Rui Filipe Gutschmidt

Millionen Arbeitsplätze werden Opfer der Robotisierung

Länder wie Portugal trifft es härter
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Rui Filipe Gutschmidt

Derzeit dreht sich alles um den Brexit, Migrationspakt oder die Verrücktheiten von Donald Trump. Doch in der Zwischenzeit erleben wir, wie sich der technische Fortschritt auf unsere Gesellschaft auswirkt. Immer weniger menschliche Arbeit wird benötigt und wer keine Arbeit bekommt, muss trotzdem Leben können. Bis 2030 muss eine neue Gesellschaftsform entstehen, damit der Mensch nicht zum Sklave der Roboter wird.

Industrieländer, vor allem die mit einem niedrigen Lohnniveau und arbeitsaufwendigen Industriesparten, wie Portugal, Spanien und viele andere im Süden und Osten Europas, werden besonders unter der kontinuierlichen Automatisierung (Roboter, vollautomatische Maschinen und KI’s) leiden. Darum hat Portugals Unternehmerverband eine Studie zu dem Thema anfertigen lassen. Das Resultat ist alarmierend!

Die Studie, die in Zusammenarbeit mit dem McKinsey Global Institut Nova School of Business and Economics durchgeführt wurde, prognostiziert einen Verlust von 1,1 Millionen Arbeitsplätzen bis 2030 in Portugal, die in Zukunft von robotisierten Produktionslinien und vollautomatisierten Fabrikhallen übernommen werden. Im Gegenzug sollen zwischen 600.000 und bestenfalls 1,1 Millionen neuer Jobs in dem 10 Millionen Einwohner Land entstehen.

Autoindustrie waren die Pioniere der Automatisierung, Bild von Land Rover MENA – Flickr.com CC BY 2.0

Zur Zeit werden bereits 50 Prozent der Arbeit von Robotern erledigt. Bis 2030 soll diese Zahl noch auf 67 Prozent steigen. Das bedeutet auch, dass etwa 1,8 Millionen Menschen umlernen und den Beruf wechseln müssen, um nicht aufs Abstellgleis der neoliberalen Gesellschaft zu geraten. António Saraiva, der Vorsitzende des Unternehmerverbandes, macht ein paar Vorschläge, die meiner Meinung nach viel zu kurzsichtig sind.

So soll der Staat massiv in die Erwachsenenbildung, Umschulung und generell in Bildungsprogramme setzen. Als Beispiel für Berufe mit Zukunft nennt er den Gesundheitssektor. Dabei scheint er aber zu vergessen, dass Gesundheit und Pflege viel Geld kosten. Dieses Geld muss erwirtschaftet werden. Roboter zahlen aber keine Steuern und auch keine Sozialabgaben. Noch nicht! Gewinne, die dessen Firmen erwirtschaften, verschwinden in Steuerparadiese und eine Rezessionsspirale ist die Folge.
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Die weltfremden Rezepte des IWF

Der IWF gab am gleichen Tag einen „gut gemeinten Rat“ an Portugals Regierung. „Portugal muss weitere Strukturreformen durchführen…“, womit sie genauer gesagt das Absenken der Renten, besonders die der Privilegierten (na klar) und, wie sollte es auch anders sein, das anheben des durchschnittlichen Renteneintrittsalters von derzeit 63 auf 67 Jahre, meinen. Aber wenn Maschinen den Menschen immer mehr Arbeit wegnehmen, was für einen Sinn soll es da machen die Menschen noch länger arbeiten zu lassen? Welche Arbeit soll ein 67 Jähriger noch verrichten? Krankenpfleger, wo er selber bald Pflege braucht? Gibt 67-jährige die Top fit sind, aber darum geht es nicht.

Die ganze Einstellung zur Arbeit muss überdacht werden und der Staat muss für seine Bürger sorgen. Eine gerechtere Umverteilung beginnt hier mit dem BGE (Bedingungslosen Grundeinkommen), welches über eine Robotersteuer finanziert werden kann. Es kann den Menschen die Möglichkeit geben sich fortzubilden, sich künstlerisch zu betätigen. Anderenfalls werden wir zu Sklaven der Roboter… und wie einst, der „Eigentümer der Produktionsmittel“ 2.0 (Karl Marx).
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