Nico Diener

Die unfaire Republik

17-Jähriger sagt, bei »Meischberger« wie es wirklich ist
.

Nico Diener

Die Zahl der Reichen in Deutschland wächst und wächst. Wie in der vergangenen Woche die F.A.Z. vermeldete, sind 2017 über 250.000 Millionäre dazu gekommen. Viele von ihnen profitieren von rapide gestiegenen Immobilienpreisen. Auf der anderen Seite wächst die Zahl der Armen, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen, aber von diesem nicht leben können.

Das vermeldete – ebenfalls in der vergangenen Woche – der „Schattenbericht“ der Nationalen Armutskonferenz. Innerhalb von zehn Jahren habe sich der Anteil der sogenannten Erwerbsarmut verdoppelt. Und das, obwohl Deutschland seit Jahren einen Wirtschaftsboom erlebt. Offensichtlich Profitieren davon aber nur die „oberen Zehntausend“. Und immer noch gelingt es Reichen und Superreichen, den Staat um Milliarden Steuern zu betrügen. Nicht nur durch Steuervermeidung und Steuerhinterziehung, sondern immer noch mit denn berüchtigten Cum Ex-Deals und deren Nachfolgemodellen. Wie neue Enthüllungen eines Recherchenetzwerks (u. a. „Panorama“, ARD) recherchierten.

Das Thema der ARD-Sendung »Meischberger« am 24. Oktober 2018 lautete: „Die unfaire Republik: Reiche bevorzugt, Arme benachteiligt?“ Sandra Meischberger stellt die Frage: „Bedeutet Hartz IV gleichzeitig auch Armut?“ Die Antwort wäre völlig eindeutig ausgefallen, wenn Sie sich mit einem Mikrofon vor dem Ausgang einer beliebigen Lidl Filiale in Deutschland, an eine Bushaltestelle auf Schalke, oder in einer der Warteschlangen der 350 Jobcenter Deutschlands gestellt hätte. Aber bei »Meischberger« ticken die Uhren anders und so wurden nach dem erfolgreichen Muster von Unterhaltungssendungen, fünf vermeintliche fachkundige Diskutanten geladen, die voll in der Materie „Armut in Deutschland“ stecken und Auskunft geben könnten.

Der erste war Ralf Dümmel, Millionär. Unternehmer und Investor. Er übernahm die Rolle des Verteidigers der kapitalistischen Ausbeuterordnung. Die er als Unternehmerfreiheit bezeichnete.

Die nächste war Anja Kohl, ARD-Börsenexpertin. Sie beschäftigt sich bei dem Diskurs mit der realen Armut in Deutschland und lieferte dazu erschreckende Zahlen. Sie vertrat die Meinung, dass  die derzeitigen Missstände sich mit einer geschickteren Politik der Regierung in den Griff bekommen ließen.

Frau Sahra Wagenknecht, Fraktionsvorsitzende der Partei Die Linke, war die Dritte und spielte wieder die Rolle der Person mit den härtesten Fakten. Aber unterließ es wie immer, die kapitalistische Gesellschaftsordnung zu kritisieren. Oder sich für die Beseitigung dieses Grundübels auszusprechen.

Rainer Hank, Wirtschaftsjournalist war der Vierte und übernahm die Rolle des „dazwischen Quatschers“ und des Zweiflers der Fakten und Zahlen. Er stellte klar: Mit Hartz IV sei man nicht Arm und wer wirklich eine Erwerbstätigkeit sucht, der würde auch eine finden.
.

Jeremias Thiel, bei »Meischberger«,
Foto: YouTube, Sreetshot

Das Sein bestimmt das Bewusstsein

Aber da war als fünfter Gast noch Jeremias Thiel. Der 17-Jährige zeigte bei “Maischberger”, wie viel Verarmung Hartz IV mit sich bringt. Jeremias Thiel wuchs selber in Armut auf, seine beiden Elternteile konnten aufgrund psychischen Erkrankungen keiner Erwerbstätigkeit nachgehen und waren deshalb auf Hartz IV angewiesen. Thiels Familiengeschichte berührte die Zuschauer, sowohl im Studio als auch in den sozialen Netzwerken. “Ich habe gemerkt, Arm zu sein, als ich während der Europameisterschaft Flaschen sammeln war. Sodass ich mir ein Paar Schuhe leisten kann”, erzählt der 17-Jährige. Seine Freunde hätten währenddessen Fußball geschaut. Er hat im Alter von 11 Jahren seine Familie verlassen und wuchst in einer Pflegefamilie auf. Heute besucht er als Vollstipendiat ein internationales Gymnasium – und würde gern in Harvard studieren. Jeremias Thiel ist kein Einzelfall, fast jedes siebte Kind in Deutschland ist von Hartz IV Leistungen abhängig und lebt somit in einer gesetzlichen Armut.

Kinderarmut ist nicht separat, unabhängig von den Eltern zu betrachten. Kinderarmut resultiert immer aus der Armut der Eltern. Wer also Kinderarmut ernsthaft bekämpfen will, muss bei der Armut aller Menschen anfangen.

Hier könnt ihr sehen, was er in der Sendung noch zu sagen hatte.

Die unfaire Republik Reiche bevorzugt Arme benachteiligt

.
weitere Beiträge von Nico Diener

.

Für den Inhalt dieses Artikels ist der Autor bzw. die Autorin verantwortlich.
Dabei muss es sich nicht grundsätzlich um die Meinung der Redaktion handeln.

Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung –
Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.
Auch linker Journalismus ist nicht kostenlos
und auch kleine Spenden können helfen Großes zu veröffentlichen!
zurück zur Startseite
hier geht es zur Facebook Diskussionsgruppe

Sag uns deine Meinung zum Artikel mit einem Kommentar/Leserbrief