Fiete Jensen

»Sozialismus geht anders« Teil 1

Die bedeutenste Lüge des 20. Jahrhunderts und ihre Auswirkungen auf die KPD und SED
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Fiete Jensen

Die kommunistische Bewegung in Deutschland ist zerschlagen und zersplittert, viele kleine Gruppen wurschteln vor sich hin. Merkwürdige Ideologien, die alle unter dem Oberbegriff Revisionismus unter zu ordnen sind, bestimmen das Denken vieler Genossen. Ob es nun die »Juche-Ideologie« die chinesische »Ideologie des Dreifachen Vertretens« oder die kubanische Regierungsform ist, die sich ihren Platz in den Köpfen vieler Genossen erobert hat, alle haben gemeinsam, das der Marxismus-Leninismus über den Haufen geworfen wurde um einer bestimmten Klasse ihre uneingeschränkte Macht zu ermöglichen. In Deutschland haben sich einige Genossen esoterisches Gedankengut und andere Formen der Abkehr vom revolutionären Klassenkampf angeeignet, sich von der Arbeiterklasse distanziert und in einigen Fällen, wie der Gruppe Arbeiterfotografie (Sitz Köln) und dem Deutschen-Freidenkerverband, alte traditionsbewusste Arbeiterorganisationen gleich mitgenommen. Die DKP hat sich im Ansehen der fortschrittlichen Menschen in Deutschland noch nicht von seinem berechtigten Ruf, ein Büttel der SED gewesen zu sein, erholt. Und dann gibt es da noch so ein Gebilde mit vielen fleißigen Genossen undGenossinnen, das sich links nennt aber sozialdemokratisch denkt und handelt. In ihrem Programm kommt das Wort Sozialismus nicht mehr vor.

Alles das trägt nicht dazu bei das die Arbeiterklasse und ihre natürlichen Verbündeten klare Vorstellungen über den Sozialismus oder gar den Kommunismus haben.

Erste Ausgabe des Zentralorgans der KPD/ML, Ausgabe DDR, vom 1977. Auf sehr dünnem Papier gedruckt wurde sie tausendfach in der DDR verteilt und von der BRD aus an Einzelempfänger versendet.

Der größte Bruch in der internationalen und auch deutschen kommunistischen Bewegung ist der moderne Revisionismus gewesen. Die Entartung der Sowjetunion nach dem Tode Stalins, der konterrevolutionäre Putsch der Chruschtschow-Clique 1956, verbunden mit der größten Lüge des 20. Jahrhundert durch den Verräter Chruschtschow anlässlich der sogenannten »Geheimen Rede« am 25. Februar 1956 im Rahmen des XX. Parteitages der KPdSU. Die Ulbricht-Clique in der DDR übernahm voll und ganz die konterrevolutionären Thesen des Chruschtschow-Revisionismus und löste in Folge dessen auch in Deutschland die Spaltung der kommunistischen Partei aus. In den 1960er Jahren bildeten sich weltweit neue revolutionäre kommunistische Parteien die oft zur Unterscheidung von den revisionistischen Parteien den Zusatz ”ML“ trugen. In Deutschland geschah dieses durch die Gründung der KPD/ML, ein Zusammenschluss von vielen westdeutschen revolutionären Grüppchen, am 31. Dezember 1968 in Hamburg. In der DDR gab es zu der Zeit in vielen Orten kleine illegale marxistisch-leninistische Gruppen die sich gegen den „Ubricht-Revisionismus“ wandten. 1976 schlossen sich viele dieser illegalen Gruppen zur Sektion DDR der KPD zusammen und kämpften gemeinsam mit ihren westdeutschen Genossen in einer Partei für ein vereintes, unabhängiges und sozialistisches Deutschland.

Heute versuchen verschiedene kommunistische Organisationen wie Arbeit-Zukunft, KPD (Ost), Kommunistische Initiative Gera 2010 u. a. mehr oder weniger ernsthaft die Einheit aller Marxisten-Leninisten in einer Partei herbei zu führen. Doch die Einheit kann nicht auf dem Papier oder einem festlichem Parteitag entstehen, sondern muss sich im täglichen gemeinsamen und organisierten Klassenkampf seinen Weg bahnen. Eine Grundlage für den gemeinsamen Kampf von Marxisten-Leninisten ist m. E. die Kenntnis der Geschickte der KPD, insbesondere in der Zeit von 1946 bis heute. Der Verrat durch den modernen Revisionismus und die daraus entstandenen Fakten, sind in unseren Reihen viel zu wenig bekannt und noch heute ein Grund für mangelndes gemeinsames Handeln. Diese Unkenntnisse steht der Einheit der Marxisten-Leninisten in Wege.

Ich bin seit meinem 17. Lebensjahr Kommunist und war die meiste Zeit davon in der KPD organisiert. Also zuerst in der Roten Garde (Jugendorganisation der KPD/ML) dann in der KPD/ML und nach dem 1980 der Name KPD wieder frei wurde, in der KPD. Dort war ich bis weit über den Zeitpunkt der Spaltung durch die trotzkistische GIM organisiert. Mit meinen 63 Lebensjahren und bedingt durch meine Kampferfahrung als revolutionärer Kommunist in der kapitalistischen BRD erlaube ich mir zur heutigen Lage der kommunistischen Bewegung in Deutschland Stellung zu nehmen. Das was ich schreibe ist nicht auf meinen Mist gewachsen, sondern beruht auf Forschungen, Aufzeichnungen und Erkenntnisse der KPD/ML in Verbindung mit ihrem revolutionärem Kampf für ein vereintes, unabhängiges und sozialistisches Deutschland. Mein Dank geht wieder einmal an die Magdeburger Genossen, die den größten Teil dieser Darstellung in gut verständliche Sätze gefasst haben.

Im Teil 1 meiner Zusammenstellung geht es also um die Situation der Parteien der deutschen Arbeiterklasse nach 1946 bis hin zur Wiedergründung nach den revisionistischen Entartungen im Jahre 1968.

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Die Lage nach 1945

Die Errichtung und der Aufbau des Sozialismus in der DDR in den 50er Jahren erfolgten unter sehr schwierigen Bedingungen. Obwohl die Arbeiterklasse sich nicht zum revolutionären Kampf erhoben hatte, obwohl es der KPD nicht gelungen war, sie im Geiste der proletarischen Revolution zusammen zu schweißen, ermöglichte es die Zerschlagung des Faschismus und damit des imperialistischen Staatsapparates durch die Rote Armee und deren Anwesenheit in der sowjetischen Besatzungszone, dass dort binnen kurzer Zeit die Macht vom Volk unter der Führung der Arbeiterklasse und ihrer kommunistischen Partei ausgeübt wurde. Das bedeutete aber auch, dass die Arbeiterklasse, die werktätigen Massen, sich nicht selbst im bewaffneten Kampf, in der gewaltsamen sozialistischen Revolution von ihren Ausbeutern und Unterdrückern befreit hatten. Es bedeutet dass ihnen das hohe Gut des Sozialismus sozusagen „geschenkt“ wurde. Und es bedeutete, dass die Partei nicht so kampfgestählt und ihre Verbindung mit den Massen nicht so eng war, wie es nach einem langwierigen, erfolgreichen Kampf um die Macht unter ihrer Führung der Fall gewesen wäre.

Der faschistische Terror hatte große Lücken in die Reihen der KPD gerissen; gerade seine zielklarsten, erprobtesten und tapfersten Führer wurden in den Konzentrationslagern der Nazis ermordet. Diejenigen, die nach über einem Jahrzehnt aus der Emigration zurückkehrten, hatten oftmals die Verbindung zu ihrem Volk verloren, mussten aber sofort Funktionen übernehmen. Hinzu kamen die Resignation und abwartende Haltung großer Teile des Volkes nach der Zerschlagung des Hitlerfaschismus und der negative ideologische Einfluss von Millionen kleinbürgerlich-bäuerlicher Umsiedler, die durch ungenügende Aufklärungsarbeit und Fehler in der Siedlungspolitik gegen die Potsdamer Beschlüsse eingestellt und darüber hinaus antikommunistisch verhetzt waren.

Von Westdeutschland und Westberlin aus hetzten die Imperialisten pausenlos und mit allen Mitteln die Bevölkerung der DDR gegen die Kommunisten und  die Diktatur des Proletariats und gegen die Rote Armee. Ihre Agenten verübten Sabotage, ermordeten Kommunisten, warben bürgerliche Spezialisten und Funktionäre ab und betrieben eine hemmungslose demagogische Propaganda. Durch die Spaltung Deutschlands waren viele Lebensadern der ostdeutschen Wirtschaft zerschnitten, ihr fehlte das natürlich gewachsene Hinterland.

Aber all diese Schwierigkeiten konnten überwunden werden und der wütende Widerstand der Bourgeoisie gebrochen, der Sozialismus siegreich aufgebaut werden, wenn es gelang, die revolutionäre Einheit der Arbeiterklasse, ihr festes Bündnis mit den anderen Teilen des werktätigen Volkes herzustellen, wenn es gelang, die breiten werktätigen Massen für die Ziele der Arbeiterklasse zu gewinnen und zu mobilisieren. Die ausschlaggebende Bedingung dafür aber ist in jedem Fall die stählerne Kampfeinheit zwischen dem Proletariat und seiner Partei. Das Wesen der Partei, ihr Festhalten am Marxismus-Leninismus, am Weg des Sozialismus und Kommunismus, war die entscheidende Frage, die Lebensfrage des Sozialismus in der DDR.

Die Vereinigung der KPD mit der SPD in Ostdeutschland zur SED führte zwar dazu, das die durch den revisionistischen Verrat der SPD hervorgerufene Spaltung der deutschen Arbeiterklasse weitgehend überwunden, dass die SPD als Partei liquidiert wurde, aber sie hatte auch schwerwiegende negative Aspekte: Durch den ungenügenden ideologischen Kampf vor dem Zusammenschluss, durch die nicht vollzogene Kennzeichnung und Verurteilung der Verratspolitik der SPD seit 1914, durch die teilweise Aufgabe marxistisch-leninistischer Prinzipien wurden unzulässige Kompromisse gegenüber der Sozialdemokratie gemacht. So drang mit der Vereinigung auch der Sozialdemokratismus in die Partei ein.

Um diese gefährlichen Erscheinungen zu überwinden, drängen die Marxisten-Leninisten in der Partei darauf, die Partei vorrangig ideologisch aufzubauen. 1948/49 wurde eine Kampagne zur Bolschewisierung der SED durchgeführt, um sie zu einer wirklich leninistischen Partei neuen Typus zu machen. Es wurden Maßnahmen ergriffen zur Verbesserung der ideologischen Erziehung und Schulung, gegen das Eindringen klassenfremder Elemente in die Partei, zur vorrangigen Ausrichtung auf die Betriebe, zur Entfaltung der Massenlinie.

Doch die revisionistischen und sozialdemokratischen Elemente in der Parteiführung taten auf der anderen Seite alles, um die Bolschewisierung der SED zu verhindern. Sie sabotierten die konsequente Durchführung der Maßnahmen. Stattdessen verstärkten sie ihre Versuche, die Partei auf den kapitalistischen Weg zu zerren. Durch eine unbolschewistische Aufnahmepolitik begünstigten sie das Eindringen vieler karrieristischer und korrupter Elemente in die Partei, die die Partei nicht nur zersetzten, sondern auch ihrem Ansehen unter den Massen größten Schaden zufügten. Am 17. Juni 1953 wurde in der DDR sichtbar, dass sich die Kluft zwischen der SED und der Regierung einerseits und den werktätigen Massen andererseits vergrößert hatte. Der 17. Juni war zwar, wie aus seiner Durchführung, seinen Zielen und seiner Planmäßigkeit eindeutig hervorging, ein von den Imperialisten und ihren Agenten gelenkter konterrevolutionärer Putschversuch. Aber er hätte niemals seine relative Breite auch im Proletariat erreichen können, wenn er nicht auf die Unzufriedenheit großer Teile der Werktätigen gestoßen wäre, die sahen, dass, während sie aufopferungsvoll, unter Entbehrungen und voller Elan den Sozialismus aufgebaut hatten, sich eine neue bevorzugte Schicht herausgebildet hatte. Ein Teil der höheren Partei- und Staatsfunktionäre, bürgerliche Spezialisten und Intellektuelle genossen zunehmende Privilegien, während für das werktätige Volk die Normen erhöht wurden.

Gegen den Widerstand der Marxisten-Leninisten in der SED, die nach dem 17. Juni verstärkt forderten, Kritik und Selbstkritik zu entfalten, das Steuer herumzureißen und die Volksmassen gegen den Imperialismus und für die Verteidigung des Sozialismus zu mobilisieren, hielt die Ulbricht-Clique am revisionistischen Kurs fest, administrierte und dekreditierte weiter, blockte berechtigte Kritik von unten ab. Die hohen Lohnunterschiede wurden nicht abgebaut, sondern vergrößert, die Politik des materiellen Anreizes verstärkt, Bürokratie und Korruption wurden nicht nur weiterhin geduldet, sondern dehnten sich aus. Krasser Ausdruck dieser Politik war die Erklärung der Ulbricht-Administration nach dem 17. Juni, „Das Volk habe das Vertrauen der Regierung verloren“.

Der konterrevolutionäre Putsch der Chruschtschow-Clique 1956 in der Sowjetunion beschleunigte auch die Entartung in der DDR. Jetzt kamen die vorher noch versteckten revisionistischen Tendenzen an die Oberfläche. Ulbricht übernahm voll und ganz die konterrevolutionären Thesen des Chruschtschow-Revisionismus. Wie Chruschtschow propagierte Ulbricht die Theorie des „friedlichen Wettbewerbs“, das wirtschaftliche Ein- und Überholen der Bundesrepublik in wenigen Jahren, die Theorie der Produktivkräfte, nach der nicht der Klassenkampf, sondern nur die Steigerung der Produktion durch technischen Fortschritt das Hauptkettenglied beim Aufbau des Sozialismus sein soll. Wie Chruschtschow propagierte Ulbricht den Gulaschkommunismus, nach dem nicht die Frage, welche Klasse die Diktatur ausübt, sondern nur die Menge der zur individuellen Konsumtion zur Verfügung stehenden Waren das entscheidende Kriterium für die sozialistische Entwicklung sein soll.

noch nicht fertig >>>>>>

Im zweiten Teil …

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Über den Autor: Fiete Jensen, Tischler, Kommunist in der Roten Garde und der KPD/ML (KPD), Jugendvertreter, Betriebsrat, Werftarbeiter, Berufs-Verbotener, Zwangsselbständiger, leitender Mitarbeiter in der linken und außerschulischen Jugendbildung, Redakteur und Webdesigner ist heute im Vorruhestand und fordert Andere mit seinen Texten und Aktionen immer wieder aus der Reserve.

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