Verrückt per Gesetz

Eigentlich ist es doch kein Wunder, dass man durch Hartz4 verrückt wird.

 

Klaus Meier #Dissident

Klaus Meier Dissident

Seit 10 Tagen wusste ich es, die unguten Gefühle und Depressionen, die ich seit Monaten schon verstörte, gaben sich zu erkennen. Diese Gefühle und Depressionen, waren das Resultat der Tage, in denen ich auf die nächste Einladung von Jobcenter wartete. In den 10 Tagen vor dem Termin, habe ich jeden Tag, immer wieder, alles noch mal kontrollierte. Hatte ich auch alles was in der Eingliederungsvereinbarung gefordert wurde erfüllt? Bewerbungen, Unterlagen, Kontoauszüge, Nachweise und so weiter?

Was sollte ich anziehen, was war noch nicht so verschließen, dass man sich damit sehen lassen konnte? Vor dem Spiegel versuchte ich mir die Haare zu schneiden, um das Geld für den Frisör zu sparen, aber daraus wurde nichts. Das hieß dann 15 € für den Frisör. Also 3 Tagessätze dafür, dass ich nicht wieder wegen meinen Haaren vom Sachbearbeiter zurechtgewiesen wurde. Immer wieder, ließ ich den letzten Termin im Jobcenter, in meinem Kopf noch mal ablaufen, um mich auf den nächsten vorzubereiten. Versuchte zu analysieren was man besser machen kann. Mit was man den Sachbearbeiter nicht verärgert. Sich selber nicht in die Schusslinie einer Gesetzgebung bringt. Der Höhepunkt der unguten Gefühle und Depressionen, war erreicht als ich an der Tür zum Sachbearbeiter klopfte.

Und jetzt? Jetzt ist dieser Termin vorbei. Ich sitze zu Hause und könnte Bäume ausreißen. Ich fühle mich Manisch, wie einer der gerade im Lotto gewonnen hat. Keinen Druck mehr, kein Stress, keine Ängste. Nur noch ich und diese unterschriebene Eingliederungsvereinbarung in der Hand. Ein Stück Papier, welches mir sagt: für die nächsten paar Monate bis du erst mal wieder in Sicherheit. Aber das Ganze fühlt sich falsch an. Denn ich wusste doch schon heute, dass es mir in ein paar Tagen wieder schlecht geht. Wenn die unguten Gefühle und Depressionen wieder kommen bis zum nächsten Termin beim Jobcenter.