Probearbeit, was ist das eigentlich?

 

Klaus Meier #Dissident

Klaus Meier Dissident

Seit einiger Zeit und eigentlich schon viel zu lange, gibt es die so genannte Probearbeit. Aber was ist das eigentlich und woher kommt sie?

Einst kam diese Art des gegenseitigen „Kennenlernens“ aus der Gastronomie. Menschen die hier einer Erwerbstätigkeit nachgehen wollten, sollten so die Möglichkeit erhalten, das Umfeld kennen zu lernen. Sie dürfen einen Tag/Nacht miterleben/sehen was es heißt dabei zu sein. Denn gerade im Servicebereich der Gastronomie kann es zu hohen Anforderungen kommen. Gastronomie hat nämlich nichts von Hollywood, a_la „Coyote Ugly“. Probearbeit war also etwas für einen Menschen auf der Suche nach einer Erwerbstätigkeit.

Probearbeit ist also eigentlich eine gute Sache, wenn da nur nicht immer auch einer wäre, der so etwas auszubeuten weiß. ProbearbeitErst missbrauchten Unternehmen die Probearbeit um Urlaubzeiten oder kleinere Nachfragespitzen zu überbrücken. Das Ganze endete dann teilweise in Vollzeitarbeit ohne Lohn. Dies alles unter der Prämisse, dass es sich ja nur um Probearbeit handele. Die Agenda 2010 spielte dieser Perversion dann noch in die Hände. Denn wenn man eine Probearbeit ablehnte, musste man mit Sanktionen seitens des Jobcenters rechnen.

Wie also macht man es richtig? Die erste und wichtigste Regel: nichts geht ohne Kenntnis des Jobcenters oder, bei ALG I, der Agentur für Arbeit! Bei der Probearbeit handelt es sich um ein so genanntes Einfühlungsverhältnis ohne Direktionsrecht. Ein Einfühlungsverhältnis besteht, wenn keine gegenseitigen Rechte und Pflichten sowie Arbeitspflichten vereinbart wurden. Nur Weisungen innerhalb des Hausrechts sind bindend. Was aber nicht ausschließt, dass man nützliche oder verwertbare Tätigkeiten verrichtet. Eine Entlohnung der geleisteten Tätigkeit ist nicht zwingend.

Sobald ein Direktionsrecht vereinbart wird, handelt es sich um eine weisungsabhängige produktive Erbringung von Leistung. Vereinfacht gesagt: man arbeitet mit und ist ein Teil der Wertschöpfung/Produktion. Dann ist eine Entlohnung der geleisteten Tätigkeit zwingend.

Zum Schluss: eine Probearbeit sollte nie länger als 3 bis 5 Tage dauern und sollte vertraglich festgehalten werden. Auch sollte man sich nicht scheuen, Kollegen*innen Fragen zu stellen.

Meine persönliche Meinung: Erwerbstätigkeit dient heute noch immer der Sicherung der eigenen Existenz und ist keine Probetätigkeit. Der Gesetzgeber hat beiden Seiten die Möglichkeit der Probezeit gegeben. Durch die Probearbeit wird diese schlicht umgangen/verlängert und der Erwerbstätige übervorteilt.