind, best\u00e4tigt die Richtigkeit eines fr\u00fcher, als die kommunistischen Weltbewegung noch fest auf dem Fundament des Marxismus-Leninismus stand, unter Kommunisten gel\u00e4ufigen Wortes, das besagte: Wo auch immer Kommunisten leben \u2013 ob in Berlin, New York, Moskau oder Peking \u2013 sie werden zu allen entscheidenden Fragen des Klassenkampfes unabh\u00e4ngig voneinander \u00fcberall die gleiche Position einnehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei waren unsere Ausgangspunkte schon allein durch den Altersunterschied bedingt ganz unterschiedlich. Mich als damals fast Vierzigj\u00e4hrigen haben schon die ersten drei Jahre Chruschtschow an der Macht zu der \u00dcberzeugung gebracht, die ich in meinem politischen Tagebuch am 19. Januar 1957 mit den Worten niedergeschrieben habe: \u201cKein Zweifel, an der Spitze der Partei Lenins und Stalins steht zur Zeit ein Feind, ein Vertrauensmann der imperialistischen Geheimdienste, allen voran des us amerikanischen, ein Komplize des seit langem zum Agenten des Secret Service und des CIA gewordenen Tito.\u201d (Kurt Gossweiler, Die Taubenfu\u00df-Chronik oder die Chruschtschowiade 1953 bis 1964, Bd. 1 1953 bis 1957, M\u00fcnchen 2002, S.209)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch unser Herangehen an die Analyse ist gepr\u00e4gt durch unsere jeweilige Spezialisierung: Genosse Brar als \u00d6konom hat das Hauptgewicht auf die Analyse der Wirtschaftspolitik Gorbatschows und \u2013 im R\u00fcckblick \u2013 Chruschtschows gelegt. Mein Hauptuntersuchungsfeld war dagegen die innere und \u00e4u\u00dfere Politik Chruschtschows, die Politik gegen\u00fcber der Geschichte der eigenen Partei, die Politik gegen\u00fcber den Bruderparteien und sozialistischen Bruderl\u00e4ndern \u2013 besonders gegen\u00fcber der DDR-, die Politik gegen\u00fcber dem Imperialismus. Die Wirtschaftspolitik blieb nat\u00fcrlich nicht unbeachtet, ihren Sch\u00e4dlingscharakter habe ich, wo ich ihn erkannte, \u2013 z. B. bei der Aufl\u00f6sung der MTS, bei der Neulandaktion \u2013 , aufgedeckt, aber f\u00fcr eine so genaue Analyse der \u201cWirtschaftsreformen\u201d unter Chruschtschow und Breshnew, wie sie Genosse Brar durchf\u00fchrte, fehlten mir sowohl die notwendigen polit\u00f6konomischen Kenntnisse als auch die n\u00f6tige Materialkenntnis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber wo man die Politik der Revisionisten auch packt: man kommt immer zum gleichen Ergebnis: der Revisionismus zielt auf die Restauration des Kapitalismus, und wo ihm nicht das Handwerk gelegt wird, da wird er zum Totengr\u00e4ber des Sozialismus und \u2013 das muss mit Nachdruck erg\u00e4nzt werden: auch der kommunistischen Bewegung. Insofern erg\u00e4nzen sich beide B\u00fccher \u2013 ich m\u00f6chte sagen: in gl\u00fccklicher Weise \u2013 sowohl von der Chronologie her als auch von der Betrachtungsweise her. Und auch von der Zielsetzung her!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im letzten Absatz seiner \u201cPerestroika\u201d schreibt Genosse Brar:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cDer Verfasser strebt nach Antwort auf die wichtigste Frage, n\u00e4mlich: Wie war es m\u00f6glich, dass \u2026diese UdSSR, die einer gewaltigen Hitlerschen Kriegsmaschinerie das Genick brach,. als sozialistischer Staat so schm\u00e4hlich kollabierte? Niemand kann die enorme Bedeutung f\u00fcr die ganze kommunistische Bewegung leugnen, eine richtige Antwort auf diese Frage zu finden. Nur die Zeit und weitere Er\u00f6rterungen werden erweisen, ob der Autor erfolgreich bei ihrer korrekten Beantwortung war.\u201d (Perestroika, S.163)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Vorwort zu meiner \u201cTaubenfu\u00dfchronik\u201d ist zu lesen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201dSeit dem Untergang der Sowjetunion und des Staat gewordenen Sozialismus in Europa ist die wichtigste und zugleich qu\u00e4lendste Frage f\u00fcr jeden revolution\u00e4ren Sozialisten die Frage nach den Ursachen f\u00fcr diese Menschheitskatastrophe\u2026 Wenn die Chronik dazu beitr\u00e4gt, in der kommunistischen und der Arbeiterbewegung einer einheitlichen Auffassung \u00fcber die tats\u00e4chlichen Ursachen der keineswegs unvermeidlichen, sondern vermeidbaren Niederlage und dar\u00fcber n\u00e4herzukommen, wodurch der keineswegs unm\u00f6gliche, sondern fast schon sichere, nicht mehr zur\u00fcck zudrehende Sieg \u00fcber den Imperialismus in diesem Jahrhundert verhindert wurde, dann h\u00e4tte dieses Tagebuch doch noch einen gesellschaftlichen Nutzen erzielt und seine Ver\u00f6ffentlichung gerechtfertigt.\u201d<br \/>\n<span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">1. Einige Bemerkungen zum Ursprung und zur Charakteristik des \u201cmodernen Revisionismus\u201d<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der alte, \u201csozialdemokratische\u201d Revisionismus der Bernstein und Kautsky entstand als der theoretische Ausdruck der Interessen vom Monopolkapital korrumpierter Arbeiterschichten, die ihren Frieden mit einem \u201creformierten\u201d Kapitalismus gemacht haben. Der \u201cmoderne Re-visionismus\u201d, also der Revisionismus in den Kommunistischen Parteien und in den sozialistischen L\u00e4ndern, entstand auf andere Weise, ist nicht \u201cvon unten\u201d gewachsen. Den Begriff des \u201cmodernen Revisionismus\u201d gab es in der Sowjetunion der Vorkriegszeit nicht, weil es das, was ihn ausmacht, noch nicht gab. Es gab den Trotzkismus als \u201clinke\u201d Abweichung, und es gab rechte, opportunistische Abweichungen von der marxistisch-leninistischen Generallinie der Partei, die durchaus Elemente enthielten, die auch f\u00fcr den modernen Revisionismus kennzeichnend sind, ohne jedoch schon alle dessen Merkmale und Inhalte in sich zu vereinigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beide, der alte und der moderne Revisionismus, haben gemeinsam, dass sie Agenturen der Bourgeoisie in der Arbeiterbewegung sind: Der alte Revisionismus wirkt im Kapitalismus und will die Revolution verhindern, um den Kapitalismus zu erhalten. Der moderne Revisionismus will die Revolution r\u00fcckg\u00e4ngig machen, um den Kapitalismus wiederherzustellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das sozialistische Land, in dessen f\u00fchrender kommunistischer Partei erstmals an die Stelle des Marxismus-Leninismus das gesetzt wurde, was sp\u00e4ter den Namen \u201cmoderne Revisionismus\u201d erhielt, war Titos Jugoslawien. Aber er war nicht dort entstanden, sondern hatte seinen Ursprung in den USA, und sein Sch\u00f6pfer war kein anderer als der langj\u00e4hrige Generalsekret\u00e4r der KP der USA, Earl Browder. F\u00fcr eine ausf\u00fchrliche Darstellung seiner Auffassungen und des Weges, auf dem diese aus den USA in die kommunistischen Parteien Europas transportiert wurden, fehlt hier die Zeit; (Ausf\u00fchrlich hierzu Kurt Gossweiler, Die Urspr\u00fcnge des modernen Revisionismus oder: Wie der Browderismus nach Europa verpflanzt wurde \u2013 Gedanken bei Lesen der Tageb\u00fccher von Georgi Dimitroffs, Offensiv \u2013 Zeitschrift f\u00fcr Sozialismus und Frieden 10\/03)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier sei nur soviel erw\u00e4hnt: Ab 1942, nach seiner Entlassung aus dem Gef\u00e4ngnis, schlug Browder einen opportunistischen Kurs ein, l\u00f6ste die KP der USA auf und verwandelte sie in eine Art Propaganda-Verein, bef\u00fcrwortete das Aufgehen der Partei in einer breiten, alle Klassen umfassenden antifaschistischen Front, die Preisgabe des Kampfes der Kommunisten um den Sozialismus in den USA, und verk\u00fcndete, die USA h\u00e4tten ihre Absicht, den Sozialismus in der Sowjetunion zu beseitigen, aufgegeben, k\u00fcnftig werde ein dauerhafter Frieden durch die Zusammenarbeit der USA mit der UdSSR gesichert und die Sowjetunion solle ihre zerst\u00f6rten Gebiete mit USA-Krediten wieder aufbauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine revisionistischen Ideen fasste er in einer Schrift zusammen. Die wurde w\u00e4hrend des Krieges in deutscher und franz\u00f6sischer Sprache in der Schweiz unter den kommunistischen Emigranten verschiedener L\u00e4nder \u2013 vor allem deutscher, ungarischer und jugoslawischer \u2013 verbreitet und in Schulungen breit popularisiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Mann, der die \u00dcbersetzung und die Verbreitung dieser Urschrift des modernen Revisionismus unter den kommunistischen Emigranten betrieb, war ein mit Browder pers\u00f6nlich befreundeter US-Beamter, Noel Field, der nach dem Abzug der Interbrigadisten und deren Einweisung in Lager in Frankreich der internationalen Kommission angeh\u00f6rte, die alle aus Spanien nach Frankreich evakuierten Freiwilligen der Internationalen Brigaden namentlich registrierte. In Frankreich und der Schweiz war er als Leiter einer us amerikanischen Hilfsorganisation t\u00e4tig und kn\u00fcpfte dadurch Beziehungen zu den kommunistischen Emigranten vieler L\u00e4nder an. Gleichzeitig arbeitete er mit dem in Bern residierenden Chef des US-Geheimdienstes OSS, (Office of Strategic Services) , Allan Dulles, zusammen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seinem Buch Perestroika weist Genosse Brar darauf hin, (S.126 f.), dass einer der f\u00fchrenden polnischen Revisionisten, der b\u00fcrgerliche \u00d6konom Oskar Lange, in den drei\u00dfiger Jahren Vorlesungen an der Universit\u00e4t in Chicago hielt und in seinem 1935 erschienen Buch: \u201cMarxistische \u00d6konomie und moderne Wirtschaftstheorie\u201d von revisionistischen Positionen aus die marxistische \u00d6konomie als veraltet und der modernen b\u00fcrgerlichen Wirtschaftstheorie weit unterlegen erkl\u00e4rte. Er verbreitete Ideen \u00fcber \u201ceine elementare Gemeinschaft der Grundwerte\u201d der USA und der Sowjetunion, die wir \u00e4hnlich bei Browder wieder finden. Es ist durchaus m\u00f6glich, dass Browder von Langes Vortr\u00e4gen und B\u00fcchern Kenntnis hatte und einige ihrer Ideen \u00fcbernommen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zusammenfassend k\u00f6nnen wir sagen: Im Unterschied zum alten, sozialdemokratischen Revisionismus, der gewisserma\u00dfen aus den Oberschichten der Arbeiterklasse heraus gewachsen ist, ist der neue, \u201cmoderne\u201d Revisionismus als imperialistische Zersetzungsideologie von au\u00dfen in die kommunistische Bewegung eingeschleust worden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie und warum aber konnte er dort Wurzeln schlagen und schlie\u00dflich \u00fcber den Marxismus-Leninismus in der Sowjetunion und ihren europ\u00e4ischen Verb\u00fcndeten den Sieg davontragen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Tatsache ist noch schwerer erkl\u00e4rlich, wenn wir uns vor Augen halten, dass auf den beiden Moskauer Konferenzen von 1957 und 1960 der Revisionismus sehr treffend gekennzeichnet und zur Hauptgefahr f\u00fcr die kommunistische Bewegung erkl\u00e4rt wurde. So hei\u00dft es in der Erkl\u00e4rung der Beratung von 1957:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cDer moderne Revisionismus ist bem\u00fcht, die gro\u00dfe Lehre des Marxismus-Leninismus in Verruf zu bringen, er erkl\u00e4rt sie f\u00fcr \u201averaltet\u2019, behauptet, sie habe heute ihre Bedeutung f\u00fcr die gesellschaftliche Entwicklung verloren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Revisionisten sind bestrebt, die revolution\u00e4re Seele des Marxismus auszumerzen und den Glauben der Arbeiterklasse und des schaffenden Volkes an den Sozialismus zu ersch\u00fcttern. Sie wenden sich gegen die historische Notwendigkeit der proletarischen Revolution und der Diktatur des Proletariats beim \u00dcbergang vom Kapitalismus zum Sozialismus,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">sie leugnen die f\u00fchrende Rolle der marxistisch-leninistischen Partei,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">sie lehnen die Prinzipien des proletarischen Internationalismus ab,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">sie fordern Verzicht auf die grundlegenden Leninschen Prinzipien des Parteiaufbaus und vor allem auf den demokratischen Zentralismus,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">sie fordern, dass die kommunistische Partei aus einer revolution\u00e4ren Kampforganisation in eine Art Diskutierclub verwandelt wird.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Schlusserkl\u00e4rung der Moskauer Beratung von 1960 wurde erneut bekr\u00e4ftigt, dass der Revisionismus die Hauptgefahr f\u00fcr die kommunistische Weltbewegung darstellt, dar\u00fcber hinaus scharf mit dem Tito-Revisionismus abgerechnet:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cDie kommunistischen Parteien haben die jugoslawische Spielart des internationalen Opportunismus, die einen konzentrierten Ausdruck der \u201aTheorien\u2019 der modernen Revisionisten darstellt, einm\u00fctig verurteilt. Die F\u00fchrer des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens, die den Marxismus-Leninismus verrieten, indem sie ihn f\u00fcr veraltet erkl\u00e4rten, haben der Erkl\u00e4rung von 1957 ihr anti leninistisches revisionistisches Programm \u2013 (das \u201cLaibacher Programm\u201d von 1958, K.G.) \u2013 entgegengestellt, ihr Land vom sozialistischen Lager losgerissen, es von der Hilfe der amerikanischen und anderen Imperialisten abh\u00e4ngig gemacht und damit die Gefahr heraufbeschworen, dass das jugoslawische Volk seiner im heroischen Kampf erzielten revolution\u00e4ren Errungenschaften verlustig geht. Die jugoslawischen Revisionisten betreiben eine W\u00fchlarbeit gegen das sozialistische Lager und die kommunistische Weltbewegung. Unter dem Vorwand einer blockfreien Politik entfalten sie eine T\u00e4tigkeit, die der Einheit aller friedliebenden Kr\u00e4fte und Staaten Abbruch tut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die weitere Entlarvung der F\u00fchrer der jugoslawischen Revisionisten und der aktive Kampf daf\u00fcr, die kommunistische Bewegung wie auch die Arbeiterbewegung gegen die antileninistischen Ideen der jugoslawischen Revisionisten abzuschirmen, ist nach wie vor eine unerl\u00e4ssliche Aufgabe der marxistisch-leninistischen Parteien.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Forderung war nur zu sehr berechtigt, aber sie kam viel zu sp\u00e4t. Was hier \u2013 1960! \u2013 verlangt wurde: Entlarvung Titos als Revisionist, und Abschirmung der kommunistischen Bewegung gegen die antileninistischen Ideen der jugoslawischen Revisionisten \u2013 das hatten doch schon 1948, also 12 Jahre vorher, die Parteien des Kommunistischen Informationsb\u00fcros \u2013 KPdSU, Polnische Arbeiterpartei, Ungarische Partei der Werkt\u00e4tigen, KP der CSR, Bulgarische Arbeiterpartei, KP Frankreichs und KP Italiens \u2013 mit ihrer Resolution vom Juni 1948 \u201c\u00dcber die Lage in der kommunistischen Partei Jugoslawiens\u201d getan!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie konnte es da geschehen, dass wenige Jahre sp\u00e4ter dennoch der Revisionismus in der kommunistischen Bewegung zur Hauptgefahr werden konnte und sie erneut vor der W\u00fchlarbeit der jugoslawischen Revisionisten gewarnt werden musste? Das ist das \u201cVerdienst\u201d Chruschtschows, dessen Rolle nun etwas n\u00e4her betrachtet werden soll.<br \/>\n<span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">2. Wie Chruschtschow die Zerst\u00f6rung der Sowjetmacht einleitete<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine der ersten Handlungen des nach Stalins Tod am 5. M\u00e4rz 1953 im September 1953 zum Generalsekret\u00e4r der KPdSU aufgestiegenen Chruschtschow, die mich stutzig machten, war jene, mit der die erw\u00e4hnte Warnung der Parteien des Kommunistischen Informationsb\u00fcro vor dem Tito-Revisionismus als falsch und unberechtigt erkl\u00e4rt und damit die dringend notwendige Schutzimpfung aller kommunistischen Parteien gegen die Infektion mit dem Revisionismus, die diese Warnung dargestellt hatte, unwirksam gemacht worden war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 26. Mai 1955 erkl\u00e4rte Chruschtschow als Leiter der sowjetischen Delegation bei deren Ankunft auf dem Belgrader Flughafen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cTeurer Genosse Tito! Wir bedauern aufrichtig, was geschehen ist\u2026 Wir haben eingehend die Materialien \u00fcberpr\u00fcft, auf denen die schweren Anschuldigungen und Beleidigungen beruhten, die damals gegen die F\u00fchrer Jugoslawiens erhoben wurden. Die Tatsachen (?!) zeigen, dass diese Materialien von Volksfeinden, niedertr\u00e4chtigen Agenten des Imperialismus, fabriziert waren, die sich durch Betrug in die Reihen unserer Partei eingeschlichen hatten.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe in meinem Tagebuch damals diese Auslassungen Chruschtschows so kommentiert:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cN\u00e4heres dar\u00fcber, welche Dokumente gef\u00e4lscht sind, wurde nie ver\u00f6ffentlicht. Obwohl die Behauptung, dass die kommunistische Weltbewegung, mit so erfahrenen Genossen wie Stalin, Dimitroff, Togliatti, Thorez usw., sich durch F\u00e4lschungen einer Gruppe von Provokateuren zu einer vollkommen falschen Einsch\u00e4tzung der Situation eines Landes habe verleiten lassen; dass die kommunistische Bewegung mit der KPdSU an der Spitze im Unrecht, Tito dagegen der Mann sei, der im Recht ist; obwohl eine solche Situation das Aller unwahrscheinlichste ist, gen\u00fcgte f\u00fcr viele diese eine, durch nichts bewiesene Behauptung, um sie f\u00fcr Tatsache zu nehmen und von nun ab in Tito den \u201cteuren Genossen\u201d, dem bitter Unrecht geschehen ist, zu sehen.\u201d (Taubenfu\u00df-Chronik I, S.47 f.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In meiner Chronik f\u00fchre ich des weiteren Tatsachen an, die beweisen, dass Chruschtschows Reinwaschung Titos eine faustdicke L\u00fcge darstellte. Das Tollste aber ist, dass Chruschtschow selbst, als nach der von Tito mit inszenierten Konterrevolution in Ungarn im Oktober-November 1956 endlich in der kommunistischen Weltbewegung der Revisionismus als Hauptgefahr f\u00fcr die Existenz des Sozialismus erkannt wurde und dadurch Chruschtschows Position an der Spitze der KPdSU gef\u00e4hrdet war, der sich, als habe er niemals seine Flugplatzrede gehalten, als Vork\u00e4mpfer gegen den Tito-Revisionismus aufspielte. So hielt er auf dem VII. Parteitag der KP Bulgariens im Juni 1958 eine Rede, in der er u.a. ausf\u00fchrte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cDie kommunistischen Parteien h\u00fcten und wahren die Einheit ihrer Reihen wie ihren Augapfel. (Das sagt der Mann, der alles getan hat, um diese Einheit zu zerst\u00f6ren und vor allem Volkschina aus der Gemeinschaft der kommunistischen Staaten aus zusto\u00dfen!) Doch weiter in seinem Text: \u201cSie f\u00fchren einen unvers\u00f6hnlichen Kampf gegen Revisionismus und Dogmatismus. In diesem Kampf richtet sich das Hauptfeuer der kommunistischen Parteien naturgem\u00e4\u00df gegen die Revisionisten als die Kundschaftler des imperialistischen Lagers\u2026. Der moderne Revisionismus ist eine Art trojanisches Pferd. Die Revisionisten versuchen, die revolution\u00e4ren Parteien von innen zu zersetzen, die Einheit zu unterminieren und Verwirrung und Durcheinander in die marxistische Ideologie zu tragen.\u201d ( Das ist eine sehr gute Selbstbeschreibung seines Auftrages und seiner Hauptbesch\u00e4ftigung!)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch das ist noch immer nicht alles: mit den folgenden Ausf\u00fchrungen gibt er selbst zu, dass seine Tito-Rehabilitierung von 1955 auf L\u00fcgen beruhte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cIm Jahre 1948 nahm die Konferenz des Informationsb\u00fcros eine Resolution \u201a\u00dcber die Lage in der KPJ\u2019 an, die eine berechtigte Kritik an der T\u00e4tigkeit der KP Jugoslawiens in einer Reihe prinzipieller Fragen enthielt. Diese Resolution war im wesentlichen richtig und entsprach den Interessen der revolution\u00e4ren Bewegung.\u201d (ND v.5.Juni 1958).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich wusste das Chruschtschow auch 1955, als er in seiner Tito-Rehabilitierung das Gegenteil von sich gab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was aber ergibt sich daraus mit zwingender Logik? Einer, der sich selbst als Kommunist ausgibt, aber einem anderen, der sich auch als Kommunist ausgibt, von dem er aber wei\u00df, dass der in Wahrheit ein Kundschaftler des Imperialismus, also ein imperialistischer Agent ist, diesem dennoch das Zeugnis eines zuverl\u00e4ssigen Kommunisten ausstellt \u2013 der kann nur ein Komplize des Agenten, also selbst ein Agent des Imperialismus sein!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man sollte meinen, dass dies, wie es Genosse Brar in einem anderen Zusammenhang in seinem Buche formuliert, \u201cselbst Idioten erkennen k\u00f6nnen.\u201d (Perestroika, S.146) Aber davon kann leider keine Rede sein. Ich erlebe leider immer wieder, dass mir Genossen, die ich sch\u00e4tze und deren Verstand voll intakt ist, auf meine Feststellung: \u201cChruschtschow ist der Gorbatschow der f\u00fcnfziger und sechziger Jahre, wie Gorbatschow der Chruschtschow der achtziger und neunziger Jahre ist\u201d, erkl\u00e4ren Ja, dass Gorbatschow ein Verr\u00e4ter war, damit hast Du ja recht gehabt. Aber Chruschtschow \u2013 das ist doch etwas anderes. Und selbst, wenn ich ihnen dann weitere Beispiele offenkundiger L\u00fcgen Chruschtschows und demagogischer Man\u00f6ver vorf\u00fchre, die eindeutig beweisen, dass dieser Mann seine Macht und Stellung dazu missbrauchte, den Interessen des Imperialismus zu dienen und dar\u00fcber die Partei und das Volk irrezuf\u00fchren, \u2013 dann gen\u00fcgt ihnen das alles immer noch nicht; offenbar reichen ihnen nicht f\u00fcr sich selbst sprechende Tatsachen aus, \u2013 sie sind durch Tatsachenzeugnisse von ihrem Glauben an die im Grunde doch guten Absichten des Nikita nicht zu heilen und von Chruschtschows bewusster Sch\u00e4dlingsarbeit nicht zu \u00fcberzeugen, solange die ihnen nicht durch ein Papier, am besten mit einer von Chruschtschow unterschriebenen Verpflichtungserkl\u00e4rung als V-Mann des CIA , nachgewiesen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich greife hier nur zwei weitere solche Tatsachenzeugnisse heraus, von denen jedes einzelne ausreicht, bei einem Kommunisten, der gewohnt ist, die Ehrlichkeit eines Parteif\u00fchrers gegen\u00fcber seinen Genossen als Ma\u00dfstab f\u00fcr dessen Glaubw\u00fcrdigkeit und Zuverl\u00e4ssigkeit zu nehmen, ausreichen w\u00fcrde, um zu sagen: Du magst alles m\u00f6gliche sein, aber eines bist Du mit Sicherheit nicht: ein Kommunist oder gar einer, dem man die F\u00fchrung der Partei anvertrauen darf!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erstes Beispiel: nach Chruschtschows Totalverdammung Stalins in seiner Geheimrede auf dem XX. Parteitag der KPdSU brachte es der gleiche Chruschtschow fertig, in seiner Festrede auf der Oktoberfeier des Jahres 1957, die v\u00f6llig im Zeichen des Kampfes gegen den Revisionismus stand und er daher um seine eigene Stellung an der Spitze der Partei bangen musste, \u2013 so, als h\u00e4tte es nie seine Rede auf dem XX. Parteitag gegeben -, zu erkl\u00e4ren:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cDie Partei hat alle bek\u00e4mpft und wird dies auch weiterhin tun, die Stalin verleumden und unter der Flagge der Kritik am Personenkult die ganze historische T\u00e4tigkeit unserer Partei falsch und verzerrt darstellen, in der J.W. Stalin an der Spitze des Zentralkomitees stand. Als treuer Marxist und Leninist und standhafter Revolution\u00e4r nimmt Stalin einen w\u00fcrdigen Platz in der Geschichte ein. Unsere Partei und das Sowjetvolk werden Stalins gedenken und ihm die geb\u00fchrende Ehre erweisen.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was er darunter verstand, wurde auf dem XXII. Parteitag der KPdSU im Jahre 1961 offenbar, als er nicht nur alle seine Verleumdungen Stalins von 1956 wiederholen, sondern auch die engsten Mitarbeiter Stalins, Molotow und Lasar Kaganowitsch, als \u201cParteifeinde\u201d aus der KPdSU ausschlie\u00dfen lie\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zweites Beispiel: Die Aufl\u00f6sung des Informationsb\u00fcros der Kommunistischen und Arbeiterparteien (Informb\u00fcro):<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf einer Pressekonferenz in Neu Delhi am 14. Dezember 1955 f\u00fchrte der damalige sowjetische Ministerpr\u00e4sident Bulganin aus:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cManchmal stellt man die Frage, ob man denn die \u201aKominform\u2019 nicht irgendwie liquidieren k\u00f6nne. Doch aus welchem Grunde sollten die kommunistischen und Parteien eigentlich auf eine allgemeing\u00fcltige Form des internationalen Verkehrs und Zusammenwirkens verzichten?\u2026Die T\u00e4tigkeit dieser Organisation beunruhigt alle, die das alte, \u00fcberlebte System der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen zu einer bleibenden Erscheinung machen wollen.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurz danach, am 29. Dezember 1995 sprach Chruschtschow selbst zum gleichen Thema vor dem Obersten Sowjet der UdSSR und sagte dabei dies:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cAusl\u00e4ndische Journalisten in Indien fragten uns sehr oft: Warum l\u00f6sen Sie das Kominform nicht auf? Wir haben darauf geantwortet: Warum schlagen Sie nicht vor, die Sozialistische Internationale aufzul\u00f6sen? \u2026 Nat\u00fcrlich gef\u00e4llt den Gegnern des Kommunismus das Kominform nicht\u2026\u201d (Taubenfu\u00df-Chronik I, S.92).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Gestalt westlicher Journalisten wurde Chruschtschow also Ende des Jahres 1955 nachdr\u00fccklich die Forderung derer unterbreitet, die durch die T\u00e4tigkeit des Informb\u00fcros \u201cbeunru-higt\u201d waren, dieses aufzul\u00f6sen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und, was geschah? Trotz der \u00fcberzeugenden Zur\u00fcckweisung dieser Forderung durch Bulganin und Chruschtschow? Am Dienstag, den 17.April 1956 erschien die Zeitung des Informationsb\u00fcros \u201cF\u00fcr dauerhaften Frieden, f\u00fcr Volksdemokratie zum letzten Mal mit einer \u201cInformatorischen Mitteilung \u00fcber die Einstellung der T\u00e4tigkeit des Informationsb\u00fcros der Kommunistischen und Arbeiterparteien.\u201d Als Begr\u00fcndung wurden \u201c\u00c4nderungen in der Internationalen Lage\u201d angegeben. Aber zwischen dem Dezember 1955 und dem April 1956 hat nur ein Ereignis stattgefunden, das die internationale Lage in unabsehbarer Weise ver\u00e4ndert hat: Der XX. Parteitag der KPdSU. Und der machte sehr schnell deutlich, dass \u2013 wie ich in meinem Tagebuch vermerkte \u2013 \u201cein Kontaktorgan der Kommunistischen und Arbeiterparteien noch nie so dringend n\u00f6tig war wie gerade jetzt!\u201d (Taubenfu\u00df-Chronik I, S.91) Aber genau das war der Grund f\u00fcr seine Aufl\u00f6sung durch die Chruschtschow-F\u00fchrung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der XX. Parteitag der KPdSU war von Chruschtschow dazu ausersehen, den Generalangriff auf das von Lenin und Stalin geschaffene sozialistische System und die marxistisch-leninistische Grundlage der kommunistischen Weltbewegung zu starten. Dazu sollte die tats\u00e4chliche \u00f6konomische, politische und milit\u00e4rische Abh\u00e4ngigkeit der europ\u00e4ischen sozialistischen L\u00e4nder von der Sowjetunion ausgenutzt werden, um diese zur widerspruchslosen Gefolgschaft bei der grundlegenden Kurs\u00e4nderung zu zwingen. Deshalb musste Schluss gemacht werden mit einem Organ, in dem die wichtigsten n\u00e4chsten Schritte der sozialistischen Staaten und der kommunistischen Parteien kollektiv beraten und alle Parteien prinzipiell gleichberechtigt waren; musste auch Schluss gemacht werden mit dem in diesem Organ herrschenden Grundsatz, dass alle Parteien der kommunistischen Bewegung der Bewegung als Ganzem gegen\u00fcber Rechenschafts pflichtig sind. Von jetzt ab hatte zu gelten: Was in Moskau beschlossen wird, das gilt f\u00fcr alle \u2013 ausgenommen Tito und sp\u00e4ter hinzutretende Revisionisten, wie Gomulka und Kadar. F\u00fcr sie \u2013 und nur f\u00fcr sie !- galt der Passus in der von Tito und Chruschtschow am 2.Juni 1955 unterzeichneten \u201cBelgrader Deklaration\u201d, der den \u201cNationalkommunismus\u201d als ein \u201cmarxistisch-leninistisches Prinzip\u201d legitimierte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cBeide Regierungen gehen von folgenden Prinzipien aus: gegenseitige Achtung und Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten, Einmischung weder aus wirtschaftlichen noch aus politischen, ideologischen oder sonstigen Gr\u00fcnden, da die Fragen der inneren Einrichtung, des Unterschiedes in den Gesellschaftssystemen und des Unterschiedes in den konkreten Formen der Entwicklung des Sozialismus ausschlie\u00dflich Sache der V\u00f6lker der einzelnen L\u00e4nder sind.\u201d (Handbuch der Vertr\u00e4ge, Berlin 1968, S.606 f.)<br \/>\n<span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">3. Ziele und Wirkungen des XX. Parteitages der KPdSU<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Verr\u00fcckte an der Weigerung mancher Genossen, in Chruschtschow einen zu sehen, der wie Gorbatschow zum Ziel hatte, die sozialistische Ordnung im Lande zu unterminieren, ist, dass sie in ihm einen Heilsbringer und einen Retter des Sozialismus genau wegen der Veranstaltung sehen, die in Wahrheit die wichtigste Grundlage daf\u00fcr schuf, dass Gorbatschow \u2013 gest\u00fctzt auf die Vorarbeit von Chruschtschow und Breshnew \u2013 das von Chruschtschow eingeleitete Zerst\u00f6rungswerk erfolgreich zu Ende bringen konnte \u2013 also wegen des XX. Parteitages.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beginnt doch kein geringerer als Robert Steigerwald, f\u00fchrender Theoretiker der Deutschen Kommunistischen Partei und seit einiger Zeit auch Vorsitzender der Marx-Engels-Stiftung noch im Jahre 2001 einen ganzseitigen Artikel zum 45.Jahrestag des XX. Parteitages im DKP Organ \u201dUnsere Zeit\u201d vom 9. Februar vorigen Jahres mit den Worten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cDer XX. Parteitag der KPdSU beendete das System schwerer Verletzungen sozialistischen Rechts und sozialistischer Ideale, wie es sich, beginnend gegen Ende der Zwanzigerjahre in der Sowjetunion gebildet hatte.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist dies noch immer die Sicht nicht nur der Mehrheit der B\u00fcrger der ehemals sozialistischen L\u00e4nder \u2013 von denen anderer L\u00e4nder ganz zu schweigen -, sondern auch der Mehrheit der Kommunisten dieser und sicher auch vieler anderer L\u00e4nder. Und das ist kein Wunder, gleichen doch die Stimmen, die dieser Geschichtsf\u00e4lschung die Wahrheit \u00fcber Chruschtschow und seine Bande entgegenhalten, einer einzelnen schwachen Stimme, die gegen das tosende Donnern der Wellen des Meeres der b\u00fcrgerlichen und revisionistischen Medien anzurufen sucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber wir rufen weiter, in der Gewissheit: noch jede Wahrheit, die sich schlie\u00dflich durchgesetzt hat, musste so beginnen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich brauche in diesem Kreise nicht im Einzelnen nachzuweisen, dass der XX. Parteitag der Wendepunkt in der Geschichte der KPdSU war, der aus der bisher f\u00fchrenden und reifsten marxistisch-leninistischen Partei das Leitzentrum des modernen Revisionismus machte. Dies nicht nur wegen der revisionistischen Umschreibung der eigenen Geschichte, sondern wegen der Umschaltung von einer marxistisch-leninistischen Theorie und Praxis auf eine revisionistische auf allen Gebieten \u2013 Partei und Staat, Wirtschaft, Innen \u2013wie Au\u00dfenpolitik, Wissenschaft und der Kultur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht zu Unrecht aber verbindet jeder mit dem XX. Parteitag vor allem die \u201cGeheimrede\u201d Chruschtschows, seine \u201cAbrechnung\u201d mit Stalin. Die wenigsten aber wissen, dass Chruschtschow diese seine Rede dem Parteitag nach dessen offizieller Beendigung \u00fcberfallartig aufgezwungen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich damals diese Rede zum ersten Mal las, sagte ich mir und schrieb es in mein Tagebuch:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cEs ist ausgeschlossen, dass das Politb\u00fcro oder das ZK die Rede so, wie sie gehalten wurde, vorher gebilligt hat. Die Westpresse hat ganz bestimmt recht, wenn sie \u201avermutet\u2019, Chruschtschow sei in dieser Rede viel weiter gegangen, als vereinbart.\u201d (Taubenfu\u00df-Chronik I, S.74)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Best\u00e4tigung dessen erhielt ich 45 Jahre sp\u00e4ter, als ich die Erinnerungen Lasar Kaganowitschs las. Er schildert sehr anschaulich, auf welche Weise Chruschtschow den Parteitag vergewaltigte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cDer XX. Parteitag ging seinem Ende entgegen. Pl\u00f6tzlich wird eine Pause eingelegt. Die Mitglieder des Pr\u00e4sidiums werden in den hinteren Raum, der zum Ausruhen bestimmt ist, zusammengerufen. Chruschtschow stellt die Frage, auf dem Parteitag seinen Vortrag \u00fcber den Pers\u00f6nlichkeitskult Stalins und dessen Auswirkungen anzuh\u00f6ren. Gleichzeitig wurde uns der Entwurf des Vortrages in einem rot gebundenen maschinenschriftlichen B\u00fcchlein verteilt. Die Sitzung ging unter anormalen Bedingungen vor sich \u2013 in einer Enge \u2013 manche sa\u00dfen, andere standen. Es war schwierig, in kurzer Zeit dieses umfangreiche Heft durchzulesen und seine Inhalt durch zu denken, um entsprechend den Normen der innerparteilichen Demokratie einen Beschluss zu fassen. Alles das in einer halben Stunde, denn die Delegierten sa\u00dfen im Saal und erwarteten etwas f\u00fcr sie Unbekanntes, da die Tagesordnung des Parteitages bereits erledigt war. \u2026 Schon vor dem XX. Parteitag hatte das Pr\u00e4sidium die Frage ungesetzlicher Repressalien und begangener Fehler behandelt. Das Pr\u00e4sidium des ZK bildete eine Kommission, die beauftragt wurde, die Angelegenheiten von Repressierten an Ort und Stelle zu untersuchen\u2026 und konkrete Vorschl\u00e4ge zu formulieren. Nach der Beratung dieser Fragen im Pr\u00e4sidium war vorgesehen, nach dem XX. Parteitag ein ZK-Plenum einzuberufen, um den Vortrag der Kommission mit entsprechenden Vorschl\u00e4gen anzuh\u00f6ren. Genau dazu sprachen die Genossen Kaganowitsch, Molotow, Woroschilow und andere zur Begr\u00fcndung ihrer Einw\u00e4nde. Au\u00dferdem sagten die Genossen, dass wir einfach au\u00dfer Stande seien, den Vortrag (Chruschtschows) redaktionell zu bearbeiten und Korrekturen anzubringen, die unbedingt n\u00f6tig seien. Wir sagten, dass selbst ein fl\u00fcchtiges Bekanntmachen zeigt, dass das Dokument einseitig und falsch ist. Die T\u00e4tigkeit Stalins k\u00f6nne auf keinen Fall nur von einer Seite beleuchtet werden, notwendig sei eine objektive Beleuchtung aller seiner positiven Seiten, damit die Werkt\u00e4tigen verstehen und allen Spekulationen der Feinde unserer Partei und unseres Landes eine Abfuhr erteilen. Die Sitzung zog sich hin, die Delegierten (im Saal) erregten sich, und deshalb wurde ohne jede Abstimmung die Sitzung beendet und wir begaben uns in den Saal. Dort wurde die Erg\u00e4nzung der Tagesordnung verk\u00fcndet: den Vortrag Chruschtschows \u00fcber den Pers\u00f6nlichkeitskult Stalins anzuh\u00f6ren. Nach dem Vortrag fand keinerlei Aussprache statt, der Parteitag beendete seine Arbeit.\u201d (Lasa Kaganowitsch, Pamjatnie Sapiski, Wagrius, Moskwa 1996, S. 508 f., \u00dcbers. K.G., zitiert in Taubenfu\u00df-Chronik I, 18)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist wenig bekannt, dass dieser Bericht weder zu Chruschtschows noch zu Breshnews Zeiten in der Sowjetunion ver\u00f6ffentlicht wurde. Die Partei lehnte es ab, ihn als offizielles Parteidokument anzuerkennen. Auch Chruschtschow hat sich w\u00e4hrend seiner Amtszeit nie als Verfasser seiner Rede bekannt. Ver\u00f6ffentlicht wurde sie kurz nach dem Parteitag zuerst in der New York Times.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 14. Mai 1957 gab Chruschtschow dem Korrespondenten der New York Times, Turner Catledge, ein Interview, in dessen Verlauf Catledge Chruschtschow auch folgende Frage stellte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cSie wissen vielleicht, dass im vergangenen Jahr die Zeitung New York Times den Text Ihrer Rede auf dem XX. Parteitag, in der Sie die Exzesse der stalinschen Periode kritisierten, ver\u00f6ffentlichte. Sind in dem Text Ihrer Rede, der in den westlichen L\u00e4ndern ver\u00f6ffentlicht wurde, irgendwelche wesentlichen Auslassungen oder gar Entstellungen unterlaufen?\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie antwortete Chruschtschow auf diese Frage?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cIch wei\u00df nicht, von welchem Text die Rede ist. Ich h\u00f6rte davon, dass in den USA irgendein Text ver\u00f6ffentlicht wurde, der vom amerikanischen Geheimdienst fabriziert worden ist und dieser Text als Text meines Vortrages auf dem XX. Parteitag ausgegeben wurde. Aber die Ver\u00f6ffentlichungen von Allan Dulles erfreuen sich keiner Autorit\u00e4t in der SU. Ich habe keinerlei Wunsch, Literatur zu lesen, die von Allan Dulles fabriziert wird.\u201d (Taubenfu\u00df-Chronik I, S.300)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man kann getrost diese Antwort Chruschtschows als einen indirekten Hinweis auf die Stelle betrachten, die, wenn nicht selbst als Verfasser der Rede, so doch als Helfer und Begutachter ihres Entwurfes mitbeteiligt war, und ihren Apparat \u2013 keineswegs selbstlos, sondern im ureigensten Interesse -, f\u00fcr ihre weltweite Verbreitung zur Verf\u00fcgung stellte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im westlichen Ausland waren die Anklagen gegen Stalin, die diese Rede enthielt, durchaus nichts Neues. Wurden sie doch dort von der b\u00fcrgerlichen und sozialdemokratischen Presse und den Trotzkisten seit Jahr und Tag verbreitet. Solange sie aus diesen Quellen kamen, waren sie f\u00fcr die Kommunisten in aller Welt nur die Best\u00e4tigung dessen, dass die Sowjetunion auf dem richtigen Wege war, denn weshalb sonst w\u00fcrde sie von den Imperialisten und deren Meute so w\u00fctend verfolgt? Neu und sensationell war jedoch, dass diese Anklagen diesmal nicht aus dieser Richtung kamen, sondern dass es der Nachfolger Stalins an der Spitze der KPdSU war, der nunmehr best\u00e4tigte, dass alles, was die vereinten Antikommunisten im Westen bisher an Hetzl\u00fcgen \u00fcber die Sowjetunion verbreitet hatten, gar keine Hetzl\u00fcgen seien, sondern die Wahrheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Wirkung auf die Kommunistischen Parteien war verheerend. Ihre erprobtesten F\u00fchrer, die nat\u00fcrlich ein enges Vertrauensverh\u00e4ltnis zur F\u00fchrung der KPdSU und zu Stalin gehabt hatten, waren von Heute auf Morgen mit dem Vorwurf belastet, einem Verbrecher zur Hand gegangen zu sein und die eigene Partei zur Gefolgschaft f\u00fcr diesen Verbrecher erzogen zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer bisher zutiefst von der Richtigkeit der Politik der eigenen Partei und der Sowjetunion \u00fcberzeugt gewesen war, wurde in schreckliche Zweifel gest\u00fcrzt und verunsichert; f\u00fcr viele war es gerade ihr tief sitzendes Vertrauen zur Sowjetunion, das sie nach schweren inneren K\u00e4mpfen sich zu der Haltung durchringen lie\u00df, Stalin so zu sehen, wie dessen Nachfolger ihn schilderte. Wer aber schon vorher die strenge Parteidisziplin und den Kampf um die Reinheit und Einheit der Partei als l\u00e4stige Fessel und Einengung der eigenen Pers\u00f6nlichkeit empfunden hatte, der empfand Chruschtschows \u201cAbrechnung mit Stalin\u201d als eine Art Befreiung. Ich habe das in meiner Umgebung damals selbst erlebt und in meinem Tagebuch festgehalten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cWenn heute bei vielen Kommunisten, ganz zu schweigen von den anderen Menschen, sich mit dem Namen Stalin in erster Linie Gef\u00fchle der Ablehnung, ja des Abscheus \u00e4u\u00dfern, dann geht das auf den XX. Parteitag zur\u00fcck. Und wenn es heute gelingt, in die kommunistische Bewegung Verwirrung zu tragen mit der falschen Frontstellung \u2013 Kampf gegen die Stalinisten \u2013 , dann w\u00e4re das ohne die Art und Weise, wie auf dem XX. Parteitag der Kampf gegen den Personenkult gef\u00fchrt wurde, auch kaum m\u00f6glich geworden!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist auff\u00e4llig und bemerkenswert, dass gerade von den Parteien, die anerkannterma\u00dfen am besten verstanden haben, sich im eigenen Volk eine Massenbasis zu schaffen, die Proportionen zwischen Verdiensten und Fehlern Stalins genau umgekehrt dargestellt wurden und werden, als dies der XX. Parteitag tat: KP Chinas, KP Frankreichs, KP Italiens\u201d (Taubenfu\u00df-Chronik I, S. 61)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201c\u2026Dazu kommt, dass in zahlreichen Parteien die Erkl\u00e4rung das pl\u00f6tzliche Auftreten parteifeindlicher, trotzkistischer Elemente ermuntert hat, ganz besonders nach den Ereignissen in Ungarn, aber auch schon vorher, die sich gegen die F\u00fchrer wandten, die schon zu Lebzeiten Stalins an der Spitze der Partei standen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besonders gef\u00e4hrlich und verh\u00e4ngnisvoll war die Auswirkung auf die Jugend, die erzogen war, in Stalin die Verk\u00f6rperung des Besten eines Revolution\u00e4rs zu sehen, und die ihn \u2013 ich spreche von der fortschrittlichen Jugend \u2013 liebte und verehrte von ganzem Herzen, wie nur Jugend lieben und verehren kann. Sie traf die Chruschtschow-Erkl\u00e4rung wie ein vernichtender Keulenschlag. Viele von ihnen hatten erlebt, wie sich ein Ideal, an das sie ebenso fest geglaubt hatten, der Nazismus, als L\u00fcge, Heuchelei und Verbrechen enth\u00fcllt hatte. \u2013 Und jetzt wurde ihnen gesagt, dass sie wieder ihre Verehrung, ihre Begeisterung einem Unw\u00fcrdigen zugewandt hatten. Sie mussten sich betrogen f\u00fchlen; sie f\u00fchlten sich betrogen, irregef\u00fchrt, verh\u00f6hnt. Die unvermeidliche Reaktion: nichts mehr glauben, niemandem mehr vertrauen, allem misstrauen, was mit dem Anspruch auf absolute Wahrheit auftritt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verlust des Vertrauens nicht nur zu Stalin, sondern zu den F\u00fchrern, die sie gelehrt hatten, in Stalin das Vorbild zu sehen. Das war das Schlimmste; diese Erkl\u00e4rung hat das Vertrauen der Jugend zur Partei untergraben, hat sie in eine Stimmung der erbitterten Opposition gegen die Partei und deren F\u00fchrer getrieben, hat sie dazu gef\u00fchrt, in dem, was der Feind sagt, auch eine Quelle der Wahrheitsfindung zu sehen, denn, nicht wahr, der hat das ja schon seit Jahren gesagt, was jetzt Chruschtschow best\u00e4tigt hat, und h\u00e4tten wir fr\u00fcher darauf geh\u00f6rt, dann w\u00e4re uns diese Entt\u00e4uschung erspart geblieben. Ein zweites Mal soll uns das nicht passieren! \u2013 Verlust des Gef\u00fchls daf\u00fcr, wer Feind, wer Freund. Abgleiten in Zynismus und alles verneinende Skepsis \u2013 all dem wurde der Boden bereitet, und das war der Zustand, der in Ungarn und Polen die Jugend in die Arme von Demagogen, gegen die Partei, trieb.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wirkung auf die Intelligenz. \u00c4hnlich wie bei der Jugend. Der Intelligenz gegen\u00fcber waren die gr\u00f6bsten Fehler gemacht worden. Der notwendige Kampf gegen Individualismus, Eigenbr\u00f6telei, kleinb\u00fcrgerlich-anarchistische Stimmung war mit Methoden der dogmatischen \u201aBelehrung\u2019, der G\u00e4ngelei, der Einengung des sch\u00f6pferischen individuellen Schaffens und mit deutlich zum Ausdruck gebrachtem Misstrauen gegen jeden, der \u201aaus dem Rahmen fiel\u2019, gef\u00fchrt worden. Die Ausgangsstimmung war hier also umgekehrt wie bei der Jugend \u2013 eine schon lange aufgestaute Erbitterung \u00fcber all das. Die Reaktion auf die Erkl\u00e4rung musste aber gerade deshalb \u00e4hnlich sein. Die Erkl\u00e4rung war die Best\u00e4tigung daf\u00fcr: Sie, die Intelligenz war im Recht, die Partei hatte ihr Unrecht getan, die Partei hat sich \u00fcberhaupt nicht um unser Schaffen zu k\u00fcmmern, sie hat uns keine Vorschriften zu machen, sie versteht nichts davon. Der Drang war riesengro\u00df, jetzt all die aufgestaute Erbitterung heraus zu schreien, mit all den l\u00e4ngst empfundenen Fehlern der Vergangenheit gr\u00fcndlich aufzur\u00e4umen, damit sie nie, nie wiederkehren konnten. Das wurde zur Hauptsorge: so gr\u00fcndlich abrechnen, dass restlos und f\u00fcr immer Schluss ist damit. Dabei \u00fcbersahen viele, dass die Hauptsorge die alte geblieben war; das was wir erreicht hatten \u2013 und das war doch bei allen M\u00e4ngeln etwas ganz Gewaltiges, in Deutschland, Ungarn, Polen noch nie Dagewesenes \u2013 das zu sch\u00fctzen und zu verteidigen gegen den immer auf der Lauer liegenden Feind. Die Partei hat das gesagt \u2013 aber viele glaubten ihr nicht, weil sie argw\u00f6hnten, dahinter verberge sich nur der Unwille, die Fehler der Vergangenheit wirklich zu liquidieren, und weil sie viele Zusammenh\u00e4nge sahen, die die F\u00fchrung sah, aber nicht mitteilen konnte. Und sie glaubten auch deshalb nicht, weil sie nach der Chruschtschow-Erkl\u00e4rung in ihrem Vertrauen zur Partei ersch\u00fcttert waren. Und so gerieten viele ehrliche Intellektuelle an die falsche Front, wie sich in Ungarn zeigte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weitere Wirkungen: Gro\u00dfe Einbu\u00dfe an Autorit\u00e4t der KPdSU. Ganz selbstverst\u00e4ndlich dr\u00e4ngte sich die \u00dcberlegung auf: Eine Partei, an deren Spitze jahrzehntelang ein solcher Mann stehen konnte, wie er durch Chruschtschow charakterisiert worden war, \u2013 eine Partei die unf\u00e4hig ist, sich von ihm rechtzeitig zu befreien \u2013 , die kann nicht mit dem Anspruch auftreten, mit dem sie bisher aufgetreten ist. So hat diese Erkl\u00e4rung auch den Boden bereitet f\u00fcr antisowjetische Stimmungen, f\u00fcr die Losungen der so genannten Nationalkommunisten. Nicht umsonst berufen sie sich auf den XX. Parteitag. Sie wissen, was sie ihm verdanken!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Erkl\u00e4rung rief hervor bzw. verst\u00e4rkte enorm eine Feindschaft gegen den Partei- und Staatsapparat. Die Theorien, nach denen der \u201cApparat\u201d (und nicht etwa die historischen Bedingungen) die Quelle f\u00fcr das Gedeihen des Personenkults sein sollten, fanden breiten An-klang. Die Losung \u201cDemokratisierung\u201d wurde alsbald bei vielen gleichbedeutend mit Kampf gegen den \u201cApparat\u201d. Er wurde nicht mehr als der eigene Apparat, den man verbessern muss, schlagkr\u00e4ftiger machen muss, sondern als der Feind, der Gegner betrachtet, der liquidiert werden muss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">All diese Dinge zusammengenommen, die ohne Zweifel eine g\u00fcnstige Situation f\u00fcr einen Vorsto\u00df der Konterrevolution schufen, h\u00e4tten ohne die Chruschtschow-Erkl\u00e4rung, so wie sie gegeben wurde, niemals solch g\u00fcnstige Wachstumsbedingungen finden und der Kampf gegen sie h\u00e4tte niemals so schwierig werden k\u00f6nnen. Aber das Ziel, die \u00dcberwindung des Dogmatismus usw., h\u00e4tte sich ohne Zweifel nicht nur auch, sondern besser ohne Anwendung dieser \u201aSchock-Therapie\u2019 erreichen lassen. Wir fragten uns damals: Ist es denn n\u00f6tig, das Pendel jetzt wieder ganz bis ans andere Ende schlagen zu lassen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war nicht nur nicht n\u00f6tig, es war falsch und sch\u00e4dlich. Dazu kommt noch eine weitere Wirkung: eine gewisse ideologische und politische Demobilisierung, hervorgerufen durch die Feststellung, dass durch die \u00fcbertriebene Wachsamkeit Tausende gute Kommunisten unschuldig verurteilt worden waren. Diese Abschw\u00e4chung der Wachsamkeit wurde noch erheblich verst\u00e4rkt durch die Erkl\u00e4rung der verschiedenen Parteien, dass die Prozesse gegen Rajk, Kostoff usw. unkorrekt waren, dass also Leute als Agenten verurteilt wurden, ohne es zu sein. Logische Folge: solche Fehler, die dazu f\u00fchren, unschuldigen Leuten Unrecht zu tun, ja sie hinzurichten, wollen wir nie wieder machen. Also Schluss mit der Agentenfurcht und Agentenriecherei! Ergebnis: Im Oktober 1956 hat der Feind gezeigt, dass er nach wie vor da ist, dass es Agenten des Feindes in den eigenen Reihen gibt, und dass sie nicht zuletzt durch unsere Vertrauensseligkeit so aktiv werden konnten.\u201d (Taubenfu\u00df-Chronik I, S. 65-69)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu denen, die auf die eine oder andere Weise Opfer des XX. Parteitages wurden, sich aber bis heute nicht als Opfer, sondern als Befreite durch ihn empfinden, geh\u00f6rt auch Genosse Robert Steigerwald. In seinem schon erw\u00e4hnten Artikel zum XX. Parteitag schreibt er gegen Leute wie Genossen Brar und mich:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cEs wird der Vorwurf erhoben, der XX. Parteitag sei ein Akt der Konterrevolution gewesen, durchgef\u00fchrt von revisionistischen Kr\u00e4ften, denen es um die Zerst\u00f6rung der ruhmreichen von Stalin gepr\u00e4gten Partei gegangen sei. Diese Argumentation zerbricht an ihrer inneren Widerspr\u00fcchlichkeit. Wenn es m\u00f6glich war, dass innerhalb von drei Jahren (nach Stalins Tod waren drei Jahre vergangen) eine solche Partei konterrevolution\u00e4r \u00fcberrumpelt werden konnte, so war diese Partei schon vorher nicht mehr das, wof\u00fcr ihre Verteidiger sie halten. Dann hat der Zersetzungsprozess der Partei nicht erst 1956 begonnen. Oder aber, das w\u00e4re die andere Seite des Widerspruchs, der XX. Parteitag war, obwohl eine scharfe Wende in der Parteigeschichte, eben kein Akt der Konterrevolution.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Genosse Steigerwald macht es sich entschieden zu leicht. Wir sagen nicht, dass es den revisionistischen Kr\u00e4ften darum ging, die Partei zu zerst\u00f6ren, sondern es ging ihnen darum, sie in ihre Hand zu bekommen, um sie in ein Instrument zur Restauration des Kapitalismus umzuwandeln. Das ist ihnen schlie\u00dflich gelungen, aber die von Lenin und Stalin in 36 Jahren errichtete sozialistische Ordnung war so stabil, dass die Chruschtschow und Gorbatschow sich 37 Jahre abm\u00fchen mussten, um sie wieder aus der Welt zu schaffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das lag in erster Linie daran, dass diese sozialistische Ordnung fest in den Massen verwurzelt war und alle H\u00e4uptlinge des Revisionismus \u2013 Chruschtschow, Breshnew und Gorbatschow \u2013 das Vertrauen der Massen f\u00fcr eine gewisse Zeit nur deshalb erringen konnten, weil sie feierlich ihre Treue zum Leninismus bekundeten und versprachen, die sozialistische Ordnung auf nie gekannte H\u00f6hen zu f\u00fchren. Keiner von ihnen h\u00e4tte auch nur die unterste Stufe der Macht er-reichen k\u00f6nnen, h\u00e4tte er offen ausgesprochen, dass sein Ziel die Wiedererrichtung des Kapitalismus ist. Sie betrogen die Massen, indem sie ihrem Ziel \u2013 der R\u00fcckkehr zum Kapitalismus \u2013 den Namen \u201cUmbau zur sozialistische Marktwirtschaft\u201d gaben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und das lag zweitens daran, dass es der Revisionisten-Bande nicht gelungen ist, die Partei ihrem Willen vollst\u00e4ndig gef\u00fcgig zu machen. Chruschtschow hatte bis zu seinem Sturz im Oktober1964 einen nach au\u00dfen kaum sichtbaren st\u00e4ndigen Kampf gegen den Widerstand der verbliebenen marxistisch-leninistischen Kr\u00e4ften zu f\u00fchren. Und Gorbatschow benutzte zun\u00e4chst die Partei, um den Staatsapparat in die Hand zu bekommen, um dann von dort aus die Partei zu entmachten. In seinem ber\u00fcchtigten Interview mit dem Spiegel (Spiegel Nr. 3\/93, S.127) r\u00fchmte er sich dessen mit den Worten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cDabei konnte man doch nicht Dinge ank\u00fcndigen, f\u00fcr die das Volk noch nicht reif war. Man h\u00e4tte mich f\u00fcr verr\u00fcckt erkl\u00e4rt, das Volk w\u00e4re zerrissen worden, es h\u00e4tte zum B\u00fcrgerkrieg kommen k\u00f6nnen. Man musste Geduld zeigen, bis die Parteib\u00fcrokratie so entmachtet war, dass sie das Rad der Geschichte nicht mehr zur\u00fcckdrehen konnte.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und schlie\u00dflich lag das drittens auch daran, dass in der kommunistischen Weltbewegung starke Kr\u00e4fte, an ihrer Spitze die Partei Mao Tse tungs, einen erbitterten Kampf gegen den Revisionismus in der kommunistischen Bewegung f\u00fchrten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alles das liegt aber au\u00dferhalb des Blickfeldes der Verteidiger Chruschtschows und des<br \/>\nXX. Parteitages.<br \/>\n<span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">4. Zwei Schwerpunkte, mit denen sich die Revisionisten ihre Massenbasis verschafften und die Geschichtsl\u00fcge, mit der sie die kommunistische Bewegung paralysierten.<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das demagogische Repertoire der Massenverf\u00fchrung und des Massenbetruges der Revisio-nisten ist umfangreich und vielseitig. Ich greife jene Punkte heraus, von denen ich meine, dass sie die wirkungs- und verh\u00e4ngnisvollsten waren: Erstens: das Ankn\u00fcpfen an die Friedens-sehnsucht: die so genannte \u201cEntspannungspolitik; zweitens: das Versprechen einer raschen Steigerung des Volkswohlstandes, drittens: die paralysierende Geschichtsl\u00fcge: Die Verteufelung Stalins<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum ersten Punkt: Kein Gef\u00fchl und keine Sehnsucht bei allen am Krieg beteiligten V\u00f6lkern, ganz besonders aber beim Sowjetvolk, war st\u00e4rker als die elementare Sehnsucht nach Frieden. Das war nur nat\u00fcrlich nach dem blutigsten und verlustreichsten aller bisherigen Kriege. Aber hinzu kam ein ganz neuer, schwerwiegender Umstand: der Eintritt der Menschheit ins Atomzeitalter! Krieg bedeutete nunmehr die Drohung mit einem Atominferno, wie es die US-Atombomben in Hiroshima und Nagasaki angerichtet hatten. Das steigerte die Kriegsfurcht der Menschen auf ein bisher nie erreichtes Ma\u00df. Nachdem die Sowjetunion das Atomwaffenmonopol der USA gebrochen hatte, konnten die Menschen wieder ruhiger schlafen. Die Atomerpressung als Waffe des USA-Imperialismus gegen den Sozialismus war stumpf geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Chruschtschow-Bande, an die Macht gekommen, verhalf dieser Waffe in Komplizenschaft mit den USA-Imperialisten zu neuer Sch\u00e4rfe. Sie rief nach einem abgestimmten Szenario mit ihren imperialistischen Partnern mehrfach Situationen scharfer politischer Zuspitzungen hervor \u2013 wie z.B. in der Berlin \u2013 und in der Kuba-Krise -, und malte die akute Gefahr eines Atomkrieges in den schrecklichsten Farben an die Wand.. Noch heute schreiben Journalisten und Historiker, wenn sie \u00fcber diese Krisen berichten, die Welt habe damals dicht am Rande eines Atomkrieges gestanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Ernst dachte im Wei\u00dfen Haus und im Pentagon aber niemand daran, einen Atomkrieg gegen die Sowjetunion zu f\u00fchren, solange dort einer an der Spitze war, der ihr Spiel spielte. Sie hatten sp\u00e4testens seit dem XX. Parteitag vorrangig auf die innere Zersetzung der Sowjetunion und ihres Machtbereiches gesetzt. Kein anderer als der US-Au\u00dfenminister John Foster Dulles hatte seiner Hoffnung auf eine solche Entwicklung am 11. Juli 1956 in einer Rede Ausdruck verliehen, von der die Presse wie folgt berichtete:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cDulles sieht eine Befreiung der Satellitenstaaten f\u00fcr m\u00f6glich an. Dulles sagt voraus, dass Kr\u00e4fte der Freiheit, die nun hinter dem Eisernen Vorhang am Werke seien, sich als unwiderstehlich erweisen, und dass sie die internationale Szenerie bis zum Jahre 1965 um\u00e4ndern k\u00f6nnten. Die Anti-Stalin-Kampagne und ihr Liberalisierungsprogramm h\u00e4tten eine Kettenreaktion ausgel\u00f6st, die auf lange Sicht nicht aufzuhalten sei.\u201d (Taubenfu\u00df-Chronik I, S.100 f.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer auf eine solche Kettenreaktion setzt, der denkt im Ernst nicht daran, eine Atomreaktion mit allen ihren Risiken zu entfesseln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wozu aber wurde dann die Sch\u00fcrrung der Atomkriegsangst gebraucht? Chruschtschow verfolgte und erreichte mit ihr mindestens zwei Ziele: erstens \u2013 in der kommunistischen Bewegung und bei der eigenen Bev\u00f6lkerung die antiimperialistische Grundeinstellung aufzuweichen mit der Behauptung, die Atomkriegsgefahr k\u00f6nne nur gemeinsam mit den USA gebannt werden, der USA-Imperialismus d\u00fcrfe daher nicht mehr nur als Gegner gesehen werden, sondern er sei der unentbehrliche Partner der Friedens sichernden Entspannungspolitik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zweitens entwickelte Chruschtschow\u2013 angeblich zur Beseitigung der Atomkriegsgefahr, in Wirklichkeit zur Ausschaltung der Kontrolle seiner Geheimbesprechungen mit den Gespr\u00e4chspartnern der imperialistischen Seite durch das Kollektiv der Parteif\u00fchrung, und zur Ausschaltung des Au\u00dfenministeriums \u2013 die \u201cGipfeldiplomatie\u201d, mit der er sich als den unerm\u00fcdlichen Friedensretter darstellte und feiern lie\u00df, die jedoch in Wirklichkeit die R\u00fcckkehr zur unkontrollierten Geheimdiplomatie darstellte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und schlie\u00dflich benutzte er diese seine Reisen und Gespr\u00e4che mit den imperialistischen Spitzenpolitikern, wie dem USA-Pr\u00e4sidenten Eisenhower, auch noch zur Sympathiewerbung f\u00fcr den USA-Imperialismus und seine Spitzenpolitiker.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum zweiten Punkt: nach den harten Kriegsjahren mit ihren gro\u00dfen Opfern und Entbehrungen sehnten sich die Menschen der Sowjetunion nicht nur nach Frieden, sondern auch nach einer raschen Wiederherstellung normaler Verh\u00e4ltnisse; und sie erwarteten v\u00f6llig zu Recht als Fr\u00fcchte des Sieges auch eine sp\u00fcrbare Erh\u00f6hung ihres Lebensstandards.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Wiederaufbau in den ersten Jahren nach dem Kriege hatte gro\u00dfe Erfolge gebracht, aber die Lebensverh\u00e4ltnisse lie\u00dfen nat\u00fcrlich noch viele W\u00fcnsche offen. Die Chruschtschow-F\u00fchrung nutzte diese Situation in echter Sch\u00e4dlingsart aus: Sie weckte unerf\u00fcllbare Hoffnungen mit dem Versprechen, anders als unter Stalin jetzt die Konsumbed\u00fcrfnisse des Volkes an die erste Stelle zu setzen und die Versorgungslage rasch zu verbessern. Mit der Begr\u00fcndung, dies sei f\u00fcr die rasche Verbesserung der Versorgung der Bev\u00f6lkerung notwendig, wurde ein Sch\u00e4dlingsprogramm in Szene gesetzt, indem der Vorrang der Entwicklung der Produktionsg\u00fcterindustrie vor der der Konsumg\u00fcter-Industie, \u2013 die unbedingte Voraussetzung f\u00fcr ein stabiles Wachstum der gesamten Wirtschaft \u2013 beseitigt und das Verh\u00e4ltnis beider Abteilungen zueinander nahezu umgekehrt wurde. Das musste auf l\u00e4ngere Sicht gesehen zu Engp\u00e4ssen und zugespitzten Versorgungsschwierigkeiten auf allen Gebieten f\u00fchren, und damit auch zu wachsender Unzufriedenheit in der Bev\u00f6lkerung, und f\u00fchrte in der Tat dazu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass ihre Politik dahin f\u00fchren w\u00fcrde, das wussten nat\u00fcrlich auch Chruschtschow und seine Fachleute \u2013 mehr noch \u2013 das war eingeplant. Wer den Sozialismus abschaffen und den Kapitalismus restaurieren will, der muss daf\u00fcr sorgen, dass der Sozialismus die Unterst\u00fctzung durch die Massen verliert, dass Unzufriedenheit mit den bestehenden Verh\u00e4ltnissen entsteht und w\u00e4chst und eine Massenstimmung entsteht, in der alle sagen: So kann es nicht weitergehen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Revisionistische Wirtschaftspolitik f\u00fchrt deshalb nicht aus Unf\u00e4higkeit der revisionistischen Wirtschaftsleiter zum Niedergang der Wirtschaft, sondern er wird planm\u00e4\u00dfig herbeigef\u00fchrt, weil das politische Ziel der \u00dcberwindung des sozialistischen Systems und seine Beseitigung nur durch die Ruinierung der Wirtschaft zu erreichen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Chruschtschow, Breshnew und Gorbatschow sorgten aber nicht nur f\u00fcr den Niedergang der Wirtschaft im eigenen Land, sondern taten alles, was sie konnten \u2013 und das war gewaltig viel! \u2013, um auch die Wirtschaft in allen anderen sozialistischen L\u00e4nder in krisenhafte Verh\u00e4ltnisse zu st\u00fcrzen, soweit dies die dortigen revisionistischen F\u00fchrer \u2013 wie in Ungarn und Polen \u2013 nicht schon selbst taten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schlie\u00dflich zum dritten Punkt: Die \u201cEnth\u00fcllungen\u201d der \u201cStalinschen Verbrechen.\u201d Dar\u00fcber m\u00fcsste sehr viel und ausf\u00fchrlich gesprochen werden, aber meine Redezeit ist fast um.<br \/>\nDaher nur einige Gedanken und Feststellungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die revisionistische Konterrevolution musste schon in den Anf\u00e4ngen stecken bleiben, wenn nicht die Autorit\u00e4t zerst\u00f6rt wurde, die Stalin nahezu uneingeschr\u00e4nkt im Sowjetvolk und in allen kommunistischen Parteien, ja bis weit in die Kreise des B\u00fcrgertums in der ganzen Welt genoss, die in ihm als dem F\u00fchrer des Sowjetvolkes zu Recht den Befreier vom Faschismus erblickten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er musste zum Teufel gemacht werden, weil er nicht der bleiben durfte, an dessen Lehren und Taten seine Nachfolger gemessen w\u00fcrden. Und diese Lehren und Taten waren Marxismus-Leninismus in Aktion und lebendig im Bewusstsein der Menschen; jede Abweichung von ihnen h\u00e4tten sie wachsam gemacht und ihren Widerstand hervorgerufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weil man den Marxismus-Leninismus \u00fcber Bord werfen wollte, um freie Hand f\u00fcr den Kurswechsel zum Revisionismus zu gewinnen, deshalb musste der personifizierte Marxismus-Leninismus, Stalin, nicht nur \u00fcber Bord geworfen, sondern zu seinem Gegenteil, zum Anti-Marxisten-Leninisten erkl\u00e4rt werden. Denn das Volk wollte keinen Kurswechsel, sondern an Marx und Lenin und dem Sozialismus festhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb durfte es den Kurswechsel nicht als das erkennen, was er tats\u00e4chlich war, sondern ihm musste vorgemacht werden, dieser Kurswechsel sei die R\u00fcckkehr von der Stalinschen Kursabweichung wieder zum richtigen Leninschen Kurs. Dazu w\u00e4rmte Chruschtschow in seiner Geheimrede die alte Geschichte mit dem als Testament Lenins ausgegebenen Brief Lenins an den bevorstehenden Parteitag wieder auf, mit der schon Trotzki vergeblich versucht hatte, nach Lenins Tod Stalin zu st\u00fcrzen und sich selbst zum Nachfolger Lenins an die Spitze der Partei auf zuschwingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das sch\u00e4rfste Kontrastbild zu Lenin stellte er aber her, indem er Stalin als willk\u00fcrlichen, blutgierigen Despoten darstellte. Was er dazu in seinem Bericht ausmalte, war ein Verbrechen an der Partei und der Sowjetmacht. Dies nicht etwa deshalb, weil er bisher kaum oder nur unvollst\u00e4ndig bekannte Tatsachen \u00fcber unschuldige Opfer der \u201cS\u00e4uberungen\u201d der Jahre<br \/>\n1936-39 zur Sprache brachte, sondern weil er in der so genannten Geheimrede in vielen Passagen eine ungeheuerliche F\u00e4lschung der Geschichte der Sowjetunion beging; auch \u2013 aber keineswegs nur \u2013 damit, dass er die Prozesse und die \u201cS\u00e4uberungen\u201d, die von der gesamten Parteif\u00fchrung beschlossen und getragen wurden, allein Stalin als dessen pers\u00f6nliche Willk\u00fcrakte zu schrieb.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4re Chruschtschows Ziel nicht gewesen, Stalins Autorit\u00e4t ein f\u00fcr allemal zu zertr\u00fcmmern, um nicht st\u00e4ndig an ihm gemessen zu werden, und um f\u00fcr seine konterrevolution\u00e4re Kurs\u00e4nderung freie Bahn zu haben; und h\u00e4tte zu seiner Absicht nicht auch geh\u00f6rt, der \u00dcberzeugung der Sowjetb\u00fcrger in die Gerechtigkeit ihrer Sache und dem Stolz auf ihre Sowjetmacht einen schweren Schlag zu versetzen; h\u00e4tte er wirklich nur im Sinne gehabt, den unschuldigen Opfern der \u201cS\u00e4uberungen\u201d Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und die geschichtliche Wahrheit \u00fcber die Zeit der Repressionen darzulegen, dann h\u00e4tte in seinem Bericht etwa das Folgende gesagt werden m\u00fcssen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201c1936, nach der Errichtung der faschistische Diktatur in Deutschland, nach der Aufr\u00fcstung des faschistischen Deutschland unter Duldung und sogar Mithilfe der Westm\u00e4chte, nach dem Verrat der Westm\u00e4chte an der spanischen Republik, standen wir vor der Gefahr, vom faschistischen Deutschland, \u2013 m\u00f6glicherweise sogar im Einvernehmen mit den Westm\u00e4chten, \u2013 \u00fcber-fallen zu werden und uns allein der st\u00e4rksten Milit\u00e4rmacht der ganzen Kriegsgeschichte gegen\u00fcbergestellt zu sehen, von der wir aus dem Spanienkrieg schon wussten, was sich dann in Norwegen und Frankreich sp\u00e4ter wiederholte, n\u00e4mlich, dass der faschistischen Wehrmacht im Hinterland der \u00fcberfallenen L\u00e4nder \u201cf\u00fcnfte Kolonnen\u201d von Quislingen und Verr\u00e4tern zu Hilfe kamen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie gro\u00df die Gefahr des \u00dcberfalles war, zeigte sich noch viel deutlicher mit dem M\u00fcnchener Abkommen der Westm\u00e4chte mit Hitler und der Auslieferung der Tschechoslowakei an ihn, mit der Weigerung der Westm\u00e4chte, mit uns einen Vertrag \u00fcber kollektive Sicherheit und gegen-seitigen Beistand zur B\u00e4ndigung Hitlerdeutschlands abzuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsere Vorbereitungen auf den faschistischen \u00dcberfall mussten also auch der Verhinderung der Bildung einer 5. Kolonne in unserem Hinterland gelten. Noch gab und gibt es bei uns Feinde der Sowjetmacht, einst von uns enteignete Kulaken und ihre Nachkommen, Reste der zerschlagenen Gruppe der Trotzkisten und anderen Oppositionsgruppen, \u2013 hatte doch Trotzki mehrfach in seinen Ver\u00f6ffentlichungen dazu aufgerufen, im Kriegsfalle den Aufstand gegen den \u201cStalinismus\u201d zu beginnen; ferner Leute, die mit den Deutschen sympathisieren, z.B. unter den Wolga-Deutschen oder bei bestimmten Nationalit\u00e4ten, wie den Krimtataren und den Tschetschenen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also mussten wir angesichts der t\u00f6dlichen Bedrohung alles tun, um es m\u00f6glichen Feinden der Sowjetmacht unm\u00f6glich zu machen, im Hinterland mit F\u00fcnften Kolonnen den faschistischen \u00dcberfall zu unterst\u00fctzen. Dabei mussten wir in Rechnung stellen und in Kauf nehmen, dass es bei S\u00e4uberungen so gro\u00dfen Ausma\u00dfes, wie wir sie f\u00fcr notwendig erachteten, nicht auszuschlie\u00dfen war, dass auch Unschuldige, sei es wegen absichtlicher Falschbeschuldigungen feindlicher Elemente, sei es aus \u00dcbereifer \u00f6rtlicher Organe, sei es durch Anlegen eines zu pauschales Rasters, in erheblichem Umfange von den Ma\u00dfnahmen betroffen sein w\u00fcrden, wie es dann auch der Fall war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber wir hatten damals abzuw\u00e4gen, was schwerer wog: Wenn wegen ungen\u00fcgender Sicherungsma\u00dfnahmen die Sowjetmacht durch kombinierte Schl\u00e4ge der faschistischen Armeen und der F\u00fcnften Kolonnen zugrunde ging \u2013 oder wenn wir bei den Gegenma\u00dfnahmen nicht nur echte Feinde, sondern auch Unschuldige und sogar eigene Leute treffen w\u00fcrden. Die Partei hat sich f\u00fcr die Sicherung des Landes als die allem anderen \u00fcbergeordnete Pflicht entschieden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt aber ist es an der Zeit, dabei begangenes Unrecht aufzukl\u00e4ren und zu beenden.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So oder so \u00e4hnlich h\u00e4tte eine ehrliche, kommunistische Stellungnahme zu der f\u00fcr jeden Kommunisten schmerzlichsten Seite der Geschichte der Sowjetunion lauten m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine kommunistische, das hei\u00dft wahrheitsgem\u00e4\u00dfe Schuldzuweisung auch f\u00fcr diese Opfer h\u00e4tte klar aussprechen m\u00fcssen, dass auch ihre Leiden und ihr Tod wie der von 25 Millionen Sowjetsoldaten und der von 50 Millionen Toten des Zweiten Weltkrieges auf das Konto derer geht, die die F\u00fchrung der Sowjetunion vor eine solch grausame Entscheidung stellten \u2013 auf das Konto Hitlers und des deutschen Imperialismus vor allem; in zweiter Linie aber auch auf das Konto derer, die Hitlerdeutschland aufr\u00fcsteten, um es als Sto\u00dfkeil gegen die Sowjetunion zu lenken und seine B\u00e4ndigung durch ein kollektives Sicherheitsb\u00fcndnis sabotierten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Indem er statt dessen Stalin als Massenm\u00f6rder Unschuldiger hinstellte, \u00fcbernahm nun der F\u00fchrer der KPdSU die bisher nur \u00fcber die westlichen Medien verbreiteten antisowjetischen Hetz-L\u00fcgen aus den K\u00fcchen der imperialistischen Spezialisten f\u00fcr psychologische Kriegsf\u00fchrung und verk\u00fcndete sie als Wahrheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von daher kommt es, dass ehrliche und \u00fcberzeugte Kommunisten auch heute noch bedenkenlos die giftige Verleumdung weitergeben, Stalin habe mehr Kommunisten umgebracht, als Hitler. Die Wahrheit ist, dass alle Kommunisten, alle K\u00e4mpfer gegen den Faschismus und alle Juden, die im vom Faschismus besetzten Europa \u00fcberlebt haben, dies vor allem der Sowjetunion, der Roten Armee und damit auch Stalin verdanken.<br \/>\n<span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">5. Einige Schlussbemerkungen<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">1. Der Sieg des Revisionismus \u00fcber den Marxismus-Leninismus in der KPdSU und anderen kommunistischen Parteien war die Voraussetzung f\u00fcr den zeitweiligen Sieg des Imperialismus und die Restauration des Kapitalismus in der Sowjetunion und den sozialistischen Staaten in Europa.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die \u00dcberwindung des Revisionismus in der gesamten kommunistischen Bewegung ist die Voraussetzung f\u00fcr ihren neuen Aufschwung und f\u00fcr neue Siege des Sozialismus \u00fcber den Imperialismus<\/p>\n<article id=\"post-832\" class=\"post-832 post type-post status-publish format-standard hentry category-alle category-revisionismus-in-der-geschichte-der-kommunistischen-und-arbeiterbewegung category-sozialismus-niederlagenanalyse\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p style=\"text-align: justify;\">2. Der Anti-Stalinismus der revisionistischen Unterminierer und Zerst\u00f6rer des Staat-gewordenen Sozialismus, von Tito \u00fcber Chruschtschow bis zu Gorbatschow, ist das st\u00e4rkste Zeugnis f\u00fcr Stalin:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt keinen st\u00e4rkeren Beweis f\u00fcr die positive Rolle Stalins als die Tatsache, dass die Zerst\u00f6rung seiner Autorit\u00e4t in der Sowjetunion und in der kommunistischen Bewegung die Voraussetzung war f\u00fcr die Restauration des Kapitalismus in der Sowjetunion.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ohne \u201cEntstalinisierung\u201d keine Restauration des Kapitalismus!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3. Der Anti-Stalinimus ist komprimierter Revisionismus, also Anti-Leninismus, jedoch in der Maskerade eines Verteidigers des Leninismus. Der Angriff auf Stalin ist f\u00fcr die Revisionisten vom Schlage Tito-Chruschtschow-Gorbatschow nur der Beginn. Er zielt von Anfang an auf Lenin. Es ist deshalb nur folgerichtig, wenn der Chruschtschow-Z\u00f6gling und Gorbatshow-Berater Jakowlew in seiner Autobiografie seine Hassorgien mehr noch als auf Stalin gegen Lenin richtet. Die FAZ v. 26. Januar 2004 zitiert aus seinem Buche (\u201cDie Abgr\u00fcnde meines Jahrhunderts\u201d) : \u201cIn der Geschichte hat es keinen Menschen gegeben, der Russland mehr hasste als Uljanow-Lenin. Was immer er anfasste, verwandelte sich in einen Totenacker, in ein Riesenfeld mit menschlichen, sozialen und \u00f6konomischen Gr\u00e4ben. Alle wurden ausgeraubt \u2013 die Lebenden und die Toten.\u201d Mit einigem Erstaunen stellt die FAZ fest, dass Jakowlew alle, die der Meinung seien, Stalin, nicht Lenin sei der wahre Unhold der Sowjetmacht gewesen, dar\u00fcber belehrt, \u201cdie Geschichte des Stalinismus weise im Grunde nichts Neues auf\u201d. In der Rezension des Jakowlew-Buches im \u201cNeuen Deutschland\u201d (29.1.04) wird der gleiche Tatbestand so beschrieben: \u201cNach Jakowlew gab es keinen strategischen Bruch zwischen der Periode des weltrevolution\u00e4r-internationalistisch begr\u00fcndeten Revolutionskonzepts W. I. Lenins und der Stalinschen Praxis eines nationalen Sozialismus.\u201d<br \/>\nDie konsequentesten Anti-Stalinisten best\u00e4tigen damit auf ihre entstellende und verleumderi-sche Weise die Richtigkeit der Feststellung des gro\u00dfartigen franz\u00f6sischen Schriftstellers und Kommunisten Henri Barbusse: \u201cStalin \u2013 das ist der Lenin unserer Tage!\u201d (Henri Barbusse: Stalin \u2013 eine neue Welt. Rotfront Reprint, Berlin 1996, S.279).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4. Den f\u00fcnfzigsten Jahrestag des Todes Stalins (5. M\u00e4rz 2003) begingen die imperialistischen Medien mit geballten Ladungen von Artikeln und Serien \u00fcber den \u201cJahrhundertverbrecher\u201d Stalin, die \u2013 was man kaum f\u00fcr m\u00f6glich halten konnte \u2013 noch alles \u00fcbertrafen, was in den letzten f\u00fcnfzig Jahren seit Stalins Tod an Hetze gegen ihn \u201cgeleistet\u201d wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie soll man sich diese alles bisher auf diesem Gebiet Gebotene weit in den Schatten stellende Orgie der Anti-Stalin-Hetze erkl\u00e4ren?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt darauf nur eine Antwort: Die Sieger von gestern sind sich der Dauerhaftigkeit ihres Sieges nicht sicher, sie haben Furcht! Ja, sie f\u00fcrchten den Einfluss des vor einem halben Jahrhundert verstorbenen Stalin auf die heute Lebenden! Sie erschrecken davor, dass noch immer und sogar immer mehr Menschen in Russland und den \u00fcbrigen Staaten der fr\u00fcheren Sowjetunion bei ihren Demonstrationen Stalin-Bilder mit sich f\u00fchren. Sie f\u00fcrchten, dass die Verlierer von Gestern die Sieger von morgen oder \u00fcbermorgen sein k\u00f6nnten. Diese Furcht sitzt offenbar auch Jakowlew im Nacken. Weshalb sonst sollte er \u2013 wie im \u201cNeuen Deutschland\u201d zu lesen, \u201cdas Erhalten von Lenin-Denkm\u00e4lern\u201d beklagen und \u2013 wie die FAZ aus seinem Buche zitiert \u2013 h\u00f6chst beunruhigt und emp\u00f6rt feststellen: \u201cUnd heute wohnen wir seelenruhig der Reinwaschung Stalins durch einige Beh\u00f6rden und Massenmedien bei!\u201d ?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sieger von gestern haben allen Grund zu dieser Furcht. F\u00fcnfzehn Jahre nach ihrem Triumph \u00fcber den Sozialismus stecken sie in der tiefsten Krise ihres Systems: \u00f6konomisch, politisch, sozial, kulturell, und nicht zuletzt: ideologisch. Immer deutlicher wird: die allgemeine Krise des Kapitalismus ist trotz der Niederlage des Sozialismus in Europa nicht \u00fcberwunden, sondern dauert fort und vertieft sich. Und es w\u00e4chst der Widerstand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">5. Ein Grund f\u00fcr die Furcht der Sieger von gestern ist mit Sicherheit auch die Erfahrung, dass es ihnen nicht gelungen ist, die Mehrheit der Jugend der ehemals sozialistischen L\u00e4nder f\u00fcr sich zu gewinnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das folgende Beispiel aus Ostdeutschland kann durchaus G\u00fcltigkeit auch f\u00fcr andere ehemals sozialistische L\u00e4nder beanspruchen. Eine an der Leipziger Universit\u00e4t angefertigte und am 19. September 2002 auszugsweise im \u201cNeuen Deutschland\u201d ver\u00f6ffentlichte Studie macht deutlich:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem die DDR-B\u00fcrger 12 Jahre lang die Segnungen des realen, unverf\u00e4lschten Kapitalismus \u00fcber sich ergehen lassen mussten, haben selbst Jugendliche, die nur wenige Jahre noch als B\u00fcrger der DDR erlebt haben, die Erfahrung gemacht, dass die in der DDR herrschende sozialistische Gesellschaftsordnung \u2013 trotz ihrer fortgeschrittenen Deformation \u2013 menschenfreundlich war, die der Bundesrepublik dagegen dies ganz und gar nicht ist. In der Studie ist \u00fcber die Ansichten der befragten Jugendlichen zu lesen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cF\u00fcr 91 Prozent der Befragten gab es vor der Wende mehr Sicherheit, nur 1 Prozent ist der Meinung, dies sei heutzutage besser. \u2026Die Zukunftsf\u00e4higkeit des jetzigen Gesellschaftssystems sch\u00e4tzen sie als ziemlich gering ein, nur ein kleiner Teil hofft, dass dieses System f\u00fcr immer erhalten bleibt. \u2026 Die Distanz gegen\u00fcber dem kapitalistischen System geht mit einer zunehmenden Identifikation mit sozialistischen Idealen einher. \u2026 Sozialistisches Gedankengut sei nicht aus den K\u00f6pfen der jungen Ostdeutschen verschwunden.\u201d (Entnommen meinem Aufsatz: \u201cDer unsterbliche Fr\u00fchsozialismus, in: \u201cIn den Tr\u00fcmmern ohne Gnade. Festschrift f\u00fcr Peter Hacks\u201d, Eulenspiegel-Verlag, Berlin 2003, S.225)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">6. Die Anti-Stalinisten haben bewirkt, dass seit einem halben Jahrhundert die wichtigsten marxistischen Werke nach denen von Marx, Engels und Lenin, die Werke Stalins, als Werke gelten, von denen ein anst\u00e4ndiger Kommunist sich trennt und sie nie wieder in die Hand nimmt. Wie die P\u00e4pste die Schriften von \u201cKetzern\u201d auf den Index setzten, so wurden die Schriften Stalins von den F\u00fchrern der Parteien des \u201cdemokratischen\u201d und \u201cpluralistischen\u201d Sozialismus und Kommunismus moralisch ge\u00e4chtet und also auf den Index gesetzt. (Mit den Werken Stalins, die durch diese \u00c4chtung nach Chruschtschows Stalin-Verdammung auf dem M\u00fcll landeten, k\u00f6nnte man viele Bibliotheken f\u00fcllen.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Genau mit dem Beginn dieser Index-Zeit begann auch der Niedergang des Sozialismus und der kommunistischen Bewegung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den unabdingbaren Voraussetzungen f\u00fcr ihren neuerlichen Aufschwung geh\u00f6rt deshalb auch die massenhafte Hinwendung zum erneuten Studium der Werke Stalins, in denen der ganze Reichtum der Erfahrungen des erfolgreichen Aufbaus des Sozialismus auf den von Lenin gewiesenen Bahnen enthalten ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Vortrag wurde \u2013 ohne die Schlussbemerkungen \u2013 gehalten auf der von \u201cOffensiv\u201d veranstalteten Konferenz \u201cRevisionismus der Totengr\u00e4ber des Sozialismus \u2013 von den Anf\u00e4ngen bis zur bitteren Niederlage\u201d, Lesung und Diskussion mit Kurt Gossweiler und Harpal Brar, Berlin, 24. August 2002. Mit den Schlussbemerkungen wurde er am 2. Februar 2004 in einem von Gerald Hoff-mann organisierten Kurs \u201cAktuelle Fragen kommunistischer Theorie und Praxis im Lichte des Manifest der Kommunistischen Partei\u201d vorgetragen. Ver\u00f6ffentlicht in \u201cOffensiv \u2013 Zeitschrift f\u00fcr Sozialismus und Frieden, 2\/2004, S. 35-56.<\/p>\n<\/div>\n<\/article>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurt Gossweiler Revisionismus \u2013 Totengr\u00e4ber des Sozialismus Zur Entstehung des modernen Revisionismus und zu seiner Etablierung in der Sowjetunion unter Chruschtschow 1953-1964 . Zur Entstehung des modernen Revisionismus und zu seiner Etablierung in der Sowjetunion unter Chruschtschow 1953-1964 Inhalt: 1. 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