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Medien Mosaik

– Arman T. Riahi: „Die Migrantigen“
Lutz Jahoda / Reiner Schwalme: Lustig ist anders
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Zwei abgebrannte Künstler (Faris Rahoma, Aleksandar Petrovic) fühlen sich als echte Wiener, sind dort aufgewachsen und haben darüber schon vergessen, dass sie einen „Migrationshintergrund“ haben. Ein bisschen sieht man es ihnen aber doch noch an, und so nehmen sie nach einigem Zögern das Angebot einer Fernsehreporterin an, in einer Doku-Soap die typischen Klischees zu bedienen. Das ist kurz gefasst die Geschichte der neuen österreichischen Filmkomödie „Die Migrantigen“, Debüt des iranischen Migranten Arman T. Riahi. Immer wieder gibt es neue komische Wendungen, und die Vorurteile über Einwanderer werden kräftig auf die Schippe genommen. In der Schlusssequenz beim unbefugten Eindringen in den Fernsehsender steigert sich das Ganze zu einem olsenbandenähnlichen Coup. Sicherlich gibt es dramaturgische Schwächen, was Logik und Glaubwürdigkeit betrifft. Aber es ist eine Komödie, und die Gastauftritte von Josef Hader als Regisseur und Margarethe Tiesel als sexuell aktive Mutter gehören zu den Höhepunkten, die die Schwächen vergessen lassen. Eine Bühnenfassung der Filmkomödie ist bereits in Vorbereitung.

Die Migrantigen, Regie Arman T. Riahi, Camino Filmverleih, seit 7. September in ausgewählten Kinos.

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Zwei in der Öffentlichkeit gut bekannte ältere Herren wurden im Sommer 80 und 90. Das Geburtstagsgeschenk haben sie sich selbst bereitet – mit einem neuen Buch! Der 90-jährige Entertainer Lutz Jahoda (der dieser Tage zum Ehrenmitglied der Europäischen Kulturwerkstatt ernannt wird) ist gerade im neuen Jahrtausend auch als Schriftsteller hervorgetreten. Besonders seine Romantrilogie „Der Irrtum“ zeugt von einer aus Lebenserfahrung gespeisten Durchdringung europäischer Geschichte, wie sie eines F.C. Weiskopf würdig wäre. Das neue Buch „Lustig ist anders“ ist trotz des populären Titels durchaus kein Schritt zurück. Es enthält überwiegend Kurzessays zu politischen Fragen, zum Zeitgeist, zu sozialen Problemen, die Jahoda durchaus mit trockener Ironie behandelt, wobei er sich als Antifaschist und Antikapitalist erweist. Er ordnet die Rolle verschiedener Politiker der jüngeren Vergangenheit zur heutigen Weltlage ein und versucht, die nachwendlichen Geschichtsfälschungen geradezurücken. Dazwischen findet sich sogenannte Gebrauchslyrik, politische Poesie, oft in Knittelversen – wie zum BND: „Gehlen ist zwar längst verstorben, doch der Ruf, der bleibt verdorben!“

Dazu passen die Bilder des zweiten Jubilars. Karikaturist Reiner Schwalme ist nun 80, hat aber nichts von seinem scharfen Witz verloren. Er steuert fast 100 teils ganzseitige, meist farbige Illustrationen und politische Witzblätter bei, wie das eines darbenden Flüchtlings, der von der Merkel träumt, die ein Füllhorn über ihm ausschüttet. Oder: Der deutsche Michel kommt zur Kartenlegerin mit der Frage: „Ich möchte gern wissen, was ich wählen werde!“ Zur Wahlentscheidung kann dieses Buch auf jeden Fall hilfreich sein!

Lutz Jahoda / Reiner Schwalme: Lustig ist anders. Books on Demand, Norderstedt 2017, 448 Seiten, Kindle Edition 9,99 Euro, Soft-Cover-Buch 26,99 Euro. BESTELLUNG

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Aus Das Blättchen, Nr. 19, vom 11. September 2017, mit freundlicher Genehmigung des Autors
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