Solidarität mit den verhafteten Bauarbeitern in Istanbul!

Presseerklärung des DIDF Bundesvorstandes vom 17.09.2018
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Am 12. September kam es auf der Großbaustelle des AKP-Prestige-Objektes „3. Flughafen in Istanbul“ (bisher namenlos) wiederholt zu einem Arbeitsunfall. 19 Bauarbeiter wurden verletzt. Bisher starben bei verschiedenen Arbeitsunfällen seit Beginn der Baumaßnahmen über 400 Bauarbeiter.

Nach dem aktuellen Unfall legten die Bauarbeiter spontan und für mehrere Tage die Arbeit niedergelegt, um gegen die Missstände auf der Großbaustelle zu protestieren. Neben den schweren Arbeitsbedingungen prangern sie an, dass die Baustelle nicht ausreichend gesichert ist, klagen über unhygienische Unterbringung, schlechtes Essen, sowie über fehlende und unzureichende Bezahlung. Gewerkschaftsvertretern wird der Zugang zur Baustelle verweigert. Nach der Arbeitsniederlegung drohte der Arbeitgeber mit Kündigung, entließ vermeintliche „Rädelsführer“ und rief die Polizei herbei, jedoch führten die Streikenden ihre Protestaktion weiter.

Nach der Festnahme von fast 600 Bauarbeitern, die gegen ihre schlechten Arbeitsbedingungen protestiert hatten, fand in Istanbul eine Solidaritätsaktion statt. Die Polizei ist gewaltsam gegen die Demonstranten vorgegangen. Foto: Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von ANF NEWS

Die Bauarbeiter haben einen Forderungskatalog („Wir sind keine Sklaven“) erstellt, dieser wurde von den Verantwortlichen jedoch zurückgewiesen. Die Bauarbeiter fordern:

  • Keine Entlassungen der Bauarbeiter, die sich an den Aktionen beteiligt haben und deren Wiedereinstellung
  • Verbesserungen der Situation in den Schlafrevieren, angemessene Dusch- und Hygienebedingungen
  • Keine Barauszahlungen der Löhne, stattdessen Überweisung auf das Konto
  • Vorkehrungen und bessere Maßnahmen zur Arbeitssicherheit
  • Auszahlung der ausstehenden Löhne
  • Arbeitskleidung für alle Bauarbeiter

Am 15. September kam es in der Nacht auf der Baustelle in den Schlafrevieren zu einer Polizeirazzia und knapp 600 Bauarbeiter wurden verhaftet. Mittlerweile wurden 160 wieder freigelassen. Unter den verhafteten befinden sich auch Gewerkschaftsfunktionäre. Zur Zeit werden den Rechtsanwälten keinerlei Auskunft über die Verhafteten gegeben. Somit ist es nicht möglich, diese juristisch zu begleiten. Der Eingang zur Baustelle ist mit Polizei und Gendarmerie abgeriegelt und die Baucontainer, in der die Bauarbeiter untergebracht sind, werden rund um die Uhr überwacht. Die Bauarbeiter berichten von Zuständen wie in einem Militärcamp.
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Türkei ist Vize-Weltmeister bei Arbeitsunfällen!

Unter der AKP-Regierung sind die Arbeitsunfälle stark gestiegen. In den Jahren 2002 bis 2016 sind 17.000 Arbeiter durch Arbeitsunfälle umgekommen. Die Türkei hat nach China die meisten Arbeitsunfälle. Das Arbeitssicherheits- und Gesundheitsgesetz wurden durch die Regierung immer wieder gelockert. Die meisten Arbeitsunfälle kommen in der Baubranche vor.

Die DIDF- Föderation der Demokratischen Arbeitervereine, steht hinter den berechtigten Forderungen der Bauarbeiter. Wir verurteilen die Maßnahmen der Regierung aufs Schärfste. Wir rufen alle Gewerkschaften und fortschrittlichen Kräfte in Deutschland auf, sich mit den Kollegininnen und Kollegen zu solidarisieren. Solidaritätsschreiben richten Sie bitte an:
Dev-İletişim İş: iletisim@deviletisimis.org.tr
Dev Yapı İş: devyapi@yandex.com
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Wir fordern:

  • Alle Forderungen der Kollegen sollen umgehend erfüllt werden!
  • Freie Betätigung der Gewerkschaften auf der Baustelle und in der Baubranche!
  • Sofortige Freilassung der verhafteten und Wiedereinstellung der gekündigten Bauarbeiter!
  • Auszahlung der ausstehenden Gehälter und Erhöhung der Löhne!
  • Hoch die internationale Solidarität!
  • Bauarbeiter sind keine Sklaven!
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