Diethard Möller

Mercedes Benz : Tausende verlieren ihre Arbeit

Diethard Möller

Derzeit rollt bei Mercedes Benz wie auch bei anderen Automobilkonzernen eine Entlassungswelle, die allerdings verdeckt stattfindet: Leiharbeiter werden „abgemeldet“. Das hört sich harmlos an, ist aber eine Entlassung! Auch sie erwartet nichts anderes als auf der Straße zu stehen!
750 Leiharbeiter bei Daimler in Sindelfingen!
1400 Leiharbeiter – in Düsseldorf „abgemeldet“.
1200 Leiharbeiter verlieren in Rastatt ihren Job!
An anderen Standorten sieht es ähnlich aus.

Bei anderen Automobilkonzernen läuft es genauso. VW kündigte schon 2016 die Entlassung von über 20.000 Kollegen/-innen an. Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) werden bis 2035 rund 114.000 Arbeitsplätze in der Automobilindustrie wegrationalisiert! Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO vom Juni 2018 bestätigt dies. Allein im Bereich Antriebsstrang sollen von 200.000 im günstigsten Fall 75.000 Arbeitsplätze durch die Umstellung auf E-Autos wegfallen.

Doch die E-Autos sind nicht schuld. Sie entlassen niemanden. Entlassen wirst du immer von den Bossen des Automobilkapitals in den Vorständen – im Interesse des Kapitals!

Für ihre Superprofite befolgen diese ein einfaches Rezept:
Anlagen auslasten durch steigende Arbeitshetze, Rationalisierung, billig Produzieren durch Leiharbeit und Niedriglöhne. Anlagen so lange fahren wie es geht. Je weniger man investieren muss, desto höher der Profit. Dafür haben sie, unterstützt von der Bundesregierung, den Fortschritt erst mal ausgebremst. Denn für neue Techniken hätten sie ja erst neue Milliardeninvestitionen tätigen müssen. Da hat man doch lieber auf „alte, bewährte Konzepte“ gesetzt. Um die Profite noch weiter zu steigern, setzten sie auf Betrug, Manipulation, geschönte Abgaswerte. Das war nicht nur Raubbau an der Umwelt. Es war auch Betrug am Kunden wie auch an den Kolleg/innen, die sich tagtäglich abmühen, möglichst hohe Qualität abzuliefern.

Den Bossen geht es auch nicht um den Erhalt von Arbeitsplätzen oder um die „lieben Kollegen/-innen“, sondern darum, aus ihnen möglichst viel herauszuholen. Dass das Schicksal der Kollegen/-innen für die Kapitalisten keine Bedeutung hat, sieht man jetzt, wo der alte, betrügerische Weg so nicht mehr weitergeht.
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Wer muss als erster dran glauben? Die Kollegen/innen!

Tausende Leiharbeiter müssen gehen, damit der Profit weiter stimmt. Die neuen, sehr hohen Investitionen werden durch verschärfte Ausbeutung finanziert. Den Schaden haben nicht nur die gefeuerten Leiharbeiter/innen, sondern die gesamte Arbeiterschaft. Denn nun geht der Konkurrenzkampf los, welches Werk die neue Produktion bzw. Teile von ihr übernehmen darf, angeblich um „Arbeitsplätze zu sichern“. Da werden „Kostenbeiträge“ vom Kapital gefordert, also eine Art Eintrittsgeld, damit man überhaupt noch zur Arbeit darf. Der billigste Anbieter bekommt den Auftrag. Wir dürfen uns also selbst nach unten drücken, um die Arbeit zu behalten, die wir zum Leben brauchen. Und da alle Autokonzerne heute international aufgestellt sind, wird die Konkurrenz, wer am billigsten anbieten kann, sehr hart.

Hier zeigt sich: Standortdenken und Co-Management, wie es einige Führer der IG Metall betreiben, schadet allen Arbeiter/innen, spaltet sie, führt zu Konkurrenz untereinander. Statt einer Konkurrenz unter uns, brauchen wir eine Solidarität gegen die Bosse! Die Starken helfen den Schwachen, nur gemeinsam sind wir stark. Wenn du heute zuschaust, wie die Leiharbeiter-Kollegen/-innen sang- und klanglos verschwinden, wirst du morgen allein dastehen, wenn deine Kündigung an der Reihe ist.
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Gemeinsam kämpfen!

Solidarität ist unsere Waffe!

Gemeinsam müssen wir gegen jede Entlassung kämpfen, auch wenn sie beschönigend „Abmeldung“ genannt wird. Die Umstrukturierung der Autoindustrie darf nicht zu Lasten derjenigen gehen, die das alles mit ihrer Arbeit aufgebaut haben. Die Milliarden, die die Autokonzerne angehäuft haben, stammen ja aus ihrer Arbeit.
Auf Betriebsräte und Vertrauensleute, die dem Kurs des Co-Managements und des Standortdenkens folgen, müssen wir Druck ausüben. Wenn sie ihren Kurs nicht ändern, dann müssen wir sie bei nächster Gelegenheit durch kämpferische Kolleg/innen ersetzen.

Übernahme aller Leiharbeiter statt „Abmeldung“!
Schluss mit Co-Management und Standortdenken!
Arbeitszeitverkürzung muss auf die Tagesordnung!

E-Autos werden ja nicht billiger als Verbrenner verkauft. Im Gegenteil – teurer! Wenn sie aber weniger Arbeit benötigen, so wird mit dem Einsatz von weniger Arbeit mehr Wert geschaffen. Der Mehrwert, den sich das Kapital in die Tasche steckt, steigt! Die kapitalistische Antwort ist: Entlassungen, damit möglichst viel von dem höheren Mehrwert in die Taschen der Kapitalist/innen fließt.
Die Antwort der Arbeiter/innen muss anders lauten: Wenn mit weniger Arbeit mehr Wert geschaffen werden kann, dann muss die Arbeitszeit für alle bei vollen Lohnausgleich verkürzt werden. Damit wäre der Kapitalismus noch lange nicht gestürzt, aber wenigstens etwas gegen die weitere Umverteilung von unten nach oben geschafft. Ein großer Schritt Arbeitszeitverkürzung muss her. Ein paar Tage Flexi, ein paar Minuten am Tag weniger, individuelle Arbeitszeitkürzungen, ein wenig am Urlaub herum schrauben, das reicht schon lange nicht mehr. Wir brauchen ernsthafte Schritte! Nächstes Ziel: 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, damit alle ihre Arbeitsplätze behalten können!


30-Stunden bei vollem Lohnausgleich überall – statt Entlassungen!
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Erstveröffentlichung heute oder vor wenigen Tagen in Arbeit Zukunft. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers.
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