Fritz Theisen

Stuttgart: Kämpferischer Aktionstag bei Mahle

Fritz Theisen

Mehr als 2000 Kolleginnen und Kollegen von Mahle demonstrierten bei brennender Mittagshitze am letzten Donnerstag durch Stuttgart/Bad-Cannstatt gegen die von Mahle angedrohten Entlassungen und Standortschließungen! Die IG Metall hatte aufgerufen. 

Mahle-Kollegen/-innen ziehen durch die Cannstatter Straßen.
Foto: Jens Volle

Ein beeindruckend langer Zug, rote IG-Metall-Mützen, Fahnen und Transparente des Widerstandes, Gewerkschaftsbanner. Kollegen/-innen aus den Mahle Werken Stuttgart, aus Mühlacker, Vaihingen, Lorch, Schwäbisch Hall, Gaildorf, aus dem bedrohten Werk Öhringen! Beeindruckend war, dass Kolleg/innen auch aus Betrieben kamen, die im Moment nicht betroffen sind.

Sie spüren: Heute Ihr, morgen wir! Aber auch Vertrauensleute von Mercedes (Untertürkheim und Sindelfingen) und von Bosch zeigten sich solidarisch. Höhepunkt: Eine Delegation aus Murtede (Portugal) vom dortigen Mahle-Werk wurde auf der Kundgebung vor Mahle in der Cannstatter Haldenstraße begeistert begrüßt!

Mahle-Kollegen/-innen: Demo durch die Cannstatter Straßen.
Foto: Jens Volle

Mehr als 2000 Teilnehmer versammelten sich vor der Mahle-Zentrale nach Angaben der IG Metall trotz der brütenden Hitze. Nur wenig Schatten! Trotzdem ließen sich die Kollegen/-innen auch von Temperaturen bis 40 Grad nicht bremsen.

Wie berichtet (sihe unten) hat Mahle angekündigt, 380 Stellen an den Standorten in Stuttgart zu streichen. Das Werk in Öhringen mit rund 240 Mitarbeitern, soll ganz geschlossen werden. Der massive Jobabbau, den viele Kolleginnen und Kollegen der Automobil- und Zulieferindustrie im Gefolge der Umstrukturierungskampagnen des Kapitals, durch e-Mobilität und Industrie 4.0 kommen sehen – er wird für die Arbeiterinnen, Arbeiter und Angestellten von Mahle jetzt ganz real fühlbar!
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Keine Zusammenarbeits-Illusionen!

Nach Reden der Mahle Betriebsräte warnte IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger laut und beschwörend vor weiteren Einschnitten in der Industrie. „Wer ganze Standorte kaputtspart und Investitions- und Weiterbildungsbudgets zusammenstreicht, wird die Zukunft nicht bewältigen können“.

Begeistert begrüßt: Kollegen aus Protugal. Foto: Jens Volle

Aber seine Beschwörungen an die Kapitalseite werden verhallen! Diese denkt angesichts der vorrückenden Krise nur noch an eines: an die Rettung ihrer Profite. Und da stören die Kollegen nur, sobald die Chefs sie als überzählig betrachten. Es hat keinen Sinn, an ihre Fairnes zu appellieren, Illusionen in eine nicht gegebene Kompromissbereitschaft der Kapitalisten zu schüren. Das muss allen Kolleginnen und Kollegen klar sein, aber auch der IG Metall und ihrer Führung. Tatsachen beweisen das. Es hat ja nicht gefehlt an „Vorvereinbarungen“ und Appellen zum „Zusammen“, zum „Gemeinsam“ in der Krise. Genutzt hat es nichts. Die Pläne des Kapitals liegen auf dem Tisch. Besonders empörend: Die Kolleg/innen erfuhren davon aus der Presse! Geht´s deutlicher??

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Gemeinsamer Kampf gegen das Kapital, für drastische gesellschaftliche Arbeitszeitverkürzung!

Kolleginnen aus dem bedrohten Werk Öhringen verbreiteten keine Illusionen. Knochentrocken und sarkastisch ihr Protestschild: „Ich und Du, Bude zu, Leben von HartzIV im Nu!

Kämpferisch, und keine Illusionen bei den Öhringer Kollegen/-innen

Darum: Die Mahle-Kolleginnen und Kollegen und ihre Unterstützer/innen müssen an dem anknüpfen, was sie am Donnerstag bewiesen: Kampf – solidarisch, international gemeinsam mit möglichst vielen Standorten. Wir alle haben dieselben Interessen!

Schade: Das gleichfalls bedrohte Werk Telford (GB) war nicht vertreten:„180 jobs under threat as manufacturer plans to close Telford site“ klagte im Juni der britische „Shropshire Star“, eine Lokalzeitung in Telford. (180 Jobs bedroht, weil der Unternehmer die Schließung des Telforder Werks plant.) und erklärt: „Mahle, in deutschem Besitz, macht zurückgehende Aufträge verantwortlich für die mögliche Schließung des Werkes, wo Luftfilterprodukte für die Autoindustrie gefertigt werden...“

Das Mahle-Werk Telford

Und leider war auch das bereits um die Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden (!) kämpfende Werk (MAHLE Filtersysteme GmbH) in Wustermark (Brandenburg)nicht zu sehen.

Viel Kollegen/-innen dort sind durchaus kämpferisch, wie ihre Beteiligung am Kampf um die Durchsetzung der 35 Stundenwoche im Osten beweist!

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Plakate zur 35 Stundenwoche vor dem Mahlewerk in Wustermark.

Forderungen, die zusammenschließen!

In der gegebenen Situation kann nicht nur in der Automobil- und Automotive-Industrie, sondern in der gesamten Industrie und in vielen andern Branchen nur der gemeinsame, solidarische Kampf um drastische Arbeitszeitverkürzung eine Kampfperspektive bieten, die das Kapital zu Zugeständnissen zwingt:

  • Drastische Arbeitszeitverkürzung für alle!
  • Mindestens 30-Stunden-Woche! Bei vollem Lohn- und Personalausgleich!
  • Keine Arbeitsverdichtung!
  • Vollständige Bezahlung der Qualifizierung durch die Unternehmen!
  • Menschenwürdiger Vorruhestand für die älteren Kolleg/innen!

Diese Forderungen stehen im Mittelpunkt des Flugblattes, das Arbeit Zukunft während der Aktion verteilte. Es braucht Forderungen, die das Zeug haben, alle zu vereinen!

Zumal Mahle auch im Horror ja gar nicht allein ist: Die Angriffe auf die Kolleg/innen reihen sich ein in aktuell bekannt gewordene Abbaupläne beim Autozulieferer Marquardt mit 600 Jobs, oder Conti, das sein Werk in Oppenweiler mit 340 Jobs schließen will. Jeder zweite Betriebsrat in Baden Württemberg rechnet laut einer IG-Metall-Umfage damit, demnächst mit ähnlichen „Kostensenkungsplänen“ ihrer Chefs bis hin zu personellen Konsequenzen zu tun zu kriegen.

Viele Kolleg/innen verstehen klar, dass es den Vorständen einzig und allein um Profitmaximierung geht, und sie sich für das Los der Arbeitenden nicht weiter interessieren.

Unser Flugblatt fand großes Interesse. Genossen von Arbeit Zukunft brachten rund 600 Flyer unter die Leute, viele auch an interessierte Zuschauer/innen an der Demoroute.

Die letzten Sätze sollen hier noch einmal unterstrichen werden:

Man kann nicht länger die Augen davor verschließen: Das ganze Problem hat einen Namen: Kapitalismus!

Wie kann das Kapital, dessen Eigner sich riesige Profite in die Taschen stecken, das Recht haben, für diese Profite die Existenzen zahlloser Menschen, Familien, Kinder aufs Spiel zu setzen?

So wie derzeit kann es einfach nicht weitergehen, wir brauchen grundsätzliche gesellschaftliche Veränderung! Dafür müssen sich Arbeiterinnen, Arbeiter, Angestellte, Erwerbslose in einer eigenständigen, kommunistischen Arbeiterpartei organisieren, um diesen historischen Kampf gegen das Kapital, für den Sozialismus aufzunehmen Keine Hoffnungen und Illusionen in die herrschenden Parteien! In diesem Sinne:
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Alle gemeinsam gegen das Kapital!

Mahle-Kollegen/-innen: Demo durch die Cannstatter Straßen
Foto: Jens Volle

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Erstveröffentlichung am 25. Juli 2019 in Arbeit Zukunft online. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers.
Bilder und Bildunterschriften wurden zum Teil von der Redaktion AmericanRebel hinzu gefügt.
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Für den Inhalt dieses Artikels ist der Autor bzw. die Autorin verantwortlich.
Dabei muss es sich nicht grundsätzlich um die Meinung der Redaktion handeln.

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Artikel vom 19. Juli 2019
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Fritz Theisen

Es geht los! Hunderte Mahle-Kollegen/-innen im Kampf um ihre Arbeitsplätze!

Fritz Theisen

Stuttgart: Der massive Arbeitsplatzklau, den viele Kolleginnen und Kollegen der Automobil- und Zulieferindustrie im Gefolge der Umstrukturierungskampagnen seitens des Kapitals durch e-Mobilität und »Industrie 4.0« kommen sehen, wird jetzt real: 650 Kolleginnen und Kollegen des großen Autozulieferers Mahle protestierten am Vormittag des 12. Juli, trotz strömenden Regens, vor der Mahle-Zentrale in Stuttgart-Bad Cannstatt gegen die Streichung von hunderten von Stellen.

Sie sandten damit ein kämpferisches Signal an die parallel stattfindende Aufsichtsratssitzung. Ihre Forderung: ZUKUNFT STATT ABZOCKE 2.0.

Die Mahle-Belegschaft erfuhr von den Kahlschlagplänen des Mahle-Kapitals aus der Presse, was besondere Empörung auslöste. Nachdem die Mahle-Geschäftsführung am 13. Mai 2019 in einer Presseerklärung einen Stellenabbau in erheblichem Umfang an den Stuttgarter Mahle Standorten angekündigt hat, wurden auch die Pläne zur Schließung des Mahle-Werks Öhringen bekannt gegeben. So reisten auch zahlreiche Mahle-Kollegen/-innen aus dem rund 70 km entfernten Öhringen mit Bussen zu der Aktion an.

Trotz Regens: Proteste vor MAHLE am 12. Juli 2019. Bild ARBEIT-ZUKUNFT

Auf der Kundgebung machte ein Mahle-Betriebsrat entgegen der in den Medien herumgereichten Zahl von ca. 400 Stellenstreichungen bekannt, über 600 Jobs seien in Gefahr, also rund 15 % aller Stellen!

Die Mahle-Betriebsräte hatten zusammen mit der IG Metall, zu dem Zeitpunkt, zu der Informations- und Protestversammlung eingeladen weil zur gleichen Zeit der Mahle-Aufsichtsrat tagte. Dieses soll aber nur ein erster Schritt sein und trotzdem haben schon 650 Beschäftigte ihre Wut und Empörung gegen das Mahle-Management lautstark und kämpferisch demonstriert.

Ein Betriebsratsmitglied kündigte für den 25. Juli an gleicher Stelle eine europaweite Kundgebung der Mahle-Belegschaften an! Man kann nur dazu aufrufen, dass auch viele Kollegen/-innen anderer Betriebe Solidarität üben und auch kommen!

Die Mahle-Geschäftsführung hält ihre Beschäftigten in ständiger Angst um die Arbeitsplätze, für die Beschäftigten und die IG Metall ein untragbarer Zustand. Auch deshalb wurde heute vor Mahle ein starkes Zeichen der Kampfbereitschaft in Richtung Aufsichtsrat gesetzt.

Proteste vor MAHLE am 12. Juli 2019. Bild IGM Stuttgart

Uwe Meinhard, für die Mahle-Kollegen/-innen und die IG Metall Stuttgart im Mahle-Aufsichtsrat, hielt eine kämpferische Rede, die völlig zu Recht die Vorgänge bei Mahle in den Rahmen der kommenden Transformationen der Automobil-Industrie, ihrer Zulieferer, aber auch aller anderen Wirtschaftszweige stellte. Unter großem Beifall rief er: Transformationen nur mit allen gemeinsam!

Allerdings erwähnte der ehemalige erster Bevollmächtigter der Stuttgarter IG Metall, mit keinem Wort, welche Strategie und welche Forderungen die Metallerinnen und Metaller im Kampf wählen und aufstellen sollten.

Wir fordern:

Drastische Arbeitszeitverkürzung für alle!

Mindestens 30-Stunden-Woche! Bei vollem Lohn- und Personalausgleich!

Keine Arbeitsverdichtung!

Vollständige Bezahlung der Qualifizierung durch die Unternehmen!

Menschenwürdiger Vorruhestand für die älteren Kollegen/-innen!

Mancher Kollege äußerte im Gespräch, dass das Problem im Kapitalismus liege. Wie kann das Kapital das Recht haben, für seine Profite die Existenzen zahlloser Menschen, Familien und Kinder in Gefahr zu bringen? Wurde gefragt. So wie derzeit könne es einfach nicht weitergehen, wir bräuchten grundsätzliche gesellschaftliche Veränderungen.

In diesem Sinne: Alle gemeinsam gegen das Kapital.

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Erstveröffentlichung am 12. Juli 2019 in Arbeit Zukunft online. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers.
Bilder und Bildunterschriften wurden zum Teil von der Redaktion AmericanRebel hinzu gefügt.
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ARBEIT-ZUKUNFT Flugblatt: fairwandel – unser Kampf geht weiter!
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Anhang der Redaktion AmericanRebel

Video von »regioTV«: Mahle-Mitarbeiter
protestieren gegen Sparkurs

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