Presseerklärung des Freundeskreises Paul Wulf

Poesie und Widerstand – Konstantin Wecker setzt sich für den dauerhaften Erhalt der Paul-Wulf-Skulptur ein

Treffen mit Konstantin Wecker am 19.10.2017 in Bielefeld
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„Wenn sie jetzt ganz unverhohlen
Wieder Nazi-Lieder johlen,
Über Juden Witze machen,
Über Menschenrechte lachen,
Wenn sie dann in lauten Tönen
Saufend ihrer Dummheit frönen,
Denn am Deutschen hinterm Tresen
Muss nun mal die Welt genesen,
Dann steh auf und misch dich ein:
Sage nein!“

Konstantin Wecker begeisterte die Zuschauer. Sein Konzert am 19. Oktober 2017 in Bielefeld stand unter dem Motto „Poesie und Widerstand“. Ganz bewusst eröffnete der 70jährige Poet das dreistündige Konzert mit seinem Stück „Sage nein!“. In einer Zeit, in der eine rechtsextreme Partei in den Bundestag einzieht, sei es nötiger denn je, klar Position gegen den Nationalismus zu beziehen. „Viele Deutsche haben nichts aus der Geschichte gelernt.“
Konstantin Wecker mischt sich ein. Im Vorfeld seines Konzerts traf er sich mit Norbert Eilinghoff und Dr. Bernd Drücke vom Münsteraner Freundeskreis Paul Wulf. Der Musiker fordert zusammen mit dem Freundeskreis den dauerhaften Erhalt der Paul Wulf Skulptur in Münster.
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Paul Wulf – ein „Held der Aufklärung“

Die von der Frankfurter Künstlerin Silke Wagner und dem Münsteraner Umweltzentrum-Archiv-Verein für die Skulpturprojekte 2007 entwickelte Skulptur ist zusammen mit der Internetseite www.uwz-archiv.de Teil des Projekts „Münsters Geschichte von unten“.
Die Skulptur erinnert an den am 2. Mai 1921 geborenen Paul Wulf. Es ist bundesweit das erste Denkmal, das an die zwangssterilisierten NS-Opfer erinnert.

Konstantin Wecker und Dr. Bernd Drücke fordern den dauerhaften Erhalt der Paul-Wulf-Skulptur. Foto (Copyright): André de Vos

Der Münsteraner Antifaschist Paul Wulf wurde als Heimkind von den Nazis als „lebensunwert“ stigmatisiert und 1938 als 16-Jähriger zwangssterilisiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der gesellschaftliche Außenseiter zur Stimme der etwa 350.000 in der Nazizeit zwangssterilisierten Menschen. 1978 konnte er eine einmalige Entschädigungszahlung in Höhe von jeweils 5.000 D-Mark für alle noch lebenden Zwangssterilisierten erwirken. Wulf war zeitweise Hausbesetzer und engagierte sich als Aktivist in den Antifa-, Anti-AKW- und Friedensbewegungen. Für seine antifaschistischen Ausstellungen und sein aufklärerisches Engagement wurde er 1991 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Am 3. Juli 1999 starb Paul Wulf.
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Der Freundeskreis Paul Wulf

Nach seiner Beerdigung gründete sich der Freundeskreis Paul Wulf. Sein Ziel ist, die antifaschistische Aufklärungsarbeit im Sinne Paul Wulfs fortzusetzen. Wulfs Nachlass befindet sich in der Gedenkstätte Villa ten Hompel.
Der Freundeskreis Paul Wulf hat zahlreiche Informationsveranstaltungen gemacht und 1999 im Verlag Graswurzelrevolution die Broschüre „Paul Wulf. Ein Antifaschist und Freidenker“ und 2007 das Buch „Lebensunwert? Paul Wulf und Paul Brune. NS-Psychiatrie, Zwangssterilisierung und Widerstand“ herausgegeben. Seit Mai 2007 forderte Bernd Drücke als Sprecher des Freundeskreises öffentlich die Umbenennung des nach einem NS-Eugeniker benannten Jöttenwegs. Sein Bürgerantrag war letztlich erfolgreich. Mit Hilfe der Bezirksvertretung Münster-Mitte konnte 2012 die Umbenennung des Jötten-Wegs in Paul-Wulf-Weg erreicht werden. Außerdem wurde an der Straße eine Tafel angebracht, auf der die Geschichten des NS-Täters Jötten und des NS-Opfers Wulf skizziert werden.
Die Paul-Wulf-Skulptur wurde 2007 von den Lesern der Münsterschen Zeitung zur beliebtesten Skulptur in Münster gewählt. Das Straßenmagazin „draußen“ zeichnete sie während der Skulpturprojekte mit dem Berberpreis aus, als „menschenfreundlichste Skulptur“.
Nach Ende der Skulpturprojekte empfahl die unabhängige Kunstkommission der Stadt Münster den Ankauf der Skulptur. Mit den Stimmen von CDU und FDP lehnte der Kulturausschuss das allerdings ab. „Wir wollen nicht ständig an die Vergangenheit erinnert werden“ und „Das ist linksextreme Propaganda“ waren Sätze, die damals in der bundesweit Aufsehen erregenden Sitzung des Kulturausschusses fielen. Die FAZ sah „Münster zurück in der Provinzialität“.
Mit Hilfe der solidarischen rot-grünen Mehrheit in der Bezirksvertretung Münster-Mitte konnte der Freundeskreis Paul Wulf eine Wiederaufstellung der Skulptur erreichen. Viele Münsteraner und die Sparkasse spendeten Geld für den Erhalt der Skulptur. Der Freundeskreis sammelte 35.000 Euro und schenkte die Skulptur der Münsteraner Stadtgesellschaft. 2010 wurde „Paul“ auf dem Servatiiplatz aufgestellt. Seitdem wird die Skulptur regelmäßig von Bernd Drücke und Detlef Lorber mit neuen Plakaten zur Geschichte von unten geschmückt. Der Vertrag mit der Stadt Münster läuft allerdings aus. Konstantin Wecker erfuhr davon und bot spontan seine Hilfe an. Ähnlich wie „Tatort-Kommissar“ Axel Prahl, der sich 2008 öffentlichkeitswirksam mit dem Freundeskreis solidarisierte, traf sich Wecker mit Drücke und Eilinghoff zum Fotoshooting. Deutschlands wohl bedeutendster Liedermacher fordert den dauerhaften Erhalt und die finanzielle Absicherung der Skulptur: „Es ist einfach widerlich wie sehr bestimmte Kreise die Grauen der Nazizeit verdrängen wollen, ausklammern, löschen.
Aber nur wenn wir uns immer erinnern, denken wir daran, dass das alles menschenmöglich war.“
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