Du meine Gewerkschaft

Aus der Grundstein Artikel Juli/August 2017 „Küss die Hand, Kollege Roboter“

Klaus Meier #Dissident

Klaus Meier #Dissident

Zitat: „Treffend bemerkte ein Kollege der jungen NGG: Genau genommen gibt es in Deutschland bereits ein Grundeinkommen. Und auch, wenn es nicht bedingungslos ist, sehen wir den Effekt der Stigmatisierung bei Hartz IV-Empfängern bereits.“

Liebe Genossen, das ist nur ein Beispiel von vielen, die man nicht nur lesen, sondern sich auch anhören muss. ALG II Abhängige stagnieren in ihrer Entwicklung?

Du meine Gewerkschaft kannst dich ja mal versuchen zu entfalten bei Beträgen für Nahrung und Getränke von täglich 4,48€, oder von 1,55€ pro Monat für Bildung, oder von 25,77€ für öffentliche Verkehrsmittel. Von 409€ im Monat kann man sich nicht entfalten, geschweige denn menschenwürdig existieren. Bei 409€ im Monat versucht man nur zu überleben.

Entfalte dich mal meine Gewerkschaft bei ständiger Gängelei vom Amt und Diskreditierungen durch das Amt und deine Mitmenschen. Die ständige Schuldzuweisung, dass Erwerbslosigkeit ein individuelles persönliches Versagen ist, macht die Menschen mürbe und raubt ihnen den Lebensmut. Dazu kommt ein Leben unter ständiger Angst, dass einem das Geld zum Leben durch Sanktionen entzogen wird und damit die Existenzgrundlage.

Menschen werden durch ALG II zu Tätigkeiten und Maßnahmen gezwungen die entwürdigend sind und zum Teil gegen Gesetz verstoßen. Dazu kommt die teilweise immense Sinnlosigkeit der Tätigkeiten und Maßnahmen. Der Mensch wird hier zu einer Sache die keinen Nutzen mehr hat und das wird diesen Menschen auch jeden Tag vermittelt.

Gerade Du meine Gewerkschaft solltest wissen was in den Menschen steckt und wie kreativ sie sein könnten! Denn Du meine Gewerkschaft verdankst Menschen deine Existenz, weil diese Menschen nicht andere stigmatisierten, sie wollten gemeinsam was ändern. Gemeinsam für jeden und alle stark sein.

Die Menschen stagnieren nicht, weil sie keine Erwerbstätigkeit haben, sondern weil sie unwürdig behandelt werden. Weil man sie an den Rand der Gesellschaft drängt, nur weil sie keine Erwerbstätigkeit haben. Erwerbslosigkeit wird zu einem gesellschaftlichen Verbrechen gemacht. Und Du meine Gewerkschaft machst da auch noch mit. Höre endlich auf uns Menschen zu spalten in Erwerbstätige und Erwerbslose. Begreife, dass die von dir mit getragene Agenda 2010 eine Kriegserklärung war. Die Konsequenz von Agenda 2010 ist Abbau der Arbeiterrechte, Ausbau des Billiglohnsektors, Senkung des Lohnniveaus um nur einige zu nennen. Es geht um uns alle, um Erwerbstätige die von ihrer Erwerbstätigkeit nicht mehr ihre Existenz sichern können und Erwerbslose die genauso an den Rand ihrer Existenz gehalten werden.Wir sind keine Erwerbstätige oder Erwerbslose, wir sind Menschen

Zuallerletzt noch was, Arbeit und Erwerbstätigkeit sind zu trennen und richtig zu benutzen! Arbeit hat nämlich jeder Mensch, das Ganze nennt sich Tageswerk. Dazu gehört nicht nur das tägliche aufstehen und sich was zu essen machen. Da sind die Eltern die sich um ihre Kinder kümmern oder die Menschen die anderen helfen. Arbeit definiert sich nicht darüber ob wer anderes dafür bezahlt. Arbeit und Erwerbstätigkeit haben nur eines gemeinsam und zwar die Erbringung von Arbeitsleistung. Schon heute werden 60 Prozent der erbrachten Arbeitsleistung ohne Bezahlung erbracht.