Redaktion Roter Morgen – 19. Juli 2022

Möge die Erde dir leicht sein Genossin Esther –
wir kämpfen in deinem Sinne weiter!

Mit einer bewegenden Trauerfeier haben sich die Familie, Freunde/-innen, Genossen/-innen und Musikerkollegen/-innen am Sonntag in Hamburg von der Genossin Esther Bejarano verabschiedet.

In die Kapelle auf dem Jüdischen Friedhof in Ohlsdorf konnten nur rund 30 Gäste. Darunter waren auch zahlreiche Vertreter/innen der Klasse, die all das Leid, Krieg und Faschismus – vor dem uns Esther immer und immer wieder warnte verursachten und verursachen. Hamburgs Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit, Bürgermeister Peter Tschentscher und die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli (alle von der Kapitalismustreuen SPD), sowie die bürgerliche Presse glänzten mit ihrer Präsenz. Hunderte von Menschen verfolgten draußen die Übertragung der Feier.

Ein großes Foto erinnerte an die mutige Frau, die sich unbeugsam gegen Rechtsextremismus und Rassismus und ihre Ursachen engagierte. In der Kapelle stand der Sarg, umgeben von brennenden Kerzen und zahlreichen Kränzen. „Mit ihrem außergewöhnlichen Engagement hat die Genossin Esther Bejarano über viele Jahrzehnte, wichtige Impulse gegeben für Demokratie, Erinnerungskultur und Gleichberechtigung in Deutschland”, sagte Hamburgs Bürgermeister bei der Zeremonie. „Wir werden ihr Andenken würdigen und uns dafür einsetzen, ihre Botschaft weiterzutragen.

Trauerfeier am 17. Juli 2021

Unter Tränen erinnerte Schauspieler Rolf Becker an seine Freundin Bejarano. „Nicht zurückzuweichen – Esther hat es vorgelebt”, sagte der 86-Jährige. Bejarano hatte in ihrem Leben zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Zusammen mit ihrem Sohn Joram und ihrer Tochter Edna sang sie jüdische und antifaschistische Lieder, zuletzt tourten sie mit der Kölner Hip-Hop-Band Microphone Mafia durch Deutschland. Im Mai dieses Jahres hatte sie noch mit einer Lesung an die Bücherverbrennung der Nationalsozialisten in Hamburg erinnert.

In einem langen Trauerzug gingen die Gäste hinter dem Sarg zum Grab. Dort wurde Esther neben ihrem bereits 1999 verstorbenen Ehemann Nissim beigesetzt. Ihr Sohn Joram sprach das jüdische Totengebet Kaddisch. Esther hinterlässt zwei Kinder, zwei Enkelkinder und vier Urenkelkinder.

Esther Sohn Joram steht mit Hamburgs Rabbiner Shlomo Bistritzky am Grab seiner Mutter und spricht das Totengebet Kaddisch.


Heuchelei und Lügen

Die Redner/innen der SPD hielten sich an ein ungeschriebenes Gesetz „Kein Wort über den national-zionistischen Staat Israel zu verlieren und reiten sich damit ein in die Gruppe von bürgerlichen Journalisten/-innen, Tagesschau, NDR, Häuchler/innen und Volkszertretern wie Ramelow, Steinmeier und Konsorten.

Dabei wäre es so passend gewesen, in den Reden auf das Leid der Palästinenser hin zu weisen, denn Esther Bejanaro unterstützte den palästinensischen Freiheitskampf seit Jahren mit klaren Aussagen. Im Dez. 2018 gab sie zum Beispiel in ihrer Hamburger Wohnung ein Interview für die Internet-Plattform „Electronic Intifada“ in dem sie glasklare Worte fand, die selbst ihr zeitweise den absurden Vorwurf des Antisemitismus einbrachte.

Das gezielte Verschweigen ihrer politischen Positionen ausgerechnet durch Bodo Ramelow in der Frankfurter Rundschau, ist tatsächlich kein Nachruf sondern ein ein verdeckter Nachrufmord. Er ist nicht allein, auch die komplette „Antifa-Presse“ sprang in ihrer Berichterstattung über den plötzlichen Tod von Esther auf den zug der Heuchelei auf und verschwieg Esthers klare Ausssagen zum Zionismus.

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Esther war ein Vorbild, eine glaubwürdige unermüdliche Kämpferin gegen Rechts, gegen Rassismus, Antisemitismus, Diskriminierung und Unterdrückung. Sie trat zum Unwillen vieler selbsternannter „Freunde“ Israels und der Verteidiger der völkerechtwidrigen Besatzungspolitik für Verständigung und freie Meinungsäußerung ein und erklärte sogar ihre Unterstützung der weltweiten und in Deutschland besonders heftig vom politischen und journalistischen Mainstream bekämpften und verunglimpften BDS-Bewegung (Boycott, Divestment and Sanctions).

Sie hielt die Unterstützung der BDS-Bewegung für berechtigt und notwendig. Sie habe, führte sie in einem Interview aus, bereits schon bald nach Ende des II. Weltkrieges, in den ersten Jahren ihres Aufenthalts in Palästina bzw. Israel zu den damaligen Repräsentanten des Zionismus, David Ben Gurion und Golda Meir, Widerspruch gehabt. Diese hatten die Losung ausgegeben: „Das Land gehört uns.“ Nachdem sie, Bejarano, sich gemeinsam mit ihrem Mann offen gegen diese Position gestellt habe, seien sie beide derartigen Repressionen ausgesetzt gewesen, dass sie sich zur Auswanderung gezwungen sahen und 1960 nach Deutschland – in „das Land der Täter“ – ausgereiste.

Auch heute protestierten, auch in Deutschland, viele Menschen gegen die Politik der zionistischen Regierung und würden dafür systematisch als „Antisemiten“ angeprangert. Selbst gegen Esther, der Jüdin, scheute man sich nicht, diesen Vorwurf zu erheben. Dazu sagte sie wörtlich:

„Ich möchte sagen: ich war schon immer gegen die unmenschliche Politik gegenüber den Palästinensern und gegen den Krieg gegen sie … Und wenn ich das sage, werde ich des Antisemitismus beschuldigt.”

Zum Kampf der Bewohner des Gaza-Streifens sagte sie:

„Ich bin der Meinung, die Palästinenser haben das Recht, sich gegen das, was Israel ihnen antut, zur Wehr zu setzen. Das ist völlig berechtigt. Sollen wir zulassen, dass sie von den Israelis umgebracht werden? Es wird gesagt, die Hamas habe Israel mit Raketen beschossen, deswegen trüge sie die Verantwortung für den Krieg. Ja, wer hat denn den Krieg begonnen? Das waren nicht die Palästinenser!“

Es ist eine Farce, dass jetzt landauf, landab manch führende Politiker und Journalisten ihren Tod beklagen – jene die gleichzeitig mit ihrer Doppelmoral israelkritische Positionen und BDS-Aktivisten der Palästina-Solidaritätsbewegung verurteilen und den öffentlichen Diskurs trotz garantierter Verfassungsrechte auf freie Meinungsäußerung in Worten und Taten zu verhindern suchen. Es wird Zeit das WIR, wir die Leute die immer die Verbrechen des Kapitals ausbaden müssen und unter Ausbeutung, Krieg und Vertreibung leiden, die Macht übernehmen!
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Anhang

Video von der Beerdigung (NDR/Hamburg-Journal)

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Lest dazu bitte auch:

Nie mehr schweigen, wenn Unrecht geschieht!

 

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