Erwerbslosigkeit vererben

Was will man eigentlich von unseren Kindern?

 

Klaus Meier #Dissident

Klaus Meier Dissident

Die Agenda 2010 ist jetzt schon 12 Jahre alt und immer öfter hört man aus Politik und Medien, dass Erwerbslosigkeit und somit ALG II – Abhängigkeit sich vererben. Was soll das eigentlich heißen? Ist Erwerbslosigkeit jetzt eine Frage der Gene? Schauen wir uns doch mal die Fakten an.

Kinder die in ALG II abhängige Haushalte aufwachsen, haben nicht automatisch Eltern die erwerbslos sind. Es gibt über 8 Millionen 450€ Jobs, über 1 Million Menschen die offiziell mit ALG II aufstocken, Selbständige die zum Teil ein Einkommen unter ALG II Niveau haben und so weiter. Also der einfache Umstand der Erwerbslosigkeit der Eltern selber kann hier nicht die Ursache geschweige denn ein Erbfaktor sein.

Laut Statistik des Bundesamtes für Arbeit ist der Bildungsgrad, somit der Intellekt und die eigene Intelligenz ein Indikator für Erwerbslosigkeit.  Schaut man sich aber heute an, was für Eltern von ALG II abhängig sind, sieht man da Menschen ohne Schulabschluss genauso wie Ingenieure, Anwälte, Ärzte, Akademiker und so weiter. Das ganze Spektrum der Bildung ist vorhanden. Also selbst wenn man davon ausgeht, dass Intellekt oder Intelligenz ein Teil des Erbguts ist, kann auch dies nicht die Ursache sein.

Vererben kann natürlich auch durch die Erziehung der eigenen Kinder heißen. Zum Beispiel indem man den Kindern beibringt, dass sie in einer Leistungsgesellschaft leben, in der sie was leisten müssen, um was zu erreichen. Dass man in der Schule aufpassen muss um sich zu bilden. Im Regelsatz dafür enthalten waren 2017 übriges 18,60€ für das ganze Jahr. Man bringt den Kindern bei, dass man eine Berufsausbildung machen muss. Wo dann das Ausbildungsgeld, also das erste selbst verdiente Geld direkt den Bedarf der ganzen Bedarfsgemeinschaft mindert. Also die Kinder gar nicht erst das Gefühl kennen lernen, dass die Leistung honoriert wird.

Kinder die so aufwachsen, fragen sich natürlich für was. Wenn sie sehen, dass ihre Eltern ob mit oder ohne Schulabschluss, mit oder ohne Ausbildung, als Erwerbslose enden und somit von ALG II abhängig sind. Aber auch das hat nichts mit Vererbung zu tun, sondern mit Chancengleichheit und Erfahrung. Sie erkennen, dass man nicht durch Erwerbstätigkeit mehr seine Existenz sichern kann. Geschweige denn es möglich ist, sich mit Erwerbstätigkeit eine Zukunft aufzubauen. Man sieht, das Erwerbslosigkeit also kein genetischer Defekt ist, den man vererben kann. Der französische Historiker Pierre Rosanvallon schreibt dazu:
Wenn das Aufstiegsversprechen unglaubwürdig geworden ist, steigt die Zahl der Frustrierten und Wütenden.