{"id":2786,"date":"2017-04-25T02:28:05","date_gmt":"2017-04-25T00:28:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/?p=2786"},"modified":"2018-01-30T04:44:02","modified_gmt":"2018-01-30T03:44:02","slug":"2786","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/2017\/04\/25\/2786\/","title":{"rendered":"&#8211; 1. Mai Berlin \u2013 Ein gespaltener Protest"},"content":{"rendered":"<h4 style=\"text-align: justify;\">Julius Jamal<\/h4>\n<h2>1. Mai Berlin \u2013 Ein gespaltener Protest<\/h2>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Redaktion Freiheitsliebe im Gespr\u00e4ch mit Christian Gebhardt<strong><br \/>\n<span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><br \/>\n<\/strong><\/h4>\n<div id=\"attachment_179\" style=\"width: 110px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-179\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-179\" src=\"http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Julius_Jamal.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"150\" \/><p id=\"caption-attachment-179\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #808080;\">Julius Jamal<\/span><\/p><\/div>\n<div class=\"meta-infos-artikel\" style=\"text-align: justify;\"><strong>Der<a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/gesellschaft\/die-geschichte-des-1-mai-und-die-perspektive-heute\/\"> 1.Mai ist der Tag der Arbeiterinnen und Arbeiter<\/a>, der mit gro\u00dfen Demonstrationen und Kundgebungen begangen wird, die gr\u00f6\u00dfte fand die letzten Jahre immer in Berlin statt. In diesem Jahr allerdigns ist sich das B\u00fcndnis uneinig ob des weiteren Vorgehens, im Zentrum steht dabei die Debatte \u00fcber die Anmeldung der Demonstration. Wir haben mit Christian Gebhardt, Mitglied der <a href=\"http:\/\/arbeitermacht.de\/\">Gruppe ArbeiterInnenmacht<\/a>, der f\u00fcr den <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/InternationalistischerBlock\/?fref=ts\">Internationalistischen Block<\/a> \u00fcber die m\u00f6gliche Spaltung und die Relevanz des 1.Mai gesprochen.<\/strong><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Freiheitsliebe: <\/strong>In Berlin finden traditionell revolution\u00e4re 1. Mai-Demos statt, von wem werden die ausgerichtet und wer beteiligt sich?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Christian Gebhardt:\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Jahr findet das 30-j\u00e4hrige Jubil\u00e4um der revolution\u00e4ren 1.-Mai-Demonstration statt. Ausgerichtet wurden diese Demonstrationen immer von unterschiedlichen Teilen der radikalen Linken in Berlin. Seit mehreren Jahren gibt es auch einen \u201eInternationalistischen Block\u201c. Unser Ziel war und ist es, politische Themen des Klassenkampfes erneut ins Zentrum der Mobilisierung zu r\u00fccken. Einerseits geht es darum, die soziale Frage anzusprechen und \u00fcber die \u201eSzene\u201c hinaus popul\u00e4r zu machen \u2013 also den Ersten Mai zu nutzen, um das Bewusstsein unserer Klasse zu heben. Es geht ebenfalls darum, diese Fragen nicht nur auf den Kiez oder Kreuzberg zu beziehen. Der Kampf gegen die Troika in Griechenland, gegen die Besatzung Pal\u00e4stinas, deutsche Waffenlieferungen an den Diktator Erdogan, ganz allgemein die Weltmachtpolitik des deutschen Imperialismus sollten doch gerade in der Hauptstadt Berlin im Zentrum der Auseinandersetzung stehen. Man k\u00f6nnte auch etwas popul\u00e4r in Richtung der GenossInnen der RLB sagen, dass es uns darum geht, einen Zusammenhang in den K\u00f6pfen der BerlinerInnen zwischen ihrer eigenen Wohnungsnot und der Wohnungsnot von beispielsweise AfghanInnen herzustellen, die in Zeltst\u00e4dten leben, weil ihre Heimat unter Hilfestellung der Bundeswehr zerbombt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-2792 alignright\" src=\"http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/revolution1-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/revolution1-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/revolution1-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/revolution1-768x768.jpg 768w, http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/revolution1.jpg 960w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Wir denken, dass es diese Politik war, die einen enormen Zuwachs an DemonstrantInnen in den vergangenen Jahren brachte. Auch, dass die Demonstration drei Jahre in Folge ihre Route zu Ende f\u00fchren konnte \u2013 von einigen Gruppen ironischerweise als Misserfolg verstanden \u2013 war ein wichtiger Faktor, eine Demo-Teilnahme unter breiteren Schichten zu popularisieren. Ein besonderer Erfolg war in diesem Zusammenhang der Revolution\u00e4re Erste Mai 2013. Damals zogen rund 20.000 TeilnehmerInnen unter dem Motto \u201eEinzige L\u00f6sung: Revolution; Tek Yol Devrim; One solution \u2013 Revolution!\u201c vom Lausitzer Platz bis vor das Brandenburger Tor zur EU-Vertretung \u2013 an der Spitze GenossInnen aus unterschiedlichen L\u00e4ndern und Krisengebieten. UkrainerInnen, SpanierInnen, GriechInnen, KurdInnen, T\u00fcrkInnen, Pal\u00e4stinenserInnen und Gefl\u00fcchtete aus weiteren L\u00e4ndern standen ganz vorne Seite an Seite des Internationalistischen Blocks. Wir brachten also den Kampf vom Berliner Kiez bis ins Machtzentrum der deutschen Politik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tats\u00e4chlich glauben wir, dass es im Kern um diese Verbindung und Ausweitung des politischen Schwerpunktes \u00fcber den Kiez hinausgeht. Ein Teil der radikalen Linken ist in den \u201eguten alten Tagen\u201c und der Nostalgie der Hausbesetzerszene gefangen. Nat\u00fcrlich bilden diese Erfahrungen einen Teil unserer Bewegung. Nat\u00fcrlich geht es auch darum, Errungenschaften zu verteidigen. Aber ein US-Pr\u00e4sident der Amok l\u00e4uft, oder der Ausbau der Diktatur in der T\u00fcrkei spielen im Bewusstsein der breiten Bev\u00f6lkerung eine gr\u00f6\u00dfere Rolle als eine verbleibende handvoll besetzter H\u00e4user in Friedrichshain-Kreuzberg \u2013 und das zu Recht. Wir sollten es so sehen: Wir k\u00f6nnen diese besetzten H\u00e4user nur halten, wenn wir eine Bewegung aufbauen, die die Talismane der radikalen Linken nicht ins Zentrum des gesamten Klassenkampfes stellt. Das ist unser Ansatz, das ist letztlich der Knackpunkt des Disputs. Es hat nicht in erster Linie etwas mit \u201eSektierertum\u201c, sondern mit einer sich unterscheidenden politischen Linie zu tun. Gerade deshalb w\u00fcrden wir es bevorzugen, diese Debatte auch wieder auf den Boden der strategischen Fragen zur\u00fcckzubringen, anstatt eine emotionalisierte Auseinandersetzung anhand von gerade opportunen B\u00fcndnislinien zu f\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Freiheitsliebe: <\/strong>In diesem Jahr gibt es Konflikt bez\u00fcglich der Demonstration, wo genau liegen die Differenzen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Christian Gebhardt: <\/strong>Richtig, genauer kann das in unserer Stellungnahme gelesen werden. Die zentrale Frage war, wen man ansprechen will. Damit verbunden war, welche Themen man ins Zentrum der Mobilisierung r\u00fcckt und ob man die Demonstration polizeilich anmeldet oder nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir brachten hier eine Reihe von politischen Argumenten vor. Unser Vorschlag war, wie gesagt, den inhaltlichen Fokus auf die aktuellen internationalen Konflikte, insbesondere jene an denen der deutsche Imperialismus direkt oder indirekt beteiligt ist, in den Vordergrund zu r\u00fccken. Das sollte mit der inneren Situation, dem Kampf gegen Rassismus und gegen das soziale Elend der ArbeiterInnenklasse in Deutschland verbunden werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Sinne wollen wir den \u201e30 Jahre Revolution\u00e4ren Ersten Mai\u201c zum Mobilisierungsauftakt f\u00fcr den Kampf gegen die G20 im Juli in Hamburg machen. Wir glauben, dass gerade bei einer gemeinsamen Demonstration aller Spektren dieses Konzept zu einer sehr erfolgreichen Massenmobilisierung h\u00e4tte werden k\u00f6nnen. Wir finden es in diesem Zusammenhang politisch unklug, wie sich der G20-Block, an dem sich Teile der IL ma\u00dfgeblich beteiligt, derart verhalten hat. Es scheint hier weniger entlang politischer Argumente, aber vielmehr anhand traditioneller Sympathien gedacht zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz praktisch ist es nat\u00fcrlich so, dass es bedeutend schwerer ist, insbesondere Gefl\u00fcchtete oder AktivistInnen von politisch kriminalisierten Organisationen anti-kolonialen Widerstands f\u00fcr eine unangemeldete Demonstration zu gewinnen. Um es etwas bitter auszudr\u00fccken: Die RLB und leider auch ein Teil der IL stellen die Symbolpolitik einer unangemeldeten Demonstration \u00fcber die realen Gegebenheiten im aktuellen Klassenkampf. Das mag f\u00fcr die privilegierteren Schichten der deutschen Linken nach Empowerment klingen. Es fragt sich nun aber, welche objektiven M\u00f6glichkeiten eine afghanische Frau mit unsicherem Aufenthaltsstatus f\u00fcr politische Partizipation und Protest bei einer unangemeldeten Demo hat. Es ist doch wirklich bedenklich, dass die GenossInnen, die f\u00fcr eine unangemeldete Demonstration eintreten, in einem ihrer Aufrufe wortw\u00f6rtlich den Slogan \u201eLegal, illegal, schei\u00dfegal\u201c ausgeben. Was m\u00f6gen denn nun die GenossInnen in der T\u00fcrkei und den vielen anderen L\u00e4ndern denken, in denen der Kampf um demokratische Rechte aktuell ganz oben auf der Tagesordnung steht? Eine solche Politik kann doch mittelfristig nur zur Selbstisolation einer kleinen radikalen Linken f\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Freiheitsliebe: <\/strong>Der Konflikt verl\u00e4uft somit ma\u00dfgeblich \u00fcber die Frage der Anmeldung, welche Gruppen stehen sich in dieser Frage gegen\u00fcber?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Christian Gebhardt: <\/strong>Die Anmeldung ist eine organisatorische Frage, die eher der Anlass als die Ursache des Konflikts war. Man k\u00f6nnte aber durchaus die Frage stellen, ob die GenossInnen der RLB die Frage der Anmeldung derart stilisieren, um dem politischem Argument aus dem Weg zu gehen und gleichzeitig der Tatsache geschuldet ist, dass sie durch ihren Kurs zu dieser organisatorischen Frage an einer Spaltung des Ersten Mais ma\u00dfgeblich beigetragen haben. \u00a0Der Stadtpolitische Block setzte die Frage der Anmeldung in den Fokus und sprach sich f\u00fcr eine Nicht-Anmeldung aus. Dem hat sich die IL in Vertretung des G20-Blocks leider angeschlossen. Wir und die GenossInnen des Jugendblocks waren hingegen f\u00fcr eine Anmeldung der Demonstration. Es entstand schnell der Eindruck, es ginge den GenossInnen des Stadtpolitischen Blocks nicht um eine gemeinsame Demonstration oder eine politische Debatte. Vielmehr wurden alle anderen vor vollendete Tatsachen gestellt: Plakate waren bereits gedruckt, das Konzept stand und sollte mit allen Mitteln durchgedr\u00fcckt werden. Es ging nicht um eine gemeinsame Aktion und demokratische Spielregeln, sondern prim\u00e4r um die Durchsetzung ihrer eigenen Linie \u2013 unabh\u00e4ngig von Mehrheiten im B\u00fcndnis. Der Internationalistische Block und der Jugendblock hielten jedoch trotz unterschiedlicher Auffassungen an dem Ziel einer gemeinsamen Demonstration fest und schlugen verschiedene Kompromissl\u00f6sungen vor. Alle Vorschl\u00e4ge wurden vom Stadtpolitischen Block kategorisch abgelehnt. Der Stadtpolitische Block hielt dogmatisch an ihrer Position fest und forderte, dass sich alle anderen TeilnehmerInnen unterordnen beziehungsweise sich ihrer Demonstration anschlie\u00dfen sollten, obwohl ihre Position keine Mehrheit hatte. Es ist schon zynisch, dass uns das 18h-B\u00fcndnis nun als \u201eSpalter\u201c und \u201eSektierer\u201c darzustellen versucht, obwohl wir uns mehr als andere um eine gemeinsame Aktion einsetzten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei haben wir eine Nicht-Anmeldung nie kategorisch abgelehnt. Letztes Jahr f\u00fchrten wir einen Teil der Demonstration nicht genehmigt durch das MyFest durch. Der gr\u00f6\u00dfere Teil der Route verlief dann ab dem Moritzplatz angemeldet. Letztes Jahr ging es eben darum, dass die Polizei unseren bereits beworbenen Auftaktort verweigern wollte. Es gab also einen praktischen Grund, n\u00e4mlich das Demonstrationsrecht zu verteidigen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2005 und 2006 liefen wir an der Spitze der unangemeldeten Demonstrationen durch Kreuzberg und durch das MyFest, nachdem die Polizei weitgehende Demonstrationsverbote verh\u00e4ngt hatte. Wir sagen das, um eines klar zu machen \u2013 die Anmeldung oder Nicht-Anmeldung ist eine taktische Frage. Es ist nicht eine strategische Frage f\u00fcr sich, die einen zum militanten Revolution\u00e4r macht. Es ist gerade nicht revolution\u00e4r, wenn radikale Praxis zur Phrase, zur reinen Symbolpolitik wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Freiheitsliebe: <\/strong>Was waren die Argumente des Stadtpolitischen Blocks zur Nichtanmeldung?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Christian Gebhardt:\u00a0 <\/strong>Der Stadtpolitische Block sieht in der Nicht-Anmeldung einen revolution\u00e4ren Akt. Sie stellt die Aktionsform und eine symbolische Zurschaustellung der Gesinnung \u00fcber den Inhalt. Nach dem Motto: \u201eWir lassen uns vom Staat nichts geben, wir erk\u00e4mpfen alles.\u201c Tats\u00e4chlich ist aber es so, dass die Versammlungsfreiheit auch etwas ist, das von der Linken, von unserer Klasse bereits erk\u00e4mpft wurde. Dass wir in begrenztem Rahmen eine doch verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gro\u00dfe Versammlungsfreiheit haben, l\u00e4sst sich auch auf ein noch g\u00fcnstiges Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis zwischen den Klassen zur\u00fcckf\u00fchren. Anstatt sich nun aber auf die politische Radikalisierung unserer Klasse zu konzentrieren, unorganisierte ArbeiterInnen und andere Unterdr\u00fcckte wie MigrantInnen zu mobilisieren, integrieren und organisieren und damit eine gewisse politische St\u00e4rke zu erarbeiten, konzentrieren sich die GenossInnen des Stadtpolitischen Blocks auf die Symbolik der Aktion, der Wiederholung alter Glaubenss\u00e4tze der Szene und auf die Selbstinszenierung der radikalen Linken als relevante und militante, politische Kraft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich aktiv wurde, gab es oft im Abendgespr\u00e4ch mit Autonomen das Argument, dass man die ArbeiterInnen radikalisiere, wenn man sich der Bullerei entgegenstellen w\u00fcrde. Das ist nat\u00fcrlich falsch. Es ist nicht der Kampf selbst, der radikalisiert, sondern der Kampf ist ein Mittel etwas zu erreichen. Wir m\u00fcssen uns darauf konzentrieren, unsere Ziele zu artikulieren. Dann gewinnt man breitere Schichten zum Kampf. Ein Beispiel: In Gorleben haben ja nicht deswegen Zehntausende angefangen, mit den Bullen die Auseinandersetzung zu f\u00fchren, weil die radikale Linke regelm\u00e4\u00dfig unangemeldete Demonstrationen in der Region organisierte, sondern weil die Leute gesehen haben \u201eWenn wir hier was erreichen wollen, m\u00fcssen wir mehr machen als erlaubt ist.\u201c In diesen Situationen muss die radikale Linke ganz vorne stehen und ihre Erfahrung einbringen. Was jetzt passiert, ist lediglich Show.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Freiheitsliebe: <\/strong>Ihr argumentiert das Jugendliche und Migrantinnen und Migranten sicher eher einer angemeldeten Demonstration beteiligen, warum?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Christian Gebhardt: <\/strong>In der Debatte ging es uns nicht darum, dass wir glauben, dass sich diese Teile der Menschen eher an einer angemeldeten Demonstration beteiligen. Die meisten wissen oft nicht einmal, ob eine Demonstration angemeldet ist \u2013 zumindest solange nicht bis die b\u00fcrgerliche Presse sich dar\u00fcber das Maul zerrei\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist aber so, dass MigrantInnen und Gefl\u00fcchtete mit unsicherem Aufenthaltsstatus einer real gr\u00f6\u00dferen Gefahr ausgesetzt sind. Was ist, wenn ein Gefl\u00fcchteter abgeschoben wird, weil er auf der unangemeldeten Mai-Demonstration festgenommen wird? Das wird sich nat\u00fcrlich herumsprechen. Das hei\u00dft nicht, dass wir eine Demo total sicher machen k\u00f6nnen. Es ist ja der Staat, der uns angreift. Aber m\u00fcssen wir es ihm auch noch legal erleichtern, das zu tun? Der Logik nach, so hat es jemand in der Debatte ganz passend gesagt, w\u00e4re es auch radikal vor Gericht nach der Festnahme auf einen Anwalt zu verzichten. Immerhin ist es ja der Staat, der einem das Recht auf einen Anwalt zugesteht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Logischerweise haben sich daher viele migrantische Gruppierungen oder Refugeestrukturen gegen die Nicht-Anmeldung ausgesprochen. Meist aufgrund des Arguments der Sicherheit und weil sie ihre Mitglieder einer solchen Gefahr nicht aussetzen wollen. Gruppen aus dem t\u00fcrkischen und kurdischen Milieu haben sogar ihren Willen ge\u00e4u\u00dfert, notfalls eine eigene, angemeldete Demonstration zu machen. Wir als Internationalistischer Block wurden also vor die Wahl gestellt, uns einer autonom-dominierten Demo anzuschlie\u00dfen oder mit Jugendgruppen, anderen linken und migrantischen Gruppen auf gleicher Augenh\u00f6he und auf demokratischer Grundlage zusammenzuarbeiten, um eine Alternative aufzubauen. Wir haben uns f\u00fcr letzteres entschieden. Das war der Grund, warum Gruppen aus dem B\u00fcndnis den Revolution\u00e4ren Ersten Mai an anderer Stelle fortsetzten und diesen 16 Uhr am Lausitzer Platz anmeldeten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">B\u00fcndnisse und Veranstalter einer Demo haben eine gewisse Verantwortung, f\u00fcr eine Demo und ihre TeilnehmerInnen die besten Kampfbedingungen zu gew\u00e4hrleisten und taktisch g\u00fcnstige Entscheidungen zu treffen. Obwohl der Stadtpolitische Block unstrittig die F\u00fchrung im B\u00fcndnis beanspruchte, fehlte jedes Gef\u00fchl der Verantwortung oder Sensibilit\u00e4t in Sicherheitsfragen f\u00fcr jugendliche und unerfahrene TeilnehmerInnen, f\u00fcr politisch Verfolgte und vor allem f\u00fcr Menschen ohne deutschen Pass. Daher droht die andere Seite auch die Spaltungslinie zwischen deutscher und migrantischer Linker, die wir in den letzten Jahren zunehmend am Ersten Mai \u00fcberwinden konnten, wieder aufzurei\u00dfen. Einige GenossInnen des Stadtpolitischen Blocks meinten gar, dass eine Anmeldung f\u00fcr die Refugees doch keinen Unterschied mache. Wenn ich an meine Erfahrung und die Arbeit mit afghanischen Gefl\u00fcchteten denke, muss ich mich schon wundern. Und ich meine hier nicht die kleine Anzahl an Gefl\u00fcchteten, welche in der radikalen Linken aktiv sind. In den Heimen und Lagern herrscht doch eine unglaubliche Angst, und um diese Angst zu \u00fcberwinden, sollten wir es Bullen, Staat und Heimleitern nicht auch noch leicht machen, unsere eigene Mobilisierung zu untergraben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch ganz praktisch hat die Rote Hilfe darauf hingewiesen, dass eine Nichtanmeldung die Mobilisierung mittels Plakaten sehr erschwert. Es k\u00f6nnen erhebliche Bu\u00dfgelder gegen Menschen ausgesprochen werden, die aktiv f\u00fcr die unangemeldete Demonstration mobilisieren. Noch einmal: Manchmal muss man all das in Kauf nehmen, wenn man muss. Dies ist hier jedoch nicht der Fall!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Freiheitsliebe: <\/strong>Ist die Selbsterm\u00e4chtigung, die mit einer Nicht-Anmeldung einhergeht nicht ein gewichtigeres Argument?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Christian Gebhardt: <\/strong>Es ist korrekt, eine Demonstration nicht anzumelden, wenn dieses Recht noch erk\u00e4mpft werden muss. Wenn wir gewisse Rechte wie das Versammlungsrecht, welche die ArbeiterInnenbewegung und die Linke erk\u00e4mpft haben, nutzen k\u00f6nnen, tun wir das. Existiert dieses Recht, muss darum gek\u00e4mpft werden, dieses gegen \u00dcbergriffe der Polizei, repressiver Polizeibeh\u00f6rden oder Gerichte zu verteidigen. Dass wir dazu bereit sind, hat der Internationalistische Block in den letzten Jahren von Genua bis Gorleben, von Heiligendamm bis Elmau, von Pakistan bis Pal\u00e4stina, von Istanbul bis Washington schon l\u00e4ngst bewiesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diejenigen, die sich \u00fcber eine offene Diskussion in der Linken zu diesen wichtigen politischen Frage beschweren, scheuen sich nicht davor, absurde Geschichten und Unwahrheiten \u00fcber die Vorg\u00e4nge im B\u00fcndnis zu erz\u00e4hlen oder uns mit plumpen Verunglimpfung und Beleidigungen zu begegnen. Wir sind f\u00fcr einen sachlichen und \u00f6ffentlichen Diskurs, damit jede Einzelperson und jede Gruppe f\u00fcr sich entscheidet, wessen Argumente \u00fcberzeugender sind und wessen Politik zweckm\u00e4\u00dfiger ist. Hinterzimmerdebatten, intransparente Absprachen oder Konflikte in sozialen Medien sind kaum geeignet, einen sinnvollen Beitrag f\u00fcr die Linke zu leisten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Freiheitsliebe: <\/strong>Was geschieht, wenn es bei den Aufeinanderprallenden Positionen bleibt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Christian Gebhardt: <\/strong>Die aufeinander prall enden Positionen haben sich leider nicht aufl\u00f6sen lassen \u2013 trotz mehrmaligem Kompromissvorschlag und das Angebot an Zugest\u00e4ndnissen. Auch wenn es unwahrscheinlich und sehr sp\u00e4t f\u00fcr eine Einigung ist, w\u00fcrden wir es nat\u00fcrlich begr\u00fc\u00dfen, wenn sich der Stadtpolitische Block und der G20 Block doch noch einmal an den Tisch setzen w\u00fcrden. Wir setzten uns in der Vergangenheit f\u00fcr eine gemeinsame Demonstration ein und tun dies immer noch. Eine L\u00f6sung findet sich immer, wenn man will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Zeichen dessen, dass wir unseren Kampf als gemeinsamen Kampf mit dem Stadtpolitischen Block und G20 Block begreifen, haben wir unsere Demonstration auf 16 Uhr angesetzt und f\u00fchren diese zum Startpunkt der unangemeldeten Demonstration, ohne nat\u00fcrlich hierbei unsere politische Kritik vorzuenthalten. Wir wollen damit ein Zeichen daf\u00fcr setzen, n\u00e4chstes Jahr f\u00fcr eine gemeinsame Mai-Demonstration einzutreten. Wir glauben, dass bei allen politischen Differenzen eine Aktionseinheit m\u00f6glich und sogar bitter n\u00f6tig ist. Daher schlagen wir vor, allen Teilen der au\u00dferparlamentarischen, antikapitalistischen und radikalen Linken, allen Gruppen der 18-Uhr-Demo und auch den Gruppen der 13-Uhr-Demo, 2018 die Spaltung der Maib\u00fcndnisse zu \u00fcberwinden und gemeinsam einen gro\u00dfen und klassenk\u00e4mpferischen Revolution\u00e4ren Ersten Mai zu organisieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Freiheitsliebe: <\/strong>Danke dir f\u00fcr das Gespr\u00e4ch<br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><\/span><br \/>\nErstver\u00f6ffentlichung in <a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Freiheitsliebe<\/a> vom 24. April 2017, mit freundlicher Genehmigung der Redaktion<br \/>\n<span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><em><span style=\"font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><br \/>\n<\/span><\/em><span style=\"font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00dcber den Autor: Ich habe 2009 die Freiheitsliebe gegr\u00fcndet aus dem Wunsch, einen Ort zu schaffen, wo es keine Grenzen gibt zwischen Menschen. Einen Ort an dem man sich mitteilen kann, unabh\u00e4ngig von Religion, Herkunft, sexuelle Orientierung und Geschlecht. Freiheit bedeutet immer die Freiheit von Ausbeutung. Als Autor dieser Webseite streite ich f\u00fcr eine Gesellschaft, in der nicht mehr die Mehrheit der Menschen das Umsetzen muss, was nur dem Wohlstand einiger Weniger dient.<br \/>\nIhr findet mich auf: <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/juleselkhatib\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Facebook<\/a>.<br \/>\n<span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a title=\"zur Startseite\" href=\"http:\/\/www.americanrebel.de\/\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-1682\" src=\"http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/back_ar.png\" alt=\"zur\u00fcck zur Startseite\" width=\"156\" height=\"15\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/groups\/1683837971860223\/permalink\/1950918545152163\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright wp-image-1676\" src=\"http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/ar_zu_fb.png\" alt=\"\" width=\"353\" height=\"15\" srcset=\"http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/ar_zu_fb.png 470w, http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/ar_zu_fb-300x13.png 300w\" sizes=\"(max-width: 353px) 100vw, 353px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/?p=2786#respond\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright wp-image-1688\" src=\"http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/ar_kommentar-1.png\" alt=\"Sag uns deine Meinung zum Artikel mit einem Kommentar\/Leserbrief\" width=\"627\" height=\"20\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Julius Jamal 1. 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