{"id":15525,"date":"2016-08-16T14:08:21","date_gmt":"2016-08-16T12:08:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/?p=15525"},"modified":"2018-08-16T15:15:52","modified_gmt":"2018-08-16T13:15:52","slug":"15525","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/2016\/08\/16\/15525\/","title":{"rendered":"&#8211; #aufstehen: Eine Sammlungsbewegung, die spaltet"},"content":{"rendered":"<h4>Stefan Schneider<\/h4>\n<h2>#aufstehen: Eine Sammlungsbewegung, die spaltet<\/h2>\n<div id=\"attachment_15701\" style=\"width: 110px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-15701\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-15701\" src=\"http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Stefan_Schneider.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"150\" \/><p id=\"caption-attachment-15701\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #808080;\">Stefan Schneider<\/span><\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit Samstag vor einer Woche wird heftig \u00fcber #aufstehen diskutiert. Dabei soll es sich um eine Antwort auf die Schw\u00e4che des Reformismus und das Wachstum der AfD handeln. Doch statt f\u00fcr die Einheit aller Besch\u00e4ftigten zu k\u00e4mpfen, zementieren Wagenknecht und Lafontaine damit die Spaltung der Klasse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am vergangenen Samstag haben Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine #aufstehen lanciert. Zun\u00e4chst als Website, ab dem 4. September geht es auch offiziell los. Der Schritt war schon lange angek\u00fcndigt und schon seit Monaten diskutiert der linke Teil der Republik \u00fcber Sinn und Unsinn der \u201eneuen linken Sammlungsbewegung\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Mai war unter dem Stichwort #fairland ein erster Entwurf f\u00fcr ein programmatisches Manifest bekannt geworden. Neben einigen sozialen Forderungen stach dort vor allem eine chauvinistische Ablehnung einer \u201eWillkommenspolitik\u201c gegen\u00fcber Gefl\u00fcchteten hervor, nach dem Motto: Um die Sozialsysteme zu sch\u00fctzen, d\u00fcrfen nicht alle Menschen nach Deutschland hineingelassen werden.<\/p>\n<div id=\"attachment_15547\" style=\"width: 579px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-15547\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-15547\" src=\"http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/r5g-300x185.jpg\" alt=\"\" width=\"569\" height=\"351\" srcset=\"http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/r5g-300x185.jpg 300w, http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/r5g-768x475.jpg 768w, http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/r5g.jpg 890w\" sizes=\"(max-width: 569px) 100vw, 569px\" \/><p id=\"caption-attachment-15547\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #808080;\">Sahra Wagenknecht verfolft auch in der neuen Samlungsbewegung ihre chauvinistische Ablehnung einer \u201eWillkommenspolitik\u201c gegen\u00fcber Gefl\u00fcchteten.<\/span><\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch ist das endg\u00fcltige Manifest f\u00fcr #aufstehen nicht ver\u00f6ffentlicht, und es gibt Spekulationen, dass das Programm der Bewegung in diesem Aspekt\u00a0ein wenig entsch\u00e4rft werden k\u00f6nnte. Jedoch vertreten Wagenknecht und Lafontaine diese Logik schon seit L\u00e4ngerem und sie ist der Kern dessen, was sie von dem rivalisierenden Fl\u00fcgel in der F\u00fchrung der Linkspartei trennt. Besonders klagen sie die angeblich \u201epostmodern\u201c gewendete Linke an, die sich mehr um Diskriminierungsfragen und Gefl\u00fcchtete k\u00fcmmere als um die sozialen Probleme der Arbeiter*innen in diesem Land. Dagegen schlagen sie eine R\u00fcckkehr zu diesem \u201elinken Kerngesch\u00e4ft\u201c vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Offensichtliche zuerst: Mit dieser Argumentation akzeptiert #aufstehen die soziale Spaltung, die der Kapitalismus der Arbeiter*innenklasse und den Massen in immer wieder neuen Formen auferlegt, als un\u00fcberwindbar. Weil es nicht m\u00f6glich sei, die Forderungen der Mehrheit der Klasse und die Forderungen von Gefl\u00fcchteten gleicherma\u00dfen zu erf\u00fcllen \u2013 in einem der reichsten L\u00e4nder der Erde! \u2013, m\u00fcsse die Zuwanderung eben eingeschr\u00e4nkt werden. Mit dieser kruden Vorstellung davon, wie Klassenkampf funktioniert, werden die demokratischen \u2013 und sozialen! \u2013 Fragen der Gefl\u00fcchteten und aller Migrant*innen in diesem Land einfach aus der Rechnung ausgespart. Die Arbeiter*innenklasse in Deutschland hat nach dieser Vorstellung mit diesen Fragen nichts zu schaffen, denn stattdessen m\u00fcsse es ja um eine \u00f6konomische Besserstellung der Verlierer*innen der Spar- und Privatisierungspolitk der letzten Jahrzehnte gehen.<br \/>\n<span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><br \/>\n<strong>Zementierung statt \u00dcberwindung der Fragmentierung der Klasse<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch diese platte und reaktion\u00e4re Logik verkennt nicht nur v\u00f6llig die Ursachen der sozialen Misere, die sie zu bek\u00e4mpfen vorgibt, sondern negiert auch, dass die Arbeiter*innenklasse schon jetzt multiethnisch zusammengesetzt ist und demokratische Fragen deshalb in ihrem ureigensten Interesse sind.\u2028Das\u00a0Akkumulationsmodell des deutschen Kapitals\u00a0basiert sp\u00e4testens seit den 90er Jahren und vor allem seit der Agenda 2010 auf einer erzwungenen Dualisierung der Arbeiter*innenklasse. Das hei\u00dft, ein massiver Niedriglohnsektor wurde geschaffen, der die Klasse in zwei Teile gespalten hat: ein relativ gut bezahlter, qualifizierter Sektor, der meist viele \u00dcberstunden arbeitet; und ein schlecht bezahlter, auf Minijobs, Teilzeit und Kettenbefristungen angewiesener Sektor, der kaum \u00fcber die Runden kommt.\u2028Innerhalb dieses schlecht bezahlten Sektors sind Migrant*innen \u00fcberrepr\u00e4sentiert. Schlechte Arbeitsbedingungen und gesellschaftlicher und staatlicher Rassismus gehen hier Hand in Hand. Und Gefl\u00fcchtete, die v\u00f6llig illegalisiert werden oder zumindest in noch schlechteren Bedingungen in den Arbeitsmarkt integriert werden, dienen als weiterer Hebel zur Absenkung des Lohnniveaus und der Arbeitsbedingungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwar kritisiert #aufstehen die Auswirkungen der Agenda 2010 \u2013 auf der Kampagnen-Seite prangern Slogans wie \u201eKein Kind sollte in Armut aufwachsen\u201c und \u201eFlaschen sammeln darf keine L\u00f6sung sein\u201c. Doch ihr Vorschlag ignoriert den Fakt, dass eben die die hunderttausenden Gefl\u00fcchteten und vor allem die Millionen von Migrant*innen, die schon lange in Deutschland leben, zu gro\u00dfen Teilen einen \u00fcberausgebeuteten Sektor der Arbeiter*innenklasse bilden. Es handelt sich nicht um eine \u201emoralische\u201c Frage, um die sich die Linke laut Wagenknecht und Co. heute mehr als um soziale Fragen k\u00fcmmere. Im Gegenteil ist die \u00dcberwindung dieser Spaltung ein elementares materielles Problem.\u2028Wagenknecht und Co. zementieren diese Spaltung der Klasse, statt sie zu \u00fcberwinden. Denn Migrant*innen, die am meisten ausgebeuteten Sektoren der Klasse, werden von ihnen nicht als Verb\u00fcndete oder gar als Subjekte des Kampfes gesehen, sondern als Problem, dem man sich entledigen m\u00fcsse, um f\u00fcr einen anderen Teil der Klasse ein paar Brotkrumen mehr herauszuschlagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei m\u00fcsste genau das Gegenteil der Fall sein: Anstelle mit der Abschottung der Grenzen das Problem zum Teil zu externalisieren und zur Illegalisierung der schon hier im Land befindlichen Menschen beizutragen, m\u00fcsste die Devise der gemeinsame Kampf von Gefl\u00fcchteten und Einheimischen, von Arbeiter*innen mit und ohne deutschen Pass, von prek\u00e4ren und gut bezahlten Arbeiter*innen sein. Und zwar auf doppelte Weise: Die prek\u00e4ren, ausgegrenzten, unterdr\u00fcckten Sektoren m\u00fcssen die gemeinsame Front mit der Mehrheit suchen. Und vor allem m\u00fcssen die kampfkr\u00e4ftigen Teile der Klasse sich die Forderungen der Gefl\u00fcchteten und aller untergeordneter Sektoren zu eigen machen und f\u00fcr eine gemeinsame L\u00f6sung eintreten. <div class=\"hide-this-part-wrap\"><div class=\"hide-this-part-more\" id=\"hide-this-part-0\" morelink-text=\"hier geht es weiter\">hier geht es weiter \u00bb<\/div><div class=\"hide-this-part\" status=\"invisible\"><br \/>\n<strong>Eine irref\u00fchrende Kritik<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">#aufstehen wird besonders von Teilen der Linkspartei schon zu Beginn scharf kritisiert. Neben der reaktion\u00e4ren Migrationspolitik und der sozialdemokratischen Beschr\u00e4nktheit des Programms ist vor allem die angestrebte Organisationsform im Fokus der Ablehnung. Besonders wird bem\u00e4ngelt, dass das Projekt nicht organisch aus den Bewegungen der letzten Monate \u2013 wie zuletzt in Bayern sowohl gegen das PAG als auch mit der massenhaften #ausgehetzt-Demonstration, oder wie die Massendemonstrationen gegen die AfD in Berlin \u2013 entstanden ist, sondern einem Disput in der F\u00fchrung der Linkspartei entspringt, den Wagenknecht und Lafontaine auf ihre Weise l\u00f6sen wollen. Dabei beziehen sie sich vor allem auf La France Insoumise, die \u201eOne-Man-Show\u201c von Jean-Luc M\u00e9lenchon. Andere ziehen die Parallele zu Jeremy Corbyn und Momentum \u2013 eine Quelle offensichtlicher Inspiration, wie auf der Kampagnen-Seite sichtbar ist \u2013 oder Podemos im Spanischen Staat. #aufstehen soll diese \u201eErfolgsrezepte\u201c der Erneuerung des Reformismus auf Deutschland \u00fcbertragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch wenn kritisiert wird, dass #aufstehen nicht wie Podemos aus einer schon existenten Bewegung entstanden sei, ist das aus zwei Gr\u00fcnden h\u00f6chst irref\u00fchrend. Zum Einen geht das auf eine falsche Analyse der Entstehung von Podemos zur\u00fcck. Denn Podemos ist nicht das organische Resultat der massenhaften 15M-Bewegung im Spanischen Staat 2011, sondern das Resultat ihrer Niederlage. Weil die 15M-Bewegung es nicht geschafft hat, die Krise des Regimes zuzuspitzen und die Monarchie zu st\u00fcrzen, entstand Podemos als Auffangbecken f\u00fcr Aktivist*innen, als die Bewegung sich schon im Niedergang befand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Anderen verkennt diese Kritik den Charakter von Podemos. Seit seiner Entstehung hat sich Podemos immer weiter nach rechts bewegt. Angetreten als Ausdruck des Widerstands gegen das spanische Regime, hat das Projekt den Protest in der Folge in regimekonforme Bahnen gelenkt. Zuerst hat Podemos Kommunalregierungen in den wichtigsten St\u00e4dten \u00fcbernommen, heute unterst\u00fctzt Podemos sogar die Minderheitsregierung der sozialdemokratischen PSOE. Zuvor hatten sie sich gegen die massenhafte katalanische Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung gestellt.\u2028Die Frage ist also nicht nur, ob es sich um eine Bewegung oder ein Projekt mit mehr oder weniger starkem Personenkult handelt. Das Problem ist komplexer: Was f\u00fcr eine strategische Ausrichtung bietet #aufstehen an?<br \/>\n<span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><br \/>\n<strong>Eine unverhohlene Unterst\u00fctzung f\u00fcr den deutschen Imperialismus<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben der Akzeptanz einer m\u00f6rderischen Grenzpolitik \u2013 denn die Begrenzung von Zuwanderung bedeutet notwendigerweise die Aufr\u00fcstung an den Grenzen, bedeutet pers\u00f6nliches Leid, gewaltsame Abschiebung, Tod \u2013 stehen Wagenknecht und Co. auch f\u00fcr eine Unterst\u00fctzung der Hegemoniebestrebungen des deutschen Imperialismus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn woher kommen denn die Profite des deutschen Kapitals, die jahrzehntelang eine einigerma\u00dfen soziale \u00dcberschusspolitik in Form des \u201eWohlfahrtsstaats\u201c erm\u00f6glicht hat, den #aufstehen zur\u00fcckholen will? Der L\u00f6wenanteil kommt aus dem Exportsektor, der zum Einen eine Politik der Ausbeutung anderer L\u00e4nder in transnationalen Wertsch\u00f6pfungsketten durchgesetzt hat, und zum Anderen deren M\u00e4rkte mit Produkten \u201eMade in Germany\u201c \u00fcberschwemmt. Ohne die \u00dcberausbeutung anderer L\u00e4nder w\u00e4ren die Extraprofite des deutschen Kapitals, mit dem die sozialen Reformen finanziert wurden, nicht m\u00f6glich gewesen. Und es war gerade die drohende Profitkrise des deutschen Kapitals, die die rot-gr\u00fcne Regierung zur Durchsetzung der Agenda 2010 dr\u00e4ngte, dem h\u00e4rtesten Angriff auf die Arbeiter*innenklasse in Deutschland nach der Wiedervereinigung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach Beginn der aktuellen Weltwirtschaftskrise konnte die deutsche Wirtschaft ihre Macht noch ausbauen \u2013 indem sie eine aggressive Austerit\u00e4tspolitik innerhalb der EU durchsetzte, die besonders die griechische Arbeiter*innenklasse in die Misere st\u00fcrzte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch die Zeiten \u00e4ndern sich, und die Regierungskrisen der letzten Monate weisen darauf hin, dass die deutsche Bourgeoisie uneinig in der L\u00f6sung der bevorstehenden Aufgaben ist. Wie soll sie sich gegen\u00fcber den USA positionieren, gegen\u00fcber China und Russland? Kann es weiterhin eine multilaterale Dominanz \u00fcber die EU geben oder muss Deutschland auch gegen\u00fcber den engsten Verb\u00fcndeten wie Frankreich aggressiver werden?\u2028Die Antwort auf diese Fragen wird notgedrungen eine Versch\u00e4rfung der sozialen Spaltung in Deutschland mit sich bringen. Die strategische Frage, die die gesellschaftliche Linke deshalb l\u00f6sen muss, ist, wie soziale K\u00e4mpfe gegen den \u2013 nach innen und au\u00dfen \u2013 immer aggressiveren deutschen Imperialismus gef\u00fchrt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier liegt das zentrale Problem des Projekts von Wagenknecht und Co.. Nicht nur, dass die sozialen Forderungen bestenfalls sozialdemokratisch sind und eine \u2013 unm\u00f6gliche \u2013 R\u00fcckkehr zum Reformismus Ende der 60er Jahre suggerieren. Nicht nur, dass #aufstehen nicht organisch aufbaut auf den Bewegungen der letzten Monate und Jahre, sondern ein von oben ausgerufenes Projekt ist, welches erst noch eine \u201eBewegung\u201c werden will. Nicht nur, dass aus #aufstehen \u2013 trotz allem \u201eau\u00dferparlamentarischen\u201c Anspruch \u2013 wie La France Insoumise ein auf Einzelpersonen zugeschnittener Wahlverein werden wird. All diese Elemente m\u00fcssen scharf kritisiert werden. Doch am schlimmsten ist, dass #aufstehen sich an das Projekt eines Sektors des deutschen Kapitals anh\u00e4ngt \u2013 die R\u00fcckkehr zu nationaler Abschottung, verbunden mit einem Pakt mit Russland gegen die USA.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn damit sch\u00fcren sie nicht nur die Illusion, dass der deutsche Staat \u2013 der das Kapitalinteresse mit harten Angriffen gegen die Arbeiter*innenklasse im In- und Ausland durchgesetzt hat \u2013 ein Verb\u00fcndeter bei der L\u00f6sung sozialer Probleme sein kann. Sie verkaufen die Interessen der Arbeiter*innen an das nationalistische Projekt eines Teils des deutschen Kapitals.<br \/>\n<span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><br \/>\n<strong>Eine strategische Frage<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz aller Kritik konnte #aufstehen schon einige prominente Unterst\u00fctzer*innen sammeln. Darunter sind auch einige Figuren aus Linkspartei, SPD und sogar den Gr\u00fcnen. Am besten dr\u00fcckt sich die Unterst\u00fctzung f\u00fcr das Projekt wohl in dem offenen Brief von Sevim Dagdelen (Linkspartei), Marco B\u00fclow (SPD) und Antje Vollmer (Gr\u00fcne) aus, der parallel zum Launch der #aufstehen-Website\u00a0im Spiegel erschien.<br \/>\nSie argumentieren die Notwendigkeit, #aufstehen aufzubauen, mit der Zersplitterung und Schw\u00e4che der deutschen Linken. Insbesondere schreiben sie:<\/p>\n<blockquote><p>Der Hauptgrund, warum es eine solche Sammlungsbewegung geben muss, ist die Krise des gesamten Parteiensystems am Ende einer \u00c4ra, die 1989\/90 begann und sich jetzt ihrem Ende zuneigt. Es war faktisch eine Epoche ohne wirkungsm\u00e4chtige Gegenkonzepte gegen die ungebremste, ungerechte und aggressive Neuordnung der Welt unter der \u00c4gide der neoliberalen und neokonservativen Oligarchen in West und Ost. Diese haben im Schwung ihres Aufstiegs durch die Methode der globalen Deregulierung und Privatisierung enorme innenpolitische Destabilisierungen und au\u00dfenpolitisches Chaos, Kriege und Massenmigration produziert. Was dabei als Naturgesetz der Globalisierung dargestellt wurde, war reine Macht- und Interessenpolitik. Die Gewinner dieses Prozesses stehen heute ebenso fest wie die Millionen Verlierer, die kein beliebiges Gl\u00fccks- und Freiheitsversprechen mehr t\u00e4uschen kann.<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">So weit, so richtig. Doch danach wird ihre Argumentation haneb\u00fcchen. Anstatt zu kritisieren, dass die reformistischen Projekte nicht in der Lage waren, offensive programmatische Antworten auf das Voranschreiten des Neliberalismus zu finden \u2013 Parteien, die zum Teil diese Politik sogar selbst durchgef\u00fchrt haben, wie SPD und Gr\u00fcne in der Schr\u00f6der-Fischer-Regierung, oder auch die Linkspartei in diversen Landesregierungen \u2013, konzentriert sich ihr Vorschlag auf die \u201e\u00dcberwindung von Sektierertum und ideologischen Grabenk\u00e4mpfen\u201c, gegen \u201em\u00f6gliche Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung und [die] Tendenz zu alter Rechthaberei\u201c, und gipfelt im Aufruf: \u201eRaus aus den Wagenburgen der Parteien\u201c.\u2028#aufstehen wird so zum Selbstzweck: eine Vernetzung, um aus der Isolation herauszukommen. Doch mit welcher Politik? Anscheinend stehen sie gegen das \u201eWeiter so\u201c des Reformismus. Aber wohin soll es stattdessen gehen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was #aufstehen anzubieten hat, ist im Kern nur die andere Seite der falschen Medaille. Die reformistischen Parteien, die ihr Heil in der St\u00e4rkung des deutschen Imperialismus oder in der Utopie einer \u201esozialen Wende\u201c der EU suchen, sind in der Sackgasse. Doch der Vorschlag eines linken \u201eSouver\u00e4nismus\u201c, einer linken Variante nationalstaatlicher Abschottung unter dem Vorwand der Erneuerung der Sozialsysteme, f\u00fchrt nur in eine andere Sackgasse.\u2028Die Linke ist tats\u00e4chlich zersplittert, doch eine linksnationalistische Sammlungsbewegung kann dieses Problem nur in einer reaktion\u00e4ren Weise l\u00f6sen. Denn der Ursprung der gesellschaftlichen Schw\u00e4che der Linken liegt darin, dass der Reformismus keine Antworten auf die tiefe Krise des kapitalistischen Systems bieten kann. Um die Profitraten wieder zu steigern, werden massive Angriffe auch im Herzen des Imperialismus notwendig sein. Deshalb muss es darum gehen, eine Antwort der Arbeiter*innen auf diese Angriffe zu organisieren.<br \/>\n<span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><br \/>\n<strong>F\u00fcr eine Bewegung gegen das Kapital, die Regierung und den deutschen Imperialismus<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine solche Antwort kann angesichts der europ\u00e4ischen und weltweiten Krise des Kapitalismus nur internationalistisch sein. Sie muss den gemeinsamen Kampf aller Ausgebeuteten und Unterdr\u00fcckten, damit die Kapitalist*innen die Krise zahlen, in den Mittelpunkt stellen.\u2028In Deutschland ist die Voraussetzung f\u00fcr eine solche Antwort die \u00dcberwindung der Fragmentierung der Arbeiter*innenklasse. #aufstehen bietet nur eine Zementierung der Spaltung der Klasse an. Stattdessen muss es f\u00fcr uns um eine gemeinsame Front von Festangestellten und Befristeten, von Kernsektoren und outgesourcten Sektoren, von Arbeiter*innen mit und ohne deutschen Pass, f\u00fcr alle sozialen und demokratischen Forderungen der gro\u00dfen Masse der Bev\u00f6lkerung gehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Besch\u00e4ftigten in den Kernindustrien werden seit den 90ern durch Schlie\u00dfungen und Massentlassungen vom deutschen Kapital angegriffen, unterst\u00fctzt vom deutschen Staat. Diese Angriffe wurden nicht zuletzt durch den sozialen Kompromiss zwischen Gewerkschaftsf\u00fchrungen und Kapital und Staat m\u00f6glich gemacht. Dieser Kompromiss, den Wagenknecht und Co. nicht in Frage stellen, hat letztlich erst zu Befristungen, Schlie\u00dfungen, Privatisierungen usw. gef\u00fchrt, unter denen die Besch\u00e4ftigten heute leiden. Eine soziale Bewegung kann deshalb nicht mit, sondern nur gegen diesen Staat und das Kapital aufgebaut werden.\u2028Deshalb k\u00e4mpfen wir gegen jegliche Schlie\u00dfungen und f\u00fcr den Erhalt aller Arbeitspl\u00e4tze in den Schl\u00fcsselindustrien. Daf\u00fcr brauchen wir eine gewerkschaftliche Organisierung an der Basis, die diese K\u00e4mpfe auch gegen den Willen der B\u00fcrokratie f\u00fchren und ausweiten muss, mit einem Programm der Verstaatlichung aller Schl\u00fcsselindustrien unter Kontrolle der Besch\u00e4ftigten. Nur so k\u00f6nnen wir gleichen Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit und gleiche Bedingungen am Arbeitsplatz f\u00fcr alle erk\u00e4mpfen und die Spaltung der Klasse \u00fcberwinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir brauchen ein Programm, das die Vergellschaftung aller Produktionsmittel beinhaltet und eine Br\u00fccke bis zum Sozialismus baut. Dieser \u00dcbergang kann nur durch eine bewusste Anstrengung der Klasse erreicht werden. F\u00fcr den Aufbau klassenk\u00e4mpferischer Basisstrukturen in Gewerkschaften und Arbeiter*innenkomitees in Betrieben, die aktiv um die F\u00fchrung in den Gewerkschaften k\u00e4mpfen. Lasst uns daf\u00fcr aufstehen, nicht f\u00fcr die falsche Alternative von Wagenknecht und Lafontaine, und nicht f\u00fcr die Weiterverwaltung der kapitalistischen Misere durch die reformistischen Apparate.<\/p>\n<p>Ja, wir brauchen eine linke Sammlungsbewegung \u2013 gegen die Interessen des Kapitals, gegen die Regierung und den deutschen Imperialismus.&#8220; <\/div><!-- .hide-this-part --><\/div><!-- hide-this-part-wrap --><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt; color: #ffffff;\">.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\">Erstver\u00f6ffentlichung in Klasse gegen Klasse. Ver\u00f6fentlicht mit freundlicher Genehmigung der Herausgeber.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #ffffff; font-size: 10pt;\">.<\/span><\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">F\u00fcr den Inhalt dieses Artikels ist der Autor bzw. die Autorin verantwortlich.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\">Dabei muss es sich nicht grunds\u00e4tzlich um die Meinung der Redaktion handeln.<\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<table width=\"670\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-7516\" src=\"http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/88x31.png\" alt=\"\" width=\"88\" height=\"31\" \/><span style=\"font-size: 10pt;\">Dieses Werk ist lizenziert unter einer <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nc-nd\/4.0\/\" target=\"_blank\" rel=\"license noopener\">Creative Commons Namensnennung &#8211;<br \/>\nNicht kommerziell &#8211; Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz<\/a>.<\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table class=\" alignleft\" width=\"987\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<form action=\"https:\/\/www.paypal.com\/cgi-bin\/webscr\" method=\"post\" target=\"_top\"><input alt=\"Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen \u2013 mit PayPal.\" name=\"submit\" src=\"https:\/\/www.paypalobjects.com\/de_DE\/DE\/i\/btn\/btn_donateCC_LG.gif\" type=\"image\" \/><\/form>\n<\/td>\n<td><span style=\"color: #993300;\"><strong>Auch linker Journalismus ist nicht kostenlos<br \/>\nund auch kleine Spenden k\u00f6nnen helfen Gro\u00dfes zu ver\u00f6ffentlichen!<\/strong><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"zur Startseite\" href=\"http:\/\/www.americanrebel.de\/\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft\" src=\"http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/back_ar.png\" alt=\"zur\u00fcck zur Startseite\" width=\"156\" height=\"15\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/groups\/1683837971860223\/permalink\/1987214344855916\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright\" src=\"http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/ar_zu_fb.png\" alt=\"\" width=\"353\" height=\"15\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/?p=13984#respond\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/www.deanreed.de\/AmericanRebel\/2017\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/ar_kommentar-1.png\" alt=\"Sag uns deine Meinung zum Artikel mit einem Kommentar\/Leserbrief\" width=\"627\" height=\"20\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stefan Schneider #aufstehen: Eine Sammlungsbewegung, die spaltet Seit Samstag vor einer Woche wird heftig \u00fcber #aufstehen diskutiert. 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