Staatliche Wohnraumlenkung vs. freier WohnungsmarktWohnen gegen Geld

Klaus Meier #Dissident

Klaus Meier #Dissident

Einst hat man die staatliche Wohnraumlenkung als staatliche Diktatur der DDR verteufelt. Und heute verteufelt man die Segregation im freien Wohnungsmarkt durch Einkommenshöhe.

Damals, durch die staatliche Wohnraumlenkung wohnten Menschen mit verschiedenster Bildung, sozialem Status und Einkommen Tür an Tür. Der Chefarzt neben dem Hilfsarbeiter, der Lehrer neben dem Facharbeiter. Weder der Bildungsgrad, noch der soziale Status, noch das Einkommen waren entscheidend für die Wohnungszuweisung. Es zählen andere Werte und Kriterien und zwar soziale. Als erstes standen Familien mit Kinder im Fokus. Diese hatten die höchste Priorität, gefolgt von Alleinerziehende. Dann folgten Paare und zum Schluss allein lebende Singles. Bei den Singles unterschied man noch mal das Alter. Da man davon ausgehen konnte, dass junge Singles durchaus auch noch eine Weile bei den Eltern wohnen konnten. Zugestanden hat einem übrigens eigener Wohnraum ab 18 Jahre.

Wohnen gegen GeldHeute diktiert der freie Wohnungsmarkt die Wohnungsvergabe und zwar nur nach einem Kriterium und zwar dem Einkommen. Heute wird man es nicht mehr erleben, dass der Chefarzt neben dem Hilfsarbeiter wohnt. Denn der alleinstehende Chefarzt kann sich die vier Zimmerwohnung im Zentrum der Stadt leisten. Von der Wohnung braucht er nur 10 Minuten zu seiner Erwerbstätigkeit und die nächste Einkaufsmöglichkeit ist natürlich auch gleich um die Ecke. Der Hilfsarbeiter, der seine vierköpfige Familie ernähren muss, kann das nicht. Er wohnt mit seiner Familie am Stadtrand, in einem Wohnklo mit 3 Zimmern. In einem Haus welches das letzte mal nach Kriegsende saniert wurde. Er braucht fast eine Stunde zu seinem Arbeitsplatz und die nächste Einkaufsgelegenheit liegt auch 40 Minuten von der Wohnung entfernt. So entstehen Parallelgesellschaften, die eine in den schönen Städten und die andere am Stadtrand.

altes HausUnd dann sind da noch die prekär Beschäftigten, die Aufstocker, die Erwerbslosen, die Familien ohne Einkommen, die Rentner mit Grundsicherung, usw. Bei denen geht es noch nicht einmal mehr darum, ob sie sich eine Wohnung leisten können oder nicht. Denn diese müssen sich einer gesetzlichen Mietangemessenheitsgrenze unterwerfen. Dazu kommt, dass jedem von ihnen nur eine bestimmte Quadratmeterzahl an Wohnraum zusteht. Das Ganze endet damit, dass Menschen die von Transferleistungen abhängig sind, nicht nur an den Stadtrand gedrängt werden, sondern aufs Land. So entstehen zwangsläufig ganze Dörfer, in den hauptsächlich Menschen wohnen, die von Transferleistungen abhängig sind. Das Wort „Parallelgesellschaften“ verharmlost das Ganze eigentlich. Denn es handelt sich hier schon lange um eine Klassengesellschaft, die auch gar keinen Hehl mehr daraus macht, eine zu sein.

Wohnen aber sollte Menschrecht sein und nicht durch das Einkommen bestimmt werden!