Fiete Jensen

„Luft zum Atmen“

Dokumentarfilm von Johanna Schellhagen
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Autor Fiete Jensen

Fiete Jensen

Kaptan Bayraktar zeigt in Kooperation mit labournet.tv und dem Theater tri-bühne am 17. Oktober den Dokumentarfilm „Luft zum Atmen“ von Johanna Schellhagen.

Die Filmvorführung ist die einzige im Raum Stuttgart und deshalb sehr beachtenswert. Die Veranstalter freuen sich bei dieser Gelegenheit die Regisseurin willkommen zu heißen. Bevor der Film gezeigt wird, werden von ihr einige Worte zum Film und dessen Produktion gesagt. Im Anschluß an den Film gibts dann noch die Möglichkeit Fragen zu stellen.

Kinoplakat

Der Film erzählt die Geschichte der Gewerkschaftlichen Betriebsopposition im Opel-Werk in Bochum. Die oppositionelle Betriebsgruppe gründete sich 1972. Die Betriebsratsmitglieder der GoG verbreiteten geheime Informationen an die Belegschaft weiter, setzten sich ein recht auf Bildungsurlaub ein und vernetzten sich mit anderen Opel Standorten in Europa.

Bei den Betriebsratswahlen 1975 erreichte die Gruppe ein Drittel der Sitze. Das Misstrauen gegenüber den offiziellen Vertretern der übermächtigen IG Metall blieb bis zum Ende. Standortsicherheit, Befriedung von Klassenkämpfen und Mittragen von Konzernentscheidungen sind zentrale Motive der IG Metall, während die GoG auf demokratische Aktionen von und durch die Belegschaft setzte. Die zahlreichen Aufnahmen dokumentieren das Zusammenkommen der Belegschaft, Diskussionen, Abstimmungen. Man spürt die Wut der Opel-Arbeiter_innen und die Kraft, die das Kollektiv daraus schöpft selbst zu entscheiden, zusammenzukommen und die Verhältnisse mitzugestalten. „Was wir erreicht haben haben wir nur durch Kampf erreicht. In dem wir alle zusammenhalten und zusammenstehen“, sagt Uwe Lübke, ehemaliger Opel Arbeiter und Mitglied der GoG.

Die oppositionelle Betriebsgruppe des Opel-Werkes in Bochum 1972. Bild: Privatarchiv

Die demokratischen Gewerkschaftsaktivitäten der GoG mündeten 2004 in einem der wichtigsten Streik bundesdeutscher Industriegeschichte. Es ist das Jahr, in dem die damalige Eigentümerin General Motors entschloss 4000 Arbeitsplätze in Opel-Bochum zu streichen. Was folgte war nicht nur eine Solidaritätswelle, die Bochum ergriff: „Opel gehört zu Bochum wie der VfL!“ war am Banner der Ultras von „VfL Bochum“ im Heimspiel gegen Hansa Rostock zu lesen. Auch die Belegschaft ging in einen „wilden Streik“ und besetzte sechs Tage lang das Werk. Eine Urabstimmung unter der Belegschaft führte dazu, dass der Streik beendet wurde. 2014 wurde das Werk geschlossen.

Donnerstag, 17. Oktober, 19:30 Uhr bis 20:30 Uhr, Theater tri-bühne, Eberhardstraße 61A, 70173 Stuttgart, U: Rathaus, Eintritt 10 €, ermäßigt 7 €.

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Trailer

 

Luft zum Atmen – Trailer

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Anhang

Ich möchte das noch einmal ergänzen. Die Vorgänge bei Opel, Anfang der 1970er Jahre, bis hin zur Wahl der roten Betriebsräte (1975) war der Beginn, revolutionärer Vertrauensleute, deren klassenkämpferische Betriebsarbeit zu genau dieser Gründung 1978 führte (45 Jahre nach ihrem Verbot durch die Nazis). Diese Entwicklung war damals nicht nur auf die Opelwerke begrenzt. Das wird heute gerne unterschlagen. Entscheidend war auch, dass zu dieser Zeit eine aktive KPD/ML, im Gegensatz zur revisionistischen Haltung der DKP, einen revolutionären Weg vertrat, dem die deutsche Arbeiterschaft folgen konnte und dies auch tat. In der gesamten Bundesrepublik entwickelten sich in allen Gewerkschaften (nicht nur in den Idustriegewerkschaften), ja selbst in der Gewerkschaft HBV (Handel, Banken und Versicherungen), waren linke und revolutionäre Gewerkschafter aktiv.
Zur Bündelung der Arbeitskämpfe als Teil des Klassenkampfes bedarf es einer marxistisch/leninistischer Partei und nicht revisionistischer, der SED nachtrauernden Marktschreier, wie sie hier bei Facebook in einigen Gruppen auftreten. Zu glauben eine MLPD würde dies ja erfüllen können, ist ein fataler Irrtum. Es reicht nicht aus, Marx und Lenin in ihrem Parteinamen zu integrieren. In ihrem Wirken unterscheidet sie sich inhaltlich nicht von der DKP und der 1990 gegründeten KPD (in welche sich eh lediglich frustrierte SED Kader der alten revisionistischen Schule wiederfinden). Manche Artikel in ihrer Roten Fahne sind so weit von einer revolutionären Gesinnung entfernt, dass sie auch von der IG Metall bzw Verdi hätte kommen können.

Heinrich Schreiber
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